+++ Mo.31.07.06, 07:05
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Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens drei Iraker kommen bei Anschlägen ums Leben. Ehemaliger
US-Soldat beschreibt Gleichgültigkeit des Tötens im Irak.
US-Außenamt vertuschte offenbar zu hohe Irak-Ausgaben
Mo.31.07.06 - Bei Anschlägen im Irak sind am Sonntag drei Menschen getötet
worden. Ein Polizist starb in Falludscha, als ein Sprengsatz neben einer
Polizeistreife detonierte. Dies bestätigten die Behörden in
der Stadt 70 Kilometer westlich von Bagdad.
Bei einem Bombenanschlag auf einen Autobus wurden in der Nähe von
Mahawil, 80 Kilometer südlich von Bagdad, der Fahrer und ein
Fahrgast getötet. Zehn weitere Passagiere erlitten Verletzungen.
Der wegen Vergewaltigung und mehrfachen Mordes an irakischen Zivilisten
angeklagte frühere US-Soldat Steven Green hat im Gespräch mit
einem Kriegsberichterstatter der "Washington Post" die
Gleichgültigkeit des Tötens im Irak beschrieben. "Dort Leute
zu töten, ist wie eine Ameise zu zerquetschen", sagte der
21-Jährige dem Reporter. Die Zeitung veröffentlichte das etwa
einen Monat vor den mutmaßlichen Morden geführte Interview
am Sonntag. "Du tötest jemanden und dann sagst du, 'Los, holen wir
uns eine Pizza'", sagte Green. "Ich habe einmal auf einen Typ
geschossen, der nicht an einem Kontrollposten angehalten hat, und es
war, als wäre nichts gewesen".
Dabei habe er immer geglaubt, dass eine solche Erfahrung das Leben
verändere, sagte Green weiter. "Ich habe es getan und es war wie
'So, und jetzt?'". Der Ex-Soldat habe dabei mit den Achseln gezuckt,
heißt es in dem Zeitungsartikel.
Der Green zur Last gelegte Vorfall hatte sich Mitte März nahe
Mahmudijah rund 30 Kilometer südlich von Bagdad ereignet. Laut
Gerichtsakte drangen Green und drei weitere US-Soldaten in ein Haus ein
und ermordeten vier Mitglieder einer Familie. Der Angeklagte soll
zunächst den Vater, die Mutter und ein etwa fünf Jahre altes
Mädchen getötet haben. Anschließend hätten er und
ein anderer GI eine 15-jährige Tochter der Ermordeten
vergewaltigt, die Green daraufhin mit zwei oder drei Schüssen
getötet habe. Die alkoholisierten Täter versuchten demnach
auch, die Leiche der jungen Irakerin zu verbrennen. Green war Wochen
später wegen "Persönlichkeitsstörungen" aus der Armee
entlassen worden.
Die Tat war erst am 20. Juni bei einem Verhör von Mitgliedern aus
Greens Einheit ans Licht gekommen. Anfang Juli wurde im Irak Anklage
gegen fünf weitere US-Soldaten erhoben. Vier von ihnen wird eine
direkte Beteiligung vorgeworfen, ein fünfter Soldat wird
beschuldigt, von der Tat gewusst und geschwiegen zu haben. Die
Klageerhebung in den USA soll Mitte Oktober erfolgen.
Der Fall ist der bislang letzte in einer Reihe von schweren
Übergriffen auf irakische Zivilisten durch US-Soldaten. Bei der
US-Armee laufen bereits mehrere Ermittlungsverfahren gegen Soldaten,
die Zivilisten oder Häftlinge gezielt getötet haben sollen.
Im bisher schwerwiegendsten Fall wird Marineinfanteristen vorgeworfen,
im November als Rache für den Tod eines Kameraden wahllos 24
Einwohner von Haditha erschossen zu haben. Die Ermittlungen laufen noch.
Das US-Außenministerium hat laut einem Zeitungsbericht bei
Wiederaufbauprojekten im Irak die Budgets überschritten und dies in
der Buchhaltung vertuscht. Die Hilfsagentur des
Außenministeriums, USAID, habe die zusätzlichen Gelder in den
Bilanzen als Verwaltungskosten gekennzeichnet, berichtete die "New York
Times" unter Berufung auf einen Prüfbericht. Der Generalinspektor
für den Wiederaufbau im Irak prüfte demnach die Ausgaben
für den Bau eines Kinderkrankenhauses in Basra und stieß auf
Unregelmäßigkeiten.
Der Prüfbericht zu dem Krankenhaus spreche auch von weiteren
Wiederaufbauprojekten im Irak. USAID verwaltet 1,4 Milliarden Dollar
(1,1 Milliarden Euro) für Wiederaufbauprojekte im Irak.
In der vergangenen Woche hatten irakische und US-Vertreter laut "New
York Times" gesagt, das US-Außenministerium werde "wegen Problemem
mit dem Budget und dem Zeitplan" die Zusammenarbeit mit der für
das Projekt in Basra zuständigen Firma Bechtel beenden. Dagegen
habe das US-Unternehmen erklärt, es könne das Krankenhaus
wegen Sicherheitsproblemen in Basra nicht wie vorgesehen fertigstellen.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, das Projekt solle
trotz der "Herausforderungen" abgeschlossen werden. Zu dem
Prüfungsbericht sagte der Sprecher, das Außenamt werde ihn
genau ansehen.
(Quellen: afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.07.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am dreihundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.31.07.05 - Übergabe von sieben irakischen Städten anvisiert +++ 24 Tote bei
zahlreichen Anschlägen +++ Zwei Briten bei Anschlag auf
Botschaftskonvoi getötet +++ Zahl der Todesopfer des Anschlags in
Rabiaa auf 48 gestiegen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0507310.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israelischer Angriff tötet 56 Libanesen - 37 Kinder unter den
Opfern - Weltweit Entsetzen. Hunderte aufgebrachte Demonstranten
stürmen UN-Vertretung in Beirut. Israel bekräftigt Aufruf zum
Verlassen des Kampfgebietes. Olmert: Israel hat es mit einem Ende der
Kämpfe nicht eilig
Mo.31.07.06 - Ein verheerender israelischer Luftangriff auf das Dorf Kana im
Südlibanon mit 56 Toten, davon 37 Kinder, hat am Sonntag weltweit
Entsetzen und Empörung ausgelöst. Der Weltsicherheitsrat trat
auf Drängen des Libanons zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.
In Kana stürzten mehrere Häuser ein. Ein dreistöckiges
Gebäude, in dem etwa 60 Zivilisten Zuflucht gesucht hatten, wurde
zerstört. Rettungskräfte und Dorfbewohner gruben mit
bloßen Händen die Toten und Verletzten aus den Trümmern
aus. «Die meisten Menschen hier sind vor dem Bombenhagel anderswo
im Südlibanon geflohen», sagte ein Rotkreuzmitarbeiter.
Israels Militär teilte mit, es habe die Bevölkerung zum
Verlassen des Dorfes aufgefordert und machte die Hisbollah
verantwortlich.
Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora sprach von einem
«Kriegsverbrechen». Hunderte aufgebrachte Menschen griffen
die UN-Vertretung in Beirut an. Die Menge bewarf die Fassade des
UN-Sitzes im Zentrum der libanesischen Hauptstadt mit Steinen und
zerbrach die Glastüren am Eingang des Gebäudes, wie ein
AFP-Reporter berichtete. Anschließend stürmten sie in die
Eingangshalle und setzten UNO-Flaggen in Brand. Sie bezeichneten die
Politik Israels und der USA als "Barbarei". Die radikalislamische
Hisbollah kündigte «eine harte Vergeltung» für den
Angriff in Kana an.
Das bislang folgenschwerste Bombardement seit Beginn des
Libanon-Krieges vor fast drei Wochen versetzte Bemühungen von
US-Außenministerin Condoleezza Rice um eine Beruhigung der Lage
einen herben Rückschlag. Der libanesische Ministerpräsident
Fuad Siniora sprach von «Staatsterrorismus». Er forderte
eine sofortige Waffenruhe. Solange werde es keine Verhandlungen mit
Israel geben. Rice sagte daraufhin ihren Besuch in Beirut ab. Papst
Benedikt XVI. rief in einem eindringlichen Appell zum Frieden im Nahen
Osten auf.
Auf der Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates kritisierte
UN-Generalsekretär Kofi Annan den Luftangriff scharf und verlangte
mit Nachdruck eine sofortige Waffenruhe. «Die Autorität und
das Ansehen dieses Rates steht auf dem Spiel. Es fällt den Leuten
auf, dass (der Sicherheitsrat) in dieser Krise nicht schnell und
entschlossen handelt», warnte der UN-Chef.
Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton äußerte die
Erwartung, dass der Rat dem Libanon und speziell den Hinterbliebenen
sein «tiefes Bedauern» aussprechen werde. Einer Forderung
nach Waffenruhe würden sich die USA nicht anschließen. Auch
der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman meinte: «Wir
brauchen kein Ende der Feindseligkeiten und der Kämpfe, sondern
ein Ende des Terrors und der Hisbollah.» Das Militär hatte
den Angriff mit Raketen-Attacken der Hisbollah begründet, die vom
Gebiet des Dorfes ausgegangen seien.
Kurz vor einem geplanten Treffen mit US-Außenministerin
Condoleezza Rice sagte der Libanons Regierungschef am Sonntag vor der
Presse in Beirut: «Es gibt jetzt keinen Raum mehr für
Diskussionen bis es eine sofortige bedingungslose Waffenruhe
gibt». Mit dieser Entscheidung zeige seine Regierung
«Respekt vor den Seelen der unschuldigen Märtyrer und der
Kinder, die unter den Trümmern begraben wurden».
Der Luftangriff erfolgte im Morgengrauen, als noch viele Menschen
schliefen. Rettungskräfte sagten, es würden weitere Opfer
unter den Trümmern vermutet. Anwohner versuchten mit den
bloßen Händen, Eingeschlossene unter Betonplatten zu retten.
Ein Kind lag tot auf der Straße, eine Frau in einem roten Kleid
leblos zwischen zwischen Gebäudetrümmern. Die Menschen schrien
aus Wut oder Trauer.
Das Ziel des Angriffs war zunächst unklar. Das israelische
Militär erklärte, die Bevölkerung sei gewarnt worden. Die
Hisbollah trage die Verantwortung, weil sie von dem Ort aus Raketen auf
Israel abgefeuert habe.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hat sich nach dem Tod von
dutzenden libanesischen Zivilisten in Kana betroffen gezeigt. "Ich bin
tief betrübt über diesen furchtbaren Verlust unschuldigen
Lebens", sagte Rice in Jerusalem, wo sie mit ihrer israelischen Kollegin
Zippi Livni zusammengekommen war.
Israels Regierungschef Ehud Olmert drückte «tiefes
Bedauern» aus. Sein Land versuche, keine Zivilisten zu treffen.
Der Hisbollah warf er vor, Zivilisten als Schutzschilde für ihre
Angriffe zu nutzen. «Wir werden den Krieg nicht beenden»,
wurde Olmert zitiert. «Die Hisbollah, wie der ganze muslimische
Terror, bedrohen die westliche Zivilisation.»
Rice forderte von Israel mehr Umsicht zur Vermeidung ziviler Opfer. Sie
werde ihre Vermittlung für eine tragfähige Waffenruhe
fortsetzen, sagte sie in Jerusalem. «Wir wollen eine Waffenruhe
so schnell wie möglich (...), aber die Konfliktparteien
müssen sich auf eine Waffenruhe einigen.» Es gebe bei ihren
Gesprächen in Israel Fortschritte auf dem Weg zu einer politischen
Lösung des Konfliktes.
US-Präsident George W. Bush möchte die jüngste Gewalt-
und Terrorwelle im Nahen Osten zu grundlegenden Umwälzungen
nutzen. Er bezeichnete den Konflikt in seiner wöchentlichen
Radioansprache am Samstag als schmerzhaft und tragisch. «Aber
dies ist die Gelegenheit für größere Veränderungen
im Nahen Osten.»
Israel will einer Waffenruhe aber erst zustimmen, wenn die
Hisbollah-Miliz Bedingungen dafür erfüllt hat. Dazu
gehören Fortschritte im diplomatischen Prozess und Vorbereitungen
für eine multinationale Truppe», sagte der israelische
Ministerpräsident Olmert zu Beginn einer Kabinettssitzung in
Jerusalem.
In New York soll an diesem Montag ein Treffen möglicher
Teilnehmerländer einer Libanontruppe stattfinden. Die USA und
Großbritannien hatten sich für eine rasche Entsendung
multinationaler Truppen ausgesprochen. EU-Chefdiplomat Javier Solana
forderte die Europäer in einem Interview mit der «Bild am
Sonntag» auf, sich daran zu beteiligen.
In Deutschland wird eine mögliche Beteiligung zurückhaltend
diskutiert. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt sich die
Frage nach einem Nahost-Einsatz der Bundeswehr derzeit nicht.
«Wir wissen ja noch nicht einmal, wie das Mandat aussehen
wird», sagte sie.
Der französische Präsident Jacques Chirac verurteilte den
Angriff auf Kana als «unentschuldbar». Jordaniens
König Abdullah II. sprach von einem «hässlichen
Verbrechen». Auch die britische Außenministerin Margaret
Beckett zeigte sich entsetzt, vermied es aber, Israel ausdrücklich
zu verurteilen.
In der arabischen Welt wurden die Angriffe nahezu einmütig
verurteilt.
Kana war schon einmal Ziel eines verheerenden israelischen
Luftangriffs. Am 18.April 1998 bombardierte die israelische Luftwaffe
einen Beobachtungsposten der Vereinten Nationen am Stadtrand von Kana,
in dem etwa 800 Libanesen Schutz vor Bombardements gesucht hatten. Mehr
als 100 Menschen starben damals.
Israel erneuerte am Sonntag seinen Aufruf an libanesische Zivilisten,
den umkämpften Süden zu verlassen.
Bildungsministerin Jael Tamir drückte bei einer Kabinettssitzung
in Jerusalem zugleich ihr tiefes Bedauern für die Folgen des
Angriffs aus. «Jedes Leid von Kindern, Frauen und Zivilisten macht
sehr traurig, und ich bedauere es sehr», sagte sie.
Unter dem Schutz von Artillerie und Luftangriffen stießen derweil
israelische Soldaten und Panzer am Sonntagmorgen in einen neuen Teil des
Südlibanon vor. Die Truppen überquerten die Grenze in
Richtung Chiam. Aus israelischen und libanesischen Sicherheitskreisen
wurden Gefechte gemeldet. Eine israelische Militärsprecherin sagte,
das Ziel seien Stützpunkte der Hisbollah. Es handle sich um einen
ähnlichen Angriff wie die zwei früheren auf die
Hisbollah-Hochburgen Bint Dschbeil und Marun al-Ras. Die Zeitung
"Haaretz" berichtete unter Berufung auf israelische Verteidigungskreise,
die Armee sei angewiesen worden, das Tempo zu erhöhen. Es werde
davon ausgegangen, dass man in sieben bis zehn Tagen die Kämpfe
werde einstellen müssen.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sagte am Sonntagmorgen, sein
Land habe es mit einem Ende der Kämpfe nicht eilig. "Israel hat es
mit dem Erreichen eines Waffenstillstandes nicht eilig, bis wir die von
uns gesetzten Ziele erreicht haben", sagte er zu Beginn einer
Kabinettssitzung. "Dazu gehört das Reifen des diplomatischen
Prozesses und die Vorbereitung einer multinationalen Truppe."
Ein Vorschlag zum Ende der Kämpfe sieht vor, etwa 20.000
internationale Friedenssoldaten in einer Sicherheitszone entlang der
Grenze zu stationieren. Frankreich, das das Kommando einer solchen
Truppe übernehmen könnte, hat erklärt, dass Truppen erst
nach einer Waffenstillstandsvereinbarung in die Region geschickt
würden. Insgesamt war jedoch offen, welche Länder sich
beteiligen wollen. Die deutsche Regierung hat sich zurückhaltend
gezeigt.
Frankreich präsentierte am Samstagabend einen neuen Entwurf
für eine UN-Resolution, die eine Vielzahl von Bedingungen für
einen anschließenden dauerhaften Waffenstillstand nennt. Dazu
gehört die Entwaffnung aller Milizen sowie die Einrichtung einer
Pufferzone im Süd-Libanon. US-Außenministerin Condoleezza
Rice war am Wochenende in der Region zu Gespräche über eine
Lösung der Krise unterwegs. Die USA haben Forderungen nach einem
sofortigen Waffenstillstand abgelehnt und streben nach eigenen Angaben
zuvor eine umfassende Friedenslösung an.
Auslöser des Kriegs war die Entführung von zwei israelischen
Soldaten und der Tötung von mehreren weiteren durch die Hisbollah.
Diese setzt sich für die Vernichtung Israels ein und hat hunderte
Raketen auf den Norden des Landes abgefeuert. Israel hat inzwischen
zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert. Bei dem seit 19 Tagen
anhaltenden Gefechten sind mehr als 550 Menschen getötet worden,
die meisten von ihnen libanesische Zivilisten. Im Libanon sind nach
offiziellen Angaben etwa 750.000 Menschen auf der Flucht, in Israel
330.000.
(Quellen: rtr, afp, dpa)
Hintergrund: 'Menschliche Schutzschilde' sind Kriegsverbrechen
Der Missbrauch von Zivilisten als so genannte menschliche Schutzschilde
ist ein Kriegsverbrechen. Die jüngsten Vorwürfe richten sich
gegen die schiitische Hisbollah-Miliz, die sich samt Waffen offenbar
gezielt in libanesischen Wohngebieten versteckt.
Der israelischen Armee hat der Oberste Gerichtshof des Landes die
Nutzung menschlicher Schutzschilde verboten. Anlass waren Vorfälle
der Jahre 2002 und 2004 im Kampf gegen palästinensische
Aufständische.
Die Schutzschild-Taktik ist nicht neu: So nahmen beispielsweise
serbische Einheiten 1995 im Bosnienkrieg nahezu 400 UN-Blauhelme als
Geiseln, um sich vor NATO-Angriffen zu schützen. Im Kosovo-Krieg
1999 warf der damalige deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping
(SPD) Jugoslawien vor, albanische Flüchtlinge als menschliche
Schutzschilde vor NATO-Schlägen im Kosovo eingekesselt zu haben.
Weltweites Aufsehen erregte 1990 Iraks Diktator Saddam Hussein. Er
verbot nach dem Einmarsch in Kuwait zehntausend Ausländern die
Ausreise und quartierte viele seiner «Gäste» zum
Schutz vor Militärschlägen der USA und ihrer Verbündeten
in Kasernen und Industriekomplexen ein.
Völkerrechtliche Grundlage des Verbots ist die IV. Genfer
Rot-Kreuz-Konvention zum Schutz von Zivilpersonen. Die
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) betont, dass sich
alle Konfliktparteien daran halten müssen. Israel müsse die
Risiken für Zivilisten beachten, auch wenn die Hisbollah
bevölkerte Regionen rechtswidrig für militärische Zwecke
nutze. Auch die Anwesenheit militärischer Führer oder
Einheiten könnten keinen Angriff auf ein solches Gebiet
rechtfertigen.
Quelle: dpa, 31.07.06
|
Israelischer Reservist will nicht im Libanon kämpfen -
Gefängnis
Mo.31.07.06 - Ein israelischer Reserve-Offizier ist zu einer 28-tägigen
Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er den Dienst im Libanon
verweigerte. Er könne die Teilnahme an der Offensive gegen den
Libanon nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, begründete der
Hauptmann der Reserve, Namir Paster, seine Weigerung, berichtete der
öffentliche israelische Rundfunk am Sonntag. Angesichts des
hartnäckigen Widerstandes der schiitischen Hisbollah-Miliz hatte
das israelische Sicherheitskabinett am Donnerstag die Mobilmachung von
bis zu 30.000 Reservisten beschlossen. Sie werden derzeit einer
Intensivausbildung unterzogen, das sie auf den Einsatz im Libanon oder
in den Palästinensergebieten vorbereiten soll.
(Quelle: afp)
Uranmunition aus USA
UN-Berater wirft Israels Armee den Einsatz international
geächteter Waffen vor. »Verschmutzung bleibt für
Ewigkeiten in der Atmosphäre«... Mehr in der Tageszeitung
'junge Welt' vom 31.07.06:
http://www.jungewelt.de/2006/07-31/032.php
20 Taliban-Rebellen in Afghanistan getötet
Mo.31.07.06 - Bei Gefechten in der südafghanischen Provinz Urusgan haben die
US-geführten Koalitionstruppen nach eigenen Angaben mindestens 20
radikal-islamische Taliban-Kämpfer getötet. Die alliierten
Kräfte teilten mit, Rebellen hätten Koalitionssoldaten unter
anderem mit Panzerfäusten angegriffen.
Diese hätten das Feuer erwidert. Die Koalitionstruppen seien aus
der Luft unterstützt worden. Zivilisten, afghanische Soldaten oder
Koalitionstruppen seien nicht zu Schaden gekommen.
Mutmaßliche Taliban-Kämpfer griffen am Samstag einen
Polizeiposten in der nordafghanischen Provinz Kapisa an. Dabei wurden
nach offiziellen Angaben ein Polizist und vier Rebellen getötet. In
der südafghanischen Provinz Helmand hatten afghanische und
Koalitionssoldaten am Freitag 14 Rebellen getötet. 13
mutmaßliche Extremisten waren nach Polizeiangaben gefangen
genommen worden. Die Koalitionstruppen teilten unterdessen mit, es gebe
keine Hinweise, dass ihre Soldaten in den Tod von
Familienangehörigen eines afghanischen Parlamentsabgeordneten
Anfang Juli verwickelt gewesen seien.
(Quelle: dpa)
Erste freie Wahl im Kongo seit 40 Jahren 'überraschend friedlich'
Mo.31.07.06 - Nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs und des Verfalls haben die
Menschen im Kongo bei den ersten freien Wahlen seit 40 Jahren ihre
Stimme abgegeben. Nach Einschätzung der UN-Mission verlief die
Wahl «überraschend friedlich». Die 280
Bundeswehrsoldaten, die im Rahmen einer EU-Eingreiftruppe (EUFOR) in
Kinshasa stationiert sind, blieben den ganzen Tag in ihrem Lager. Die
Wahlberechtigung war nach ersten Schätzungen sehr hoch.
Lediglich in der Minenstadt Mbuji-Mayi im Osten des Landes kam es zu
Ausschreitungen von Oppositionellen, die zum Wahlboykott aufgerufen
hatten. Sie setzten sieben Wahllokale in Brand und plünderten zwei
Lastwagen mit Wahlmaterialien. In Kinshasa ging eine aufgebrachte Menge
gegen einen Anhänger von Präsident Joseph Kabila vor, weil er
angeblich Wähler bestochen hatte, und brannte sein Haus ab.
Zunächst war nicht bekannt, ob es Verletzte gab.
Insgesamt sei die Wahl aber wesentlich friedlicher verlaufen als
erwartet, meinte der Vizedirektor für politische Angelegenheiten
der UN-Mission im Kongo (MONUC), Albrecht Conze. «Es war ein
großer Festtag für das ganze Land», sagte er. Die
UN-Soldaten hätten nicht ein einziges Mal eingegriffen.
«Das ist ein historischer Moment für uns, ich bin sehr
bewegt», sagte die 46 Jahre alte Rose Muderwa mit Tränen in
den Augen. «Jetzt können wir wieder stolz sein, Kongolesen
zu sein.» Die ersten Wähler warteten schon im Morgengrauen
vor den Wahllokalen. Mehr als 25 Millionen Kongolesen waren aufgerufen,
ihren Präsidenten und das Parlament neu zu bestimmen. «Dies
ist der wichtigste Tag in der Geschichte unseres Landes», sagte
der 35 Jahre alte Kabila nach der Stimmabgabe in einer ehemaligen
Hochschule, in der fast alle Fenster zerbrochen sind. Jetzt sei es
wichtig, dass der Wiederaufbau des Landes beginne.
Neben Kabila traten 32 andere Kandidaten für die
Präsidentschaft an. Als aussichtsreich gilt Vizepräsident
Jean-Pierre Bemba, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Um die 500
Sitze des Parlaments bewarben sich landesweit etwa 9000 Kandidaten. In
Kinshasa bestand der Wahlzettel für die Parlamentswahl aus sechs
Postern mit Fotos und Namen der Kandidaten. Analphabeten konnten per
Fingerabdruck wählen. Etwa 1200 internationale Wahlbeobachter
waren im Einsatz.
Die Wahlkommission will das Ergebnis in drei Wochen verkünden, es
wird jedoch mit Verzögerungen gerechnet. Beobachter halten es
für möglich, dass es nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zu
Gewalt kommen könnte. In der letzten Woche des Wahlkampfs waren in
Kinshasa mindestens fünf Menschen getötet worden. Auf den
Straßen der Hauptstadt waren am Sonntagmorgen sowohl UN-Soldaten
in gepanzerten Fahrzeugen als auch kongolesische Sicherheitskräfte
zu sehen. Die UN- Mission im Kongo ist mit etwa 17.000 Mann die
größte weltweit.
Es waren die aufwendigsten Wahlen, die die Vereinten Nationen bislang
unterstützt haben. Die internationale Gemeinschaft hat etwa 360
Millionen Euro dafür aufgebracht. Die Organisatoren sprechen von
einem «logistischen Albtraum». In der ehemals belgischen
Kolonie, die mit ihren 2,3 Millionen Quadratkilometern etwa so
groß ist wie Westeuropa, gibt es so gut wie keine geteerten
Straßen. Die Wahlmaterialien wurden mit Hilfe der UN-Mission zum
großen Teil auf dem Luftweg in die abgelegenen Regionen gebracht.
(Quelle: dpa)
USA und Brasilien wollen Doha-Verhandlungen voranbringen
Mo.31.07.06 - Die USA und Brasilien schließen eine Wiederaufnahme der auf Eis
liegenden Gespräche zur Liberalisierung des Welthandels noch in
diesem Jahr nicht aus.
Beide Länder würden vorangehen in dem Bemühen, die
Doha-Runde zum Abbau von Handelsschranken wiederzubeleben, sagte die
US-Handelsbeauftragte Susan Schwab am Samstag in Rio nach einem Treffen
mit dem brasilianischen Außenminister Celso Amorim. Amorim
erklärte, er halte "fünf bis acht Monate" für einen
realistischen Horizont, um einen neuen Versuch zu wagen. Ein
Vorbereitungstreffen dazu könnte es bereits zwischen September und
November geben. Schwab hatte am Freitag gesagt, sollte es nicht
innerhalb der nächsten sechs bis acht Monate zu Fortschritten
kommen, sei wahrscheinlich, dass der Prozess zumindest deutlich an Fahrt
verliere.
Bereits am Donnerstag hatte US-Präsident George W. Bush gesagt, er
wolle sich für eine Wiederbelebung der "Doha-Runde" einsetzen. Die
US-Regierung werde Gespräche mit anderen Staaten führen, um
einen Ausweg aus der Situation zu finden.
Die von der Hoffnung auf eine Verringerung der weltweiten Armut
begleiteten Gespräche der G-6-Gruppe um Brasilien, USA,
Europäische Union (EU), Australien, Indien und Japan waren zu
Wochenbeginn im Streit um Beihilfen für die Landwirtschaft in den
USA und in der EU gescheitert.
Die USA und die EU wiesen sich gegenseitig die Schuld dafür zu.
Die Frage, wie weit die Industrienationen zur Öffnung ihrer
Märkte für Entwicklungsländer bereit sind, war seit
Beginn der vor fünf Jahren aufgenommenen Doha-Gespräche der
Welthandelsorganisation (WTO), einer der zentralen Streitpunkte. Die USA
gaben zuletzt etwa 20 Milliarden Dollar, die EU rund 80 Milliarden
Dollar für Hilfen an ihre Landwirte aus. Die Zeit für eine
Einigung wird knapp - auch weil das Verhandlungsmandat von Bush Mitte
2007 ausläuft und unklar ist, zu welchen Bedingungen es erneuert
werden würde.
(Quelle: rtr)
Flüchtlingstragödien vor Italien und Malta
Mo.31.07.06 - Bei neuen Flüchtlingstragödien im Mittelmeer sind am
Wochenende mehr als 13 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 17
weitere Bootsflüchtlinge aus Afrika würden vermisst, unter
ihnen acht Kinder, sagte der Kapitän eines italienischen
Fischerboots dem maltesischen Rundfunk. Er habe 17 Überlebende an
Bord der "Saverio Decelia" genommen. Bereits am Samstag waren auf dem
Weg von Libyen nach Italien 13 illegale Einwanderer ums Leben gekommen,
wie Überlebende berichteten.
Kapitän Vincenzo Nardulli sagte dem maltesischen Rundfunk, die
Flüchtlinge seien um ihr Leben geschwommen. Die Besatzung habe die
acht Männer und fünf Frauen etwa 75 Kilometer vor Malta aus
dem Meer gefischt. "Wir haben auch Leichen im Wasser treiben sehen",
sagte Nardulli weiter. Unter den 17 Vermissten sei auch ein 40 Tage
alter Säugling. Ihr Boot sei plötzlich voll Wasser gelaufen
und gekentert, hätte die Geretteten ihm erzählt. Ein Schiff
der maltesischen Marine habe die "Saverio Decelia" bis zum Hafen von La
Valetta eskortiert.
Am Samstag brachte die italienische Marine etwa 230 Kilometer
südöstlich der italienischen Insel Lampedusa ein havariertes
Flüchtlingsboot auf. Überlebende Boostinsassen sagten der
italienischen Nachrichtenagentur ANSA, 13 Mitreisende hätten die
Strapazen nicht überstanden. "Wir waren gezwungen, ihre Leichen
ins Meer zu werfen", sagte einer der 14 Geretteten. Sieben von ihnen
schwebten demnach in Lebensgefahr und wurden ins Krankenhaus in Palermo
gebracht, zwei von ihnen lagen im Koma. Den Berichten zufolge trieben
die illegalen Einwanderer ohne Trinkwasser und Nahrung seit 20 Tagen
hilflos auf dem Meer.
Am Donnerstag hatte Italien die Europäische Union um Hilfe bei der
Bewältigung des anhaltenden Flüchtlingsansturms gebeten.
Allein in den vergangenen zwei Wochen seien mehr als 2000 illegale
Einwanderer auf Lampedusa gelandet, hieß es in dem Schreiben von
Innenminister Giuliano Amato an EU-Justizkommissar Franco Frattini. Auf
der Mittelmeerinsel, aber auch im restlichen Staatsgebiet, seien die
Aufnahmelager für Flüchtlinge überlastet.
Das 200 Kilometer südlich von Sizilien gelegene Lampedusa ist nur
300 Kilometer von der libyschen Küste entfernt. Hier treffen
ständig neue Flüchtlinge ein, die sich über das
Mittelmeer auf den Weg nach Europa machen.
(Quelle: afp)
Deutschland
Kanzlerin Merkel besorgt über große Einkommensunterschiede
Mo.31.07.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich besorgt über die
Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland geäußert. "Wir
haben große Unterschiede in der Gesellschaft: Einige können
sich einen sehr guten Lebensstandard leisten. Aber ein Teil liegt
deutlich unterhalb des mittleren Niveaus", sagte Merkel. In ihren
Wahlkreis kämen oft Rentner, alleinerziehende Mütter und
Arbeitslose in die Bürgersprechstunde. "Sie bringen ihr
Haushaltsbuch mit und rechnen mir vor, wie wenig ihnen zum Leben
bleibt", berichtete die Kanzlerin. Für manche sei es eine echte
Herausforderung, wenn zum Beispiel der Kühlschrank kaputtgehe. "Das
finde ich schon bedrückend", sagte Merkel.
Die Kanzlerin wies die Forderung des nordrhein-westfälischen
Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) nach einem
klareren Profil der Union in der großen Koalition zurück.
"Die Union hat ein klares Profil", sagte Merkel der "BamS". "Ich glaube,
es ist deutlich erkennbar, welche Antworten die Union auf die
großen Probleme unseres Landes hat." Merkel nahm zugleich
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla gegen Kritik aus den eigenen
Reihen in Schutz. "Ronald Pofalla macht eine hervorragende Arbeit",
sagte sie.
(Quelle: afp)
Soziale Gegensätze groß wie nie zuvor
Neue Studie zur Einkommensentwicklung: Armutsrate klettert auf
Rekordniveau. DGB warnt vor gesellschaftlichen Konflikten
Die Einkommensunterschiede im wiedervereinigten Deutschland waren noch
nie so groß wie heute. Das geht aus bisher
unveröffentlichten Daten des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Lohnzuwächse für
Niedrigverdiener liegen kaum noch über der Inflationrate.
Auf Grundlage von jährlichen Haushaltsumfrage haben DIW-Volkswirte
die Verteilung der verfügbaren Haushaltseinkommen berechnet, die
sich aus Löhnen, Kapitaleinkünften, privaten
Unterhaltszahlungen und staatlichen Transfers zusammensetzen. Auch die
Größe der Haushalte und der Wert des Wohneigentums wurden
berucksichtigt. Auf Basis dieser Daten haben die Ökonomen den so
genannten Gini-Koeffizienten ermittelt - ein statistisches Maß
für soziale Ungleichheit. Dieser Koeffizient ist null bei
absoluter Gleichheit und eins bei extremer Ungleichheit.
Zwischen 2001 und 2005 ist der GiniKoeffizient von 0,27 auf 0,29
gestiegen. Damit hat die Ungleichheit das höchste Niveau seit
Beginn der Datenerhebung 1984 erreicht. Die Experten erwarten, dass Arm
und Reich noch weiter auseinander driften werden. Auch anziehendes
Wirtschaftswachstum werde daran nichts ändern. "Die
angekündigte Mehrwertssteuererhöhung hat ein konjukturelles
Strohfeuer entfacht", sagt Markus Grabka vom DIW. "Voraussichtlich wird
es nach 2007 wieder erlöschen."
Niedrigverdiener verlieren
Die soziale Ungleichheit nimmt in Deutschland eine Entwicklung, die aus
anderen Industrienationen bekannt ist. Vor allem in den USA haben sich
die Einkommensunterschiede seit Ende der neunziger Jahre dramatisch
vergrößert. Auch hierzulande konnten die Spitzenverdiener
ihre Bezüge zuletzt am deutlichsten steigern. Sie verzeichneten im
Zeitraum zwischen 1994 und 2004 inflationsbereinigte
Lohnerhöhungen von durchschnittlich 1,5 Prozent im Jahr.. Wer 1994
brutto mit 5300 Euro entlohnt wurde, bezieht heute real, also nach
Abzug der Teuerungsrate, 6200 Euro. Die mittlere Einkommensgruppe
konnte ihren Reallohn ebenfalls steigern, im Schnitt um 1, 1 Prozent
pro Jahr. Niedrigverdiener hingegen haben an der Einkomensentwicklung
kaum profitiert. Seit 1994 stieg ihr Realeinkommen jährlich nur um
0,2 Prozent von 1030 auf 1050 Euro.
Die Misere am unteren Ende der Einkommensskala wird auch durch die
Armutsrate verdeutlicht. Sie zeigt an, wie viele Haushalte weniger als
60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verdienen und damit unterhalb
der Armutsschwelle leben. 2005 betrug die Armutsrate in Deutschland
17,3 Prozent - ein Negativrekord. Besonders stark haben sich die
Einkommensverhältnisse in den neuen Bundesländern verschoben,
wo die Unterschiede zwischen Arm und R eich nach der Wiedervereinigung
gering waren. 1992 betrug der Gini-Koeffizient nur 0,2. Inzwischen ist
er auf 0,25 geklettert. Mehr als jeder fünfte Ostdeutsche lebt
unterhalb der Armutsschwelle.
Einfluss der Globalisierung
Als Hauptursache für die Differenzierung der Einkommensverteilung
nennt DIW-Experte Markus Grabka die Massenarbeitslosigkeit und die
nachlassende Leistungsfähigkeit der sozialen Sieherungssysteme.
Reformen der Bundesregierung hätten die Einkommensgegensätze
verschärft. " Sozialhilfeempfänger haben netto weniger in der
Tasche, weil sie sich an den Gesundheitskosten beteiligen müssen",
sagt Grabka. "Dagegen konnten die Wohlhabenden wegen der Senkung des
Spitzensteuersatzes ihr Nettoeinkommen erhöhen. " Auch die
Globalisierung habe zur wachsenden Ungleichheit beigetragen, weil sie
eine Spreizung der Löhne von gering und hoch qualifizierten
Arbeitnehmern bewirke.
Die neuen Daten des DIW werden den Debatten über die
Wirtschaftspolitik neuen Auftrieb geben. Dierk Hirschel, Chefvolkswirt
des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sieht mittelfristig sogar den
sozialen Frieden bedroht: "Wenn sich die Einkommensunterschiede so
weiter entwickeln wie bisher, bekommen wir französische
Verhältnisse", sagt er und spielt damit auf die Krawalle
perspektivloser Jugendlicher in Frankreich an. Um das zu verhindern,
fordert der Gewerkschaftsbund von der Bundesregierung eine
Neuausrichtung ihrer Politik. "Wir müssen weg von der
Haushaltskonsolidierung und hin zu einer wachstumsorientierten
Investitionspolitik", so Hirschel.
Auch Wirtschaftsforscher Markus Grabka ruft die Politik zum Handeln
auf. "Wichtigstes Ziel muss es sein, die Lohnnebenkosten zu senken",
sagt Grabka. "Das schafft mehr Arbeitsplätze und hilft den
Geringverdienern, die durch Sozialabgaben überproportional
belastet werden. "
Süddeutsche Zeitung vom 17.07.06
Das tägliche Korsett
Wie ein Müllwerker mit einem Netto-Stundenlohn von 4,90 Euro zu
leben versucht
Herr B. hat das Papier jetzt auf den Tisch gelegt und sieht es sich
noch einmal an. Er hat es aus einem Aktenordner genommen, es stehen
viele Zahlen darauf, die Herr B. nun vor sich hinmurmelt. "Meine
Abrechnung" hat er vorher gesagt, doch man könnte das Blatt vor
ihm auch die Papierform seines eigenen täglichen Korsetts nennen;
die Zahlen darauf haben den vergangenen Monat des Herrn B. nicht nur
geprägt, sondern sozusagen definiert. "BruttoNetto-Bezüge
für Februar 2006" steht oben auf dem Blatt, und die Zahlen
darunter bedeuten unter anderem, dass Herr B. an den Wochenenden nicht
in die Stadt gefahren ist, weil er den Sprit nicht bezahlen konnte,
dass er sich außerdem schon in der Monatsmitte Geld leihen
musste, erst vom Vater, dann von der Großmutter, und dass auf
seinen Kontoauszügen nun wieder eine höhere Zahl hinter dem
Minus steht. Obwohl er, auch das kann man auf dem Papier lesen, im
Februar mehr als 215 Stunden gearbeitet hat, fast 50 in der Woche. Zu
je 6,80 Euro. Brutto.
Netto hat das für Herrn B., 28 Jahre alt, ledig, keine Kinder, ein
bisschen mehr als 1000 Euro ergeben, die er Mitte März auf dem
Konto hatte. Herr B. ist das, was man einen Niedriglöhner nennt -
zieht man ab, was am Monatsende abzuziehen. ist, verdient er 4,90 Euro
mit jeder Stunde, in der er Mülltonnen vom Straßenrand zum
Müllwagen schiebt, sie leert und zurückstellt, fünf Tage
pro Woche in einem Landkreis in Deutschlands Süden. Genauer solle
man das bitte nicht schreiben, hat der Müllwerker B. gesagt, auch
nicht seinen Namen und den der Zeitarbeitsfirrna, die ihn bezahlt. Vor
ein paar Monaten hat sie den Auftrag von einem anderen Entsorger
angenommen, der dem Landkreis zuvor ein sehr günstiges Angebot
gemacht hatte - im Wissen darum, dass die eigenen Arbeiter für
dieses Angebot zu viel verdienten. Also griffen sie auf Zeitarbeiter
zurück, die selbst zu Tariflöhnen noch deutlich billiger zu
haben sind. "Bei uns verdienen die Leute ja beinahe das Doppelte", sagt
der Betriebsratsvorsitzende des Müllunternehmens, aber
darüber sollten sie mit den Leiharbeitern nicht sprechen.
Durchgesickert ist es trotzdem, und weil die Zeitarbeiter keinen
eigenen Betriebsrat hatten, forderten sie selbst vom Chef mehr Geld, so
erzählt das Herr B.: "Wer mehr verdienen will, soll sich einen
besseren Job suchen, hat der uns gesagt. Und jetzt halten alle das
Maul. Klar, ich auch."
Das ist nicht ganz einfach zu verstehen, wenn man Herrn B. einen
Nachmittag lang zugehört hat. Zwar erzählt er dann auch von
seiner Arbeit, von den Tagen hinten auf dem Müllwagen und der
Müdigkeit am Abend. Noch viel mehr aber erzählt er von der
Zeit davor, als er arbeitslos war, nach der abgebrochenen Lehre und den
paar Jobs, die danach kamen. Er sagt: "Als ich arbeitslos war, ging's
mir besser. Viel besser."
Herr B. hat sich damals ein Auto gekauft, er bekam umdie 1300 Euro im
Monat und musste dafür nichts tun, vor allem aber kaum Geld
ausgeben für Benzin. Etwas länger als eine Stunde fährt
er jetzt zur Arbeit, im Monat macht das 250 Euro. Ein Umzug kommt nicht
in Frage, beim älteren Bruder kann er zur Miete wohnen, so
günstig wie sonst wohl nirgends. Trotzdem bleiben nicht mehr als
80 Euro, wenn die Rate für das Auto gezahlt ist, außerdem
die Miete, der Sprit, die Versicherungen. Herr B. weiß nicht,
dass er sich den Lohn vielleicht vom Staat aufstocken lassen
könnte. Er will das wohl auch nicht wirklich wissen, er sagt:
"Wenn man arbeitet, muss es doch reichen." Sein Vater habe ihm geraten,
doch einfach nicht mehr hinzugehen. Doch kündigt Herr B. jetzt,
sperren sie ihn beim Arbeitsamt für drei Monate.
Außerdem wolle er doch arbeiten, schon wegen der Nachbarn, die
hätten am Ende ganz seltsam geschaut, als er immer zu Hause war.
"Und die haben ja Recht, man muss doch was arbeiten." So sagt Herr B.
das. Man könnte es auch so sagen: Bei der Frage, ob man nun Arbeit
hat oder nicht, geht es letztlich nicht nur um ein Blatt Papier mit
mehr oder weniger hohen Zahlen. Sondern auch darum, überhaupt
etwas tun zu dürfen. Zum Beispiel den Müll anderer Leute
beseitigen.
Das macht Herr B. nun seit ein paar Monaten, er wird immer besser,
genau wie die Kollegen. Schneller arbeiten sie trotzdem nicht. Sie
lassen sich unterwegs jetzt mehr Zeit, weil mit jeder Stunde, die sie
früher zu Hause sind, im Monat danach ein paar Euro weniger
bleiben. "Da arbeite ich lieber langsam und komm' erst abends um zehn
heim", sagt Herr B. Dann schaut er ziemlich lange auf den Tisch. Als
schäme er sich dafür.
Christoph Hickmann in der Süddeutschen Zeitung vom 04.04.2006
Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat 2005 11,9 Millionen Euro verdient
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603250.htm#06032519
Daimler-Chef Zetsche verdient in diesem Jahr 3,75 Millionen Euro
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604130.htm#06041315
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Links-Fraktionschef Lafontaine: 'Beim Volk abkassieren und die Reichen
schonen'
Mo.31.07.06 - Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine stellt der großen Koalition
nach acht Monaten im Amt ein schlechtes Zeugnis aus. Ihre Politik sei
«hundsmiserabel», sagte Lafontaine am Sonntag im
Deutschlandfunk. Die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
setze die Politik der Vorgängerregierung fort, die aus einer
Umverteilung von unten nach oben bestehe. Als Beispiele nannte er die
Mehrwertsteuererhöhung, die Abschaffung der Pendlerpauschale und
die Kürzung des Arbeitslosengeldes. Gleichzeitig sollten die
Unternehmen um viele Milliarden entlastet werden. Mit dieser Politik
werde die Regierung genauso scheitern wie die Vorgängerkoalition,
betonte Lafontaine.
Die Linkspartei setze dagegen in viel größerem Umfang auf
Investitionen in die Zukunft. Als Vorbilder nannte der Fraktionschef die
skandinavischen Länder mit ihren höheren Ausgaben im
Bildungsbereich oder im Ausbau der öffentlichen Infrastruktur. Zwar
liege die Steuern- und Abgabenquote in Dänemark und Schweden
deutlich höher als in Deutschland. Die Frage sei aber, wo
abkassiert werde. Die Bundesregierung kassiere beim Volk ab und schone
die Reichen. Die Linkspartei trete dagegen für die Einführung
einer Vermögenssteuer ein.
(Quelle: ddp)
CSU fordert weitergehende Regelungen für Arbeitsmarktreform
Mo.31.07.06 - Die CSU hat ein Positionspapier zur Arbeitsmarktreform vorgelegt, das
in vielen Punkten über den Koalitionsvertrag hinausgeht.
In dem von CSU-Generalsekretär Markus Söder verfassten Papier
fordert die Partei unter anderem eine Ausweitung der Regeln für
befristete Arbeitsverträge, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der
Spiegel" am Samstag vorab. Dabei sollen auch die Möglichkeiten
einer Anschlussbefristung geprüft werden. Weiterhin fordert die
CSU, den Gewerkschaften das Vetorecht bei Vereinbarungen zu streichen,
mit denen Arbeitgeber und Betriebsrat geltende Tarifverträge
übergehen. Auch eine Änderung des Streikrechts ist Bestandteil
des Positionspapiers.
(Quelle: rtr)
Wal-Mart-Übernahme durch Metro gefährdet Arbeitsplätze
Mo.31.07.06 - Die Übernahme der 85 deutschen Warenhäuser des US-Konzerns
Wal-Mart durch die Düsseldorfer Metro-Gruppe wird voraussichtlich
Arbeitsplätze kosten. Das bestätigte Metro-Chef Hans-Joachim
Körber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "An dem ein
oder anderen Punkt wird man auch über Arbeitsplätze reden",
sagte er. Gefährdet ist demnach vor allem die bisherige
Deutschland-Zentrale von Wal-Mart in Wuppertal. Körber nannte es
"nachvollziehbar", dass Metro langfristig nur eine Zentrale brauche.
Metro hatte am Freitag überraschend den Kauf der 85
Wal-Mart-Warenhäuser bekannt gegeben. Der Konzern will damit seine
angeschlagene Kette Real stärken. Körber zeigte sich
gegenüber der "FAS" zuversichtlich, dass die zuletzt mit Verlust
arbeitenden Real-Märkte 2009 "zu alter Ertragsstärke
zurückkehren und eine Umsatzrendite von drei Prozent erzielen"
könnten. Wal-Mart zieht sich mit dem Verkauf nach mehr als acht
Jahren ganz aus Deutschland zurück.
(Quelle: afp)
Verhandlungen über Anti-Terror-Datei kurz vor Abschluss
Mo.31.07.06 - Die langwierigen Verhandlungen über die Einrichtung einer
zentralen Anti-Terror-Datei stehen kurz vor dem Abschluss. Der
Gesetzentwurf soll nach der Sommerpause ins Kabinett eingebracht
werden, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Derzeit
laufe das Abstimmungsverfahren zwischen Bund und Ländern. Der
Gesetzentwurf sei zwischen SPD und Union "dem Grunde nach abgestimmt",
sagte der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz dem "Tagesspiegel am
Sonntag". Er gehe davon aus, dass die Beratungen ohne große
Probleme im September abgeschlossen würden.
Die geplante Datenbank soll einem "Spiegel"-Bericht zufolge nicht nur
Verdächtige und terroristische Verbindungen verzeichnen, sondern
auch Stiftungen und Unternehmen mit möglichen Verbindungen ins
islamistische Milieu. Die Regelungen des Entwurfs gehen demnach
erheblich weiter als ursprünglich geplant. Von Verdächtigen
sollten neben ihren persönlichen Daten auch Informationen
über Bank-, Telefon- und Internet-Verbindungen, ihre
Führerscheindaten und einschlägige Kontaktpersonen erfasst
werden.
Die Sprecherin des Innenministeriums wollte sich zu den konkreten
Inhalten des Gesetzentwurfes nicht äußern. Sie verwies aber
darauf, dass es schon im Frühjahr eine Verständigung
über eine Anti-Terror-Datei gegeben habe. Am Donnerstag habe es
ein Treffen auf Referentenebene zwischen Bund und Ländern gegeben.
Der "Spiegel" hatte unter Hinweis auf dieses Treffen berichtet, das
Bundesinnenministerium habe sich mit den Ländern
grundsätzlich auf eine zentrale Anti-Terror-Datei geeinigt, die
alle Erkenntnisse zum internationalen Terrorismus enthalten soll.
Mit dem Gesetzentwurf kommt das Bundesinnenministerium laut "Spiegel"
den Forderungen einiger unionsgeführter Länder nach, die sich
für eine Datei mit sämtlichen vorhandenen Angaben
ausgesprochen hätten. Dagegen hätten sich vor allem die
Geheimdienste gesträubt, die eine unkontrollierte Verbreitung
vertraulicher Details fürchteten. Ermittler rechnen laut "Spiegel"
mit mehreren tausend Betroffenen, die in der Datei erfasst werden.
Grüne und Linkspartei erneuerten ihre Kritik an dem Vorhaben.
Insbesondere die Trennung von Polizei und Geheimdiensten dürfe
nicht aufgehoben werden, erklärte der Parlamentarische
Grünen-Geschäftsführer Volker Beck in Berlin. Könne
die Polizei offen und frei auf Geheimdienst-Informationen zugreifen,
sei die Trennung faktisch aufgehoben.
Linkspartei-Vizepräsidentin Petra Pau hält die
Anti-Terror-Datei deshalb nicht mit dem Grundgesetz für vereinbar.
Sie bündele aber auch "ungebührlich viele und
vielfältige Daten". Pau geht davon aus, dass die Datei vom
Bundesverfassungsgericht kassiert wird.
(Quelle: afp)
Unbekannte schänden Holocaust-Mahnmal
Mo.31.07.06 - Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist am Samstag mit
nationalsozialistischen Zeichen besudelt worden. Unbekannte Täter
ritzten ein Hakenkreuz in eine Stele des Holocaust-Mahnmals in
Berlin-Mitte, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Mitarbeiter des
Sicherheitsdienstes hatten die Schmiererei gegen 11.00 Uhr bemerkt und
die Polizei alarmiert. Hinweise auf die Täter gibt nach Worten des
Sprechers nicht. Das Landeskriminalamt ermittelt.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Menschen empfinden laut Studie Klimawandel als Bedrohung
Mo.31.07.06 - Menschen empfinden den Klimawandel nach einer Studie als Bedrohung,
aber kaum jemand regt sich wirklich darüber auf. «Es fehlt
das emotionale Moment der Empörung», sagte der
Sozialwissenschaftler im Forschungszentrum Jülich, Hans Peter
Peters, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Ein Grund sei, dass niemand konkret für den Klimawandel
verantwortlich gemacht werden kann. Auffallend sei, dass kaum jemand
sein Verhalten ändere, um die Treibhausgase in der Luft zu
reduzieren.
Wissenschaftler von der Programmgruppe Mensch, Natur, Technik
untersuchten, wie gut Menschen durch Medien über den Klimawandel
informiert sind und wie sie mit der Information umgehen. 18 Monate lang
werteten sie Beiträge in 40 Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern
aus und befragten 180 nicht repräsentativ ausgewählte
Testpersonen. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass die Medien
die Problematik zum Thema Klimawandel sachgerecht transportieren und zum
Problembewusstsein beitragen.
«Die Bedrohung durch den Klimawandel wird als diffus
wahrgenommen», sagte der Projektleiter Peters. Die Menschen
könnten die globalen Zusammenhänge nicht einzeln analysieren.
Einen Anreiz, umweltbewusster zu handeln, gebe es für die meisten
Menschen nicht. Weniger Auto fahren oder Energie sparen, bewirke nichts,
sei die öffentliche Meinung. «Es fehlt der direkte
persönliche Nutzen», sagte Peters.
Es gebe zwar einzelne Vorreiter, die konsequent Energie sparen oder
Solartechnik auf ihrem Haus installieren. «Aber die Mehrheit sagt
sich, das muss die Politik angehen», sagte der
Sozialwissenschaftler. Das könne als Mandat für die Politik
verstanden werden zu handeln. Handlungsfelder können
Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasen in der Luft sein oder
die Anpassung von technischen Standards beim Hausbau etwa mit
unwettersicheren Dächern.
(Quelle: dpa)