Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertfünfundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Schiitenführer regt Aufstellung von Bürgerwehren im Irak an.
Erneut zahlreiche Tote bei Anschlägen
Do.03.08.06 - Angesichts der anhaltenden Gewalt im Irak hat ein schiitischer
Parteiführer die Aufstellung von Bürgerwehren angeregt.
Einwohner eines jeden Stadtviertels sollten sich
zusammenschließen, um die Sicherheitskräfte zu
unterstützen, erklärte am Mittwoch der Vorsitzende des
schiitischen Parteienbündnisses Vereinigte Irakische Allianz, Abdel
Asis al Hakim. Diese Bürgerkomitees sollten «den Irak, seine
Religion, seine Würde und seine Menschen verteidigen». Am
Vortag waren bei Anschlägen landesweit mehr als 70 Menschen
getötet worden.
Bei einer Bombenexplosion in Bagdad kamen am Mittwochmorgen neun
Menschen ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Zudem wurden im
Nordwesten der Stadt zwei per Kopfschuss getötete Leichen gefunden.
In der Ortschaft Chalis 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt
wurden zwei Polizisten aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen, ein
weiterer Polizeibeamter kam bei einem Anschlag in Mossul ums Leben.
Die Probleme beim Wiederaufbau der irakischen Infrastruktur sind laut
einem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Bericht auf
Planungsfehler noch vor Kriegsbeginn zurückzuführen. Die
Vergabe von Aufträgen für den Wiederaufbau habe zwar schon im
Sommer 2002 und damit Monate vor dem US-Angriff im März 2003
begonnen, heißt es in dem Bericht des Generalinspektors für
den Wiederaufbau im Irak, Stuart Bowen Jr. Wegen der Geheimhaltung der
Kriegsvorbereitungen sei die Auftragsvergabe durch verschiedene
Regierungsbehörden aber schlecht koordiniert worden. «Es ist
eine Geschichte von Fehlern und von Plänen, die schlecht durchdacht
oder von der anhaltenden Gewalt umgeworfen wurden», kommentierte
die republikanische Senatorin Susan Collins.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 03.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundersten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israels Luftwaffe greift wieder Beirut an. Raketenangriffe auf Israel
von Libanon aus. Israelische Armee verschleppt mehrere
Hisbollah-Mitglieder aus Libanon. EU lehnt Einstufung der Hisbollah als
Terrororganisation ab. Russland wirft USA Schwächung der UN im
Nahost-Konflikt vor. Islamische Staaten beraten über Situation im
Nahen Osten
Do.03.08.06 - Drei Wochen nach Beginn ihrer Offensive ist die israelische Armee tief
auf libanesisches Gebiet vorgedrungen und hat mehrere
Hisbollah-Mitglieder aus Baalbek verschleppt. Sie seien nach Israel
gebracht worden, teilte eine Armeesprecherin mit. Nach Angaben der
libanesischen Polizei wurden fünf Libanesen entführt. Elf
Zivilisten seien bei dem Einsatz im Osten des Libanon getötet und
etwa zwanzig weitere verletzt worden. Nach Angaben des israelischen
Vizeministerpräsidenten Schimon Peres könnte die Offensive
noch Wochen dauern.
Die an dem Einsatz im ostlibanesischen Baalbek beteiligten Soldaten
seien alle wohlbehalten nach Israel zurückgekehrt, teilte die
Militärsprecherin mit. Nach Angaben eines Hisbollah-Sprechers
landete ein israelischer Militärhubschrauber nahe Baalbek. Die
Insassen seien in ein Krankenhaus gestürmt, das von der Hisbollah
umstellt worden sei. Nach einigen Stunden hätten die Soldaten unter
massivem Feuerschutz aus der Luft das Krankenhaus wieder verlassen.
Bewohner berichteten, die israelischen Soldaten hätten sofort nach
Verlassen des Hubschraubers geschossen, zahlreiche Zivilisten seien
getötet oder verletzt worden.
Bei einem israelischen Luftangriff auf einen Armeeposten im Süden
des Libanon wurden drei libanesische Soldaten getötet. Jagdbomber
hätten die Stellung bei Sarba oberhalb des Hafens von Saida
beschossen, teilte die libanesische Polizei mit.
Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe auf Ziele der Hisbollah im
Libanon in der Nacht zum Donnerstag fortgesetzt. Raketen schlugen in dem
schiitisch dominierten Beiruter Vorort Dahieh ein, Augenzeugen
berichteten von mindestens vier Explosionen. Es war der erste Angriff
auf den schiitisch dominierten Stadtteil seit fast einer Woche. Auch am
Boden gingen die Kämpfe weiter.
Die Hisbollah-Miliz hatte am Mittwoch mehr als 210 Raketen auf Israel
geschossen, so viele wie bislang noch nie an einem Tag seit Beginn des
Konflikts vor drei Wochen. Die israelischen Bodentruppen stießen
im Süden des Libanons weiter auf erbitterten Widerstand. Bei
Gefechten in dem grenznahen Dorf Aita al Schaab wurde ein israelischer
Soldat getötet, wie die Streitkräfte am frühen
Donnerstagmorgen mitteilten. Vier Soldaten seien verletzt worden.
Israelische Truppen waren am Dienstag in die von der Hisbollah
kontrollierte Ortschaft eingerückt, seitdem kommt es dort zu
schweren Kämpfen, die nach Angaben des israelischen Armeerundfunks
am frühen Donnerstag anhielten. Der Fernsehsender der Miliz
berichtete, ein israelischer Panzer sei zerstört worden.
Hisbollah-Kämpfer hinderten die Soldaten den Angaben zufolge
daran, ihre verletzten Kameraden zu bergen.
Am Mittwochabend berichteten Augenzeugen von mindestens fünf
Luftangriffen auf die Umgebung der Bergdörfer Lweiseh, Dschbaa,
Sarba und Ein Busuar, rund 20 Kilometer von der Nordspitze Israels
entfernt.
Die israelischen Streitkräfte gestanden unterdessen einen Fehler
bei der Bombardierung des Dorfes Kana ein. In der libanesischen
Ortschaft starben am Sonntag 56 Menschen, die meisten von ihnen Frauen
und Kinder. In einem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten
Untersuchungsbericht zu dem weltweit Empörung auslösenden
Vorfall wirft Israel aber auch der Hisbollah-Miliz vor, Zivilpersonen
als Schutzschilde für ihre Raketenangriffe zu nutzen.
Man habe nicht gewusst, dass sich Zivilpersonen in dem angegriffenen
Gebäude befunden hätten, heißt es in einer
Zusammenfassung des Untersuchungsberichts. Wenn die Streitkräfte
über diese Information verfügt hätten, wäre der
Angriff nicht erfolgt.
Die nach dem Angriff auf Kana von Israel einseitig verhängte
48-stündige Feuerpause lief inzwischen ab. Zehntausende Menschen
nutzten die Zeit, um aus dem Südlibanon zu fliehen. Stellungen der
Hisbollah hatte die Luftwaffe ungeachtet der Feuerpause weiter
angegriffen. Peres sagte in Washington, es sei "eine Frage von Wochen,
vielleicht sogar weniger", bis die israelischen Truppen der
Hisbollah-Miliz den entscheidenden Schlag versetzen würden.
Die EU wird die Hisbollah nicht auf ihre Liste der Terrororganisationen
setzen. Das teilte der finnische Außenminister und amtierende
EU-Ratsvorsitzende Erkki Tuomioja am Dienstag nach einem Ministertreffen
in Brüssel mit. In der gegenwärtigen heiklen Lage werde man
dies nicht tun, sagte Tuomioja. Die Europäische Union verfährt
damit mit der Hisbollah anders als mit der palästinensischen
Hamas, die sie als Terrororganisation einstuft. Für die USA gelten
beide Gruppierungen als Terrororganisationen. Die
EU-Außenminister hatten bei ihrer Sondersitzung Israel und die
libanesische Hisbollah zu einer «sofortigen Einstellung der
Feindseligkeiten» aufgefordert und zu anschließenden
internationalen Verhandlungen über einen dauerhaften
Waffenstillstand aufgerufen.
Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) hat am Donnerstag auf
einem Krisentreffen in Malaysia über die Situation im Nahen Osten
beraten. Der malaysische Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi sagte,
die islamischen Nationen hätten die politische und moralische
Pflicht, dem Libanon und den Palästinensern beizustehen. Israels
Aggression dürfe nicht ungestraft fortgesetzt werden. Dem
UN-Sicherheitsrat fehle der Mut, die Angriffe zu verurteilen. An dem
Treffen in Putrajaya nahmen Vertreter von 17 der 56 OIC-Staaten teil.
Russland hat den USA vorgeworfen, mit ihrer Unterstützung Israels
die Position der Vereinten Nationen (UN) in der Nahost-Krise zu
schwächen.
"Die Unzufriedenheit unter den Ländern im Weltsicherheitsrat ist
in letzter Zeit gewachsen, da die USA bereit sind, jede Entscheidung zu
blockieren, die Israel unter Druck setzten könnte", sagte der
russische UN-Botschafter Witali Tschurkin in einem am Mittwoch
erschienenen Interview der Zeitung "Iswestia". Fast täglich
verliehen viele Delegationen bei Beratungen zum Krieg im Libanon dieser
Unzufriedenheit Ausdruck.
Tschurkin verwies in dem Interview darauf, dass die USA jede kritische
Äußerung gegen Israel in einer Resolution zum Tod von vier
UN-Beobachtern verhindert hätten. Die UN-Mitarbeiter waren im
Libanon durch israelisches Bombardement getötet worden. Der
Sicherheitsrat hatte sein Entsetzen darüber zum Ausdruck gebracht,
aber eine Verurteilung Israels vermieden
Israel will seine seit drei Wochen andauernde Offensive gegen die
radikal-islamische Hisbollah-Miliz im Libanon so lange fortsetzen, bis
eine multinationale Friedenstruppe im Süden des Landes stationiert
ist. Diese Schutztruppe müsse ein robustes Mandat haben, um eine
Entwaffnung der Hisbollah durchzusetzen, sagte der israelische
Ministerpräsident Ehud Olmert am Mittwoch der Nachrichtenagentur
Reuters.
Tschurkin sagte, Russland müsse sich vor einer Unterstützung
eines solchen Einsatzes erst ein Bild über die Zusammensetzung
einer derartigen Truppe machen. Russland, das im UN-Sicherheitsrat ein
Veto-Recht besitzt, unterstütze einen Waffenstillstand zur
Lösung humanitärer Probleme sobald wie möglich. In dem
Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nach der Entführung
israelischer Soldaten kamen rund 700 Menschen ums Leben, die meisten von
ihnen libanesische Zivilisten.
(Quellen: ap,, afp, rtr)
Blair für neues Konzept im Anti-Terrorkampf
Do.03.08.06 - Der britische Premierminister Tony Blair hat für ein neues Konzept
im Kampf gegen den Terrorismus geworben. Sobald der aktuelle
Libanon-Konflikt gelöst sei, "müssen wir unsere Strategie im
Kampf gegen die, die uns bedrohen, komplett überdenken", sagte
Blair in einer Rede in Los Angeles. "Wir brauchen eine Allianz der
Mäßigung, in der Moslems, Juden und Christen, Araber und
Westler, reiche und Entwicklungsländern in Harmonie miteinander
gemeinsam Fortschritte machen können."
Ohne ein Überdenken des jetzigen Vorgehens bei den Themen Armut,
Klimawandel, Handel und Nahost werde der Kampf gegen den Extremismus
verloren, sagte der britische Premierminister vor rund zweitausend
Zuhörern in einem Hotel.
Gleichzeitig bekräftigte Blair seine Haltung in Bezug auf den Irak
und betonte, dass er die USA in ihrem "Anti-Terror-Krieg" weiterhin
unterstütze. Blair ist der engste Verbündete von
US-Präsident George W. Bush im Irak. Blair beendete am Dienstag
einen viertägigen Wirtschaftsbesuch an der Westküste der USA.
(Quelle: afp)
Annan schlägt massiven UN-Einsatz im Sudan vor
Do.03.08.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat zur Befriedung der sudanesischen
Darfur-Region die massive Verstärkung der 6.200 von der
Afrikanischen Union gestellten Truppe vorgeschlagen. Die Vereinten
Nationen sollten die Schutztruppe sofort auf 15.300 bis 18.600 Soldaten
verstärken, forderte er in einem am Dienstag in New York
vorgelegten Bericht.
Zusätzlich sollte das internationale Polizeikontingent solle auf
5.300 Mann verdreifacht werden. Die Friedensmission, die von der
Regierung in Khartum noch genehmigt werden müsste, würde damit
den derzeit größten UN-Einsatz in Kongo übertreffen.
Sie muss auch noch vom Sicherheitsrat gebilligt werden.
Annan sagte zu der bisher ablehnenden Haltung der sudanesischen
Regierung, um diese umzustimmen seien «intensive Diskussionen mit
Khartum durch Sicherheitsratsmitglieder, wichtigen Mitgliedstaaten und
regionalen Organisationen sowie den Vereinten Nationen»
erforderlich. Es sollte keine Anstrengung gescheut werden, «die
einfache, mächtige Botschaft zu übermitteln: Internationale
Beteiligung wird die Chancen erhöhen, dass der Frieden in Darfur
Fuß fasst» und die notleidende Bevölkerung dort
geschützt wird, sagte Annan.
Im Darfur-Konflikt sind seit 2003 mehr als 200.000 Zivilpersonen ums
Leben gekommen. Mehr als zwei Millionen Menschen sind vor dem Konflikt
zwischen afrikanischen Stämmen in der westlichen Provinz und der
arabisch geführten Regierung in Khartum geflohen.
(Quelle: ap)
28 Tote bei Flüchtlingsdrama vor Westafrika
Do.03.08.06 - Beim Versuch, von der Küste Westafrikas auf die Kanarischen Inseln
zu gelangen, sind wenigstens 28 Afrikaner ertrunken. Ihre Leichen wurden
nach Angaben der marokkanischen Behörden am Dienstag an der
Küste der Westsahara nördlich von El Aiún entdeckt.
Die Afrikaner waren mit zwei Booten in See gestochen, um von der
spanischen Ex-Kolonie auf die Kanaren zu gelangen. Dabei
verunglückten sie offenbar mit ihren Booten im Atlantik. Die
Ursachen des Unglücks waren zunächst unbekannt.
Die Behörden in Marokko schlossen nicht aus, dass sich noch
weitere Flüchtlinge an Bord der beiden Boote befunden hatten. Sie
leiteten eine Untersuchung ein und fahndete nach den Schleppern, die die
Überfahrt organisiert hatten.
Der Zustrom afrikanischer Flüchtlinge auf die zu Spanien
gehörende Inselgruppe nahm in den vergangenen Wochen wieder zu.
Seit Anfang des Jahres gelangten nach Angaben der spanischen Regierung
über 13 000 Afrikaner illegal auf die Kanaren, mehr als doppelt so
viel wie im Vorjahr. Eine gemeinsame Operation der EU-Staaten zur
Eindämmung der illegalen Zuwanderung auf der Inselgruppe
verzögerte sich auf Grund bürokratischer Schwierigkeiten und
soll Mitte August beginnen.
(Quelle: dpa)
Zahlreiche Tote bei neuen Gefechten in Sri Lanka
Do.03.08.06 - Heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Aufständischen in
Sri Lanka haben die Furcht vor einem neuen Bürgerkrieg weiter
verstärkt. Allein am Mittwoch fielen den Kämpfen etwa 50
Menschen zum Opfer. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden
die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) daran gehindert, die
Hafenstadt Trincomalee im Nordosten des Landes einzunehmen. Dabei seien
mehr als 40 Rebellen getötet und rund 70 weitere verletzt worden.
Auch fünf Soldaten seien ums Leben gekommen.
Die Regierungsangaben wurden von anderer Seite vorerst nicht
bestätigt. Die Befreiungstiger erklärten lediglich, sie
hätten vier Militärlager bei Trincomalee überrannt. Damit
sei der Belagerungszustand ausgeweitet worden. Die Hafenstadt ist von
strategisch wichtiger Bedeutung in der Region, in der die tamilischen
Separatisten ihren eigenen Staat errichten wollen. Sie haben ihre
Hochburgen im Umkreis von Trincomalee.
In der nahe gelegenen Stadt Muttur schlugen mehrere von den Rebellen
abgefeuerte Mörser ein. Dabei wurde eine Zivilperson getötet,
13 weitere erlitten Verletzungen, wie ein örtlicher Arzt
erklärte. Erst am Montag waren bei heftigen Gefechten und einem
Bombenanschlag mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen.
(Quelle: ap)
Neue Welle der Gewalt in Thailand
Do.03.08.06 - Bei einer neuen Welle der Gewalt in den Unruheprovinzen im Süden
Thailands sind drei Polizisten durch eine Bombe getötet worden. In
der Nacht zum Mittwoch kam es zu mehr als 70 Anschlägen
mutmaßlicher muslimischer Extremisten auf Polizeistationen und
buddhistische Tempel, wie thailändische Medien meldeten.
Während der Nacht hätten Spezialisten zudem mehr als 20
selbstgebaute Sprengsätze entschärft, die entlang einer
Gleisstrecke lagen. Die drei Polizisten wurden getötet, als sie
sich einer der Bomben näherten. Die Brand- und
Sprengstoffanschläge fanden nach Behördenangaben etwa zur
selben Zeit statt.
Im islamisch geprägten Süden des mehrheitlich buddhistischen
Königreichs sind seit Anfang 2004 einer von militanten Muslimen
ausgelösten Gewaltwelle mehr als 1300 Menschen zum Opfer gefallen.
Die Extremisten verlangen eine Abspaltung der drei südlichen
Provinzen Narathiwat, Pattani und Yala von Thailand.
Nachdem der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt vor zweieinhalb Jahren
abermals aufflammte, kommt es immer wieder zu Anschlägen
militanter Muslime und Gegengewalt der Regierung. Bangkok hatte im
Herbst 2005 den Ausnahmezustand für die drei Südprovinzen
erklärt, wodurch die Machtbefugnisse der Behörden deutlich
ausgeweitet wurden. Die bei westlichen Touristen beliebten
thailändischen Reiseziele liegen allerdings abseits der
Unruheregion.
(Quelle: dpa)
Indien verbietet Kinderarbeit in Privathaushalten und Gastronomie
Do.03.08.06 - Die indische Regierung hat das Verbot der Kinderarbeit in
Industriebetrieben auf Privathaushalte und die Gastronomie ausgeweitet.
Kinder unter 14 Jahren dürften künftig weder als
Hausangestellte noch in Hotels, Gaststätten und Kurbetrieben
beschäftigt werden, erklärte das Arbeitsministerium am
Dienstag. Das Verbot tritt am 10. Oktober in Kraft. Arbeitgeber, die
dagegen verstoßen, müssen mit bis zu zwei Jahren Haft und
einer Geldbuße in Höhe von 20.000 Rupien (355 Euro) rechnen.
Ein Fachausschuss des Ministeriums begründete das Verbot damit,
dass Kinder bei der Arbeit häufig körperlich misshandelt oder
sexuell missbraucht würden. Am stärksten gefährdet seien
Kinder, die etwa in Autobahngaststätten arbeiteten und dadurch mit
ständig wechselnder Kundschaft zu tun hätten.
Nach Schätzungen der Regierung müssen in Indien rund 13
Millionen Kinder arbeiten. Zwar ist dies in den meisten
Industriebetrieben bereits seit längerem verboten, viele
Fabrikbesitzer kümmern sich aber nicht darum. Nach wie vor arbeiten
zehntausende Kinder selbst in Risikobetrieben, die Streichhölzer
oder Feuerwerkskörper herstellen. Nach Ansicht vieler Kritiker
nützen Verbote wenig, solange arme Familien zum Überleben auf
die Einnahmen ihrer Kinder angewiesen sind.
(Quelle: ap)
Treffen in Australien soll Welthandelsrunde neues Leben einhauchen
Do.03.08.06 - Bei einer Krisensitzung im September in Australien soll ein Versuch zur
Wiederbelebung der gescheiterten Welthandelsrunde unternommen werden.
Wie der australische Handelsminister Mark Vaile am Mittwoch
ankündigte, will seine Regierung bei dem Treffen vom 20. bis 22.
September einen Kompromissvorschlag vorlegen, um den Streit um die
Agrarsubventionen und Zölle der Industriestaaten beizulegen. Wie
Vaile im australischen Radiosender ABC erläuterte, sieht der
Vorschlag vor, dass die USA die von ihnen bisher vorgeschlagene
Kürzung ihrer Subventionen um fünf Milliarden Dollar (knapp
vier Milliarden Euro) erweitern. Zugleich solle die EU ihre Zölle
um fünf Prozent stärker reduzieren als bislang vorgesehen.
(Quelle: afp)
New York ruft erstmals Notstand wegen Hitze aus
Do.03.08.06 - Erstmals in der Geschichte hat New York wegen einer Hitzewelle den
Notstand ausgerufen. Die hohen Temperaturen seien
"lebensgefährlich", sagte Bürgermeister Michael Bloomberg. Das
Bürgermeisteramt rief alle Einwohner zum Stromsparen auf. Wer
"absichtlich" diese Anweisung missachte und zum Beispiel die Klimaanlage
auch bei Abwesenheit laufen lasse, müsse mit einer Anzeige
rechnen. Auch Washington und Chicago stöhnen unter der Affenhitze.
Dort herrschen derzeit Temperaturen von um die 38 Grad Celsius, je nach
Luftfeuchtigkeit liegen die gefühlten Temperaturen bei 43 bis 46
Grad.
New York richtete 338 klimatisierte Zentren in Behörden und
Altenheimen ein, um aufgeheizten Großstädtern Abkühlung
zu bieten. Krankenhäuser wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Die
städtischen Schwimmbäder mussten ihre Öffnungszeiten
über die Feierabendstunden hinaus verlängern.
Die Stadtverwaltung forderte vor allem Unternehmen und Behörden
auf, den Stromverbrauch zu drosseln. Auf diese Weise sollte eine
Überlastung des veralteten Netzes vermieden werden, das zuletzt im
August 2003 spektakulär zusammengebrochen war und die Megastadt
lahmgelegt hatte. Am Dienstag blieben bereits die Wahrzeichen Chrysler
Building und Empire State Building dunkel, deren erleuchtete Fassaden
sonst allabendlich die Skyline New Yorks prägen.
In Washington fuhren die U-Bahnzüge langsamer als sonst, um Strom
zu sparen. Menschen mit Atemwegsproblemen wurden in Fernsehspots davor
gewarnt, vor die Tür zu gehen. In Chicago mussten am Montag mehrere
hundert alte Menschen aus ihren Häusern geholt werden, weil das
Stromnetz teilweise zusammengebrochen war. Sie wurden nach einem
Bericht der "Chicago Tribune" in Hotels und einer Stadthalle
untergebracht. Etwa 20.000 Menschen waren von der Stromversorgung
abgeschnitten. Im Jahr 1995 gab es in Chicago fast 800 Hitzetote.
In den vergangenen Wochen hatte die Hitze den Westküstenstaat
Kalifornien fest im Griff. 136 Menschen starben an den Folgen der
Rekordtemperaturen. Im vergangenen Monat war auch in New York bereits im
Stadtteil Queens mehr als eine Woche lang der Strom wegen
Überlastung des Netzes ausgefallen.
(Quelle: afp)
Janukowitsch soll neuer Ministerpräsident der Ukraine werden
Do.03.08.06 - Gut vier Monate nach der Parlamentswahl will der ukrainische
Präsident Viktor Juschtschenko seinen prorussischen Rivalen Viktor
Janukowitsch zum neuen Regierungschef ernennen. Juschtschenko sagte in
der Nacht zum Donnerstag nach einem Treffen mit Janukowitsch, dieser
habe zugesagt, eine Erklärung zu unterzeichnen, die die
prowestliche Reformpolitik des Präsidenten festschreibe.
Der Ankündigung Juschtschenkos waren monatelange Verhandlungen
über die Bildung einer neuen Regierung vorangegangen. Um
Mitternacht lief eine von der Verfassung gesetzte Frist ab, innerhalb
derer der Präsident darüber entscheiden musste, Janukowitsch
als Ministerpräsident zu akzeptieren oder das Parlament
aufzulösen. Er sei sich bewusst, dass seine Entscheidung für
einige Ukrainer nicht hinnehmbar sei, sagte Juschtschenko.
«Aber ich denke, dass dies der Augenblick ist, die Ukraine zu
einen», erklärte der Präsident mit Blick auf die
Spaltung des Landes zwischen dem nach Russland orientierten Osten und
den westlichen Teilen, die in der «Orangenen Revolution»
offen zu Tage getreten war. Janukowitsch war Juschtschenkos Gegner bei
der später wegen Manipulationen aufgehobenen Präsidentenwahl
2004. Die Wiederholung der Wahl gewann der von der «Orangenen
Revolution» getragene Juschtschenko.
Janukowitsch war von der prorussischen Mehrheitskoalition aus
Sozialisten und Kommunisten im Parlament für das Amt des
Regierungschefs nominiert worden. Bei der Parlamentswahl im März
gewann seine Partei die meisten Sitze. Juschtschenko äußerte
sich zunächst nicht dazu, ob seine Partei sich an der Regierung
beteiligen werde. Das Parlament habe nun die Möglichkeit, stabil
fünf Jahre lang zu arbeiten, sagte der Präsident.
(Quelle: ap)
Deutschland
Institute revidieren Arbeitsmarktprognosen nach oben
Do.03.08.06 - Angesichts der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt sehen sich die
führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gezwungen, ihre
Beschäftigungsprognosen deutlich nach oben zu korrigieren. Das
berichtet die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag. Die
Vorhersagen dürften demnach sogar so weit geändert werden,
dass die Forscher im Jahresdurchschnitt von einer Zunahme der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse
gegenüber dem Vorjahreswert ausgehen. Eine solche Zunahme hatte es
zuletzt im Boomjahr 2000 gegeben.
"Die Prognosen müssen wohl nach oben revidiert werden", sagte der
Arbeitsmarktexperte Günter Schäfer vom
Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung
(RWI) in Essen. Ähnlich äußerte sich Steffen Henzel vom
Münchener Ifo-Institut. Im Jahresdurchschnitt 2006 dürfte
laut Schäfer die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen
in Deutschland um 50.000 bis 70.000 über dem Vorjahresschnitt
liegen. Noch Ende April hatten die Institute in ihrer gemeinsamen
Frühjahrsprognose einen Rückgang von 28.000 Jobs
prognostiziert, das Ifo-Institut hatte Ende Juni gar noch einen Verlust
von 55.000 regulären Stellen vorhergesagt.
Die bessere Entwicklung am Arbeitsmarkt könne zudem unmittelbare
Folgen für die Einnahmen der Sozialkassen haben, hieß es in
dem Bericht: Bislang gehen demnach zum Beispiel die Rentenversicherer
davon aus, dass die Zahl der regulären Jobs um etwa 50.000
zurückgehe. Käme es stattdessen zu einem Zuwachs in
ähnlicher Größenordnung, flössen nach
gängigen Faustregeln rund 500 Millionen Euro zusätzlich in
die Rentenkasse.
Auch die HypoVereinsbank (HVB) kündigte am Mittwoch eine Revision
der eigenen Arbeitsmarktprognose an: "Es ist durchaus möglich,
dass saisonbereinigt von Januar bis Dezember insgesamt bis zu 400.000
neue reguläre Stellen entstehen", sagte HVB-Fachmann Andreas Rees
der Zeitung. Noch vor wenigen Tagen hatte die HVB lediglich ein Plus
von 250.000 Jobs vorhergesagt.
(Quelle: afp)
Kehrseite der Arbeitsmarktzahlen
Die Jobcenter melden neue Stellen. Aber viele Interessenten finden nur
Zeitarbeit oder machen sich selbstständig. Prognosen über
'sichere Jobs' können nach hinten losgehen...Mehr in der taz vom
03.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/03/a0118.1/tex
Konflikt über Gesundheitsreform: Krankenkassen und
Gesundheitsministerin weiter uneins
Do.03.08.06 - Der Konflikt zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und Fachministerin
Ulla Schmidt (SPD) über die Gesundheitsreform schwelt weiter.
«Wir haben nicht alle Fragen lösen und alle Bedenken
beiseite schieben können», sagte Schmidt am Mittwoch nach
dem Treffen mit Vertretern der 50 größten Kassen in Berlin.
Die Kassen meldeten erneut Änderungsbedarf in allen wichtigen
Punkten an. Beide Seiten wollen den Dialog fortsetzen. Bereits am
Vortag hatten Schmidt und die Kassenverbände bei einem Treffen
ihre Differenzen nicht ausräumen können.
Der Vorstandschef der DAK, Herbert Rebscher, zog das Finanzkonzept in
Zweifel. Schmidt habe Steuermittel bereits fest einkalkuliert,
über die es bislang nur «vage Andeutungen» gebe. Aus
dem von der Koalition geplanten Konzept werde nur dann «ein Schuh
draus, wenn man ein staatliches Gesundheitssystem zum Ziel hat».
Rolf Hoberg von der AOK Baden-Württemberg kritisierte, dass die
Eckpunkte in der Koalition selbst «massiv unterschiedlich»
interpretiert würden. Nach seinem Eindruck wüchsen auch im
Ministerium die Zweifel, wie der umstrittene Gesundheitsfonds zu
organisieren sei.
Schmidt kündigte an, in weiteren Gesprächen auf Expertenebene
würden die Kassen nun an der Ausgestaltung des Fonds mitarbeiten.
Sie gehe davon aus, dass Kassenvertreter nicht weiter durch
Fundamentalkritik Mitarbeiter und Versicherte verunsichern, sagte
Schmidt. In dem Gespräch zeigte sie sich nach Teilnehmerangaben
«empört» und «erstaunt» über
Äußerungen von Kassenvertretern der vergangenen Wochen. Das
Ministerium werde nicht zögern, die Beachtung juristischer Grenzen
der Informationspläne der Kassen aufsichtsrechtlich durchzusetzen.
Dazu soll ein weiteres Gespräch zwischen Kassen- und
Ministeriumsvertretern an diesem Donnerstag dienen. Die Kassen
verwahrten sich gegen den Vorwurf einer «Kampagne».
Nach dem Treffen wies Schmidt darauf hin, dass das Meinungsspektrum der
Einzelkassen «sehr viel differenzierter» sei als das der
Kassenverbände. Diese hatten angekündigt, an ihrer
Informationsoffensive festzuhalten. In Koalitionskreisen wird unter
Berufung auf PR-Experten davon ausgegangen, dass die
Informationspläne der Kassen 1,04 Millionen Euro kosten und
zusätzlich die Tagesarbeit von 119 Mitarbeitern erfordern.
Schmidt warb für den Fonds als Möglichkeit, das Solidarsystem
der Krankenversicherung zu erhalten. Nun komme es vor allem darauf an,
dass der Finanzausgleich zu Gunsten von Kassen mit vielen Kranken
genauer werde. Sie rief die Kassen zu schnellen Vorbereitungen auf den
geplanten gesteigerten Wettbewerb auf. «Wir wollen den Fonds so
ausgestalten, dass er die Kosten des Gesundheitswesens auch
abdeckt», versicherte die Ministerin. Ein künftiger
Zusatzbeitrag bei zu vielen Kassen müsse gegebenenfalls durch eine
allgemeine Beitragssatzsteigerung verhindert werden.
Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) riet den Krankenkassen in der
«Mittelbayerischen Zeitung» (Donnerstag), auf die
Ausgestaltung des Gesundheitsfonds im Gesetzgebungsverfahren Einfluss
zu nehmen. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) sagte im
Deutschlandfunk, statt eine Kampagne gegen den Fonds zu beginnen
sollten die Kassen sich lieber mehr darum kümmern, wie man ihn mit
weniger Bürokratie als beim jetzigen Einzugsverfahren gestaltet.
(Quelle: dpa)
Krankenkassenchefs sind Spitzenverdiener
Do.03.08.06 - Die Chefs der Krankenkassen gehören zu den Top-Verdienern in
Deutschland: Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse, die Barmer und die
kaufmännische Krankenkasse (KKH) zahlen ihren Vorstandschefs im
Vergleich das höchste Gehalt. So erhält DAK-Chef Herbert
Rebscher jährlich 220.797 Euro, wie das Wirtschaftsmagazin
«Capital» nach einer Analyse von Vorstandsgehältern
aus 155 Krankenkassen am Mittwoch vorab berichtet.
Insgesamt erhielten demnach fünf Kassenchefs eine
Grundvergütung von 175.000 Euro oder mehr. Neun weitere
Vorstandschefs bringen es auf mehr als 150.000 Euro, weitere 17 auf
130.000 Euro oder mehr. Fast die Hälfte der Spitzenvertreter
erhält laut «Capital» mehr als 100.000 Euro
Jahresgehalt. Zur Grundvergütung kämen oft noch
großzügige variable Gehaltsbestandteile hinzu, die im besten
Fall bis zu 77 Prozent ausmachten, schreibt das Blatt.
(Quelle: ap)
Sinti und Roma fordern Bau von Denkmal für NS-Opfer
Do.03.08.06 - Anlässlich des internationalen Gedenktages in Auschwitz hat der
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma den Bau des geplanten Denkmals in
Berlin eingefordert. Die jüngsten Verzögerungen seien
"völlig unverständlich", erkärte der Vorsitzende des
Zentralrats, Romani Rose. Mehrfache Nachfragen hätten nichts
ergeben. In der Nähe des Berliner Reichtstages ist ein Denkmal
für die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma geplant. Der lange
Streit um die Inschrift dauert an, obwohl sich der Zentralrat schon mit
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) geeinigt hatte. Dagegen hatte
die Sinti-Allianz protestiert.
25 KZ-Überlebende der Sinti und Roma aus Deutschland wollten
gestern im Beisein von Rose an der jährlichen internationalen
Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die vor 62 Jahren in
Auschwitz-Birkenau ermordeten Sinti und Roma teilnehmen. Aufgrund von
Himmlers "Auschwitz-Erlass" vom 16. Dezember 1942 hatte die SS 23.000
Sinti und Roma aus elf Ländern Europas in das Vernichtungslager
deportiert. Am 2. August 1944 ermordete die SS dort in den Gaskammern
die letzten 2900 Sinti und Roma. Zuvor von SS-Ärzten noch als
"arbeitsfähig" selektierte 3000 Sinti und Roma kamen als
Sklavenarbeiter in andere Konzentrationslager wie Buchenwald und
Ravensbrück. In Europa wurden nach Angaben des Zentralrats 500.000
Roma und Sinti Opfer des Holocaust.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Elternliebe hängt von den Ressourcen ab
Do.03.08.06 - Elternliebe hängt von den Umwelt-Ressourcen ab - das haben
Biologen bei Vögeln erstmals wissenschaftlich nachweisen
können. Wie die Forscher aus Frankreich, Großbritannien und
der Schweiz in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society,
Biological Sciences" berichten, geben zwei beobachtete Zugvogel-Arten
ihren schwächeren Jungen besonders viel zu essen, solange es
Nahrung im Überfluss gibt. Wird das Futter jedoch knapp, bevorzugen
die Elterntiere die stärksten ihrer Nachkommen. Damit wird ein
wichtiger Grundsatz der Evolutionstheorie belegt: Arterhaltung ist
Tieren im Zweifel wichtiger als das Überleben der Schwächeren.
Für ihre Studie wählten die Forscher im französischen
Toulouse, im schottischen Glasgow, im englischen Bristol und im
schweizerischen Lausanne Alpensegler und Stare aus. Die Jungtiere dieser
Zugvögel weisen eine besondere Haut auf, die UV-Strahlen je nach
Gesundheitszustand reflektiert. An diesem Indikator orientieren sich
die Eltern, um zu entscheiden, welchem ihrer Jungen sie zu essen geben
- vorzugsweise den Schwächeren, bei Nahrungsmangel aber
schließlich den Stärkeren, die dann größere
Chancen haben, das Überleben der Art zu sichern.
(Quelle: afp)