Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Anwälte boykottieren Schlussplädoyers im Saddam-Prozess.
Gewalt in Irak hält unvermindert an: Mindestens 23 Tote
Di.11.07.06 - Im Prozess gegen den irakischen Exmachthaber Saddam Hussein und sieben
Mitangeklagte hat die Verteidigung am Montag mit den
Schlussplädoyers begonnen. Allerdings boykottierten fast alle
Anwälte die Sitzung. Sie protestierten damit gegen die Ermordung
von Saddam Husseins Anwalt Chamis al Obeidi im vergangenen Monat. Jeder
habe Angst um sein Leben, sagte Verteidiger Nadschib al Nueimi per
Telefon aus Katar. Die Anwälte würden erst zurückkehren,
wenn ihre Sicherheit gewährleistet sei.
Der oberste Richter Rauf Abdel Rahman wies die Forderungen zurück
und erklärte, man habe Ersatzanwälte eingesetzt. Bei der
Sitzung am Montag trat jedoch nur der Verteidiger eines nachrangigen
Angeklagten, Ali Dajih Ali, auf. Dieser selbst wies nach den Darlegungen
seines Anwaltes alle Anschuldigungen zurück.
Die Staatsanwaltschaft hat für Saddam Hussein und zwei seiner
Mitangeklagten die Todesstrafe gefordert. Alle acht müssen sich
wegen eines Massakers in der Stadt Dudschail nördlich von Bagdad
verantworteten, wo 1982 mehr als 140 Schiiten getötet wurden. Das
Verfahren läuft seit acht Monaten. Nach den Schlussplädoyers
der Anwälte erhalten die Angeklagten jeweils selbst noch einmal das
Wort, was noch einige Sitzungen in Anspruch nehmen dürfte.
Die Gewalt in Bagdad dauerte unterdessen unvermindert an. Bewaffnete
griffen am Montag im sunnitischen Viertel Amarija einen Bus an und
töteten sieben Insassen. In einem schiitischen Viertel der
Hauptstadt explodierten kurz nacheinander zwei Autobomben. Dabei wurden
nach Angaben von Polizei und Krankenhausmitarbeitern mindestens acht
Menschen getötet und weitere 41 verletzt. Eine Explosion auf dem
Bagdader Schurdscha-Markt kostete drei Menschen das Leben. Im
überwiegend kurdischen Kirkuk im Norden des Landes riss ein
Selbstmordattentäter fünf Menschen mit in den Tod, zwölf
weitere wurden verletzt.
Erst am Vortag hatten vermutlich schiitische Milizionäre an
sunnitischen Zivilpersonen in Bagdad an Blutbad angerichtet und
mindestens 41 Menschen systematisch getötet. Die vermummten
Bewaffneten stoppten im Stadtteil Dschihad Fahrzeuge oder griffen
Fußgänger von der Straße auf. Wer anhand seines Namens
im Ausweis als Sunnit identifiziert werden konnte, wurde erschossen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 11.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Großbritannien verstärkt Truppen in Südafghanistan
Di.11.07.06 - Großbritannien will 900 weitere Soldaten nach Afghanistan
entsenden. Sie sollen in der Provinz Helmand im Süden des Landes
stationiert werden, wie Verteidigungsminister Des Browne am Montag im
Unterhaus sagte. In Helmand sind bereits 3.600 britische Soldaten gegen
Taliban-Kämpfer im Einsatz. Im vergangenen Monat wurden in der
südafghanischen Provinz sechs britische Soldaten getötet.
Browne sagte, die Verlegung der zusätzlichen Soldaten beginne in
den kommenden Wochen und solle bis Oktober abgeschlossen sein.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer begrüßte die
angekündigte Truppenverstärkung. Die Entscheidung spiegle die
Entschlossenheit der NATO wider, auch weiterhin den Wiederaufbau und
die demokratische Entwicklung Afghanistans zu unterstützen, sagte
er.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Olmert will Gaza-Einsatz zeitlich unbefristet fortsetzen
Di.11.07.06 - Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hat die europäische
Kritik an der Offensive seines Landes gegen die Palästinenser
zurückgewiesen und eine zeitlich unbegrenzte Fortsetzung des
Militäreinsatzes angekündigt.
Der Europäischen Union (EU) warf er am Montag vor, keine Schritte
gegen die täglichen Raketenangriffe palästinensischer
Extremisten auf Israel unternommen zu haben. Dem israelischen Rundfunk
zufolge schossen Extremisten Sonntagnacht drei weitere Raketen auf den
Süden Israels ab. Bei Luftangriffen tötete die israelische
Armee drei Militante und verletzte fünf weitere.
Olmert nutzte einen Auftritt vor der ausländischen Presse für
seine Kritik an der Europäischen Union (EU). Diese hatte Israel am
Vortag erneut vorgeworfen, unverhältnismäßig hart gegen
die Palästinenser vorzugehen und die Not der Zivilbevölkerung
im Gazastreifen zu vergrößern.
Die Union hätte sich stattdessen besser rechtzeitig auf die
zunehmenden Raketenangriffe aus dem Gazastreifen heraus konzentriert,
sagte der Regierungschef. "Wann hat die Europäische Union das
letzte Mal diese Angriffe verurteilt und effektive Maßnahmen
vorgeschlagen, um sie zu stoppen?", fragte Olmert. "An einem bestimmten
Punkt hat Israel keine andere Wahl als selbst Maßnahmen zu
ergreifen, um das zu beenden."
Israel hat den Gazastreifen vor zehn Monaten nach fast 40-jähriger
Besatzungszeit verlassen. Palästinensische Extremisten
beschießen seither aus dem Gebiet heraus verstärkt
israelische Städte und Gemeinden. Olmert hat dann die Offensive vor
zwei Wochen eingeleitet, nachdem militante Gruppen in einer
Kommandoaktion einen israelischen Militärposten im Grenzgebiet zum
Gazastreifen überfallen und einen 19-jährigen Rekruten
verschleppt hatten.
"Wir haben keinen bestimmten Zeitplan für diesen Einsatz", sagte
Olmert weiter. Er bekräftigte sein Ziel, die Freiheit des Soldaten
zu erreichen und die Raketenangriffe zu beenden. "Sie wird an Orten, zu
Zeiten und mit verschiedenen Mitteln entsprechend der Ziele, die wir
haben, fortgesetzt. Ich werde ihn beenden, wenn ich sehe, dass ich
für die Sicherheit des israelischen Volkes sorgen kann. Vorher
werde ich ihn nicht stoppen."
Seit Beginn des Militäreinsatzes hat die israelische Armee
Bewohnern des Gazastreifens zufolge rund 50 Palästinenser
getötet, darunter 20 Zivilisten. Israel hat das Küstengebiet
abgeriegelt und unter anderem eine zentrale Stromversorgungsanlage durch
Luftangriffe zerstört. Nach Appellen internationaler
Organisationen hat Israel zwar Hilfslieferungen für die 1,4
Millionen Bewohner des Gebiets zugelassen. Das
Welternährungsprogramm kritisierte allerdings erst vor wenigen
Tagen, dass der Zugang zu dem Gebiet nach wie vor eingeschränkt sei.
(Quelle: rtr)
Ägyptische Journalisten protestieren gegen neues Pressegesetz
Di.11.07.06 - Aus Protest gegen ein neues Pressegesetz haben am Sonntag in
Ägypten unabhängige und oppositionelle Zeitungen für
einen Tag ihr Erscheinen eingestellt. Das geplante Gesetz, dessen
Verabschiedung als sicher gilt, wird nach Angaben der
Journalistengewerkschaft Nachforschungen bei Korruptionsfällen
stark beeinträchtigen. Es droht Journalisten Gefängnisstrafen
an, wenn wie wegen Ehrverletzung von in- und ausländischen
Amtspersonen verurteilt werden. Vor dem Kairoer Parlament veranstalteten
Journalisten am Sonntag einen Sitzstreik. Einige sind auch in einen
Hungerstreik getreten. Am Protest beteiligt waren mehr als zwei Dutzend
Zeitungen.
(Quelle: ap)
Euro-afrikanische Konferenz zu Migrationspolitik in Rabat eröffnet
Di.11.07.06 - Vor dem Hintergrund immer neuer Flüchtlingsdramen vor allem an der
Meerenge von Gibraltar und auf den Kanarischen Inseln ist am Montag in
der marokkanischen Hauptstadt Rabat eine internationale Konferenz
über Migration und Entwicklung eröffnet worden. An dem
zweitägigen Ministertreffen, das auf eine spanische Initiative
zurückgeht, beteiligen sich 30 europäische und 27 afrikanische
Staaten sowie die Europäische und die Afrikanische Union.
Deutschland ist durch den Staatsminister im Auswärtigen Amt
Günter Gloser vertreten.
(Quelle: afp)
Bundeswehrverband bezweifelt Sinn des Kongo-Einsatzes
Di.11.07.06 - Der Bundesverwehrband zweifelt am Sinn des angelaufenen Kongo-Einsatzes
der Europäischen Union, an dem sich bis zu 780 deutsche Soldaten
beteiligen werden. «Die Ansätze der EU sind gut gemeint, aber
nicht gut gemacht», sagte Verbandschef Bernhard Gertz am Montag
im Bayerischen Rundfunk. Die allein für die deutschen Truppen
veranschlagten 56 Millionen Euro wären in zivilen Projekten wie im
Schulwesen besser aufgehoben. «Das hätte dem Kongo mehr
geholfen», sagte Gertz.
Auf Bitten der Vereinten Nationen werden bis zu 2000 europäische
Soldaten die Wahlen in dem zentralafrikanischen Land absichern helfen,
die für den 30.Juli geplant sind. Die Hauptkräfte der
Bundeswehr werden derzeit nach Kinshasa und ins benachbarte Gabun
verlegt. Der Einsatz der EU-Truppen ist auf vier Monate befristet.
(Quelle: ddp)
Tokio denkt über Präventivschlag gegen Nordkorea nach
Di.11.07.06 - In Japan wird im Konflikt über die nordkoreanischen Raketentests
auch über einen möglichen Präventivschlag gegen die
Raketenstellung nachgedacht, wie Regierungssprecher Shinzo Abe am Montag
erklärte. Dabei gehe es vor allem um die Frage, ob dies mit der
japanischen Verfassung und dem dort festgeschriebenen Recht auf
Selbstverteidigung vereinbar wäre. «Wenn wir davon ausgehen,
dass es keine andere Möglichkeit gibt, um einen Angriff zu
verhindern, dann gibt es die Ansicht, dass es mit dem Verfassungsrecht
auf Selbstverteidigung vereinbar wäre, die Abschussbasen mit
Marschflugkörpern anzugreifen», sagte Abe. «Wir
müssen die Diskussion darüber intensiver führen.»
Japan hat wegen der Raketentest beim Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen eine Resolution eingebracht, in der Sanktionen gefordert
werden. Diese Resolution ignorierte aber die Bedenken der ständigen
Mitglieder und Vetomächte China und Russland, die gegen Sanktionen
sind. Sie befürchten, dass dies die Spannungen weiter erhöht.
Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi erklärte
laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo, sein Land bestehe
nicht auf einer Abstimmung über eine solche Resolution noch am
Montag.
(Quelle: ap)
Ramos-Horta ist neuer Ministerpräsident von Osttimor
Di.11.07.06 - Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta ist am Montag als
neuer Ministerpräsident von Osttimor vereidigt worden. Er soll das
Land nach wochenlangen schweren Unruhen aus der Krise führen. Seine
wichtigsten Aufgabe sei es jetzt, die Lage in der Hauptstadt Dili und
im Rest des Landes zu stabilisieren, sagte Ramos-Horta nach der
Zeremonie im Präsidentenpalast. Die Europäische Union
würdigte die Wahl Ramos-Hortas als «ermutigenden Schritt nach
Wochen der politischen Instabilität und Gewalt».
Stabilisierung und die Versöhnung seien jetzt die wichtigsten
Aufgaben.
Staatspräsident Xanana Gusmao hatte Ramos-Horta am Samstag zum
Nachfolger des im Juni zurückgetretenen Exministerpräsidenten
Mari Alkatiri ernannt. Schon am Mittwoch solle die neue Regierung
vereidigt werden, teilte ein Mitarbeiter Gusmaos am Sonntag mit.
Über die Zusammensetzung des Kabinetts werde aber noch verhandelt.
Unter der Regierung von Exministerpräsident Alkatiri kam es im Mai
zu blutigen Straßenkämpfen in der Hauptstadt Dili. Als
Auslöser gilt die Entlassung von 600 Soldaten. Mindestens 30
Menschen kamen in den Unruhen um. Für etwa 150.000 Flüchtlinge
wächst mit der Ernennung einer neuen Regierung die Hoffnung, dass
sie bald in ihre Häuser zurückkehren können.
Ramos-Horta warf den Vereinten Nationen vor, das Land zu schnell nach
dessen Unabhängigkeit 1999 verlassen zu haben. Zwei Jahre seien
eine zu kurze Zeit für den Aufbau eines stabilen Staates,
erklärte er nach der Vereidigung.
(Quelle: ap)
Tschetschenischer Rebellenführer Bassajew tot
Di.11.07.06 - Der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew ist nach
russischen Angaben tot. Eine Sondereinheit der russischen Armee habe
Russlands Staatsfeind Nummer eins in der Nacht zu Montag bei einer
"Spezialoperation" in Inguschetien getötet, sagte der Chef des
russischen Geheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, bei einem vom
Fernsehsender NTW übertragenen Treffen mit Präsident Wladimir
Putin. Eine russische Spezialeinheit habe Bassajew zusammen mit anderen
"Banditen" während der Vorbereitung weiterer Anschläge vor
dem G-8-Gipfel getötet, sagte FSB-Chef Patruschew.
Anders als bei den von russischen Spezialkräften getöteten
unabhängigen tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow
und Abdulchalim Saidullajew zeigten die russischen Behörden keine
Bilder des Leichnams Bassajews. Nach Angaben des inguschetischen
Vize-Regierungschefs Baschir Ajuschew wurde der Kriegsherr bei der
Explosion eines mit Sprengstoff gefüllten Lasters getötet.
Bassajew habe sich in einem Begleitwagen befunden, sagte Ajuschew der
Nachrichtenagentur Interfax. Mit ihm seien drei Männer gestorben.
Ihre Leichname seien durch die Wucht der Detonation zerrissen worden.
Bassajew, dessen Gesicht intakt geblieben sei, sei identifiziert
worden, teilte die inguschetische Polizei mit.
Der pro-russische tschetschenische Regierungschef Ramsan Kadyrow
bezeichnete die Tötung Bassajews als "große Freude für
die tschetschenische Nation". Er bedaure, "nicht persönlich an der
Operation zu seiner Tötung teilgenommen zu haben." Die
Führung der tschetschenischen Rebellen erklärte auf ihrer
Webiste, sie enthalte sich vorerst "jeden Kommentars oder
Erklärung". Die Nachricht der "Besatzer" über den Tod
Bassajews wurde jedoch sehr schnell auf die Seite gestellt.
Die tschetschenische Rebellenbewegung hat mit Bassajew eine wichtige
Führungspersönlichkeit verloren. Der 41-Jährige mit der
Glatze und dem langen Bart, der auf Videos stets schwer bewaffnet und
im Kampfanzug zu sehen war, kämpfte für ein von Russland
unabhängiges Tschetschenien. Wegen seiner streng islamischen
Gesinnung war er auch bei Landsleuten umstritten.
Bassajew stand auf den russischen Fahndungslisten an oberster Stelle.
Er hatte sich zu zahlreichen Gewaltakten bekannt, darunter die
Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater im Jahr 2002 und in
einer Grundschule im südrussischen Beslan im September 2004, wo
offiziell 331 Menschen ums Leben kamen.
(Quelle: afp)
Jaroslaw Kaczynski: Berlin muss sich um bessere Beziehungen bemühen
Di.11.07.06 - Der als künftiger polnischer Regierungschef nominierte
konservative Politiker Jaroslaw Kaczynski hat der deutschen Regierung
die Verantwortung für eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen
zugeschrieben. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Wprost", das
am Montag veröffentlicht wurde, bezeichnete Kaczynski eine in der
Berliner "tageszeitung" erschienene Satire über seinen
Zwillingsbruder, Staatspräsident Lech Kaczynski, als "Beleidigung"
und "Verbrechen". Die Satire unter dem Titel "Polens neue Kartoffel.
Schurken, die die Welt regieren wollen" schloss mit einer Anspielung
auf die Homophobie von Lech Kaczynski, und erwähnte, dass sein
Zwillingsbruder Jaroslaw mit der Mutter zusammenlebt, "allerdings ohne
Trauschein". "Es liegt an unseren Partnern, die Beziehungen zu
verbessern", sagte Jaroslaw Kaczynski. "Wir haben niemanden beleidigt."
(Quelle: afp)
Deutschland
Koalition streitet weiter über Steuern für Gesundheit
Di.11.07.06 - Der Streit in der Koalition über die geplanten Steuermittel
für das Gesundheitswesen hält mit Beginn der parlamentarischen
Sommerpause unvermindert an.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering schloss wie Finanzminister
Peer Steinbrück mittelfristig Steuererhöhungen für das
Gesundheitswesen nicht aus. Der baden-württembergische
Ministerpräsident Günther Oettinger sagte dagegen am Montag,
Steuererhöhungen über die Anhebung der Mehrwertsteuer in 2007
hinaus seien den Bürgern nicht zuzumuten. Der geplante Betrag
für die Krankenversicherung der Kinder aus dem Steuertopf, der von
1,5 auf drei Milliarden Euro und darüber hinaus anwachsen solle,
werde "in Zukunft aus dem Haushalt finanzierbar sein".
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse warf
Ministerpräsidenten der Union destruktives Verhalten vor.
Vizekanzler Müntefering sagte im ZDF, die große Koalition
werde auch die Bundeshaushalte für die Jahre 2010 bis 2012
vorbereiten müssen. Mit Blick auf die steigenden
Steuerzuschüsse für die Krankenversicherung der Kinder
fügte er hinzu: "Dann gibt es Summen, die man aus dem Haushalt
nicht herausbekommen kann." Für die laufende Wahlperiode bis 2009
gelte die Vereinbarung, dass es dafür keine Steuererhöhungen
geben solle. Für die Jahre danach sei die Frage aber nicht
beantwortet.
Am Wochenende hatte bereits Steinbrück erklärt, die Frage von
Steuererhöhungen für das Gesundheitswesen werde nach 2009
erneut Thema werden. In der "Financial Times Deutschland" von Montag
fügte der SPD-Politiker hinzu: "Die prinzipielle Frage ist nicht
geklärt." Vor dem Ende der Legislaturperiode müsse entweder
2008 oder 2009 die Frage neu diskutiert werden.
Oettinger vertrat im Deutschlandfunk die Ansicht: "Mehr an
Erhöhungen von Steuern und Beiträgen für die Bürger
geht nicht." Das benötigte Geld müsse aus dem Haushalt
aufgebracht werden. So werde es etwa durch ein gutes Wirtschaftswachstum
von zwei Prozent mehr Steuereinnahmen geben. Bei der Arbeitsmarktreform
Hartz IV müssten Mitnahmeeffekte abgebaut werden, was zwei bis
drei Milliarden Euro bringen könne. Darüber hinaus gelte,
"dass allgemein von der Bundeswehr bis zum Straßenbau die Mittel
gedeckelt werden müssen. Dann kommen wir hin."
Steinbrück plädierte erneut für ein steuerfinanziertes
Sozialsystem mit einer Umfinanzierung nach dem Motto: "Abgaben runter -
Steuern dafür im gleichen Maße rauf."
Müntefering zeigte sich bemüht, die Wogen im Koalitionskrach
um die Reform zu glätten. "Wir haben gestritten in der Sache, das
gehört dazu. Ich hätte mir gewünscht, wir hätten es
eleganter hinbekommen." Die Koalition müsse aus dem Vorgang lernen.
"Es muss möglich sein, in der Koalition bei den entscheidenden
Leuten die Dinge vorher so zu besprechen, dass die Eckpunkte stehen."
Der Vizekanzler sagte, er sei "ganz sicher", dass die Koalition bis zum
Ende der Wahlperiode halte. Aus der SPD war Bundeskanzlerin Angela
Merkel Wortbruch vorgeworfen worden. Sie sei auf Druck der
Unions-Ministerpräsidenten von einer Vereinbarung über eine
höhere Steuerfinanzierung des Gesundheitswesens abgerückt.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil drängte die
Koalitionspartner dazu, sich wie die Fußball-Nationalmannschaft
als Team zu verstehen und die Gesundheitseinigung gemeinsam zu
vertreten. Für die SPD gelte: "Die Eckpunkte stehen, wir stehen
dazu." Thierse warf den Unions-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber,
Christian Wulff und Jürgen Rüttgers vor, sie hätten "die
Rolle der Opposition übernommen". "Aus Sorge um die eigenen Wahlen
wirken sie im Bund destruktiv, anstatt der großen Koalition klare
Reform-Erfolge zu ermöglichen", sagte der SPD-Politiker dem
"Kölner Stadt-Anzeiger".
Angesichts der anhaltenden Querelen in dem Regierungsbündnis hatte
Merkel am Wochenende ihren Führungsanspruch untermauert und betont:
"Die Bundeskanzlerin bin ich." Sie halte höhere Steuern für
das Gesundheitswesen nicht für akzeptabel und habe diese auch nie
vertreten.
(Quelle: rtr)