Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Drei US-Soldaten im Westirak getötet. USA wollen
Sicherheitskontrolle an Iraker übergeben. 'NYT': US-Offiziere haben
bei Haditha-Ermittlungen geschlampt
So.09.07.06 - Bei Kämpfen im Westirak sind nach amerikanischen Angaben am
Samstag drei US-Marineinfanteristen getötet worden. Das Gefecht
habe in der überwiegend sunnitisch bewohnten Provinz Anbar
stattgefunden, teilten die US-Streitkräfte in Bagdad mit. Bei
Anschlägen in Bagdad wurden am Samstag mindestens sieben Menschen
getötet. Zwei Angriffe erfolgten in dem gemischten Wohnviertel
Dora. Zum einen stoppten bewaffnete Männer ein Auto, zwangen zwei
Insassen, auszusteigen, und erschossen sie vor den Augen entsetzter
Passanten. Bei einem weiteren Angriff wurde eine schiitische Familie
beschossen, die nach Kerbela umziehen wollte. Fünf Personen wurden
verletzt. In Nahrawan wurden drei Mitarbeiter einer Eisdiele erschossen,
in weiteren Gegenden Bagdads die Leichen zweier Menschen gefunden, die
offenbar von Todesschwadronen getötet wurden.
Die USA wollen bis Ende des Jahres in der Hälfte der 18 irakischen
Provinzen die Kontrolle der Sicherheit an die Iraker übergeben. Der
Militärvertreter Kurt Chichowski sagte am Freitag in einer
Videokonferenz im Irak, die US-geführten
Koalitionsstreitkräfte wollten weiterhin eine Beobachterrolle
übernehmen und Sicherheitskräfte ausbilden, doch die
Verantwortlichkeit für die Sicherheit werde an die Iraker
übergeben. Dies solle "hoffentlich bis Ende des Jahres für
annähernd die Hälfte der Provinzen geschehen". Die erste
Region soll demnach die südliche Provinz Muthana sein, wo sich
derzeit 1400 Soldaten der US-geführten Koalitionstruppen aufhalten.
Ranghohe Mitglieder des United States Marine Corps, das als
Elitestreitkraft der US-Armee gilt, haben einem Zeitungsbericht zufolge
bei der Untersuchung eines mutmaßlichen Massakers im Irak
geschlampt. Generalleutnant Peter Chiarelli, der zweithöchste
US-Kommandeur im Irak, sei zu dem Schluss gekommen, dass zwei Offiziere
der "Marines" ihre Pflichten verletzt hätten, berichtete die
US-Tageszeitung "New York Times" ("NYT") am Samstag unter Berufung auf
zwei Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Washington.
Generalmajor Richard Huck, der im Irak eine Division kommandiert, und
Oberst Stephen Davis hätten Widersprüche und Ungenauigkeiten
in einem ersten Bericht nicht untersucht.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 09.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsechsundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.09.07.05 - Irakische Regierung ruft ausländische Botschafter zum Bleiben
auf +++ Berlusconi kündigt Teilabzug aus Irak an +++ Multinationale
Truppe im Irak hält fünf US-Bürger gefangen +++
Abu-Ghoreib-Prozess: US-Soldatin Lynndie England will sich 'nicht
schuldig' bekennen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507090.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Soldat der spanischen Truppen stirbt bei Explosion in Afghanistan
So.09.07.06 - Bei einer Explosion im Westen Afghanistans ist ein Soldat des
spanischen Kontingents getötet worden. Vier weitere wurden
verletzt. Wie das Verteidigungsministerium in Madrid mitteilte,
ereignete sich der Zwischenfall während einer Patrouillenfahrt
nahe dem Ort Bakua. Noch ist unklar, ob das Fahrzeug der Soldaten auf
eine Mine fuhr oder aber angegriffen wurde. In Afghanistan sind fast
700 spanische Soldaten der NATO- geführten Schutztruppe ISAF
stationiert.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Hamas-Regierung ruft zu Waffenruhe im Gazastreifen auf
So.09.07.06 - Knapp zwei Wochen nach Beginn der israelischen Offensive im
Gazastreifen hat sich erstmals die Chance einer Beilegung der
Auseinandersetzungen abgezeichnet. Die Hamas-Regierung rief am Samstag
zum Waffenstillstand auf. «Wenn wir aus der gegenwärtigen
Krise herauskommen wollen, müssen wir zur Ruhe zurückfinden,
und zwar auf der Basis einer beiderseitigen Einstellung aller
Militäroperationen», sagte Kabinettssprecher Ghasi Hamad in
Gaza. Dies sei die ausdrückliche Position von
Ministerpräsident Ismail Hanija.
Der israelische Außenamtssprecher Mark Regev erklärte in
einer ersten Stellungnahme, die Hamas müsse zunächst für
die Freilassung des entführten Soldaten Gilad Schalit und die
Einstellung der Raketenangriffe auf israelisches Territorium sorgen.
Dies seien die beiden Grundvoraussetzungen. Israel hat bislang jegliche
Verhandlungen mit der Hamas-Regierung oder den mit ihr verbundenen
Entführern abgelehnt. Der Minister für Öffentliche
Sicherheit, Avi Dichter, signalisierte allerdings, nach einer
Freilassung Schalits könnte sich Israel mit der Freilassung
palästinensischer Gefangener erkenntlich zeigen.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas deutete an,
Israel sei möglicherweise für einen solchen zweiphasigen
Austausch ohne explizite Verhandlungen darüber bereit. Der
israelische Kabinettsminister Ofir Pines-Pas brachte noch eine weitere
Komponente ins Spiel: Israel hoffe, nach Beendigung der Offensive zu
einer umfassenden Waffenstillstandsvereinbarung mit der Hamas zu
gelangen.
Bei ihrer Offensive rückten israelische Truppen am Samstagmorgen
bis an die Randbezirke der Millionenstadt Gaza vor. Panzer bezogen etwa
500 Meter vor den Stadtteilen Schadschaijeh und Seitun Stellung.
Zugleich feuerte die Luftwaffe auf eine Gruppe Palästinenser und
tötete zwei Hamas-Mitglieder. Ein weiterer Palästinenser erlag
Verletzungen, der er sich bei früheren Kämpfen zugezogen
hatte.
Allein binnen drei Tagen kamen bei der knapp zwei Wochen alten
Militäraktion bis Samstagmorgen 35 Palästinenser ums Leben,
wie aus Angaben palästinensischer Krankenhäuser hervorgeht.
Auch ein israelischer Soldat wurde getötet. Sechs weitere
Palästinenser fielen früheren Gefechten zum Opfer. Zumeist
handelte sich bei den Toten um Extremisten, doch wurde auch
Zivilpersonen in Mitleidenschaft gezogen. Ein elfjähriger Junge
erlag am Freitag einer Schussverletzung, die ihm ein Israeli
zugefügt hatte.
Trotz neuerlicher Ausweitung der Offensive fanden die Truppen
allerdings nicht das Versteck, in dem der vor zwei Wochen entführte
Soldat Schalit weiterhin festgehalten wurde. Aus Hamas-Kreisen
verlautete am Freitag, der 19-Jährige sei wohlauf und werde gut
behandelt.
Aus Beit Lahija im nördlichen Gazastreifen rückten die
israelischen Truppen am Samstag wieder ab und hinterließen eine
Spur der Verwüstung. Durch enge Gassen fahrende Panzer rissen
Hauswände ein, fuhren Strommasten um und zerstörten die
Asphaltdecken vieler Straßen. Hausfassaden waren mit
Einschusslöchern übersät.
UN-Generalsekretär Kofi Annan ermahnte den Weltsicherheitsrat zu
einer deutlichen Stellungnahme zur jüngsten Eskalation des
Nahost-Konflikts. Zugleich rief er Israelis und Palästinenser am
Freitagabend auf, um der Zivilpersonen Willen zurückzurudern.
Beobachter werteten Annans Appell als ungewöhnlichen Tadel und
Zeichen seiner Missbilligung, dass sich das Gremium bislang in keiner
Weise zu der anhaltenden Krise geäußert hat.
Wegen der israelischen Offensive verließen 65 US-Bürger am
Samstag den Gazastreifen. Viele von ihnen sind palästinensischer
Herkunft und hatten ihre Familien besucht.
(Quelle: ap)
USA bieten Nordkorea informelle bilaterale Gespräche an
So.09.07.06 - Im Raketen-Konflikt mit Nordkorea unterstützen die USA einen
chinesischen Vorschlag für informelle
Sechs-Nationen-Gespräche. Der US-Gesandte Christopher Hill sagte am
Samstag in Seoul, wenn Pjöngjang den Boykott dieser Runde beende,
könnte es am Rande eines solchen Treffens auch zu einem
informellen bilateralen Treffen zwischen ihm und einem nordkoreanischen
Delegationsmitglied kommen.
Nach seiner Einschätzung sind neben China und den USA auch Japan,
Russland und Südkorea dazu bereit, die Sicherheitslage in der
Region mit Nordkorea informell zu diskutieren. Die Gespräche in
diesem Rahmen über das nordkoreanische Atomprogramm sind seit dem
vergangenen Jahr blockiert. Nordkorea protestiert mit einem Boykott
gegen die Sperrung eines Auslandsguthabens durch die USA und
US-Vorwürfe der Geldwäsche und des Fälschens. Die USA
würden gegen derartige nordkoreanische Wirtschaftsverbrechen weiter
vorgehen, sagte Hill. «Jetzt ist nicht die Zeit für
derartige Gesten», erklärte er. «Wir haben es mit einem
Land zu tun, das rücksichtslos Raketen abgefeuert hat, was
Auswirkungen auf die regionale Sicherheit hat.»
Der japanische Außenminister Taro Aso schloss unterdessen einen
Kompromiss in der Frage möglicher Sanktionen des UN-Sicherheitsrats
wegen der nordkoreanischen Raketentests aus. Japan werde nicht
nachgeben; eine UN-Resolution in dieser Angelegenheit müsse
Sanktionen gegen Pjöngjang enthalten, zitierte die
Nachrichtenagentur Kyodo aus einer Rede Asos in Osaka.
Ein am Freitag vorgelegter Entwurf Japans ignoriert Bedenken der
ständigen Mitglieder China und Russland, eine solche Drohung
würde die Spannungen weiter erhöhen. Ein
Außenamtssprecher erklärte, Japan dringe auf eine rasche
Abstimmung. Der Zeitpunkt sei sehr wichtig, erklärte der Sprecher,
Senior-Vizeminister Yasuhisa Shiozaki. Gespräche mit den anderen
Sicherheitsratsmitgliedern seien positiv verlaufen. Mehr als die
Hälfte von ihnen unterstütze die Resolution, sagte er.
(Quelle: ap)
López Obrador ruft zum Widerstand gegen Wahlergebnis in Mexiko
auf
So.09.07.06 - Mexikos unterlegener mexikanischer Präsidentschaftskandidat und
Linkspolitiker Andrés Manuel López Obrador hat den
Behörden Wahlbetrug vorgeworfen. Bei einer Großdemonstration
vor rund 200 000 Anhängern in Mexiko-Stadt rief er zum Widerstand
gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl vom vergangenen Sonntag
auf. Es hatte ihn knapp hinter den konservativen Politiker Felipe
Calderón auf den zweiten Platz verwiesen. López Obrador
will vor dem Bundeswahlgericht gegen das Resultat vorgehen.
(Quelle: dpa)
EU-Ratspräsident will europäisch-russische Freihandelszone
So.09.07.06 - Der EU-Ratsvorsitzende Matti Vanhanen hat für eine
europäisch-russische Freihandelszone plädiert. Vanhanen will
einen neuen Grundlagenvertrag mit Russland auf den Weg bringen, der eine
neue "Basis für eine verlässliche Partnerschaft" mit Moskau
schaffen soll, wie er in einem dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" sagte.
In der Freihandelszone "dürften sich EU-Firmen in Russland frei
entfalten, und russische Firmen könnten in Europa handeln, kaufen,
investieren", sagte der finnische Regierungschef. "Beiden Seiten
böten sich großartige Möglichkeiten."
Das Verhältnis zwischen Europa und Russland sei "etwas
Besonderes", sagte Vanhagen weiter. Deshalb brauche die Zusammenarbeit
"eine eigene vertragliche Basis". Dafür sei ein Mandat aller 25
Mitgliedsstaaten der EU nötig.
Vanhanen verlangte außerdem ein Ende des Ausfuhrmonopols des
Energieriesen Gasprom, welches das russische Parlament am Freitag
beschlossen hatte. Aber auch die europäischen Unternehmen sollten
eine offenere Haltung gegenüber russischen Firmen zeigen, sagte der
Finne. Es gebe "bei vielen Europäern Abwehrreflexe, wenn ein
russischer Investor Interesse zeigt". Finnland hat seit dem 1. Juli
für ein halbes Jahr die europäische Ratspräsidentschaft
inne.
(Quelle: afp)
Polen: Jaroslaw Kaczynski soll neuer Regierungschef werden
So.09.07.06 - Die nationalkonservative polnische Regierungspartei Recht und
Gerechtigkeit (PiS) hat ihren Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski offiziell
für die Nachfolge des scheidenden Ministerpräsidenten
Kazimierz Marcinkiewicz benannt. Kaczynski begründete das
Revirement mit der "Notwendigkeit", die Kommunalwahlen im November zu
gewinnen. Auf Vorschlag der Regierungspartei soll Marcinkiewicz bis
dahin übergangsweise das Amt des Bürgermeisters von Warschau
übernehmen und dann als offizieller PiS-Kandidat für den
Posten antreten. Kaczynski ist der Zwillingsbruder on
Staatspräsident Lech Kaczynski und gilt als Polens starker Mann.
Der künftige Regierungschef räumte ein, dass die Besetzung
der beiden wichtigsten Staatsämter mit sich und seinem Bruder
nicht unproblematisch sei. Allerdings sei sich die PiS-Führung
einig gewesen, dass ein anderer Personalvorschlag für das Amt des
Ministerpräsidenten ein "weniger guter Vorschlag" gewesen
wäre. Im Herbst 2005 hatte Kaczynski noch versichert, das Amt des
Regierungschefs komme für ihn nicht in Frage, solange sein
Zwillingsbruder Staatspräsident sei. Für die polnische
Gesellschaft wäre eine solche Doppelung "vollkommen unannehmbar",
sagte er damals.
Der künftige Ministerpräsident sagte, er sei sich "zu 100
Prozent sicher", dass Marcinkiewicz nach der Kommunalwahl im November
Bürgermeister von Warschau sein werde. Vor seinem Sieg bei der
Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr war Lech Kaczynski
Bürgermeister der Hauptstadt gewesen. Seit seinem Wechsel in das
höchste Amt des Staates war der Posten des Bürgermeisters von
Warschau vakant geblieben.
Jaroslaw Kaczynski dankte dem seit vergangenem Oktober als
Ministerpräsident amtierenden Marcinkiewicz für dessen
Zustimmung für den Wechsel an der Regierungsspitze und sprach von
einer "noblen" Entscheidung. Marcinkiewicz, der am Freitag seinen
Rücktritt angekündigt hatte, trat Medienberichten entgegen,
in denen von unüberbrückbaren Differenzen zwischen ihm und
Jaroslaw Kaczynski die Rede gewesen war.
Politische Beobachter vermuten, dass Marcinkiewicz den
Zwillingsbrüdern bei der Umsetzung ihrer politischen Projekte im
Weg war. Als Marcinkiewicz dann am Dienstag mit Donald Tusk, dem
Vorsitzenden von Polens größter Oppositionspartei, der
wirtschaftsliberalen Bürgerplattform (PO) zusammentraf, ohne
vorher die Parteiführung informiert zu haben, brachte das offenbar
das Fass zum Überlaufen.
Tusk kritisierte die Machtkonzentration in den Händen der beiden
Kaczynskis. Der polnischen Bevölkerung mache diese "in der
zivilisierten Welt einmalige" Konstellation Angst, sagte er.
(Quelle: afp)
Deutschland
Merkel verteidigt sich gegen Vorwurf der Wortbrüchigkeit
So.09.07.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weist den Vorwurf der SPD
zurück, sie sei bei der Steuerfinanzierung des Gesundheitswesens
wortbrüchig geworden. «Zur gedanklichen Klarheit darf ich
auf einen feinen, aber wesentlichen Unterschied hinweisen: Steuergeld
verwenden zu wollen ist nicht gleichbedeutend mit
Steuererhöhung», sagte Merkel der «Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung».
Die Kanzlerin schloss Steuererhöhungen zur Finanzierung des
Gesundheitssystems kategorisch aus. «Nach der
Mehrwertsteuererhöhung kann ich weitere Steuererhöhungen
nicht verantworten», betonte sie. Deswegen müsse die
Koalition den Weg, «die Krankenversicherung der Kinder über
Steuern zu finanzieren, langsamer gehen».
Merkel wehrte sich auch gegen den Vorwurf, die Gesundheitsreform lasse
die Strukturen im wesentlichen unangetastet. «Veränderungen
sind in der Politik selten auf einen Schlag durchzusetzen», sagte
sie. Manchmal hofften die Deutschen, dass Veränderungen «mit
dem einen großen Knall passieren». So gehe es in der
Politik aber nicht. In der Gesundheitspolitik sei etwas Wichtiges
gelungen. «Bei den gesetzlichen Kassen stoßen wir mit den
geplanten Zu- und Abschlägen sowie den Selbstbehalten die Tür
zu mehr Wettbewerb auf», sagte die Kanzlerin.
(Quelle: ddp)
Unionspolitiker streiten über Einbürgerung von Ausländern
So.09.07.06 - Knapp eine Woche vor dem Integrationsgipfel im Kanzleramt gibt es in
der Union noch grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen
über die Eingliederung von Ausländern. Laut einem Bericht der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» forderte der
nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet eine
Einbürgerungskampagne. «Jede Einbürgerung ist ein
Erfolg», sagte der CDU-Politiker dem Blatt zufolge. «Denn
eingebürgert werden Zuwanderer, die deutsch sprechen und vom
Verfassungsschutz überprüft sind, nicht in Parallelwelten
leben und keine Sozialleistungen beziehen, sondern arbeiten»,
erklärte Laschet.
Anderer Ansicht ist dem Bericht zufolge sein CDU-Kollege und hessischer
Ministerpräsident Roland Koch: «Einbürgerung muss das
Ergebnis von Integration sein und nicht etwa die Eintrittskarte dazu.
Eine Einbürgerung macht noch keinen Integrationserfolg»,
betonte Koch. Auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein
(CSU) hält die Frage der Einbürgerung für die
Integration dem Bericht zufolge für nachrangig. «Eine
Erhöhung der Einbürgerungszahlen löst diese Probleme
nicht», sagte er.
Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber forderte
verpflichtende Deutschkurse für Kinder aus Einwandererfamilien.
«Wer bei uns in Deutschland leben will, muss sich auch in unsere
Alltagskultur integrieren», sagte der CSU-Politiker der
«Welt am Sonntag». Wer in Deutschland lebe, müsse
Deutsch verstehen und sprechen können.
Außerdem dürften Eltern kein Recht haben, ihre Kinder vom
Schulunterricht auszuschließen, etwa von Sport- und
Biologieunterricht und von Klassenfahrten. Sanktionen «bis hin
zur Kürzung von Sozialleistungen» forderte der CSU-Chef
für Einwanderer, die nicht an Integrationskursen teilnehmen.
«Wir müssen das Prinzip Fördern und Fordern
durchsetzen, wenn wir gemeinsam mit unseren ausländischen
Mitbürgern gut zusammenleben wollen», sagte Stoiber.
Ungeachtet dessen sagte die Integrationsbeauftragte der
Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sie wolle eine verbindliche
Teilnehmerliste für den Gipfel bis spätestens Mitte der Woche
vorlegen. Vorher wolle sie noch die Einwilligung der Geladenen
abwarten, schreibt die «Welt am Sonntag».
Wie es in dem Bericht weiter heißt, gibt es vor allem von
türkischer Seite Kritik, nicht hinreichend berücksichtigt
worden zu sein. Als eine Farce bezeichnete der Leiter des Zentrums
für Türkeistudien, Faruk Sen, den anstehenden Gipfel.
«Die Idee, einen solchen Gipfel abzuhalten, ist gut. Aber wenn
man schon mal so eine Chance hat, dann sollte man ihn besser
vorbereiten», sagte Sen der «Welt am Sonntag». Laut
dem Magazin «Focus» hatte Sen zudem angekündigt, dem
Treffen fernzubleiben. «Sen hat nie eine Einladung dazu
erhalten», sagte dagegen Böhmer dem Magazin.
Sie sprach sich laut «Focus» zudem dafür aus, deutsche
und türkische Fernsehsender stärker in die Pflicht zu nehmen.
«Sie müssen mehr über gelungene Beispiele der
Integration berichten», sagte Böhmer. Auch sollten
Fernsehanstalten mehr Moderatoren und Journalisten beschäftigten,
die aus Einwandererfamilien stammten.
(Quelle: ap)
Mutmaßlicher Al-Kaida-Helfer in Deutschland festgenommen
So.09.07.06 - In Deutschland ist erneut ein mutmaßlicher Helfer des
Terrornetzwerks Al Kaida festgenommen worden. Nach einer Mitteilung der
Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vom Samstag wurde der deutsche
Staatsangehörige marokkanischer Herkunft bereits am Donnerstag in
Hamburg von Beamten des Bundeskriminalamts gestellt. Er steht unter dem
Verdacht, Selbstmordattentäter für Al Kaida rekrutiert zu
haben und Mittelsmann zu dem gesuchten Terrorverdächtigen Said
Bahaji gewesen zu sein.
Den Angaben zufolge hat der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs
am Freitag Haftbefehl gegen den Festgenommenen erlassen, dessen Name
mit Redouane E. H. angegeben wurde. Dem 36-Jährigen mit Wohnsitz
in Kiel wird demnach Unterstützung einer ausländischen
terroristischen Vereinigung nach Paragraf 129b des Strafgesetzbuchs
vorgeworfen. Er habe über zahlreiche Kontakte zum internationalen
Netzwerk gewaltbereiter Dschihadisten unter anderem in Syrien, Algerien
und im Irak verfügt. Laut Bundesanwaltschaft wurden im Zuge der
Festnahme auch mehrere Wohnobjekte in Kiel durchsucht.
Der Beschuldigte habe Ende November 2005 in Algerien im Lager einer
dort operierenden terroristischen Vereinigung einen Sprengstofflehrgang
absolviert. Er sei dringend verdächtig, Al Kaida durch
Rekrutierung von Kämpfern zur Begehung von Selbstmordattentaten im
Irak und durch Geldzahlungen unterstützt zu haben. «Dieser
Verdacht ergibt sich insbesondere aus überwachten
Chat-Gesprächen des Beschuldigten», heißt es weiter in
der Pressemitteilung.
Die Einbindung in das weltweit agierende Logistiknetzwerk der Al Kaida
belege vor allem seine Funktion als Nachrichtenmittler für den
gesondert von der Justiz verfolgten Said Bahaji und dessen in Hamburg
wohnende Ehefrau. Bahaji ist nach Angaben der obersten
Ermittlungsbehörde dringend verdächtig, Mitglied der
Hamburger Zelle um Mohamed Atta gewesen zu sein, die die
Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA mit vorbereitet
und ausgeführt habe. Bahaji befindet sich laut Bundesanwaltschaft
seit dem 3. September 2001 auf der Flucht.
«Es ist davon auszugehen, dass er als Mitglied in die
Organisation Al Kaida eingebunden ist», schreibt die Behörde
von Generalbundesanwältin Monika Harms weiter. Bahaji wisse, dass
er - um seinen derzeitigen Aufenthaltsort weiterhin geheim halten zu
können - nur über Nachrichtenmittler, die in konspirativem
Verhalten geschult seien, Kontakt mit seiner Ehefrau aufnehmen
könne. «Mit dieser vertrauensvollen Aufgabe kann nur eine
Person aus dem Logistiknetzwerk der Al Kaida betraut sein»,
begründet die Bundesanwaltschaft ihren Verdacht. Nach
polizeilichen Erkenntnissen habe der jetzt Festgenommene aus Kiel diese
Aufgabe des Nachrichtenmittlers übernommen.
Die Festnahme im Auftrag der Generalbundesanwältin sei erfolgt,
nachdem es Hinweise dafür gegeben habe, dass der Beschuldigte in
Kürze die Bundesrepublik Deutschland verlassen wollte. Nach dem
gegenwärtigen Stand der Ermittlungen liegen den Angaben zufolge
aber keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Mann Anschläge
in Deutschland geplant oder vorbereitet habe. Mit den Ermittlungen
wurde das Bundeskriminalamt beauftragt.
(Quelle: ap)
Deutsche Industrie fährt Produktion weiter nach oben
So.09.07.06 - Die deutsche Industrie hat auch im Mai ihre Produktion hochgefahren und
damit das Bild einer sich im Jahresverlauf beschleunigenden Konjunktur
bestätigt.
Das Produzierende Gewerbe insgesamt - Industrie, Bau und
Energiewirtschaft - stellte 1,5 Prozent mehr her als im April, wie das
Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Nach
Einschätzung des Ministeriums dürfte sich der
Aufwärtstrend in den kommenden Monaten fortsetzen. Mittlerweile
kämen die Impulse nicht mehr nur aus dem Ausland, sondern fast
ebenso stark aus dem Inland. Die Fußball-WM sorgte für
zusätzlichen Auftrieb.
Die Industrie stellte 1,5 Prozent mehr her, der Bau sogar 3,2 Prozent
mehr als im April. Nur die Energiewirtschaft fuhr ihren Ausstoß
leicht um 0,2 Prozent zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einem
gesamten Produktionsanstieg um 0,6 Prozent gerechnet, nachdem sie im
April um 1,2 Prozent gestiegen war. Im Zwei-Monats-Vergleich legte die
Produktion um 1,4 Prozent zu.
Adolf Rosenstock von der japanischen Bank Nomura wertete die Daten als
Bestätigung für die überwiegend positiven Erwartungen an
den Finanzmärkten: "Der Aufschwung in der Industrie ist im vollen
Gang." Positiv sei, dass die Nachfrage auch aus dem Inland komme. Am
Donnerstag hatten die Orderdaten für Mai ein Anziehen der
Binnennachfrage signalisiert, während die zuletzt starke
Auslandsnachfrage schwächer als im April ausgefallen war.
In den Industrie-Sparten schnitten vor allem die Hersteller von
Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen stark ab: Sie
erhöhten den Ausstoß um 2,7 Prozent. Die
Konsumgüterhersteller verbuchten ein minimales Minus von 0,1
Prozent, allerdings legten hier die Hersteller von dauerhaften
Gebrauchsgütern erneut zu, und zwar um 2,7 (April 3,8) Prozent.
Rosenstock sagte, die Zahlen widersprächen der Auffassung, in
Deutschland ließen sich Konsumgüter nicht
wettbewerbsfähig herstellen.
Erfreulich nannten die Analysten auch das erneut gute Abschneiden der
Bauwirtschaft. Diese hatte bereits im April mit einem Plus von fast 18
Prozent die wegen des langen Winters verschobene Produktion teilweise
nachgeholt. Matthias Huth von der Landesbank Baden-Württemberg
sagte, der Bau sei lange das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft
gewesen: "Nun scheint er sich tatsächlich freizuschwimmen." Die
Branchenverbände halten in diesem Jahr mittlerweile ein leichte
Umsatzplus für möglich.
Insgesamt stünden die Konjunkturampeln derzeit auf Grün,
zeigten sich die Experten überzeugt. "Zumindest in diesem Jahr kann
sich Deutschland aus der Klammer der Stagnation befreien", sagte Huth.
Dirk Schumacher von Goldman Sachs sagte, das Inland ziehe an, ob das
Ausland schwächer werde, könne kann man noch nicht sagen.
Darüber sollten am Montag die Außenhandelsdaten für Mai
weiteren Aufschluss geben. Rosenstock sagte, die WM habe zu dem robusten
Bild beigetragen, insgesamt sollte man sie aber nicht
überbewerten: "Sie war vielleicht das Sahnehäubchen."
(Quelle: rtr)
Datenschützer fordert Regeln für Umgang mit Funkchips auf
Waren
So.09.07.06 - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat Verhaltensregeln
für Unternehmen beim Umgang mit drahtlos ablesbaren Etiketten auf
Waren gefordert. Die Wirtschaft habe zwar zugesichert, Waren mit so
genannten RFID-Chips zu kennzeichnen, sagte Schaar der «Neuen
Osnabrücker Zeitung». Die Umsetzung der Versprechen lasse
aber auf sich warten. «Es kommen zunehmend Waren in den Handel,
die das Funketikett zum Beispiel in der Verpackung enthalten, ohne dass
die Kennzeichnung erfolgt», beklagte er.
Mit einem Verhaltenskodex seien etwa unabhängige
Überprüfungen möglich. Zudem könne es bei
Verstößen Konventionalstrafen geben. «Das wäre
eine sinnvolle Methode, die Einhaltung solcher Selbstverpflichtungen
durchzusetzen», zitierte das Blatt den Datenschützer.
Mit Blick auf die Bekämpfung des Terrorismus sagte Schaar, er
halte es nicht für notwendig, über die beiden 2002
eingeführten Sicherheitspakete weitere Befugnisse zuzulassen. Zudem
warnte er dem Bericht zufolge davor, auf Personalausweisen
Fingerabdrücke in digitalisierter Form aufzunehmen. Mit dem
Personalausweis verhalte es sich anders als mit dem Reisepass, für
den der EU-Ministerrat bereits die Aufnahme des Fingerabdrucks
beschlossen habe. «Ein Personalausweis wird von jedem benutzt,
einen Reisepass besitzen nur knapp zehn Prozent der
Bevölkerung», sagte Schaar.
(Quelle: ap)