Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Türkei droht mit Einmarsch in irakisches Kurdengebiet. Mindestens
40 Tote bei Überfall auf irakischen Markt
Di.18.07.06 - Die Türkei hat mit einem Einmarsch ihrer Armee in das irakische
Kurdengebiet gedroht. Regierungssprecher Cemil Cicek sagte in Ankara,
die Türkei werde ihre völkerrechtlichen Vollmachten auf diesem
Gebiet "voll ausschöpfen". Die USA und der Irak seien
verpflichtet, etwas gegen die Präsenz der kurdischen Rebellen von
der PKK im Norden des Iraks zu unternehmen, sagte Cicek. Die
Botschafter der USA und des Irak in Ankara wurden ins türkische
Außenministerium einbestellt.
Nach Ansicht der Türkei wäre eine Militärintervention im
Nachbarland Irak durch das Recht auf Selbstverteidigung gedeckt. Die
PKK, die von der Türkei, den USA und der EU als Terrororganisation
eingestuft wird, steuert von Rückzugslagern im Nordirak aus ihre
Angriffe und Anschläge in der Türkei. Allein in den
vergangenen fünf Tagen kamen nach türkischen Angaben 14
Soldaten, Polizisten und staatsstreue kurdische Milizionäre bei
Kämpfen um.
Die türkische Armee hatte im Frühjahr eine
Großoffensive gegen die PKK im Südosten des Landes
gestartet. Bisher sind die türkischen Verbände aber nicht
nach Irak vorgerückt. Die gemeinsame Grenze beider Länder ist
etwa 330 Kilometer lang und schwer zu überwachen.
Dutzende von Aufständischen haben am Montag in der irakischen
Stadt Mahmudia auf einem belebten Marktplatz in eine Menge geschossen
und mindestens 40 Menschen getötet.
Etwa 30 Menschen seien verletzt worden, teilte die irakischen Armee
mit. Mahmudia liegt etwa 30 Kilometer südlich von Bagdad und wird
sowohl von Schiiten als auch von Sunniten bewohnt. Viele Opfer wurden
mit Schusswunden in die Krankenhäuser gebracht. Zunächst war
unklar, wer hinter dem Angriff stand. Mahmudia gehört zum so
genannten Dreieck des Todes, in dieser Gegend kommt immer wieder zu
tödlichen Anschlägen.
Unterdessen haben Bewaffnete in Bagdad den Direktor einer irakischen
Ölfirma entführt. Im Norden des Landes wurden 14
Verdächtige festgenommen, die an Terroranschlägen in der Stadt
Kirkuk beteiligt gewesen sein sollen.
Bei einem Selbstmordanschlag am Sonntagabend wurden mindestens 23
Menschen getötet. Der Attentäter hatte sich nach ersten
Berichten in einem Café in einer Stadt 180 Kilometer
nördlich in die Luft gesprengt.
Bei den Opfern handle es sich um schiitische Zivilisten, hieß es.
Zuvor waren bei mehreren Anschlägen am Sonntag nach Polizeiangaben
mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen.
Einen Tag nach der Entführung des Chefs des irakischen Nationalen
Olympischen Komitees (NOK), Ahmed al Hija, und etwa 30 seiner Kollegen
gab es zunächst keine Nachricht von den Entführern. Etwa 60
maskierte Angreifer in Uniform hatten am Samstag eine NOK-Sitzung
gestürmt und einen Leibwächter von Al Hija erschossen. Das
Motiv der Entführung war zunächst unklar. Möglicherweise
steht ein Streit um Posten im Hintergrund. Die Regierung bestritt, dass
irakische Sicherheitskräfte an dem Anschlag beteiligt waren.
Bei Kämpfen gegen mutmaßliche Terroristen im Süden des
Landes wurde ein britischer Soldat getötet und ein weiterer
verwundet, teilte das Verteidigungsministerium in London mitteilte.
Damit erhöht sich die Zahl der im Irak getöteten britischen
Militärangehörigen auf 114. Großbritannien hat dort etwa
8000 Soldaten stationiert.
Ein Sprengsatz detonierte am Montagmorgen auf einem belebten Marktplatz
in Bagdad. Dabei wurden acht Menschen getötet, zwölf weitere
wurden verletzt. Zwei Menschen kamen ums Leben, als ein mit Sprengstoff
beladenes Auto an einem irakischen Kontrollposten im Südosten der
Stadt explodierte. In Tikrit, etwa 70 Kilometer nördlich von
Bagdad, wurden drei Iraker aus einem fahrenden Auto heraus erschossen.
In Bakuba befreiten Bewaffnete 14 Gefangene, die sich auf dem
Gelände eines Krankenhauses aufhielten. Vier Polizisten wurden
dabei während eines Schusswechsels getötet. Ebenfalls in der
60 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Stadt erschossen
Unbekannte auf einem Marktplatz drei Menschen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 18.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.18.07.05 - US-Präsident Bush wollte offenbar Wahl im Irak beeinflussen +++ Iran
und Irak vereinbaren Austausch von Geheimdienst-Informationen +++ Drei
Selbstmordattentate in Bagdad - Mindestens elf Tote +++ Polizei: Zahl der
Toten nach Selbstmordanschlag in Musajjib steigt auf 71 +++ Irakische
Ölindustrie wird bestreikt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507180.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Kein Ende der Gewalt im Nahen Osten in Sicht
Di.18.07.06 - Ungeachtet der Friedensappelle der internationalen Gemeinschaft hat
Israel am Montag sein Vorgehen im Libanon weiter verschärft. Bei
Angriffen der israelischen Luftwaffe in dem Nachbarstaat starben
mindestens 46 Menschen. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert
sagte, sein Land werde die "Doppeloffensive" gegen die Hamas im
Gazastreifen und gegen die Hisbollah im Libanon fortsetzen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan schlug den Einsatz einer
UN-Stabilisierungstruppe vor. Bei Raketenangriffen der Hisbollah auf
die israelische Hafenstadt Haifa wurden sechs Menschen verletzt.
Unter den 46 getöteten Menschen im Libanon waren zwölf
Zivilisten, deren Kleinbus in der Nähe von Beirut von einer
israelischen Rakete getroffe wurde. In Tyrus im Süden des Libanons
bargen nach Rot-Kreuz-Angaben Rettungskräfte die Leichen von zehn
Menschen aus den Trümmern eines bombardierten Gebäudes, in
das die Familie geflohen war. Die Hisbollah-Miliz schoss auf die
israelische Hafenstadt Haifa erneut Raketen aus dem Süden des
Libanon. Die israelische Armee teilte mit, die Militäraktionen im
Libanon sollten noch mindestens eine Woche dauern.
Olmert sagte, sein Land kämpfe gegen "Terrororganisationen", die
ihre Befehle von der "Achse des Bösen Damaskus-Teheran" erhielten.
Syrien gilt als Unterstützer der Hamas, während die Hisbollah
als eng verbunden mit dem Iran gilt.
Aus Israel kamen aber auch diplomatischere Töne.
Außenamtssprecher Mark Regew sagte, sein Land wisse, "dass es
keine militärische Lösung gibt, um die Hisbollah zu
neutralisieren". Die Hisbollah teilte mit, sie wolle sich nicht auf
eine Waffenruhe einlassen, die an Bedingungen geknüpft sei.
Nach den Worten seines Verteidigungsministers Amir Perez will Israel
nun im Südlibanon eine «Sicherheitszone» einrichten, um
so weitere Katjuscha-Angriffe der Hisbollah zu unterbinden. Die
israelischen Streitkräfte würden die Milizen künftig
davon abhalten, in diese Pufferzone einzurücken, erklärte
Perez bei einem Besuch in der häufig beschossenen Stadt Naharia.
Dies solle ohne die physische Anwesenheit israelischer Soldaten
bewerkstelligt werden. Aus Militärkreisen verlautete am Montag,
dass die Armee in den letzten Tagen einen ein Kilometer breiten Streifen
unmittelbar hinter der libanesischen Grenze praktisch eingeebnet habe.
In den Palästinensergebieten wurden bei neuen gewaltsamen
Zusammenstößen am Montag ein israelischer
Armeeangehöriger und drei Palästinenser getötet. Der
Soldat starb in Nablus im nördlichen Westjordanland, als ein
starker Sprengsatz in der Nähe seiner Patrouille detonierte. Sechs
weitere Uniformierte wurden verletzt, bestätigte ein israelischer
Armeesprecher. Israelische Militärs töteten bei Bet Chanun im
nördlichen Gazastreifen drei Palästinenser, darunter zwei
Militante und ein Teenager.
In Jerusalem verhinderten israelische Sicherheitskräfte einen von
einem jungen Palästinenser geplanten Selbstmordanschlag im
Stadtzentrum. Der 25-Jährige aus dem Westjordanland fiel bei einer
routinemäßigen Sicherheitskontrolle am Jaffa-Tor beim Eingang
zur Altstadt auf. In seinem Rucksack fanden die Polizisten fünf
Kilo Sprengstoff.
(Quellen: afp, dpa)
Südlibanon: Konfliktherd seit Ende der 60er Jahre
Der Süden Libanons wurde zum Konfliktherd, als die libanesische
Regierung palästinensischen Flüchtlingen nach dem
Fünf-Tage-Krieg von 1967 eine Zufluchtsstätte an seiner Grenze
zu Israel einräumte. Von dort starteten Guerillaorganisationen bis
Ende der 90er Jahre immer wieder Angriffe auf Israel, die dann mit
massiven Vergeltungsschlägen beantwortet wurden.
Von Mitte der 80er Jahre an stieg im Südlibanon auch der Einfluss
der schnell wachsenden schiitischen Bevölkerungsgruppe. Seitdem
gingen die Attacken vor allem von der von Iran unterstützten
Schiiten-Miliz Hisbollah aus.
Der Schlagabtausch fand 1978 einen vorläufigen Höhepunkt, als
Israel in der «Operation Litani» im Südlibanon
einmarschierte und das Gebiet drei Monate besetzt hielt. Zuvor hatte ein
palästinensisches Terrorkommando bei Anschlägen auf
Reisebusse 38 Israelis getötet. Nach dem Abzug Israels im selben
Jahr beschloss der UN-Sicherheitsrat die Aufstellung einer
Friedenstruppe im Südlibanon, die Unifil (United Nations Interim
Force in Lebanon).
Im Libanon-Krieg 1982 drangen israelische Truppen bis Beirut vor. Nach
dem Truppenabzug 1985 beanspruchte Israel eine etwa zehn Kilometer
breite Sicherheitszone im Südlibanon. Sie wurde hauptsächlich
von der mit Israel verbündeten Südlibanesischen Armee (SLA)
kontrolliert. Schon im Mai 1988 rückten in der «Operation
Ruhe und Ordnung» wieder etwa 2000 israelische Soldaten für
48 Stunden in den Südlibanon vor, um nördlich der
Sicherheitszone nach Terroristen zu suchen. Dabei kamen mindestens 40
Kämpfer der pro-iranischen Schiiten-Miliz Hisbollah und drei
israelische Soldaten ums Leben.
Nach kleineren Zwischenfällen begann Israel im Juli 1993 die
«Operation Abrechnung» mit Luftangriffen auf Dörfer im
Südlibanon, nachdem nordisraelische Ortschaften mit
Katjuscha-Raketen beschossen worden waren. Der Beschuss löste eine
Flüchtlingswelle aus und kostete mindestens 120 Libanesen und drei
Israelis das Leben. Nach Raketenangriffen der Hisbollah auf Nordisrael
zerstörten israelische Kampfhubschrauber im April 1996 in der
«Operation Früchte des Zorns» das mutmaßliche
Zentrum der Hisbollah in Beirut.
1998 stimmten dann die für Sicherheit zuständigen Minister
des israelischen Kabinetts der UN-Sicherheitsratsresolution 425 zu, die
den Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon forderte. Am
24. Mai 2000 zog sich Israel binnen zwei Tagen von dort zurück.
Auch die mit Israel verbündete Südlibanesische Armee gab alle
ihre Positionen auf, die pro-iranische Hisbollah-Miliz rückte
dafür nach. Schon am 7. Oktober des selben Jahres entführte
die Hisbollah im Grenzgebiet drei israelische Soldaten. Auf deutsche
Vermittlung hin kam es am 19. August 2003 zum Austausch der im Jahr 2000
entführten Israelis gegen ranghohe Hisbollah-Mitglieder.
Quelle: dpa, 17.07.06
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EU-Außenminister fürchten Flächenbrand im Nahen Osten
Di.18.07.06 - Die Außenminister mehrerer EU-Staaten fürchten eine
unkontrollierbare Ausweitung der Militäraktionen im Nahen Osten.
Zum Auftakt eines Treffens am Montag in Brüssel riefen sie sowohl
die Hisbollah als auch Israel zu äußerster Zurückhaltung
auf. «Wenn das noch ein, zwei Tage so weiter geht, dann kann die
ganze Gegend in Brand stehen», sagte der luxemburgische
Außenminister Jean Asselborn.
Für die österreichische Ressortchefin Ursula Plassnik geht es
ebenfalls darum, «einen Flächenbrand zu verhindern».
Auch der schwedische Außenminister Jan Eliasson äußerte
diese Sorge: Die Kämpfe gefährdeten nicht nur die Menschen in
der Region und die libanesische Regierung sondern auch die
Stabilität in der Region.
«Eine Sorge ist, dass tausende EU-Bürger in der Region
sind», fügte der Ratsvorsitzende und finnische
Außenminister Erkki Tuomioja hinzu. Er dämpfte Hoffnungen,
dass die Europäische Union eine rasche Beilegung des Konflikts
erreichen könnte. Europa müsse längerfristig zum Frieden
in der benachbarten Region beitragen. Asselborn forderte eine
Vermittlung der Vereinten Nationen.
Der niederländische Außenminister Bernard Bot forderte eine
ausgewogene Erklärung der EU zu dem Konflikt, «die beide
Seiten befriedigt». Asselborn verlangte klare Worte an die Adresse
Israels: «Wenn man Israel auffordert, die Gewalt einzustellen,
dann heißt das, Menschenleben zu retten.»
(Quelle: dpa)
Streit in Deutschland über Israels Rolle im Nahost-Konflikt
Di.18.07.06 - Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat in Deutschland
einen Streit über die Rolle Israels ausgelöst. Rechtsexperten
bezeichneten die Angriffe der israelischen Luftwaffe auf zivile Ziele
als völkerrechtswidrig. Der israelische Botschafter in Deutschland,
Shimon Stein, verteidigte dagegen das Vorgehen der
Sicherheitskräfte. Die Bundesregierung lehnte eine herausgehobene
Vermittlerrolle Deutschlands im Nahost-Konflikt ab.
Der Berliner Rechtsprofessor Christian Tomuschat sagte, die
Zerstörung des Flughafens sowie des Seehafens von Beirut sei mit
internationalem Recht nur «schwer vereinbar". Es sei nicht
erwiesen, dass diese Einrichtungen auch für militärische
Zwecke genutzt worden seien. Israel verstoße damit gegen das 4.
Genfer Abkommen zum Schutz der Zivilbevölkerung von 1949,
argumentierte Tomuschat.
Der Londoner Völkerrechtler Philippe Sands sagte, Angriffe auf
zivile Ziele seien «selbst dann verboten», wenn die Gegner
des Landes solche Ziele in Israel attackierten.
Die Experten unterstützten damit die Einschätzung von
Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Die
Ministerin hatte am Wochenende das Vorgehen Israels im Libanon als
«völkerrechtlich inakzeptabel» bezeichnet. Der
Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer, hatte
Wieczorek-Zeul daraufhin indirekt zum Rücktritt aufgefordert.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kündigte an, sich in den
kommenden Tagen mit Kramer zu treffen, um über die
«Missverständnisse» der letzten Tage zu sprechen.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer wandte sich gegen eine
einseitige Schuldzuweisung an Israel im Konflikt mit dem Libanon.
Ausgelöst worden sei die Eskalation von der Hisbollah mit der
Entführung zweier israelischer Soldaten, sagte Bütikofer.
Der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, verteidigte
das Vorgehen der israelischen Streitkräfte. Die Hisbollah baue mit
Unterstützung von Syrien und Iran «mit Tausenden und
Abertausenden Raketen» ihre Macht im Libanon aus. Deren
Zerstörung könne man nicht «binnen zwei oder drei Tagen
erledigen», sagte Stein.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf, sich bei seinen EU-Kollegen für
die auf dem G8-Gipfel verabschiedeten Lösungsvorschläge
einzusetzen. So werde Steinmeier «der deutschen Verantwortung und
den deutschen Interessen gerecht», sagte Niebel.
Derweil lehnt die Bundesregierung eine herausgehobene Vermittlerrolle
im Nahost-Konflikt ab. Deutschland wolle sich die «alleinige
Vermittlerrolle nicht anmaßen», sagte
Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Es sei auch «nicht
vertretbar, Deutschland diese Rolle aufzubürden».
(Quelle: ddp)
G8 und Schwellenländer wollen Welthandelsrunde wiederbeleben
Di.18.07.06 - Angesichts der festgefahrenen Lage bei der Welthandelsrunde haben sich
Industrie- und Schwellenländer beim G-8-Gipfel in St. Petersburg
um eine Wiederbelebung der Verhandlungen bemüht. Die Teilnehmer
wollten "alles daran setzen", die so genannte Doha-Runde zu einem
Erfolg zu führen, sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
nach Gesprächen zwischen den G8-Staaten und Vertretern Brasiliens,
Chinas, Indiens, Mexikos und Südafrikas. Konkrete
Zugeständnisse gab es aber nicht.
Die Industriestaaten streiten mit den Schwellenländern in der
WTO-Handelsrunde besonders über die Frage von Industriezöllen
und Agrarbeihilfen. Die Gespräche, an denen auch der Chef der
Welthandelsorganisation WTO, Pascal Lamy, teilnahm, waren laut Merkel
"sehr ausführlich". Die Kanzlerin räumte aber ein, dass es
trotz guten Willens noch "erhebliche Schwierigkeiten" beim Abschluss
der seit dem Jahr 2001 laufenden Handelsrunde gebe. Allen Seiten sei
allerdings klar gewesen, dass ohne eigene Zugeständnisse kein
Ergebnis zu erzielen sei.
Der brasilianische Präsident Luiz Ignacio Lula da Silva sagte,
seine Regierung sei bereit, sich "flexibel" zu zeigen. Auch
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonte die
Bereitschaft der EU, sich zu bewegen, schränkte aber umgehend ein:
"Wir sind bereit zu einer Anstrengung, aber nur, wenn auch die anderen
sich anstrengen".
Die EU-Kommission verhandelt bei der WTO im Namen aller 25 EU-Staaten.
Der französische Präsident Jacques Chirac, ein Verfechter der
staatlichen Agrarbeihilfen, lehnte allerdings Zugeständnisse der
EU ab.
Für konkrete Vereinbarungen oder ein neues Verhandlungsmandat sei
der G-8-Gipfel nicht der richtige Rahmen, betonten Merkel und Chirac.
Deswegen blieb es in St. Petersburg bei einem Appell. Die
Welthandelsrunde sollte nach den ursprünglichen Plänen
längst abgeschlossen sein. Erst vor zwei Wochen war ein erneutes
Ministertreffen ohne Durchbruch geblieben.
(Quelle: afp)
Mehr als eine Million protestieren gegen Wahlergebnis in Mexiko
Di.18.07.06 - Mehr als eine Million Menschen haben am Sonntag in Mexiko bei einer
Protestkundgebung eine Neuauszählung der Stimmen der
Präsidentenwahlen vom 2. Juli gefordert.
Der so genannte Marsch auf Mexiko-Stadt wurde vom unterlegenen
linksgerichteten Kandidaten Andrés López Obrador
angeführt. López Obrador hatte die Wahlen nach der
offiziellen Auszählung nur mit einem Unterschied von 244 000
Stimmen oder 0,58 Prozentpunkten gegen den Konservativen Bewerber
Felipe Calderón von der Regierungspartei der Nationalen Aktion
(PAN) verloren.
In einer von seinen Anhängern bejubelten Rede kündigte
López Obrador neue friedliche Widerstandsaktionen gegen den
«Wahlbetrug» an. «Wir werden weiter zusammenkommen,
wir werden der Demokratie weiter Geltung verschaffen. Wir werden keine
demokratische Mühe scheuen. Wir werden triumphieren», sagte
der 52-Jährige vor Hunderttausenden auf dem Zócalo-Platz im
Zentrum der mexikanischen Hauptstadt. Der frühere
Bürgermeister der Hauptstadt forderte eine Neuauszählung
«Stimme für Stimme» und rief seine Anhänger zu
einer neuen Protestversammlung am 30. Juli auf.
Zehntausende hatten in vielen Teilen des Landes seit Tagen den Marsch
auf Mexiko-Stadt begonnen. Sie waren zu Fuß, zu Pferd, mit
Fahrrädern oder anderen Fahrzeugen unterwegs. Die Menschen
forderten auf Plakaten die Neuauszählung und schwenkten
gelb-rot-schwarze Fahnen der Obrador-Wahlallianz PRD. Nach
Schätzung der Sicherheitsbehörden versammelten sich zur
Kundgebung im Zentrum der Hauptstadt 1,1 Millionen Menschen.
López Obrador, der das Wahlergebnis bei den Wahlbehörden
anfocht, wurde beim etwa zweieinhalbstündigen Protestmarsch vom
Sonntag durch die Straßen der Hauptstadt unter anderem von seinen
drei jugendlichen Kindern, von Parteikollegen und von
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie der
Schriftstellerin Elena Poniatowska und der Sängerin Eugenia
León begleitet.
«Es gab Wahlbetrug. Es ist eine Ungerechtigkeit und eine
Verhöhnung des Landes und des Volkes», sagte die
56-jährige Marschteilnehmerin Paulina Mantilla der dpa. Sie trug
ein Plakat mit der Aufschrift: «Mit welcher Ruhe kann ein
Regierender arbeiten, der betrogen hat?». Ein weiterer
Kundgebungsteilnehmer versicherte: «Wenn es kein Abkommen gibt,
wird es in Mexiko eine Revolution geben».
Das Bundeswahlgericht muss bis zum 31. August über den Antrag von
López Obrador entscheiden, um am 6. September den Namen des
neuen Staatspräsidenten von Mexiko offiziell bekannt geben zu
können.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Kombilohn für ältere Arbeitslose
Di.18.07.06 - Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) kann für seine
Initiative zur Beschäftigung älterer Arbeitsloser auf den
Rückhalt der Koalition setzen. CSU-Chef Edmund Stoiber sagte am
Montag, die Vorschläge gingen «mit Sicherheit in die richtige
Richtung». Auch die Arbeitsmarktexperten Ralf Brauksiepe (CDU)
und Klaus Brandner (SPD) begrüßten Münteferings
Pläne. Dagegen kritisierte die Grünen-Arbeitsmarktexpertin
Brigitte Pothmer (Grüne) das Konzept als «lauen
Aufguss« bereits existierender Instrumente.
Müntefering will seine Initiative 50plus am Mittwoch im Kabinett
vorstellen. Sie sieht unter anderem vor, für über
50-Jährige einen Kombilohn einzuführen. Der Lohnzuschuss solle
diese Personengruppe «motivieren, auch einen Job anzunehmen, der
geringer bezahlt wird als ihr bisheriger», sagte
Müntefering. Zudem plant der Minister einen Zuschuss an
Arbeitgeber, die einen älteren Arbeitslosen einstellen und für
mindestens ein Jahr beschäftigen.
Laut Müntefering würden Arbeitgeber nach diesen Plänen
einen staatlichen Zuschuss in einer Größenordnung
«irgendwo zwischen 20 und 40 Prozent des Lohnes» erhalten.
Müntefering fügte hinzu, er gehe davon aus, dass durch die
vorgesehenen Maßnahmen insgesamt 100 000 Menschen eine
«ehrliche Chance» auf einen Arbeitsplatz bekämen.
Zudem sollen die Maßnahmen zur Qualifizierung älterer
Arbeitnehmer gerade in kleinen und mittleren Betrieben nach dem Willen
Münteferings über das Jahresende hinaus verlängert
werden. Außerdem wolle er dafür werben, dass auch Betriebe
bis 200 oder 250 Beschäftigten in diese Begünstigung
einbezogen werden.
Der Vizekanzler erhofft sich von seiner Initiative für ältere
Arbeitslose auch einen Bewusstseinswandel. In einer älter werdenden
Gesellschaft müssten die über 50-Jährigen wieder mehr
Chancen im Erwerbsleben bekommen, sagte er. In Deutschland müsse
man sich wieder bewusst werden, dass die über 50-Jährigen
noch etwas könnten und sie nicht so früh aus der Arbeitswelt
herausgedrängt werden dürften, «wie das leider in den
letzten 20 Jahren der Fall gewesen ist». Dafür werbe er.
Stoiber bezeichnete das Vorhaben als «sehr interessant». Er
könne dem Vorstoß Münteferings «viel
Sympathie» abgewinnen. Brauksiepe sagte, der Vorstoß gehe
«in die Richtung, in die wir auch denken». Brandner betonte,
die gezielte Unterstützung älterer Arbeitnehmer erhöhe
deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. »Für die Unternehmen
wird es immer schwieriger, eine Ausrede zu finden, wenn sie nur
jüngere Arbeitnehmer einstellen«, sagte der SPD-Politiker.
Die Grünen-Politikerin Pothmer sprach hingegen von einer
»Mogelpackung». Der geplante Kombilohn heiße derzeit
noch Entgeltsicherung, und bereits jetzt gebe es für Arbeitgeber
Eingliederungszuschüsse und Lonnebenkostenreduzierung. Sie monierte
zudem, dass die Regierung zeitgleich die Frühpensionierung von 15
000 Beamten bei Post, Postbank und Telekom fördern wolle.
(Quelle: ddp)