Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident Bush und Iraks Ministerpräsident Maliki wollen
wegen katastrophaler Sicherheitslage US-Truppen in Bagdad
verstärken. Bei Anschlägen und Überfällen 30
Menschen im Irak getötet. Wieder Tote bei Fememorden
Mi.26.07.06 - Angesichts der katastrophalen Sicherheitslage in Bagdad haben
US-Präsident George W. Bush und der irakische
Ministerpräsident Nuri el Maliki die baldige Verstärkung der
US-Truppen in der Hauptstadt beschlossen. Irakische
Sicherheitskräfte und Soldaten der Koalitionstruppen sollten
gemeinsam die Wohnviertel schützen und insgesamt mehr Präsenz
zeigen, sagte Bush nach dem Gespräch in Washington. Die
US-Soldaten sollten hierfür in den kommenden Wochen aus anderen
Teilen des Landes nach Bagdad verlegt werden. Allein in der irakischen
Hauptstadt wurden am Dienstag erneut zehn Zivilisten bei
Anschlägen und Überfällen getötet.
Die Lage in Bagdad sei "zweifellos schwierig", sagte Bush. Maliki und
US-General George Casey, Kommandeur der multinationalen Truppen im
Irak, hätten sich auf die Entsendung von zusätzlichen
US-Truppen und von irakischen Sicherheitskräften nach Bagdad
geeinigt. "Unsere Militärkommandeure sagen, dass diese
Umstrukturierung die derzeitigen Bedingungen vor Ort im Irak besser
widerspiegeln", räumte Bush ein. Die irakische und die
US-Regierung hatten am Montag erklärt, ihr vor sechs Wochen
verkündeter Sicherheitsplan für die irakische Hauptstadt sei
gescheitert.
Es war der erste Besuch Malikis in Washington seit seinem Amtsantritt
im Mai. Bush sprach von einem "historischen Moment" und einem "sehr
konstruktiven" Treffen. Am 14. Juni war in Bagdad ein gemeinsamer
Sicherheitsplan der US-Armee und der irakischen Sicherheitskräfte
gestartet worden; fast 50.000 irakische Polizisten und rund 7000
US-Soldaten patrouillierten seither in den Straßen. Dennoch
nahmen die Gewaltakte in den vergangenen Wochen zu.
Bei Anschlägen und Überfällen wurden am Dienstag 30
Menschen im Irak getötet. Bei einem Angriff auf einen
Polizeiposten in Dudschail rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad
wurden fünf Polizisten getötet. Im Zentrum von Bagdad wurden
bei einem Feuergefecht mit Aufständischen sechs Polizisten
getötet und 30 weitere verletzt. Bei weiteren Vorfällen kamen
in der Hauptstadt insgesamt zehn Zivilisten ums Leben.
Der Vorsitzende der größten Schiiten-Partei SCIRI, Abdel
Asis Hakim, kündigte die Einrichtung von Nachbarschaftsmilizen an.
Die Schiitenviertel sollten von den jungen schiitischen Bewohnern
kontrolliert werden und die Sunnitenviertel von ihren eigenen
Anwohnern, sagte er der "Washington Post".
Die Serie von Fememorden im Irak reißt nicht ab. Unbekannte
Bewaffnete entführten in der Nähe der nordirakischen Stadt
Bakuba fünf Landarbeiter, folterten und erschossen sie. In Kerbela
wurden zwei Männer ermordet.
(Quellen: afp, dpa)
Bomben, Tote, Zivilisten auf der Flucht, ein drohender
Bürgerkrieg...
All das ist nicht nur im Libanon zu beobachten. Im Schatten des neuen
Nahost-Konflikts sterben im Irak täglich Menschen. Die USA sind mit
ihren Bemühungen um eine Entwaffnung der Terroristen gescheitert,
die Regierung in Bagdad steht machtlos da. Am Dienstag suchte Premier
Nuri al-Maliki in Washington nach einem Ausweg aus der Krise.
Neue Phase des Rachekriegs
Für die Sunnuten im Irak wird der Aufstand gegen die USA immer
mehr zum Kampf gegen Ungläubige
Der Irak ist, bezogen auf die Einwohnerzahl, fünf Mal so
groß wie der Libanon - was wahrscheinlich auch für das
Konfliktpotenzial gilt. Auch der "Krieg von niedriger Intensität' -
so der Strategen-Jargon - ist im Zweistromland für die
unbeteiligte Bevölkerung um ein Vielfaches verlustreicher als der
ungleiche Waffengang zwischen libanesischer Hisbollah und Israelis.
Dennoch machen die aktuellen Ereignisse im Libanon die täglichen
Massaker Unter Irakern wie die Kollateralschäden amerikanischer
Militärschläge schon fast zum vergessenen Krieg. Und noch eine
Parallele gibt es: In beiden Ländern ist die Stellung der Schiiten
bestimmend für die Zukunft - als relative Mehrheit im Libanon oder
als absolute Mehrheit im Irak.
Für das Verständnis der sunnitischen Araber des Irak ist der
Aufstand gegen die Besatzer mit zunehmender Verschärfung immer mehr
zum Dschihad gegen die Beherrschung durch Ungläubige geworden.
Dagegen haben sich die Schiiten insgesamt an die Linie ihrer
wichtigsten Autorität, des Gross-Ayatollahs Ali al-Sistani,
gehalten. Auch er sieht die ungläubigen Eindringlinge als
Bedrohung, hält ihre Anwesenheit aber für vorübergehend.
Deshalb bestehe kein Gründ ihnen bewaffneten Widerstand zu leisten,
so lange ihre Präsenz mit gewissen Vorteil verbunden sei.
Verachtete Unterschicht
Der wichtigste dieser Vorteile ist das Ende der jahrhundertelangen
sunnitischen Vorherrschaft über die schiitischen Landsleute, erst
im Osmanischen Reich durch den Sultan-Kalifen in Istanbul ' dann durch
das von den Briten errichtete halbkoloniale Regime in Bagdad,
schließlich durch die national-arabische Baath-Partei und den
Diktator Saddam Hussein. Dieser Sunniten-Hegemonie haben die Amerikaner
durch ihren Krieg ein Ende bereitet.
Bei allen Wahlen haben seitdem die Iraker nach konfessioneller
Zugehörigkeit gestimmt, in Kurdistan nach ethnischen
Gesichtspunkten. Dies brachte den mindestens 60 Prozent Schiiten eine
zuverlässige Mehrheit in den nationalen Institutionen ein. Die
Amerikaner hätten Krieg geführt, um im Irak letztlich eine
islamische Republik zu errichten, formulierte es eine Mitarbeiterin des
früheren US-Außenministers Colin Powell.
Für die sunnitischen Herrn waren die Schiiten eine verachtete,
vernachlässigte und arme Unterschicht. Mit ihren geistlichen
Seminaren in Nadschaf und Kerbela waren sie zwar das Zentrum der
schiitischen Diaspora an der Levante, im Jemen, am Golf und auf dem
indischen Subkontinent, lange bevor es die Islamische Republik Iran gab.
Im Staat und in der Armee, dem wichtigsten Machtorgan, hatten sie
jedoch nichts zu sagen. Was lange nur Diskriminierung auf allen Gebieten
war, wurde unter Saddam zur brutalen Unterdrückung. Seitdem
Amerikas Präsident Bush senior nach Saddams Niderlage im ersten
Gölfkrieg 1991 die Schiiten zur Rebellion aufrief, dann aber,
nichts tat, um sie vor der Rache des Diktators militärisch zu
schützen, trauen die schiitischen Iraker den USA nicht mehr. Es
herrscht nur abwartende Ruhe.
Der erst 33-jährige Muktada al-Sadr, einer der
Schiiten-Führer hält diese nur zeitweilig ein. In diesem Monat
haben US-Truppen eine seiner Bastionen in dem Schiiten-Viertel Mgdinat
Sadr in Bagdad angegriffen, was den Burgfrieden zwischen dieser
Religionsgerneinschaft und den Arrierikanern der Zerreißprobe nahe
bringen könnte. Muktada al-Sadr strebt eine Allianz an zwischen
Schiiten und Sunniten auf Grundlage der Forderung nach sofortigem Abzug
der Besatzer.
Ruchlose Vertreibungen
Doch die Chancen dafür dind derzeit besonders schlecht. Mit dem
Attentat von Sunniten auf die den Schiiten heilige AlAskarijeh-Moschee
in Samara hat im Frühling eine neue Phase des interkonfessionellen
Rachekriegs begonnen. Sunnitisehe Extremisten fahren Sprengstoffautos in
Schiiten-Viertel, urn dort eine möglichst große Zahl von
Menschen umzubringen. Schiitische Milizen aller Art oder Sondereinheiten
des schiitisch geleiteten Innenministeriums verüben Rache, indem
sie wahllos und scharenweise Sunniten ermorden. Die Ruchlosigkeit der
Repressalien nimmt unbeschreibliche Formen an. Und dort, wo beide
Konfessionen bislang zusammenlebten, hat ethnische Säuberung
eingesetzt.
Am ratlosesten sind angesichts dieser Lage die Amerikaner, Nach der
Besetzung ihrer Teheraner Botschaft im Jahr 1979 galt für sie die
Binsenweisheit: "Schiiten schlecht, Sunniten gut". Nach dem 11.
September hieß es dann: "Sunniten schlecht, Schiiten gut".
Inzwischen sind beide schlecht - mehr oder weniger.
Süddeutsche Zeitung vom 26.07.2006
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 26.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertdreiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt:
Israels Ministerpräsident Olmert kündigt Fortsetzung des
Kriegs gegen Hisbollah an. Human Rights Watch wirft Israel Einsatz von
Streumunition vor
Mi.26.07.06 - Ungeachtet aller Bemühungen um eine Friedenslösung im Nahen
Osten hat Israel die Entschlossenheit bekräftigt, den Krieg gegen
die Hisbollah fortzusetzen.
"Wir müssen den Kampf gegen die Hisbollah weiter führen",
sagte Ministerpräsident Ehud Olmert vor einem Treffen mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice am Dienstag in Jerusalem. Die
israelischen Streitkräfte setzten am 14. Tag des Krieges ihre
Bodenoffensive und die Luftangriffe fort. Bei einem Angriff der
Luftwaffe auf ein Dorf in Südlibanon wurde libanesischen
Sicherheitskreisen zufolge eine siebenköpfige Familie getötet.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Israel den
Einsatz von Streumunition vor.
Rice bemüht sich bei ihrem Besuch in der Region um eine dauerhafte
Lösung des Konflikts und Erleichterungen für die leidende
Zivilbevölkerung, deren Lage nach Berichten von Flüchtlingen
immer kritischer wird. Zur Linderung der Not fordern die Vereinten
Nationen (UN) eine Soforthilfe von 150 Millionen Dollar. Rice sagte zum
Auftakt des Treffens mit Olmert, die Zeit sei reif für einen "neuen
Nahen Osten". Eine dauerhafte Lösung sei eine, die die Kräfte
von Frieden und Demokratie stärke. "Jenen, die einen neuen Nahen
Osten nicht wollen, muss jetzt gesagt werden, dass wir gewinnen
werden", erklärte die US-Außenministerin. Olmert
bekräftigte, dass Israel sein Recht auf Selbstverteidigung
wahrnehme. Im Norden Israels sei das öffentliche Leben für die
eine Million Bewohner in Folge der Raketenangriffe der Hisbollah zum
Erliegen gekommen.
Olmert ergänzte, Israel sei sich der Lage der libanesischen
Zivilbevölkerung sehr bewusst. Die USA unterstützen die
Bildung eines Korridors, durch den Zivilisten versorgt werden
können. Israel hat erklärt, sich mit diesem Gedanken
anfreunden zu können. Nach Schätzungen der libanesischen
Regierung sind eine halbe Million Menschen auf der Flucht. Strittig ist
allerdings die Abfolge für einen Waffenstillstand. Viele
libanesische Politiker fordern eine sofortige Waffenruhe. Israel dagegen
verlangt zunächst den Abzug der Hisbollah aus dem Grenzgebiet und
die Freilassung zweier von der radikalen Schiiten-Miliz verschleppten
Soldaten. Die Hisbollah will im Austausch gegen die am 12. Juli
entführten Soldaten die Freilassung von Kämpfern aus
israelischer Haft erreichen.
Die Bemühungen um einen Waffenstillstand, der von einer
internationalen Truppe abgesichert werden soll, beschäftigen am
heutigen Mittwoch eine internationale Konferenz, zu der Rice in Rom
erwartet wird. Die US-Außenministerin wollte am Dienstag auch mit
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprechen. Seit Beginn der
Kämpfe sind mehr als 400 Libanesen und 41 Israelis ums Leben
gekommen.
Im Südlibanon setzten die israelischen Streitkräfte ihren
Vormarsch fort. Besonders umkämpft war die Ortschaft Bint Dschbeil,
die als Hochburg der Hisbollah gilt. Ein Armeesprecher sagte, Panzer
und Infanterie hätten die Stadt umstellt. Dutzende
Hisbollah-Kämpfer seien getötet oder verwundet worden. Es gebe
vereinzelte Feuergefechte. In der vergangenen Woche hatten Soldaten die
Hisbollah-Hochburg Marun al-Ras erobert. Die Hisbollah wiederum setzte
die Raketenangriffe auf die israelische Stadt Haifa fort.
Sanitätern zufolge wurden mindestens fünf Menschen verletzt.
Die Organisation Human Rights Watch erklärte, ihr lägen Fotos
vor, auf denen so genannte Cluster-Munition zu sehen sei, die die
israelische Artillerie an der Grenze zum Libanon gelagert habe.
Vergangenen Mittwoch sei beim Angriff auf das Dorf Blida diese
Streumunition abgefeuert worden. Ein Mensch starb, mindestens zwölf
Zivilisten wurden verletzt. Der Einsatz von Streumunition sei besonders
in bewohnten Gebieten inakzeptabel, da ihre Wirkung nicht genau
kontrollierbar sei, sagte Human-Rights-Watch-Direktor Kenneth Roth.
"Israel muss sofort damit aufhören, Streubomben im Libanon zu
verwenden", forderte Roth. Streugranaten hinterlassen häufig
zahlreiche Blindgänger, die Jahre später noch explodieren
können. Das israelische Militär erklärte, der Gebrauch
von Streumunition sei gemäß Völkerrecht legal. Der
Vorfall, auf den sich die Menschenrechtsorganisation beziehe, werde
geprüft.
(Quelle: rtr)
US-Außenministerin Rice stößt bei Besuch in der
Nahost-Krisenregion auf unvereinbare Standpunkte
Mi.26.07.06 - Zwei Wochen nach Beginn der blutigen Eskalation im Konflikt zwischen
Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz gewinnen diplomatischen
Bemühungen international an Fahrt.
Doch die Forderungen der verfeindeten Seiten für eine Beendigung
des kriegerischen Konfliktes sind derzeit unvereinbar, wie sich bei der
ersten Gesprächsrunde von US-Außenministerin Condoleezza
Rice in der Krisenregion gezeigt hat.
Über die mögliche Aufstellung einer multinationalen
Friedenstruppe wird zwar schon gesprochen. Bedingungen für eine
Entsendung existieren aber nicht.
«Diplomatie: viel Gerede, keine Taten», titelte die Zeitung
«Daily Star» (Beirut) am Dienstag nach dem Besuch von Rice
und einen Tag vor der in Rom geplanten internationalen Konferenz zur
Lage im Libanon. Rice, die sich in den Tagen zuvor mehrfach gegen einen
falschen Frieden - einen Waffenstillstand ohne Erfüllung mehrerer
Bedingungen durch die Hisbollah - ausgesprochen hatte, stieß in
Beirut auf Ablehnung. Am Dienstag, in Ramallah, spricht sie von einem
«dringlichen Waffenstillstand», der aber einen
«tragfähigen Frieden» ermöglichen müsse.
«Der Ton des Gesprächs war sehr negativ. Über einen
Gefangenenaustausch wollte sie nicht einmal reden», heißt
es nach einem Treffen am Vortag aus dem Umfeld des libanesischen
Parlamentspräsidenten Nabih Berri, eines Schiiten. «Es gab
keine Übereinkunft, weil die US-Vertreterin eine umfassende
Lösung vor einer Waffenruhe will. Wir wollen vor allen weiteren
Schritten eine Waffenruhe.»
Eine solche Abfolge kommt für Israel nicht in Frage. Die
Freilassung von zwei verschleppten israelischen Soldaten, die
Entwaffnung der Hisbollah und eine Stationierung der regulären
libanesischen Armee an der gemeinsamen Grenze seien die
Grundprinzipien, sagte die israelische Außenministerin Zipi Liwni
bei einem Treffen mit Rice. «Wir werden und können nicht
weniger als einen Erfolg akzeptieren», bekräftigte sie.
In Israel wird zudem schon jetzt erwartet, dass Hisbollah ein Ende der
israelischen Militäroffensive als Triumph der eigenen Stärke
darstellen wird. «Alles unterhalb einer kompletten Niederlage
kann die Organisation als Sieg darstellen», sagt der israelische
Politikwissenschaftler Barry Rubin. Eine Zerstörung der Hisbollah
sei aber kein realistisches Ziel der israelischen Offensive.
«Wir bekämpfen die Hisbollah im libanesischen Zusammenhang,
aber sie ist auch ein Sendbote Irans. Deswegen wird jede
Übereinkunft, in der Syrien und der Iran keine Partner sind, nicht
lange Bestand haben», schreibt der israelische
Terrorismus-Forscher Reuven Ehrlich am Dienstag. Auch er warnt sein
Land davor, zu hohe Erwartungen an den Ausgang des militärischen
und diplomatischen Vorgehens zu haben.
Ein Kommentator der Tageszeitung «Maariv» charakterisiert
die Lage insgesamt als kompliziert und verfahren. «Der
israelischen Armee wurde ein unerfüllbarer Auftrag gegeben, eine
asymmetrische Konfrontation mit einer wenig greifbaren
Terrororganisation. Um zu gewinnen, müsste die Armee den Libanon
erobern, von Haus zu Haus gehen, die Terrorristen einen nach dem
anderen aus ihren Verstecken holen», schreibt er. «Das wird
nicht passieren.»
(Quelle: dpa)
Das Kalkül der Hisbollah
Der Krieg im Libanon geht in die dritte Woche. Inzwischen ist fast
allen klar, dass Israels Vorgehen "vollkommen
unverhältnismäßig" ist und einen Verstoß gegen
das humanitäre Völkerrecht darstellt, wie dies UN-Koordinator
Jan Egeland offen gesagt hat. Selbiges gilt für die Hisbollah: Die
Raketen der radikalislamischen Miliz treffen keine israelischen Panzer,
sie schlagen in Wohngebiete ein. Was Israels Strategen Anlass und
Vorwand gibt, die Dörfer des Südlibanon in Schutt und Asche
zu legen.
Beide Seiten verstoßen also gegen das internationale Recht. Da
sich in den Kartentaschen von Kriege führenden Militärs oder
von Untergrundkämpfern selten eine Handausgabe des
Kriegsvölkerrechts findet, kann man kaum mehr tun, als die
Verstöße erbittert anzuklagen. Politisch wichtiger hingegen
ist: Was wollen und was können die Krieg führenden Parteien
in diesem Konflikt erreichen?
Israels Ziele scheinen klar zu sein. Die Hisbollah muss in die relative
militärische Bedeutungslosigkeit gebombt werden, damit sie Israel
nicht länger mit Raketen angreifen kann; die ideologische und
militärisch-polltische Achse von Teheran über Damaskus und
die Hisbollah bis zu den Hamas-Palästinensern muss gebrochen
werden; das durch die Hisbollah-Raketenangriffe auf israelische
Städte beschädigte Vertrauen der Bürger in ihre
angeblich unschlagbare Armee muss wieder hergestellt werden. Das ist
eine Messlatte, die hoch hängt.
Die Hisbollah hat es einfacher. Islamisten-Chef Hassan Nasrallah
braucht diesen Krieg nicht gewinnen. Ihm reicht es, wenn er ihn nicht
verliert. Solange seine Kämpfer bis zum Ende durchhalten und nicht
vollständig vernichtet werden, hat er sein Ziel erreicht. Dann
kann die islamistische Miliz sich - in Umkehrung des israelischen
Gründungsmythos als der arabische David darstellen, der dem
Militär-Goliath Israel erfolgreich die Stirn geboten hat. Dann
kann Nasrallah vor seinen Anhängern rechtfertigen, dass sie
für diesen Sieg teuer bezahlt haben: mit ihrem Leben, ihrem
Besitz, ihrer zerstörten Heimat.
Nasrallah wäre der Held der "arabischen Straße". Der
libanesische Schiitenführer könnte der Mann werden, der einer
in den letzten Jahren sich dramatisch radikalisierenden islamischen
Welt gezeigt hat, dass ein Volk"seine Würde" bewahren kann. Das
ist genau die politische PR, die die Masse der Muslime vom Maghreb bis
hinauf nach Afghanistan und hinunter nach Indonesien erreicht: Nach
allem, was in Afghanistan, im Irak und den Palästinensergebieten
Muslimen angetan wird, bietet ein Muslim der "amerikanisch-israelischen
Achse des Bösen" die Stirn. Das wäre kaum das, was Israel mit seinem
Vorgehen gegen die Hisbollah eigentlich beabsichtigt.
Noch ist dieser Krieg nicht entschieden. Vielleicht gelingt es der
israelischen Luftwaffe, Nasrallah in seinem Bunkerversteck
auszuschalten. Ohne ihn wäre die Lage eine andere.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es keinen raschen militärischen
Erfolg gibt. Nasrallah scheint gut geschützt zu sein, und die
Hisbollah ist gut gewappnet. Ihre Milizionäre kämpfen auf
heimatlichem Territorium, sie haben sich in den Berg- und
Hügelketten des Südlibanon und der Bekaa-Ebene eingegraben.
Sie warten darauf, Israels Truppen in verlustreiche Kämpfe
verwickeln zu können. Um diese Miliz zu schlagen, bedarf es der
Bereitschaft zu jenem Bodenkrieg, den Israel offenbar nicht führen
will.
Gleichzeitig wird der internationale Druck auf die israelische
Regierung wegen des humanitären Desasters täglich
größer. Über Wochen kann Israel den Luftkrieg in dieser
Form deshalb nicht mehr führen. Die diplomatischen Bemühungen
laufen daher an, auch wenn sie noch sehr einseitig wirken. Was die USA
zum Auftakt vorgeschlagen haben, ist die Kapitulation der Hisbollah zu
einem 'Zeitpunkt, zu dem alles offen ist: Freilassung der gefangenen
israelischen Soldaten, Einrichtung einer Sicherheitszone, Entwaffnung
der Hisbollah.
Das ist weniger ein Verhandlungsangebot als der Versuch, Zeit zu
gewinnen für die israelische Militäraktion. Doch der
Hisbollah-Chef hält Washington ohnehin nicht für einen
"ehrlichen Makler": Während Außenministerin Condoleezza Rice
ihre Mission beginnt, will die US-Armee den Israelis Spezialbomben
für die Jagd auf den Hisbollah-Chef liefern.
Am Ende ist eine diplomatische Lösung des Hisbollah-Problems nur
zu erreichen, wenn Israel und die USA einen Deal mit den
Ziehvätern der IslamistenMiliz machen: Mit Syrien und Iran. Damit
diese zutiefst anti-amerikanisch und anti-israelisch eingestellten
Regierungen jedoch die Hisbollah an den Zügel nehmen oder gar
"verkaufen" auf dem nahöstlichen politischen Basar, brauchen sie
sehr starke Anreize.
Lockungen gäbe es: Der Atonikonflikt mit Iran, der Sanktionsdruck
gegen Syrien, die internationalen Ermittlungen im Mordfall Hariri, die
von Israel besetzten syrischen Golanhöhen - ein Streit, bei dem
sich seit langem nichts bewegt. So, wie es aussieht, ist eine
militärische Lösung im jüngsten Libanon-Krieg vorerst
schwer absehbar, eine diplomatische ein gutes Stück entfernt - und
die von Israel und den USA gewünschte Niederlage der Hisbollah
alles andere als sicher.
Tomas Avenarius in der Süddeutschen Zeitung vom 26.07.06
|
Deutscher Rechtsexperte: Israels Angriffe verstoßen gegen
Völkerrecht
Mi.26.07.06 - Die israelischen Angriffe auf den Beiruter Flughafen und große
Teile der libanesischen Hauptstadt verstoßen nach Ansicht der
Berliner Rechtsprofessors Christian Tomuschat gegen das
Völkerrecht. «Eine Grundregel des Kriegsrechts lautet: Es
dürfen nur militärische Ziele angegriffen werden», sagte
Tomuschat dem «Mannheimer Morgen» (Dienstagausgabe). Bei
dem Flughafen und den südlichen Stadtteilen Beiruts handele es
sich jedoch um zivile Objekte. «So weit das aus der Ferne zu
beurteilen ist, gehen von dort keine Kriegshandlungen gegen Israel
aus», sagte Tomuschat. «Die israelischen Angriffe stehen in
klarem Widerspruch zur völkerrechtlichen Norm.»
Das Völkerrecht gestehe es Israel jedoch zu, sich gegen
Hisbollah-Angriffe aus dem Südlibanon zu verteidigen, auch wenn die
Schiiten-Miliz Zivilisten zur Tarnung missbrauche. «Ist in einem
Dorf eine Abschussrampe für Raketen verborgen, dann darf der
Angegriffene das Dorf unter Beschuss nehmen, selbst wenn es dabei zivile
Opfer gibt», sagte Tomuschat. «Sonst könnte sich ein
Staat ja nicht gegen Angriffe wehren.» Allerdings müsse
Israel den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren.
(Quelle: ddp)
Medienwissenschaftler kritisiert Nahost-Berichterstattung
Mi.26.07.06 - Der Berliner Medienwissenschaftler Wolfgang Mühl-Benninghaus hat
die Berichterstattung über den Nahost-Konflikt kritisiert. Die
Ursachen und Auswirkungen der Kämpfe zwischen Israel, der Hisbollah
und der Hamas würden insbesondere von den Fernsehsendern
«nicht ausreichend reflektiert», sagte Mühl-Benninghaus
am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur ddp in Berlin.
Problematisch sei vor allem die «Suche nach dem stärksten
Bild».
Auf Grund der Kürze der Berichte würden bestimmte
Sachverhalte und Hintergrundinformationen «nicht
ausreichend» wiedergegeben, kritisierte der Medienexperte.
Grundsätzlich gehe in der Kriegsberichterstattung «die
Wahrheit immer als erstes verloren». Jede Konfliktpartei versuche,
Bilder von Opfern und von Zerstörung «für sich zu
instrumentalisieren».
(Quelle: ddp)
Gewaltsame Demonstration gegen Wahlen im Kongo
Mi.26.07.06 - Rund 500 Menschen haben im Kongo gewaltsam gegen die ersten
demokratischen Wahlen am Sonntag protestiert. Die Anhänger der von
Etienne Tshisekedi geführten größten Oppositionspartei
UDPS warfen in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa Brandsätze
und Steine gegen Polizisten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Sie
verbrannten außerdem Plakate und Spruchbänder anderer
Parteien. Die UDPS boykottiert die Wahlen. Auch ausländische
Journalisten wurden angegriffen.
Nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte, zündeten
einige Demonstranten Autos an und versuchten Barrikaden zu errichten.
Nach mehr als zwei Stunden hatte die Polizei mit Unterstützung der
Präsidentengarde die Lage wieder unter Kontrolle.
(Quelle: afp)
Soja-Industrie schließt Kompromiss mit Umweltschützern in
Brasilien
Mi.26.07.06 - Im Kampf um die Erhaltung des brasilianischen Regenwaldes haben
Umweltschützer der Agrarindustrie ein wichtiges Zugeständnis
abgerungen: Die Soja-Exporteure verpflichteten sich jetzt dazu, zwei
Jahre lang keine Ware zu vertreiben, die aus kürzlich abgeholzten
Flächen im Amazonasgebiet stammt. Wie der Brasilianische Verband
der Pflanzenölindustrie und die Nationale Vereinigung der
Getreideexporteure am Montag (Ortszeit) mitteilte, soll das Moratorium
ab Oktober gelten. Es betrifft alle Gebiete, die seit diesem Montag
abgeholzt werden.
(Quelle: afp)
Deutschland
Produktionswachstum in Ostdeutschland bleibt weiter zurück
Mi.26.07.06 - Der Aufholprozess der ostdeutschen Länder kommt kaum voran: In
diesem und im kommenden Jahr seien die Produktionsaussichten zwar
besser als 2005, die Wachstumsraten im Osten werden aber weiter hinter
denen im Westen zurückbleiben. Zu diesem Ergenbnis kommt das
Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in seiner am
Dienstag veröffentlichten Konjunkturprognose. Auch eine Wende am
Arbeitsmarkt sei nicht in Sicht. Auch von den vorgezogenen Käufen
an hochwertigen Waren im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung im
nächsten Jahr wird die ostdeutsche Wirtschaft nach
Einschätzung der Experten nur wenig profitieren.
Während 2005 in den westdeutschen Bundesländern der
konjunkturelle Aufschwung einsetzte, stagnierte laut IWH die
gesamtwirtschaftliche Produktivität im Osten. Damit wurde die drei
Jahre anhaltende Phase des schnelleren Produktionswachstums als im
Westen vorläufig beendet. Zugleich ging die Beschäftigung im
Osten weiter zurück. Die Forscher machten dafür
maßgeblich altbekannte Strukturschwächen verantwortlich, die
sich im vergangenen Jahr besonders stark auswirkten. So lief die
Beseitigung der Flutschäden aus, die bis 2004 für
zusätzliche Aufträge in der Bauindustrie gesorgt hatte.
Danach folgte aber ein kräftiger Rückgang bei den
Investitionen. 2005 brach die Bauproduktion um mehr als neun Prozent
ein.
Auch im laufendne Jahr wirken sich die Strukturschwächen laut IWH
aus, ihr Einfluss auf die Gesamtwirtschaft sinkt allerdings.
Fortschritte sehen die Forscher bei der Produktivität und bei den
Kosten im Unternehmenssektor. So wurden Nachteile bei den
Lohnstückkosten durch moderate Lohnanstiege und
Beschäftigungsrückgang abgebaut. Von dieser Seite seien die
"Voraussetzungen für das Ankoppeln an den konjunkturellen
Aufschwung gegeben", heißt es in dem Bericht. Allerdings seien
die Fortschritte bei der Kostensenkung durch das Ausscheren vieler
Unternehmen aus der Tarifbindung und einen hohen Anteil des
Niedriglohnsektors erreicht worden.
Positiv hoben die Experten die Entwicklung bei den Warenausfuhren der
neuen Bundesländer ins Ausland hervor. Vor allem die Bedeutung der
neuen EU-Mitgliedstaaten für den Außenhandel Ostdeutschlands
wachse. Während die westdeutschen Länder nur 8,2 Prozent
ihres Gesamtexports mit den neuen EU-Mitgliedsstaaten in
Mittelosteuropa abwickelten, liege der Anteil in Ostdeutschland mit
14,3 Prozent fast doppelt so hoch. Auch 2007 werde sich der
Aufwärtstrend bei den Ausfuhren fortsetzen und
Unternehmensinvestitionen anregen. Die Lage und die Aussichten für
Geschäfte würden von den Untenehmen so günstig wie nie
zuvor eingeschätzt. Die Binnennachfrage in Ostdeutschland
insgesamt werde jedoch angesichts der schwachen Einkommenssituation der
privaten Haushalte gedrückt bleiben.
(Quelle: afp)
Bundesagentur im ersten Halbjahr mit Milliarden-Plus
Mi.26.07.06 - Die konjunkturelle Erholung hat der Bundesagentur für Arbeit (BA)
im ersten Halbjahr 2006 einen Einnahmeüberschuss von 3,8 Milliarden
Euro beschert. Als Gründe für die günstige Entwicklung
nannte Finanzvorstand Raimund Becker in Nürnberg höhere
Beitragseinnahmen und niedrigere Ausgaben für das Arbeitslosengeld
I.
Die aktuellen Zahlen deuten laut Becker darauf hin, dass der
Überschuss für das Gesamtjahr über den bisher
prognostizierten 4,5 Milliarden Euro liegen wird. Ihre
Vorausschätzung für 2006 will die BA aber erst Ende August
aktualisieren.
Eine BA-Sprecherin verwies darauf, dass die Zahlen des ersten
Halbjahres nicht auf das Gesamtjahr hochgerechnet und damit verdoppelt
werden dürften. So werde sich der vorgezogene Termin für die
Abführung der Sozialversicherungsbeiträge im zweiten Halbjahr
nicht mehr positiv in der Bilanz auswirken. Außerdem seien
Mehrausgaben bei der aktiven Arbeitsmarktförderung geplant.
Die Ausgaben im ersten Halbjahr lagen nach Angaben der BA mit 24,1
Milliarden Euro um 3,2 Milliarden unter Plan. Die höchsten
Einsparungen gab es beim Arbeitslosengeld mit 941 Millionen Euro.
«Die günstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen bewirken,
dass weniger Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren und sich
arbeitslos melden», sagte Becker. So werde die Zahl der
Leistungsempfänger im Jahresdurchschnitt eher unterhalb von 1,6
Millionen liegen. Bei der Haushaltsplanung im Herbst 2005 war die BA
noch von 1,7 Millionen Arbeitslosengeldbeziehern ausgegangen.
Erstmals seit fünf Jahren ist zuletzt auch die Zahl der
Beitragszahler wieder über den Vorjahreswert gestiegen. Die
Gesamteinnahmen im ersten Halbjahr lagen laut BA mit 27,9 Milliarden
Euro um 544 Millionen Euro über dem Haushaltsansatz.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Gemischte Reaktionen auf EU-Übereinkunft zu Stammzellenforschung
Mi.26.07.06 - Die Einigung des EU-Ministerrats zur Forschung mit Stammzellen
getöteter Embryonen hat in Deutschland unterschiedliche Reaktionen
ausgelöst. Die zuständigen EU-Minister hatten sich am Montag
in Brüssel darauf verständigt, dass Forscher, die Embryonen
für die Gewinnung menschlicher Stammzellen töten, weiter von
der Förderung durch die Europäische Union ausgeschlossen
bleiben.
Zufrieden äußerte sich die Vorsitzende des Nationalen
Ethikrates, Kristina Weber-Hassemer. Eine gemeinsame Lösung der 25
Staaten sei ein wichtiges Signal, sagte sie der «Thüringer
Allgemeinen» (Dienstag).
Auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte sich mit
dem Ergebnis zufrieden gezeigt. Mit der Lösung der ethischen
Grundsatzfrage ist nun der Weg für eine Verabschiedung des 7. EU-
Forschungsrahmenprogramms für 2007 bis 2013 frei, das einen
finanziellen Gesamtrahmen von etwa 54 Milliarden Euro hat.
Die Deutsche Bischofskonferenz kritisierte die Entscheidung als eine
schwere Niederlage für den Embryonenschutz. Sie «ist ein
erschütterndes Zeichen, wie es um den Schutz menschlichen Lebens in
Europa steht», erklärte sie in Bonn. Forschungsinteressen
würden so höher bewertet als die Würde und das
Lebensrecht menschlicher Embryonen. «Auch mit deutschen
Steuergeldern wird so eine Forschung ermöglicht, die in Deutschland
nach geltender Rechtslage verboten ist und die Tötung menschlichen
Lebens voraussetzt.»
Der Biologe Hans Schöler sprach sich dafür aus, das deutsche
Stammzellgesetz zu lockern. Das Gesetz behindere die Mitarbeit deutscher
Forscher an internationalen Vorhaben, sagte der Direktor am
Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster dem
«Tagesspiegel» (Dienstag). Schöler plädierte
dafür, die Stichtagsregelung zu lockern. Bisher dürfen
deutsche Forscher nur mit embryonalen Stammzellen arbeiten, die vor 2002
gewonnen wurden.
(Quelle: dpa)
Forscher warnt vor Folgen der Meereserwärmung
Mi.26.07.06 - Die Folgen der Erwärmung der Meere werden aus Sicht des Kieler
Klimaforschers Prof. Mojib Latif häufig unterschätzt. Der
Meeresspiegel sei in den vergangenen 100 Jahren um 20 Zentimeter
gestiegen und die Hälfte des Anstiegs sei allein auf die
Erwärmung zurückzuführen.
«Jeder Körper, der sich erwärmt, dehnt sich aus»,
sagte der Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für
Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR) am
Dienstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Künftig wird sich diese Entwicklung aus seiner Sicht noch
verstärken - mit dramatischen Folgen für die Menschen.
Sturmfluten, Tsunamis oder Hurrikans könnten noch schlimmere Folgen
haben als bisher.
Ganze Landstriche könnten überschwemmt werden, sagte Latif.
«Schlimm ist es aber insbesondere, wenn noch andere Ereignisse
hinzukommen. Überlegen Sie mal, welche Folgen es hat, wenn ein
Tsunami einen Meter höher ist. Das gleiche gilt für die
Hurrikans. Allein, dass der Meeresspiegel einen Meter höher ist,
bedeutet schon eine gigantische Zunahme des Schadenpotenzials.»
Auch die Menschen an den deutschen Küsten seien von den Folgen
betroffen. «Jede Sturmflut wird entsprechend höher
auflaufen», sagte Latif.
Bis zum Jahr 2100 könne allein durch die thermische Expansion -
die Ausdehnung der Meere durch ihre Erwärmung - der Wasserspiegel
um bis zu 80 Zentimeter steigen. Zusätzlich werde das Schmelzen des
Eises an den Polen einen Anstieg in der gleichen
Größenordnung bewirken, sagte der Klimaforscher.
Langfristig verschärft die Meereserwärmung aus Latifs Sicht
auch die Klimaprobleme. Bisher nähmen die Meere rund 30 Prozent des
ausgestoßenen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) auf. «In
dem Maße, in dem sich die Meere erwärmen, nimmt die
Fähigkeit, CO2 aufzunehmen ab. Da fachen wir den Treibhauseffekt
an», sagte Latif.
(Quelle: dpa)