Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhunderteinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
42 Tote bei Massaker in sunnitischem Viertel von Bagdad. Weitere
US-Soldaten im Zusammenhang mit Mord in Muhmadija beschuldigt
Mo.10.07.06 - Bei einem Massaker in einem sunnitischen Stadtviertel von Bagdad sind
mindestens 42 Menschen getötet worden. Die Angreifer errichteten
nach Angaben der Sicherheitskräfte im westlichen Stadtviertel
Dschihad eine Straßensperre, an der sie Autofahrer zum Aussteigen
zwangen und niederschossen. Nach Augenzeugenberichten handelte es sich
um schiitische Zivilisten, die maskiert waren. Die Angreifer drangen
demnach auch in einige Häuser ein und töteten alle Bewohner.
Die Getöteten wurden ins Leichenschauhaus von Bagdad und ins
Jarmuk-Krankenhaus gebracht. Die Straßensperre wurde nach einer
guten Stunde wieder aufgehoben, als irakische Sicherheitskräfte und
US-Soldaten in der Nähe aufzogen.
Am Samstag waren durch die Explosion einer Autobombe vor einer
schiitischen Moschee in Bagdad zwei Menschen getötet und vier
verletzt worden. Am Freitag gab es zwei Tote und drei Verletzte, als in
der Nähe einer sunnitischen Moschee ein Sprengsatz hochging.
Im Zusammenhang mit dem grausamen Tod einer irakischen Familie in
Muhmadija sind drei weitere US-Soldaten der Vergewaltigung und des
Mordes beschuldigt worden. Nach Angaben der US-Streitkräfte vom
Sonntag gehören die Männer der früheren Einheit des
Exsoldaten Steven Green an, der bereits in der vergangenen Woche in den
USA wegen Verdachts auf Mord und Vergewaltigung inhaftiert wurde.
Green soll gemeinsam mit weiteren Soldaten eine junge Irakerin
vergewaltigt und getötet haben. Schon vorher soll er drei
Mitglieder ihrer Familie erschossen haben.
Ein fünfter Angehöriger der Einheit wird der
Pflichtvernachlässigung beschuldigt. Ihm werde vorgeworfen, dass
er das Verbrechen nicht gemeldet habe, erklärten die
US-Streitkräfte im Irak. Alle vier beschuldigten Soldaten
müssten sich einer Anhörung vor einem Militärgericht
stellen. Eine solche Anhörung dient dazu, festzustellen, ob genug
Beweise für einen Prozess vorliegen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 10.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israel weist Kritik an Offensive im Gazastreifen zurück
Mo.10.07.06 - Israel hat die internationale Kritik an seiner Offensive im
Gazastreifen am Sonntag zurückgewiesen. Ziel sei es, den
entführten Soldaten Gilad Schalit zu befreien und die
Raketenangriffe der Palästinenser auf Israel zu stoppen,
erklärte Justizminister Haim Ramon. Den israelischen
Streitkräften wird auch von UN-Organisationen vorgeworfen, im
Gazastreifen mit unverhältnismäßiger Gewalt vorgegangen
zu sein. In den fast zweiwöchigen Offensive wurden mehr als 40
Palästinenser getötet und über 160 verletzt.
Den Aufruf der Hamas-Regierung zum Waffenstillstand lehnte der
israelische Regierungschef Ehud Olmert Israel am Samstag ab. Eine
Waffenruhe komme nicht in Frage, solange der entführte israelische
Soldat nicht freigelassen werde. Israel hat bislang jegliche
Verhandlungen mit der Hamas-Regierung oder den mit ihr verbundenen
Entführern abgelehnt. Der Minister für Öffentliche
Sicherheit, Avi Dichter, signalisierte allerdings, nach einer
Freilassung Schalits könnte sich Israel mit der Haftentlassung
palästinensischer Gefangener erkenntlich zeigen.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas deutete an,
Israel sei möglicherweise für einen solchen zweiphasigen
Austausch ohne explizite Verhandlungen bereit. Der israelische
Kabinettsminister Ofir Pines-Pas brachte noch eine weitere Komponente
ins Spiel: Israel hoffe, nach Beendigung der Militäraktion zu einer
umfassenderen Waffenstillstandsvereinbarung mit der Hamas zu gelangen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan ermahnte den Weltsicherheitsrat zu
einer deutlichen Stellungnahme zur jüngsten Eskalation des
Nahost-Konflikts. Zugleich rief er Israelis und Palästinenser am
Freitagabend auf, um der Zivilpersonen Willen Zurückhaltung zu
üben. Beobachter werteten Annans Appell als ungewöhnlichen
Tadel und Zeichen seiner Missbilligung, dass sich das Gremium bislang in
keiner Weise zu der anhaltenden Krise geäußert hat. In einer
UN-Erklärung wurde kritisiert, dass besonders Kinder unter dem
Krieg zu leiden hätten. Am Samstag wurden eine
palästinensische Mutter und zwei ihrer Kinder bei einer Explosion
getötet.
Ihr Ziel erreichte die israelische Offensive bislang nicht. Weder wurde
der Soldat gefunden, noch hörten die palästinensischen
Raketenangriffe auf. Am Sonntag landeten zwei Geschosse in der Ortschaft
Sderot, wobei ein Israeli verletz wurde.
(Quelle: ap)
Ein einseitiger Krieg
Die Lösung der israelischen Armee für den Konflikt mit den
Palästinensers ist die Anwendung von massiver Gewalt, am Ende wird
vermutlich dennoch ein Gefangenenaustausch stehen... Mehr bei telepolis
vom 09.07.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/23/23066/1.html
Islamistische Miliz baut Positionen in Mogadischu aus
Mo.10.07.06 - Islamistische Milizionäre haben am Sonntag in der somalischen
Hauptstadt Mogadischu versucht, ihre Positionen weiter auszubauen. Sie
griffen Anhänger eines weltlich orientieren Milizführers an,
die immer noch einige Teile der Stadt kontrollieren und sich weigern,
ihre Waffen abzugeben. Bei den Gefechten, die auch mit schweren Waffen
wie Granatwerfern geführt wurden, wurden nach Angaben aus
Krankenhäusern fast 20 Menschen getötet und ebenso viel
verwundet. Die Kämpfer des Somalischen Obersten Islamischen
Gerichtsrat, der inzwischen große Teile Somalias beherrscht,
verbuchten nach Angaben von Augenzeugen Geländegewinne. Der
Führer des Gerichtsrats, Scheich Hassan Dahir Awejs, werden
Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida nachgesagt. Er selbst hat
Berichte über frühere Kontakte zu Al-Kaida-Chef Osama bin
Laden nicht dementiert, aber erklärt, er unterhalte derzeit keine
Beziehungen zu dem Terrornetzwerk.
(Quelle: ap)
Nordkorea schließt Zugeständnisse an USA aus
Mo.10.07.06 - Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il hat im Streit um die
jüngsten Raketentests jedes Zugeständnis an die USA
ausgeschlossen. Es werde "nicht die kleinste Konzession" geben,
erklärte Kim Jong Il nach einem Bericht des nordkoreanischen
Fernsehens. Die nordkoreanische Führung hatte am Mittwoch ohne
Vorwarnung mehrere Raketen getestet. Darunter war auch eine
Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2, die mit einer Reichweite von
mehr als 6000 Kilometern theoretisch die US-Bundesstaaten Alaska und
Hawaii treffen könnte.
Aus den Sechs-Länder-Gesprächen über ihr Atomprogramm
war die Regierung in Pjöngjang im November unter Protest
ausgestiegen.
(Quelle: afp)
Indien testet wieder atomwaffenfähige Rakete
Mo.10.07.06 - Mitten in der angespannten politischen Lage in Asien nach den
nordkoreanischen Raketentests hat Indien am Sonntag eine
atomwaffenfähige Rakete erprobt. Sie wurde in Ostindien abgefeuert
und schlug in der Nähe der Nikobaren in der Bucht von Bengalen im
Meer ein, wie die indische Nachrichtenagentur PTI meldete. Die Rakete
des Typs Agni III kann mit einem Atomsprengkopf bestückt werden und
bis zu 3.000 Kilometer weit fliegen. Es war der erste Test dieses
Raketentyps.
Das Recht, jederzeit einen Raketentest durchführen zu dürfen,
beansprucht auch Nordkorea für sich. Der nordkoreanische
Botschafter in Australien, Chon Jae Hong, erklärte in einem
Zeitungsinterview, die jüngste Raketentestserie seines Landes sei
«militärische Routine» und solle die Fähigkeiten
Nordkoreas zur Selbstverteidigung erhöhen. Der Versuch, dies zu
verhindern, könne einen Krieg auslösen. Nordkorea habe keine
andere Wahl, als «stärkere physische Maßnahmen anderer
Formen» zu ergreifen, sollte «es irgendein Land wagen, etwas
gegen die Übungen zu haben und Druck dagegen
auszuüben», erklärte Chon.
Japan besteht hingegen wie die USA nach den Tests auf Sanktionen durch
die Vereinten Nationen. Eine entsprechende Resolution soll
möglicherweise schon am Montag zur Abstimmung gestellt werden.
Diese Resolution ignoriert aber die Bedenken der ständigen
Mitglieder China und Russland, die gegen Sanktionen sind. Sie
befürchten, dass dies die Spannungen weiter erhöht. Einen
Kompromiss schloss der japanische Außenminister Taro Aso aus.
Japan werde nicht nachgeben; eine UN-Resolution in dieser Angelegenheit
müsse Sanktionen gegen Pjöngjang enthalten, zitierte die
Nachrichtenagentur Kyodo Aso.
Im Raketenkonflikt mit Nordkorea unterstützen die USA einen
chinesischen Vorschlag für informelle
Sechs-Nationen-Gespräche. Der US-Gesandte Christopher Hill sagte am
Samstag in Seoul, wenn Pjöngjang den Boykott dieser Runde beende,
könnte es am Rande eines solchen Treffens auch zu einem
informellen bilateralen Treffen zwischen ihm und einem nordkoreanischen
Delegationsmitglied kommen. Nach seiner Einschätzung sind neben
China und den USA auch Japan, Russland und Südkorea dazu bereit,
die Sicherheitslage in der Region mit Nordkorea informell zu diskutieren.
Die Gespräche in diesem Rahmen über das nordkoreanische
Atomprogramm sind seit dem vergangenen Jahr blockiert. Nordkorea
protestiert mit einem Boykott gegen die Sperrung eines Auslandsguthabens
durch die USA und US-Vorwürfe der Geldwäsche.
Indien und auch der Nachbar Pakistan testen regelmäßig
Raketen. Gewöhnlich informieren sich die beiden Atomwaffenstaaten
auch vorab über einen solchen Test. Im Konflikt um die Region
Kaschmir kam es auch schon auch schon zu militärischen
Auseinandersetzungen zwischen Indien und Kaschmir. Vor allem nach dem
verheerenden Erdbeben in Kaschmir im vergangenen Jahr kamen sich beide
Länder aber näher und es entwickelte sich eine gewisse
Entspannung in ihren Beziehungen.
(Quelle: ap)
USA und Russland wollen über Atom-Kooperation sprechen
Mo.10.07.06 - Die USA wollen mit Russland über eine Zusammenarbeit bei ziviler
Atomtechnik beraten. Ein Sprecher des US-Präsidialamtes
kündigte den Schritt am Samstag in Washington an und
bestätigte damit einen Zeitungsbericht.
Von einer Kooperationsvereinbarung würden die USA ebenso wie
Russland und die ganze Welt profitieren, sagte
Präsidialamtssprecher Peter Watkins. Zum Umfang einer
möglichen Zusammenarbeit machte er keine Angaben. Die Entscheidung
für eine Zusammenarbeit wäre eine Kehrtwende für beide
Staaten, die in Atomfragen jahrzehntelang eher Widersacher als Partner
waren.
Die "Washington Post" hatte zuvor berichtet, US-Präsident George
W. Bush werde erstmals eine umfassende Zusammenarbeit seines Landes mit
Russland in dem Bereich erlauben. Die Entscheidung werde im Vorfeld des
Treffens von Bush mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am
kommenden Samstag auf dem G-8-Gipfel in St. Petersburg verkündet.
Das Blatt berief sich auf US-Vertreter.
Die Zusammenarbeit könnte dem Bericht zufolge auch dazu dienen,
Russland zu einer besseren Zusammenarbeit im Atomstreit mit dem Iran zu
bewegen. Nachdem Bush sich lange gegen eine Atom-Kooperation der USA mit
Russland gesträubt habe, wolle er damit nun die konstruktivere
Rolle des Landes im Atomstreit des Westens mit dem Iran anerkennen,
berichtete das Blatt.
Watkins sagte, die Position der USA in Sachen Unterstützung des
iranischen Atomprogrammes sei unverändert. Man habe Russland
gegenüber klar gestellt, dass eine aktive Zusammenarbeit
erforderlich sei, um das Streben des Irans nach Atomwaffen zu verhindern.
Der Zeitung zufolge könnte eine Zusammenarbeit zwischen den USA
und Russland einen Umfang von mehreren Milliarden Dollar haben. Russland
werde unter anderem die Möglichkeit haben, tausende Tonnen an
verbrauchtem Nuklear-Material aus von den USA belieferten
Atom-Reaktoren einzuführen und zu lagern.
(Quelle: rtr)
Russland verschärft Definition für strafbaren Extremismus
Mo.10.07.06 - Das russische Parlament hat die Definition für strafbaren
Extremismus so weit ausgeweitet, dass die Opposition von einem Versuch
spricht, sie mundtot zu machen. Mit 338 gegen 99 Stimmen beschloss die
Duma am Samstag in dritter Lesung ein Gesetz, wonach üble Nachrede
gegen oder Verleumdung eines Regierungsvertreters als Extremismus
eingestuft, der strafrechtlich verfolgt werden kann.
Der kommunistische Abgeordnete Iwan Melnikow sagte dazu: «Sie
wollen uns mit dem Gesetz über Extremismus mundtot machen, so dass
jede Äußerung, die wir machen, so interpretiert werden kann,
wie Sie wollen. Sie wollen, dass Gegner, die Ihnen im Weg stehen, aus
Wahlen genommen werden können, Sie wollen Stimmen bekommen, die
Ihnen nicht gehören - da wird nichts Gutes bei herauskommen.»
Die Regierung hat erklärt, die Änderungen seien im Kampf
gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erforderlich. Nach dem Gesetz,
das noch vom Föderationsrat bestätigt werden muss, entscheidet
ein Gericht darüber, ob eine den Tatbestand des Extremismus
entsprechende üble Nachrede oder Verleumdung vorliegt. Auch die
öffentliche Rechtfertigung von Terrorismus würde demnach als
Extremismus betrachtet. Auch jeder, der in Film- oder Tonaufzeichnungen
oder gedruckt als extremistisch eingestuftes Material verbreitet, gilt
demnach als in extremistische Tätigkeiten verwickelt. Kritiker
sagen, dies könnte jedes Medium treffen, das über Extremismus
berichtet.
In erster Lesung stimmte die Duma zudem über
Wahlrechtsänderungen ab. Damit werden die Möglichkeiten zum
Ausschluss von Parteien und Kandidaten von Wahlen erweitert. Der Entwurf
wurde mit 341 gegen 100 Stimmen gebilligt, obwohl sich der Leiter der
Wahlkommission, Alexander Weschnjakow, deutlich davon distanzierte:
«Wenn dieses Gesetz in dieser Form so verabschiedet wird, werden
damit Wahlen diskreditiert und die Wahlrechte der Bürger
verletzt», sagte er. «In dieser Form werden das keine
Wahlen mehr sein, sondern was anderes.»
Internationale Gruppen sehen in den Gesetzen eine weitere
Einschränkung der Bürgerrechte. Die Internationale
Helsinki-Föderation für Menschenrechte wies die Staats- und
Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten vor dem G-8
Gipfel in St. Petersburg in einem offenen Brief darauf hin.
Ein führendes Mitglied der Regierungspartei Geeintes Russland,
Oleg Morosow, verstand Aufregung und Kritik nicht. «Liebe
Freunde», sagte er in der Parlamentsdebatte, «wenn ihr
gesetzestreue Bürger seid und einer Partei angehört, die sich
nicht extremistisch betätigt, lautet die Frage: Warum habt ihr
Angst vor diesem Gesetz?»
(Quelle: ap)
Lopez Obrador ficht Ergebnis der mexikanischen Präsidentenwahl an
Mo.10.07.06 - Der bei der Präsidentenwahl in Mexiko knapp unterlegene
Links-Kandidat Andres Manuel Lopez Obrador hat das höchste
Wahlgericht aufgefordert, das Ergebnis durch eine Auszählung per
Hand überprüfen zu lassen. Mit dem Ruf «Stimme für
Stimme» demonstrierten am Samstag mehr als 100.000 Anhänger
des ehemaligen Oberbürgermeisters von Mexiko-Stadt in der
Hauptstadt.
Lopez Obrador bat seine Anhänger, die Proteste fortzusetzen, aber
keine gewaltsamen Aktionen wie die Blockade der wichtigsten
Straßen der Hauptstadt zu machen. «Dieses ist und war eine
friedliche Bewegung», rief er aus. «Wir werden uns nicht zu
irgendwelchen Provokationen hinreißen lassen.»
Die Wahl vom 2. Juli gewann laut amtlichem Ergebnis der konservative
Bewerber Felipe Calderon, allerdings mit weniger als 244.000 Stimmen
Vorsprung, das entspricht 0,6 Prozent der 41 Millionen abgegeben
Stimmzettel. Lopez Obrador wirft dem scheidenden Präsidenten
Vicente Fox vor, die Wahl zu Gunsten seines Parteifreunds Calderon
manipuliert zu haben. Ein Software-Programm für die elektronische
Stimmenauszählung sei benutzt worden, um erste Ergebnisse zu
verdrehen. In mindestens 50.000 der 130.000 Wahllokale sollten daher
alle Stimmen noch einmal per Hand ausgezählt werden und dabei ein
besonderes Augenmerk auf nicht berücksichtigte und für
ungültig erklärte Stimmen gerichtet werden. Das Gericht hat
bis zum 6. September Zeit, über Lopez Obradors Einspruch zu
entscheiden.
(Quelle: ap)
Polen wird künftig von Zwillingen regiert
Mo.10.07.06 - Die polnische Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat am
Wochenende die Weichen für einen Wechsel an der Regierungsspitze
gestellt, nach dem erstmals Zwillinge die höchsten
Staatsämter bekleiden werden. Der scheidende
Ministerpräsident Kazimierz Marcienkiewicz wird demnach vermutlich
am (heutigen) Montag seinen Rücktritt formell bei
Staatspräsident Lech Kaczynski einreichen und dieser später
seinen Zwillingsbruder Jaroslaw als neuen Regierungschef vereidigen.
Jaroslaw Kaczynski hatte als PiS-Vorsitzender nach dem Wahlsieg seiner
Partei im Herbst zu Gunsten von Marcinkiewicz auf das
Ministerpräsidentenamt verzichtet, um die Chancen seines Bruders
bei der Präsidentenwahl zu erhöhen. Marcinkiewicz ist
Umfragen zufolge in Polen beliebt, soll sich aber mit Jaroslaw
Kaczynski in Fragen der Wirtschaftspolitik überworfen haben.
Konflikte wurden erstmals im vergangenen Monat sichtbar, als
Finanzministerin Zyta Gilowska unter Vorwürfen zurücktrat,
sie habe während des Kommunismus mit dem Geheimdienst zusammen
gearbeitet. Die Verfechterin eines marktwirtschaftlichen Kurses wies
die Vorwürfe zurück.
Kaczynski ließ durchblicken, dass Marcinkiewicz ihn nicht
über die Nachfolgeregelung konsultiert habe. Marcinkiewicz berief
seinen Wirtschaftsberater Pawel Wojciechowski zum Finanzminister.
Dieser wird allerdings der neuen Regierung nicht mehr angehören.
Kaczynski wählte sich am Sonntag den bisherigen stellvertretenden
Finanzminister Stanislaw Kluza als künftigen Ressortchef aus. Der
34-jährige Kluza werde den finanzpolitischen Kurs Gilowskas
fortsetzen, sagte Kacyinski während einer Pressekonferenz am Abend.
Die PiS-Führungsgremien baten Kaczynski am Samstag, neuer
Ministerpräsident zu werden. Marcienkiewicz wurde ersucht, bei der
Warschauer Oberbürgermeisterwahl im November zu kandidieren. Es
sei für die Partei von überragender Bedeutung, bei den
Kommunalwahlen gut abzuschneiden, meldete die polnische
Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf Teilnehmerkreise.
Nach dem formellen Rücktritt von Marcienkiewicz muss Jaroslaw
Kaczynski innerhalb von 14 Tagen sein Kabinett formen und sich einer
Vertrauensabstimmung im Parlament stellen. Kaczynski kündigte an,
er werde an Zusammensetzung und Zielsetzung der Koalition mit der
Bauernpartei Selbstverteidigung von Andrzej Lepper und dem strikt
katholischen Bund Polnischer Familien nichts ändern. «Ich
möchte betonen, dass ich diese Koalition schätze»,
sagte er.
(Quelle: ap)
Deutschland
Innenminister Schäuble fordert erneut Bundeswehr-Einsatz im Innern
Mo.10.07.06 - Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Helfers des
Terrornetzwerkes El Kaida hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) seine Forderung nach einem Einsatz der Bundeswehr im Innern
bekräftigt. "Wir haben eine Bedrohung durch den internationalen
Terrorismus", sagte Schäuble der "Bild am Sonntag". Deutschland
sei Teil eines allgemeinen Gefahrenraums. Das zeige auch die Festnahme
eines mutmaßlichen El-Kaida-Helfers in Hamburg.
Für den Fall, dass sich die Bedrohung konkretisiere, "brauchen wir
nach meiner Überzeugung zur Terrorabwehr eine zusätzliche
Reserve", sagte Schäubel weiter. Wenn nicht genügend
Polizisten zur Verfügung stünden, "könnten wir dann auf
Soldaten zurückgreifen". Bei der Fußball-WM sei die Polizei
bis an die Grenzen ihrer Kapazität im Einsatz gewesen.
(Quelle: afp)
Bundesregierung plant weitere Sanktionen gegen Arbeitsunwillige
Mo.10.07.06 - Mit weiteren Leistungskürzungen will die Bundesregierung
Arbeitslose zur Annahme regulärer Vollzeitstellen zwingen.
Beabsichtigt seien Sanktionen für Arbeitslosengeld-Empfänger,
die angebotene Jobs ablehnen, kündigten die
arbeitsmarktpolitischen Sprecher von Union und SPD, Ralf Baucksiepe und
Klaus Brandner, laut «Hamburger Abendblatt»
(Montagsausgabe) an. Entsprechende Initiativen seien für die Zeit
nach der Sommerpause geplant, schreibt die Zeitung.
Baucksiepe sagte, es sei mehr Druck nötig. Zudem müsse die
Möglichkeit von Zuverdiensten über Nebentätigkeiten
abgeschafft werden.
Der SPD-Politiker Brandner sagte, ein «Wegducken» solle
nicht mehr möglich sein. Es könne nicht sein, dass die
Solidargemeinschaft «solch ein Verhalten noch weiter
bezahlt». Auch der Druck auf die Arbeitsagenturen müsse
zunehmen, die gesetzlichen Sanktionsmöglichkeiten rigoros
anzuwenden. Arbeitslose könnten auch zur Arbeit im
öffentlichen Sektor gezwungen werden, wenn sie weiterhin
staatliche Unterstützung beziehen wollten.
Hintergrund sind dem Bericht zufolge neue Zahlen zur Situation auf dem
deutschen Arbeitsmarkt, nach denen rund 1,2 Millionen Stellen in
Deutschland unbesetzt sind. Dabei handelt es sich in der Mehrheit um
Sektoren, die keine besondere Qualifikation verlangen und deswegen von
Arbeitslosengeld-Empfängern ohne weiteres ausgeübt werden
könnten, schreibt die Zeitung.
(Quelle: ap)
Krankenstand auf Rekordtief
Mo.10.07.06 - Der Krankenstand in den deutschen Betrieben ist laut einem
Zeitungsbericht im ersten Halbjahr 2006 auf ein Rekordtief gefallen.
Die Fehlzeiten gingen um zwölf Prozent im Vergleich zum ersten
Halbjahr des vergangenen Jahres zurück, berichtet die Zeitung
«Die Welt» unter Berufung auf das
Bundesgesundheitsministerium. Jeder Arbeitnehmer fehlte demnach aus
Krankheitsgründen im Schnitt 3,4 Arbeitstage, was 3,13 Prozent der
Sollarbeitszeit ausmacht.
Das ist der niedrigste Krankenstand in einem Halbjahr seit der
Wiedervereinigung und im Westen seit Einführung der
Lohnfortzahlung im Jahr 1970, wie die Zeitung schreibt. Die
Krankenstandsquoten gehen seit dem Jahr 2001 stark zurück.
Arbeitsmarktforscher nennen dem Bericht zufolge als wichtigsten Grund
die Angst der Arbeitnehmer, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit den Job zu
verlieren. Ein weiterer Grund sei die schwache Konjunktur.
(Quelle: ap)
Industrie dämpft Hoffnung auf mehr Stipendien für Studierende
Mo.10.07.06 - Der Bundesverband der Deutschen Industrie plant keine eigenen Programme
für Studenten-Stipendien. Das Ziel sei, das private Engagement zu
stärken, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Carsten Kreklau
dem «Handelsblatt». Damit dämpfte der BDI Erwartungen,
die sein Präsident Jürgen Thumann geweckt hatte. Kurz nach
Amtsantritt 2005 kündigte er an, die Industrie werde «mehr
Geld in die Hand nehmen», um Studenten mit Patenschaften oder
Fonds zu helfen. Bislang ist das private Stipendienwesen in Deutschland
wenig entwickelt.
(Quelle: dpa)