Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertvierundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Kongress hält Erfolg von Bushs Strategie im Irak für
ungesichert. Rumsfeld berät im Irak über Sicherheitslage. 22
Leichen von entführten Schiiten im Irak gefunden
Do.13.07.06 - Die Strategie von US-Präsident George W. Bush im Irak ist erstmals
von einer maßgeblichen amtlichen Institution in Frage gestellt
worden. Der Rechnungshof (Government Accountability Office, GAO)
erklärte in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht
für den US-Kongress, es sei "unklar, wie die Vereinigten Staaten
ihr erwünschtes Ziel im Irak erreichen können". Zur
Begründung verwiesen die Autoren auf die "deutlichen
Veränderungen" gegenüber den Annahmen, die der bisherigen
Strategie zu Grund lägen. Das Weiße Haus hatte im November
eine "Nationale Strategie für den Sieg im Irak" herausgegeben,
deren Vorhersagen zum Teil nicht eintrafen. In dem Strategieplan des
Weißen Hauses hatte es geheißen, der Irak solle das erste
wahrhaft demokratische Land in der arabischen Welt werden.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist am Mittwoch zu einem
Besuch im Irak eingetroffen.
Bei den Beratungen mit Soldaten und Regierungsvertretern soll es um die
Sicherheitslage in der Hauptstadt Bagdad sowie die Ausbildung der
irakischen Armee gehen. Auch der Aussöhnungsprozess zwischen den
verschiedenen Bevölkerungsgruppen stehe auf der Agenda, betonte der
Politiker. Rumsfeld hatte zuvor Afghanistan und Tadschikistan besucht.
Für den Irak lehnt es die US-Regierung bislang ab, einen Zeitplan
für den Abzug der eigenen Truppen aus dem Land vorzulegen. Vor den
Kongresswahlen im November wächst allerdings der innenpolitische
Druck in dieser Frage. Insgesamt haben die USA in dem Golfstaat auch
mehr als drei Jahre nach Kriegsbeginn noch knapp 130.000 Soldaten
stationiert. Mehr als 2500 ihrer Streitkräfte kamen bislang ums
Leben.
Im Irak ist es in der jüngsten Vergangenheit zu einem Aufflammen
von Gewalttaten zwischen den schiitischen und sunnitischen
Bevölkerungsteilen gekommen. Aufständische verüben fast
täglich Anschläge, deren Ziel immer wieder auch
ausländische Truppen sind. Die Rebellen versuchen damit, die vom
Westen gestützte Regierung zu schwächen.
Wenige Stunden nach der Entführung von bis zu 80 Schiiten in
Mokdadija nördlich von Bagdad hat die irakische Armee die Leichen
von 22 Entführten gefunden. Die Leichen wurden nach
Militärangaben unweit der Bushaltestelle von Mokdadija entdeckt,
wo die Schiiten entführt worden waren. "Es handelt sich um
Schiiten, die am selben Morgen entführt wurden", sagte ein
Armeesprecher. Die Getöteten waren alle erschossen worden.
Die Entführung in Mokdadija wurde von der Vereinten Irakischen
Allianz, einem Zusammenschluss schiitischer Parteien, auch im Parlament
angesprochen. Es sei ein "trauriger Schlag" gegen die
Sicherheitspolitik der Regierung, dass die Schiiten entführt
wurden, sagte der Abgeordnete Dschalal Eddin el Saghir. Er bezichtigte
die Polizei in dem mehrheitlich von Sunniten bewohnten Gebiet um
Mokdadija der Komplizenschaft. Der Abgeordnete verwies darauf, dass die
Polizei sich kurz vor der Entführung aus dem Bereich
zurückgezogen habe.
(Quellen: afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Bundeswehr fordert neue Einsatzregeln für Afghanistan
Do.13.07.06 - Nach einer Reihe von Angriffen auf Bundeswehrstützpunkte in
Afghanistan dringt die Truppe darauf, im Einsatz künftig schneller
zur Waffe greifen zu können. "Es wäre angemessen, den Auftrag
zu transformieren und zu reformieren", sagte der Sprecher der
Internationalen Schutztruppe (ISAF) für die Nordregion,
Oberstleutnant Markus Werther, der "Financial Times Deutschland".
"Der Gedanke, wir machen in Afghanistan nur Wiederaufbau und sonst
nichts, kann nicht funktionieren, da werden wir an die Wand
gedrückt." In den vergangenen Wochen war die Bundeswehr in
Afghanistan mehrmals Ziel von Anschlägen gewesen. Im Unterschied
zur US-geführten Anti-Terror-Mission darf die ISAF keine
Kampfeinsätze führen. An dieser Aufteilung will das
Verteidigungsministerium bislang nicht rütteln - auch wenn die
Forderungen nach einer Zusammenlegung der Mandate derzeit lauter werden.
"Eine Zusammenlegung allein führt nicht zu mehr Sicherheit", sagte
auch Werther. Vorerst gehe es darum, die Einsatzregeln neu zu
definieren. Die Soldaten fordern die Möglichkeit, bei einer
drohenden Gefahr auch präventiv handeln zu können.
(Quelle: afp)
Atomstreit mit Iran geht zurück an UN-Sicherheitsrat
Do.13.07.06 - Im Atomstreit mit dem Iran muss Teheran angesichts seiner
zögerlichen Reaktion auf ein Kompromissangebot schon bald mit
einer Resolution im Weltsicherheitsrat rechnen. Das höchste
UN-Gremium griff das Thema am Mittwoch wieder auf - nur wenige Stunden,
nachdem die fünf Vetomächte und Deutschland ihn dazu
aufgefordert hatten.
Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton äußerte sich
vor den Beratungen zuversichtlich, dass der Sicherheitsrat «in
den nächsten Tagen, spätestens Anfang kommender Woche»
Einigung über eine Iran-Resolution erzielen werde.
Die Vetomächte und die EU haben dem Iran einen Kompromissvorschlag
unterbreitet, in dem sie Teheran wirtschaftliche und technologische
Zusammenarbeit anbieten, wenn dieser sein Urananreicherungsprogramm
stoppt. Teheran steht im Verdacht, eine Atombombe entwickeln zu wollen,
was die iranische Regierung vehement bestreitet. Im Westen war die
Erwartung geäußert worden, dass Teheran bis zum am Freitag
beginnenden G8-Gipfel in St. Petersburg antwortet. Teheran hat
allerdings angekündigt, sich bis Mitte August Zeit lassen zu
wollen.
Bei einem Treffen zwischen dem EU-Chefdiplomaten Javier Solana und dem
iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani war am Dienstag keine
Änderung dieser Haltung sichtbar geworden. Die Außenminister
der fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat und
Deutschlands bestimmten daher in Paris, dass sich das UN-Gremium erneut
mit dem Iran befassen muss.
Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy
erklärte sich über die bisherigen Gespräche mit Teheran
«zutiefst enttäuscht». Man sei damit wieder an dem
Punkt angelangt, an dem man schon vor Monaten gestanden habe.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte nach der
Zusammenkunft: «Uns bleibt jetzt keine andere Wahl. Wir sind
immer noch der Hoffnung, dass es in der Führung des Irans
Kräfte gibt, die dieses Signal verstehen.»
Im UN-Sicherheitsrat soll nun rechtlich verpflichtend gemacht werden,
was die Internationale Atomenergie-Organisation (IAE0) in Wien bereits
vom Iran fordert, nämlich auf die Urananreicherung zu verzichten.
(Quelle: dpa)
Gefährliche Eskalation in Nahost
Israelische Luftwaffe bombardiert Flughafen von Beirut. Israel spricht
von Krieg mit Hisbollah. Zehnköpfige Familie bei Luftangriff im
Libanon getötet
Do.13.07.06 - Die Entführung von zwei israelischen Soldaten hat das Grenzgebiet
zum Libanon zu einem zweiten Pulverfass im Nahen Osten gemacht.
Israelische Bodentruppen drangen am Mittwoch in das südwestliche
Grenzgebiet des Nachbarlands ein. Bei schweren Gefechten und
Luftangriffen wurden im Süden Libanons mehrere Menschen
getötet.
Bei einem israelischen Luftangriff im Süden des Libanon ist am
Donnerstagmorgen eine zehnköpfige Familie getötet worden.
Nach Polizeiangaben handelte es sich um den schiitischen Geistlichen
Adel Akkasche, seine Frau und seine acht Kinder. Das Haus der Familie
in Dueir in der Region Nabatije, 70 Kilometer südlich von Beirut,
sei bei einem Angriff israelischer Kampfflugzeuge zerstört worden.
Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, suchten
Rettungskräfte im Morgengrauen nach den zerfetzten Leichen, die
verstreut zwischen Olivenbäumen lagen.
Die israelische Luftwaffe hat am Donnerstagmorgen nach Polizeiangaben
den internationalen Flughafen der libanesischen Hauptstadt Beirut
bombardiert. Dieser liegt nahe der südlichen Vorort, in denen die
schiitische Hisbollah-Miliz eine Hochburg hat. Das Rollfeld wurde
getroffen, so dass der Flughafen geschlossen wurde.
Flughafenmitarbeiter berichteten, ein Geschoss sei kurz nach 06.00 Uhr
Ortszeit (05.00 Uhr MESZ) in eine der drei Start- und Landebahnen
eingeschlagen. Kurz darauf sei ein zweites Geschoss niedergegangen.
Zwar Flüge mit Kurs auf Beirut seien nach Larnaka auf Zypern
umgeleitet worden. Das wichtigste Terminal wurde offenbar nicht
getroffen.
Die israelischen Streitkräfte bereiteten nach Angaben aus
Regierungskreisen die Einberufung einer Reservedivision mit mehreren
tausend Mann vor.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete die
Entführung der Soldaten als kriegerischen Akt. «Das sind
schwierige Zeiten für den Staat Israel und seine
Bürger», sagte Olmert. «Es gibt Menschen, die
versuchen, unsere Entschlossenheit auf die Probe zu stellen. Sie werden
scheitern und sie werden einen hohen Preis dafür bezahlen.»
Olmert machte die libanesische Regierung für die Eskalation
verantwortlich und sagte, die Antwort auf die Angriffe werde sehr
schmerzhaft sein. Die Bewohner Nordisraels wurden angewiesen, die
Schutzräume aufzusuchen.
Die Eskalation begann am Mittwochmorgen mit heftigen
Artilleriegefechten an der gemeinsamen Grenze. Beide Seiten
beschuldigten sich gegenseitig, zuerst geschossen zu haben. Nach
israelischen Angaben wurden mehrere Siedlungen im Norden des eigenen
Landes angegriffen. Der arabische Fernehsender Al Arabija berichtete,
dass bei den Gefechten sieben israelische Soldaten getötet und
mehrere verletzt worden seien. Die israelischen Streitkräfte
bestätigten Verluste, machten aber keine Angaben zu
Todesfällen.
Während der Gefechte gab die Hisbollah die Entführung der
Soldaten bekannt. Die beiden seien um 09.05 Uhr Ortszeit gefangen
genommen worden und «in eine sichere Region» gebracht
worden. Ziel sei es, die Freilassung von Gefangenen in Israel zu
erreichen. Nach kurzer Zeit bestätigte das israelische
Verteidigungsministerium, dass zwei Soldaten verschleppt worden seien.
Bewohner der südlichen Stadtteile von Beirut feierten die Nachricht
von der Entführung der Soldaten mit Schüssen in die Luft und
dem Zünden von Feuerwerkskörpern.
Israelische Kampfflugzeuge griffen nach der Verschleppung der Soldaten
Straßen, Brücken und vermutete Stellungen der Hisbollah im
Süden Libanons an - offenbar um zu verhindern, dass die Soldaten
weiter von der Grenze weggebracht werden. Bei dem Angriff auf eine
Brücke im Südlibanon wurden zwei Bewohner getötet, wie
aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete. Die Hisbollah meldete,
ihre Kämpfer hätten einen israelischen Panzer bei dem Versuch
zerstört, die Grenze zu überschreiten. Israelische
Kampfflugzeuge überquerten die Stadt Sidon und wurden von
libanesischen Abwehrstellungen beschossen, wie aus libanesischen
Sicherheitskreisen verlautete.
David Welsh vom US-Außenministerium sprach bei einem Besuch in
Kairo von einer sehr gefährlichen Eskalation der Lage. Damit seien
alle Bemühungen gefährdet, den Nahostkonflikt einer
friedlichen Lösung zuzuführen.
(Quellen: ap, afp)
Luftangriff auf palästinensisches Außenministerium in Gaza
Do.13.07.06 - Israel hat seine Zwei-Fronten-Offensive in der Nacht zum Donnerstag
ausgeweitet. Die Luftwaffe bombardierte das Außenministerium der
palästinensischen Hamas-Regierung in der Stadt Gaza. Dabei wurde
das Gebäude teilweise zum Einsturz gebracht, mindestens 13
Menschen im Umkreis wurden verletzt. Die israelischen Streitkräfte
erklärten, sie hätten das Außenministerium gezielt
angegriffen, weil es von der radikalislamischen Hamas zur Planung von
Terroranschlägen benutzt worden sei.
Der palästinensische Außenamtssprecher Taher al Nunu warf
Israel «organisierten Terrorismus» vor, der sich gegen das
gesamte palästinensische Volk richte. Ziel sei es, alle
Regierungsinstitutionen der Palästinenser nacheinander
auszulöschen, um ihnen die Funktionsfähigkeit zu rauben.
Beim Einschlag der Bombe stieg ein Feuerball und anschließend
dichter Rauch zum Himmel auf. Die drei oberen Etagen des
neunstöckigen Ministeriums wurden zerstört. Laut Al Nunu
hielten sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Menschen in dem
Gebäude auf.
Es wurden jedoch auch mehrere Häuser sowie zahlreiche Fahrzeuge in
der Umgebung schwer in Mitleidenschaft gezogen. Dort wurden nach
Angaben von Sanitätern mindestens 13 Palästinenser, darunter
sechs Kinder, verletzt, zumeist von umherfliegenden Glassplittern.
Rettungsmannschaften mit Krankenwagen eilten zum Ort des Geschehens.
(Quelle: ap)
Konferenz zu Migrationsfragen in Marokko: Richtlinien zur
Bekämpfung der illegalen Einwanderung gebilligt
Do.13.07.06 - Bei einer Konferenz zu Migrationsfragen in Marokko haben die
Repräsentanten aus 58 Staaten Richtlinien zur Bekämpfung der
illegalen Einwanderung aus Afrika nach Europa beschlossen. Zu diesem
Zweck wollen die Herkunftsländer von Immigranten sowie die Transit-
und Zielländer enger zusammenarbeiten, wie aus dem am Dienstag in
Rabat verabschiedeten Aktionsplan hervorgeht. Ein vorrangiges Ziel ist
dabei die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Heimatländern
potenzieller Flüchtlinge.
Hierbei wollen europäische und afrikanische Länder etwa bei
der Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Fischerei sowie beim
Ausbau des Tourismus eng kooperieren. Ferner soll es legalen
Einwanderern in Europa leichter gemacht werden, Geld nach Hause zu
schicken, damit auf diese Weise die einheimische Wirtschaft angekurbelt
werden kann. Vorgesehen sind allerdings auch schärfere
Grenzkontrollen insbesondere an den afrikanischen Küsten, um
Flüchtlinge davon abzuhalten, für die Überfahrt nach
Europa ihr Leben zu riskieren.
Die Europäische Kommission kündigte am Dienstag Finanzhilfen
für Mauretanien im Umfang von 66 Millionen Euro für ein
Straßenprojekt an, das die Situation der Bevölkerung
verbessern soll. Tags zuvor wurden dem westafrikanischen Land bereits
2,5 Millionen Euro für Maßnahmen zur Auswanderungskontrolle
zur Verfügung gestellt. Mauretanien ist ebenso wie Marokko eines
der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge aus
Schwarzafrika, die nach Europa gelangen wollen.
(Quelle: ap)
EU verhängt Bußgeld von 280 Millionen Euro gegen Microsoft
Do.13.07.06 - Die EU-Kommission hat gegen den US-Softwarehersteller Microsoft ein
Zwangsgeld von 280,5 Millionen Euro verhängt und zugleich die
Gangart gegen den Konzern noch einmal verschärft. Das Unternehmen
habe bis zum 20. Juni noch immer nicht die in der
Bußgeldentscheidung von März 2004 verlangte Offenlegung
bestimmter Computerprogramme für Wettbewerber erfüllt. Sollte
Microsoft weiter nicht die Auflagen erfüllen, werde das Zwangsgeld
mit Wirkung ab dem 31. Juli auf bis zu drei Millionen Euro täglich
angehoben, kündigte die Kommissison an.
Um Microsoft zu zwingen, die für die Wettbewerber wichtigen
Schnittstellen-Informationen über Microsoft-Serverprogramme
offenzulegen, hatte die Kommission mit Wirkung ab dem 15. Dezember 2005
ein Zwangsgeld von bis zu zwei Millionen Euro täglich angedroht. Da
bislang nur ein geringer Teil der Auflagen von 2004 erfüllt worden
seien, sei mit 1,5 Millionen Euro täglich nun der
größere Teil dieses Zwangsgeld verhängt worden,
erläuterte die Kommission nun die Berechnung des Zwangsgeldes, das
dem EU-Haushalt zugute kommen wird.
Microsoft kündigte an, gerichtlich gegen die Entscheidung
vorzugehen. "Wir glauben nicht, dass irgendeine Strafe, schon gar nicht
in dieser Höhe, angemessen ist", sagte Microsoft-Anwalt Brad Smith.
Die ursprüngliche Entscheidung aus dem Jahr 2004 der Kommission
sei "unklar". Außerdem habe Microsoft in den vergangenen beiden
Jahren seinen guten Willen unter Beweis gestellt.
Es ist das erste Mal, dass die Kommission in einem Wettbewerbsverfahren
ein solches Zwangsgeld tatsächlich verhängt. Der Streit reicht
bis in das Jahr 1998 zurück. Gegen die dabei vor zwei Jahren von
der Kommission verhängte Geldbuße von fast einer halben
Milliarde Euro klagt Microsoft derzeit in Luxemburg.
(Quelle: afp)
Deutschland
Kabinett beschließt Unternehmensteuerreform
Do.13.07.06 - Mit einer milliardenschweren Steuerentlastung will die Bundesregierung
die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken.
Das Kabinett billigte am Mittwoch die Eckpunkte der umstrittenen
Unternehmensteuerreform. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD)
hatte diese gemeinsam mit den Ländern und Koalitionsparteien
erarbeitet.
Damit sinkt die Steuerlast von Unternehmen ab 2008 von heute 38,7
Prozent auf 29,2 Prozent. Die Wirtschaft wird im ersten Jahr um rund
fünf Milliarden Euro entlastet. Während die Opposition die
Vorschläge scharf kritisierte, bewerteten Wirtschaftsverbände
die Eckpunkte als «brauchbare Diskussionsgrundlage».
Steinbrück sagte, das Ergebnis sei vorzeigbar, nun gehe es bis zum
Gesetzentwurf im Herbst um das «Feintuning». Er sei sich
bewusst, dass die Entlastung der Unternehmen den Bürgern, die bald
unter der Mehrwertsteuererhöhung sowie den Kürzungen bei
Pendlerpauschale und Steuerfreibeträgen zu leiden hätten,
«nicht ganz leicht zu erklären» sei. Im
internationalen Wettbewerb um Investoren müsse Deutschland aber
attraktiver werden. Dies bringe Wachstum und neue Arbeitsplätze.
Mit der Reform werde die Besteuerung von Unternehmen einfacher, die
steuerliche Verschiebung von Gewinnen ins Ausland zu Lasten des Fiskus
werde erschwert, sagte der Minister. Die Investitionskraft der Kommunen
werde durch die Reform der Gewerbesteuer dauerhaft gestärkt. Die
jährlichen Steuerausfälle für den Staat sollen
mittelfristig rund fünf Milliarden Euro nicht übersteigen.
Dazu wird die Basis für die Besteuerung der Unternehmen
verbreitert.
Die zunächst einkalkulierten Milliardenausfälle erregen
besonders bei den SPD-Linken Unmut: «Das Hauptproblem wird in
meiner eigenen Partei das Thema Aufkommensneutralität sein»,
räumte Steinbrück ein. Aber auch die CDU/CSU-geführten
Länder hätten Bedenken. «Da haben sie alle die an der
Backe, die auf ihre Länderfinanzen gucken.» Die Kritiker
bezweifeln, dass die Ausfälle mittelfristig durch höhere
Steuereinnahmen ausgeglichen werden können.
Eine neue föderale Unternehmensteuer soll die
Körperschaftsteuer ersetzen, eine neue kommunale Unternehmensteuer
die Gewerbesteuer. Die Kommunen sollen eine wirtschaftskraft-bezogene
eigene Einnahmenquelle mit Hebesatzrecht behalten. Beide Steuern sollen
eine einheitliche Bemessungsgrundlage erhalten. Wie diese neue
Grundlage zur Berechnung der Steuerlast aussieht, ist noch umstritten.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sieht noch Gesprächsbedarf.
«Ich warne vor einer Gewerbesteuer, die auf eine stärkere
Substanzbesteuerung hinausläuft und Firmen in Krisenzeiten
belastet.»
Profitieren sollen von der Steuersenkung nicht nur
Kapitalgesellschaften (AG und GmbH), sondern auch die überwiegend
mittelständisch geprägten Personengesellschaften. Sie machen
den Großteil aller Firmen aus. Drei von vier Inhaber haben hier
aber bereits heute eine Steuerlast von weniger als 15 Prozent.
Heftige Kritik erntete Steinbrück für den Plan, auch
betriebliche Aufwendungen wie Mieten, Pachten, Leasingraten und
Lizenzgebühren zu besteuern. Der Präsident des
Industrieverbandes BDI, Jürgen Thumann, sagte, es sei paradox,
dass die Steuerlast in Investitionsphasen steigen solle. Nach Ansicht
des Telekomverbands BITKOM wäre die Regelung Gift für weitere
Investitionen in High-Tech-Branchen.
Anfang 2008 soll auch eine Abgeltungsteuer für Kapitalerträge
von zunächst 30 Prozent eingeführt werden. Offen ist, welche
Einkünfte (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) betroffen sind.
Steinbrück sagte, er sei nicht so naiv zu glauben, durch diese
Steuer viele ins Ausland geflüchtete Kapitalanleger
zurückholen zu können. Dieser Aderlass für den Fiskus
werde aber wenigstens gestoppt.
Bereits 2007 sollen Firmennachfolger durch die Reform der
Erbschaftsteuer entlastet werden. Wer als Erbe zehn Jahre das
Vermögen im Betrieb lässt, wird von der Steuer komplett
befreit. «Das ist ein Steuerprivileg, das es aus
verfassungsrechtlichen Gründen aber nicht ohne Gegenleistung
gibt», sagte Steinbrück. Die SPD fordert eine Garantie des
Arbeitgebers zum Erhalt der Arbeitsplätze.
(Quelle: dpa)
FDP- und Grünen-Politiker plädieren für Ampelkoalitionen
Do.13.07.06 - Führende Politiker von Grünen und FDP plädieren
dafür, Ampelkoalitionen nicht leichtfertig auszuschließen.
«Wollen wir eine große Koalition, oder wollen wir
regieren?», sagte Hessens Grünen-Chef Matthias Berninger dem
«Handelsblatt». Ein wiedervereinigtes Deutschland werde
auch künftig ein Fünf-Parteien-Parlament haben. Die kleinen
Parteien müssten nur den Rechenstift zur Hand nehmen und sich die
Frage stellen, ob man weiter die große Koalition wolle, sagte
Berninger.
FDP-Vize Rainer Brüderle warb ebenfalls für die
Ampelkoalitionen: «Die große Koalition ist die schlechteste
aller Regierungsvarianten. FDP und Grüne müssen daraus
Konsequenzen ziehen», sagte Brüderle.
Beide Oppositionspolitiker zeigten sich zuversichtlich, dass eine
Ampelkoalition von der Mehrheit ihrer Parteien ebenfalls akzeptiert
würde. «Der Abgang der beiden grünen Politik-Rüpel
Fischer und Trittin macht ein Aufeinanderzugehen für die Liberalen
zukünftig einfacher», sagte Brüderle. Gerade liberale
Wähler wollten keine ideologischen Grabenschlachten, sie wollten
vernünftige und sachliche Entscheidungen.
Berninger warf den «obersten Parteifunktionären auf
Bundesebene» vor, noch ideologische Scheuklappen zu tragen. Der
Grünen-Politiker erinnerte aber daran, dass die Parteibasis in
Hessen es nach der Kommunalwahl auch völlig unproblematisch
akzeptiert habe, dass FDP und Grüne mit jeweils einer der
großen Parteien in den Großstädten koaliere.
(Quelle: ap)
Mehrheit sieht Bush-Besuch kritisch
Do.13.07.06 - Eine Mehrheit der Bundesbürger steht dem Besuch von
US-Präsident George W. Bush in Deutschland nach einer am Mittwoch
veröffentlichten Umfrage kritisch gegenüber. Nach der
Forsa-Erhebung für das Hamburger Magazin «Stern»
äußerten sich nur 41 Prozent der Befragten positiv zur Reise
des Präsidenten, 52 Prozent dagegen negativ.
Laut Vorabmeldung äußerten sieben Prozent der insgesamt
1.000 Umfrage-Teilnehmer, der am Mittwochabend beginnende Besuch Bushs
in Mecklenburg-Vorpommern sei sehr gut, 34 Prozent nannten ihn gut. 24
Prozent sagten dagegen, sie fänden ihn weniger gut, und sogar 28
Prozent nannten den Besuch des amerikanischen Präsidenten in
Norddeutschland überhaupt nicht gut. Mit «weiß
nicht» antworteten sieben Prozent.
(Quelle: ap)
Greenpeace rügt Bush-Vorstoß zum Ausbau der Kernenergie
Do.13.07.06 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat den Vorstoß von
US-Präsident George W. Bush zum weltweiten Ausbau der Atomenergie
scharf kritisiert. Fragen der Endlagerung und der Vermeidung von
Kraftwerksunfällen seien «bis heute nicht gelöst»,
sagte der Energieexperte der Organisation, Thomas Breuer, am Mittwoch
der Nachrichtenagentur ddp in Berlin.
Zudem würden Staaten, die die Kernenergie ausbauen, «in die
Lage versetzt, auch Atomwaffen zu produzieren». Das könne
nicht Ziel des US-Präsidenten sein. Auch unter wirtschaftlichen
Aspekten rechne sich die verstärkte Nutzung der Kernenergie nicht,
sagte Breuer. Das zeige die Entwicklung in den USA. Trotz der
verstärkten Förderung von Atomkraftwerken durch die
Bush-Regierung habe sich seit Jahren kein Energieunternehmen für
die Errichtung eines neuen Kernkraftwerks entschieden.
(Quelle: ddp)
Karlsruhe schiebt vorschnellen Razzien einen Riegel vor
Do.13.07.06 - Das Bundesverfassungsgericht hat vorschnellen Wohnungsdurchsuchungen
ohne konkreten Verdacht einen Riegel vorgeschoben. Nach einem am
Mittwoch veröffentlichten Beschluss verletzt eine Razzia, die auf
der Grundlage vager Anhaltspunkte angeordnet wird, das Recht auf
Unverletzlichkeit der Wohnung.
Selbst wenn sich der Verdacht konkretisiert hat, müssen die
Strafverfolger zunächst weniger einschneidende
Ermittlungsmaßnahmen ergreifen, bevor sie eine Wohnung
durchsuchen. (Az: 2 BvR 2030/04 - Beschluss vom 3. Juli 2006)
Damit gab das Karlsruher Gericht einem Mittelständler aus dem Raum
Braunschweig Recht. Gegen den Mann gab es ein Ermittlungsverfahren wegen
Steuerhinterziehung. Obwohl er auf ein Darlehen seines Schwiegervaters
verwies, der Geld aus Grundstücksverkäufen erlöst habe,
hegten die Ermittler Zweifel an der Finanzierung einer Halle. Das
Amtsgericht Braunschweig ordnete die Durchsuchung der Wohn- und
Geschäftsräume des Unternehmers sowie der Büros seiner
Steuerberater an. Erst eine anschließende Razzia beim
Schwiegervater bestätigte die Version des Unternehmers - das
Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.
Nach den Worten einer Kammer des Zweiten Senats setzt ein derart
gravierender Eingriff wie eine Wohnungsdurchsuchung Verdachtsgründe
voraus, «die über vage Anhaltspunkte und bloße
Vermutungen hinausreichen». Hier hätten die Ermittler dem
Gericht zufolge zunächst dem plausiblen Hinweis auf ein Darlehen
des Schwiegervaters nachgehen müssen - und zwar durch die
Einholung von Einkünften beim Grundbuchamt und bei der Bank oder
durch die Vernehmung von Zeugen. Auch wenn dieser Weg für die
Ermittlungsbehörden «mühevoller» sei, gebiete der
grundrechtliche Schutz der Wohnung, vor einer Durchsuchung weniger
gravierende Maßnahmen zu ergreifen.
(Quelle: dpa)