Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhunderteinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens elf Tote bei Anschlägen. Vier US-Soldaten im Westirak
getötet
So.30.07.06 - Im Irak sind am Samstag mindestens elf Menschen bei Anschlägen ums
Leben gekommen. Bei einem Autobombenanschlag sind am Samstag in der
nordirakischen Kirkuk vier Passanten getötet und 18 weitere
verletzt worden. Das nahe einer Tankstelle abgestellte Fahrzeug sei
offenbar per Fernzündung zur Explosion gebracht worden, teilte die
Polizei in Kirkuk mit.
Bei zwei weiteren Autobombenanschlägen in Bagdad wurden am Samstag
18 Menschen verletzt. Bei Kämpfen in der teilweise von
Aufständischen kontrollierten westirakischen Provinz Anbar
verloren nach Angaben des US-Militärkommandos in Bagdad in den
letzten Tagen vier US-Marineinfanteristen ihr Leben.
In der Unruhestadt Baakuba töteten bewaffnete Männer drei
Zivilisten und einen Polizisten. In Samarra nördlich von Bagdad
wurde ein Mann erschossen. In Nassirijah im Süden des Landes starb
ein Lehrer durch Kugeln, der früher Anhänger der Baath-Partei
von Saddam Hussein war. In Tikrit starb eine Frau durch eine Rakete,
eine weitere wurde verletzt. In Bagdad fand die Polizei zwölf
Tote, wahrscheinlich Opfer schiitischer oder sunnitischer
Todesschwadronen. Einige der Körper hatten Folterspuren.
Nach einer Reihe von Angriffen auf Konvois in der polnischen
Kontrollzone im Irak wird im Hauptquartier des polnischen Militärs
in Diwanja die Suche nach Sicherheitslücken fortgesetzt.
Möglicherweise informierten irakische Mitarbeiter einer
amerikanischen Logistikfirma die Angreifer, berichtete die Zeitung
«Dziennik» am Samstag unter Berufung auf einen hohen
Offizier im polnischen Hauptquartier. Diese Mitarbeiter, die
regelmäßig auf dem Militärgelände arbeiteten,
wohnten außerhalb der Basis und könnten sich so leicht mit
Terroristen treffen, hieß es.
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 30.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.30.07.05 - Millionen aus Irak-Hilfsgeldern unterschlagen +++ 25 Tote bei neuem
Selbstmordanschlag +++ US-Soldaten töten fünf Syrer und vier
Iraker im Westirak +++ Sicherheit im Irak kostet US-Stellen über 760
Millionen Dollar...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507300.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Bush stellt Libanon-Konflikt in Zusammenhang mit Anti-Terrorkrieg.
US-Außenministerin Rice soll in Nahost erneut Ausweg aus Krise
suchen. Kanzlerin Merkel lehnt Einsatz deutscher Soldaten in Nahost ab.
Innenminister Schäuble gegen Aufnahme libanesischer
Flüchtlinge in Deutschland. Israel will keine 'humanitäre
Waffenpause'. Erneut Ziele im Libanon und
Hamas-Stützpunkte im Gazastreifen
angegriffen. Libanesische Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil noch immer
umkämpft
So.30.07.06 - US-Präsident George W. Bush hat den Konflikt im Libanon in
Zusammenhang mit dem Anti-Terrorkrieg gestellt. Man müsse
einsehen, dass der Libanon der jüngste Flammenherd im
größeren Kampf zwischen Freiheit und Terror sei, der sich in
der Region abspiele, sagte Bush in seiner wöchentlichen
Radioansprache. Jahrzehntelang hätten die USA versucht, durch die
Förderung von Stabilität Frieden im Nahen Osten zu erreichen.
Das sei gescheitert. Bush bedauerte, dass die Gewalt so viele Opfer
fordert.
US-Außenministerin Condoleezza Rice wurde am Samstag erneut im
Nahen Osten erwartet, um einen Ausweg aus der jüngsten Krise zu
suchen.
Sie sollte mit Vertretern Israels und des Libanon über eine
UN-Resolution zur Beendigung der Gewalt sprechen. Die Reise ist Teil
einer diplomatischen Initiative von US-Präsident George W. Bush und
dem britischen Premierminister Tony Blair, die sich bei einem Treffen
am Freitag für eine rasche Entsendung einer internationalen Truppe
in die Kampfzone im Süden des Libanon ausgesprochen haben. Mit der
Stationierung sollten Hilfslieferungen und humanitäre
Einsätze für tausende libanesische Zivilisten geschützt
werden. Rice hatte bereits vor einigen Tagen in der Region vermittelt.
Die Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) solle
bereits Anfang kommender Woche beschlossen werden, sagte Bush. Genau wie
Blair erteilte der US-Präsident internationalen Forderungen nach
einer sofortigen Waffenruhe eine Absage. Zunächst müssten die
dem Konflikt zugrunde liegenden Probleme gelöst werden,
erklärte Bush. Blair ergänzte, eine internationale Truppe
könne nur ihre Arbeit verrichten, wenn sie von der
radikal-islamischen Hisbollah-Miliz nicht daran gehindert werde.
Die Entsendung der Truppe solle am Montag im UN-Sicherheitsrat
erörtert werden, sagte Bush. Sie müsse rasch in den Süden
des Libanon geschickt werden, wohin auch libanesische Einheiten verlegt
werden sollen.
Blair hatte sich im Libanon-Konflikt hinter Bush gestellt und war im
eigenen Land dafür massiv kritisiert worden. Anstatt sich für
einen sofortigen Waffenstillstand einzusetzen, laviere sich Blair ebenso
wie die US-Regierung durch die gegenwärtige Krise hindurch,
bemängelte der frühere außenpolitische Berater des
Premiers, Stephan Wall, im Magazin "New Statesman". Am Freitag
schalteten 14 Hilfsorganisationen Anzeigen in britischen Zeitungen, in
denen sie Blairs Politik verurteilten.
Für Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) steht ein Einsatz
deutscher Soldaten im Nahen Osten derzeit nicht auf der Tagesordnung.
"Die Frage stellt sich für mich im Augenblick nicht", sagte Merkel
der "Bild am Sonntag". Es gebe noch nicht einmal ein Mandat für
eine internationale Libanon-Truppe. Zudem seien die Kapazitäten der
Bundeswehr für Auslandseinsätze "weitgehend erschöpft",
betonte die Kanzlerin. Sie verwies dabei unter anderem auf die
Einsätze im Kongo und in Afghanistan. Der deutsche Innenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich zugleich gegen die Aufnahme
libanesischer Flüchtlinge in Deutschland aus.
"Als Deutsche sollten wir in dieser Region mit äußerster
Vorsicht herangehen", sagte Merkel zu einem möglichen
Bundeswehreinsatz, wie ihn etwa Bundesverteidigungsminister Franz-Josef
Jung (CDU) für möglich hält. Die Kapazitäten der
Bundeswehr seien begrenzt: "Wir sind im Kongo, wir sind
Haupttruppensteller auf dem Balkan, und wir haben unser
größtes Kontingent in Afghanistan."
Um der internationalen Verantwortung gerecht werden, gebe es viele
andere Möglichkeiten, sagte Merkel. Konkret nannte sie etwa
Ausbildungshilfen für die libanesische Polizei und Armee und eine
Unterstützung bei dem libanesischen Versöhnungsprozess.
Regierung und Opposition sind in der Frage eines Bundeswehreinsatzes
gespalten. Vor allem FDP, Grüne und Linkspartei mahnten bisher zur
Zurückhaltung.
Auch der Militärexperte Sascha Lange von der Stiftung Wissenschaft
und Politik in Berlin hält einen Bundeswehreinsatz für wenig
realistisch. Es handele es sich dabei um eine "eher politische
Diskussion", sagte Lange. Theoretisch würden sich dafür zwar
Logistik- und Sanitätskräfte eignen, allerdings seien die
Spezialisten der Bundeswehr wegen der vielen Auslandseinsätze schon
heute dünn gesät.
Merkel erinnerte zugleich an die besondere Verantwortung Deutschlands
gegenüber Israel. "Die Hisbollah spricht Israel das Existenzrecht
ab. Es ist eine geschichtliche Verpflichtung deutscher Politik,
unverbrüchlich für das Existenzrecht Israels einzutreten",
sagte sie. "Wir müssen uns immer klar machen, dass die derzeitige
Krise von der Hisbollah ausgelöst worden ist." Diese habe Israel
über Monate mit Raketen beschossen und israelische Soldaten
entführt.
Der israelische Beschuss von Blauhelmsoldaten sei dagegen ein "zutiefst
tragischer" Vorfall, sagte Merkel. "Es ist richtig, daß sich der
israelische Ministerpräsident dafür entschuldigt hat."
Israel hat den Ruf des UN-Nothilfekoordinators Jan Egeland nach einer
«humanitären Waffenpause» zurückgewiesen. Für
die Versorgung der Zivilisten im Libanon seien bereits Korridore
eingerichtet worden, sagte der israelische Regierungssprecher Gideon
Meir.
«Humanitäre Hilfe erreicht die Menschen bereits über
die Vereinten Nationen», erklärte er. Die Hisbollah-Miliz
aber werde eine Kampfpause nutzen, um ihre Vorräte an Waffen und
Munition zu erneuern.
Eine 72-stündige Kampfpause sei dringend notwendig, um Verwundete,
Kinder und alte Menschen aus den umkämpften Gebieten zu holen,
hatte Egeland am Freitag vor dem Weltsicherheitsrat in New York
erklärt. Darüber hinaus müssten Krankenhäuser mit
neuen Medikamenten und anderen Vorräten ausgestattet werden.
Bislang seien schätzungsweise mehr als 600 Menschen im Libanon ums
Leben gekommen, rund ein Drittel von ihnen Kinder.
Die israelische Luftwaffe hat am frühen Samstag erneut über
50 Ziele im Libanon angegriffen. Am 18. Tag des Konflikts wurden laut
einem Armeesprecher 37 Gebäude und Einrichtungen der radikal-
islamischen Hisbollah attackiert. Zwei Raketen schlugen in
südlichen Stadtteilen Beiruts ein. Es gab zunächst keine
Berichte von Opfern.
Die Kämpfe um den libanesischen Grenzort Bint Dschbeil dauerten
an. Die Hochburg der Hisbollah wird immer noch nicht voll von den
Israelis kontrolliert. Es gab am Samstag keine Berichte über einen
Raketenbeschuss Nordisraels durch die Hisbollah. Diese hatte am Freitag
noch einmal rund 100 Raketen auf israelischen Territorium abgefeuert.
Israel hat am Samstagmorgen eine mutmaßliche Waffenfabrik der
Hamas im palästinensischen Gazastreifen unter Beschuss genommen.
In dem Werk seien Geschosse nicht nur hergestellt, sondern auch
gelagert worden, teilte die Armee mit. Zudem hätten die
Streitkräfte einen Tunnel an der israelisch-ägyptischen Grenze
nahe Rafah bombardiert. Über Opfer wurde nichts bekannt.
Israel führt seit rund einem Monat eine Offensive in dem
Küstengebiet durch. Auslöser war die Entführung eines
israelischen Soldaten durch radikale Palästinenser. Seitdem sind
mindestens 150 Palästinenser getötet worden, die Hälfte
davon Extremisten. Eine Freilassung palästinensischer
Häftlinge aus israelischen Gefängnissen im Gegenzug für
die Freilassung des Soldaten lehnt die Regierung von
Ministerpräsident Ehud Olmert bislang ab. An der Entführung
des Israelis waren auch Anhänger der Hamas beteiligt. Die Gruppe
stellt seit einigen Monaten die Regierung in den
Palästinensergebieten.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas führte am
Samstag in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria Gespräche mit
seinem ägyptischen Amtskollegen Husni Mubarak. Dabei soll es auch
um Bemühungen gehen, die Freilassung eines israelischen Soldaten
zu erreichen, der vor einem Monat von der radikal-islamischen Hamas-
Miliz in den Gazastreifen verschleppt worden war.
(Quellen: rtr, afp, dpa)
Ein Jahrhundertkrieg
Fatale Siege, Niederlagen ohne Folgen: Ein kalter Blick zurück auf
die verknotete Vorgeschichte des israelisch-libanesischen Konfliktes, in
dem alle Akteure in ihrer Perspektive gefangen bleiben... Mehr in der
taz vom 29.07.06:
http://www.taz.de/pt/2006/07/29/a0183.1/text
Ölkatastrophe im Mittelmeer nach israelischem Angriff auf
libanesisches Kraftwerk
So.30.07.06 - Nach israelischen Luftangriffen auf ein libanesisches Kraftwerk droht
im Mittelmeer eine Umweltkatastrophe: Die israelische Luftwaffe traf
beim Beschuss des Kraftwerks Dschije südlich von Beirut mehrere
Öltanks, und nun laufen tausende Tonnen Heizöl ins Meer. Das
teilten die libanesische Regierung und das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) mit. Das UNEP sprach von einer Tragödie: "Wir
teilen die Sorge der libanesischen Behörden über die
Auswirkungen."
"Es ist zweifelsohne die größte Umweltkatastrophe, die das
Mittelmeer jemals erlebt hat", sagte Libanons Umweltminister Yacoub
Sarraf der Nachrichtenagentur AFP. Es seien zwischen 10.000 und 15.000
Tonnen Heizöl ins Meer geflossen. Dies könne nicht nur
"furchtbare Folgen für unser Land, sondern für alle
Länder am östlichen Mittelmeer haben". Bisher hätten
sich ähnliche Unfälle nur in offenen Ozeanen ereignet, aber
nicht in einem geschlossenen Gewässer wie dem Mittelmeer, sagte
Sarraf.
Inzwischen sei ein Drittel der libanesischen Küste betroffen, etwa
70 von 220 Kilometern, sagte Sarraf. Wenn nichts unternommen werde,
werde ein weiteres Drittel verseucht. Außerdem werde die
Strömung das Öl nach Norden befördern, an die
Küsten von Zypern, Syrien, der Türkei und Griechenland. Auch
Israel, das im Süden liegt, könne davon betroffen werden.
Solange Israel seine Seeblockade aufrecht erhalte, könne man nicht
gegen die Ölpest vorgehen. Er habe bereits Großbritannien,
Italien, Spanien, die USA und andere Länder, die Erfahrungen mit
solchen Unglücken haben, um Hilfe gebeten, sagte der Minister.
Kuwait habe bereits 40 Tonnen Material geschickt, um das Öl zu
binden. Das in Kenia ansässige UNEP erklärte, der Libanon
habe die UNO um Hilfe gebeten. Es handele sich um eine
"Umwelttragödie", die rasch das ganze Land und die gesamte Region
betreffen könnte.
Israel hatte das rund dreißig Kilometer südlich von Beirut
gelegene Kraftwerk Dschije am 14. und 15. Juli bombardiert und dabei
die Öltanks zerstört. Aus einem der Tanks läuft derzeit
nichts mehr aus, ein zweiter mit rund 25.000 Tonnen Inhalt steht aber
noch in Flammen und droht zu explodieren. Die Öltanks befinden
sich nur 25 Meter vom Meer entfernt.
(Quelle: afp)
USA vor milliardenschwerem Rüstungsdeal mit arabischen Ländern
So.30.07.06 - Die US-Regierung will gemäßigten arabischen Staaten
Rüstungsgüter für insgesamt 4,6 Milliarden Dollar
verkaufen.
Darunter sei die Lieferung von Kampfpanzern nach Saudi-Arabien für
allein 2,9 Milliarden Dollar, teilte die Regierung am Freitag mit. Das
Königreich solle zudem Kampfhubschrauber vom Typ "Apache" erhalten.
Die Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain würden mit
Helikoptern vom Typ "Black Hawk" und Jordanien mit gepanzerten
Fahrzeugen beliefert, hieß es weiter. Oman werde
Panzerabwehr-Raketen erwerben.
Noch vor zwei Wochen hatte die US-Regierung bekannt gegeben, sie werde
Israel mit Treibstoff für seine Kampfflugzeuge im Wert von 210
Millionen Dollar versorgen, damit es "den Frieden und die Sicherheit in
der Region erhalten könne". Zudem hatten die USA nach einem Bericht
der "New York Times" die Lieferung von präzisionsgelenkten Bomben
nach Israel beschleunigt, nachdem das Land seine Offensive gegen die
Hisbollah-Miliz im Libanon eingeleitet hatte.
Der US-Kongress könnte die geplanten Lieferungen innerhalb von 30
Tagen blockieren. In der Vergangenheit hat er jedoch nur selten von
diesem Recht Gebrauch gemacht.
(Quelle: rtr)
Lage im Kongo 'mehr als angespannt'
So.30.07.06 - Einen Tag vor den Präsidentschaftswahlen am (heutigen) Sonntag hat
sich die Lage im Kongo zugespitzt. «Die Situation ist jetzt mehr
als angespannt», erfuhr die Nachrichtenagentur ddp am Samstag aus
Kreisen der Truppe der Europäischen Union (EU) in der
kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. Die EUFOR-Soldaten, unter ihnen in
Kinshasa auch 280 Mann der Bundeswehr, sollen die Wahlen absichern.
«Wir sind angegriffen worden. Unsere Autos wurde erheblich
beschädigt», berichtete ein Offizier der EU-Einheiten. Bei
Wahlkampfveranstaltungen habe es seit Donnerstag mindestens zehn Tote
gegeben, schilderte der Oberstleutnant. Die Menge habe sich «auch
gegen die EU-Soldaten gerichtet».
Eine Drohne der EU-Truppe, ein unbemanntes kleines
Aufklärungsflugzeug, wurde über Kinshasa offensichtlich von
Rebellen abgeschossen. Die Drohne sollte am Sonntag Bilder über
die Situation in den Stadtvierteln der Millionen-Hauptstadt liefern.
Durch den Absturz wurden fünf Einwohner verletzt. Sie wurden in
das Feldlazarett der Bundeswehr gebracht. EUFOR-Sprecher Peter Fuss
erklärte am Samstag, die Absturzursache werde noch genau
untersucht. Vielleicht liege auch ein Softwarefehler vor.
Der politische Direktor der UN-Mission «MONUC» im Kongo,
Albrecht Conze, zeigte sich besorgt über die Unruhen der
vergangenen Tage. «Jetzt droht es abzugleiten», sagte
Conze. Die 17 000 Mann der Vereinten Nationen versuchen schon seit
Jahren, besonders im Nordosten des Kongo die Rebellen
zurückzudrängen und für Ordnung zu sorgen. Allein bei
der Abschlusskundgebung des Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre
Bemba wurden am Freitag vier Menschen getötet. Bemba ist der
aussichtsreichste Gegenkandidat zu Amtsinhaber Joseph Kabila.
Unions-Verteidigungsexperte Bernd Siebert (CDU) sieht die EU-Truppen
nur bei einem «äußerst schlechten Verlauf» der
Wahlen im Kongo länger als die geplanten vier Monate in dem
zentralafrikanischen Land. Es komme darauf an, wie sich die Verlierer
der Wahlen verhalten werden, sagte Siebert der Nachrichtenagentur ddp.
Auch bei einer negativen Entwicklung ist nach Darstellung von Siebert
noch längst nicht sicher, ob sich die Bundeswehr an einem neuen
Einsatz beteiligen werde. «Ich bin sicher, dass unsere Soldaten
Weihnachten wieder zu Hause sind», unterstrich Siebert. Alle
jetzt angestellten Überlegungen für eine Verlängerung
des Mandats für die rund 2000 Mann starke EU-Truppe seien im
Augenblick hypothetisch. Bis jetzt gebe es keine nachhaltigen Anzeichen
für einen gewalttätigen Verlauf der Wahlen.
Der Unions-Wehrexperte sagte, nur «wenn der Himmel auf die Erde
fällt», käme eine Verlängerung des EU-Engagements
im Kongo infrage. Dann müsste «alles neu» im Bundestag
und in der EU beraten werden. «Dafür gibt es bis jetzt
keinerlei Anzeichen».
Siebert geht davon aus, dass die Anwesenheit der europäischen
Soldaten im Kongo eine «gute Wirkung» hat. Die
Bundeswehrsoldaten seien wie ihre Kameraden aus den anderen
Streitkräften darauf bedacht, durch «Flagge zeigen»
überall beruhigend auf die Lage einzuwirken. Die Soldaten der
Bundeswehr hätten beispielsweise auch in Afghanistan und auf dem
Balkan gezeigt, dass sie mit schwierigen Situationen fertig werden. Die
Soldaten seien für alle Lagen in richtiger Weise ausgebildet
worden.
(Quelle: ddp)
Vetomächte und Deutschland legen UNO Iran-Resolution vor
So.30.07.06 - Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Deutschland und die
fünf UN-Vetomächte auf einen gemeinsamen Resolutionsentwurf
zur Atomkrise mit dem Iran geeinigt. Der mehrfach überarbeitete
Entwurf wurde den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats vorgelegt, wie
Diplomaten mitteilten. Die Abstimmung könnte demnach Anfang
kommender Woche erfolgen. In ihrer Endfassung setzen die sechs
Verhandlungsnationen dem Iran eine Frist bis zum 31. August. Sollte
Teheran bis dahin nicht sein Programm zur Urananreicherung stoppen, kann
der UN-Sicherheitsrat die Verhängung von Sanktionen prüfen.
Hierfür wäre allerdings die Verabschiedung einer weiteren
Resolution erforderlich.
Der russische UN-Botschafter Witali Schurkin sagte, der
Resolutionsentwurf sei "eine Einladung zum Dialog". Darin würden
noch keine Sanktionen angedroht. Sollte Teheran sich jedoch unkooperativ
zeigen, werde der Sicherheitsrat auf der Grundlage des Artikels 41 des
Kapitel Sieben seiner Charta "Druckmittel wie etwa Sanktionen"
erwägen. Der Artikel sieht politische und Wirtschaftssanktionen
vor, nicht jedoch die Anwendung von Gewalt.
US-Präsident George W. Bush sagte: "Unsere Botschaft ist: Gebt
eure Atomwaffen und euer Streben nach Atomwaffen auf". Der
US-Botschafter bei der UNO, John Bolton, bezeichnete den
Resolutionsentwurf als "verbindliche und bindende Forderung" an Teheran,
seine Urananreicherungen zu stoppen. "Der nächste Schritt
wäre die Erwägung von Sanktionen im Sicherheitsrat, und wir
hätten dann das Ziel, diese Sanktionen mit Nachdruck
durchzusetzen", betonte der US-Botschafter.
Der französische UN-Botschafter Jean-Marc de la Sablière
sagte, er hoffe, die Resolution könne bis Montag verabschiedet
werden. Werde die Resolution angenommen, solle der Chef der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed ElBaradei,
über das Verhalten des Iran bis 31. August berichten.
Deutschland und die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat -
Frankreich, Großbritannien, China, Russland und die USA - hatten
seit Wochen über den gemeinsamen Entwurf einer Resolution
verhandelt, mit der Teheran zum Stopp seines Anreicherungsprogramms
bewegt werden soll. Strittig war lange Zeit vor allem, wie mit der
Androhung von Sanktionen verfahren werden soll. China und Russland
hatten sich vehement gegen Strafmaßnahmen gewandt.
(Quelle: afp)
Paramilitärs blockieren Indianerdörfer in Kolumbien - 17
Kinder tot
So.30.07.06 - Kolumbianische Paramilitärs, die offiziell bereits entwaffnet
sind, halten indianische Ureinwohner im Norden des Landes in der
Isolation. Mindestens 17 Kinder seien in der Bergregion Sierra Nevada
bereits verhungert oder an Tuberkulose gestorben, weil bei den
Einwohnern weder Essen noch Medikamente ankämen, sagte ein Sprecher
der Katholische Kirche am Freitag. Mit der Blockade wollten sich die
Paramilitärs rächen. Die indianischen Gemeinden hatten
erklärt, dass die Truppen noch aktiv sind, obwohl sie offiziell im
Frühjahr ihre Waffen abgegeben hatten.
(Quelle: afp)
Mehr als Zweidrittel der Deutschen gegen EU-Aufnahme der Türkei
So.30.07.06 - Mehr als Zweidrittel der Deutschen und damit weit mehr als in den
meisten Mitgliedstaaten sind gegen eine Aufnahme der Türkei als
Vollmitglied der Europäischen Union. Selbst wenn die Türkei
alle Aufnahmekriterien erfüllt, haben sich 69 Prozent der Deutschen
in der jüngsten "Eurobarometer"-Umfrage gegen den Beitritt des
Landes ausgesprochen, wie aus der am Freitag in Brüssel
präsentierten Umfrage hervorgeht. Nur 27 Prozent
befürworteten den Beitritt. Im Durchschnitt der EU waren 48 Prozent
gegen eine Aufnahme der Türkei und 39 Prozent dafür.
(Quelle: afp)
Deutsche Wirtschaft kritisiert große Koalition scharf
So.30.07.06 - In den deutschen Wirtschaftsverbänden wächst die
Unzufriedenheit mit der großen Koalition. "Die Beurteilung der
Arbeit der großen Koalition in der Wirtschaft ist deutlich
kritischer, als die öffentliche Diskussion dies momentan
widerspiegelt", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dem
Nachrichtenmagazin "Focus". Hundt beklagte demnach vor allem, dass es
auch der großen Koalition nicht gelinge, die Lohnnebenkosten in
Deutschland deutlich zu verringern. So sei eine Absenkung der
Sozialversicherungsbeiträge unter 40 Prozent "in ganz weite Ferne
gerückt".
Hundt bestätigte zudem, dass er für sein Unternehmen, den
Werkzeugbauer Allgaier, eine Produktionsverlagerung ins
osteuropäische Ausland erwägt: "Wir prüfen zurzeit, ob
wir in Eigenregie einen Werkzeugbau in einem kostengünstigeren
osteuropäischen Land aufbauen." Ein Stellenabbau am deutschen
Standort könne nicht ausgeschlossen werden.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags
(DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte dem "Focus", die deutsche Wirtschaft
profitiere derzeit "vor allem von der guten Konjunktur, aber nicht vom
Reformeifer der großen Koalition." Teilweise drohe sogar "eine
Verschlechterung der Standortbedingungen, wie durch die geplante
Gesundheitsreform".
Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger
Unternehmer (ASU), Patrick Adenauer, nannte es "erschreckend", wie sich
die große Koalition "selbst konterkariert, wenn sie zum Beispiel
an der einen Stelle die Lohnzusatzkosten senkt, um sie an einer anderen
Stelle zu erhöhen." Es sei "keine klare Linie erkennbar", sagte
Adenauer gegenüber "Focus".
Kritisch äußerte Adenauer sich auch gegen die derzeitige
politische Diskussion über eine Unternehmensteuerreform. Bestimmte
Vorschläge zu ihrer Gegenfinanzierung könnten zu einer
Belastung führen, die "noch schlechter ist als der Status quo". Er
fügte hinzu: "Aus einem Vorhaben zur Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen droht ein extrem
wirtschaftsfeindliches Gesetz zu werden."
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Videospiele mit Gewalt lassen Spieler abstumpfen
So.30.07.06 - Videospiele mit Gewalt und Aggression senken die Sensibilität
gegenüber realer Gewalt. Das haben amerikanische Psychologen in
Tests an mehr als 250 Studenten nachgewiesen, die sie mit authentischen
Bildern von Streitereien, Schießereien oder Kämpfen
konfrontierten. Bei Probanden, die sich zuvor 20 Minuten lang mit einem
Gewaltvideospiel beschäftigt hatten, fielen typische
Stressreaktionen wie Herzklopfen oder Schwitzen deutlich geringer aus.
Nicholas Carnagey von der Staatsuniversität von Iowa in Ames und
seine Kollegen schildern ihre Ergebnisse im Fachmagazin «Journal
of Experimental Social Psychology»
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1016/j.jesp.2006.05.003).
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler zunächst bei
den 124 männlichen und 133 weiblichen Probanden die physiologischen
Basisdaten wie Herzschlag und elektrischer Widerstand der Haut. Dann
hatte ein zufällig ausgewählter Teil der Teilnehmer 20
Minuten lang ein Videospiel mit gewalttätigem Inhalt zu spielen,
während sich die anderen mit einem Spiel ohne Gewalt
beschäftigten. Anschließend zeigten die Forscher den
Probanden ein zehnminütiges Video mit Polizeibildern, Szenen aus
Gerichtsälen, Schießereien und Kämpfen und maßen
gleichzeitig den Herzschlag und die Stressreaktionen auf der Haut.
Diese Bilder realer Gewalt führten bei den Probanden nach dem
aggressiven Spielen zu deutlich geringeren Reaktionen als bei den
Studienteilnehmern, die ein harmloses Spiel gespielt hatten, ergab die
Auswertung. Die Gewaltvideospiele führten dazu, dass sich die
Nutzer an Gewalttätigkeit gewöhnten und daher weniger auf
solche Bilder reagierten, erklärt Studienleiter Carnagey.
Auch wenn viele dieser Spiele ohne Blut und andere realistische Details
auskommen, bewirkten sie bei den Spielern, mit Aggressionen etwas
Positives zu assoziieren, so der Psychologe. Generell führe die
weite Verbreitung von Aggression in der Medienlandschaft zu einer
weitreichenden und systematischen Desensibilisierung gegenüber
Gewalt. In weiteren Studien wollen die Forscher nun herausfinden, in
welchem Maße auch andere Medien wie Filme und Fernsehsendungen zu
einem solchen Effekt beitragen.
(Quelle: ddp)