Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Autobombe explodiert im irakischen Kufa - 59 Tote. UNO: Fast 6000
Zivilisten in zwei Monaten im Irak getötet. Türkei beginnt
mit Vorbereitungen für Einsatz im Irak
Mi.19.07.06 - Bei der Explosion einer Autobombe sind in der südirakischen Stadt
Kufa am Dienstag Ärzten zufolge 59 Menschen getötet und mehr
als 130 verletzt worden.
Nach dem Anschlag sei es zu schweren Ausschreitungen zwischen Anwohnern
und der Polizei gekommen. In Basra gingen britische und irakische
Truppen unterdessen gegen Aufständische vor und töteten
fünf Rebellen schiitischer Milizen.
Der Sprengsatz war offenbar in einem mit Arbeitern voll besetzten
Kleinbus versteckt und wurde gezündet, als das Fahrzeug gerade von
einem belebten Marktplatz abfuhr. Die Bombe detonierte in einem Abstand
von etwa 50 bis 100 Metern zu einem schiitischen Schrein. Ärzte
berichteten, es seien 59 Leichen in die Krankenhäuser der nahe
gelegenen Städte Nadschaf und Kuf gebracht worden. 132 Menschen
seien verletzt. Sechs Autos und zwei Restaurants wurden durch die
Explosion zerstört.
Zeugen zufolge kam es nach dem Anschlag zu Straßenschlachten mit
der Polizei. Mit Rufen wie "Ihr seid Verräter", "Ihr macht eure
Arbeit nicht" oder "Amerikanische Agenten" seien Passanten auf die
Polizisten losgegangen und hätten diese mit Steinen beworfen. Viele
sollen Anhänger des schiitischen Predigers Moktada al-Sadr sein.
Die Sicherheitskräfte schossen in die Luft, um die Angreifer
auseinanderzutreiben, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur
Reuters. "Es ist sehr chaotisch. Die Polizei feuert Schüsse ab und
die Menschen laufen durcheinander", sagte er. "Überall fahren
Rettungswagen herum."
Der Gouverneur von Nadschaf, Assad Abu-Kalal, machte kriminelle
Anhänger der Baath-Partei und Terroristen aus Mahmudija für
den Anschlag verantwortlich. Im nahe der Hauptstadt Bagdad gelegenen
Mahmudija waren erst am Montag 50 Menschen getötet worden. Zeugen
berichteten, der in Kufa in die Luft gesprengte Kleinbus habe ein
Bagdader Kennzeichen getragen.
In der ebenfalls im Süden gelegenen Stadt Basra gingen britische
und irakische Truppen am frühen Dienstag in einer
größeren Militäroperation gegen schiitische Rebellen
vor. Mindestens fünf Aufständische seien getötet worden.
Im Irak fallen immer mehr Unschuldige der brutalen Gewalt zum Opfer:
Allein in den vergangenen beiden Monaten wurden fast 6000 Zivilisten
getötet. Laut einem Bericht der UN-Mission für den Irak
steigt die Zahl der getöteten Zivilisten, Folter und Kidnapping
bleiben verbreitet.
Seit Beginn des Irak-Kriegs starben rund 50.000 Menschen, hieß es
in dem UN-Bericht
unter Berufung auf das irakische Gesundheitsministerium. Im Mai und
Juni dieses Jahres starben 5818 Zivilisten, 5762 wurden verletzt. Die
meisten der Menschen seien in Bagdad umgebracht worden. Vor allem
Mitarbeiter von Justiz, Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen
befänden sich unter den Opfern.
Iraks Regierung und die US-geführten Truppen stehen der
zunehmenden Gewalt teils machtlos gegenüber. Ein seit einem Monat
geltendes Sicherheitskonzept, das die Stationierung von 50.000
irakischen und US-Soldaten vorsah, brachte keine Entspannung. In den
vergangenen Wochen nahm die Gewalt zwischen den irakischen Volksgruppen
zu.
Die Türkei hat derweil mit der Vorbereitung eines
Militäreinsatzes im Nachbarland Irak begonnen. Mit Zustimmung der
Regierung habe der Generalstab in Ankara mit der Planung des Feldzuges
begonnen, berichteten mehrere Zeitungen und Fernsehsender in der
Türkei. Erste Truppenverbände wurden demnach bereits an die
irakische Grenze im Südosten der Türkei verlegt. Die
Türkei wirft den Vereinigten Staaten und dem Irak vor, nicht genug
gegen die Lager der türkischen Kurdenrebellen von der PKK im
Nordirak zu unternehmen.
Die PKK lenkt vom Norden des Irak aus ihre Angriffe auf Soldaten und
Polizisten in der Türkei. Die Rebellen hatten in den vergangenen
Tagen 14 Mitglieder der türkischen Sicherheitskräfte
getötet.
Die Botschafter der USA und Iraks waren am Montag ins türkische
Außenministerium in Ankara einbestellt worden. Dabei habe die
türkische Regierung unterstrichen, dass sie innerhalb eines Monats
konkrete Schritte gegen die PKK in Nordirak erwarte, berichtete die
Zeitung "Hürriyet". Seit dem Frühjahr sind rund 200.000
türkische Soldaten in Südostanatolien stationiert, wo sie an
einer Großoffensive gegen die PKK teilnehmen.
(Quellen: rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 19.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Taliban erobern Distrikt in Südafghanistan
Mi.19.07.06 - Radikal-islamische Taliban-Milizen haben trotz der anhaltenden
Offensive der Koalitionstruppen in der südafghanischen
Unruheprovinz Helmand einen Distrikt erobert.
Präsidentensprecher Karim Rahimi sagte am Dienstag in Kabul, die
Rebellen hätten nach 16-tägigen Gefechten unter anderem mit
Artilleriefeuer alle Sicherheitskräfte aus dem Distrikt Garmsir
vertrieben. 42 Polizisten hätten bis zuletzt gekämpft, sich
dann aber zurückziehen müssen. Anschließend seien acht
Fahrzeuge mit bewaffneten Rebellen von Pakistan aus in den Grenzdistrikt
Garmsir und die gleichnamige Distrikthauptstadt eingerückt.
Helmands Polizeichef Mohammad Nabi Mullahkhail kündigte einen
Gegenangriff an. «Wir haben die Gegend gestern (Montag) verlassen
und bereiten uns jetzt auf den Angriff und die Rückeroberung
vor», sagte er. Hunderte Taliban-Kämpfer hätten auch
Naway-e-Barakzayee, einen Nachbardistrikt Garmsirs, angegriffen, seien
aber zurückgeschlagen worden. Das Verteidigungsministerium teilte
am Dienstag mit, bei Kämpfen in der südafghanischen Provinz
Urusgan seien am Vortag neun Taliban-Kämpfer getötet worden.
Die US-geführten Koalitionstruppen werteten ihre Offensive in
Südafghanistan am Dienstag trotz der andauernden heftigen Gefechte
als erfolgreich.
Dutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung besuchte am Dienstag
unter massiven Sicherheitsvorkehrungen die deutschen Wiederaufbauteams
der Bundeswehr im Norden Afghanistans. Zunächst informierte sich
der Minister in Faisabad über die Lage, teilte ein
Delegationsmitglied mit. Dort sind rund 250 Soldaten stationiert.
Anschließend reiste er nach Kundus weiter, wo etwa 370 Männer
und Frauen eingesetzt sind. Nach Angaben der Bundeswehr ist die
Situation in Afghanistan weder ruhig noch stabil.
An diesem Mittwoch besucht der CDU-Politiker erstmals den neuen
Standort der Bundeswehr in Masar-i-Scharif. Vor sechs Wochen hatte sie
ihren Einsatzschwerpunkt von der Hauptstadt Kabul dorthin verlegt und
das Kommando über die Internationale Schutztruppe ISAF im Norden
übernommen. Am vergangenen Donnerstag waren bei zwei
Bombenanschlägen in Masar-i-Scharif mehrere Zivilisten verletzt
worden. Deutsche Soldaten kamen nicht zu Schaden. In den vergangenen
Wochen wurde die Bundeswehr vermehrt Ziel von Anschlägen. Insgesamt
fünf deutsche Soldaten wurden dabei verletzt.
Die Sicherheitslage in Afghanistan ist so schlecht wie nie seit dem
Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Bei den schweren Gefechten in
Südafghanistan sind in den vergangenen Wochen hunderte Rebellen
getötet worden, auch mehrere ausländische Soldaten kamen ums
Leben. Afghanistan wirft der Regierung in Islamabad immer wieder vor,
nicht zu verhindern, dass Taliban-Kämpfer von Pakistan aus in
Afghanistan angreifen. Pakistan weist die Vorwürfe zurück.
Taliban-Milizen haben bereits in der Vergangenheit
Distrikthauptstädte in Südafghanistan erobert, wurden aber
immer wieder nach kurzer Zeit vertrieben.
Am 31. Juli will die ISAF die Verantwortung für den instabilen
Süden von den Koalitionstruppen übernehmen. Die USA wollen
ihre Truppen in Afghanistan im Gegenzug von rund 19 000 auf 16 500
reduzieren. Die ISAF will in Südafghanistan rund 6000 Soldaten vor
allem aus Großbritannien, Kanada und den Niederlanden
stationieren. Viele von ihnen sind bereits vor Ort, bis zur
Kommandoübernahme durch die ISAF aber den US-geführten
Koalitionstruppen unterstellt. Deutsche Soldaten sollen nicht im
Süden eingesetzt werden.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israel setzt Offensive im Libanon fort - 23 Tote. Israelische
Luftangriffe lösen Massenflucht aus
Mi.19.07.06 - Israel hat am Dienstag seine Luftangriffe auf den Libanon fortgesetzt
und dabei 23 Menschen getötet. Im Libanon gibt es inzwischen eine
Massenflucht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind
400.000 Menschen aus ihren Häusern geflohen. Die libanesischen
Behörden hätten große Schwierigkeiten, die
Flüchtlinge zu versorgen.
Die militärische Offensive gegen die radikal-islamische
Hisbollah-Miliz, die vor einer Woche zwei israelische Soldaten
verschleppt hat, könnte nach israelischen Angaben noch einige
Wochen andauern. Außenministerin Zipi Liwni bekräftigte die
Haltung der israelischen Regierung, wonach die Hisbollah die
entführten Soldaten für ein Ende der Kämpfe ohne
Vorbedingungen frei lassen müsse. In der israelischen Hafenstadt
Haifa schlugen der Polizei zufolge Raketen der Hisbollah ein. Ob es
dabei Opfer gab, war zunächst noch unklar. Die diplomatischen
Bemühungen für einen Waffenstillstand wurden unterdessen
fortgesetzt, auch eine internationale Einsatztruppe zur Stabilisierung
der Lage ist im Gespräch. UN-Generalsekretär Kofi Annan
forderte eine europäische Beteiligung an der Truppe.
Seit dem Beginn der Offensive starben mehr als 200 Zivilisten durch
israelischen Beschuss. Bei Vergeltungsschlägen der von Iran und
Syrien sowie der libanesischen Regierung unterstützten Miliz kamen
zudem 24 Menschen ums Leben. Die Offensive in Israels Nachbarland
Libanon werde keine Monate, sondern Wochen anhalten, sagte der
israelische Vize-Militärchef Mosche Kaplinski. Bis zur Beendigung
müssten aber noch "sehr klare Ziele" erreicht werden. Bei einem
Luftangriff auf ein Haus im südlibanesischen Dorf Aitaroun in der
Nacht wurden neun Mitglieder einer Familie, darunter Kinder,
getötet und vier verletzt. Vier weitere Menschen wurden ebenfalls
im Süden des Landes getötet. Im Osten der libanesischen
Hauptstadt Beirut wurden zehn Soldaten getötet und 30 verletzt.
Nach den massiven Luftangriffen schloss Israel den Beginn einer
Bodenoffensive nicht aus. "Zu diesem Zeitpunkt sehen wir keine
Notwendigkeit, massive Bodentruppen im Libanon zu aktivieren. Aber wenn
wir sie sehen, dann werden wir es tun. Wir schließen das nicht
aus", sagte Kaplinski in dem Interview.
Die Angriffe haben sechs Jahre nach dem Ende der israelischen Besatzung
im Nachbarland die schwersten Zerstörungen der vergangenen zwei
Jahrzehnte angerichtet. Häfen, Straßen, Brücken,
Fabriken und Treibstofflager wurden beschädigt oder zerstört.
Die Offensive begann, nachdem die Hisbollah an der Grenze in Nordisrael
zwei israelische Soldaten entführt und acht weitere getötet
hatte. Einer Umfrage zufolge unterstützt der größte Teil
der Israelis die Bombardements. Etwa 86 Prozent halten das Vorgehen des
israelischen Militärs für gerechtfertigt. 58 Prozent sind der
Ansicht, dass die Offensive fortgesetzt werden sollte, bis
Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah von der Armee getötet
wurde. Libanons Präsident Emile Lahoud hatte am Vortag
erklärt, sein Staat werde sich niemals von Nasrallah abwenden.
Die Hisbollah fordert die Freilassung libanesischer und arabischer
Gefangener aus israelischer Haft im Gegenzug für die Freilassung
der entführten israelischen Soldaten. Während Regierungschef
Ehud Olmert diese Forderung mehrfach kategorisch abgelehnt hat,
äußerte sich sein Minister für Innere Sicherheit, Awi
Dichter, am Dienstag kompromissbereit. "Ich denke, am Ende werden wir
unsere Soldaten nach Hause bringen und wenn ein Weg dazu die Verhandlung
über libanesische Gefangene ist, wird der Tag kommen, an dem wir
auch dies erwägen müssen."
Angesichts der Ereignisse sind mittlerweile Tausende Ausländer aus
dem Libanon geflüchtet, darunter auch Deutsche. Der internationale
Flughafen Beiruts wurde nach israelischem Beschuss geschlossen. Auch
rund 100.000 Libanesen haben ihre Häuser verlassen.
Im Rahmen der diplomatischen Bemühungen für eine Entspannung
der Lage hat US-Außenministerin Condoleezza Rice am Montagabend
einen Besuch in die Region angekündigt. Zeitpunkt und die konkreten
Orte der Reise waren aber zunächst noch unklar.
(Quellen: rtr, br-Radionachrichten)
Israels wahre Ziele
Wie ein Angriffskrieg als 'Rettungsmaßnahme' verkauft wird – und
was sich bei genauerem Hinschauen dahinter verbirgt... Mehr in der
Tageszeitung 'junge Welt' vom 19.07.06:
http://www.jungewelt.de/2006/07-19/033.php
Wirtschaft Libanons durch israelische Luftangriffe hart getroffen
Mi.19.07.06 - Die Luftangriffe Israels auf Ziele im Libanon haben die Wirtschaft des
nördlichen Nachbarlandes schwer beeinträchtigt. Bei den
Angriffen wurden Infrastruktur-Einrichtungen wie Brücken,
Straßen, Hafenanlagen, Silos und Flughäfen zerstört.
Die meisten Läden und Geschäfte sind geschlossen. Die Banken
haben aus Sorge um ihre Bargeldreserven die Auszahlungshöhe pro
Kunde auf 1000 US-Dollar begrenzt. Die Beiruter Aktienbörse brach
seit Beginn der Attacken am Mittwoch vergangener Woche um zehn Prozent
ein.
Nach Angaben des libanesischen Finanzministers Dschihad Asur betragen
die Verluste durch die Angriffe inzwischen umgerechnet 400 bis 500
Millionen Dollar. Sie seien auch ein Schlag für den Tourismus,
einem vielversprechenden Sektor der libanesischen Wirtschaft.
«Nach meiner Ansicht wird es schwierig werden, das
diesjährige Wachstumsziel von vier bis fünf Prozent zu
erreichen, mit dem wir gerechnet haben», sagte der Minister der
dpa. Auch die Hoffnung der Regierung auf einen Tourismusrekord in diesem
Jahr mit 1,6 Millionen Gästen habe sich zerschlagen. Asur betonte
jedoch zugleich, dass die Wirtschaft des Landes «stabil»
sei und keine Gefahr einer Abwertung des libanesischen Pfundes bestehe.
(Quelle: dpa)
EU sucht mit UN und AU Lösung in Darfur-Krise
Mi.19.07.06 - Die EU sucht mit den Vereinten Nationen (UN) und der Afrikanischen
Union (AU) nach einer Lösung für die sudanesische Krisenregion
Darfur.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana trifft dazu in Brüssel
UN-Generalsekretär Kofi Annan sowie Vertreter der US-Regierung, der
NATO und der AU in Brüssel zusammen. Im Mai war ein
Friedensabkommen für Darfur unterzeichnet worden. Bei der Umsetzung
gibt es jedoch bisher kaum Fortschritte.
Am Rande der Konferenz in Brüssel will der finnische
Außenminister und EU-Ratsvorsitzende Erkki Tuominoja mit
UN-Generalsekretär Annan auch über die Lage im Nahen Osten
beraten. Am Montag hatte die EU sich grundsätzlich bereit
erklärt, Soldaten für einen möglichen UN-Friedenseinsatz
in die Krisenregion zu entsenden.
(Quelle: dpa)
Chiles Oberstes Gericht hebt Immunität von Pinochet auf
Mi.19.07.06 - Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet wird sich schon
bald vor Gericht im Zusammenhang mit der so genannten Todeskarawane
verantworten müssen. Das Oberste Gericht des südamerikanischen
Landes entsprach der Forderung einer Petition, die Immunität des
90-Jährigen im Zusammenhang mit einer Klage wegen der Tötung
von zwei ehemaligen Vertrauten des Ex-Präsidenten Salvador Allende
aufzuheben. "Wir kommen der Gerechtigkeit immer näher", sagte nach
der Entscheidung der Anwalt Eduardo Contreras, der die Petition
eingereicht hatte.
Mit der Aufhebung der Immunität durch das Oberste Gericht wird
ermöglicht, dass sich Pinochet im Fall der zwei getöteten
politischen Gefangenen doch noch vor Gericht verantworten muss. In einem
anderen Fall ist der Ex-Diktator wegen der Ermordung von 75 Menschen
durch die Todeskarawane angeklagt. Seine Immunität wurde mehrfach
aufgehoben, im Jahr 2002 jedoch stoppte das Oberste Gericht alle
Ermittlungen mit der Begründung, Pinochet sei dement und nicht
prozessfähig.
Während der von 1973 bis 1990 währenden Diktatur wurden
Schätzungen zufolge mindestens 3000 Regimegegner getötet, rund
30.000 Oppositionelle wurden eingesperrt und gefoltert. Gegen Pinochet
und seine Familie wird auch wegen Steuerhinterziehung und Betrugs
ermittelt.
(Quelle: afp)
Deutschland
Differenzen in Koalition über Kombilohnpläne
Mi.19.07.06 - Wegen der Kombilohn-Pläne von Franz Müntefering bahnt sich
ein Konflikt zwischen Bundeswirtschafts- und Arbeitsministerium an. Der
bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zeigte sich von
Münteferings Vorstoß überrascht und forderte eine
Lockerung beim Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer.
Kritik kam aus den Reihen der SPD-Linken, vom DGB, von den Grünen
und der Linkspartei. An diesem Mittwoch will der Bundesarbeitsminister
seinen Kombilohn-Vorschlag im Kabinett vorstellen.
«Dieser Vorstoß scheint mir noch nicht ausgereift»,
sagte der Parlamentarische Staatssekretär im
Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte (CDU), am Dienstag im
ZDF. Er sehe «wenig gedankliche Anstrengung, wie wir
Missbraucheffekte, Drehtüreffekte vermeiden können».
Der Sprecher des Bundesarbeitsministers, Stefan Giffeler, wollte die
Äußerung Schauertes nicht kommentieren. Aus
Regierungskreisen verlautete, es handele sich «um eine
Einzelmeinung aus der Fachebene des
Bundeswirtschaftsministeriums».
Müntefering will mit seiner Initiative «50 plus»
Arbeitslose über 50 Jahren mit Lohnkostenzuschüssen für
niedriger entlohnte Arbeit wieder in Beschäftigung bringen.
Unternehmen sollen Zuschüsse bekommen, wenn sie ältere
Arbeitslose einstellen. Der SPD-Politiker hofft auf bis zu 100 000 neue
Stellen. Schauerte zweifelte diese Zahl an.
Stoiber sieht im Kündigungsschutz ein mögliches Hindernis
für Unternehmen, Menschen über 50 einzustellen. Er warb
deshalb in München für eine Lockerung. Zum Vorstoß
Münteferings sagte er, es sei verabredet worden, dieses Thema erst
im Herbst zu diskutieren. «Es macht im Moment wenig Sinn,
Einzelfragmente in der Öffentlichkeit zu diskutieren.» Die
Initiative gehe aber in die richtige Richtung.
Die Grünen legten ein Konzept vor, das bis zu 400 000 schwer
vermittelbare Langzeitarbeitslose in öffentlich geförderte
Arbeit bringen soll. Der Plan bündele passive und aktive
Leistungen und sei «kostenneutral», sagte die
arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer.
Münteferings Plan nannte sie eine «Mogelpackung».
Linkspartei-Vizechefin Katja Kipping warf dem Minister vor, er habe
«nur einen alten Hut frisch aufpoliert».
Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto
Kentzler, nannte als Voraussetzung für mehr Beschäftigung
älterer Arbeitnehmer die sofortige Abschaffung aller
Frühverrentungs- Regelungen und die konsequente Umsetzung der
Rente mit 67. Nur dann werde das erforderliche Umdenken - vor allem in
größeren Unternehmen - stattfinden.
Der geplante Kombilohn geht nach Ansicht von Manpower-Chef Thomas Reitz
an der Realität vorbei. «Ältere Arbeitnehmer sind
bereit, Abstriche beim Einkommen zu akzeptieren, aber
Personalentscheider geben jüngeren Bewerbern den Vorzug»,
sagte der Deutschland-Chef des Personaldienstleisters.
Subventionsmodelle brächten im Arbeitsmarkt nicht den
gewünschten Erfolg.
(Quelle: dpa)
DGB fordert mehr öffentliche Beschäftigung
Mi.19.07.06 - Angesichts der schwierigen Arbeitsmarktlage fordert der DGB einen
Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung. Zeitlich
befristete Hilfen, wie Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) sie
mit dem Kombilöhnen für Ältere plane, reichten nicht
aus, heißt es in einem Positionspapier von DGB-Vorstand Annelie
Buntenbach, das dem Berliner «Tagesspiegel»
(Mittwochsausgabe) vorliegt.
Diese «Brückenfunktion» sei in strukturschwachen
Regionen und bei Arbeitslosen mit großen Vermittlungshemmnissen
gegenwärtig «weitgehend irreal». Daher müsse ein
«ehrlicher zweiter Arbeitsmarkt» geschaffen werden.
Statt auf «kurzatmige» Ein-Euro-Jobs oder befristete
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) zu setzen, sollte der Staat
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung über mehrere
Jahre fördern, fordert der DGB. Die Kosten dafür lägen
nur unwesentlich höher. Sinnvoll seien solche Programme vor allem
für ältere oder gesundheitlich angeschlagene
Langzeitarbeitslose, bei denen eine Rückkehr in den ersten
Arbeitsmarkt sehr unwahrscheinlich sei.
Tätig werden könnten diese Menschen nach Ansicht der
DGB-Sozialexpertin insbesondere im gemeinnützigen Bereich, etwa
bei der Betreuung von Kleinkindern oder als Einkaufshilfe für
Kranke. Jedoch dürfe diese Förderung «nicht zum Alibi
für die Wirtschaft werden, sich auf Kosten der Allgemeinheit von
Mitarbeitern zu trennen». Daher schlägt Buntenbach ein
»Bonus-Malus-System" vor: Wer Ältere beschäftigt, soll
belohnt werden, wer sie ohne zwingenden Grund entlässt, muss eine
Strafe zahlen.
(Quelle: ddp)
Wohlfahrtsverbände fürchten Interessenkonflikte bei
Sozialhilfe
Mi.19.07.06 - Die Übertragung der finanziellen Verantwortung für die
Sozialhilfe behinderter Menschen vom Land auf die Kommunen kann nach
Ansicht der Wohlfahrtsverbände zu Interessenkonflikten führen.
Die kommunalen Sozialhilfeträger müssten deshalb eigene
Trägerschaften für soziale Einrichtungen und Dienste
aufgeben, forderte die Liga der Spitzenverbände der Freien
Wohlfahrtspflege am Dienstag in Potsdam.
Das Land will die finanzielle Zuständigkeit für Sozialhilfe
behinderter Menschen zum 1. Januar 2007 auf die Landkreise und
kreisfreien Städte übertragen. Das Kabinett hat bereits
entsprechende Änderungen des Ausführungsgesetzes zum
Sozialgesetzbuch XII (SGB) beschlossen, die noch vom Landtag
bestätigt werden müssen. Dem Kabinettentwurf zufolge wird das
Land den Kommunen für die Sozialhilfeleistungen 312 Millionen Euro
bereitstellen.
Ein Sprecher der Liga der Wohlfahrtsverbände betonte, ab Januar
seien die Städte und Landkreise dann selbst Träger und
zugleich Verhandlungspartner der Träger der Freien
Wohlfahrtspflege. So befänden sich unter anderem Seniorenheime und
Wohnheime für Behinderte in kommunaler Trägerschaft.
Die Wohlfahrtsverbände befürchten eine vorrangige Belegung
und finanzielle Bevorzugung kommunaler Einrichtungen. Zudem könnten
Aufträge vorwiegend an kommunale Träger vergeben werden.
Besonders kritisch werde es, wenn politisch Verantwortliche
Aufsichtsfunktionen bei Tochtergesellschaften der Kommunen wahrnehmen.
«Hier besteht die Gefahr einer Vermischung von Interessen»,
betonte der Sprecher.
Die LIGA fordert die Kommunen auf, sich konsequent aus der eigenen
Trägerschaft von sozialen Einrichtungen und Diensten
zurückzuziehen und diese in private Verantwortung zu
übergeben. Alle Erfahrungen zeigten, dass das auch wirtschaftlich
der richtige Weg für die Kommunen sei.
(Quelle: ddp)
Knobloch regt Grundgesetzänderung gegen rechte Aufmärsche an
Mi.19.07.06 - Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland,
Charlotte Knobloch, hat eine Änderung des Grundgesetzes im
Zusammenhang mit rechten Aufmärschen angeregt. «Man kann
Neonazis nicht unter dem Deckmantel der Demokratie frei herumlaufen
lassen», sagte Knobloch der «Berliner Zeitung»
(Dienstagausgabe) mit Blick auf die Demonstrationsfreiheit. Die
Machenschaften der Neonazis widersprächen der Demokratie. So weit
es notwendig sei, sollte man deshalb das Gesetz ändern. Das Ende
der 40er Jahre entstandene Grundgesetz reiche heute offensichtlich nicht
mehr aus, um sich juristisch der rechten Gefahr entgegenzustellen,
betonte Knobloch.
Die Zentralratspräsidentin forderte erneut ein Unterrichtsfach
«Entstehung des Nationalsozialismus» und stellte sich damit
gegen den Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, der
dies entschieden abgelehnt hatte. «Auf Grund der Unwissenheit der
heutigen Generation laufen wir Gefahr, dass Neonazis Zuspruch
finden», begründete Knobloch ihre Forderung.
(Quelle: ddp)