Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertfünfundfünfzigsten Tag nach Erlangung
der formellen Souveränität
Mehr als 50 Tote Tote bei Anschlägen in Bagdad und Kirkuk. USA
duldeten auch nach Abu Ghraib Gefangenen-Misshandlung im Irak
Mo.24.07.06 - Im Irak sind am Sonntag bei zwei Bombenanschlägen mehr als 50
Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden.
In der irakischen Hauptstadt Bagdad kamen bei einer Explosion
mindestens 36 Zivilisten ums Leben. 72 weitere wurden nach
Polizeiangaben verletzt. Im nördlichen Kirkuk kamen bei einer
weiteren Detonation nahe eines Justizgebäudes mindestens 15
Menschen ums Leben. Die zahlreichen Gewaltakte im Irak haben Ängste
vor einem Bürgerkrieg geschürt.
Der Sprengsatz in Bagdad detonierte in einem Auto in dem östlichen
Armenviertel Sadr-City. Die Gegend gilt als Hochburg schiitischer
Kämpfer. Die Bombenexplosion nahe einer Polizeistation und einem
Marktplatz beschädigte zahlreiche Fahrzeuge und Stände.
Überall am Tatort waren Blutlachen. Augenzeugen berichteten von
einem Selbstmordattentäter, der einen Kleinbus gefahren habe. Nach
Angaben der Polizei war die genaue Ursache der Bombenexplosion noch
unklar. Vor drei Wochen wurden bei einem Anschlag in dem schiitischen
Viertel 60 Menschen getötet.
In der Nacht auf Sonntag war es in dem Stadtteil zu heftigen
Zusammenstößen zwischen der Mehdi-Armee des radikalen
Schiiten-Anführers Moktada al-Sadr und US-geführten Truppen
gekommen, wie Polizei und Augenzeugen berichteten. Das US-Militär
teilte mit, irakische Soldaten hätten ein Gebäude im Osten der
Stadt gestürmt. Dort hätten sie zwei Männer vermutet,
die sich an "Todesschwadronen" beteiligt haben sollen. Der Begriff wird
für gewöhnlich für schiitische Milizen verwendet, die
Anhänger der sunnitischen Minderheit verfolgen, foltern und
töten. Bei dem Einsatz seien zwei irakische Geiseln befreit
worden. Acht Verdächtige seien zudem festgenommen worden, teilte
das US-Militär mit.
Irakische und US-Vertreter schätzen die religiös motivierte
Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Irak
mittlerweile als eine wesentlich größere Bedrohung für
die Stabilität des Landes ein als den Aufstand gegen die
ausländischen Soldaten.
Auch nach dem Folterskandal von Abu Ghraib sind nach Angaben von
Menschenrechtlern im Irak Gefangene in US-Haft misshandelt worden. Mit
Wissen der Armeeführung seien Iraker zwischen 2003 und 2005 schwer
geschlagen, am Schlaf gehindert oder extremen Temperaturen ausgesetzt
worden, heißt es in einem Bericht der Organisation Human Rights
Watch. Die Verantwortlichen der Armee hätten die Folter nicht nur
toleriert, sondern dazu ermuntert. Für die Studie wurden
Angehörige der US-Armee befragt.
"Den Soldaten wurde gesagt, dass die Genfer Konventionen keine
Gültigkeit hätten und bei der Befragung die Anwendung von
Gewalt zulässig sei, um Gefangene zum Sprechen zu bringen", sagte
der Autor der Studie, John Sifton. Ein US-Soldaten sagte demnach, der
Leiter seiner Einheit im Gefängnis Camp Nama am Flughafen von
Bagdad habe geradezu zur Misshandlung von Gefangenen aufgefordert: "Die
wollten, dass jeder hart angepackt wird", sagte der Befragte, der nicht
namentlich zitiert wurde.
Der 53-seitige Bericht führt etliche Beispiele an, in denen
Soldaten ihren Vorgesetzten von Misshandlungen berichteten, ohne dass
dies Konsequenzen hatte. Ein Mitglied der Militärpolizei sagte, er
habe an seinem Einsatzort in einem Gefängnis nahe El Kaim an der
syrischen Grenze einem Vorgesetzten von Folterungen berichtet. Er sei
dann aufgefordert worden, die Sache auf sich beruhen zu lassen.
Informationen über Misshandlungen seien auch bis nach Washington
weitergereicht worden, heißt es in dem Bericht.
Die Untersuchung widerlege die Behauptung der US-Regierung, dass Folter
und Misshandlung im Irak verboten war und nur in Einzelfällen
vorgekommen sei, sagte Sifton. Die Misshandlungen seien im Gegenteil
weit verbreitet und geduldet gewesen. Zudem sei nun klar, dass
Angehörige der Armeeführung für die Folter verantwortlich
seien. Bisher wurde kein ranghoher Armeeoffizier wegen der
Foltervorwürfe belangt.
Der Skandal von Abu Ghraib rückte im April 2004 ins internationale
Blickfeld, als US-Medien Fotos veröffentlichten, die amerikanische
Soldaten bei der Misshandlung irakischer Gefangener zeigten. In der
arabischen Welt wie auch im Westen lösten die Bilder einen Sturm
der Entrüstung aus.
(Quellen: rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.24.07.05 - Kurden mit Forderung nach Unabhängigkeitsreferendum gescheitert +++
Drei US-Soldaten bei Bombenanschlag nahe Bagdad getötet +++ Iraker in
US-Gewahrsam gestorben +++ Amerikanische Großmütter machen gegen
Irak-Krieg mobil...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt: Mehr als 540 Tote binnen vier Wochen
Papst fordert sofortige
Waffenruhe. Diplomaten: Israel könnte internationale Truppe
akzeptieren. USA beliefern Israel mit ferngesteuerten
Präzisionswaffen
Mo.24.07.06 - In den letzten vier Wochen sind bei Kämpfen, Anschlägen und
den kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten mehr als 540
Menschen getötet und über 1800 verletzt worden worden.
Nach libanesischen Angaben wurden bei israelischen Angriffen auf Ziele
im Libanon seit dem 12. Juli mehr als 350 Menschen getötet und mehr
als tausend verletzt. Auf israelischer Seite starben seitdem 37
Menschen, mehr als 420 erlitten Verletzungen.
Die Raketenangriffe der vom Libanon aus operierenden radikalislamischen
Hisbollah-Miliz töteten bislang 17 Zivilisten im Norden des Landes,
19 israelische Soldaten kamen bei Kämpfen ums Leben. Ein Offizier
wurde bei einer Kollision israelischer Kampfhubschrauber auf dem Weg zu
einem Einsatz getötet.
Nach der Entführung eines israelischen Soldaten durch militante
Palästinenser am 25. Juni startete die israelische Armee die
Offensive «Sommerregen» im Gazastreifen. Dabei wurden nach
Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 152
Palästinenser getötet und mehr als 400 verletzt. Bei der
Entführung waren zwei israelische Soldaten getötet worden,
während der Offensive starb ein dritter durch Schüsse seiner
eigenen Kameraden.
Papst Benedikt XVI. hat zu einem sofortigen Waffenstillstand im
Nahost-Konflikt aufgerufen. Die leidende Zivilbevölkerung im
Krisengebiet müsse humanitäre Hilfen erhalten.
Zugleich sollten so schnell wie möglich mit Unterstützung der
internationalen Gemeinschaft Verhandlungen über eine friedliche
Lösung aufgenommen werden, forderte der Kirchenführer beim
Sonntagsgebet an seinem Urlaubort Les Combes in den italienischen Alpen.
Ausdrücklich betonte der deutsche Papst die Rechte aller
Konfliktparteien in Nahost: «Ich möchte die Gelegenheit
ergreifen, um das Recht der Libanesen auf Integrität und
Souveränität ihres Landes zu betonen, das Recht der Israelis,
in Frieden in ihrem Staat zu leben, sowie das Recht der
Palästinenser auf ein freies und souveränes Land.» Der
Papst hatte für diesen Sonntag zu einem weltweiten Gebetstag
für die Menschen im Nahen Osten aufgerufen.
Die Bemühungen zur Beilegung des Konflikt zwischen Israel und
Libanon scheinen sich auf die Stationierung einer internationalen Truppe
zu konzentrieren.
Nach Angaben von Diplomaten hat Israel seine Ablehnung aufgegeben und
ist mittlerweile bereit, eine solche Truppe im Südlibanon zu
akzeptieren. Voraussetzung sei aber, dass die Truppe ein klares Mandat
habe und ausreichend stark sei, um die Hisbollah in ausreichendem
Abstand von der israelischen Grenze zu halten. Israel erwarte, dass die
europäischen Mächte dies zusicherten, sagten Diplomaten am
Sonntag. Außerdem müsse verhindert werden, dass die Hisbollah
weitere Waffen erhalte. Die libanesische Armee solle zudem mit
internationaler Hilfe beginnen, die von Iran und Syrien
unterstützte Miliz zu entwaffnen.
Minister aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten
Details einer Truppenstationierung am Sonntag mit Israel diskutieren,
hieß es. Aus der Bundesrepublik hält sich Außenminister
Frank-Walter Steinmeier in der Region auf.
Der israelische Armeerundfunk meldete, Verteidigungsminister Amir Perez
habe Steinmeier gesagt, er schließe die Stationierung einer
internationalen Truppe nicht aus, wenn sie sich gegenüber der
Hisbollah durchsetzen könne.
Diplomaten zufolge hat sich Israels Ministerpräsident Ehud Olmert
mit der Idee anfreunden können, weil Israel erkannt habe, dass es
die Hisbollah nicht vollständig zerschlagen könne, aber
Südlibanon auch nicht wieder besetzen wolle.
Dem Vernehmen nach würde Israel statt UN-Soldaten eine Nato-Truppe
vorziehen. Die in Südlibanon schon seit Jahren stationierte
UN-Truppe (Unifil) ist von Israel als gescheitertes Projekt kritisiert
worden.
Angesichts der aktuellen Spannungen im Nahen Osten haben die USA von
Israel einen Großauftrag zur umgehenden Lieferung ferngesteuerter
Präzisionswaffen erhalten. Ein Vertreter der Regierung in
Washington, der nicht namentlich genannt werden wollte, bestätigte
am Samstag (Ortszeit) einen entsprechenden Bericht der "New York Times".
Die Präzisions-Bomben gehören demnach zu einem bereits im
vergangenen Jahr vereinbarten Rüstungsgeschäft im Umfang von
einer Milliarde Dollar.
(Quellen: rtr, dpa, afp)
Acht Menschen bei Gewalt in Darfur getötet
Mo.24.07.06 - Bei Gewalt in der westsudanesischen Krisenregion Darfur sind in der
vergangenen Woche mindestens acht Menschen ums Leben gekommen, darunter
vier Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Drei Mitarbeiter einer
internationalen Nichtregierungs-Organisation (NGO) wurden am Donnerstag
getötet bei einem Angriff auf das Flüchtlingslager Hassa Hissa
im Osten von Darfur, wie die UN-Mission im Sudan (UNMIS) am Samstag
mitteilte. Zur Nationalität der Opfer wurde nichts bekannt. Bei
einem Angriff auf einen Lieferwagen wurden am Mittwoch drei Menschen
getötet und 17 weitere verletzt
(Quelle: afp)
Deutschland
Streit zwischen Regierung und Krankenkassen eskaliert
Mo.24.07.06 - Der Streit zwischen Regierung und Krankenkassen um die
Gesundheitsreform eskaliert.
Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltete sich am Wochenende in den
Konflikt ein. Sie warnte die Kassen in scharfen Worten davor,
Beitragsgelder der Versicherten für eine Kampagne gegen die
Pläne der großen Koalition zu missbrauchen. "Ich finde das
nicht in Ordnung", sagte Merkel dem ZDF. "Ich bin da sehr, sehr
entschlossen, auch gegen die, die ihre Besitzstände wahren wollen,
vorzugehen." Der Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, Hans Jürgen
Ahrens, forderte eine komplette Überarbeitung der Reform. Am
Widerstand gegen das Vorhaben halte seine Kasse trotz Androhung
rechtlicher Schritte fest. "Davon lässt sich die AOK nicht
einschüchtern", sagte er. Die Kassen können mit den Neuerungen
nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" weniger sparen als
erwartet.
Die Kassen hatten angekündigt, die Bürger mit Aktionen
darüber zu informieren, dass die Versorgung der Patienten teurer,
schlechter und unsicherer werde. Im Zuge des geplanten Gesundheitsfonds
fürchten sie um ihre Finanzhoheit. Das Gesundheitsministerium
warnte, notfalls würden Regressforderungen an die
Kassenvorstände gerichtet.
Merkel verteidigte die auch in den eigenen Reihen umstrittenen
Eckpunkte der Reform, die die Koalitionsspitzen nach monatelangem Streit
beschlossen hatten. "Der Gesundheitskompromiss wird seine Wirkung
entfalten", betonte sie. Merkel rief die Krankenkassen auf, sich lieber
um die Betroffenen zu kümmern als eine Kampagne zu starten. Die
Reform gebe denjenigen Sicherheit, die Stellen schaffen wollten. Sie
könnten über Jahre mit konstanten Kosten rechnen, was die
Versichertenbeiträge angehe.
Ahrens kritisierte besonders die drohende Bürokratie: "Das
verdoppelt die bisherigen Verwaltungskosten nahezu von 1,3 auf 2,5
Milliarden Euro", sagte der in der "Bild am Sonntag".
Auch die niedergelassenen Ärzte drohen mit Widerstand. Der
Bundesverband der Ärztegenossenschaften brachte einen Ausstieg aus
dem Gesundheitssystem ins Gespräch. "Wenn die Ärzte
geschlossen ihre Zulassung als Kassenarzt zurückgeben, wird das
viele Missstände beseitigen, unter denen wir heute leiden", sagte
Verbandschef Klaus Bittmann. Die gesetzlich Versicherten müssten
dann künftig jede Arztrechnung bei ihrer Kasse einreichen und auf
eine Übernahme der Kosten hoffen. Heftige Kritik an der Drohung der
Ärzte kam vom Sozialverband VdK. Der Chef der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, zeigte
sich aber überzeugt, dass unter den Ärzten keine Mehrheit
für einen Systemausstieg zu Stande kommen werde.
Nach den Eckpunkten der Reform bringen die Neuerungen den Kassen in den
nächsten drei Jahren Einsparungen von insgesamt nur 5,3 Milliarden
Euro, wie "Der Spiegel" unter Bezug auf ein Finanzpapier des
Gesundheitsressorts berichtete. Dies sei nicht einmal die Hälfte
der angepeilten Summe. Ministerin Ulla Schmidt (SPD) erwarte den
größten Sparerfolg im Pharmasektor. Durch mehr Wettbewerb
zwischen Kassen, Arzneimittelherstellern und den Apotheken sollten die
Kosten für Medikamente jährlich um rund eine Milliarde Euro
gedrückt werden. Den Einsparungen steht dem Bericht zufolge eine
Ausweitung vieler Leistungen gegenüber. Ein Ministeriumssprecher
betonte, die Sparwirkung der Reform werde über die Jahre anwachsen.
Deshalb könnten die für 2007 erwarteten Summen nicht einfach
hochgerechnet werden.
Verbraucherschutzminister Horst Seehofer mahnte eine strikte
Ausgabendisziplin an. Die vereinbarten Sparpotenziale müssten
knallhart umgesetzt werden, sagte der CSU-Politiker und frühere
Gesundheitsminister dem "Tagesspiegel am Sonntag". Die Umsetzung der
Reform werde eine "Herkulesaufgabe".
Die Eckpunkte sollen in den kommenden Wochen in einen Gesetzentwurf
gegossen werden. Im Herbst soll der Entwurf dann im Bundestag beraten
und verabschiedet werden.
(Quelle: rtr)
Preissteigerungen vor der Mehrwertsteuererhöhung zu erwarten
Mo.24.07.06 - Schon Wochen vor der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel
rechnet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit
Preissteigerungen.
"Überall im Handel wird das Problem gewälzt, wie man die
Steuererhöhung bereits heute einkalkuliert", sagte GfK-Chef Klaus
Wübbenhorst der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht. "Man wird
nicht bis Ende des Jahres warten: Viele Preisanpassungen werden nach
meiner Einschätzung bis September 2006 umgesetzt sein."
Die Telefonauskunft Telegate habe etwa ihre Preise bereits Anfang Juli
um 16 Prozent erhöht und explizit auf die
Mehrwertsteuererhöhung verwiesen, berichtete das Blatt. In der
Modebranche stiegen die Preise von vergleichsweise günstigen
Artikeln wie Strumpfhosen ebenfalls zum Juli an.
"Wir haben unseren Mitgliedern geraten, vor allem die Preise der Waren
mit einer niedrigen Umschlagsgeschwindigkeit schon jetzt zu
erhöhen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes
deutscher Drogisten, Michael Bastian. "Ich gehe davon aus, dass es ab
dem 1. September Aufschläge geben wird."
Nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) planen
38 Prozent von knapp 2000 befragten Unternehmen, die Preise schon dieses
Jahr heraufzusetzen. Fünf Prozent rechneten damit, die Schraube
"sehr stark" nach oben anzuziehen. Andere Firmen wollten die
höhere Abgabe entweder gar nicht oder erst 2007 auf die Kunden
abwälzen. "Wir werden die Steuererhöhung nicht weitergeben",
sagte der Chef des Otto-Versandhandels, Michael Otto. Die Modekette
C&A habe erklärt, die Kunden die höheren Sätze
voraussichtlich nicht spüren zu lassen. Karstadtquelle-Chef Thomas
Middelhoff sagte dem Blatt: "Die Verbraucher sind durch ständig
steigende Abgaben erheblich belastet." Er wolle zunächst auf seine
Zulieferer einwirken, einen Teil der Preiserhöhungen zu
übernehmen.
Die Mehrwertsteuer steigt zum 1. Januar von 16 auf 19 Prozent.
(Quelle: rtr)
Sun-Belegschaft in Deutschland soll von zu Hause aus arbeiten
Mo.24.07.06 - Der angeschlagene US-Server-Hersteller Sun Microsystems will zwei
Drittel der Belegschaft in Deutschland künftig von zu Hause aus
arbeiten lassen. Sun wolle nicht nur rund 120 von 1650 Stellen in
Deutschland streichen, berichtete das Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorab
aus seiner neuen Ausgabe. Neben der Zentrale in München sollten
auch nahezu alle Geschäftsstellen und Vertriebsbüros
geschlossen werden. Rund zwei Drittel der Belegschaft solle dann als so
genannte iWorker von zu Haus aus arbeiten. Anders als in den USA solle
dies auch zwangsweise geschehen.
Mitarbeiter, die nicht genug Platz für ein Arbeitszimmer in ihrer
Wohnung hätten oder in einer Gegend ohne DSL-Anschluss wohnten,
müssten "eben umziehen", heiße es in dem Unternehmen.
Lediglich für Besprechungen mit Kunden wolle der US-Konzern noch
Plätze einrichten. "Die muss man sich wie ein Internet-Café
vorstellen", sagte Marketingchef Donatus Schmid, der laut "Spiegel" die
Pläne bestätigte, dem Magazin. "Richtige Arbeitsplätze
gibt es da nicht." Im vergangenen Geschäftsjahr ging demnach der
Umsatz der deutschen Sun-Tochter um rund drei Prozent auf 857 Millionen
Dollar zurück.
Der US-Server-Hersteller Sun Microsystems will in den nächsten
sechs Monaten mindestens jede zehnte Stelle streichen. Wie das
Unternehmen bereits Anfang Juni im US-Bundesstaat Kalifornien mitteilte,
sollen 4000 bis 5000 Arbeitsplätze wegfallen. Das entspricht elf
bis 13 Prozent der bisher Beschäftigten. Darüber hinaus
würden ein Campus in Newark sowie geleaste Betriebsstätten in
Sunnyvale (beide Kalifornien) geschlossen. Ziel des
Maßnahmenpaketes seien Einsparungen in Höhe von
jährlich bis zu 590 Millionen US-Dollar (rund 458 Millionen Euro).
(Quelle: afp)
Deutsche Polizei hat schlechtes Image bei Türken
Mo.24.07.06 - Um das Image der Polizei bei türkischstämmigen Bürgern
in Deutschland steht es nicht zum Besten. Etwa jeder zweite von ihnen
glaubt einer Umfrage zufolge, dass Polizisten Türken für
krimineller halten als Deutsche.
Dies geht aus einer repräsentativen Befragung des Essener Zentrums
für Türkeistudien in Nordrhein-Westfalen hervor, berichtet das
Magazin «Der Spiegel». Nach unmittelbaren Erfahrungen mit
der Polizei habe sich das Bild demnach noch verschlechtert.
Gut die Hälfte der türkischstämmigen Migranten habe ein
positives Verhältnis zur Polizei. Streifen im Wohngebiet
vermittelten ihnen überwiegend ein Gefühl der Sicherheit.
Ausschlaggebend für das Verhältnis zur Polizei seien unter
anderem das Alter und die Aufenthaltsdauer der Zuwanderer. Während
die unter 30-Jährigen das geringste Vertrauen in die Polizei
hätten, stünden türkischstämmige Rentner den Beamten
am positivsten gegenüber. Die «interkulturelle
Kompetenz» der Polizei, so das Resümee von Martina Sauer als
Leiterin der Befragung, sei «verbesserungswürdig».
(Quelle: dpa)