Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertneununddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
17 Tote bei Anschlägen auf Moschee-Besucher. Schiitischer
Milizführer nach Gefecht in Sadr City verhaftet
Sa.08.07.06 - Bei einer Serie von Anschlägen auf sunnitische und schiitische
Gläubige während der Freitagsgebete sind im Irak erneut
mindestens 17 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden.
Die Anschläge richteten sich gegen vier sunnitische Moscheen im
Großraum von Bagdad sowie ein schiitisches Gotteshaus in der
nordirakischen Stadt Sindschar.
In Bagdad wurde außerdem ein sunnitischer Geistlicher
entführt, wie der Leiter der für sunnitische Moscheen und
Heiligtümer zuständigen Behörde, Ahmed Abdul Ghafur al
Samaraie, sagte. In einer Predigt forderte er die Regierung auf, die
schiitischen Milizen aufzulösen, die für viele Bluttaten
gegen Sunniten verantwortlich gemacht werden. Seit dem Sturz Saddam
Husseins im April 2003 seien 181 sunnitische Imame getötet worden,
sagte Al Samaraie.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki will nach eigenem Bekunden die
Milizen allmählich auflösen und die Kämpfer in die
regulären Sicherheitskräfte integrieren. Konkrete
Vorschläge dazu enthielt sein kürzlich vorgestellter
nationaler Versöhnungsplan allerdings nicht.
Irakische Soldaten nahmen am Freitag nach einem heftigen Schusswechsel
einen militanten Führer der Schiiten gefangen. Bei dem Gefecht im
Bagdader Elendsviertel Sadr City seien neun «feindliche
Kämpfer» getötet und 34 verwundet worden, verlautete
aus Behördenkreisen. Die Schießerei begann nach US-Angaben,
als die zur Verhaftung des Verdächtigen anrückenden
irakischen Soldaten unter Feuer genommen worden seien. Der
Verdächtige habe mehrere militante Zellen in Bagdad geleitet, die
die Koalitionsstreitkräfte mit Autobomben und am Straßenrand
versteckten Sprengsätzen angegriffen hätten.
Auch nahe der südirakischen Stadt Hilla wurde US-Angaben zufolge
in einer gemeinsamen irakisch-amerikanischen Militäraktion ein
Regional-Kommandeur einer schiitischen Miliz gefangen genommen.
Die Japaner begannen unterdessen mit dem Abzug ihrer Truppen aus dem
Irak. Ein erstes Kontingent von 30 Soldaten wurde am Freitag
zunächst nach Kuwait ausgeflogen, wie japanische Medien
berichteten. Der Abzug der etwa 600 im Irak stationierten Soldaten soll
in den nächsten zwei Wochen abgeschlossen sein.
Der wegen Mordes an einer irakischen Familie inhaftierte US-Veteran
Steven Green hat sich vor Gericht für nicht schuldig erklärt.
US-Präsident George W. Bush erklärte am Donnerstag, wenn die
Vorwürfe gegen den 21-Jährigen zuträfen, handele es sich
um «ein abscheuliches Verbrechen». Green wird beschuldigt,
eine junge Frau vergewaltigt und sie sowie drei ihrer Angehörigen
erschossen zu haben.
Die Anhörung Greens fand im US-Staat Kentucky statt, wo am 8.
August auch die Anklage gegen den 21-Jährigen verlesen werden
soll. Green war vor einer Woche in North Carolina festgenommen worden,
die Einheit, mit der er im Irak im Einsatz war, hat ihre Basis aber in
Kentucky. Die Streitkräfte hatten ihn schon vor Bekanntwerden des
Mordfalls aufgrund einer Persönlichkeitsstörung entlassen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 08.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.08.07.05 -Irakische Verfassung soll bis Ende nächsten Monats fertig sein +++ Im
Irak entführter ägyptischer Diplomat ermordet +++ 11 Tote bei
Autobombenanschlägen südlich von Bagdad +++ Drei Tote und 46
Verletzte bei Granatenanschlägen in Mossul...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israel eröffnet neue Front im Osten des Gazastreifens - Annan ruft
Israel zu Stopp von 'unverhältnismäßiger Gewalt' auf
Sa.08.07.06 - Israelische Truppen haben bei ihrer Bodenoffensive im Gazastreifen am
Samstag eine neue Front im Osten des Gebiets eröffnet. Soldaten
drangen mit rund 15 Panzern in der Nähe des Grenzübergangs
Karni nach Gaza vor und näherten sich dem Wohngebiet Schadschaijeh
bis auf 500 Meter, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen
verlautete. Es kam zu Schusswechseln mit militanten
Palästinensern, Kampfflugzeuge feuerten laut Augenzeugen Raketen
auf eine Gruppe Bewaffneter. Dabei seien mindestens zwei Menschen
verletzt worden.
Im nördlichen Gazastreifen feuerte die israelische Luftwaffe am
frühen Morgen Raketen auf eine Gruppe militanter
Palästinenser. Die Gruppe blieb unverletzt, wie aus
palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Seit Beginn ihrer
Bodenoffensive im Gazastreifen Ende Juni, die der Befreiung eines von
militanten Palästinensern entführten Soldaten dienen soll,
haben die israelischen Streitkräfte auch dutzende Luftangriffe
geflogen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte den Weltsicherheitsrat
unterdessen zu einer deutlichen Stellungnahme hinsichtlich der
jüngsten Eskalation des Nahost-Konflikts auf. Zugleich rief er
Israelis und Palästinenser am Freitag auf, in ihrem Vorgehen um
der Zivilpersonen willen zurückzurudern. Beobachter werteten
Annans Appell als ungewöhnlichen Tadel und Zeichen seiner
Missbilligung, dass sich das Gremium bislang in keiner Weise zu der
andauernden Krise im Gazastreifen geäußert hat.
Annan forderte Israel auf, den
«unverhältnismäßigen» Einsatz von Gewalt
einzustellen. Von den Palästinensern forderte er die Freilassung
des entführten Soldaten Gilad Schalit und ein Ende der
Raketenangriffe auf Israel. Beide Seiten erinnerte er an ihre
humanitäre Verpflichtung, Zivilpersonen zu schonen.
Ein von Katar vorgelegter Resolutionsentwurf, der die israelische
Offensive verurteilt, wurde von mehreren Ratsmitgliedern abgelehnt, da
darin das palästinensische Vorgehen nicht erwähnt und Israel
einseitig kritisiert werde. Ein UN-Diplomat erklärte am Freitag,
der Resolutionsentwurf habe nur die Zustimmung eines oder zweier
Mitglieder des 15-köpfigen Sicherheitsrats gefunden. Katar
überarbeite die Vorlage nun. In der Version vom Donnerstag wurde
Israel zu einem Ende seiner Offensive im Gazastreifen und zur
Freilassung der festgenommenen palästinensischen Politiker
aufgefordert.
Bei israelischen Luftangriffen kamen innerhalb von zwei Tagen nach
palästinensischen Angaben mindestens 32 Menschen ums Leben. Die
Angriffe sind Teil einer Offensive, die dem Ziel dienen soll,
Raketenangriffe auf Israel zu beenden und die Freilassung Schalits zu
erreichen. Ein elfjähriger Junge, der bei der Gaza-Offensive
angeschossen wurde, erlag nach Krankenhausangaben am Freitag seinen
Verletzungen. Der junge Palästinenser war den Ärzten zufolge
am Mittwoch in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen von einem
israelischen Soldaten in die Brust geschossen worden.
(Quelle: ap)
UN-Kleinwaffenkonferenz gescheitert
Sa.08.07.06 - Eine UN-Konferenz über die Verbreitung kleinerer Waffen ist am
Freitag in New York ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach
mehrtägigen Beratungen gaben die Delegierten ihre Bemühungen
um ein Abschlussdokument auf. Es hätte unter anderem ihren Konsens
über die beste Art der Bekämpfung des illegalen Handels mit
Kleinwaffen ausdrücken sollen. Eine Vertreterin des
Aktionsnetzwerks für Kleinwaffen sprach von einer verpassten
Gelegenheit.
Die zweiwöchige Konferenz sollte mit Blick auf ein 2001
beschlossenes Programm gegen den illegalen Handel mit Pistolen, Sturm-
und Maschinengewehren sowie anderen leichten Waffen eine Bilanz des
Erreichten ziehen. Allgemeine Unterstützung erhielt der Aufruf, in
fünf Jahren eine weitere derartige Konferenz einzuberufen. Die USA
stimmten dagegen.
Der globale Handel mit kleinen Waffen hat nach einschlägigen
Studien ein Volumen im Wert von vier Milliarden Dollar (3,2 Milliarden
Euro). Etwa ein Viertel davon entfällt auf illegale
Geschäfte. 60 bis 90 Prozent aller gewaltsamer Todesfälle bei
Konflikten geht den Studien zufolge auf den Einsatz von Kleinwaffen
zurück.
(Quelle: ap)
Kosten der EU-Mission im Kongo auf 20 Millionen Dollar veranschlagt
Sa.08.07.06 - Die Kosten der EU-Mission im Kongo sind auf 20 Millionen Dollar (rund
15,7 Milllionen Euro) veranschlagt. Dies sagte der französische
Einsatzchef der EU-Friedensmission (EUFOR-DRCONGO), David Pincet, am
Donnerstag in Kinshasa. Es handle sich um eine Addition der
geschätzten Kosten der 20 Teilnehmerstaaten, fügte Pincet
hinzu. Die EUFOR-Mission handelt auf der Grundlage eines UN-Mandats. Sie
wird beim Erreichen der vollen Stärke über 1200 Mann in
Kinshasa und weitere 1200 Mann im Gabun verfügen. Auftrag der
EUFOR-Mission ist die Unterstützung der kombinierten
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Demokratischen
Republik Kongo, die am 30. Juli abgehalten werden.
(Quelle: afp)
Tschetschenen wollen verhandeln
Sa.08.07.06 - Die Führung der tschetschenischen Rebellen im Untergrund hat vor
dem G8-Gipfel Verhandlungen mit Moskau über einen Frieden für
die kriegszerstörte Region im Nordkaukasus vorgeschlagen.
Wichtiger als die Unabhängigkeit seien Frieden und Sicherheit
für das tschetschenische Volk, hieß es in einer im Westen
verbreiteten Erklärung, die angeblich auch von dem neuen
Untergrundführer Doku Umarow gestützt wurde. «Es gibt
für diesen Konflikt keine Gewaltlösung. Der Teufelskreis der
Gewalt ist nur durch Dialog zu durchbrechen», sagte der
Auslandssprecher der Tschetschenen, Achmed Sakajew, am Freitag in London
der Nachrichtenagentur dpa zu dem Papier.
«Wenn auf der Grundlage des internationalen Rechts irgendeine
andere Lösung für den Frieden mit den Russen erreicht werden
kann, sind wir bereit, darüber zu verhandeln», erklärten
die Tschetschenen. Der Verzicht auf die Unabhängigkeit war bereits
in früheren Erklärungen angeklungen. Nach dem gewaltsamen Tod
der Untergrundführer Aslan Maschadow 2005 und Abdul-Malik
Sadulajew im Juni hatte Umarow deren Nachfolge übernommen. In
ersten Äußerungen als Führer hatte Umarow weitere
Anschläge in ganz Russland angedroht.
Die russische Führung lehnt Verhandlungen mit dem terroristischen
Untergrund der Tschetschenen strikt ab. Moskau sieht den Krieg als
beendet an und spricht bei den andauernden Gefechten nur noch von einem
Anti-Terror-Einsatz. Der Kreml hat in den vergangenen Jahren einen
Präsidenten und ein Parlament in Tschetschenien wählen lassen
und der Teilrepublik damit die Selbstverwaltung zurückgegeben. Als
starker Mann in Tschetschenien gilt Regierungschef Ramsan Kadyrow.
Sakajew äußerte sich ausweichend, ob auch der
berüchtigte Terrorist Schamil Bassajew hinter dem
Verhandlungsangebot stehe. «Wenn jemand sagt, er will nur Krieg,
wird er keine Unterstützung im Volk bekommen», sagte Sakajew.
Bassajew hat eingestanden, die Geiselnahme in der Schule von Beslan
2004 angeordnet zu haben. Dabei waren 330 Opfer getötet worden,
die meisten von ihnen Kinder.
(Quelle: dpa)
Russischer Föderationsrat billigt Anti-Terror-Einsätze im
Ausland
Sa.08.07.06 - Der russische Föderationsrats hat am Freitag wie erwartet die
Entsendung von Soldaten oder Geheimdienstmitarbeitern im
Anti-Terror-Kampf ins Ausland gebilligt. Das Oberhaus des Parlaments
entsprach damit einem Antrag von Präsident Wladimir Putin, der
schon in der vergangenen Woche angeordnet hatte, die Verantwortlichen
für die Entführung und den Tod von vier Mitarbeitern der
russischen Botschaft im Irak zu finden. Verteidigungsminister Sergej
Iwanow hatte am Donnerstag erklärt, dass eine Spezialabteilung
seines Ministeriums mit dieser Aufgabe betraut worden sei.
Die Gruppe Al Kaida im Irak hatte sich zur Entführung und der
Tötung der vier Russen bekannt. Ein fünfter Russe war bei der
Geiselnahme selbst erschossen worden.
Russische Agenten waren aber offenbar auch ohne die Billigung des
Parlaments schon im Ausland im Einsatz. 2004 wurden in Katar zwei
russische Agenten verurteilt, die dort den tschetschenischen
Rebellenführer Selimchan Jandarbijew getötet haben sollen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundesrat stimmt Föderalismusreform zu
Sa.08.07.06 - Die Reform des föderalen Systems in Deutschland ist perfekt. Eine
Woche nach dem Bundestag stimmte auch der Bundesrat mit der
erforderlichen Zweidrittelmehrheit für die
Grundgesetzänderungen zur Modernisierung der bundesstaatlichen
Ordnung. In der Länderkammer wandten sich lediglich die
Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gegen
das Reformwerk.
Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Harry Peter
Carstensen (CDU) äußerte die Befürchtung, dass es zu
einem stärkeren Ungleichgewicht zwischen ärmeren und reicheren
Ländern kommen werd. Durch die Neuregelung werde einem
"ausgrenzenden Wettbewerbsföderalismus" der Weg bereitet.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Die Kernpunkte der Staatsreform
Eine schnellere Gesetzgebung des Bundes und mehr Transparenz für
die Bürger - dies sind die Hauptziele der bislang umfassendsten
Staatsreform in der Bundesrepublik.
Die wichtigsten Grundgesetz-Änderungen:
MEHR RECHTE FÜR BUNDESTAG UND LANDTAGE: Mit einer klareren
Kompetenzabgrenzung erhalten Bundestag und Landtage mehr gesetzliche
Gestaltungsmöglichkeiten. Weniger Bundesgesetze als bisher
müssen auch den Bundesrat passieren. Der Vermittlungsausschuss
verliert an Bedeutung. Bislang war ein Bundesgesetz schon dann
zustimmungspflichtig, wenn der Bund Verfahrensregelungen festlegte - zum
Beispiel, dass der Bürger einen Antrag stellen muss. Bund und
Länder hoffen, dass die Quote der Bundesgesetze, denen der
Bundesrat zustimmen muss, von jetzt 60 Prozent auf 30 Prozent halbiert
wird. Weiterhin zustimmen muss der Bundesrat aber einem Gesetz, wenn
dieses erhebliche Kosten in den Ländern verursacht.
ABWEICHUNGSRECHTE: Erstmals wird im Grundgesetz ein Recht der
Länder festgeschrieben, von der Gesetzgebung des Bundes
abzuweichen. Das betrifft Verfahrensregeln, die der Bund erlässt,
aber auch zum Beispiel Teile das Umweltrechts. Der Bund kann allerdings
Gesetze, die von Ländern abweichend geregelt werden, seinerseits
wieder neu fassen. Die Folge: Neues Bundesrecht gilt wieder im ganzen
Bundesgebiet und verdrängt die zwischenzeitlichen Abweichungen. Die
Länder können dann auch hiervon wieder abweichen. Dieser so
genannte Pingpong-Effekt war besonders umstritten.
BILDUNG: Die Länderrechte in der Bildungspolitik werden
gestärkt. Das ist der Preis, den der Bund für die Erweiterung
seiner Befugnisse zahlen muss. Bei der Zulassung zum Studium und bei den
Abschlüssen macht der Bund zwar bundesweite Vorgaben, jedoch
können die Länder hier abweichen. Die
Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau läuft aus. Die
Bundesmittel in Höhe von einer Milliarde Euro werden zu 70 Prozent
direkt auf die Länder verteilt. Mit der Neuregelung des Artikels 91
b wird es dem Bund aber erstmals möglich, nicht nur in die
Hochschulforschung zu investieren, sondern auch Sonderprogramme wie den
geplanten Hochschulpakt zur Schaffung von zusätzlichen
Studienplätzen aufzulegen - das heißt auch direkt
Dozentenstellen zu bezahlen. Dem müssen aber alle Länder
zustimmen. Dagegen werden Sonderprogramme des Bundes in der Schule, wie
etwa das Ganztagsschulprogramm, künftig ausgeschlossen.
UMWELT: Im Umweltbereich war der Bund bislang nur für die
Rahmengesetzgebung zuständig. Künftig bekommt er direkte
Kompetenzen für den Naturschutz und die Landschaftspflege sowie
für den Wasserhaushalt. Damit kann er erstmals ein Umweltgesetzbuch
schaffen. Besonders strittig ist, dass die Länder künftig in
Einzelbereichen davon abweichen können.
WEITERE NEUE LÄNDERKOMPETENZEN: Die Länder sind künftig
für Dienstrecht, Besoldung und Versorgung der Landes- und
Kommunalbeamten zuständig. Der Bund kann nur noch Status-Rechte mit
Zustimmung des Bundesrates regeln. Die Länder erhalten
außerdem neue Kompetenzen für das Demonstrationsrecht, den
Strafvollzug, das Heimrecht etwa für Pflegebedürftige und
deren Angehörige sowie für das Ladenschluss- und das
Gaststättenrecht.
WEITERE NEUE BUNDESKOMPETENZEN: Der Bund bekommt für das
Bundeskriminalamt neue Zuständigkeiten zur Abwehr von Gefahren
durch den internationalen Terrorismus. Der Bund wird ferner
zuständig für das Melde- und Ausweiswesen, den Schutz
deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung ins Ausland, für das
Waffen- und Sprengstoffrecht, das Kriegsfolgenrecht und die Kernenergie.
Nach einem Kompromiss in letzter Minute bleibt der Bund zuständig
für das Notarrecht.
HAUSHALTSDISZIPLIN: In einem neuen Grundgesetzartikel wird die
gemeinsame Verpflichtung von Bund und Ländern zur
Haushaltsdisziplin festgelegt. Etwaige Sanktionszahlungen an die EU
trägt der Bund zu 65 Prozent, die Länder müssen 35
Prozent übernehmen.
VERBESSERUNG DER EUROPA-TAUGLICHKEIT: Die Rechte der Länder in
Brüssel werden beschränkt. Sie können auf EU-Ebene nur
bei Verhandlungen über schulische Bildung, Kultur und Rundfunk als
Vertreter Deutschlands auftreten. Der Bundesrat muss dazu einen
Vertreter benennen, damit die Länder in Brüssel nicht mehr
einzeln verhandeln.
BERLIN ALS HAUPTSTADT: Die Hauptstadtfunktion Berlins und die
gesamtstaatliche Repräsentation in Berlin werden als Bundesaufgabe
festgeschrieben. Die Verpflichtungen gegenüber dem früheren
Regierungssitz Bonn bleiben bestehen.
Quelle: dpa, 07.07.06
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Industrie-Verdienste steigen langsamer als Lebenshaltungskosten
Sa.08.07.06 - Die Verdienste in der Industrie halten nicht mit der Teuerung der
Lebenshaltungskosten Schritt.
Die vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe
verdienten im April nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom
Freitag im Schnitt knapp 3100 Euro brutto. Das sind 1,2 Prozent mehr als
vor einem Jahr, die Lebenshaltungskosten stiegen im gleichen Zeitraum
allerdings um zwei Prozent. Frauen verdienten durchschnittlich gut 600
Euro weniger als Männer. Die Angestellten verdienten gut 3900
Euro, während Arbeiter jeden Monat knapp 2600 Euro bekamen.
Im Dienstleistungsbereich legten die Verdienste etwas stärker zu:
Mit einem Plus von 2,1 Prozent hatten die Angestellten im Kredit- und
Versicherungsgewerbe sogar real mehr Geld in der Tasche als vor einem
Jahr. Sie hatten einen Bruttoverdienst von 3500 Euro. Im Handel legten
die Monatsverdienste um 1,2 Prozent auf gut 2800 Euro zu.
(Quelle: rtr)
Muslimische Lehrerin siegt im Kopftuchstreit
Sa.08.07.06 - Das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen in
Baden-Württemberg ist gekippt. Nach einem am Freitag
verkündeten Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart darf eine
Lehrerin an einer Grund- und Hauptschule des Landeshauptstadt weiterhin
mit Kopftuch unterrichten.
Die Schulverwaltung hatte auf der Grundlage des Landesschulgesetzes die
55-jährige Pädagogin angewiesen, ihr Kopftuch im Unterricht
abzunehmen.
Diese Anweisung verletzt nach Ansicht der Richter die Lehrerin in ihrem
Recht auf religiöse Gleichbehandlung, da Ordensschwestern in einer
staatlichen Schule in Baden-Baden in Ordenstracht allgemein bildende
Fächer unterrichten dürften. Das Schulgesetz lasse jedoch
eine Privilegierung christlicher Glaubensbekenntnisse nicht zu,
hieß es in der Urteilsbegründung.
Die Lehrerin ist seit 1973 im Schuldienst des Landes und unterrichtet
seit 1976 an der Grund- und Hauptschule in Stuttgart. 1984 trat sie zum
Islam über. Seit 1995 trägt sie auch im Unterricht ihr
Kopftuch. Sie hatte argumentiert, mit ihrem Kopftuch, das ähnlich
wie eine Mütze gebunden sei und den Halsbereich frei lasse, gebe
sie keine Bekundung mit politischem, religiösem oder
weltanschaulichem Inhalt ab. Das Kopftuch stelle auch keine Gefahr
für den Schulfrieden dar. «Seit zehn Jahren hat das Kopftuch
an unserer Schule nicht für Aufregung gesorgt»,
erklärte die Pädagogin vor Gericht. Vielmehr sei sie für
ihre Schüler, die zu 60 Prozent Ausländerkinder seien, und
für deren Eltern kompetente Ansprechpartnerin für Fragen zum
islamischen Glauben.
Die Vertreter des Landes hatten argumentiert, die Schule in Baden-Baden
sei ursprünglich eine Klosterschule gewesen und habe daher eine
christliche Tradition. Orden hätten in der geschichtlichen
Entwicklung Europas insbesondere im Bereich Bildung und
Wohlfahrtspflege kulturschöpferisch gewirkt. Die Richter hielten
dem entgegen, auch das Ordenshabit sei eine eindeutig religiös
motivierte Kleidung.
Volker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen-Bundestagsfraktion, bewertete das Urteil als ein Zeichen
gegen die Diskriminierung des Islams.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Jeder dritten Amphibie droht Ausrottung
Sa.08.07.06 - Jede dritte Amphibienart auf der Erde ist vom Aussterben bedroht. Um
den drastischen Schwund zu stoppen, haben 50 Wissenschaftler zur
Gründung einer internationalen Rettungsorganisation für
Frösche und weitere Amphibien aufgerufen.
Die geplante Amphibian Survival Alliance unter dem Dach der
Weltnaturschutzunion (IUCN) benötige für die ersten fünf
Jahre ein Budget von mindestens 400 Millionen Dollar (313 Millionen
Euro), schreiben die Forscher im Fachjournal «Science» (Bd.
313, S. 48) vom Freitag. Das Bündnis solle Aktivitäten zum
Artenschutz in verschiedenen Weltregionen unterstützen und
koordinieren.
Mehr als 1860 der weltweit 5743 bekannten Amphibienarten sind in
Gefahr, endgültig zu verschwinden. Das ergab eine vor zwei Jahren
in «Science» (Bd. 306, S. 1783) veröffentlichte Studie.
Seit 1980 sind demnach mindestens neun, möglicherweise aber
bereits 122 Arten ausgerottet worden. Das Verschwinden dieser Tiere
bedeute auch einen Verlust von Forschungspotenzial für Medizin und
Biotechnologie, schreiben die Wissenschaftler um Joseph R. Mendelson
vom Zoo von Atlanta (US-Bundesstaat Georgia).
Besonders bedroht sind viele der Tiere von einer Pilzkrankheit, die
sich nach Forscherangaben auch wegen der Klimaerwärmung ausbreitet.
Festgestellt wurde dieser Zusammenhang erstmals, als in Mittel- und
Südamerika immer mehr Arten der farbenfrohen Harlekinfrösche
verschwanden. Der Pilz mit dem wissenschaftlichen Namen
Batrachochytrium dendrobatidis könne innerhalb von sechs Monaten
nach seinem ersten Auftreten in einer Region etwa die Hälfte der
dort lebenden Amphibien ausrotten, heißt es in dem Fachartikel.
Gefahr droht Amphibien auch von der Zerstörung ihres Lebensraums,
etwa durch übermäßige Landwirtschaft.
Zur biologischen Klasse der Amphibien zählen Tiere, die sowohl im
Wasser als auch auf dem Land leben. Sie werden auch Lurche genannt.
Bekannte Vertreter sind der Laubfrosch, der Feuersalamander oder die
Erdkröte. Besonders auffällig sind die bunten Farbfrösche
und Harlekinfrösche in Mittel- und Südamerika.
(Quelle: dpa)
Mehr Waldbrände in den USA durch Klimaerwärmung
Sa.08.07.06 - Die Klimaerwärmung ist US-Forschern zufolge die Hauptursache
für die stark gestiegene Zahl von Waldbränden im Westen der
USA. Dabei ergebe sich ein Teufelskreis, berichtet das Team in der
Online-Ausgabe des Fachmagazins «Science» von diesem Freitag.
Die Klimaerwärmung führt zu mehr Waldbränden, durch die
Waldbrände nimmt die Zahl der Bäume ab, die das
schädliche Kohlendioxid aufnehmen können, und dadurch
erwärmt sich das Klima noch weiter. Die Forscher um Anthony
Westerling (Universität von Kalifornien in Merced) fordern deshalb
vermehrte Anstrengungen sowohl zur natürlichen Wiederaufforstung
als auch zur Verringerung der Treibhausgase.
Die Zahl der Waldbrände stieg in den USA Mitte der 80er Jahre
sprunghaft. Eine Erklärung dafür ist, dass die Bevorzugung
bestimmter Baumarten durch die Forstwirtschaft das schnelle
Umsichgreifen von Feuern begünstigt haben könnte. Doch
Westerling und seine Kollegen fanden nach eigenen Angaben heraus, dass
die Brände vor allem in den Wäldern der nördlichen Rocky
Mountains zunahmen, wo der Mensch kaum in die natürlichen
Bestände eingegriffen habe. Die Zunahme der Brände lasse sich
dort nur mit den gestiegenen Temperaturen und der früheren
Schneeschmelze erklären, die zu größerer Trockenheit und
damit Feuergefahr geführt hätten.
(Quelle: dpa)