Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhunderteinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bei Gefechten und Anschlägen mindestens 28 Tote. Unbekannte
entführen im Irak 20 Angestellte. Iran signalisiert Zustimmung zu
türkischem Einsatz in Irak. US-Rechnungshof: Keine
verlässlichen Angaben über Kosten im Irak
Do.20.07.06 - Unbekannte haben im Norden von Bagdad mehr als zwanzig Mitarbeiter
einer sunnitischen Einrichtung entführt. Die Angestellten seien
nach der Arbeit auf dem Heimweg gewesen, als bewaffnete Männer
ihren Bus angehalten und sie verschleppt hätten, sagte ein
leitender Mitarbeiter der Organisation. Hinter der Entführung vom
Vortag steckten "Freischärler", sagte er und spielte damit
offenbar eine Vergeltungsaktion schiitischer Milizen an. Am Dienstag
waren mehr als fünfzig Menschen bei einem Autobombenanschlag auf
ein schiitisches Ziel in der Nähe von Nadschaf ums Leben gekommen.
Bei neuen Anschlägen und Überfällen starben am Mittwoch
mindestens 28 Menschen, unter ihnen ein irakischer Polizeigeneral. Der
Mann hatte im Innenministerium gearbeitet und war vor seinem Haus im
Westen von Bagdad erschossen worden, wie es in Sicherheitskreisen
hieß. In der Nähe der Technischen Universität in der
Innenstadt explodierte eine Autobombe und verletzte drei Polizisten.
Als Umstehende und Sicherheitskräfte am Tatort zusammenliefen,
ereigneten sich zwei weitere Explosionen, dabei starben fünf
Menschen. Die Aufständischen im Irak zünden oft mehrere
Sprengsätze auf diese Weise hintereinander, um möglichst
viele Menschen zu treffen.
In der Extremistenhochburg Mahmudija südlich von Bagdad entdeckte
die Polizei die Leichen von 18 Zivilisten, an denen Spuren von Folter
zu erkennen waren.
Iran hat seine Zustimmung zu einem möglichen türkischen
Militäreinsatz im Nordirak signalisiert. Sein Land sei bereit, den
Kampf des Nachbarn Türkei gegen Terroristen zu unterstützen,
sagte der iranische Botschafter in Ankara, Firuz Devletabadi, nach einem
Bericht der Zeitung türkischen "Zaman" vom Mittwoch. Wenn die
Türkei im Nordirak einmarschieren sollte, um dort gegen
Stützpunkte der Kurdenrebellen von der PKK vorzugehen, werde das
die iranische Regierung nicht beunruhigen, sagte der Botschafter.
Iranische Streitkräfte hatten im Frühjahr Stellungen der PKK
im Norden des Irak beschossen und damit eine Großoffensive der
türkischen Armee gegen die kurdischen Rebellen unterstützt.
Die Regierung der Vereinigten Staaten weiß nach Angaben des
US-Rechnungshofes selbst nicht, wieviel Geld der weltweite Kampf gegen
den Terrorismus sie kostet. Der US-Kongress habe seit den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 rund 430 Milliarden Dollar
für den Kampf gegen den Terror freigegeben, berichtete der
Rechnungshof am Dienstag (Ortszeit) in Washington. Darin seien die
Kosten für militärische Einsätze und für den
Wiederaufbau des Irak enthalten - aber niemand wisse, wofür das
Geld genau ausgegeben worden sei. Die Regierungsstellen verlassen sich
nach Angaben des "Gouvernment Accountability Office" (GAO) zu sehr auf
Schätzungen statt auf tatsächliche Gegebenheiten.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 20.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsiebenundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.20.07.05 - Mordanschlag auf drei Mitglieder von irakischem Verfassungsausschuss +++
13 Tote bei Überfall auf Kleinbus +++ Britische Studie: Mindestens
25.000 zivile Opfer im Irak ++++ US-Experte: Höhepunkt der Gewalt im
Irak Anfang 2006 +++ Talabani: Neue irakische Verfassung fast fertig.
Neuer Mechanismus zum Wiederaufbau des Iraks. Iran und Irak einigen +++
sich auf Austausch im Ölsektor...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Kein schnelles Ende des Libanon-Konflikts in Sicht
Immer mehr zivile Opfer bei israelischen Angriffen. Libanesische
Regierung: Eine halbe Million Menschen auf der Flucht. Weitere
Militäraktionen Israels im Gazastreifen
Do.20.07.06 - Die internationale Gemeinschaft stellt sich offenkundig auf einen
länger währenden Konflikt im Libanon ein.
Tausende Ausländer sollen in den kommenden Tagen an Bord von
Schiffen und Flugzeugen in Sicherheit gebracht werden. Die kriegerischen
Auseinandersetzungen zwischen Israel und der libanesischen
Hisbollah-Miliz hielten den achten Tag in Folge unvermindert an.
Israelische Kampfflugzeuge beschossen am Mittwoch wieder Ziele im
Süden und Osten Libanons. Außerdem überquerten kleine
Einheiten israelischer Bodentruppen die Grenze und griffen nach
Armeeangaben Stellungen der Hisbollah im Süden Libanons an, bevor
sie wieder nach Israel zurückkehrten. Nach Angaben libanesischer
Krankenhausärzte kamen gestern bei israelischen Luftangriffen 72
Menschen ums Leben, das sei die höchste Opferzahl seit Beginn der
Kampfhandlungen vor einer Woche.
Insgesamt hat die israelische Armee binnen einer Woche 310 Menschen im
Libanon getötet, darunter 280 Zivilisten und 23 Soldaten. Rund 650
Menschen wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden bislang 13
Zivilisten und zwölf Soldaten getötet.
Nach Angaben libanesischer Krankenhausärzte kamen allein gestern
bei Luftangriffen 72 Menschen ums Leben, das sei die höchste
Opferzahl seit Beginn der Kampfhandlungen vor einer Woche. In
Nordisrael starben zwei Kinder, als von der Hisbollah-Miliz aus dem
Libanon abgefeuerte Raketen einschlugen.
US-Präsident George W. Bush hat die radikale Hisbollah (Partei
Gottes) als Wurzel des Übels in dem Konflikt bezeichnet. Zugleich
warf er Syrien vor, die Gruppierung zu unterstützen, um auf diese
Weise wieder nach Libanon zurückkehren zu können. Syrische
Truppen, die sich selbst als Schutzmacht im Libanon verstanden, mussten
das Land vor einem Jahr auf Druck vieler Libanesen und der
internationalen Gemeinschaft verlassen.
Die jüngsten Luftangriffe richteten sich gegen
Hisbollah-Hochburgen in Beirut sowie im Gebiet von Schweifat vor der
Hauptstadt. In dem Dorf Srifa wurden nach Berichten von Einwohnern
mindestens zwölf Libanesen getötet, darunter viele Kinder.
Mehrere Häuser seien zerstört worden.
Die anhaltenden israelischen Luftangriffe und steigender Opferzahlen
bringen immer mehr Menschen dazu, den Libanon zu verlassen. Nach Angaben
der Regierung in Beirut sind mehr als eine halbe Million Menschen auf
der Flucht. Wer die Möglichkeit hat, setzt sich ins Ausland ab,
meist ohne Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr, denn Israels
Ministerpräsident Ehud Olmert hat ein Zeitlimit für die
Militäroffensive abgelehnt. "Wir haben keine zeitliche
Begrenzung", sagte er am Dienstag in Haifa. Auslöser der
Militäraktion war die Entführung zweier israelischer Soldaten
durch die Hisbollah, die in einer Nadelstich-Taktik schon zuvor immer
wieder Nordisrael beschossen hatte. Die Hisbollah wollte anscheinend
die Palästinenser unterstützen, die im Gaza-Streifen einen
israelischen Soldaten als Geisel festhalten.
Tausende Ausländer verlassen teils in Panik das Land. Die USA
haben neun Kriegsschiffe bereitgestellt, darunter einen
Hubschrauberträger und ein Ladungsschiff, um bis zu 8000 Amerikaner
aus dem Libanon zu holen. 2400 sollen am Mittwoch in Sicherheit
gebracht werden. Deutschland hat bereits mehrere Hundert seiner bis zu
2000 im Libanon lebenden Bürger aus dem Land geholt. Frankreich
will nach Angaben seiner Botschaft weitere 850 seiner rund 10.000
Staatsangehörigen per Schiff nach Zypern bringen. Ebenso viele
waren am Dienstag aus dem Land gebracht worden.
Großbritannien stellte sechs Schiffe zur Verfügung, um in
dieser Woche 5000 Briten aus dem Libanon heraus zu bringen. Auch
Australien, Indien, die Philippinen und Bangladesch unternehmen
große Anstrengungen, ihre Bürger aus dem Kriegsgebiet in
Sicherheit zu bringen.
Parallel zu der Offensive im Libanon geht Israel auch weiter gegen
radikale Palästinenser im Gazastreifen vor, in den die Soldaten vor
drei Wochen wieder einmarschiert sind. Am Mittwoch rückten sie mit
Panzern in das Flüchtlingslager Maghasi vor. Vier
palästinensische Kämpfer sowie zwei Zivilisten seien dabei
getötet worden, berichteten Sanitäter. Mehr als 45 Leute seien
verletzt worden, darunter zehn Kinder. Die israelische Armee teilte
mit, fünf Soldaten seien verwundet worden. Drei Palästinenser
wurden im Westjordanland bei einem israelischen Militäreinsatz in
Nablus getötet.
In den diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konflikts ist
bislang keine einheitliche Linie zu erkennen: Während
UN-Generalsekretär Kofi Annan sich für die Entsendung einer
internationalen Stabilisierungstruppe mit europäischer Beteiligung
aussprach, sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter
Steinmeier, eine solche Entscheidung sei nicht spruchreif. Frankreich
forderte eine Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der ein dauerhafter
Waffenstillstand in verlangt werden soll. Zudem solle sich der Rat
für die Freilassung entführter israelischer Soldaten und die
Auflösung aller Milizen im Libanon aussprechen.
Außerdem ist im Gespräch, dass die UN ihre Unifil-Truppen im
Südlibanon aufstocken. Details dazu seien aber noch nicht
ausgearbeitet, sagten Diplomaten. Auch libanesische Truppen sollten im
Süden des Landes stationiert werden. Sie könnten eine noch
nicht definierte Sicherheitszone kontrollieren, hieß es.
(Quellen: rtr, afp, dpa)
Mindestens 60 Tote bei Kämpfen zwischen Volksgruppen im
Südsudan
Do.20.07.06 - Bei Kämpfen rivalisierender Volksgruppen sind im Süden des
Sudan in den vergangenen Tagen mindestens 60 Menschen getötet
worden. Im Streit um Wasser- und Weideplätze hätten sich zwei
Gruppen der Dinka seit dem 11. Juli bekriegt, meldete die amtliche
Nachrichtenagentur SUNA am Dienstag. Der ehemaligen Rebellengruppe
Südsudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM), die die Region
verwaltet, sei es nach einer Woche gelungen, die Kämpfe zu beenden.
Bis Anfang 2005 war im Südsudan Bürgerkrieg. In dem 21 Jahre
dauernden Konflikt waren 1,5 Millionen Menschen getötet und vier
Millionen Menschen vertrieben worden. Ein Friedensabkommen zwischen
Khartum und der SPLA beendete die Kämpfe.
(Quelle: afp)
UNO kritisiert Ausschreitungen in Wahlkampf im Kongo
Do.20.07.06 - Die Vereinten Nationen haben Ausschreitungen während des
Wahlkampfs im Kongo verurteilt. Zwar sei der Verlauf der Kampagnen
"generell zufriedenstellend", sagte ein Sprecher der UN-Mission im
Kongo (MONUC) in der Hauptstadt Kinshasa. Zugleich seien die
zahlreichen Zwischenfälle im gesamten Land "bedauerlich". Der
Sprecher nannte unter anderem die gewaltsamen Auseinandersetzungen in
einem Stadion von Kinshasa am vergangenen Samstag. Dort hatten
Anhänger von Oscar Kashala, einem der 33
Präsidentschaftskandidaten, Jugendliche verprügelt, die zuvor
mit Steinen auf sie geworfen hatten.
Außerdem kritisierte die MONUC, dass in vielen Provinzen die
Wähler mit Geschenken zur Wahl eines bestimmten Kandidaten bewegt
würden. Teilweise würde die Vergabe von Wahlscheinen mit
Tombola-Verlosungen verknüpft, bei denen die Wähler
große Mengen an Geschenken eines bestimmten Kandidaten erhielten.
Die UNO kritisierte auch das Verbot einer Kundgebung der Opposition in
der ostkongolesischen Stadt Goma.
Es ist das erste Mal seit 45 Jahren, dass im Kongo freie Wahlen
stattfinden. Als Favorit gilt Übergangspräsident Joseph
Kabila. Eine 2000 Soldaten umfassende Truppe der Europäischen
Union soll in der Hauptstadt Kinshasa und vom nahegelegenen Gabun aus
den Urnengang mit sichern. Die Bundeswehr stellt für die Mission
780 Soldaten. Die MONUC hat außerdem mehr als 17.000 Soldaten in
dem Land.
(Quelle: afp)
EU-Kommission setzt Defizitverfahren gegen Deutschland aus
Do.20.07.06 - Die Europäische Kommission will das gegen Deutschland eingeleitete
Defizitverfahren vorerst ruhen lassen. Die Bundesregierung habe mit
ihrer Finanzplanung die Auflagen der EU-Finanzminister erfüllt, das
Haushaltsdefizit spätestens 2007 unter die zulässige
Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken, teilte
die EU-Kommission am Mittwoch mit.
Die Kommission beschloss deshalb auf Vorlage von EU-Wirtschafts- und
Währungskommissar Joaquin Almunia, den EU-Finanzministern
vorzuschlagen, das Verfahren auszusetzen. Teilen die Ressortchefs der
Mitgliedstaaten diese Einschätzung, muss Berlin zunächst keine
zusätzlichen Sparvorkehrungen ergreifen.
«Nachdem Deutschland vier Jahre gegen den Stabilitäts- und
Wachstumspakt verstoßen hat, ist Deutschland endlich auf dem Weg,
sein übermäßiges Haushaltsdefizit zu korrigieren»,
sagte Almunia in Brüssel. Er will die haushaltspolitische
Entwicklung in Deutschland allerdings weiterhin genau verfolgen.
Die Bundesregierung dürfe in ihren Anstrengungen, eine gesunde
Haushaltsstruktur zu erreichen, nicht nachlassen, mahnte der
Finanzkommissar. «Wir bleiben weiter wachsam», betonte
Almunia. Er kritisierte, dass die Bundesregierung bislang zu wenig
unternommen habe, das strukturelle Defizit abzubauen. Dies sei aber
notwendig, um mittelfristig einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Deutschland rechnet 2007 mit einem Staatsdefizit von 2,5 Prozent. Im
laufenden Jahr sollen es 3,1 Prozent sein. Almunia hält es für
möglich, dass Deutschland die Defizitgrenze bereits in diesem Jahr
wieder einhält. Damit könnte das Defizitverfahren nach vier
Jahren eingestellt werden. Deutschland bricht den Maastrichter
Referenzwert seit 2002. Eine formelle Entscheidung über die
Einstellung des Verfahrens könnte im Frühjahr 2007 fallen,
wenn die endgültigen Haushaltszahlen für 2006 vorliegen.
(Quelle: ddp)
Bundestag bekommt mehr Mitspracherecht bei EU-Angelegenheiten
Do.20.07.06 - Der Bundestag bekommt ein größeres Mitspracherecht in
Angelegenheiten der Europäischen Union. Wie Regierungssprecher
Ulrich Wilhelm am Mittwoch in Berlin mitteilte, stimmte das Kabinett
einer Vereinbarung zur Ausweitung der Informations- und
Mitwirkungsrechte des Parlaments zu.
So erhält der Bundestag das Recht auf eine Stellungnahme bereits
zu einem frühen Zeitpunkt, zudem muss die Bundesregierung
künftig dem Parlament eine Folgenabschätzung über
EU-Gesetzesvorhaben übermitteln.
Bislang konnte das Parlament erst in der letzten Phase der Gesetzgebung
aktiv werden. Künftig sollen nun die zuständigen
Bundestagsausschüsse frühzeitig und umfassend unterrichtet
werden. Wilhelm wies darauf hin, dass aber auch künftig der
Bundestag nur Empfehlungen abgeben könne, die «keine
Bindungswirkung» hätten. Aus wichtigen
außenpolitischen oder Integrationsgründen könne die
Regierung weiterhin von den Empfehlungen abweichen.
(Quelle: ddp)
Kabinett beschließt Paket zur Mittelstandsförderung
Do.20.07.06 - Das Bundeskabinett hat ein Maßnahmenpaket zur Förderung des
Mittelstands beschlossen. Nach der am Mittwoch gebilligten Initiative
sollen kleine und mittlere Betriebe leichter an Wagniskapital
herankommen sowie Förderkredite attraktiver werden.
Dazu sollen Banken und Sparkassen von der Haftung für
Förderkredite an Unternehmensgründer befreit werden. Bei
Kleinkrediten will die staatliche KfW Bankengruppe von 2007 an das
Risiko voll tragen.
«Wir haben ein Maßnahmenpaket geschnürt, das sich
sehen lassen kann», sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU).
Es sieht ferner vor, Abschreibungsmöglichkeiten zu verbessern,
Existenzgründungen zu erleichtern, die Ausbildung von
Fachkräften zu fördern sowie die Innovationskraft
mittelständischer Firmen zu stärken.
Der Mittelstand mit seinen 3,5 Millionen kleinen und mittleren
Unternehmen sowie Selbstständigen sei ein Rückgrat der
deutschen Wirtschaft. Mehr Wachstum und Beschäftigung erfolgten in
aller erster Linie über den Mittelstand, da die großen
Dax-Konzerne mehr Arbeitsplätze im Ausland schafften als in
Deutschland, sagte Glos.
Die Stimmung im Mittelstand sei so gut wie in den vergangenen 15 Jahren
nicht mehr. Der Aufschwung habe auch den am Binnenmarkt orientierten
Mittelstand erreicht. Die Konjunkturbelebung werde sich auch im
nächsten Jahr fortsetzen. Er sei trotz der Erhöhung der
Mehrwertsteuer sehr optimistisch, sagte Glos.
(Quelle: dpa)
Lafontaine kritisiert Überwachung von Abgeordneten
Do.20.07.06 - Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine kritisiert die Zustimmung der
Bundesregierung zur nachrichtendienstlichen Überwachung von
Abgeordneten. Lafontaine verurteilte am Mittwoch in Berlin, dass die
Regierung keine Bedenken gegen diese Praxis habe: «Es kann nicht
zulässig sein, dass der Verfassungsschutz frei gewählte
Abgeordnete auf Grundlage alberner und willkürlicher Gründe
beobachtet.» Es sei vielmehr Aufgabe der Abgeordneten, den
Verfassungsschutz zu beobachten, da dieser offensichtlich das
Grundgesetz nicht kenne.
So habe der Verfassungsschutz die Beobachtung der Linkspartei mehrfach
damit begründet, dass die Partei eine andere Wirtschaftsordnung
anstrebe. Im Grundgesetz sei aber keine Wirtschaftsordnung festgelegt,
argumentierte Lafontaine und fügte hinzu: «Der Kapitalismus
hat keinen Verfassungsrang.»
Auch die Mütter und Väter der Verfassung seien der
kapitalistischen Wirtschaftsordnung gegenüber überaus
kritisch eingestellt gewesen. Und das Grundsatzprogramm der SPD stelle
noch heute fest, es sei die historische Grunderfahrung der
Arbeiterbewegung, «dass Reparaturen am Kapitalismus nicht
genügen. Eine neue Ordnung von Wirtschaft ist nötig.»
Nichts anderes vertrete heute die Linkspartei.
Da nicht bekannt sei, dass die SPD überwacht werde, forderte
Lafontaine die Regierung auf, «die unsinnige Praxis des
Verfassungsschutzes unverzüglich einzustellen und die
Geheimdienste mit dem deutschen Grundgesetz vertraut zu machen.»
Die «Süddeutsche Zeitung» hatte unter Berufung auf
eine Anfrage der Grünen geschrieben, die Bundesregierung habe
keine Bedenken gegen die Überwachung von Abgeordneten durch den
Verfassungsschutz. Anlass der Anfrage waren Berichte, wonach
Links-Parlamentarier überwacht werden. So sollen Lafontaine und
dessen Stellvertreter Bodo Ramelow im Visier der Geheimdienste sein.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
US-Senat stimmt Ausweitung der Stammzellenforschung zu. Bush will
erstmals Veto einlegen
Do.20.07.06 - Der amerikanische Senat hat am Dienstag einer Ausweitung der
Stammzellenforschung mit Staatsgeldern zugestimmt. Die Vorlage wurde mit
63 zu 37 Stimmen angenommen. Sie war umstritten, weil damit in
Fruchtbarkeitskliniken übrig gebliebene Embryonen für
Forschungszwecke verwendet werden dürfen.
Das Gesetz war im Abgeordnetenhaus bereits angenommen worden.
Präsident George W. Bush ist strikt dagegen und hat sein Veto
angekündigt. Es wäre das erste Mal seit seinem Amtsantritt
2001, dass Bush ein Gesetz damit zu Fall bringt. Der Senat könnte
die Präsidenten-Entscheidung wiederum mit Zweidrittel-Mehrheit
kippen.
Nach der Vorlage sollen künftig mit staatlichen Forschungsgeldern
Experimente mit Embryonen erlaubt sein, die in Fruchtbarkeitskliniken
eingefroren sind. Dabei handelt es sich um befruchtete Eizellen von
Paaren, deren Kinderwunsch erfüllt wurde und die den Rest nicht
mehr verwenden wollen. Diese Embryonen würden ohnehin vernichtet,
argumentieren die Befürworter der Forschung.
Bush hatte dagegen am 9. August 2001 verfügt, dass die
Stammzellen-Forschung nur an solchen Embryonen staatlich gefördert
werden darf, die vor diesem Datum zur Verfügung standen. Die
Wissenschaft erhofft sich von der Stammzellenforschung Durchbrüche
bei der Bekämpfung von Alzheimer, Diabetes und anderen Krankheiten.
Die Gegner der Forschung vergleichen die Forschung an den Embryonen
dagegen mit Abtreibung und sprechen von Mord.
(Quelle: dpa)