Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Familien von britischen Irak-Opfern wollen Kriegsgründe
untersuchen. Saddam wieder im Gerichtssaal
Do.27.07.06 - Die Familien mehrerer im Irak gefallener britischer Soldaten haben
einen wichtigen juristischen Sieg gegen die Regierung in London
errungen. Das Berufungsgericht in London befugte mit seiner Entscheidung
am Mittwoch die Familien von vier Soldaten, eine unabhängige
Untersuchung zu den Gründen für die Teilnahme
Großbritanniens an der US-geführten Invasion im Irak zu
beantragen. Die Angehörigen der Kriegsopfer hatten der Regierung
von Premierminister Tony Blair vorgeworfen, die Entsendung von
britischen Truppen in den Irak mit einer "Serie von Lügen"
begründet zu haben.
Die Anwälte der britischen Regierung hatten den Antrag kritisiert.
Sie gaben an, dass eine richterliche Untersuchung die Machtbefugnisse
unzulässigerweise von der Exekutive zur Judikative verlagern
würde. In erster Instanz hatte ein Londoner Gericht ihnen recht
gegeben.
Der Prozess gegen den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein und sieben
andere ehemalige Regime-Funktionäre ist in Bagdad in Anwesenheit
des Hauptangeklagten am Mittwoch fortgesetzt worden. In der
Übertragung des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira war ein
unvermindert streitfreudiger Saddam zu sehen, der allerdings nach
zweiwöchigem Hungerstreik abgemagert wirkte.
Der ehemalige Machthaber war am Sonntag nach einem Schwächeanfall
wegen des Fastens ins Krankenhaus gebracht und kurzzeitig über eine
Magensonde ernährt worden.
Der Ex-Diktator lieferte sich mit Richter Rauf Abdel Rahman ein neues
Wortgefecht. Er kritisierte die Ernennung von Pflichtverteidigern,
nachdem die regulären Anwälte aus Angst vor Anschlägen
auf ihr Leben das Verfahren boykottiert hatten. Die vom Gericht
ernannten Verteidiger würden «vom irakischen Volk als Feinde
betrachtet», sagte Saddam. «Das Gericht wendet geltendes
Recht an», gab Rahman zurück.
Die fehlende Sicherheit für die Verteidiger ist auch der Grund
für den Hungerstreik Saddams und dreier weiterer Angeklagter.
Bislang wurden drei Anwälte in Bagdad erschossen. Die Verteidiger
hatten das Angebot des Gerichts, in die hermetisch abgeschirmte
«Grüne Zone» von Bagdad zu ziehen, in der sich auch das
Gerichtsgebäude befindet, abgelehnt.
Saddam und die sieben anderen Angeklagten müssen sich vor dem
irakischen Sondertribunal wegen Verbrechen an der Bevölkerung des
schiitischen Dorfes Dudschail im Jahr 1982 verantworten. Unter anderem
waren 148 Männer und Jugendliche nach einem fehlgeschlagenen
Attentat auf Saddam hingerichtet worden. Der Prozess befindet sich in
der Schlussphase. Die Staatsanwaltschaft hatte für Saddam und zwei
Mitangeklagte die Todesstrafe gefordert. Mit einem Urteil wird Mitte
August gerechnet.
(Quellen: afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 27.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertvierundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.27.07.05 - Irakische Verfassung soll Islam als Rechtsgrundlage festschreiben +++
Verfassungsausschuss will Juden irakische Nationalität
vorenthalten +++ Al Kaida warnt Sunniten vor Beteiligung am
Verfassungsreferendum...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Vier UN-Beobachter bei israelischem Luftangriff getötet.
Libanon-Konferenz in Rom fordert baldige Waffenruhe. Heftige
Kämpfe um Hisbollah-Hochburg
Do.27.07.06 - Bei einem israelischen Luftangriff auf einen Beobachterposten der
Vereinten Nationen im Südlibanon sind vier UN-Mitarbeiter ums Leben
gekommen. UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, er sei
"schockiert und zutiefst beunruhigt über den offenbar
absichtlichen Angriff". Israel kündigte eine Untersuchung an. In
der südlibanesischen Ortschaft Bint Dschbeil erlitt die
israelische Armee nach eigenen Angaben schwere Verluste.
Es habe sich um einen "koordinierten Angriff" auf einen UN-Posten
gehandelt, den es schon lange gebe und der eindeutig als solcher
gekennzeichnet gewesen sei, sagte der UN-Generalsekretär. Der
israelische UN-Botschafter Danny Gillerman sagte, er sei "schockiert"
über die "hasserfüllten" Äußerungen von Annan.
Israels Regierungschef Ehud Olmert brachte sein Bedauern über den
Vorfall zum Ausdruck. Das israelische Außenministerium teilte mit,
der Zwischenfall werde "gründlich untersucht".
Trotz des israelischen Luftangriffs auf den UN-Posten im Libanon hat
sich die internationale Gemeinschaft nicht zu der Forderung eines
sofortigen Waffenstillstands durchringen können. Die Teilnehmer an
einer Libanon-Konferenz in Rom einigten sich lediglich auf die
Formulierung, schnell auf einen Waffenstillstand hinzuarbeiten.
Der Waffenstillstand müsse "dauerhaft und umfassend" sein,
hieß es in der Erklärung der 15 Teilnehmerländer in
Rom. Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy bedauerte,
dass die Forderung eines "sofortigen Waffenstillstands" fehle.
Hauptgegner einer solchen Forderung sind die USA. Die Region habe schon
zuviele gebrochene Waffenruhen gesehen, sagte US-Außenministerin
Condoleezza Rice. Rice stellte für die kommenden Tage
multilaterale Gespräche über den Einsatz einer
internationalen Friedenstruppe in Aussicht.
Welches Mandat eine solche Truppe haben soll, wer die Truppensteller
sein könnten und wie lange ein solcher Einsatz dauern soll - alles
das ist völlig unklar. Die wichtigste Voraussetzung für eine
Friedenstruppe ist aber klar: Eine Waffenruhe, zu der es in Rom
außer Appellen wenig Greifbares gab.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hatte schon vor dem Treffen
in Rom gewarnt: «Wir dürfen nicht zu hohe Erwartungen
haben.» Genau diesen Ton schlug auch der Sprecher des
italienischen Außenamts, Pasquale Ferrara, an, der in einer
Presseunterrichtung noch während der Tagung im völlig
überfüllten «Sala Nigra» im
Außenministeriums betonte: «Dies ist keine
Friedenskonferenz.» Damit hatte er Recht. Denn weder Israel noch
die radikalislamischen Organisationen Hisbollah und Hamas waren in Rom
dabei, und ohne die ist ein Ende der Gewalt im Nahen Osten nicht
möglich.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte schon während
ihrer Reise in Israel klar gemacht, worum es ihr geht: «Die Zeit
ist da für einen neuen Nahen Osten.» Dass dies viel mehr
bedeutet als ein Waffenstillstand, weiß auch Deutschlands
Außenminister Steinmeier: «Für uns ist klar: Eine
einfache Rückkehr zum status quo ante (vorherigen Zustand) ist
nicht akzeptabel.»
Weniger diplomatisch, aber umso eindringlicher waren die Worte des
libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora, der gleich mit
sechs Ministern von Beirut nach Rom gereist war. «Wir werden
jeden Tag geschlagen. Jeden Tag sterben Menschen im Libanon. Unser Land
wird in Stücke gerissen und soll auf die Knie gezwungen
werden», sagte der sonst distinguiert wirkende Siniora sichtlich
bewegt. «Wir wollen einen sofortigen Waffenstillstand. Je
länger er auf sich warten lässt, desto mehr Menschen sterben
und desto größer wird die Zerstörung.»
Israelische Soldaten und Kämpfer der radikal-islamischen
Hisbollah-Miliz lieferten sich unterdessen neue Kämpfe um die
Grenzstadt Bint Dschbeil im Süden des Libanons. Ein Armeesprecher
in Tel Aviv sagte, es gebe heftige Gefechte und Opfer auf beiden Seiten.
Nach unbestätigten libanesischen Angaben wurden neun israelische
Soldaten im Südlibanon getötet. Die Hisbollah feuerte erneut
Raketen auf den Norden Israels ab. Israel flog mindestens 47
Luftangriffe auf den Süden Libanons.
Die Hisbollah erweist sich für die in den
Palästinensergebieten an schnelle Erfolge gewöhnte
israelische Armee als schwieriger Feind. Noch vor einer Woche war die
Militärführung davon ausgegangen, die von Iran
unterstützte Schiiten-Miliz binnen 14 Tagen weitgehend
handlungsunfähig machen zu können. Doch während der
Militäroffensive in die dritte Woche ging, feuert die Miliz jeden
Tag bis zu 100 Raketen auf den Norden Israels.
Der untergetauchte Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, droht
sogar, die Raketenangriffe noch auf Ziele in Richtung Tel Aviv
auszuweiten. Israelischen Militärvertretern erscheint Nasrallah
bei seinen Fernsehauftritte zwar inzwischen «bleich» und
«müde». Doch dass er nach dem Abwurf von 23 Tonnen
Bomben auf seinen vermuteten Unterschlupf überhaupt noch vor die
Kamera treten kann, schmerzt die Militärs.
Eine große Mehrheit der Israelis ist für den
Militäreinsatz. Der Verlauf wirft aber viele kritische Fragen auf.
«Die Öffentlichkeit versteht die Bodenoffensive nicht so
richtig. Sie hat das Gefühl, dass etwas in der Maschinerie nicht
richtig läuft. Es ist zu langsam, zu beschränkt, mit zu
vielen Unfällen. Es sollte anders aussehen», schrieb ein
Kommentator schon am Dienstag.
Ein Militärsprecher räumt ein, dass es sehr schwer wird,
einen Sieg über die in der libanesischen Bevölkerung tief
verwurzelte Schiiten-Miliz zu verkünden. Gleichzeitig gehen die
Israelis davon aus, dass die Hisbollah den bisherigen Verlauf der
Kämpfe als Triumph für die eigene Sache darstellen wird.
«Der Krieg ist festgefahren und es wird lange dauern, die Ziele
zu erreichen. Der Feind ist untergetaucht und weit davon entfernt, sich
zu ergeben», schrieb die israelische Tageszeitung
«Maariv» am Mittwoch. «Es klingt seltsam, aber
Israel, das immer gegen internationale Mitwirkung in dem Gebiet war,
verlangt nun nach einer internationalen Truppe mit echten Befugnissen -
eine Truppe die schießen kann, nicht nur Ferngläser
schwenken - als Puffer zwischen uns und den Libanesen.»
Heftige Kämpfe gibt es auch im Gazastreifen. Israelische Soldaten
töteten dort am Mittwoch bei einem Einsatz gegen militante
Organisationen mindestens zehn Palästinenser. Darunter seien
Kämpfer, aber auch Zivilisten, teilten Palästinenservertreter
in Gaza mit. Der Einsatz richte sich Gruppen, die Raketen auf Israel
abfeuerten, teilte die israelische Armee mit.
Der seit Beginn der Kämpfe untergetauchte Hisbollah-Führer
Hassan Nasrallah drohte in einer Rede, die der Fernsehsender seiner
Organisation in der Nacht zum Mittwoch ausstrahlte, mit Angriffen auf
israelische Ziele südlich von Haifa. Die israelische Tageszeitung
«Maariv» (Mittwochausgabe) berichtete, Generalstabschef Dan
Haluz habe der israelischen Luftwaffe befohlen, nach jedem Hisbollah-
Angriff auf Haifa zehn Häuser in der libanesischen Hauptstadt
Beirut zu zerstören. Haifa wird seit Beginn der israelischen
Luftangriffe von der Miliz der pro-iranischen Schiiten-Bewegung
täglich mit Raketen angegriffen.
(Quellen: afp, dpa)
Lafontaine: Merkel hat Mitschuld an Tod von Zivilisten in Nahost
Do.27.07.06 - Der Chef der Linksfraktion im deutschen Bundestag, Oskar Lafontaine, hat
Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitschuld am Tod von Zivilisten im Nahen
Osten gegeben.
"Wenn die Regierung Merkel zusammen mit den USA nun auch (Israels)
Einsatz von Streubomben toleriert, trägt sie Mitverantwortung
für den Tod vieler Zivilisten, unter denen sich auch deutsche
Staatsbürger befinden", erklärte der ehemalige SPD-Vorsitzende
am Mittwoch in Berlin. Er forderte die Regierung auf, "Israels
unverhältnismäßige Reaktion" auf die Entführung
zweier Soldaten nicht länger hinzunehmen, sondern Israel zur
Einhaltung internationalen Rechts zu drängen.
Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" hatte Israel
vorgeworfen, im Libanon Streumunition einzusetzen. Das israelische
Militär hatte daraufhin erklärt, der Einsatz der Munition sei
gemäß Völkerrecht legal. Streumunition explodiert erst,
nachdem sie von einem Träger - etwa eine Rakete - in ein Zielgebiet
geschossen wurde, wo sie sich dann verbreiten soll. Sie wird
kritisiert, weil sie wenig zielgenau ist und viele gefährliche
Blindgänger hinterlässt.
(Quelle: rtr)
Veto-Fünf und Deutschland vor Einigung über Iran-Resolution
Do.27.07.06 - Im Streit um das iranische Atomprogramm stehen die fünf
Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland offenbar vor einer
Einigung über eine gemeinsame schärfere Resolution. "Wir
müssen noch einige juristische und technische Punkte ausarbeiten,
aber ich denke, dass wir uns einem Text nähern", sagte der
französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sablière
Dienstagabend nach einem Treffen von Vertretern der sechs Nationen in
New York. Nun müsse das Ergebnis zunächst mit den Regierungen
abgestimmt werden. Die Runde will im Laufe des Tages erneut
zusammenkommen.
Die Iran-Resolution könnte auch in Rom am Rande der Konferenz zur
Krise im Libanon zur Sprache kommen. Daran nehmen unter anderen
US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihr russischer Kollege
Sergej Lawrow teil. Der Text, an dem die sechs Staaten arbeiten, zielt
darauf, für den Iran den Verzicht auf die Urananreicherung
zwingend zu machen. Auf ein Angebot von wirtschaftlichen Hilfen im
Gegenzug für den Stopp der Urananreicherung hatte der Iran zuvor
ausweichend reagiert, weshalb sich erneut der Sicherheitsrat damit
beschäftigt
(Quelle: afp)
Deutschland
Wirtschaftsminister Glos warnt Stromkonzerne vor Preiserhöhungen
Do.27.07.06 - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die großen
Energiekonzerne vor weiteren Strompreiserhöhungen gewarnt.
«Ich kann die Unternehmen nur zu Preisdisziplin
auffordern», sagte Glos der «Saarbrücker
Zeitung» (Donnerstagausgabe). «Die Strompreise sind schon
in ihrer jetzigen Höhe für die Verbraucher kaum
nachvollziehbar.» Glos empfahl den Kunden, den Wettbewerb zu
nutzen und zu günstigeren Anbietern zu wechseln.
Die hohen Strompreise würden bereits die internationale
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen gefährden und
die privaten Haushalte belasten. Er sei sich daher sicher, so der
Minister weiter, dass die Wirtschaftsminister der Länder
entsprechende Anträge der Versorger auf Preiserhöhungen
«sehr genau prüfen werden, um ungerechtfertigte
Preissteigerungen zu unterbinden». Das sei ja auch im letzten
Jahr bereits geschehen.
(Quelle: ddp)
7,50-Euro-Mindestlohn würde Lohnerhöhung für 4,6
Millionen bringen
Do.27.07.06 - Die Einführung eines Mindestlohns von 7,50 Euro je Stunde
würde nach einer Studie für 4,6 Millionen Beschäftigte in
Deutschland eine Lohnerhöhung bedeuten. Wie die
Arbeitsmarktforscher Claudia Weinkopf und Thorsten Kalina vom Institut
Arbeit und Technik am Mittwoch in Gelsenkirchen berichteten, kämen
auf die Unternehmen damit Zusatzkosten von zehn bis zwölf
Milliarden Euro zu. Von diesen würde der Staat über
höhere Steuereinnahmen sowie Mehreinnahmen für die
Sozialversicherungen in Höhe von 3,7 bis 4,2 Milliarden Euro
profitieren. Da der Mindestlohn Beschäftigten in den unteren
Lohngruppen zugute komme, würden diese die Einkommenssteigerung
unmittelbar in Konsum umsetzen. "Den eventuell steigenden Preisen
stünde also eine mindestens gleichhohe Steigerung der Kaufkraft
entgegen", erklärte Weinkopf.
Nach der Modellrechnung der Experten auf der Basis des
sozioökonomischen Panels für 2004 arbeiten 14,6 Prozent aller
Beschäftigten in Deutschland zu Stundenlöhnen unter 7,50 Euro.
Von einem Mindestlohn in dieser Höhe würden demnach
überdurchschnittlich gering Qualifizierte profitieren. Auch Frauen
würden besonders profitieren, ihr Anteil an den
Mindestlohnempfängern läge bei fast zwei Dritteln. Vor allem
im Dienstleistungsbereich würde sich der Mindestlohn bemerkbar
machen, dort arbeiten fast 80 Prozent der nach der Modellrechnung
Berechtigten. Besonders betroffen seien private Haushalte mit
Hauspersonal, das Gastgewerbe und die Landwirtschaft.
Von den Unternehmensgrößen her wären den Angaben
zufolge am ehesten kleine Betriebe vom Mindestlohn betroffen. In
Kleinstbetrieben mit unter fünf Beschäftigten hätte jeder
Dritte Anspruch auf eine Lohnerhöhung. Je größer eine
Firma, desto kleiner demnach der Anteil: Bei Firmen mit 200 bis 2000
Beschäftigten wäre nur jeder Zehnte berechtigt, bei noch
größeren Firmen jeder dreizehnte Beschäftigte.
(Quelle: afp)
Kassenbeschäftigte demonstrieren gegen Gesundheitsreform
Do.27.07.06 - Mehrere tausend Beschäftigte der Krankenkassen haben gegen die
geplante Gesundheitsreform demonstriert. In Berlin beteiligten sich
nach Verdi-Angaben 4000 Kassenangestellte an den Protesten, zu einer
Kundgebung in Hamburg erwartete die Gewerkschaft ebenfalls 4000
Teilnehmer. Grüne und Linkspartei unterstützten die Aktionen.
Die Bundesregierung wandte sich erneut gegen die von den Kassen
angekündigte Kampagne gegen die Reform. Das gesamte Kabinett
beurteile das Verhalten der Kassenfunktionäre als "völlig
unangemessen", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.
Nach Angaben eines Verdi-Sprechers beteiligten sich deutlich mehr
Kassenbeschäftigte an der Kundgebung in Berlin als erwartet. Die
Kritik konzentrierte sich auf den geplanten Gesundheitsfonds und die
damit verbundene Änderung beim Einzug der Beiträge zur
Sozialversicherung, der künftig nicht mehr bei den Kassen liegen
soll. Verdi sieht dadurch 30.000 Stellen bedroht. Die Demonstrationen,
die am Donnerstag in München, Bonn und Mainz fortgesetzt werden
sollen, stehen unter dem Motto "Für ein soziales und gerechtes
Gesundheitssystem".
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) betonte dagegen, dass
durch den Gesundheitsfonds keine Stellen bei den Kassen gefährdet
seien. Zu den Protesten sagte die Ministerin, dies gehöre zu den
demokratischen Rechten. Sie habe aber kein Verständnis für
Organisationen, die ihre Mitarbeiter unnötig verunsicherten.
Die Grünen unterstützten dagegen die Kundgebungen. Die
Proteste seien notwendig, "damit auch die große Koalition
begreift: hier muss dringend nachgebessert werden", erklärte
Parteichef Reinhard Bütikofer.
Die Krankenkassen bekräftigten unterdessen das Festhalten an einer
breit angelegten Kampagne gegen die Reform. Der Chef des
Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen, Wolfgang Schmeinck, sagte
dem "Stern", die 72 Millionen Krankenversicherten hätten ein Recht
auf klare Information. DAK-Chef Herbert Rebscher sagte dem Magazin:
"Einen sachverstandsfreien politischen Kompromiss kann man nicht durch
Diskussionsverbote retten." Auch der Vorstandsvorsitzende des
AOK-Bundesverbands, Hans Jürgen Ahrens, bekräftigte, die
Kassen würden weiter ihre Kritik ausdrücken.
Steg sprach von einer "völlig unangemessenen Reaktion" der
Kassenfunktionäre. Es sei nicht hinnehmbar, den Eindruck zu
erwecken, als sei eine Reform zu Lasten der Patienten und Versicherten
und vor allem der chronisch Kranken geplant.
(Quelle: afp)
Bayern: Regierung Stoiber hat gegen Rechte der Opposition
verstoßen
Do.27.07.06 - Die Regierung von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU)
hat mehrfach die Rechte der Opposition im Freistaat verletzt. In einem
Organstreit zwischen der grünen Landtagsfraktion und der
Staatsregierung gab der bayerische Verfassungsgerichtshof in
München den Grünen am Mittwoch weitgehend Recht. Demnach
hätte die Regierung nicht wie geschehen wegen des Schutzes von
Betriebsgeheimnissen und Persönlichkeitsrechten Auskunft über
ihre finanziellen Aktivitäten verweigern dürfen.
Grünen-Fraktionschef Sepp Dürr sprach von einem "Meilenstein
für die Rechte der Opposition".
Die Grünen waren vor Gericht gezogen, nachdem die Staatsregierung
im Jahr 2004 Auskunft zu ihrem finanziellen Engagement im Zusammenhang
mit der Pleite des Elektronikherstellers Schneider, mit verschiedenen
Online-Aktivitäten, mit der Insolvenz der Sonderabfallentsorgung
Bayern GmbH und beim König-Ludwig-Musical verweigert hatte. Alleine
bei der Förderung des Musicals sei dies rechtens gewesen, urteilte
der Verfassungsgerichtshof. In den drei anderen Fällen
müssten die Grünen zumindest einen Teil ihrer Fragen
beantwortet bekommen.
Nach dem Urteil hat zwar das Parlament keinen Anspruch auf Information
über einzelne Bankgeschäfte. Anders sehe es aber aus, wenn die
Rechtsaufsicht der Staatsregierung mit berührt sei. Dies sei in
Teilen bei den von der Bayerischen Landesanstalt für
Aufbaufinanzierung und der Bayerische Landesbank abgewickelten
Finanzierungen der Fall.
Dürr erklärte, um die korrekte Verwendung von Steuergeldern
kontrollieren zu können, sei es für das Parlament
unerlässlich, Informationen auch über staatliche
Beteiligungsunternehmen zu erhalten. "Das Urteil ist damit auch ein
großer Erfolg für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler,
weil die Staatsregierung nun verpflichtet ist, mehr Transparenz
über die Verwendung staatlicher Gelder herzustellen." Schon vor
fünf Jahren hatten die Grünen vor Gericht erfolgreich gegen
die Informationspolitik der Stoiber-Regierung geklagt. Damals hatte der
Verfassungsgerichtshof bei Fragen nach Flugreisen von
Kabinettsmitgliedern einen Verfassungsverstoß festgestellt.
(Quelle: afp)