Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bewaffnete Männer töten zehn Schiiten im Süden Bagdads.
Prozess gegen Saddam Hussein für zwei Wochen vertagt
Mi.12.07.06 - Bewaffnete Männer haben nach Angaben des irakischen
Verteidigungsministeriums am Dienstag einen Minibus im Süden
Bagdads gestoppt, die zehn schiitischen Insassen zum Aussteigen
gezwungen und erschossen. Die Schiiten waren den Angaben zufolge mit
einem Leichnam unterwegs, den sie in Nadschaf bestatten wollten. Die den
Schiiten heilige Stadt liegt 160 Kilometer südlich von Bagdad. Der
Vorfall ereignete sich in dem überwiegend von Sunniten bewohnten
Gebiet von Dura, in dem es immer wieder zu gewalttätigen
Auseinandersetzungen kommt.
Bei einem Bombenanschlag auf ein bei Polizisten beliebtes Restaurant in
der Nähe der Grünen Zone von Bagdad kamen am Dienstag nach
Polizeiangaben mindestens fünf Menschen ums Leben, zehn weitere
wurden verletzt. Landesweit wurden nach Polizeiangaben mindestens 19
weitere Menschen bei Anschlägen getötet, darunter zehn
Polizisten in Scharkat. In Scharkat wurden am Montagabend bei einem
Überfall auf einen Militärkonvoi neun Soldaten getötet.
Eine Rebellengruppe mit Verbindungen zur Al Kaida will aus Vergeltung
für die Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Irakerin zwei
US-Soldaten getötet haben. Der Mudschahedin-Schura-Rat
erklärte in einem Video, das im Internet auftauchte, man habe zwei
der Leichen verstümmelt. Die Soldaten waren am 16. Juni in
Jussifija südwestlich von Bagdad entführt worden, ein dritter
Soldat kam dabei ums Leben. Die Leichen der beiden Verschleppten wurden
später geborgen.
In der Erklärung der Rebellengruppe hieß es, man habe eine
Schwester rächen wollen, die von einem Soldaten derselben Brigade
entehrt worden sei. Der Schura-Rat ist eine Dachorganisation für
mehrere extremistische Gruppen, darunter die Al Kaida im Irak.
Im Zusammenhang mit der Vergewaltigung und Ermordung der Irakerin
wurden bisher fünf amerikanische Soldaten beschuldigt. Die
US-Ermittler erklärten, es gebe keinen Beweis für einen
Zusammenhang mit dem Tod der drei amerikanischen Soldaten im vergangenen
Monat. Die US-Streitkräfte verurteilten die Veröffentlichung
des Videos am Dienstag scharf.
Wegen eines Boykotts der Anwälte von Saddam Hussein ist der
Prozess gegen den irakischen Expräsidenten am Dienstag für
zwei Wochen vertagt worden. Der Vorsitzende Richter Rauf Abdel-Rahman
sagte, wenn die Anwälte zur Fortsetzung des Verfahrens am 24. Juli
nicht erschienen, würden Pflichtverteidiger die
Schlussplädoyers für Saddam Hussein und drei Mitangeklagte
übernehmen.
Die Anwälte des Expräsidenten sowie von Barsan Ibrahim, Taha
Jassin Ramadan und Awad al Bandar wollen die Schlussphase des Prozesses
boykottieren, falls das Gericht bestimmte Forderungen nicht
erfülle. Unter anderem sehen sie nach der Ermordung von Saddam
Husseins Anwalt Chamis al Obeidi im vergangenen Monat ihre Sicherheit
als nicht gewährleistet an. Der frühere Machthaber selbst
teilte dem Gericht mit, er werde keine Abschlusserklärung abgeben,
da es sich um einen illegalen Prozess handele. Die Anwälte von vier
nachrangigen Angeklagten hingegen hielten am Montag und Dienstag ihre
Schlussplädoyers.
Ein irakischer Diplomat wurde unterdessen in Bagdad entführt. Der
Außenamtsmitarbeiter, der im Konsulat der iranischen Stadt
Kermanscha eingesetzt ist, wurde nach Behördenangaben vom Dienstag
nahe seinem Haus im Stadtviertel Amil verschleppt.
Das sunnitische Bündnis Irakische Eintracht kündigte ein Ende
seines Boykotts von Sitzungen des irakischen Parlaments an. Sein
Vorsitzender Adnan al Dulaimi verwies zur Begründung auf einen
Aufruf des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr zur
Einigkeit. Der Boykott des größten sunnitischen Blocks im
Parlament erfolgte aus Protest gegen die Entführung einer
Abgeordneten. Ihre Freilassung sei angekündigt worden.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 12.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.12.07.05 - Aufständische töten acht irakische Soldaten +++ US-Truppen
erschiessen zehn Rebellen +++ Zwei US-Soldaten sterben bei Gefechten nahe der
syrischen Grenze. Seit Kriegsbeginn verloren über 1.750
US-Militärangehörige im Irak ihr Leben +++ Verband Muslimischer
Geistlicher wirft irakischen Sicherheitskräften Folter vor...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Rumsfeld zu unangekündigtem Besuch in Afghanistan - Rund 30
Extremisten bei Militäraktion getötet
Mi.12.07.06 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist am Dienstag zu einem
unangekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen.
Er will dort mit verschiedenen Seiten unter anderem über die
wieder zunehmende Gewalt in dem Land diskutieren.
Ziel der Gespräche sei es, die strategische Partnerschaft mit der
Nato weiter zu stärken, sagte Rumsfeld vor Journalisten. Das
Verteidigungsbündnis soll in diesem Monat das militärische
Kommando im besonders gefährlichen Süden des Landes von den
US-Truppen übernehmen. Die US-geführten Truppen töteten
unterdessen am Dienstag eigenen Angaben zufolge in der südlichen
Provinz Helmand 30 Taliban-Rebellen. Großbritannien kündigte
an, seine Truppen im Süden des Landes um 900 Mann zu
verstärken. Die radikal-islamischen Taliban erklärten
daraufhin, die britische Verstärkung der Nato-Truppe mit grausamen
Angriffen in die Flucht zu schlagen. Mehr britische Soldaten bedeuteten
für die Taliban mehr Ziele für ihre Angriffe, sagte ein
Befehlshaber der Taliban der Nachrichtenagentur Reuters.
In Afghanistan gibt es nach Jahren relativer Ruhe seit einigen Monaten
wieder schwere Anschläge, zumeist von den Taliban. Seit Januar
kamen etwa 1200 Menschen bei Angriffen und Gefechten ums Leben, darunter
etwa 60 ausländische Soldaten. Neben dem Süden gelten auch
die östlichen Landesteile als besonders betroffen. Die Bundeswehr
ist unter anderem im Norden Afghanistans am Wiederaufbau des Landes
beteiligt.
(Quelle: rtr)
Afghanische Mädchenschulen schließen wegen Taliban-Terror
Mi.12.07.06 - Radikal-islamische Taliban erzwingen mit Anschlägen und Drohungen
immer mehr Schließungen von Mädchenschulen in Afghanistan.
Viereinhalb Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes gingen die meisten
Mädchen in Afghanistan nicht zur Schule, heißt es in einer
Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).
Inzwischen gebe es fast in einem Drittel aller Distrikte gar keine
Mädchenschule mehr. «Schulen werden durch Bomben und
Drohungen geschlossen, womit einer weiteren Generation afghanischer
Mädchen Bildung und die Chance auf ein besseres Leben genommen
wird», sagte die Ko-Autorin des Berichts, Zama Courssen-Neff.
Unter den Taliban war Mädchen Bildung verboten. Nach dem Sturz des
Regimes Ende 2001 wurde der freie Zugang zu Bildung «für alle
Bürger» in der afghanischen Verfassung verankert, was die
internationale Gemeinschaft als großen Erfolg wertete. Die
aktuelle Entwicklung drohe die Fortschritte im Bildungsbereich aber
wieder zunichte zu machen, heißt es in dem Bericht
«Terrorlektionen: Angriffe auf Bildung in Afghanistan» der
in New York ansässigen Organisation. Seit Anfang 2005 verzeichnete
HRW 204 Angriffe und Angriffsversuche auf Lehrer, Schüler und
Schulen, 110 davon in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Die
Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Nicht alle Anschläge gingen auf das Konto der Taliban. Der Angriff
auf das Bildungssystem sei Teil des «dramatischen Wiederauflebens
bewaffneter Gruppen», die gegen die Regierung in Kabul und deren
internationale Unterstützer kämpften. Schulen stellten in
vielen Gegenden die einzigen sichtbaren Symbole der Regierung dar.
«Die Taliban, lokale Warlords und kriminelle Gruppen teilen jetzt
das Ziel, die Zentralregierung zu schwächen», sagte ein
weiterer Ko-Autor der Studie, Sam Zafiri.
Zarifi machte die internationale Gemeinschaft mitverantwortlich
für die «Menschenrechtskrise» in Afghanistan. Die
ausländischen Truppen hätten dabei versagt, Sicherheit in
Afghanistan herzustellen. «Die Taliban und andere Gruppen
füllen das Vakuum.» Die Situation sei aber noch nicht
hoffnungslos. «Die USA und die NATO müssen zeigen, dass sie
das Leben einfacher Afghanen sicherer und besser machen können und
wollen.» Human Rights Watch forderte die Taliban und andere
bewaffnete Gruppen auf, Anschläge auf Zivilisten und besonders auf
Lehrer, Schüler und Schulen unverzüglich einzustellen.
Die afghanische Regierung benötige eine Strategie, um
Anschläge auf das Bildungssystem zu verhindern oder darauf zu
reagieren. «Wenn es zu gefährlich ist, Kinder zur Schule zu
schicken, dann gibt es keine echte Sicherheit und keine echte
Entwicklung», sagte Ko-Autorin Courssen-Neff.
(Quelle: dpa)
Iran dämpft Hoffnungen auf Fortschritte im Atomstreit
Mi.12.07.06 - Der Iran will sich auch weiterhin nicht zu einer schnellen Antwort auf
das internationale Kompromissangebot im Atomstreit drängen lassen.
«Wir müssen uns mehr Zeit zugestehen, wenn die Verhandlungen
erfolgreich sein sollen», erklärte der Teheraner
Chefunterhändler Ali Laridschani am Dienstag nach Gesprächen
mit der Europäischen Union in Brüssel. Die fünf
Vetomächte und Deutschland hatten Teheran eine Frist bis zum
(heutigen) Mittwoch gesetzt, zu dem Angebot Stellung zu nehmen.
Bevor ernsthafte Gespräche beginnen könnten, müssten
«Zweideutigkeiten» geklärt werden, sagte Laridschani.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana zeigte sich nach dem
Gespräch mit Laridschani enttäuscht. Er sei «nicht
zufrieden über den fehlenden Fortschritt», sagte seine
Sprecherin Cristina Gallach. Ein EU-Mitarbeiter kritisierte die
iranische Delegation, keine konkreten Fragen hinsichtlich ihrer
Probleme mit dem Angebot gestellt zu haben. Auch habe Laridschani
keinen Zeitrahmen für eine iranische Antwort gegeben.
Die Außenminister der fünf ständigen Mitglieder des
Weltsicherheitsrats und Deutschlands kommen heute in Paris zusammen, um
sich von Solana über die Gespräche informieren zu lassen. Die
Äußerungen Laridschanis machten deutlich, dass sich der Iran
bis dahin nicht zu dem Verschlag äußern wird. Das Angebot
sieht wirtschaftliche und politische Anreize vor, damit die iranische
Regierung auf die Urananreicherung verzichtet.
US-Präsident George W. Bush erhöhte unterdessen den Druck auf
die Teheraner Regierung. «Wir werden mit unseren Freunden
zusammenarbeiten, um die Angelegenheit diplomatisch zu
lösen», sagte Bush dem «Handelsblatt»
(Mittwochausgabe). «Sollten die Iraner jedoch keine positive
Antwort liefern, werden wir reagieren.» Bush, der am Mittwoch
Deutschland besucht und dann zum G-8-Gipfel in Moskau weiterreist,
würdigte auch die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel in dem
Konflikt. Deutschland habe bei den Verhandlungen mit dem Iran einen
«großartigen Beitrag» geleistet.
(Quelle: ap)
Mindestens 190 Tote nach Anschlagsserie in Bombay
Mi.12.07.06 - Die indische Finanzmetropole Bombay ist von einer Serie von
Bombenanschlägen erschüttert worden, bei der mindestens 190
Menschen getötet und 625 weitere verletzt wurden. In kurzen
Zeitabständen wurden sieben Sprengsätze während der
Rush-hour an Bahnhöfen, in Vorortzügen und in einer U-Bahn
gezündet. Die Regierung beschloss während einer Krisensitzung
die Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen. Bei früheren
Anschlägen hatte die indische Regierung Moslem-Fundamentalisten
aus der umstrittenen Kaschmir-Region als Urheber bezeichnet.
Nach den Bombenexplosionen boten sich Szenen des Grauens. "Ich habe
mitgeholfen, die Leute hier reinzutragen", sagte ein 24-jähriger
im staatlichen Kem-Krankenhaus. "Einige haben keine Augen mehr, oder
keine Hände - sie wurden zerstört." Im Fernsehen waren Opfer
der Anschläge zu sehen, die blutüberströmt durch die
Straßen schwankten. Andere wurden von Freiwilligen zu den
Rettungswagen geschleift.
Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh habe "jede
erdenkliche Hilfe" zugesagt, erklärte der Regierungschef des
Bundesstaates Maharashtra, Vilasrao Dshmukh. Zugleich kündigte er
finanzielle Entschädigungen für die Opfer der Anschläge
an.
Bombay, die Hauptstadt Maharashtras, war in den vergangenen Jahrzehnten
schon mehrfach Schauplatz schwerer Bombenanschläge. Eine der
blutigsten Anschlagsserien ereignete sich im Jahr 1993. Damals wurden
250 Menschen getötet und mehr als tausend verletzt. Kurz vor der
jüngsten Anschlagsserie in Bombay waren bei
Granateneinschlägen in Srinagar im indischen Teil Kaschmirs an der
Grenze zu Pakistan laut Polizei acht Touristen getötet worden.
Regierungschef Singh rief nach dem Krisentreffen mit Innenminister
Shivraj Patil und den Chefs der wichtigsten Sicherheitsbehörden
die Bevölkerung von Bombay und Srinagar zur Ruhe auf. Die
"Terroristen" würden mit ihren "teuflischen Plänen" keinen
Erfolg haben, erklärte Singh. Seine Regierung werde alle
möglichen Maßnahmen ergreifen, um Ruhe und Ordnung
wiederherzustellen.
In Bombay selbst, in Kaschmir, in Punjab, in der Hauptstadt Neu Delhi
und im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Uttar Pradesh wurde der
Alarmzustand ausgerufen. An den Flughäfen von Bombay, Neu Delhi,
Bangalore und Kalkutta bezogen paramilitärische Einheiten
Position. Zahlreiche Regierungen und Staatschefs verurteilten
unverzüglich die Anschlagsserie, darunter auch der Nachbar
Pakistan, mit dem Indien um die Kaschmir-Region streitet.
(Quellen: afp, ap)
Mehr als 20 Tote bei Bandenkämpfen in Haiti
Mi.12.07.06 - Bei Kämpfen zwischen bewaffneten Banden sind in Haiti in den
vergangenen Tagen mehr als 20 Menschen getötet worden, darunter
auch mehrere Kinder. Das teilte die UN-Mission in Haiti (MINUSTAH) mit.
Die Verschlechterung der Sicherheitslage in dem betroffenen Vorort der
Hauptstadt Port-au-Prince gebe Anlass "zu großer Sorge",
erklärten der UN-Sondergesandte Edmond Mulet und
UNICEF-Repräsentant Adriano Gonzalez-Regueral. An die Regierung
appellierten sie, die Täter vor Gericht zu bringen. Soldaten der
UN-Friedensmission seien nach Martissant, wo die Kämpfe
stattfanden, entsandt worden, um die Lage zu sondieren und für Ruhe
zu sorgen.
Etwa 7500 UN-Soldaten und mehr als 1200 Polizisten aus dem Ausland sind
seit Juni 2004 in Haiti stationiert. In den vergangenen Jahren gab es in
dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre immer wieder
schwere Krisen, Gewalt und Entführungen.
(Quelle: afp)
Großbritannien plant den Bau neuer Atomkraftwerke
Mi.12.07.06 - Großbritannien will zur Sicherung der Energieversorgung neue
Atomkraftwerke bauen. Aber auch erneuerbare Energien wie Wind, Wasser
und Gezeiten sollen stärker zur Anwendung kommen, wie
Handelsminister Alistair Darling am Dienstag vor dem Londoner Unterhaus
erklärte. Diese Mischung sei das Kernstück des neuen
Grundsatzpapiers der Regierung zur Energiepolitik der kommenden 30 bis
40 Jahre.
Auch Premierminister Tony Blair betonte, Atomkraft und erneuerbare
Energien seien keine einander ausschließende Alternativen,
sondern müssten sich gegenseitig ergänzen. Es gehe darum, das
Land von ausländischen Energielieferungen unabhängig zu
machen und eine Versorgungskrise in etwa 20 Jahren zu vermeiden,
betonte Blair, der früher einmal gegen die Kernkraft zu Felde
gezogen war. Ohne Atomenergie müsste Großbritannien um das
Jahr 2025 etwa 80 bis 90 Prozent seines Energiebedarfs mit Importen
decken.
Atomstrom macht zurzeit etwa ein Fünftel der britischen
Elektrizitätsversorgung aus. Allerdings sollen die 23 derzeitigen
Kernkraftwerke bis 2023 alle bis auf eines geschlossen werden, weil sie
dann wegen Überalterung nicht mehr als sicher einzustufen
wären. Ohne Neubauten würde der Anteil des Atomstroms
Experten zufolge schon bis 2010 auf vier Prozent zurückgehen.
Blair erklärte, aus Kostenerwägungen ebenso wie aus
Umweltgründen müsse der Bau neuer Atommeiler in Betracht
gezogen werden. Kernkraftwerke seien insofern umweltfreundlicher, als
sie keine Treibhausgase in die Atmosphäre schleuderten. Sie
trügen also dazu bei, die Vorgaben des Kyoto-Protokolls zur
Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes zu erfüllen.
Andererseits müssten die Atomkraftwerke aber sicherer gemacht
werden, und die umweltgerechte Entsorgung nuklearen Abfalls müsse
gewährleistet sein.
(Quelle: ap)
Deutschland
Experten äußern Zweifel am Kongo-Zeitplan für Bundeswehr
Mi.12.07.06 - Zu Beginn der Kongo-Mission der Bundeswehr haben Sicherheitsexperten
und Politiker Zweifel am Zeitplan des Auslandseinsatzes angemeldet. Der
politische Direktor der UNO-Mission im Kongo (MONUC), Albrecht Conze,
sagte der "Berliner Zeitung", es werde nicht einfach, den Zeitplan
für einen Abzug zum Dezember einzuhalten. "Wir haben immer wieder
gesehen, dass im Kongo Zeitrahmen nicht eingehalten wurden".
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte mehrfach versprochen,
die deutschen Soldaten seien zu Weihnachten wieder zu Hause.
Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Hans-Christian
Ströbele sagte der "Berliner Zeitung": "Es ist jetzt schon sicher,
das dieser Zeitplan nicht eingehalten werden kann". Der Wehrbeauftragte
des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), machte deutlich, dass auch die
Soldaten eine Verlängerung für möglich halten: "Viele
Soldaten glauben nicht so recht, dass es bei einem Einsatz von vier
Monaten bleiben wird." Die Bundeswehr-Soldaten sollen als Teil einer
EU-Truppe die Wahlen im Kongo absichern. Am Montag begann die Verlegung
des Hauptkontingentes nach Gabun.
UN-Direktor Conze sagte, im Verlauf der Wahlen sei mit Schwierigkeiten
zu rechnen. "Zwischen dem ersten Wahlgang und der Stichwahl kann es
heiß werden", sagte er. "Da wird mit allen Mitteln gekämpft
werden, um Koalitionen um die zwei verbleibenden Bewerber zu schmieden.
Ohne Schrammen wird das nicht abgehen in einem Land, das noch keine
demokratischen Traditionen hat."
Ströbele kritisierte zudem die offene Unterstützung der
Franzosen in Kinshasa zugunsten des Machthabers Laurent Kabila, obwohl
die EU-Truppe zur Neutralität verpflichtet sei. Kabila unterhalte
im Kongo eine 15.000 Mann starke Privatarmee. "Die Vorstellung, was
passieren würde, wenn Kabila nicht gewählt wird, wagt keiner
zu Ende zu denken", sagte Ströbele.
(Quelle: afp)
CDU-Abgeordnete kritisiert Kongo-Einsatz als reine Symbolik
Mi.12.07.06 - Die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann hat den Kongo-Einsatz
der Bundeswehr als schlecht vorbereitet und zu riskant kritisiert. Die
Mission sei nichts als «reine Symbolik», die es nicht wert
sei, das Leben deutscher Soldaten derart akut zu gefährden,
zitierte die Chemnitzer «Freie Presse» Bellmann am
Mittwoch. Schon gar nicht lasse sich der Zeitplan einhalten. Es sei
leichtsinnig von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), den
Soldaten zuzusichern, sie seien Weihnachten wieder zu Hause.
Der Einsatz werde erheblich länger als vier Monate dauern, sagte
die Chemnitzer Abgeordnete demnach. Zudem könnten die rund
zweitausend europäischen Soldaten kaum etwas zur Stabilisierung
des Kongos beitragen. Es sei besser gewesen, wenn der Einsatz unter dem
Dach der Vereinten Nationen stattgefunden hätte. Bellmann
bezeichnete die jetzige Entsendung der EU-Soldaten als
«Prestigeobjekt Brüssels». Offenbar gehe es dem
EU-Außenbeauftragten Javier Solana nur darum, international zu
beweisen, dass die EU in der Lage sei auch eine eigene Außen- und
Sicherheitspolitik zu betreiben.
(Quelle: ap)
Anwälte halten neues Gesetz zum EU-Haftbefehl für unhaltbar
Mi.12.07.06 - Der Deutsche Anwaltverein und die Bundesrechtsanwaltskammer kritisieren
das nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nachgebesserte
Gesetz zum EU-Haftbefehl. Der neue Entwurf sei so dilettantisch, dass es
in Karlsruhe ein zweites Mal scheitern dürfte, sagte Michael
Rosenthal vom Strafrechtsausschuss des Anwaltvereins der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht.
«Ich habe das überarbeitete Gesetz mit Erstaunen zur Kenntnis
genommen. Hier und da ist zwar etwas repariert worden, insgesamt bleibt
das Gesetz für mich aber verfassungswidrig«, sagte er.
Anne Wehnert vom Strafrechtsausschuss der Rechtsanwaltskammer sagte dem
Blatt, sie gehe davon aus, dass das Regelwerk ein zweites Mal beim
Verfassungsgericht durchfallen werde. Offenbar habe die Bundesregierung
in Europa nicht als Buhmann dastehen wollen und deshalb übereilt
ein neues Gesetz auf den Weg gebracht.
Die Vorschriften regeln, unter welchen Umständen international
gesuchte Beschuldigte von Deutschland an andere EU-Staaten ausgeliefert
werden dürfen. Die erste Fassung hatte Karlsruhe 2005 gekippt, weil
nicht hinreichend geregelt worden war, inwieweit Grundrechte der
Auslieferung entgegenstehen können.
Nach Ansicht der Anwaltschaft sind zentrale Rügen der
Verfassungsrichter nicht umgesetzt worden. »Die überarbeitete
Version stärkt die Rechte Betroffener kaum. Wann ein
Verdächtiger ausgeliefert werden darf und wann nicht, bleibt vage
und verschwommen«, kritisierte Rosenthal.
Wehnert rügte, dass auch der vom Verfassungsgericht verlangte
Rechtsweg gegen bewilligte Auslieferungen nicht geöffnet werde.
Ferner sei weiterhin nicht gesichert, dass ein im Ausland verurteilter
Deutscher seine Strafe wie von Karlsruhe gefordert hierzulande absitzen
dürfe.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium,
Alfred Hartenbach, wies die Kritik zurück. "Wir haben das Gesetz
verbessert und alle verfassungsrechtlichen Bedenken
ausgeräumt», sagte er der Zeitung.
(Quelle: ddp)
DGB will Sofortprogramm zur Schaffung von 50.000 Ausbildungsplätzen
Mi.12.07.06 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat im Kampf gegen die Ausbildungsmisere
ein Sofortprogramm zur Schaffung von 50.000 außerbetrieblichen
Lehrstellen vorgeschlagen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid
Sehrbrock bezifferte die Kosten am Dienstag in Berlin auf 650 Millionen
Euro pro Jahr. Diese sollten von der Bundesagentur für Arbeit, den
Bund und den Ländern gemeinsam getragen werden.
«Wir müssen alles dafür tun, damit junge Menschen nicht
ins Abseits gestellt werden», begründete Sehrbrock den
Vorstoß. Der Lehrstellenmangel werde trotz des Ausbildungspaktes
immer größer. Im Juni habe es rechnerisch 279.000 mehr
Bewerber als betriebliche Ausbildungsplätze gegeben. Damit sei die
Ausbildunglücke um 25.100 Plätze größer als vor
einem Jahr. Das zeige, dass der Ausbildungspakt keinen Erfolg habe.
Der DGB schlägt vor, kurzfristig 50.000 neue
Ausbildungsplätze in außerbetrieblichen Einrichtungen zu
schaffen. Diese dürften aber nicht als
«Schmalspurausbildung» konzipiert sein und müssten
daher starke Praktikumsanteile enthalten, sagte Sehrbrock. Für die
Anschubfinanzierung sollte die Bundesagentur für Arbeit in diesem
Jahr mit einem Teil ihrer Überschüsse einspringen.
Zusätzlich sollten nicht genutzte Hartz-IV-Mittel Mittel verwendet
werden. In den nächsten Jahre solle schrittweise auf eine
stärkere Steuerfinanzierung umgestellt werden.
Die Bundesagentur rechnet zur Zeit nur mit einer Ausbildungslücke
von 194.000 Plätzen, geht aber ebenfalls davon aus, dass sich der
Lehrstellenmangel im Vergleich zum Vorjahr verschärft hat. Ihren
Schätzungen zufolge stieg die Zahl der noch nicht vermittelten
Jugendlichen um zehn Prozent auf 315.000. Der Deutsche Industrie- und
Handelskammertag (DIHK) hatte am Montag gleichwohl eine positive
Zwischenbilanz gezogen: Nach Angaben von Präsident Ludwig Georg
Braun konnten die Kammern bis Ende Juni rund 159.000
Ausbildungsplatzverträge eintragen. Das sind 2,2 Prozent mehr als
im Vorjahr.
(Quelle: ap)
Migranten-Kinder sollen schon im Kindergarten Deutsch lernen
Mi.12.07.06 - Kinder von Ausländern sollen nach dem Willen der Bundesregierung
die deutsche Sprache bereits im Kindergarten erlernen. Eine
entsprechende Erklärung mit dem Titel "Gutes Zusammenleben - klare
Regeln" soll im Vorfeld des Integrationsgipfels am Mittwoch vom
Bundeskabinett beschlossen werden, wie ein Sprecher der Bundesregierung
sagte. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin
Laschet (CDU) dämpfte die Erwartungen an den Gipfel. Die
Städte, Landkreise und Gemeinden erhofften sich neue Impulse zur
stärkeren Integration von Zuwanderern.
Das Thema Sprache sei besonders wichtig, da in Deutschland rund 15
Millionen Menschen mit Migrationshintergrund lebten, heißt es
nach Angaben der "Welt" in der Erklärung des Kabinetts. Die
Regierung erwarte, dass ab dem Jahr 2010 in den Großstädten
"bereits jeder zweite unter 40 Jahren" zu diesem Personenkreis
zählen wird. Derzeit bestünden "bei der zweiten und dritten
Generation deutliche Integrationsdefizite".
Gefordert werde von Zuwanderern die Bereitschaft, das "Grundgesetz und
die gesamte Rechtsordnung vorbehaltlos zu akzeptieren", berichtete die
"Welt" weiter. Zudem müssten sie durch das Erlernen der deutschen
Sprache ein "sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zu Deutschland"
setzen. "Dies erfordert Eigeninitiative, Fleiß und
Eigenverantwortung", heißt es demnach in der
Absichtserklärung. Auf Seiten der Aufnahmegesellschaft seien
Akzeptanz, Toleranz, zivilgesellschaftliches Engagement und die
Bereitschaft nötig, Menschen ehrlich willkommen zu heißen,
die rechtmäßig in Deutschland lebten.
"Beschließen kann der Gipfel nichts", sagte Laschet der
"Financial Times Deutschland". "Die entscheidenden Themen - Bildung,
Sprache, Schulen und Kindergärten - sind Sache der Länder und
Kommunen." Mehr als Selbstverpflichtungserklärungen könnten
deshalb dabei nicht herauskommen.
"Die Kommunen sind bereit, ihre über einen langen Zeitraum
erworbene Kompetenz auf dem Gebiet der Integrationsförderung in
den Integrationsgipfel einzubringen", erklärte dazu die
Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände. Die konkreten
Begegnungen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund fänden
in den Kommunen statt. Hier würde Erfolge und Misserfolge am
deutlichsten sichtbar.
Zum Integrationsgipfel am Freitag ins Kanzleramt hat Merkel rund 70
Vertreter von Ausländer- und Religionsverbänden, der
Wirtschaft sowie der Länder und Kommunen geladen.
(Quelle: afp)
Stralsund vor Bush-Besuch im Ausnahmezustand
Mi.12.07.06 - Begleitet von den massivsten Sicherheitsvorkehrungen in der Geschichte
Mecklenburg-Vorpommerns und bundesweiten Demonstrationen beginnt
US-Präsident George W. Bush an diesem Mittwoch seinen dritten
Deutschlandbesuch.
Trotz der über 12 000 Polizisten und strengen
Absperrungsmaßnahmen soll der insgesamt dreitägige
Aufenthalt einen anderen Charakter haben als der Bush-Besuch vor gut
einem Jahr in Mainz, hieß es am Dienstag aus Regierungskreisen in
Berlin. Damals war Bush praktisch total von der Öffentlichkeit
abgeschirmt worden. In Stralsund am Donnerstag soll nun zumindest ein
Kontakt mit rund 1000 scharf kontrollierten Bürgern auf dem
Marktplatz der Hansestadt möglich sein. Die Visite von Bush
bestimmt zunehmend den beginnenden Wahlkampf im Nordosten, wo am 17.
September ein neuer Landtag gewählt wird. Die CDU kritisierte die
nach ihrer Ansicht unklare Haltung der rot-roten Landesregierung.
Bush wird am Mittwochabend gegen 21.45 Uhr in Rostock-Laage landen und
von Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) begrüßt.
Das eigentliche Besuchsprogramm findet am Donnerstag in Stralsund
statt, wo Merkel und Bush bei mehreren Treffen die internationalen
Konfliktthemen besprechen wollen. Im Mittelpunkt werden der Iran-
Atomkonflikt und die Sicherheitslage in Afghanistan stehen. Nach dem
Terroranschlag von Bombay dürfte auch der Kampf gegen Terrorismus
ein Thema sein.
Möglich ist auch die Erörterung der Zukunft des
Gefangenenlagers Guantanamo, hieß es. Im Fall des inhaftierten
Deutsch-Türken Murat Kurnaz zeichne sich eine Lösung ab. Ob
beide den Fall ansprechen, sei aber offen. Am Freitag reist Bush zu
einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, bevor
er am G8-Gipfel in St. Petersburg teilnimmt.
In Berlin wird fest erwartet, dass Bush Merkel offiziell auf seine
Ranch in Crawford in Texas einladen wird. Schon vor dem Besuch gab es
nach dpa-Informationen entsprechende Signale aus Washington. Bisher hat
Bush in Crawford nur solche Staats- und Regierungschefs empfangen, mit
denen er ein besonders enges Verhältnis hat - etwa
Großbritanniens Regierungschef Tony Blair.
Vor der Abreise nach Deutschland erhöhte Bush im Streit über
das iranische Nuklearprogramm den Druck. «Wir werden mit unseren
Freunden zusammenarbeiten, um die Angelegenheit diplomatisch zu
lösen», sagte er dem «Handelsblatt» (Mittwoch).
«Sollten die Iraner jedoch keine positive Antwort liefern, werden
wir reagieren.»
In Stralsund und dem Dorf Trinwillershagen, wo Merkel Bush am
Donnerstagabend bei Wildschwein am Spieß mit einigen Bürgern
zusammenbringen will, wurden die Sicherheitsvorbereitungen fortgesetzt.
Das Gebiet vor der Küste wurde für die Schifffahrt gesperrt.
Der Besuch des US-Präsidenten wird bundesweit von rund 60
Protestveranstaltungen begleitet, teilte das «Netzwerk
Friedenskooperative» am Dienstag mit. Mecklenburg-Vorpommerns
Vize- Ministerpräsident Wolfgang Methling von der Linkspartei wird
laut Deutscher Friedensgesellschaft bei der Anti-Bush-Demonstration
sprechen. Die Teilnahme von Linkspartei-Ministern ist umstritten.
Der CDU-Landesvorsitzende Jürgen Seidel äußerte zwar
Verständnis für die geplanten Bürgerproteste,
kritisierte aber zugleich den zweigleisigen Kurs der Landesregierung.
«Man kann politisch durchaus anderer Meinung sein und darf das
auch zeigen», sagte er der dpa. Es könne aber nicht sein,
dass Ringstorff den Präsidenten begrüße und
Linkspartei-Minister gegen den Besuch demonstrierten. Berliner
Regierungskreise wiesen darauf hin, dass Ringstorff von der Kanzlerin
nach Trinwillershagen eingeladen worden sei.
(Quelle: dpa)
Bush ist nicht willkommen
Friedensbewegung mobilisiert zu zahlreichen Aktionen. Donnerstag
Großdemonstration in Stralsund... Mehr in der Tageszeitung 'junge
Welt' vom 12.07.06:
http://www.jungewelt.de/2006/07-12/024.php
Wissenschaft
Erstmals Mäuse aus 'künstlichen' Spermien erzeugt
Mi.12.07.06 - Forschern der Universität Göttingen ist es nach eigenen
Angaben erstmals gelungen, Mäuse mit Hilfe
«künstlicher» Spermien zu erzeugen. Aus embryonalen
Mäuse-Stammzellen seien männliche Keimzellen entwickelt und
damit Eizellen künstlich befruchtet worden, teilte die Hochschule
am Montag mit.
Die Ergebnisse seien ein «Meilenstein auf dem Weg zum
Verständnis der Bildung männlicher Keimzellen bei
Säugetieren», sagte der Humangenetiker Prof. Karim Nayernia.
Die Wissenschaftler haben ihre Arbeit in der US-Fachzeitschrift
«Developmental Cell» (Bd. 11, S. 125) veröffentlicht.
Die Forscher hatten embryonale Mäuse-Stammzellen mit Hilfe
bestimmter Wachstumsfaktoren dazu angeregt, sich in einem Kulturmedien
zu männlichen Keimzellen zu entwickeln. Mit diesen
Spermien-ähnlichen Zellen wurden dann 65 Eizellen befruchtet und in
Mäuse eingebracht.
Die sieben daraufhin geborenen Mäuse waren allerdings entweder
größer oder kleiner als auf natürlichem Weg gezeugte
Artgenossen und starben früher. Beides deute auf eine
unvollständige «Umprogrammierung des Genoms während der
Keimzellbildung» hin, sagte Nayernia. Es sei demnach nicht
gelungen, alle komplizierten Entwicklungsschritte bei der
Spermienbildung in der Kulturschale vollständig nachzuvollziehen.
Die Experimente sollen jetzt an Weißbüschelaffen wiederholt
werden, «um zu erfahren, ob die Methode auch bei Primaten
funktioniert», sagte der Direktor der Abteilung Humangenetik,
Prof. Wolfgang Engel.
(Quelle: dpa)
Klimawandel hat verheerende Folgen für Alpengletscher
Mi.12.07.06 - Der sich abzeichnende Klimawandel wird verheerende Folgen für die
Alpengletscher haben. Steigen die Sommertemperaturen um drei Grad
Celsius, verlieren die Gletscher 80 Prozent der Eisfläche, wie sie
etwa von 1971 bis 1990 bestand.
Das geht aus einer am Montag vorgestellten Studie der Universität
Zürich hervor. Bei einer Erwärmung um fünf Grad Celsius
wären die Alpen praktisch eisfrei. Nach der Studie, die am 15. Juli
in der Zeitschrift «Geophysical Research Letters»
erscheint, handelt es sich dabei um Klimaszenarien für das Ende des
21. Jahrhunderts.
Die Gletscher der europäischen Alpen haben bereits seit 1850 die
Hälfte ihrer Fläche verloren. Ein Anstieg der Sommertemperatur
von ein bis fünf Grad und eine deutliche Niederschlagänderung
für das Ende des 21. Jahrhunderts bilden nach internationalen
Expertenschätzungen ein realistisches Szenario. Dies habe enorme
Auswirkungen auf den Wasserkreislauf, auf die Wasserwirtschaft, den
Tourismus und für Naturgefahren.
Ein komplettes Inventar der Alpengletscher für die 1970er Jahre
zeigt, dass etwa 5150 Alpengletscher eine Fläche von 2909
Quadratkilometer bedeckten. Der gesamte Flächenverlust der alpinen
Eisbedeckung seit 1850 beläuft sich auf etwa 35 Prozent bis in die
1970er Jahre und auf fast 50 Prozent bis 2000.
(Quelle: dpa)