+++ So.23.07.06, 06:50
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Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Etliche Tote bei neuen Anschlägen und Kämpfen. USA
prüfen Verlagerung von Truppen nach Bagdad. Angesichts zunehmender
Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten: Regierung gibt angeblich
politische Aussöhnung des Irak auf
So.23.07.06 - Bei neuen Anschlägen und Kämpfen sind im Irak am Samstag
binnen weniger Stunden zwölf Menschen getötet worden. Drei
Polizisten starben in Bakuba, als neben ihrem Konvoi eine Bombe
explodierte. Drei weitere Polizisten und drei Zivilisten wurden
verletzt, bestätigte die Polizei in der 60 Kilometer nördlich
von Bagdad gelegenen Stadt.
Das irakische Militär tötete am Samstag in der Nähe der
nordirakischen Großstadt Mossul drei Aufständische. Wie
Polizeikreise in Mossul bestätigten, hatten die Rebellen aus ihrem
Wagen das Feuer auf einen Armeekonvoi eröffnet. Die irakischen
Soldaten schossen zurück und töteten die Angreifer.
In Samarra, 125 Kilometer nördlich von Bagdad, schlug ein Anschlag
auf den Vorsitzenden des Stadtrates fehl. Der Selbstmordattentäter,
der zugleich einer seiner Leibwächter war, drang in das Anwesen
des Politikers ein, teilte die Polizei in Samarra mit. Andere
Leibwächter entdeckten den Eindringling und schossen auf ihn. Der
Attentäter zündete daraufhin seinen Sprengstoffgürtel.
Andere Menschen kamen nicht zu Schaden.
In der Nähe von Falludscha, 70 Kilometer westlich von Bagdad,
kamen in der Nacht zum Samstag bei einem Selbstmordanschlag fünf
irakische Polizisten ums Leben. 13 weitere Beamte erlitten bei der
Explosion der Autobombe Verletzungen, bestätigte die Polizei in
Falludscha. Der Attentäter war mit seinem Wagen vor eine
Polizeiwache südlich der Stadt gefahren. Den Wachposten rief er zu,
dass er Informationen über die Aufständischen habe. Mehrere
Beamte seien daraufhin zu seinem Wagen gegangen, worauf er die
Explosion auslöste.
Angesichts der zunehmenden Gewalt zwischen den beiden moslemischen
Religionsgruppen in Bagdad erwägen die USA eine Verlagerung von
Truppen in die irakische Hauptstadt.
Dies sei eine der Optionen, um die Sicherheit dort besser zu
gewährleisten, sagte der Kommandeur des für den Nahen Osten
zuständigen Central Command, John Abizaid, in einem am Samstag
veröffentlichten Interview der Zeitung "New York Times".
Die eskalierende Gewalt zwischen den schiitischen und sunnitischen
Bevölkerungsgruppen in Bagdad rufe mittlerweile eine
größere Besorgnis hervor als die Gewalt der Rebellen,
zitierte das Blatt Abizaid. Er gehe davon aus, dass vermutlich sowohl
irakische als auch US-Truppen zur Unterstützung der
Einsatzkräfte nach Bagdad verlegt würden. Der Zeitung zufolge
sollen dafür die Kräfte insgesamt nicht aufgestockt, sondern
an anderen Orten im Irak abgezogen werden.
Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki wird am Dienstag zu einem
Besuch bei US-Präsident George W. Bush in Washington erwartet. Die
beiden Politiker wollen darüber beraten, wie die Sicherheit in
Bagdad verbessert werden kann. Die zunehmende Gewalt zwischen Sunniten
und Schiiten hat bei vielen Irakern die Angst vor einem Bürgerkrieg
geschürt. Am Samstag kamen Vertreter der verschiedenen ethnischen
und religiösen Gruppierungen in Bagdad zur ersten Sitzung der
Kommission zur nationalen Aussöhnung zusammen.
Aus irakischen Regierungskreisen erfuhr Die Nachrichtenagentur Reuters,
dass die Regierung inoffiziell die politische Aussöhnung des Irak
angesichts der Gewalt schon aufgegeben habe. "Die Parteien sind zu Plan
B übergegangen", sagte ein Vertreter der Regierung, der anonym
bleiben wollte, da offiziell noch an der Einheit des Landes festgehalten
werde. Schiiten, Sunniten und Kurden überlegten bereits, wie die
Macht und die Ressourcen des Landes aufgeteilt werden könnten. "Es
gibt zudem ernsthafte Gespräche über eine Teilung Bagdads in
Ost und West", sagte der Politiker, der sich lange für das
Erreichen der Ziele der gegenwärtigen Regierung eingesetzt hat.
"Wir sind außerordentlich besorgt", fügte er hinzu.
(Quellen: dpa, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 23.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Afghanistan: Mindestens acht Tote bei Anschlägen in Kandahar
So.23.07.06 - Innerhalb einer Stunde haben sich in der südafghanischen Stadt
Kandahar zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und
mindestens acht Menschen mit in den Tod gerissen. Unter den Toten seien
sechs Zivilisten und zwei Soldaten der US-geführten
Koalitionstruppen, teilten die afghanischen Behörden mit. Der
erste Anschlag habe einem Konvoi der US-geführten Koalition
gegolten. Der Täter sei in einem mit Sprengstoff gefüllten
Auto in den Konvoi gerast. Etwa eine Stunde später, als die
Bergungsarbeiten in vollem Gange waren, sprengte sich ein weiterer
Selbstmordattentäter wenige Meter vom ersten Tatort entfernt in
die Luft.
Die Stadt Kandahar gilt wie der gesamte Süden Afghanistans als
Hochburg der Taliban. Die afghanischen und die US-geführten
Truppen haben in der Region Mitte Mai eine groß angelegte
Offensive gegen die Rebellen begonnen, die ihre Aktivitäten in den
vergangenen Monaten kontinuierlich verstärkt haben.
(Quelle: afp)
In Afghanistan sind die Taliban auf dem Vormarsch
Die radikalen Islamisten haben sich von ihrer Niederlage 2001 erholt
und als militärische Kraft im Süden des Landes etabliert.
Dabei wenden sie immer häufiger aus dem Irak bekannte Taktiken wie
Selbstmordanschläge an. Täglich werden Soldaten der
Nato-Friedenstruppe angegriffen... Mehr in der taz vom 25.07.06:
http://www.taz.de/pt/2006/07/25/a0144.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/07/25/a0146.1/text
Nahost-Konflikt - Keine Ende der Gewalt in Sicht
US-Präsident stellt Syrien und Iran an den Pranger.
UN-Generalsekretär Annan warnt Israel vor Invasion im Libanon -
Humanitäre Katastrophe befürchtet. Israel zieht tausende
Soldaten an Grenze zu Libanon zusammen. Hisbollah feuert weiter Raketen
auf Israel
So.23.07.06 - US-Präsident George W. Bush hat Syrien und dem Iran vorgeworfen,
einer Lösung der Libanon-Krise im Wege zu stehen. "Ihre Aktionen
bedrohen den gesamten Nahen Osten und behindern die Bemühungen
für einen andauernden Frieden in dieser Region", sagte Bush in
seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Syrien warf er vor,
Hauptfinanzier der libanesischen Hisbollah-Miliz zu sein und ihr
iranische Waffen weitergegeben zu haben. Den Iran beschuldigte er, nach
Atomwaffen zu streben und terroristische Organisationen zu
unterstützen.
Als Auslöser für den aktuellen libanesisch-israelischen
Konflikt bezeichnete Bush die Hisbollah. Er unterstrich das
Selbstverteidigungsrecht Israels, forderte die israelische Regierung
aber auf, bei ihren Angriffen "größtmögliche Vorsicht"
walten zu lassen, um Zivilisten zu schonen.
Zur Nahost-Reise seiner Chefdiplomatin Condoleezza Rice sagte Bush,
ihre Hauptaufgabe werde sein, für ein Vorgehen gegen die
Hisbollah, Syrien und Iran zu werben. Die US-Außenministerin
bricht am heutigen Sonntag zu einer Reise in die Nahost-Region auf.
Dort will sie den israelischen Regierungschef Ehud Olmert und
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas treffen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sieht derweil eine humanitäre
Katastrophe im Libanon voraus, sollte das Land jetzt von israelischen
Bodentruppen überrannt werden. Eine solche Invasion würde eine
dramatische Eskalation der ohnehin schon angespannten Lage im Nahen
Osten herbeiführen, warnte Annan.
«Bei einem Einmarsch israelischer Truppen gebe es automatisch
erhöhte Spannungen zwischen den (israelischen) Soldaten und der
Hisbollah», sagte Annan in einem Interview von «Larry King
Live». Sollten die israelischen Truppen längerfristig im
Libanon bleiben und eine Sicherheitszone einrichten, so würden sie
von Libanesen als Besetzer erachtet werden und entsprechenden Widerstand
provozieren.
Zuvor hatte der Libanon angekündigt, bei einem Einmarsch der
israelischen Armee werde die libanesische Armee sich ihr
entgegenstellen. Bisher sind keine libanesischen Soldaten in den
Konflikt involviert.
Auf die Vorstellungen der USA und der Vereinten Nationen im
Libanon-Konflikt angesprochen, erklärte Annan, die langfristigen
Ziele seien sehr ähnlich. Der Unterschied zwischen Washington und
der UN-Führung in New York liege mehr in dem unmittelbaren Ziel,
einen Stillstand der Feindseligkeiten durchzudrücken, um in Not
geratenen Libanesen schnell und unbürokratisch Hilfe zukommen zu
lassen.
Israel hat unterdessen tausende zusätzliche Soldaten mobilisiert
und so die Drohung einer möglichen Bodenoffensive gegen den
Libanon unterstrichen. Rund 3000 Reservisten wurden an der Grenze zu
dem Nachbarstaat zusammengezogen, wie aus Militärkreisen
verlautete. Beide Seiten feuerten erneut Raketen ab. Tausende
Ausländer flohen per Schiff oder Flugzeug aus dem Libanon.
Die israelische Armee ist bereits vor Tagen mit Bodentruppen auf
libanesisches Territorium vorgedrungen. Israelische Truppen besetzten
schon seit drei Tagen zwei Dörfer im Grenzgebiet, wie ein Sprecher
der UN-Mission im Libanon (UNIFIL) mitteilte. Die Israelis seien "nicht
mit einem starken Kontingent" vor Ort. Ein Armeesprecher räumte
ein, die israelischen Bodentruppen hätten in einigen Regionen des
Südlibanon ihre Aktivität verstärkt.
Bei einem Luftangriff auf den Süden des Libanon starben in der
Nacht zum Samstag mindestens zwei Zivilisten, darunter ein
elfjähriges Mädchen, wie die Polizei mitteilte. Zuvor waren
bei einem Luftangriff auf Baalbek im Osten des Landes vier Zivilisten
getötet worden. In der Stadt Tyrus starb ein Mensch bei Angriffen
der israelischen Armee.
Die schiitische Hisbollah-Miliz hat am Samstag nach Angaben von
Ärzten und Israels mindestens zehn Raketen auf Nordisrael gefeuert.
Dabei seien zehn Menschen verletzt und zwei Häuser beschädigt
worden, sagten Ärzte und die israelische Armee. Ein Haus in der
israelischen Stadt Carmiel rund 15 Kilometer von der Grenze zum Libanon
entfernt sei unmittelbar von einer Rakete getroffen worden. Dabei wurden
den Angaben nach zwei Menschen leicht verletzt.
Seit Beginn der Offensive kamen im Libanon mindestens 341 Menschen ums
Leben, davon 305 Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 33 Menschen,
davon 15 Zivilisten. Rund eine halbe Million Menschen sind nach
UN-Angaben weiter auf der Flucht. Israel zerstörte am Freitagabend
die höchste Brücke im Nahen Osten, die sich auf rund 70 Meter
hohen Pfeilern über das Bekaa-Tal spannt.
Mehr als 4200 deutsche Staatsangehörige waren bis zum Freitag aus
dem Libanon evakuiert worden. Unübersichtlich war die Lage im
Südlibanon, wo sich weiterhin Deutsche aufhielten. Laut einem
Sprecher des Bundesaußenministeriums halten sind noch 50 Deutsche
"in einer schwierigen Lage" in einem umkämpften Dorf im
Südlibanon.
(Quellen: afp, dpa, rtr)
Äthiopische Truppen angeblich in zweiter somalischer Stadt
So.23.07.06 - Nach ihrem Einmarsch am Sitz der somalischen Übergangsregierung in
Baidoa sind äthiopische Truppen in eine zweite Stadt in Somalia
eingerückt. Etwa 250 schwer bewaffnete Soldaten seien in den Ort
Wadschid zwischen der somalisch-äthiopischen Grenze und Baidoa
angekommen, berichtete Achmed Issa der Nachrichtenagentur AFP in
Mogadischu. Die Truppen seien am frühen Samstagmorgen mit 30
gepanzerten Fahrzeugen eingetroffen, sagte der Augenzeuge. Die
Behörden in dem etwa 100 Kilometer nach der Grenze gelegenen Ort in
der Region Bakol widersprachen den Berichten.
In Baidoa rückten nach Augenzeugenberichten vor einigen Tagen
äthiopische Truppen ein, um die Übergangsregierung zu
schützen, nachdem die Islamisten in der Hauptstadt Mogadischu und
in weiten Teilen des Landes im Juni die Macht übernommen hatten.
Die neuen Machthaber erklärten Äthiopien am Freitag deshalb
den "heiligen Krieg". Äthiopien und die Übergangsregierung,
die nur noch Baidoa und Teile des grenznahen Gebiets kontrolliert,
bestritten die Berichte über ein Vordringen äthiopischer
Soldaten. Die Regierung in Addis Abeba fürchtet, dass die
Islamisten ihren Einfluss auf das mehrheitlich christliche
Äthiopien ausdehnen könnten.
Somalia befindet sich seit dem Sturz der Diktatur unter Siad
Barré im Jahr 1991 im Bürgerkrieg. Nach ihrer
Machtergreifung hatten die Islamisten mit der Übergangsregierung
ein Abkommen über die Beendigung der Feindseligkeiten
unterzeichnet. Eine Entspannung blieb jedoch aus, für Mitte Juli
geplante Verhandlungen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.
(Quelle: afp)
Annan fordert 'glaubwürdige und transparente' Wahlen im Kongo
So.23.07.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat "glaubwürdige und
transparente" Wahlen im Kongo gefordert. Er habe mit Sorge Berichte
über Einschüchterung und Gewalt bei Wahlkampfveranstaltungen
aufgenommen, erklärte Annans Sprecher am Freitag in New York. Zudem
sei der Zugang zu den Medien nicht für alle Kandidaten gleich. Die
Geschichte werde diejenigen "mit Strenge richten", die versuchen
würden, die Wahlen am 30. Juli zu stören, hieß es in
der Mitteilung weiter. Er rief alle Kongolesen sowie insbesondere die
Kandidaten auf, alles für einen "offenen, freien und fairen"
Wahlprozess zu tun. Annan bekräftigte ferner das Engagement der
UNO, zu Frieden und einer demokratischen Entwicklung des Landes
beizutragen.
(Quelle: afp)
Deutschland
Erneut Kritik an der Amtsführung des Bundespräsidenten
So.23.07.06 - Die Kritik aus dem Parlament an der Amtsführung von
Bundespräsident Horst Köhler reißt nicht ab.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf ihm überzogene
Einmischung in die Politik vor.
"Es wäre besser, wenn Herr Köhler die Kritik am
Alltagsgeschäft der Bundesregierung der Opposition überlassen
würde. Er sollte sich stattdessen darauf konzentrieren, seine Rolle
als Bundespräsident besser auszufüllen", sagte sie der
Zeitung "Die Welt" vom Samstag. Künast empfahl dem Staatsoberhaupt,
sich als Vordenker zu verstehen, wie es sein verstorbener
Vorgänger Johannes Rau getan habe. Der Bundespräsident
müsse sich mit Fragen beschäftigen, "die die Gesamtheit der
Bevölkerung betreffen", gesellschaftliche Tendenzen
frühzeitig erkennen und zum Weiterdenken animieren.
Köhler war in den vergangenen Wochen mehrfach massive Kritik aus
der Opposition, aber auch aus der großen Koalition entgegen
geschlagen. Seine Aufforderungen an die Regierung, Reformen
entschlossener anzupacken, wurden verhalten aufgenommen.
(Quelle: rtr)
Der stumme Präsident
Horst Köhler kennt die Wirtschaft so gut wie kein
Bundespräsident vor ihm. Er ist Ökonom, also der Richtige, um
etwas Über das grassierende Leporello-Phänomen zu sagen.
Leporello ist, wie der Opernkenner weiß, der Diener des Don
Giovanni, der dessen Eroberungen in einer berühmten Arie preist:
In Italien 640, in Deutschland 230,100 in Frankreich, 90 in der
Türkei und in Spanien 1003 Frauen. Wenn heute die Wirtschaft
Entlassungen und Arbeitsplatzabbau verkündet, dann klingt das so
ähnlich: Bei Karmann 1250, bei Bayer-Schering 6000, bei
SiemensNokia 9000, 14 500 bei DainilerChrysler, 20 000 bei VW und bei
der Telekom 32 000. Angesichts der Gewinne, die gleichzeitig bekannt
gemacht werden, erscheint das selbst den Zeitgenossen, die mit
sozialistischem Gedankengut gar nichts am Hut haben, als
gefährliche Frivolität. Verstört und immer öfter
zornig fragen auch die Anhänger der Volksparteien nach der
sozialen Verantwortung von Unternehmen und danach, wie das eigentlich
weitergehen soll. Gut also, dass Deutschland einen
Bundespräsidenten hat, der sich gut in der Wirtschaft auskennt.
Doch diesem Bundespräsidenten ergeht es so, wie es einst dem
jungen Parzival auf der Gralsburg ergangen ist: Horst Köhler
findet das richtige Wort nicht. Seine wichtigste Rede ist eine
ungehaltene Rede, eine, auf die man wartet, die aber nicht kommt.
Köhler wird deswegen nicht verflucht, so wie dies einst dem
Parzival widerfahren ist. Aber er verschwindet mehr und mehr aus dem
öffentlichen Leben. Als er vor zwei Jahren sein Amt antrat, hat er
das Land mit einer fast ein wenig schelmischen Rede überrascht,
hat er ohne Pathos und ohne Grämlichkeit die Malaisen des Landes
aufgezählt und dabei auf die damals noch allgemein übliche
herrisch-entschlossene Reform-Rhetorik verzichtet. In dem Maß
freilich, in dem dann die Politik nach Bildung der großen
Koalition auf diese Töne verzichtet hat, hat der Präsident
sich diese wieder angewöhnt. Sein Plädoyer zu Gunsten der
"Vorfahrt für Arbeit", hat sich mittlerweile durch Wiederholung
verbraucht; es kam nichts Neues mehr hinzu.
Aus dem erfrischend konservativen Präsidenten, als der er vor zwei
Jahren antrat, wurde ein Artefakt eines gescheiterten Projekts -
nämlich der damals, bei seiner Wahl, noch geplanten Koalition aus
Union und FDP. Der Präsident hat es bisher nicht geschafft, diese
Umstände seiner politischen Geburt vergessen zu machen. Es hilft
ihm daher wenig, wenn die FDP ihn heute preist und ihn gegen Kritik aus
der SPD in Schutz nimmt. Seit zwei Jahren schaut das Land,
anfänglich mit Wohlgefallen, jetzt mit Verwunderung, dabei zu, wie
ein Bundespräsident seinen Weg sucht, ihn aber nicht findet.
Köhler tritt auf merkwürdige Art und Weise auf der Stelle. Er
verschwindet daher aus dem öffentlichen Bewusstsein, er
hinterlässt keine Spuren mehr. Das hat weniger damit zu tun, dass
Horst Köhler die Hinterlassenschaft einer nicht zustande
gekommenen schwarzgelben Koalition ist, sondern dass er es bisher nicht
geschafft hat, sich selbst zu befreien und über den Parteien zu
stehen.
Horst Köhler ist kaum mehr da, auch wenn er noch da ist. Sein
Vorgänger Johannes Rau hatte vor sieben Jahren ähnliche
Schwierigkeiten - gerade weil er ein so erfahrener Politiker war, weil
er jahrzehntelang in der Öffentlichkeit gestanden hatte, weil er
sich, auch im Urteil der Öffentlichkeit, erst aus der Politik
herausarbeiten musste. Köhler gelingt es nicht, sich
hineinzuarbeiten; er müsste über den Bankmenschen, über
den Makroökonomen in sich hinauswachsen; er hat das bisher nicht
geschafft. Er ist ein schmalspuriger Präsident geblieben.
Horst Köhlers Bequemlichkeit
Dabei hat kein Präsident vor ihm schon in seinem ersten Amtsjahr
das Rütteln an den klassisch-kleinen präsidialen Kompetenzen
so sehr zu seinem Markenzeichen gemacht wie Horst Köhler. Er
wollte herunter vom Podest des Integrators, er wollte ein
Präsident der Tat, nicht nur des Rates sein, ein Gestalter und
Reformator. Hier trat er, in Gerhard Schröders Zeiten, in
Konkurrenz zum Bundeskanzler, das machte die Sache pikant; denn das
Mobile der deutschen Verfassungsorgane ist sorgsam austariert.
Köhler schien Lust darauf zu haben, es zum Tanzen zu bringen.
Seitdem Angela Merkel mit einer großen Koalition regiert, tanzt
da nichts mehr. Köhler ist ein abgeschnittener Präsident.
Nicht Angela Merkel und nicht Franz Müntefering haben ihn
abgeschnitten. Er selber hat es getan, als er vor einem knappen Jahr
seinem eigenen Antrittsmotto nicht gerecht wurde: Offen wollte er sein,
"notfalls unbequem". Aber er ging, als er vor Jahresfrist, im Juli
2005, das Parlament auflöste und mit einer
übertrieben-dramatischen Fernsehansprache die Neuwahl anordnete,
den bequemen Weg. Diese Entscheidung war populär, sie entsprach
den Erwartungen der Parteien, dem Wunsch des damaligen Bundeskanzlers,
den Sehnsüchten der Angela Merkel, den Hoffnungen des Guido
Westerwelle. Horst Köhler war also der politischen Klasse zu
willen. Das hat sich an ihm gerächt. Er müsste nun über
seine Genese hinauswachsen. Parzival hatte eine zweite Chance. Horst
Köhler hat noch drei Jahre Zeit.
Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 05.07.2006
|
Beck warnt Union und SPD vor 'Desaster' bei nächster Wahl
So.23.07.06 - In der großen Koalition bemühen sich die Spitzen
verstärkt um ein besseres Erscheinungsbild des
Regierungsbündnisses: SPD-Chef Kurt Beck ermahnte die Partner mit
scharfen Worten zu größerer Geschlossenheit. "Wenn sich
diese Koalition als zerstrittener Haufen darstellt, der keine Probleme
löst, werden SPD und Union bei der nächsten Wahl ein Desaster
erleben", sagte Beck der "Bild am Sonntag". Auch
Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) rief die Koalition zu
mehr Geschlossenheit auf. Bei einem Spitzentreffen im Kanzleramt hatten
Union und SPD zuvor offenbar die schwierige Lage des
Regierungsbündnisses mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
erörtert.
Die Spitzen der großen Koalition führten laut Berliner
"Tagesspiegel" ein vertrauliches Gespräch zur Zukunft der
großen Koalition. Neben Merkel und Beck sei auch CSU-Chef Edmund
Stoiber am Mittwochabend im Kanzleramt dabei gewesen. Das Gespräch
habe auf Einladung Merkels stattgefunden. Anliegen der Kanzlerin sei es
gewesen, den Zusammenhalt zwischen den Koalitionspartnern zu
stärken und die Missstimmung der vergangenen Wochen
auszuräumen. Bei der Zusammenkunft ging es laut "Tagesspiegel"
auch um die wichtigsten Projekte der Koalition in den kommenden Monaten.
Beck sagte, er sei mit der Kanzlerin über das Erscheinungsbild der
großen Koalition "im Gespräch". Er hob hervor: "Wir sollten
bis zur Wahl engagiert für Deutschland arbeiten und nicht darauf
schauen, wie wir am besten aus dieser Koalition herauskommen. Sonst
werden beide Parteien verlieren, und auch die Menschen werden
verlieren." Er sei jedoch "überzeugt, dass die Koalition eine gute
Chance hat, bis 2009 zu halten".
Seehofer sagte dem "Tagesspiegel vom Sonntag": "Die Bevölkerung
hat hohe Erwartungen in die große Koalition. Wir sollten für
die Zeit, für die wir Verantwortung tragen, die Probleme dieses
Landes lösen und nichts anderes."
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) zeigte sich unterdessen offen
für eine Koalition mit den Grünen auch auf Bundesebene. "Jede
demokratische Partei ist grundsätzlich mit jeder
koalitionsfähig", sagte Kauder der "Welt am Sonntag".
(Quelle: afp)
Koalitionskontroverse um Unternehmenssteuerreform
So.23.07.06 - Im Streit um die Finanzierung der geplanten Unternehmensteuerreform
beharren Union und SPD auf ihren verschiedenen Positionen.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) betonte in der «Welt am
Sonntag»: «Fünf Milliarden Euro Entlastung sind
vereinbart. Daran haben sich alle in der Koalition zu halten.»
SPD-Parteichef Kurt Beck will dagegen die Steuerausfälle so gering
wie möglich halten. In der «Bild am Sonntag» sprach er
von maximal fünf Milliarden und betonte: «Ich werde darauf
achten, dass dieses Maximum nicht überschritten, sondern
möglichst unterschritten wird.»
Nach Berechnungen des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums
könnte die Unternehmensteuerreform für den Fiskus aber teurer
werden als geplant. In einer Analyse heißt es laut
«Spiegel», dass mit Steuerausfällen von bis zu 16
Milliarden Euro im Jahr zu rechnen sei. Die 5 Milliarden könnten
nur eingehalten werden, «wenn lediglich geringfügige
Verbesserungen für Personenunternehmen sowie eine generelle
Besteuerung von gezahlten Fremdkapitalzinsen und Zinsanteilen darin
enthalten sind», steht dem Bericht zufolge in dem Papier.
Kauder bezeichnete die SPD-Argumentation, man könne nicht Firmen
entlasten und gleichzeitig Bürger belasten, als nicht hilfreich.
«Wir entlasten die Betriebe doch nicht, damit sie mehr Geld auf
die Seite schaffen können, sondern damit sie am Standort
wettbewerbsfähig sind, investieren und bleiben, wo sie sind.»
Beck bekräftigte: «Zu den Eckpunkten, die wir in der
Koalition vereinbart haben, stehe ich ausdrücklich. Der Vorschlag,
der auf dem Tisch liegt, ist in seinen Grundzügen richtig.»
Das Bundeskabinett hatte am 12. Juli Reform-Eckpunkte beschlossen, ein
Gesetzentwurf soll bis zum Herbst vorliegen. Die Steuerlast von
Unternehmen soll von 2008 an von heute 38,7 Prozent auf 29,2 Prozent
sinken. Die zunächst erwarteten Steuerausfälle von fünf
Milliarden Euro sollen mittelfristig durch eine breitere
Bemessungsgrundlage und Konjunkturimpulse ausgeglichen werden.
Der Wirtschaftsforscher Rudolf Hickel kritisierte die Pläne. Die
Vorstellung, durch eine niedrigere Steuerlast könnte der Standort
Deutschland mit Niedrig-Lohn-Ländern um Investitionen
konkurrieren, sei naiv. «Das ist keinesfalls der große
Wurf», sagte der Leiter des Instituts für Arbeit und
Wirtschaft der Bremer Universität in einem dpa-Gespräch. Die
sinkenden Unternehmensteuern würden keine nennenswerten
Wachstumsimpulse auslösen.
Die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge leuchte ihm nicht ein,
sagte Hickel. Die Regierung mache sich falsche Hoffnungen, damit die
Kapitalflucht ins Ausland zu stoppen und Investitionen im Inland zu
steigern. Von der prinzipiell vernünftigen Miteinbeziehung von
Zinsen, Mieten, Pachten und Leasingraten in die Bemessungsgrundlage von
Körperschaft- und Gewerbesteuer müssten kleine und
angeschlagene Betriebe ausgenommen werden.
(Quelle: dpa)
Gesundheitsreform bringt weniger Einsparungen
So.23.07.06 - Die Gesundheitsreform wird den Krankenkassen womöglich weniger
Einsparungen bringen als angekündigt. Das gehe aus einem internen
Finanzpapier des Gesundheitsministeriums hervor, berichtet der
"Spiegel". Danach führen die von Union und SPD vereinbarten
Eckpunkte zur Gesundheitsreform in den kommenden drei Jahren lediglich
zu Kostensenkungen von insgesamt rund 5,3 Milliarden Euro. Nach der
Verabschiedung der Eckpunkte hatte der Verhandlungsführer der
Union, Wolfgang Zöller, noch eine mehr als doppelt so hohe Summe in
Aussicht gestellt.
Den größten Sparbeitrag erwartet Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD) dem Papier zufolge im Pharmabereich. So soll der
verschärfte Wettbewerb zwischen Kassen, Apotheken und
Arzneimittelherstellern die Kosten für Medikamente jährlich um
rund eine Milliarde Euro drücken, wie der "Spiegel" weiter
berichtet. Eine ähnliche Einsparsumme solle die Ausschreibung von
Hilfsmitteln, die Absenkung der Klinikbudgets sowie die Deckelung bei
den Fahrtkosten bringen.
Mit dem Plan, die Folgekosten von Schönheitsoperationen aus dem
Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen,
lassen sich nach den Kalkulationen des Ministeriums dagegen nur rund 60
Millionen Euro jährlich sparen, schreibt das Nachrichtenmagazin.
Zudem habe die Regierung in ihren Eckpunkten die Ausweitung zahlreicher
Leistungen beschlossen, was den Effekt der Reform zusätzlich
dämpfen werde. So würden Verbesserungen wie Eltern-Kind-Kuren
oder Rehabilitations-Maßnahmen für Ältere 2007 zusammen
rund 300 Millionen Euro erfordern. 2009 werde der Mehraufwand dafür
sogar auf knapp 600 Millionen Euro steigen.
(Quelle: afp)
SPD plädiert für zweistufiges Mindestlohnkonzept
So.23.07.06 - In der Debatte um das Koalitionskonzept für den Niedriglohnsektor
fordert die SPD-Fraktion ein zweistufiges System von Mindestlöhnen.
Danach solle der Staat überall dort, wo sich die Tarifpartner auf
branchenweite Verdienstgrenzen geeinigt haben, diese für allgemein
verbindlich erklären, sagte SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler dem
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Darüber hinaus
müsse «in jenen Segmenten des Arbeitsmarkts, in denen
tarifliche Regeln nicht greifen, ein gesetzlicher Mindestlohn
eingeführt werden».
Einen entsprechenden Vorschlag wolle er nach der Sommerpause vorlegen,
sagte Stiegler, der in den vergangenen Wochen die zuständige
Arbeitsgruppe zu dem Thema geleitet hatte. So solle verhindert werden,
dass «in einem immer größeren Teil des Arbeitsmarkts
die Löhne unter das Existenzminimum gedrückt werden».
Die Höhe des Mindestlohns soll den Plänen zufolge eine
unabhängige Kommission festlegen. In dieser sollten «beide
Tarifparteien sowie unabhängige Wissenschaftler vertreten
sein», sagte der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner dem Blatt.
(Quelle: ddp)
Neun von zehn Häftlinge haben psychische Störungen
So.23.07.06 - Neun von zehn Strafgefangenen haben einer Studie zufolge psychische
Störungen. Wissenschaftler aus Bielefeld und Aachen stellten bei
rund 88 Prozent der von ihnen untersuchten Häftlinge mindestens
eine Störung fest, etwa 83 Prozent der Gefangenen sind
behandlungsbedürftig.
Die Gruppe um Carl-Ernst von Schönfeld von der Bielefelder
Tagesklinik Bethel hatte 139 Häftlinge der Justizvollzugsanstalt in
Bielefeld-Brackwede untersucht und stellt ihre Ergebnisse im Fachblatt
«Der Nervenarzt» aus dem Springer-Wissenschaftsverlag vor.
Bisher existierten in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen keinerlei
Untersuchungen im geschlossenen Vollzug, berichtete der Verlag am
Freitag in Heidelberg.
In der Studie dominierten so genannte substanzbezogene Störungen
wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch (70 Prozent) vor
Persönlichkeits- (50 Prozent), Angst- (27 Prozent) und so genannten
Affektstörungen (17 Prozent), unter denen deutlich von der Norm
abweichende Gefühls- und Stimmungsschwankungen zusammengefasst
werden. Bei den 63 untersuchten Frauen war
Betäubungsmittelabhängigkeit mit 60 Prozent besonders
häufig, bei Männern dominierte Alkoholmissbrauch mit ebenfalls
60 Prozent.
Von Affektstörungen (23 Prozent), Angststörungen (39,7) und
den durch Realitätsverlust geprägten Psychosen (12,7) waren
Frauen stärker betroffen als Männer, bei denen der Anteil
jeweils weniger als die Hälfte betrug. Auch
Persönlichkeitsstörungen seien bei Frauen häufiger,
berichten die Forscher.
Hochgerechnet ergebe sich ein Therapiebedarf für rund 8000
Gefangene in Nordrhein-Westfalen, heißt es in der Studie weiter,
vermutlich bestehe «auch für viele andere
Bundesländer» ein dringender Handlungsbedarf. Schon in der
allgemeinen Bevölkerung sei die Versorgung bei psychischen
Störungen unzureichend, die Versorgung psychisch kranker Menschen
in Haft liege noch darunter. Die Forscher empfehlen Kooperationen mit
dem Maßregelvollzug.
(Quelle: dpa)
Software soll Flugzeugentführungen verhindern
So.23.07.06 - Eine Passagiermaschine zu kapern und umzuleiten könnte
künftig unmöglich werden. Wie das Nachrichtenmagazin
«Der Spiegel» schreibt, arbeiten rund 30 europäische
Firmen und Institute an einer Software, die führerlose Maschinen
vom Boden aus steuert und unerwünschte Richtungsänderungen
verhindert.
Beteiligt an dem Entwicklungsprogramm namens «Safee» seien
unter anderem Airbus, Siemens und die Technische Universität
München. Erste Resultate würden im Oktober in Windsor
(Großbritannien) vorgestellt.
Das «Notfallvermeidungssystem» kostet nach Angaben des
Nachrichtenmagazins 36 Millionen Euro und wird von Brüssel mit
19,5 Millionen Euro gefördert. Das System solle selbsttätig
die Kontrolle an Bord übernehmen, wenn eine audiovisuelle
Überwachung automatisch Alarm gibt sei es wegen einer
Entführung, sei es, weil Piloten plötzlich ausfallen.
Auch Computerhacker an Bord hätten keine Chance, schreibt
«Der Spiegel»: Die Maschinen sollen bei Gefahr
ausschließlich extern lenkbar sein und den nächsten
geeigneten Landeplatz anfliegen. Die neue Technik würde auch die
Debatte um den Abschuss gekidnappter Flugzeuge erübrigen.
(Quelle: dpa)