Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Talabani will 'Demokratische Front' zur Verhinderung von
Bürgerkrieg. Drei Tote bei Gefechten in Bagdad. Irakische Polizei
findet 16 Leichen
So.16.07.06 - Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat dazu aufgerufen, zur
Verhinderung eines Bürgerkriegs eine "Nationale und Demokratische
Front" zu bilden. In einer am Samstag veröffentlichten
Erklärung aus Anlass des Sturzes der irakischen Monarchie am 14.
Juli 1958 mahnte der kurdische Staatschef zugleich zum Kampf gegen
sunnitische Extremisten und Anhänger des gestürzten
Präsidenten Saddam Hussein.
Heftige Gefechte in der Innenstadt von Bagdad haben am Samstag
mindestens drei Menschen das Leben gekostet. Die Polizei erklärte,
bei einem Granatangriff nahe der Haifa-Straße seien sieben
Menschen verletzt worden. Bei einem ähnlichen Zwischenfall ganz in
der Nähe seien zwei Zivilpersonen getötet und weitere vier
verletzt worden. Die US-Streitkräfte riegelten das Gebiet ab.
Bewaffnete Männer griffen außerdem einen Lastwagen im Westen
der irakischen Hauptstadt an und töteten den Fahrer, wie die
Polizei weiter erklärte.
Die irakische Polizei hat 16 Leichen an mehreren Orten südlich von
Bagdad gefunden. Es handle sich um Zivilisten, die erschossen wurden,
teilte die Polizei Hillah mit. Sie trugen alle Augenbinden und
Handschellen. Über mögliche Täter wurde zunächst
nichts bekannt. Die Leichen wurden in Alexandria, Latifija und Jarf al
Sakhr gefunden.
(Quelle: afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 16.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Behörden prüfen Bericht über Tod von afghanischen
Zivilisten
So.16.07.06 - Afghanische Behörden und die Koalitionstruppen prüfen
Berichte, wonach bis zu 200 Zivilisten bei einem Angriff britischer
Truppen im Süden Afghanistans getötet worden sein sollen. Ein
Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums sagte, Berichten
über zivile Opfer in Nawsad werde nachgegangen. Eine Sprecherin der
Koalitionstruppen erklärte in Kabul, gemeinsam mit der Regierung
werde ermittelt, "was tatsächlich passiert ist".
Die britische Armee teilte mit, die afghanischen Behörden
hätten ihr versichert, dass bei dem Angriff am Mittwoch in der
Provinz Helmand 19 Taliban-Kämpfer, aber keine Zivilisten
getötet worden seien. Das Innenministerium bestätigte dies.
Die BBC berichtete unter Berufung auf Bewohner Nawsads, zwischen 25 und
200 Menschen seien durch das Bombardement von mehreren Geschäften
und einer Schule getötet worden. Insgesamt seien
drei500-Pfund-Bomben auf einen Basar abgeworfen worden. Der
Rundfunksender Radio Liberty mit Sitz in Prag sendete Interviews mit
Bewohnern, die von Dutzenden Toten sprachen, darunter Frauen und Kinder.
Ein Abgeordneter der Provinz Helmand, Dad Mohammad Khan, hatte der
Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag gesagt, Bewohner hätten ihm
von 25 getöteten Zivilisten berichtet.
Ein Sprecher der britischen Armee in Helmand bestätigte, dass der
Basar und eine Schule getroffen worden seien. Dort hätten sich aber
nach tagelangen Kämpfen keine Zivilisten mehr aufgehalten, sondern
Taliban-Kämpfer verschanzt. Die afghanischen und die
US-geführten Truppen führen seit Mitte Mai im Süden des
Landes eine groß angelegte Offensive gegen Rebellen, die ihre
Aktivitäten in den vergangenen Monaten verstärkt haben.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israel setzt nicht erklärten Krieg im Libanon fort. Libanesische
Behörden: Mindestens 35 Zivilisten bei israelischen Angriffen
getötet. Bush: Israel hat Recht auf Selbstverteidigung
So.16.07.06 - Israel setzt den nicht erklärten Krieg gegen den Libanon mit aller
Härte fort. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden
mindestens 35 Zivilisten getötet und fast hundert weitere
verletzt. In der Nähe der Hafenstadt Tyrus starben neun Kinder und
neun Erwachsene, als ein israelischer Kampfhubschrauber ihren
Flüchtlingskonvoi beschoss, wie die UNO mitteilte. In Beirut griff
die Armee die Hauptquartiere der Hisbollah und der Hamas an. Auch das
Grenzgebiet zu Syrien wurde erstmals beschossen.
Die israelische Armee äußerte ihr "Bedauern" über den
Tod der 18 Zivilisten in Tyrus. Die Verantwortung trage jedoch die
Hisbollah, die von dicht bevölkerten Gebieten aus Raketen auf
Israel abfeuere. Seit Beginn der Offensive stieg die Zahl der
Getöteten damit nach Angaben der libanesischen Polizei auf fast
hundert.
Das israelische Militär teilte mit, es habe
Verbindungsstraßen und Brücken zwischen dem Libanon und
Syrien zerstört, um das Verschleppen seiner zwei entführten
Soldaten nach Syrien zu verhindern. Auch Hafenanlagen in Beirut und
Dschunjeh wurden bombardiert.
Zuvor hatten israelische Kampfflugzeuge bereits den Hafen der
nordlibanesischen Stadt Tripoli unter Beschuss genommen und dabei
Getreidesilos getroffen. Israels Armee teilte am Samstagabend mit, sie
habe sämtliche Radar-Installationen an der libanesischen
Küste zerstört.
Im Süden von Beirut wurde das neunstöckige Gebäude mit
dem Hisbollah-Hauptquartier vollständig zerstört. Der
israelische Einwanderungsminister Seev Boim hatte zuvor gesagt,
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah solle "bei der ersten sich bietenden
Gelegenheit" getötet werden. Nasrallah hatte Israel am
Freitagabend den "offenen Krieg" erklärt. Davor hatte die
israelische Luftwaffe Nasrallahs Haus und seine Büros im
Süden von Beirut bombardiert, ohne den Generalsekretär der
von Teheran und Damaskus unterstützten Hisbollah zu treffen.
In der israelischen Stadt Tiberias schlugen am Samstag mehrere
Hisbollah-Raketen ein. Berichte über Opfer lagen zunächst
nicht vor. Tiberias liegt rund 35 Kilometer von der libanesischen Grenze
entfernt. Dies ist die bislang weiteste Entfernung, die Raketen der
Hisbollah zurückgelegt haben. Am Freitagabend hatten Raketen der
Miliz ein israelisches Kriegsschiff vor der libanesischen Küste
getroffen. Von den vier vermissten Seeleuten an Bord wurde einer am
Samstag tot geborgen, wie die israelische Armee mitteilte. Die Suche
nach den anderen Vermissten wurde fortgesetzt.
Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah hatte am Freitag mit einem
"offenen Krieg" gegen Israel gedroht. Vorangegangen war der Beschuss
seines Wohnsitzes in Beirut.
Bush forderte Syrien vor Beginn des Gipfels der führenden sieben
Industriestaaten und Russlands (G-8) in St. Petersburg auf, die
Hisbollah dazu zu bewegen, ihre Waffen niederzulegen. Zuvor hatte er
bereits erklärt, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung,
müsse aber dafür Sorge tragen, dass bei der Libanon-Offensive
nicht die Zivilisten die Leidtragenden seien. Der russische
Präsident Wladimir Putin sagte bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Bush, es sei "absolut inakzeptabel", dass die
Hisbollah versuche, ihre politischen Ziele mit dem Einsatz von Gewalt
und Entführungen durchzusetzen. Dennoch müsse auch der Einsatz
von Gewalt auf israelischer Seite ausgewogen sein, fügte er hinzu.
Die in Syrien regierende Baath-Partei hatte zuvor erklärt, die
radikale Hisbollah in ihrem Kampf gegen Israel zu unterstützen.
Syrien stehe hinter dem libanesischen Volk und seinem "heldenhaften
Widerstand", hieß es in einer Stellungnahme der Partei. Die
Regierung in Damaskus wolle ihre Unterstützung daher ausweiten, um
der "barbarischen Aggression und den Verbrechen" Israels
entgegenzutreten. Syrien gilt neben dem Iran als einer der wichtigsten
Verbündeten der libanesischen Hisbollah.
Im Gazastreifen geriet neben dem palästinensischen
Wirtschaftsministerium auch ein Haus unter israelischen Beschuss. Dabei
wurden ein Hamas-Mitglied getötet und acht weitere Menschen
verletzt. Seit Beginn der Gaza-Offensive am 28. Juni wurden in dem
Küstenstreifen mehr als 80 Palästinenser getötet, die
meisten von ihnen Extremisten.
(Quellen: afp, rtr)
UN-Sicherheitsrat fordert Nordkorea einstimmig zum Raketenstopp auf
So.16.07.06 - Der Weltsicherheitsrat hat Nordkorea aufgerufen, seine Raketentests
einzustellen. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution
verhängte der Rat außerdem Sanktionen für den
Waffenhandel mit Pjöngjang. Zuvor hatten auch die Präsidenten
der USA und Russland George W. Bush und Wladimir Putin in St.
Petersburg das Regime in Pjöngjang aufgefordert, seine
Raketentests einzustellen und zu den Verhandlungen über ein Ende
seines Atomwaffenprogramms zurückzukehren.
(Quelle: dpa)
Keine Einigung in Sachen Russland-Beitritt zur WTO
So.16.07.06 - Die USA haben Russland kein grünes Licht für den Beitritt zur
Welthandelsorganisation (WTO) gegeben. Das meldete die
Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den
Verhandlungsführer der russischen Seite, Maxim Medwedkow. "Ein
Abkommen wird weder heute noch in den kommenden Wochen unterzeichnet",
sagte Medwedkow in St. Petersburg, wo am Abend der Gipfel der sieben
führenden Industrienationen und Russlands (G8) beginnt.
Zuvor hatte es noch geheißen, die USA und Russland stünden
kurz vor einem Abschluss. Für den Beitritt Russlands zu der 149
Mitglieder umfassenden WTO, den Moskau bereits 1993 beantragt hatte,
fehlt nur noch ein bilaterales Abkommen mit den USA.
Mit einem festlichen Essen der Staats- und Regierungschefs sowie ihrer
Ehepartner begann am Samstagabend der G-8-Gipfel in St. Petersburg. Das
Treffen der sieben wichtigen Industrienationen und Russlands wird
erstmals von der russischen Regierung ausgerichtet. Zum Diner geladen
ist außerdem EU-Kommissionspräsident José Manuel
Barroso.
Die eigentlichen Arbeitssitzungen sind am heutigen Sonntag. Schwerpunkt
soll das Thema Energiesicherheit sein, angesichts der aktuellen
Entwicklungen will die russische Präsidentschaft aber auch
über die Krise im Nahen Osten sowie den Atomstreit mit dem Iran
beraten. Zur G8 gehören neben Russland die USA, Japan und Kanada
sowie Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien.
(Quelle: afp)
G8-Länder haben Versprechen im Kampf gegen Armut nicht erfüllt
So.16.07.06 - Viele Versprechen bleiben unerfüllt. Mit jedem Tag des G8-Gipfels
der reichen Nationen im prunkvollen Konstantin-Palast in St. Petersburg
sterben 30 000 Kinder unter fünf Jahren an Hunger oder
vermeidbaren Krankheiten - alle drei Sekunden ein Kind.
Ein Jahr nach den historischen Zusagen im schottischen Gleneagles, als
eine weltweite Kampagne den Kampf gegen die Armut in den Vordergrund
rückte, ziehen Hilfsorganisationen eine kritische Bilanz. Die
Staats- und Regierungschefs der G8-Länder «haben ihre
Versprechen für Entwicklungshilfe, bei der Bildung sowie HIV und
Aids nicht erfüllt», beklagt ActionAid. Die sieben
führenden Industriestaaten und Russland wüssten sehr wohl um
die Probleme in der Welt, «aber bisher fehlt ihnen der politische
Wille», moniert die von U2-Bandleader Bono mitbegründete
Hilfsorganisation DATA.
Allein bei der Entschuldung seien die eingegangenen Verpflichtungen
erfüllt worden. Doch seien die Industrienationen bei ihren
Zusagen, den Handel zu erleichtern und ihre Märkte für arme
Länder zu öffnen, «völlig vom Kurs
abgekommen». Die laufende Welthandelsrunde sei der
Schlüssel, um Armut zu beseitigen, betont der Delegationschef von
Oxfam, Mark Fried. «Die Handelsregeln richten sich gegen die
Armen und verursachen enormes Leiden.» Doch die
«Unbeweglichkeit» insbesondere der EU und der USA machten
einen Durchbruch in der so genannten Doha-Runde
«äußerst schwierig», kritisiert Oxfam-Experte
Louis Belanger und fordert mehr Entgegenkommen.
Die «Trägheit» der wohlhabenden Länder koste
Menschenleben, verwehre Aidskranken eine medizinische Behandlung und
Kindern den versprochenen Besuch einer Schule, beklagt DATA. Die
weltweit übertragenen Live8-Konzerte mit Bono und Bob Geldorf und
der G8-Gipfel unter britischer Präsidentschaft vor einem Jahr
hätten das Elend auf dem von Armut und Aids geplagten schwarzen
Kontinent doch nur vorübergehend ins Bewusstsein zurückholen
können. «Keines der G8-Länder ist gegenwärtig auf
dem richtigen Weg, um die Versprechen von Gleneagles für Afrika zu
erfüllen», beklagt DATA.
Völlig offen erscheint in St. Petersburg, wie die damalige Zusage
eingehalten werden kann, bis 2010 die Entwicklungshilfe für Afrika
um 25 Milliarden US-Dollar jährlich zu verdoppeln. «Die
Länder, die am meisten tun müssten, liegen gegenwärtig
am weitesten zurück», stellt ActionAid fest. Kritik erntet
hier auch Deutschland, das im nächsten Jahr Gastgeber des
nächsten G8-Gipfels sein wird. Werden seine Beiträge für
die Entschuldung des Iraks und Nigeria beiseite gelassen, sei die
deutsche Entwicklungshilfe sogar gefallen, stellt Oxfam
«alarmiert» fest. Auch die versprochenen Beiträge
für den Kampf gegen HIV und Aids habe die Bundesregierung noch
nicht vollständig geleistet.
«Deutschland sollte als großes und reiches Land seinen
gerechten Anteil beitragen», sagte der deutsche Oxfam-Sprecher
Jörn Kalinski in St. Petersburg. «Aber wir sehen keinen
realistischen Plan, wie das erreicht werden kann.» Es
müssten neue Finanzierungsinstrumente gefunden und mehr
Entwicklungshilfe bewilligt werden. Dafür sei aber wichtig, dass
deutsche Steuerzahler und Stammtische die Probleme durch die Armut in
der Welt verstünden und zusätzliche Belastungen akzeptierten.
Vor dem G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm an der Ostsee soll dafür in
Deutschland eine Kampagne anlaufen. Bis dahin dürften gleichwohl
wieder zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren an Hunger oder
Krankheiten gestorben sein, die hätten vermieden werden
können.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Energiekonzerne für neue Debatte über Atomkraft
So.16.07.06 - Zum G-8-Gipfel in St. Petersburg haben die großen Energiekonzerne
und -verbände von der deutschen Politik eine neue Debatte
über Atomenergie gefordert. «Noch fußt die
Stromversorgung Deutschlands auf einem breiten Energiemix aus Kohle und
Kernenergie», sagte der Geschäftsführer des Verbandes
der industriellen Energiekunden, Alfred Richmann, dem
«Tagesspiegel am Sonntag». Dieser dürfe nicht zu
Gunsten einer wachsenden Abhängigkeit vom Gas aufgeben werden.
«Kein anderes Land Europas riskiert diesen Weg.»
Er hoffe daher auf ein Umdenken beim Atomausstieg, sagte Richmann.
«Der G-8-Gipfel könnte den deutschen Politikern die Augen
öffnen.» Der Vorstandschef von Vattenfall, Klaus Rauscher,
erklärte: «Der Kampf um die Rohstoffe wird sich
verschärfen.» Im Interesse auch nationaler Energiesicherheit
müssten daher vernünftige Lösungen gefunden werden.
«Ich hoffe, dass der Gipfel in St. Petersburg auch die jeweiligen
nationalen Interessen offen und pragmatisch diskutieren werden»,
sagte Rauscher. Auch Shell-Deutschland-Chef Kurt Döhmel erwartet
«einen offenen Dialog der Staatschefs darüber, wie die
Energieversorgung langfristig sichergestellt und zugleich der
Klimaschutz vorangebracht werden kann».
Die SPD lehnt dagegen eine neue Diskussion über den Atomausstieg
ab. «Das kommt nicht in Frage», sagte der Energieexperte
der SPD-Fraktion Hermann Scheer. Es gebe keinen Grund für eine
erneue Debatte, auch nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Allerdings sei absehbar, dass alle, die in Deutschland den
Wiedereinstieg befürworteten, sich auf den G-8-Gipfel berufen
würden, sagt der SPD-Politiker.
(Quelle: ap)
Bundesinnenministerium schlägt Verschärfung des
Ausländerrechts vor
So.16.07.06 - Das Bundesinnenministerium empfiehlt in einem internen Prüfbericht
zum neuen Zuwanderungsgesetz angeblich etliche Verschärfungen des
Ausländerrechts. So sollen etwa Deutsche, die von Sozialhilfe
leben, keine ausländischen Ehepartner mehr ins Land holen
können, berichtet das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel»
unter Berufung auf das 260 Seiten starke Papier, das die seit eineinhalb
Jahren geltenden Paragrafen ausführlich bewertet.
Um Scheinehen zu verhindern, sollen Ehen nach dem Willen des
Ministeriums künftig deutlich länger halten müssen, bevor
der ausländische Partner nach einer Scheidung ein eigenes
Aufenthaltsrecht erhält. Bisher gilt hier eine Zwei-Jahres-Frist.
Auch eine Verschärfung für Ausländer, die arbeitslos und
zu «Hartz IV»-Empfängern werden, hält das
Ministerium laut «Spiegel» für bedenkenswert. Sie
könnten künftig ausgewiesen werden. Überdies rieten die
Beamten, Abschiebungen von Ausländern zu erleichtern, deren Duldung
ausläuft. Die bisherige Ankündigung solcher Abschiebungen
vier Wochen zuvor sollte wegfallen.
Neben den Handlungsempfehlungen enthalte der Bericht aus dem
Ministerium eine ausführliche Bilanz des Zuwanderungsgesetzes. So
hätten bei den obligatorischen Integrationskursen bisher nur die
Hälfte der Teilnehmer eine Sprachprüfung abgelegt. Nach
Ansicht des Ministeriums sollen Ausländer künftig nicht nur
teilnehmen, sondern auch die Prüfung bestehen müssen, damit
ihnen der Kurs anerkannt wird.
Nichts gebracht hat dem Bericht zufolge eine Regelung, die vor der
Verabschiedung des Zuwanderungsrechts besonders umstritten war. Ihr
zufolge sollten die Innenminister gefährliche Extremisten im
Eilverfahren abschieben können. Bisher jedoch sei das in keinem
Fall passiert. Der Passus in der heutigen Form sei deshalb
möglicherweise verzichtbar.
(Quelle: ddp)
Nach Integrationsgipfel neuer Koalitionsstreit
So.16.07.06 - Die SPD hat Forderungen von Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU)
nach einem Bekenntnis von Einbürgerungswilligen zur
«deutschen Schicksalsgemeinschaft» kritisiert.
Es gebe nur ein Wertefundament, zu dem sich alle Menschen bekennen
müssten, die in Deutschland zusammenlebten und das sei die Werte-
und Rechtsordnung des Grundgesetzes, sagte SPD-Generalsekretär
Hubertus Heil am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Darüber
hinausgehende Forderungen von «Herrn Kauder» seien in der
Sache schleierhaft und für eine gute Integrationspolitik
«vollständig ungeeignet». Heil: «Das moderne
Deutschland von heute kann mit Begriffen wie "Schicksalsgemeinschaft"
nichts anfangen.»
Kauder hatte in der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung» unter anderem gesagt: «Wer Deutscher
werden will, muss sich auch zur deutschen Schicksalsgemeinschaft und
damit zur deutschen Geschichte bekennen. Zudem muss er die deutsche
Leitkultur akzeptieren.» Zu der deutschen Schicksalsgemeinschaft
gehöre das besondere Verhältnis zu Israel, sagte Kauder
weiter. «Das müssen auch alle muslimischen
Einbürgerungswilligen akzeptieren.»
(Quelle: dpa)
Köhler mahnt große Koalition zu mehr Entschlossenheit
So.16.07.06 - Für Bundespräsident Horst Köhler ist der Kampf gegen die
Arbeitslosigkeit die wichtigste politische Aufgabe. Er halte es trotz
aller Probleme für möglich, dass die Arbeitslosigkeit von
derzeit zehn auf fünf Prozent gesenkt werden könne, sagte
Köhler laut einem am Samstag ausgestrahlten
ZDF-»heute»-Beitrag. Er ermahnte zugleich die große
Koalition, entschlossener zu sein: «Ich habe keinen Zweifel, dass
diese Koalition die richtigen Dinge anpacken will, aber noch hat sie
sich nicht gefunden, sozusagen in der Ernsthaftigkeit der
Herausforderungen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.»
Er wolle nicht nur repräsentieren, sondern auch unbequem sein,
betonte das Staatsoberhaupt. Beim Thema Umgestaltung des Sozialstaats
müsse die Politik am Ball bleiben. «Ich gebe da nicht auf,
da ist mir dieses Amt, um das ich mich nicht beworben habe, viel zu
wichtig.» Er sehe das Amt des Bundespräsidenten «als
Auftrag, als Dienst gegenüber meinen Landsleuten», sagte
Köhler.
Das gesamte Interview soll heute ausgestrahlt werden.
(Quelle: ap)
Studie: Arbeitsbelastung von Lehrern größer als bislang
bekannt
So.16.07.06 - Deutschlands Lehrer haben einer wissenschaftlchen Studie zufolge eine
weitaus höhere Arbeitsbelastung als bisher bekannt. Ein Lehrer
arbeitet durchschnittlich 51 Zeitstunden pro Woche, wie aus der am
Freitag veröffentlichten Untersuchung des Freiburger
Medizinprofessors Joachim Bauer hervorgeht. Bauer sprach von einem
"extrem hohen" Arbeitspensum. In der in Zusammenarbeit mit der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz erarbeiteten Studie stellte sich
zudem das aggressive Verhalten von Schülern als massives Problem
dar.
43 Prozent der Pädagogen gab bei der Befragung an, innerhalb eines
Jahres mit zum Teil heftigen verbalen Angriffen konfrontiert worden zu
sein. Bei den Hauptschullehrern waren es sogar 53 Prozent. Sieben
Prozent aller Lehrer berichteten davon, dass persönliches Eigentum
beschädigt wurde (Hauptschule: 10,3 Prozent).
Bei mehr als vier Prozent wurde konkret mit Gewalt gedroht
(Hauptschule: 7,3 Prozent). Konkrete Gewalttaten erlebten 1,4 Prozent
aller befragten Lehrer (Hauptschule: 2,1 Prozent). "Als Mediziner
würde ich wahrscheinlich meinen Beruf aufgeben, wenn mich jeder 20.
Patient mit Gewalt bedrohen würde", sagte Bauer der Zeitung "Die
Welt" (Samstagsausgabe). Grundlage der Untersuchung sind
repräsentative Befragungen, die Bauer an 70 Hauptschulen und 19
Gymnasien in und um die Stadt Freiburg vorgenommen hat.
Bauer verlangte als Konsequenz neben der Einrichtung von
Ganztagsschulen eine Ganztagspräsenz von Lehrern. "Das würde
den Pädagogen arbeitsmedizinisch helfen", sagte er der Zeitung. Die
auf den Vormittag begrenzte Zeit für das Lehren und Lernen sei
einfach zu knapp. Aus diesem Grund trat der Mediziner auch für eine
"mäßige Reduzierung der Ferienzeit" von zwölf auf zehn
Wochen ein.
(Quelle: afp)