Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertfünfundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irak-Einsatz könnte die USA gut 500 Milliarden Dollar kosten.
Irakische Truppen übernehmen erstmals Kontrolle über ganze
Provinz. Saddam Hussein seit fünf Tagen im Hungerstreik
Fr.14.07.06 - Der Militäreinsatz im Irak könnte die USA mehr als 500
Milliarden Dollar (394 Milliarden Euro) kosten, selbst wenn die
US-Truppen bis 2009 abgezogen werden. Dies geht aus einem Bericht der
Budget-Abteilung des Kongresses (CBO) hervor, der am Donnerstag in
Washington veröffentlicht wurde. Demnach werden die
ursprünglich veranschlagten Kosten für
Militäreinsätze und Anti-Terror-Operationen seit 2001 um etwa
100 bis 200 Milliarden Dollar überschritten.
Der Kongress hat nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001
insgesamt 432 Milliarden Dollar für Kriege und andere
Anti-Terror-Maßnahmen bewilligt. Die Kosten für den
Irak-Einsatz belaufen sich den Angaben zufolge seit 2003 auf 291
Milliarden Dollar. Der CBO-Bericht listet zum ersten Mal separate
Bilanzen für das amerikanische Irak-Engagement auf. Zuvor waren
die Zahlen immer im Zusammenhang mit anderen Anti-Terror-Operationen
veröffentlicht worden.
Die CBO-Berechnungen basieren auf zwei unterschiedlichen Szenarien. Das
optimistische geht davon aus, dass bis 2007 noch etwa 140.000 Mann im
Irak stationiert sind, deren Zahl aber bis 2009 rasch verringert werden
könnte bis zum völligen Abzug. Das pessimistische Szenario
beinhaltet, dass der Truppenabzug langsamer voranschreitet und die
Truppenstärke für lange Zeit nicht unter 40.000 fallen
dürfte. Doch auch im Falle des optimistischen Szenarios
würden dem Bericht zufolge mindestens weitere 184 Milliarden
Dollar für den Irak benötigt.
Die irakischen Streitkräfte haben unterdessen erstmals seit
Kriegsende die volle Kontrolle über eine ganze Provinz von den
ausländischen Truppen zurückerhalten. Die britischen und
australischen Einheiten übergaben am Donnerstag das Kommando
für die relativ ruhige Provinz Muthanna im Süden des Landes.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki sprach von einem großen
Tag, warnte zugleich aber, die Aufständischen könnten den
Abzug der ausländischen Truppen für eine Gewaltkampagne zu
nutzen versuchen.
«Die Terroristen wollen die Sicherheitsübergabe unterwandern
und den politischen Prozess sowie die Regierung der nationalen Einheit
stören», sagte Maliki bei der feierlichen Zeremonie in der
Provinzhauptstadt Samawa. Mit Solidarität und Geduld müssten
die irakischen Streitkräfte «die Hände abschneiden, die
den Fortschritt sabotieren wollen». Australien hatte 460 Truppen
in Muthanna stationiert, Britannien 170. Die Soldaten werden auf andere
Stützpunkte verlegt.
Der gestürzte irakische Staatschef Saddam Hussein befindet sich
derweil nach Angaben der US-Streitkräfte abermals im Hungerstreik.
Er und drei seiner Mitangeklagten verweigerten seit vergangenem
Freitagabend die Nahrung, um gegen die mangelnde Sicherheit für
ihre Anwälte zu protestieren, teilte Militärsprecher
Keir-Kevin Curry am Mittwochabend in Bagdad mit. Demnach haben die vier
Angeklagten in dieser Woche auch einen Boykott der weiteren
Gerichtsverhandlungen angekündigt.
Die Hungerstreikenden erhielten angemessene ärztliche Behandlung
und seien bei guter Gesundheit, hieß es weiter. Saddam Hussein
habe sich während seiner Haftzeit schon an mehreren Hungerstreiks
beteiligt und sich dennoch nie in Lebensgefahr befunden. Der Prozess
wurde am vergangenen Dienstag für zwei Wochen vertagt, nachdem die
Verteidiger der vier betroffenen Angeklagten die Sitzung boykottiert
hatten. Der Richter drohte damit, notfalls Pflichtverteidiger für
die Schlussplädoyers zu benennen.
Der Ex-Machthaber und weitere sechs ehemalige Mitglieder aus seinem
engsten Führungskreis sind wegen eines Massakers in der Kleinstadt
Dudschail im Jahr 1982 angeklagt. Nach einem fehlgeschlagenen Attentat
auf einen Fahrzeugkonvoi mit Saddam wurden nach Angaben der Anklage
Hunderte von Menschen festgenommen und misshandelt. Ein
Revolutionsgericht verurteilte damals 148 Männer zum Tode.
Die Staatsanwaltschaft hat deshalb im laufenden Prozess für den
Ex-Staatschef sowie den ehemaligen Vizepräsidenten Taha Jassin
Ramadan und Saddams Halbbruder Barsan al-Tikriti die Todesstrafe
gefordert.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 14.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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In Nahost wächst die Angst vor einem Krieg
Israel weitet Offensive im Libanon aus. Hunderte Ziele im Libanon
bombardiert. Auch im Gazastreifen setzt Israel seine
Militäraktionen fort
Fr.14.07.06 - Israel hat seine Militäroffensive im Libanon in der Nacht zum
(heutigen) Freitag ausgeweitet. Die Luftwaffe bombardierte Hochburgen
der schiitischen Hisbollah in den südlichen Stadtteilen von
Beirut. Ziel war insbesondere das dort gelegene politische
Hauptquartier der Organisation, wie aus libanesischen
Sicherheitskreisen verlautete. Nach Angaben der Hisbollah gab es
mehrere Verletzte. Auch die wichtigste Verbindungsstraße von
Beirut nach Damaskus wurde unter Beschuss genommen.
Israel hatte den Angriff auf Beirut vorher angekündigt. In den
dicht besiedelten südlichen Stadtteilen Flugblätter
abgeworfen, auf denen die Bevölkerung davor gewarnt wurde, sich
dem Hauptquartier der Hisbollah zu nähern. In der Gegend hat
Hisbollah-Führer Scheik Hassan Nasrallah sein Büro,
außerdem befindet sich dort der Sitz des Schura-Rats der
Organisation sowie deren Fernsehsender Al Manar.
Das libanesische Fernsehen zeigte Bilder der Verwüstung. Neben
Häusern und einer Brücke wurde auch ein Treibstofftank bei
einem Kraftwerk getroffen. Feuerwehrleute bemühten sich
verzweifelt, die zahlreichen Brände zu löschen. Vom Boden aus
wurden Luftabwehrgeschosse abgefeuert.
Der Angriff auf die Straße nach Damaskus erfolgte in der
Gebirgsregion Mdeiredsch, wo die Trasse über eine Brücke
führt. Wegen der Dunkelheit war es vorerst nicht möglich, den
Schaden festzustellen. Die libanesischen Behörden ließen
Autofahrer jedoch nicht mehr passieren. Die Schnellstraße windet
sich von Beirut auf die Anhöhe der Berge und führt dann hinab
ins Bekaa-Tal bis nach Syrien. Nachdem Israel eine Seeblockade vor der
libanesischen Küste verhängt und den Flughafen von Beirut
bombardiert hatte, blieb diese Straße die Hauptverbindung des
Libanons ins Ausland.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad warnte Israel
nachdrücklich davor, nach dem Libanon womöglich auch Syrien
anzugreifen. Dies wäre eine Aggression gegen die gesamte
islamische Welt. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA fiel diese
Äußerung während eines Telefonats des iranischen
Präsidenten mit dem syrischen Staatschef Baschar al Assad.
Der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi wies derweil
Berichte zurück, wonach die beiden in den Libanon verschleppten
israelischen Soldaten in den Iran gebracht werden sollen. Saudi-Arabien
verurteilte diese Entführung mit ungewöhnlich scharfen
Worten. Solche «unberechenbaren Abenteuer» könnten
eine neue Nahost-Krise heraufbeschwören, hieß es in Riad.
Auch an der zweiten Front zum Gazastreifen setzte Israel seine
Offensive fort. Die Luftwaffe griff in der Nacht zum Freitag mehrere
mutmaßliche Einrichtungen der Hamas-Bewegung an. Auch die
Hauptstraße der Stadt Gaza wurde beschädigt. Verletzt wurde
niemand. Im südlichen Gazastreifen wurden Artillerieverbände
umgruppiert.
Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten dominierten auch die
Gespräche von US-Präsident George W. Bush und seiner
Delegation in Deutschland. Außenministerin Condoleezza rief
insbesondere Syrien zu «verantwortungsvollem Handeln» auf,
um die Lage nicht eskalieren zu lassen. Doch auch Israel müsse
sich mäßigen und bei seinen Angriffen Opfer unter der
Zivilbevölkerung vermeiden, sagte Rice vor Journalisten in Rostock.
Im Weltsicherheitsrat scheiterte eine Verurteilung der israelischen
Militäroffensive im Gazastreifen am Veto der USA. In dem vom
Golfstaat Katar eingebrachten Resolutionsentwurf wurde Israel
«unverhältnismäßiger Einsatz von Gewalt»
vorgeworfen. Die US-Regierung votierte am Donnerstagabend als einziges
der 15 Sicherheitsratsmitglieder gegen den Entwurf. Zehn Ratsmitglieder
stimmten dafür, vier weitere enthielten sich.
(Quelle: ap)
Friedensgespräche für Uganda beginnen
Fr.14.07.06 - In Uganda wollen Regierung und Rebellen seit gestern über ein Ende
des fast zwanzig Jahre andauernden Gewaltkonflikts im Land verhandeln.
Die Delegationen von Regierung und Rebellenbewegung LRA wollten sich
dazu ursprünglich bereits am Mittwoch in der südsudanesischen
Stadt Juba treffen. Dann wurden die Gespräche jedoch nach Angaben
des Vizepräsidenten der autonomen südsudanesischen Regierung
und Chefunterhändlers Riek Machar verschoben.
In dem Konflikt wurden Schätzungen zufolge in Norduganda
zehntausende Menschen getötet und fast zwei Millionen vertrieben.
Menschenrechtsorganisationen werfen den Rebellen vor, bis zu 25.000
Kinder und Jugendliche verschleppt zu haben, um sie als Soldaten im
Kampf gegen die Regierung von Präsident Yoweri Museveni oder als
Sexsklavinnen zu missbrauchen.
(Quelle: afp)
Anschlag auf Ölpipelines in Nigeria
Fr.14.07.06 - Bei Bombenanschlägen im Südenosten Nigerias sind zwei
Pipelines der italienischen Ölgesellschaft Agip zerstört
worden, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Die
Anschläge ereigneten sich am Mittwoch im Nigerdelta, in dem es
schon wiederholt zu Anschlägen auf Öleinrichtungen gekommen
ist. Die Ölproduktion in Nigeria ist deshalb in diesem Jahr um 20
Prozent gesunken, was auch zum Preisanstieg auf den Ölmärkten
beigetragen hat. Nigeria ist der größte Ölexporteur
Afrikas.
(Quelle: ap)
Pakistan weist Schuldzuweisungen wegen Anschlägen in Bombay
zurück
Fr.14.07.06 - Nach den Bombenanschlägen in der indischen Metropole Bombay hat
sich das Nachbarland Pakistan gegen Schuldzuweisungen verwahrt. "Es
sollte keine automatische Reaktion geben, dass alles, was in Indien
passiert, aus Pakistan kommt", sagte der pakistanische
Außenminister Khurshid Kasuri dem US-Nachrichtensender CNN. Ein
Sprecher des indischen Außenministeriums hatte zuvor pakistanische
Extremisten als Drahtzieher der Attentate vermutet.
Indiens Regierung hatte zunächst nur von einer Tat von
"Terroristen" gesprochen. Am Mittwochabend stellte der
Ministeriumssprecher aber eine Beziehung zwischen den Anschlägen
und dem Nachbarland her. Moslemische Extremisten setzten ihre Aktionen
von Pakistan aus fort, obwohl die Regierung in Islamabad zugesagt habe,
ihr Territorium nicht mehr als Ausgangspunkt für Anschläge
missbrauchen zu lassen, sagte er. "Wir rufen Pakistan dazu auf, die
terroristische Infrastruktur auf ihrem Gebiet zu zerschlagen."
Die indische Polizei setzte ihre Suche nach den Attentätern fort.
Zunächst sei aber niemand im Zusammenhang mit den Anschlägen
festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Allerdings nahm die
Polizei zahlreiche Menschen fest, die sich auf einer Liste von
"Unruhestiftern" befinden. Damit solle vor allem religiösen
Zusammenstößen zwischen Hindus und Moslems vorgebeugt werden,
hieß es.
Die Finanzmetropole Bombay war in den vergangenen Jahrzehnten schon
mehrfach Schauplatz schwerer Bombenanschläge. Eine der blutigsten
Anschlagsserien ereignete sich im Jahr 1993. Damals wurden 250 Menschen
getötet und mehr als tausend verletzt.
(Quelle: afp)
Einzelheiten aus Kompromissvorschlag für Teheran
veröffentlicht
Fr.14.07.06 - Am Sitz der Vereinten Nationen sind erstmals Details aus dem
internationalen Kompromisspaket zur Beilegung des Atomstreits mit
Teheran bekannt geworden. Demnach soll der Iran moderne Technologien
und möglicherweise sogar Forschungsreaktoren erhalten, wenn er im
Gegenzug die Urananreicherung aufgibt. Das am späten
Donnerstagabend in New York verbreitete Dokument wurde einen Tag nach
dem Pariser Außenministertreffen zum Iran den 15 Mitgliedern des
Weltsicherheitsrats zugeleitet.
Auf technologischem Gebiet wird dem Iran insbesondere die Lieferung von
Leichtwasserreaktoren angeboten - verbunden mit der Garantie, dass der
notwendige nukleare Brennstoff ebenfalls zur Verfügung gestellt
wird. Wichtiger Partner soll in diesem Zusammenhang Russland sein, wo
alles Uran für iranische Kraftwerke angereichert werden soll.
Die Vorschläge wurden von den fünf ständigen
Ratsmitgliedern USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und
China sowie von Deutschland ausgearbeitet und dem Iran am 6. Juni
vorgelegt. Darin wird dem Iran auch ein verbesserter Zugang zu den
Weltmärkten mit Hilfe von Investitionen in Aussicht gestellt.
Teile des Angebots sind die künftige Mitgliedschaft Teherans in
der Welthandelsorganisation (WTO) sowie die mögliche Aufhebung der
amerikanischen und europäischen Beschränkungen für den
Export von Flugzeugen und Fernmeldeausrüstungen in den Iran.
Die Außenminister der sechs Initiatoren beschlossen am Mittwoch
in Paris, die Iran-Akte an den Weltsicherheitsrat zurückzugeben.
Zur Begründung hieß es, der Iran habe sich nach fünf
Wochen noch nicht zu dem Angebot geäußert und habe keine
Bereitschaft erkennen lassen, die Vorschläge ernsthaft in
Erwägung zu ziehen. Der Sicherheitsrat wurde deshalb aufgefordert,
den Iran per Resolution zum Verzicht auf die Urananreicherung zu
zwingen.
(Quelle: ap)
Chinesische Wirtschaft wächst um 10,9 Prozent
Fr.14.07.06 - Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 10,9 Prozent
gewachsen, wie die staatlichen Medien am Donnerstag berichteten. Die
Produktion und auch Investitionen seien stark gewachsen, meldete die
«Securities Times». Die Zahlen deuten an, dass es der
Regierung bislang nicht gelungen ist, das Wachstum zu dämpfen.
Offizielle Zahlen wird es erst gegen Ende des Monats geben. Das Wachstum
im Zeitraum von April bis Juni liegt damit noch über dem des
ersten Quartals, das bei 10,3 Prozent lag. Der Industrieausstoß
wuchs den Angaben zufolge im zweiten Quartal um 19,5 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr, die Investitionen legten um 35 Prozent zu. Die
Inflation lag bei 1,5 Prozent.
(Quelle: ap)
Bush und Merkel demonstrieren engen Schulterschluss
Fr.14.07.06 - Die USA und Deutschland wollen sich bei globalen Krisen künftig
verstärkt abstimmen und in gegenseitigem Vertrauen nach
Lösungen suchen.
«Wir haben gemeinsame Werte und gemeinsame Interessen»,
sagte US-Präsident George W. Bush nach einem Treffen mit Kanzlerin
Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Stralsund. Beide Völker
könnten zusammen viel erreichen.
Engen Schulterschluss demonstrierten beide Regierungschefs etwa bei den
aktuellen Krisenthemen Iran und Nahost.
Nahezu euphorisch lobte der US-Präsident die deutsche Kanzlerin:
«Amerikaner und Deutsche erkennen die selben
Charaktereigenschaften in der Bundeskanzlerin. Wir erkennen, dass sie
eine kühne Vision hat und ein Herz voller Demut», sagte er
in einer kurzen Rede auf dem historischen Marktplatz der Hansestadt vor
mehreren hundert ausgewählten Bürgern. Bush fügte hinzu:
«Ich habe Achtung vor ihrem Urteilvermögen und lege Wert auf
ihre Meinung.»
Nach Abschluss der offiziellen Gespräche in Stralsund flogen Bush
und seine Ehefrau Laura am Abend auf Einladung Merkels in das Dorf
Trinwillershagen im Landkreis Nordvorpommern. Im Hof des ehemaligen
Kulturhauses der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft
«Rotes Banner» war ein zünftiger Grillabend mit
Wildschwein-, Enten- und Hirschbraten organisiert.
Abgeschirmt von Medienvertretern, berichteten einige der 60 geladenen
Gäste aus der Region Bush über Erlebnisse aus der DDR-Zeit
und seit der Wende. In dem Gasthof war Merkel im Jahr 2005 zur CDU-
Direktkandidatin für den Wahlkreis gewählt worden. Gegen 21
Uhr flog Bush mit dem Hubschrauber wieder ins Seebad Heiligendamm, wo
er nochmals übernachtete. Während des Grillfestes
äußerte er nach dpa- Informationen die Hoffnung, dass Merkel
ihn jetzt auf seiner privaten Ranch in Crawford/Texas besuchen werde.
Er habe mehrfach gesagt, dass er nun seinerseits Merkel seine Heimat
zeigen wolle, nachdem er ihren Wahlkreis kennen gelernt habe,
hieß es.
Rund 12 500 Polizisten waren bei dem insgesamt 36-stündigen Besuch
des US-Präsidenten in Merkels politischer Heimat im Einsatz. Mehr
als 1000 Menschen demonstrierten friedlich gegen den dritten und
bislang längsten Besuch Bushs in Deutschland. Die Organisatoren
hatten ursprünglich 5000 Teilnehmer erwartet. «Sie sind
weder in Europa noch in Deutschland willkommen», sagte der
Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele auf einer
Kundgebung in Richtung Bush.
Der stellvertretende Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern,
Wolfgang Methling von der Linkspartei, kritisierte die Zustände im
US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Aktivisten der
Umweltorganisation Greenpeace entrollten vom Turm der Stralsunder
Nikolaikirche, die Bush und Merkel am Nachmittag besuchten, ein
Protestbanner mit der Aufschrift: «No Nukes - No War - No
Bush». Vorübergehend wurden 13 Aktivisten festgenommen.
Nach einem gut einstündigen Gespräch im Amtszimmer des
Stralsunder Oberbürgermeisters Harald Lastovka erhöhten Bush
und Merkel im Atomkonflikt mit Iran den Druck auf Teheran, das Angebot
der internationalen Staatengemeinschaft rasch zu beantworten. Bush
hielt der iranischen Führung vor, weiter auf Zeit zu spielen. Er
und Merkel bekräftigten jedoch, dass die Tür für eine
diplomatische Lösung weiter offen sei. Wenn Teheran aber nicht
reagiere, müsse man «leider andere Wege» einschlagen,
sagte Merkel.
Anders als die französische Führung vermieden Bush und Merkel
Kritik an Israel wegen des militärischen Vorgehens im Libanon.
«Israel hat das Recht, sich zu verteidigen», betonte Bush.
Nach Merkels Worten dürfen Ursache und Wirkung nicht verwechselt
werden - Auslöser für das israelische Vorgehen sei die
Entführung von Soldaten durch Hisbollah-Milizen im Libanon
gewesen. Merkel forderte alle Beteiligten auf, mit Augenmaß
vorzugehen.
Zur Begrüßung Bushs hatte Merkel an die Hilfe der USA bei
der deutschen Einheit erinnert: «Wir haben den Vereinigten
Staaten viel zu verdanken, dass wir in Frieden und Freiheit heute
gemeinsam in einem Land, in Deutschland, leben können.» Bush
bezeichnete die Kanzlerin in seiner Erwiderung als «gute
Freundin».
Der US-Präsident war am Morgen zusammen mit Laura Bush vom Seebad
Heiligendamm nach Stralsund geflogen, wo er neben Merkel auch von deren
Ehemann Joachim Sauer und Außenminister Frank-Walter Steinmeier
begrüßt wurde. Das Grillfest schloss das offizielle
Besuchsprogramm ab. An diesem Freitagmorgen fliegt Bush zu
zweitägigen Gesprächen mit dem russischen Präsident
Wladimir Putin nach St. Petersburg weiter. Dort nimmt er
anschließend am G-8-Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen
teil.
(Quelle: dpa)
So schön kann Freiheit sein
Bush in Stralsund: Blasmusik, handverlesene Gäste...
Stralsund, 13. Juli - George W. Bush fühlt sich wohl auf dem Alten
Markt von Stralsund. Offensichtlich. Was für eine Kulisse ist das
auch: das uralte, dunkelrotbacksteinerne Rathaus, der mächtige
Kirchturm dahinter, die freundlichen Menschen auf dem sonnigen Platz,
die Blasmusikkapelle der Bundeswehr im Hintergrund. Er nimmt Angela
Merkel in den Arm, knautscht ihre beige Kostümjacke, strahlt
übers ganze Gesicht. Und die Kameraverschlüsse klicken. Er
schüttelt die Hände der Menschen am Absperrgitter, die zum
Entsetzen der Sicherheitsleute selbst ganz vorn noch die Fähnchen
schwenken, schwarz-rot-gold und das Sternenbanner, obwohl sie
angewiesen waren, das nicht zu tun. Und die Fernsehkameras nehmen alles
auf. Dann sagt die deutsche Kanzlerin auch noch, dass es den
Vereinigten Staaten von Amerika zu verdanken sei, "dass wir in Freiheit
und gemeinsam in Deutschland leben können". Da klatscht der
Präsident. Und die Leute klatschen und schwenken, auf
Bierbänken stehend, wieder die Fähnchen.
Es ist schon merkwürdig, wie Deutschland inszeniert wird für
den Gast aus Amerika. Er ist in diesen abgelegenen Winkel des Landes
gekommen, weil Angela Merkel ihm gesagt hat, dass sich hier so
eindrucksvoll die Vorzüge des Lebens in Freiheit nach all den
Jahrzehnten der Unterdrückung demonstrieren ließen. Und doch
drängt sich an diesem wunderbar sonnigen Morgen in Stralsund der
Eindruck auf, dass ihm nur eine strahlende Kulisse dieses Deutschlands
präsentiert wird, die mit der Wirklichkeit nicht allzu viel zu tun
hat. Dass die wirkliche Freiheit, die in diesem Land herrscht,
ausgerechnet nicht an den Präsidenten herangelassen wird, der die
Verbreitung der Freiheit zu seiner außenpolitischen Mission
gemacht hat.
Protest für drei Minuten
Und ganz, ganz leise schleicht sich auf diesem abgesperrten Markplatz
in Ostdeutschland, in dieser von Polizisten besetzten Altstadt
Stralsunds auch der peinigende Gedanke in den Kopf, dass es vielleicht
gar nicht ganz unähnlich gewirkt haben mag seinerzeit, als Helmut
Schmidt Staatsgast der DDR war und Güstrow leer geräumt
worden war und die Bevölkerung von Statisten der Stasi gespielt
wurden. Aber das ist natürlich nur eine flüchtige Idee und
weiß Gott kein historisch akkurater Vergleich.
In Stralsund jedenfalls hat der Oberbürgermeister, ein
Parteifreund Angela Merkels, bei der Auswahl der Menschen geholfen, die
George W. Bush zu Gesicht bekommen. Es sind lauter brave Leute, die er
gebeten hat, sogar ein, zwei Jugendliche mit langen Haaren sind
darunter. Aber alle schwenken nun bereitwillig die an diesem Morgen im
Zelt am Eingang der Sperrzone ausgegebenen Fähnchen. Und damit
auch wirklich nichts passiert, hatte man sich gleich auf 1000
Einladungen beschränkt, darunter an 231 Soldaten der
örtlichen Marineschule, obwohl locker 8000 Menschen auf den Platz
passen.
Sonst ist die ganze Altstadt leer geräumt. Außer
Streifenwagen und Polizeibussen steht kein Auto mehr in den
Kopfsteinpflaster-Gassen. Und außer den Polizisten und den
Auserwählten mit gelben Plastikbändchen ums Handgelenk, die
den Zugang zum Marktplatz erlauben, sind kaum Menschen in den
Straßen. Demonstrationen sind hier ohnehin verboten. Nichts soll
stören, schon gar nicht die Menschen, wie sie in ihrer Mehrheit in
Deutschland wirklich denken über diesen amerikanischen
Präsidenten. Nur zwei junge Aktivisten von Greenpeace haben es
trotz all der Sicherheitsvorkehrungen irgendwie geschafft. Sie sind auf
den Turm der Nikolai-Kirche geklettert und entrollen aus einer Luke
unter der Turmuhr ein knallgelbes Transparent: " No nukes, no war, no
Bush", steht in großen Lettern darauf, dreimal nein zu Atomkraft,
Krieg und dem amerikanischen Präsidenten. Zehn vor zehn ist das,
zur vollen Stunde soll George W. Bush eintreffen. Nach drei Minuten
sind Polizisten oben und durchschneiden die Aufhängung, das
Transparent landet krachend aüf den roten Ziegeldächern vor
der Kirche. Nichts, wirklich nichts, soll die Inszenierung stören.
(...)
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 14.07.06
|
Maria Böhmer will Nationalhymne als Pflicht-Stoff in Schulen
Fr.14.07.06 - Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer
(CDU), plädiert dafür, dass die deutsche Nationalhymne fester
Bestandteil des Schulunterrichts wird. Sie sagte der
«Bild»-Zeitung: «Es gehört einfach dazu, die
deutsche Nationalhymne singen zu können. Das sollte in den Schulen
vermittelt werden.» Böhmer argumentierte: «Einigkeit
und Recht und Freiheit, das ist doch ein großartiges Motto
für Integration.»
Böhmer unterstützt Forderungen, dass Ausländer bei ihrer
Einbürgerung einen Eid auf die Verfassung ablegen sollen.
«Die Einbürgerung ist ein entscheidender Schritt im Leben.
Dazu passt es, wenn man ein Bekenntnis zum Grundgesetz in Form eines
Eides ablegt», sagte die Staatsministerin.
Sie regte an, dass Schulen Verträge mit Eltern und Schülern
abschließen sollten, in denen Deutsch als Schulsprache vereinbart
werde. «In den Schulvertrag gehört auch ein Verbot für
Eltern, Mädchen vom Sport- und Sexualkunde-Unterricht abzumelden,
und zwar ohne Ausnahme», meinte Böhmer.
Vor dem Integrationsgipfel sieht die CDU-Politikerin Annäherungen
zwischen Union und SPD. «Die SPD hat einen erfreulich
pragmatischen Ansatz gefunden und grenzt sich von multikulturellen Ideen
der Grünen ab», sagte Böhmer der «Rheinischen
Post». Forderungen der SPD nach einem kommunalen Wahlrecht auch
für Nicht-EU-Bürger erteilte sie allerdings eine Absage. Das
kommunale Wahlrecht für EU-Bürger sei wechselseitig. Bei
Menschen anderer Herkunft gebe es diese Wechselseitigkeit nicht.
«Deshalb halte ich die Forderung nach einem Wahlrecht für
Nicht-EU-Bürger nicht für realistisch», erklärte
sie.
Die Integrationsbeauftragte äußerte den Wunsch, «dass
Menschen mit Migrationshintergrund stärker im Fernsehen
wiederzufinden sind». Sie sagte dem Düsseldorfer Blatt:
«Bei einem Land mit 15 Millionen Menschen mit einer
Zuwanderungsgeschichte reicht es nicht, dass wir nur Cherno Jobatey oder
ein paar Tatort-Schauspieler und wenige andere auf dem Bildschirm
haben.»
(Quelle: ap)
UNICEF fordert entschiedenere Bekämpfung des Kinderhandels
Fr.14.07.06 - Eine entschiedenere Bekämpfung des Menschen- und Kinderhandels hat
das Kinderhilfswerk UNICEF gefordert. Mädchen und junge Frauen
würden von Menschenhändlern aus Osteuropa nach Deutschland
verschleppt und hier zur Prostitution gezwungen, erklärte die
UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis in einer am Donnerstag in Köln
veröffentlichten Mitteilung. «Die Opfer brauchen dringend
besseren Schutz und mehr Unterstützung.»
Am (heutigen) Freitag soll der Mitteilung zufolge in Deutschland eine
Zusatzvereinbarung zum so genannten «Palermo-Protokoll»
gegen Kinderhandel in Kraft treten. Die im Jahr 2000 in Palermo
getroffene Vereinbarung verpflichtet die Beitrittsstaaten zur Vorbeugung
gegen Menschenhandel und stärkt die Rechte der Opfer.
Nach dem Zusatzprotokoll dürften die Opfer nicht einfach
abgeschoben werden, erklärten UNICEF und die
Kinderrechtsorganisation ECPAT. Die Behörden müssten vielmehr
sicherstellen, dass sie ihren Peinigern nicht wieder in die Hände
fielen. Bei einer so genannten Rückführung in ihr
Herkunftsland müssten die Opfer daher begleitet und betreut werden.
Vor allem minderjährige Opfer hätten zudem Anspruch auf
umfassende Hilfe und medizinische Versorgung.
Die Geschäftsführerin von ECPAT Deutschland, Mechthild
Maurer, erklärte, vor allem die Bundesländer seien nun in der
Pflicht: «Sie müssen ihre Abschiebepraxis ändern und die
Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten verbessern.» Die
Hilfsorganisationen forderten einheitliche Regelungen in allen
Bundesländern, nach denen alle Opfer von Menschenhandel mindestens
sechs Monate lang vor Abschiebung sicher sein sollten.
Minderjährige dürften überhaupt nicht abgeschoben werden.
(Quelle: ap)
Verbraucherzentralen: Rechte der Internetnutzer massiv in Gefahr
Fr.14.07.06 - Die Rechte der Internetnutzer sind nach Ansicht der
Verbraucherzentralen massiv in Gefahr. «Bei digitalen Medien sind
Verbraucher nahezu ohne Rechte», sagte Patrick von Braunmühl
vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) am Donnerstag in
Berlin bei der Vorstellung einer Studie des Verbandes.
«Außerdem werden private Nutzer als Raubkopierer
dargestellt und kriminalisiert», hieß es. Die
Verbraucherschützer riefen daher zu einer bundesweiten
Protestaktion der Bürger auf.
«Man kann natürlich nicht erwarten, dass man immer
überall alles kostenlos herunterladen kann», sagte von
Braunmühl. «Aber die Nutzer sind schon jetzt in unzumutbarer
Weise in ihren Rechten eingeschränkt.» Auch die geplanten
Veränderungen des Urheberrechtes gingen in die falsche Richtung.
Die von der VZBV in Auftrag gegebene Studie untersuchte die
Verträge von 20 Internetanbietern verschiedener Branchen, darunter
Musik-, Film- und Buchanbieter. «Es gab nicht ein einziges Werk,
in dem sich nicht mindestens eine verbraucherrechtswidrige Klausel
befand», sagte der Rechtsanwalt und Autor der Studie, Till
Kreutzer. «Das ist ungefähr so, als wenn sie im Buchladen
schon am Eingang ein Papier in die Hand gedrückt bekommen, das
regelt, wo Sie im Laden hingehen, welche Seiten Sie nur anlesen und ob
Sie das Buch nach dem Kauf verleihen oder weiterverkaufen
dürfen.»
Die VZBV verschickte daher bereits Abmahnungen an vier führende
Anbieter digitaler Medien. Die Unternehmen (iTunes, T-Com, Nero und
ciando) haben vier Wochen Zeit, um bestimmte Klauseln aus ihren
Internetverträgen zu entfernen. Sonst droht ihnen eine Klage der
VZBV. Außerdem rief der Bundesverband die Verbraucher auf, einen
Protestbrief an Bundesjustizmininisterin Brigitte Zypries (SPD) und
Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) zu schicken.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Bonner Physiker bauen Abakus aus Atomen
Fr.14.07.06 - Bonner Physiker haben eine Art Abakus aus einzelnen Atomen gebaut. Mit
Hilfe einer «Pinzette» aus Laserstrahlen können sie
ultrakalte Cäsiumatome auf einer Linie hin- und herschieben wie die
Kugeln auf dem antiken Rechenbrett. Die Entwicklung bedeute einen
wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer, teilte die
Universität Bonn am Mittwoch mit.
Eine solche Anlage könnte möglicherweise einmal als
Speichermedium für Quanteninformationen dienen. Quantencomputer
sollen fundamental neue Rechenwege und eine bislang unerreichbare
Geschwindigkeit in der Datenverarbeitung eröffnen.
Die Gruppe um Arno Rauschenbeutel kühlte die Cäsiumatome auf
weniger als ein tausendstel Grad Celsius über dem absoluten
Nullpunkt (-273,15 Grad Celsius) ab, so dass die Teilchen sich fast
nicht mehr bewegten, und lud sie auf ein «Förderband»
aus Laserstrahlen um. Dabei handelt es sich um eine stehende Lichtwelle
aus vielen Bergen und Tälern, vergleichbar mit einem Stück
Wellpappe, wie die Forscher im britischen Fachblatt «Nature»
(Bd. 442, S. 151) erläutern. In welchem Wellental die Atome
landeten, sei allerdings dem Zufall überlassen, berichtete
Rauschenbeutel.
Um mit Atomen rechnen zu können, müssen sie jedoch sehr exakt
platziert werden. «Sämtliche Atome auf dem Förderband
müssen denselben Abstand zueinander haben, nur dann können wir
sie in einem so genannten Quantengatter kontrolliert miteinander
wechselwirken lassen», erläuterte Rauschenbeutel.
Daher haben die Forscher das beladene Förderband in Bewegung
gesetzt und falsch liegende Atome zu einer «Pinzette» aus
weiteren Laserstrahlen gebracht. Die Pinzette pickt die Atome vom Band
und setzt sie so wieder ab, dass sie genau den gewünschten Abstand
voneinander haben. «Um auf diese Weise sieben Atome zu sortieren,
benötigen wir etwa zwei Sekunden», sagte Rauschenbeutel. Als
nächsten Schritt planen die Bonner den Bau eines so genannten
Quantengatters, eines logischen Bausteins für Quantencomputer.
(Quelle: dpa)