Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Fast 60 Tote bei Anschlägen
Mo.17.07.06 - Bei einem neuen Selbstmordanschlag im Irak sind am Sonntagabend
mindestens 23 Menschen getötet worden. Der Attentäter hatte
sich nach ersten Berichten in einem Café in einer Stadt 180
Kilometer nördlich in die Luft gesprengt. Bei den Opfern handle es
sich um schiitische Zivilisten, hieß es. Zuvor waren bei mehreren
Anschlägen nach Polizeiangaben mindestens 35 Menschen ums Leben
gekommen. Bei Kämpfen gegen mutmaßliche Terroristen im
Süden des Landes wurde ein britischer Soldat getötet und ein
weiterer verwundet.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 17.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.17.07.05 - Rund 70 Tote bei Anschlägen +++ Leiche eines ranghohen Justizbeamten
gefunden +++ US-Soldaten erschiessen vier Zivilisten, unter ihnen eine
Frau +++ Irakischer Ex-General und Sohn in Polizeigewahrsam getötet +++
Iraks Ministerpräsident im Iran...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507170.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Spaniens Regierungschef Zapatero bringt Nahost-Konflikt mit Irak-Krieg in Verbindung
Mo.17.07.06 - Der spanische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero hat
die Eskalation des Nahost-Konflikts mit dem US-Einmarsch im Irak in
Verbindung gebracht. "Diejenigen, die für den Irak-Krieg waren,
haben uns gesagt, nach dem Einmarsch werde der Frieden greifbar", sagte
Zapatero am Samstag auf einer Versammlung auf Ibiza. Tatsächlich
sei der Irak-Krieg ein "Desaster" gewesen, das der Region
"Radikalisierung, Fanatismus, Konflikte und Instabilität" gebracht
habe. Er hoffe, dass die Kriegsbefürworter ihre Lektion aus den
aktuellen Ereignissen gelernt hätten und jetzt zum Nachdenken
gebracht würden. Zugleich rief Zapatero Israel erneut auf, "seine
Feindseligkeiten zu beenden" und internationales Recht zu respektieren.
(Quelle: afp)
Israel setzt Bombardements im Libanon fort
Seit Beginn der israelischen Offensive mehr als 130 Zivilisten
getötet. Neun Tote in Israel: Raketen treffen Haifa
Mo.17.07.06 - Ein Raketenangriff der Hisbollah auf die israelische Stadt Haifa in
Nordisrael hat neun Todesopfer gefordert. Nach Polizeiangaben
schlugen zehn Raketen im Gebiet um den Bahnhof von Haifa ein. Israel
hat unterdessen begonnen, die in der Region befindlichen Giftstoffe in
den Süden des Landes zu bringen.
Mit neuen heftigen Bombardements im Libanon hat Israel auf den
Raketenangriff der Hisbollah auf die Hafenstadt Haifa reagiert. Laut
libanesischer Polizei wurden mindestens 33 Zivilisten bei Luftangriffen
getötet. Der Einsatz galt der schiitischen Hisbollah-Miliz, die
zwei israelische Soldaten in ihrer Gewalt hat. Hisbollah-Chef Scheich
Hassan Nasrallah drohte Israel einen Kampf "mit allen Mitteln" an. Eine
vom Libanon vorgeschlagene sofortige Waffenruhe unter Aufsicht der UNO
lehnte Israel ab.
Am Sonntagabend traf der EU-Außenbeauftragte Javier Solana zu
Gesprächen in Beirut ein. Die G8 forderten die Freilassung der
israelischen Soldaten und riefen beide Seiten zum Ende der Gewalt auf.
Seine Regierung sei entschlossen, "alles zu tun, was zur Verwirklichung
unserer Ziele erforderlich ist", sagte Israels Ministerpräsident
Ehud Olmert in Jerusalem. Verteidigungsminister Amir Perez
erklärte, diejenigen, die Haifa angegriffen hätten,
würden einen "hohen Preis" zahlen. Israel werde "alle
Feuerquellen" angreifen. Israels Armeechef Dan Halutz schloss eine
Bodenoffensive im Libanon nicht aus.
Nach Angaben der israelischen Polizei schlugen mehrere Raketen rund um
den Bahnhof von Haifa sowie in drei anderen Stadtvierteln ein. Dutzende
Menschen wurden verletzt; es entstand hoher Sachschaden. Es handelte
sich um die folgenschwersten Raketenangriffe auf Nordisrael seit dem
Jom-Kippur-Krieg von 1973. Bei Angriffen mit Katjuscha-Raketen im
Nordwesten Israels wurden mehrere Menschen verletzt.
Der bewaffnete Flügel der Hisbollah erklärte, der Angriff mit
Raketen vom Typ Raad 2 und 3 habe ausschließlich
Erdölanlagen in Haifa gegolten habe. Künftig werde jedoch
"kein Ziel in Haifa und Umgebung verschont", falls es von israelischer
Seite einen "unverhältnismäßigen Gegenangriff" gebe.
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah drohte Israel einen Kampf "mit allen
Mitteln" an.
Die Zahl der seit dem Beginn der Offensive am Mittwoch im Libanon
getöteten Zivilisten stieg auf mehr als 130. Etwa 340 Menschen
wurden verletzt. Hinzu kommen Hisbollah-Opfer. Bei einem israelischen
Luftangriff auf die südlibanesische Hafenstadt Tyrus wurden
mindestens zehn Zivilisten getötet, als nach Krankenhausangaben
eine Rakete im Stadtzentrum eine Gruppe von Flüchtlingen traf.
Sechs Zivilisten, darunter drei Kinder, starben laut Polizei bei der
Bombardierung des Dorfes Aitarun an der Grenze zu Israel.
Zuvor waren bei verschiedenen Luftangriffen auf den Südlibanon
mindestens 17 Zivilisten getötet worden, wie die Polizei
mitteilte. Die israelische Armee forderte die Menschen im
Südlibanon zum Verlassen ihrer Dörfer auf. In der Region
stünden Militäreinsätze bevor.
(Quelle: afp)
'Für Hisbollah geht es bei diesem Konflikt ums politische
Überleben'
Ein Interview mit Amal Saad-Ghorayeb, Professorin an der American
Lebanese University in Beirut und Hisbollah-Expertin... Mehr bei
telepolis vom 17.07.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/23/23124/1.html
G8-Gipfel einigt sich auf Nahosterklärung
Mo.17.07.06 - Der G8-Gipfel hat sich im russischen St. Petersburg auf eine gemeinsame
Linie zur Lage im Nahen Osten verständigt. Die deutsche Kanzlerin
Angela Merkel (CDU) teilte am Sonntag nach mehrstündigen
Verhandlungen mit, dass die G8 zunächst eine unversehrte
Freilassung der entführten israelischen Soldaten fordern.
Außerdem müssten die Angriffe auf Israel aufhören.
Schließlich müssten auch die militärischen Aktionen
Israels beendet werden. Außerdem einigte sich der Gipfel auf die
Entsendung einer Beobachter- und Sicherheitsmission. Diese müsse
von der UNO ausgestaltet werden. Die Gipfelteilnehmer hätten damit
gezeigt, dass sie sich nicht auseinander dividieren lassen, betonte die
Kanzlerin.
(Quelle: ddp)
Bombay-Anschläge bedrohen indisch-pakistanischen Friedensprozess
Mo.17.07.06 - Die verheerenden Anschläge in der westindischen Finanzmetropole
Bombay bedrohen den Friedensprozess zwischen den Atommächten
Indien und Pakistan. Der indische Außen-Staatssekretär Shyam
Saran sagte: «Es wird schwierig, diesen Prozess
fortzuführen.»
Die indische Regierung hat Pakistan indirekt für die Anschlagserie
mitverantwortlich gemacht, bei der am Dienstag in Bombay mindestens 179
Menschen getötet wurden. Vor seiner Abreise zum G8-Gipfel in St.
Petersburg am Sonntag rief Indiens Premierminister Manmohan Singh die
Weltgemeinschaft zum geschlossenen Kampf gegen Terrorismus auf.
Singh sagte in einer Rundfunkansprache, er werde die Staats- und
Regierungschefs beim G8-Gipfel zu «Null-Toleranz»
gegenüber Terror auffordern. Aus Regierungskreisen in Neu Delhi
hieß es, Singh werde bei dem Treffen mehr Druck auf die Regierung
in Islamabad verlangen. Als Hauptverdächtige der Anschläge
von Bombay gelten zwei muslimische Terrorgruppen, von denen eine -
Lashkar-e-Toiba - nach Überzeugung Indiens von Pakistan aus
operiert.
Die pakistanische Regierung hat jede Verantwortung für die
Anschläge zurückgewiesen und betont, anders als von Indien
behauptet gebe es keine «Terror-Infrastruktur» auf
pakistanischem Boden. Indien wirft Pakistan vor, entgegen den Zusagen
Islamabads zu Beginn der Friedensverhandlungen Anfang 2004 weiterhin
Terroristen zu unterstützen.
Die indische Regierung verschob ein für kommenden Donnerstag und
Freitag im Rahmen der Friedensgespräche in Neu Delhi geplantes
Treffen der Außen-Staatssekretäre der beiden Länder auf
unbestimmte Zeit. Indische Medien werteten dies als ein «Zeichen
des Protestes». Bei den Ermittlungen nach den Anschlägen in
Bombay wurde weiterhin kein Durchbruch bekannt. Hunderte Menschen
wurden vorübergehend festgenommen und verhört, aber niemand
verhaftet.
(Quelle: dpa)
Koalitionstruppen starten Großoffensive in Afghanistan
Mo.17.07.06 - Ungeachtet der sich häufenden Berichte über getötete
Zivilisten haben die Koalitionstruppen im Süden Afghanistans einen
neuen Großeinsatz begonnen. Tausende Soldaten aus Afghanistan,
Großbritannien, Kanada und den USA kämpften gegen die
Taliban, teilte ein Sprecher mit. Es handelt sich um den
größten Einsatz der Koalitionstruppen seit dem Sturz der
Taliban Ende 2001. In der vergangenen Woche waren Dutzende
Taliban-Kämpfer getötet worden.
Der Großeinsatz begann am Samstag im Distrikt Sangin in der
Provinz Helmand, wie der Sprecher der Koalitionstruppen mitteilte. Es
sei das erste Mal seit dem Korea-Krieg in den fünziger Jahren, dass
die USA, Kanada und Großbritannien in derart großem Umfang
zusammenarbeiteten. Nach offiziellen afghanischen Angaben wurden allein
bei den Kämpfen im Süden Afghanistans 37 Taliban-Kämpfer
getötet und 22 weitere verletzt. Die Taliban-Kämpfer sollen
sich mit den Drogenbaronen in Helmand, wo das meiste Opium produziert
wird, verbündet haben.
Der jüngste Einsatz betrifft die Provinzen Helmand, Kandahar,
Sabul und Urusgan. Bei heftigen Kämpfen in Urusgan waren am
Donnerstag nach Angaben der Koalitionstruppen 30 "Extremisten"
getötet worden. In der selben Provinz waren am Dienstag nach
Angaben eines Abgeordneten und eines Dorfbewohners bis zu 60 Zivilisten
getötet worden. Präsident Hamid Karsai ordnete Ermittlungen an.
Afghanische Behörden und die Koalitionstruppen prüfen zudem
Berichte, wonach am Mittwoch bis zu 200 Zivilisten bei einem Angriff
britischer Truppen auf Newsads in der Provinz Helmand getötet
worden sein sollen.
Die BBC berichtete am Samstag unter Berufung auf Bewohner, zwischen 25
und 200 Menschen seien durch das Bombardement von mehreren
Geschäften und einer Schule getötet worden. Insgesamt seien
drei 500-Pfund-Bomben auf einen Basar abgeworfen worden. Ein Sprecher
der britischen Armee in Helmand bestätigte, dass der Basar und eine
Schule getroffen worden seien. Dort hätten sich aber nach
tagelangen Kämpfen keine Zivilisten mehr aufgehalten, sondern
Taliban-Kämpfer verschanzt.
(Quelle: afp)
Wahlkommission 'verliert' Namen von 1,2 Millionen Wählern im Kongo
Mo.17.07.06 - Zwei Wochen vor den Wahlen hat ein Vertreter der Wahlkommission im
Kongo den Verlust der Namen von 1,2 Millionen Wählern aus den
Registrierungen eingeräumt. Aus einigen Registrierungsbüros
seien die Daten gar nicht übermittelt worden, andere hätten
sie so abgespeichert, dass die CD-Roms in der Zentrale in Kinshasa nicht
gelesen werden könnten, sagte am Samstag der Mitarbeiter, der
nicht namentlich genannt werden wollte. Einige Mitarbeiter hätten
CDs auch aus Protest gegen ausbleibende Prämienzahlungen
zerstört. Der Wahlprozess sei dennoch nicht gefährdet, weil
alle registrierten Wähler Wahlkarten mit Nummern bekommen
hätten.
(Quelle: afp)
G8 über Nutzung der Atomenergie uneins
Mo.17.07.06 - Die G-8-Staaten haben sich bei ihrem Gipfel in St. Petersburg nicht auf
eine gemeinsameHaltung zur Nutzung der Atomenergie einigen können.
In den Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs hieß es,
es werde anerkannt, dass die G-8-Staaten "unterschiedliche Wege bei
Energiesicherheit und Klimaschutz" verfolgten. Damit ist vor allem
Deutschland gemeint, das durch den Koalitionsvertrag an den Ausstieg aus
der Kernenergie gebunden ist, während die übrigen G-8-Staaten
die Atomkraft teilweise sogar ausbauen wollen.
In den Beschlüssen wird zugleich ein starker Fokus auf die
Erhöhung der Energieeffizienz, das Energiesparen und den Ausbau
erneuerbarer Energien gesetzt. Deutschlands Kanzlerin Merkel
drängte auf weitere Anstrengungen beim Klimaschutz. Die Kanzlerin
plädierte dafür, dass nach Auslaufen des
Kyoto-Klimaprotokolls im Jahr 2012 genauso ambitionierte Ziele verfolgt
werden. Deutschland mache beim Klimaschutz «eine gute
Figur», betonten Delegationskreise. Rund 80 Prozent des
Kyoto-Ziels habe die Bundesrepublik schon erreicht.
Der G8-Gipfel verständigte sich ferner auf verstärkte
Anstrengungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten und bei der
Bildung. Alle Teilnehmer fühlten sich dabei auch der Lage in
Afrika verpflichtet, hieß es. Merkel unterstrich den Angaben
zufolge, es gehe nicht um «Almosen», sondern um die
Partnerschaft mit Afrika.
Noch keine Lösung zeichnete sich für die festgefahrene
Doha-Runde der Welthandelsorganisation WTO ab. Diese sollte eigentlich
Ende Juni abgeschlossen sein. Die EU sieht sich dabei in einer
Position, bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht zu haben. Die
EU erwartet, dass die USA ihre internen Agrarmarktstützungen und
die Schwellenländer ihre Zölle für Industriegüter
senken. Über den Welthandel wollten die G8-Partner am Montag auch
mit Präsidenten und Premiers wichtiger Schwellenländer
beraten.
Am Sonntagmittag hatten sich die G8-Spitzen mit acht jugendlichen
Vertretern eines Junior-8-Gipfels (J8) getroffen, der parallel in St.
Petersburg stattfand. Merkel sicherte zu, die Idee weiterzuführen.
2007 findet der G8-Gipfel in Heiligendamm an der Ostsee statt.
Darüber hinaus verpflichteten sich die G-8-Staaten in ihrer
Erklärung zu "offenen und transparenten" Energiemärkten.
Breiten Raum sollten auf dem Gipfel auch die Beratungen über den
Konflikt im Nahen Osten einnehmen.
Zur G8 gehören neben Russland die USA, Japan und Kanada sowie
Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Es ist das
erste Mal, dass Russland Gastgeber des Gipfels ist, der am Samstagabend
mit einem informellen Dinner begonnen hatte.
(Quellen: afp, dpa)
Deutschland
Koalition streitet über Milliarden-Überschuss der BA
Mo.17.07.06 - Zwischen SPD und Union gibt es unterschiedliche Auffassungen
darüber, wie der erwartete Milliarden-Überschuss der
Bundesagentur für Arbeit (BA) verwendet werden soll. Der
Überschuss könnte laut "Bild am Sonntag" allein in diesem Jahr
bis zu sieben Milliarden Euro betragen. Führende CDU-Politiker
fordern, die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur
Arbeitslosenversicherung ab 2007 kräftiger als bislang geplant
abzusenken. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck forderte dagegen, mit den
Mehreinnahmen zur Sanierung des Bundeshaushaltes beizutragen.
"Richtiges Ziel der großen Koalition ist die dauerhafte Senkung
der Sozialversicherungsbeiträge", sagte der saarländische
Ministerpräsident Peter Müller (CDU). "Wenn im Bereich der
Arbeitslosenversicherung zusätzliche Spielräume entstehen,
sollten diese zur Rückführung der Beitragslast genutzt werden."
SPD-Chef Beck forderte dagegen, die Mittel im Bundeshaushalt
einzuplanen. "Schließlich wollen wir die Staatsfinanzen
konsolidieren. Zum Verteilen und für neue Wünsche steht da
nichts zusätzlich zur Verfügung", sagte er laut "BamS".
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnte die Vorschläge
aus der CDU für eine Senkung der Beitragslast ab. "Die
Überschüsse der BA sind zwar erfreulich, doch sie kommen vor
allem durch einmalige Sondereffekte zustande", sagte
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach dem Blatt. Die Mehreinnahmen
sollten dazu genutzt werden, 50.000 neue Ausbildungsplätze zu
finanzieren.
(Quelle: afp)
Krankenversicherten droht massiver Beitragsanstieg
Mo.17.07.06 - Den 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten drohen im nächsten
Jahr weit höhere Beitragserhöhungen als bislang bekannt.
Statt um 0,5 Prozent, wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
angekündigt, «werden die Beitragssätze um mehr als
einen Prozentpunkt steigen müssen», sagte der Vorstandschef
der AOK Baden-Württemberg, Rolf Hoberg, dem
«Handelsblatt» (Montagausgabe). Als Grund gab er die nach
wie vor hohen Schulden vieler Krankenkassen an. Er forderte die
Bundesregierung daher auf, die Frist für die Entschuldung der
Kassen bis 2010 zu verlängern und auch den für 2008 geplanten
Gesundheitsfonds erst später starten zu lassen.
Die Schulden der Kassen summieren sich nach Informationen der Zeitung
aus Kassenkreisen immer noch auf knapp vier Milliarden Euro oder 0,4
Beitragssatzpunkte. 80 der rund 250 Kassen seien nach wie vor
verschuldet. Sie müssen nach den in der vergangenen Woche vom
Bundeskabinett verabschiedeten Eckpunkten für die
Gesundheitsreform bis Ende 2007 schuldenfrei sein. Außerdem
müssen sie wieder die vorgeschriebene gesetzliche Mindestreserve
in Höhe von 25 Prozent der Ausgaben in einem Monat vorhalten. Auch
die dafür nötige rund eine Milliarde Euro müssen die
verschuldeten Kassen aufbringen. Hinzu kämen die rund sieben
Milliarden Euro, die allen Krankenkassen im nächsten Jahr fehlen
werden, weil der Bund seinen Steuerzuschuss kürzt und
Ausgabenerhöhungen zu erwarten seien.
(Quelle: ddp)
Die Volksparteien CDU und SPD verlieren Mitglieder
Mo.17.07.06 - Die beiden großen Volksparteien CDU und SPD haben im ersten
Halbjahr 2006 laut einem «Handelsblatt»-Bericht erheblich
an Mitgliedern verloren. So habe die CDU Ende Juni rund 4000 Mitglieder
weniger gehabt als noch Ende 2005, berichtet das Blatt unter Berufung
auf die Parteien.
Insgesamt hätten zum 30. Juni 565 079 Frauen und Männer ein
CDU-Parteibuch besessen. Die SPD habe sogar 13 000 Mitglieder verloren
und Ende Juni noch 573 799 Parteigenossen verzeichnet. Die FDP habe
dagegen neue Mitglieder gewinnen können.
«Allein im ersten Halbjahr haben wir die Zahl der Mitglieder um
rund 500 gesteigert», sagte FDP-Bundesgeschäftsführer
Hans-Jürgen Beerfeltz der Zeitung. «Seit der Bundestagswahl
verzeichneten wir 5082 Neueintritte.» Dem stünden Verluste
von 3820 gegenüber. Die Mitgliederzahl der Freien Demokraten lag
Ende 2005 bei rund 65 000.
(Quelle: dpa)