Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Neun Leichen aus Tigris geborgen. Mindestens zehn Tote bei Anschlag auf
Bagdader Markt. 14 Tote bei Angriff auf Kontrollposten im Süden von
Bagdad. Scheidender britischer Botschafter warnt vor Bürgerkrieg
und rechnet mit Teilung des Irak
Fr.04.08.06 - Im Tigris sind am Donnerstag neun Leichen entdeckt worden, wie die
irakische Polizei berichtete. Mindestens zwei der Toten seien gefesselt
gewesen und hätten Schusswunden aufgewiesen. Angriffen in mehreren
Städten des Landes fielen erneut zahlreiche Menschen zum Opfer. Der
scheidende britische Botschafter im Irak, William Patey, rechnet
angesichts der anhaltenden Gewalt mit einer Teilung des Landes.
Bei einem Anschlag auf einen Marktplatz in der Innenstadt von Bagdad
sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Nach Angaben des
Verteidigungsministeriums wurden mindestens 20 weitere Menschen
verletzt. Im Süden Bagdads töteten bewaffnete Männer 14
Menschen.
Die Bombe in Bagdad explodierte auf dem Schordschah-Markt, auf dem vor
allem mit Elektrogeräten gehandelt wird. Die Explosion war so
heftig, dass sie eine Säule aus Rauch und Staub über der
Stadt aufsteigen ließ. Erst am Mittwoch waren im Irak landesweit
44 Menschen bei Anschlägen getötet worden.
Bei einem Angriff auf einen Kontrollposten auf der Straße nach
Kut starben inder Nacht zum Donnerstag acht Zivilisten und sechs
Polizisten, wie es in Polizeikreisen in Kut hieß. Der
Kontrollposten in El Wahda liegt rund dreißig Kilometer
südlich von Bagdad. Nicht weit entfernt hatten die irakische
Polizei und das Militär bei einem gemeinsamen Einsatz am Vorabend
15 Aufständische getötet, wie das Verteidigungsministerium
mitteilte.
Nach tödlichen Schüssen auf zwei Journalisten in den
vergangenen Tagen rief die Organisation Reporter ohne Grenzen am
Donnerstag zu Ermittlungen und zum besseren Schutz von Medienvertretern
auf. Kein bewaffneter Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg habe so viele
Opfer im Pressebereich gefordert. Seit Beginn der US-Offensive seien
bereits 100 Journalisten und Assistenten getötet worden. Zwei
weitere würden vermisst, drei seien in Geiselhaft. Auch das Komitee
zum Schutz von Journalisten (CPJ) mit Sitz in New York beklagte die
Ermordung zweier Journalisten am Sonntag und Montag.
Der bisherige britische Botschafter in Bagdad warnte laut
Medienberichten vor einem Bürgerkrieg im Irak und einer Spaltung
entlang ethnischer Linien. "Die Aussicht auf einen Bürgerkrieg und
eine faktische Teilung des Irak sind derzeit wahrscheinlicher als ein
erfolgreicher Übergang zu einer stabilen Demokratie", schrieb
Patey in seinem letzten Telegramm an die britische Regierung, bevor er
den Irak verließ, wie die BBC berichtete. Selbst "die reduzierten
Erwartungen" von US-Präsident George W. Bush - eine irakische
Regierung, die sich selbst erhalten, selbst verteidigen und selbst
regieren könne - seien "zweifelhaft", heißt es in dem
Schreiben.
Die Lage im Irak sei schwierig, aber "nicht hoffnungslos", schätzt
der Diplomat. Sie werde auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren
"ungeordnet und schwierig" bleiben. Pateys Schreiben war an
Premierminister Tony Blair, an das Außen- und
Verteidigungsministerium sowie an weitere Minister und ranghohe
Militärs gerichtet. Der Botschafter weicht damit von der
offiziellen Haltung der Regierung ab, die sich bislang zuversichtlich
gegeben hatte, was die Zukunft des Irak angeht.
Unterdessen traf der japanische Außenminister Taro Aso zu einem
Überraschungsbesuch in Bagdad ein, wie die Nachrichtenagentur Kyodo
berichtete. Geplant seien Treffen mit dem irakischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und Außenminister Hoschjar
Sebari.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 04.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.04.08.05 - 14 US-Soldaten bei Anschlag getötet. Seit Beginn des Kriegs kamen
mindestens 1.820 US-Soldaten im Irak ums Leben. US-Streitkräfte
sprechen von besonders schlagkräftigem Feind im Irak +++
US-Präsident Bush schließt vorzeitigen Irak-Rückzug
erneut aus +++ US-Journalist nach Entführung erschossen +++ Immer mehr
Kurden kehren nach Kirkuk zurück +++ Iraker werfen benachbartem Emirat
Öldiebstahl und Landraub vor...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508040.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Südafghanistan: Mehr als 20 Tote bei Anschlag auf Markt - Vier
ISAF-Soldaten bei Angriffen getötet
Fr.04.08.06 - Bei einem Selbstmordanschlag auf einem Markt in der
südafghanischen Provinz Kandahar sind am Donnerstag mindestens 21
Menschen getötet worden, darunter mehrere Kinder. 13 weitere
Personen wurden nach Behördenangaben verletzt. Bei zwei
Anschlägen mutmaßlicher Taliban wurden außerdem vier
kanadische NATO-Soldaten getötet.
Drei der Soldaten starben nach Angaben der NATO bei einem
Granatenangriff außerhalb von Kandahar. Weitere sechs Soldaten
hätten Verletzungen erlitten. Sie seien jedoch nicht in
Lebensgefahr. Bereits zuvor war ein kanadischer NATO-Soldat bei einem
Bombenanschlag getötet worden.
Bei einem gemeinsamen Einsatz von Soldaten der ISAF und der
afghanischen Polizei wurden mindestens zehn Taliban-Kämpfer
getötet. Die Gefechte fanden nach einem Angriff auf Polizisten am
Mittwochabend in der südlichen Provinz Helmand statt, wie die
Polizei am Donnerstag berichtete. Die NATO-Soldaten hätten sich
mit Luftangriffen an den Kämpfen beteiligt.
Die afghanischen Behörden forderten unterdessen hunderte
südkoreanischer Christen, die als Helfer in Afghanistan tätig
sind, zum Verlassen des Landes auf. Zur Begründung hieß es,
sie wollten die islamische Kultur untergraben. Der Leiter der Gruppe,
Choi Han Woo, wies die Vorwürfe zurück. Seine Leute
hätten sich an keinen religiösen Aktivitäten beteiligt.
Chois Gruppe umfasst 1.200 Personen. Sie leisteten humanitäre
Hilfe und beteiligten sich an der Organisation eines Kulturfestivals.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Luftwaffe greift erneut Beirut an. Olmert lehnt syrische
Beteiligung bei Friedensgesprächen ab. USA und Frankreich beraten
über UN-Resolution zu Nahost. Islamische Länder erwägen
moslemische Libanon-Truppe. Nach Regierungsangaben schon mehr als 900
Tote im Libanon. Menschenrechtsgruppe wirft Israel Kriegsverbrechen
vor. UN sehen 'Tragödie im Gazastreifen'
Fr.04.08.06 - Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum (heutigen) Freitag
erneut den Süden Beiruts bombardiert. Ziele seien Einrichtungen
der schiitischen Hisbollah-Miliz und ein Büro der Hamas im
Stadtteil Dahieh gewesen, teilten die Streitkräfte mit. Lokale
Medien berichteten, Kampfjets hätten in weniger als einer Stunde
24 Angriffe geflogen.
Erstmals seit Beginn des Konflikts griff Israel auch den Stadtteil
Ouazi an, der ebenfalls als Hisbollah-Hochburg gilt. Fernsehbilder
zeigten dort große Feuer. Zunächst war unklar, ob auch der
nahe gelegene Flughafen von Beirut getroffen wurde. Auch über
mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Die
israelischen Streitkräfte hatten am Donnerstagabend
Flugblätter abgeworfen, in denen die Bewohner zum Verlassen der
Gegend aufgefordert wurden.
Israelische Kampfflugzeuge flogen zudem drei Angriff in der Nähe
von Baalbek im Osten des Libanon, wie der Hisbollah-Sender Al Manar und
Augenzeugen berichteten.
Zuvor hatte Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah erstmals mit
Raketenangriffen auf Tel Aviv gedroht. Sollte Israel Beirut weiter
bombardieren, werde die Hisbollah auch Tel Aviv bombardieren, sagte
Nasrallah in einer Fernsehansprache. Er bot eine Einstellung der
Raketenangriffe auf israelische Städte an, wenn Israel seinerseits
die Luftangriffe im Libanon beende.
Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Mark Regev, wies
dies zurück. Nasrallah wolle sich mit einem Waffenstillstand
lediglich etwas Luft verschaffen, damit sich die Hisbollah wieder
bewaffnen und neu organisieren könne. Der israelische
UN-Botschafter Dan Gillerman sagte CNN, das Angebot Nasrallahs sei ein
«Zeichen von Schwäche».
Bei den Gefechten im Libanon wurden am Donnerstag vier israelische
Soldaten getötet, seit Beginn des Konflikt vor mehr als drei
Wochen stieg die Zahl der ums Leben gekommenen israelischen Soldaten
damit auf auf 41. Nach libanesischen Angaben wurden am Donnerstag im
Libanon fünf Zivilpersonen getötet.
Die Kämpfe im Libanon haben nach Angaben von
Ministerpräsident Faud Saniora in den vergangenen drei Wochen mehr
als 900 Libanesen das Leben gekostet. 3.000 weitere seien verletzt
worden, teilte Saniora am Donnerstag über Videoschaltung den
Teilnehmern eines Krisentreffens der Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC) in Malaysia mit. Ein Drittel der Opfer seien Kinder
unter zwölf Jahren, erklärte der Regierungschef.
Unterdessen telefonierte US-Präsident George W. Bush mit der
deutschen Kanzöerin Angela Merkel über die diplomatischen
Bemühungen der Vereinten Nationen zur Beilegung der Nahost-Krise.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, erklärte am
Donnerstag, Thema des 14-minütigen Gesprächs sei auch die
Rolle des Irans und Syriens gewesen, die die Hisbollah-Miliz
unterstützen. Merkel habe ihre Hilfe und Unterstützung im
Umgang mit den betroffenen Parteien angeboten.
Israels Regierungschef Ehud Olmert hat derweil dem deutschen Bestreben
nach einer stärkeren Einbindung Syriens in die
Nahost-Friedensgespräche eine Absage erteilt. Wenn das Nachbarland
offen wäre für Verhandlungen mit der Staatengemeinschaft, so
hätte Staatschef Baschar Assad das «längst
getan», sagte Olmert in einem Interview mit der
«Süddeutschen Zeitung» (Freitagausgabe).
Tatsächlich jedoch habe Syrien sämtliche Bemühungen um
Freilassung der von der Hisbollah in den Libabnon entführten
israelischen Soldaten abgelehnt. Olmert verwies wiederholt auf die
Resolution des G-8-Gipfels, in der die Freilassung der verschleppten
Soldaten verlangt wird. Die sei Voraussetzung für ein Ende der
Offensive, sagte er.
Die USA und Frankreich haben am Donnerstag ihre Beratungen über
eine UN-Resolution zum Nahost-Konflikt fortgesetzt. Darin soll ein
sofortiger Stopp der Feindseligkeiten gefordert und die Bedingungen
für einen dauerhaften Frieden zwischen Israel und dem Libanon
festgeschrieben werden. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton
erklärte nach einem dreieinhalbstündigen Treffen mit seinem
französischen Kollegen Jean-Marc de la Sablière, man habe
Fortschritte erzielt.
US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte in einem CNN-Interview,
der Sicherheitsrat könne die Resolution binnen Tagen
verabschieden. Sie deutete an, dass sich die Vereinigten Staaten eine
schrittweise Lösung vorstellen könnten. Bislang hat es die
US-Regierung abgelehnt, einen sofortigen Waffenstillstand zu verlangen.
Zunächst war unklar, ob die Äußerungen Rices eine
Änderung der amerikanischen Haltung bedeuteten.
Führende Politiker islamischer Länder erwägen Diplomaten
zufolge, moslemische Friedenssoldaten im Südlibanon zu stationieren.
Zudem fordern sie eine Untersuchung zu möglichen von Israel an
Zivilisten verübten Kriegsverbrechen.
Die Truppe solle unter Kontrolle der Vereinten Nationen (UN) stehen,
sagten Delegierte bei einer Konferenz der Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC) am Donnerstag in Malaysia. Unter den Teilnehmern der
Konferenz ist auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. In einem
derzeit diskutierten Textentwurf fordert das Gremium zudem eine
sofortige Waffenruhe und eine Untersuchung, ob Israel sich während
seiner seit mehr als drei Wochen andauernden Offensive und den
Bombenangriffen im Südlibanon Kriegsverbrechen zu Schulden kommen
ließ.
In einer vom Gastgeberland Malaysia vorgelegten Erklärung
hieß es: "Wir müssen die Bereitschaft zeigen, an
Friedenseinsätzen unter dem Banner der Vereinten Nationen
teilzunehmen." Während der Diskussion über den Text sprach der
malaysische Außenminister Syed Hamid Albar vor Journalisten
über die geforderte zeitliche Abfolge für das Vorgehen: "Wir
wollen einen Waffenstillstand. Erst dann können wir über
andere Dinge sprechen", sagte er.
Den Delegierten zufolge wird in dem Entwurf auch verlangt, dass Israel
Kompensation an den Libanon und die Menschen im Gazastreifen für
die zerstörte Infrastruktur zahlt. Der Westen müsse beim
Wiederaufbau helfen.
Zu den Konferenzteilnehmern zählten das bevölkerungsreichste
moslemische Land Indonesien, der türkische Ministerpräsident
Tayyip Erdogan sowie Vertreter Syriens, Ägyptens, des Libanons und
der Palästinenser. Die Politiker der 57 OIC-Mitglieder stehen in
ihren Heimatländern vielfach unter Druck, weil die Bevölkerung
angesichts der steigenden Zahl der Toten im vorwiegend von Moslems
besiedelten Südlibanon unruhig wird.
Im Südlibanon sind derzeit knapp 10.000 israelische Soldaten im
Einsatz. Unter ihnen seien auch zwei Regimenter mit Reservisten,
berichtete der israelische Militärrundfunk am Donnerstag. Die
Soldaten seien in einem guten Dutzend Ortschaften eingesetzt. Sie
sollten entlang der Grenze zwischen Israel und dem Libanon eine sechs
bis acht Kilometer breite "Sicherheitszone" einrichten, hieß es in
dem Bericht. Der öffentliche Rundfunk berichtete, die Regierung
habe die Armee angewiesen, ihren Einsatz auszuweiten und so weit wie
möglich zum Fluss Litani vorzudringen. In dem gesamten Gebiet
sollten keine Raketenwerfer und Hisbollah-Kämpfer mehr sein. Der
Litani fließt aus den libanesischen Bergen durch die Beeka-Ebene,
bevor er bei Tyrus ins Mittelmeer mündet.
Israel hat nach dem Bericht einer US-Menschenrechtsgruppe scheinbar
vorsätzlich Zivilisten im Libanon bombardiert.
Einige der Angriffe seien mit Kriegsverbrechen gleichzusetzen,
hieß es in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht von Human
Rights Watch (HRW). Die Argumentation Israels, Kämpfer der
Hisbollah-Miliz würden sich inmitten von Zivilisten verstecken und
diese damit als menschliche Schutzschilde benutzen, rechtfertige nicht
das "systematisch Versagen" bei der Unterscheidung von Zivilisten und
Kämpfern, erklärte HRW. Die Treffer auf Zivilisten
könnten nicht als vereinzelte Unfälle abgetan und auch nicht
mit der Taktik der Hisbollah begründet werden. Israel bezeichnete
die Bombardierung eines Dorfes im Südlibanon am Donnerstag als
Versehen. Der Vorfall vom vergangenen Wochenende hatte Israel weltweit
harsche Kritik eingebracht. Nach libanesischen Angaben starben dabei bis
zu 54 Zivilisten.
HRW-Chef Kenneth Roth stellte klar, dass sich die Hisbollah nicht
inmitten von Zivilisten verstecken dürfe. Aber dass die große
Zahl an getöteten Zivilisten wie von Israel propagiert von dieser
Taktik der Hisbollah herrühre, sei falsch. "Israel hat Dutzende
ziviler Fahrzeug, viele mit weißen Flaggen, aus der Luft und mit
Artillerie angegriffen", erklärte die Gruppe. Bei solchen
Angriffen gab es nach bisherigem Erkenntnisstand keinerlei Opfer auf der
Seite der Hisbollah.
Es ist nicht die erste schwere Kritik von Human Rights Watch an Israel.
Die Gruppe hatte sich bereits nach der Bombardierung des libanesischen
Dorfes Kana zu Wort gemeldet und Israel Kriegsverbrechen vorgeworfen.
HRW bezifferte die Zahl der bei dem Angriff getöteten Zivilisten
auf 28, darunter 16 Kinder. 13 Menschen würden noch vermisst. Sie
sind vermutlich noch unter den Trümmern des bombardierten Hauses
begraben.
Die israelische Armee hat am frühen Donnerstagmorgen erste
Ergebnisse einer internen Untersuchung des Angriffs veröffentlicht.
Die Attacke sei auf Grundlage der Information erfolgt, dass die
radikal-islamische Hisbollah-Miliz in dem Ort Waffen verstecke und ihre
Kämpfer in den Häusern Schutz suchten, heißt es in dem
Bericht.
Ob entsprechende Informationen auch speziell für das angegriffene
Haus vorlagen, wird jedoch nicht deutlich. «Hätte den
israelischen Streitkräften die Information vorgelegen, dass sich in
dem Gebäude Zivilisten aufhalten, wäre der Angriff nicht
erfolgt», heißt es in der von der Armee
veröffentlichten Erklärung. Zugleich wird darauf verwiesen,
dass die Bevölkerung Kanas mehrfach zum Verlassen der Ortschaft
aufgefordert worden war, so dass man davon habe ausgehen müssen,
dass sich niemand mehr im Zielgebiet aufhielt.
Der israelische Generalstabschef Dan Haluz, dem der Bericht in der
Nacht übergeben wurde, ordnete eine Überprüfung der
Kriterien für die Zielauswahl bei Angriffen auf Ortschaften im
Südlibanon an.
Israelische Panzer begannen nach Angaben der Streitkräfte in der
Nacht zum Freitag mit dem Rückzug aus dem südlichen
Gazastreifen. Dort waren bei Kämpfen nahe der Stadt Rafah am
Donnerstag nach palästinensischen Angaben mindestens acht
Palästinenser ums Leben gekommen, darunter ein achtjähriger
Junge. Anwohner berichteten, am frühen Freitagmorgen hätten
israelische Soldaten Häuser durchsucht und zwölf
Palästinenser festgenommen.
Angesichts der blutigen Gefechte im Libanon haben die Vereinten
Nationen am Donnerstag davor gewarnt, «die Tragödie im
Gazastreifen» zu vergessen. Israel und die Palästinenser
wurden aufgefordert, ihren Verpflichtungen zum Schutz von Zivilpersonen
nachzukommen. Die UN kritisierten besonders Israel für seinen
militärischen Einsatz.
«Der Beschuss von Orten von mutmaßlicher militärischer
Bedeutung, der unausweichlich zur Tötung von Zivilpersonen
führt, unter ihnen eine wachsende Zahl Kinder, kann nicht
gerechtfertigt werden», erklärten die Vereinten Nationen in
einer Stellungnahme. Der unverhältnismäßige Beschuss
durch die israelischen Truppen müsse gestoppt werden. Israel
feuerte nach UN-Angaben pro Tag 200 bis 250 Artillerie-Geschosse in den
Gazastreifen und tötete seit Beginn der Gefechte vor einem Monat
175 Palästinenser. In der Stellungnahme wurden auch die
Palästinenser, die pro Tag durchschnittlich acht bis neun Raketen
auf Israel abfeuerten, aufgefordert, den Beschuss einzustellen.
(Quellen: ap, dpa, rtr, afp)
EUFOR will im Kongo Präsenz erhöhen
Fr.04.08.06 - Während der kritischen Phase der Stimmenauszählung im Kongo
wollen die EUFOR-Truppen verstärkt Präsenz zeigen. Wie der
deutsche Befehlshaber der EUFOR-Mission, Karlheinz Viereck, am
Donnerstag sagte, werden die Soldaten sich dann fast im ganzen Land
zeigen, um vor Unruhen abzuschrecken. Die Bundeswehr, die an der Mission
mit 780 Soldaten beteiligt ist, konzentriere sich aber weiterhin auf
die Hauptstadt Kinshasa.
Viereck sagte im Interview mit der «Welt»: «Es
herrscht jetzt gespannte Ruhe im Land.» Eine erste Prognose der
Wahlergebnisse werde am 20. August erwartet, das endgültige
Resultat am Ende des Monats. «EUFOR wird in dieser Zeit
Präsenz zeigen und ins Land gehen.» Die 2.000 Soldaten
zählende Truppe werde im ganzen Mandatsgebiet anwesend sein. Zum
Mandatsgebiet zählt das ganze Land mit Ausnahme der unruhigen
Ostprovinzen.
«Nach dem Bekanntwerden der ersten Prognosen wird es spannend, ob
die Wahlverlierer mit dem Ergebnis diszipliniert umgehen werden und ob
dies auch die Wähler dieser Kandidaten tun», sagte der
Generalleutnant. Während der ersten Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen am vergangenen Sonntag war es in Kinshasa
ruhig geblieben. Die EUFOR-Truppen waren in ihrem Quartier auf dem
Flugplatz N'Dolo geblieben. Die Einsatzbereitschaft sei aber hoch
gewesen, versicherte Viereck.
Insgesamt sei die Bundeswehr «überwiegend willkommen»,
schilderte der Befehlshaber seinen Eindruck. Aggressionen richteten sich
nicht direkt gegen die deutschen Soldaten. Viereck beteuerte erneut,
dass die EUFOR unparteiisch sei. Darüber hinaus zeigte er sich
zuversichtlich, dass das viermonatige Mandat auch für die
Absicherung des zweiten Wahlgangs im Herbst ausreiche. «Ende
November soll es die endgültigen Ergebnisse des zweiten Wahlgangs
geben. Dann endet unser Mandat.»
(Quelle: ap)
Auf die Wahlen folgt Ernüchterung
Im Kongo häufen sich Vorwürfe von Betrug und Probleme bei der
Stimmenauswertung. Internationale Beobachter sorgen sich um die weitere
Entwicklung. Und einige Politiker reden schon von der Möglichkeit,
die Wahlen nicht anzuerkennen... Mehr in der taz vom 03.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/03/a0127.1/text
21 Tote bei neuen Kämpfen in Sri Lanka
Fr.04.08.06 - Bei neuen Kämpfen in Sri Lanka sind mindestens 21 Menschen ums
Leben gekommen. Unter den Opfern befänden sich 17 Zivilisten, die
auf Bitten der Sicherheitskräfte in drei Schulen Schutz gesucht
hatten, teilte die Armee mit. Die anhaltenden Kämpfe erschweren
nach Angaben des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft die Arbeit
der deutschen Hilfsorganisationen vor Ort.
In einer Schule in der Ortschaft Muttur im Nordosten des Landes starben
nach einem Granatenangriff zehn Zivilisten, 50 weitere wurden verletzt.
Zwei weitere Schulen am Rand von Muttur seien ebenfalls von Granaten
getroffen worden. Sieben Menschen wurden getötet, zehn weitere
verletzt. Zudem starben in dem Ort zwei Polizisten und zwei
Paramilitärs.
Die heftigen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen
der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) waren Ende Juli erneut
entbrannt, als die Armee einen Einsatz begann, um die Kontrolle
über einen Kanal in der Nähe von Muttur im Bezirk Trincomalee
zu erlangen. Am Montag waren bei den bislang schwersten Gefechten seit
dem Waffenstillstand 2002 mindestens 67 Menschen getötet worden.
Insgesamt starben seit Beginn der neuen Kämpfe 167 Menschen.
Fast alle Büros seien geschlossen, teilte das Bündnis
Deutschland Hilft in Bonn mit, das zehn in dem Land tätige
deutsche Hilfsorganisationen vertritt. Der Konflikt habe auch zu
Verzögerungen beim Wiederaufbau nach der Tsunami-Katastrophe vom
Dezember 2004 geführt. Unter anderem sei es schwierig,
Baumaterialien in Rebellengebiete einzuführen. Die Transporte
würden von der Regierung sehr genau kontrolliert, um Rebellen am
Bau von Bunkern und Unterständen zu hindern.
(Quelle: afp)
Ukraine: Juschtschenko bestimmt Gegenspieler zum Regierungschef
Fr.04.08.06 - Nach einem monatelangen lähmenden Machtkampf haben die einst
verfeindeten politischen Lager in der Ukraine ein
Regierungsbündnis geschlossen. Der pro-westliche Präsident
Viktor Juschtschenko stimmte der Nominierung seines pro-russischen
Rivalen Viktor Janukowitsch für das Amt des
Ministerpräsidenten zu. Als einzige Partei im Parlament
boykottierte der Wahlblock von Julia Timoschenko, der einstigen
Weggefährtin Juschtschenkos während der Orangenen Revolution,
die Einigung. Das Parlament verschob seine Abstimmung über den
künftigen Regierungschef auf Freitag. Die Zustimmung der
Abgeordneten für Janukowitsch gilt jedoch als sicher.
Die Führer von Juschtschenkos Partei Unsere Ukraine und
Janukowitschs Partei der Regionen unterzeichneten zusammen mit den
Kommunisten und Sozialisten das Bündnis. Es regelt unter anderem
zwei große Streitpunkte: So soll die von Juschtschenko
angestrebte und von Janukowitsch abgelehnte NATO-Mitgliedschaft nur per
Referendum möglich sein. Die Mehrheit der Ukrainer lehnt den
Beitritt Umfragen zufolge ab. Janukowitschs Partei verzichtet dagegen
auf die Forderung, Russisch neben Ukrainisch als Amtssprache
einzuführen.
Die Ex-Ministerpräsidentin Timoschenko bezeichnete den Pakt als
"Kapitulation des Orangenen Lagers", Juschtschenko bezichtigte sie
daraufhin der "Volksverhetzung". In einem Beisatz zu seiner
Unterschrift bekräftigte Kommunistenchef Pjotr Simonenko seinen
Widerstand gegen einen NATO-Beitritt.
Juschtschenko hatte der Koalition erst in der Nacht nach stundenlangen
Krisengesprächen im Präsidentenpalast zugestimmt. Er wisse um
die Schwierigkeiten seiner Entscheidung, sagte der Präsident bei
der Bekanntgabe. "Aber dies ist eine einzigartige Chance, die beiden
Seiten des Dnjepr-Flusses zu vereinen", sagte er mit Blick auf die
politische Spaltung zwischen dem pro-russischen Osten und dem
EU-freundlichen Westen des Landes. Er versicherte, das Land werde die
unter ihm eingeschlagene Westorientierung beibehalten. Noch im Laufe
des Tages nahmen Unsere Ukraine und die drei pro-russischen Parteien
Verhandlungen über die Regierungsbildung auf. Diese sollen nach
dem Willen von Juschtschenkos Partei bis Ende der Woche abgeschlossen
werden.
(Quelle: afp)
Europarat empört über Polens Forderungen zu Todesstrafe
Fr.04.08.06 - Die Parlamentarische Versammlung des Europarats hat sich empört
über die Forderung des polnischen Staatschefs Lech Kaczynski nach
der Wiedereinführung der Todesstrafe gezeigt. Eine solcher Schritt
wäre "eine offene Verletzung der Verpflichtungen des Landes unter
der Europäischen Menschenrechtskonvention", schrieb
Versammlungspräsident René van der Linden in einem am
Donnerstag in Straßburg veröffentlichten Brief an Kaczynski.
Die Todesstrafe sei "vollkommen unvereinbar mit der Mitgliedschaft in
unserer Organisation". Van der Linden betonte, "angesichts des
besonderen Gewichts dieser Frage" werde der Europarat die weitere
Entwicklung in Polen genau verfolgen.
(Quelle: afp)
Nach Panne in AKW Reaktoren in Schweden heruntergefahren
Fr.04.08.06 - Nach einem schweren Störfall in einem schwedischen Atomkraftwerk
sind in dem Land insgesamt vier Reaktoren vom Netz genommen worden. Wie
der Betreiber des AKW Oskarshamn am Mittwochabend mitteilte, wurden zwei
der drei dortigen Blöcke vom Netz genommen, weil ihre Sicherheit
nicht gewährleistet sei. Der Oskarshamn-Betreiber reagierte damit
auf einen Stromausfall in dem AKW Forsmark, der sich bereits vergangene
Woche ereignet hatte. Dort waren nach dem Störfall ebenfalls zwei
der dortigen drei Reaktoren heruntergefahren worden. Nach dem
Stromausfall waren Vorwürfe aufgekommen, dass eine Reaktorschmelze
nur durch reines Glück vermieden worden sei.
Ein Sprecher von OKG, der Betreiberfirma von Oskarshamn an der
Südküste, sagte im schwedischen Rundfunk, es sei nicht
gesichert, dass in dieser Anlage ein ähnlicher Vorfall wie in
Forsmark ausgeschlossen werden könne. Deshalb sollten nun die
möglichen Anweisungen der Behörden zur Verbesserung der
Sicherheit abgewartet werden. Nach Angaben der schwedischen
Nachrichtenagentur TT will Umweltministerin Lena Sommestad
voraussichtlich eine Sicherheitsprüfung aller schwedischen
Atomreaktoren veranlassen, sobald eine von der Regierung eingeleitete
Untersuchung des Vorfalls in Forsmark abgeschlossen ist.
Als Folge der Reaktorschließungen schossen die Strompreise am
Donnerstag in Schweden auf ein Rekordhoch. Dank des warmen Wetters
schien es aber zunächst keine Sorge wegen der Stromversorgung zu
geben. Der Elektrizitätsbedarf in dem skandinavischen Land steigt
in den Wintermonaten drastisch. In der kalten Jareszeit würde der
Ausfall von vier Reaktoren auch zu ernsthaften Problemen bei der
Stromversorgung führen, sagte ein von TT zitierter Experte.
Schweden hat im Zuge seines geplanten Ausstiegs aus der Atomenergie
seit 1999 bereits zwei seiner insgesamt zwölf Atomreaktoren
komplett stillgelegt. Wie aus einer jüngst veröffentlichten
Umfrage hervorgeht, will jedoch eine wachsende Zahl der Bürger an
der Nukleartechnologie festhalten. Fast die Hälfte des schwedischen
Strombedarfs wird derzeit von Atomanlagen gedeckt.
(Quelle: afp)
Nur wenige Minuten vor dem GAU
Vor einer Woche kam es zu einer Beinahe-Katastrophe im schwedischem
Atomreaktor Forsmark I. Nach einem Kurzschluss fielen dort mehrere
Sicherheitssysteme aus. Ein Reaktorkonstrukteur hält es für
Zufall, dass keine Kernschmelze erfolgte... Mehr in der taz vom 03.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/03/a0135.1/text
Radioaktives Wasser aus Atomkraftwerk Temelin ausgetreten
Fr.04.08.06 - Aus dem umstrittenen tschechischen Atomkraftwerk Temelin sind mehrere
tausend Liter verstrahltes Wasser ausgetreten. Ein Sprecher des
Kraftwerks erklärte am Donnerstag, das Wasser sei in einen
Spezialtank gelaufen. Nichts davon sei in die Umwelt gelangt. Der
Zwischenfall ereignete sich am Mittwoch nur wenige Stunden, nachdem der
zweite Block wieder ans Netz angeschlossen worden war. Der Block war
wegen einer undichten Ölleitung in der Turbine am Montag vom Netz
genommen worden.
Der Sprecher der Anlage, Milan Nebesar, sagte, zwischen den beiden
Unfällen gebe es keinen Zusammenhang. Block eins ist seit Juni
wegen des jährlichen Austauschs von Brennstäben abgeschaltet.
Temelin-Gegner vor allem in Bayern und Österreich fordern seit
langem die Stilllegung des Kraftwerks nahe der
tschechisch-österreichischen Grenze. Es ist seit Oktober 2000 in
Betrieb.
(Quelle: ap)
Deutschland
Regierung verschärft Gangart gegenüber Krankenkassen
Fr.04.08.06 - Die Bundesregierung verschärft im Streit um die Kampagnen zur
Gesundheitsreform die Gangart gegenüber den Krankenkassen:
Gesundheitsstaatssekretär Theo Schröder kündigte nach
einem aufsichtsrechtlichen Gespräch mit den Spitzenverbänden
der Kassen eine Überprüfung ihrer Etats für
Öffentlichkeitsarbeit an. Nach seinen Worten brachte das Treffen
noch keine Einigung daüber, wie weit die Kassen mit ihren Aktionen
gehen dürfen. "Wir halten an unseren Aktivitäten fest", sagte
die Chefin des Verbands der Angestelltenkrankenkassen (VdAK), Doris
Pfeiffer. SPD-Fraktionsvize Elke Ferner kritisierte erneut die Haltung
der Union zur Gesundheitsreform.
Schröder sagte, die Kassen hätten noch immer nicht dargelegt,
was die geplanten Aktionen wirklich kosteten. Deshalb sollten mit Hilfe
der Überprüfungen durch das Bundesversicherungsamt die
mittelbaren und unmittelbaren Kosten festgestellt werden. Es müsse
darauf geachtet werden, dass wegen der Kampagne keine "Sonderumlage"
der Kassen erforderlich werde, und zwar auch nicht zu einem
späteren Zeitpunkt.
Schröder bekräftigte die Haltung der Regierung, dass Kassen
und Verbände zwar sachlich über die Reform informieren
sollten, dabei aber nicht "propagandistisch" vorgehen dürften:
"Die Kampagnen dürfen nicht auf eine gesellschaftspolitische
Beeinflussung ausgerichtet sein."
Die Spitzenverbände wiesen die Kritik zurück. Die Aktionen
würden aus dem laufenden Haushalt für
Öffentlichkeitsarbeit bezahlt, der vom Gesundheitsministerium
genehmigt worden sei, sagte Pfeiffer. Spekulationen, die Aktionen
kosteten 1,1 Millionen Euro, seien "völlig absurd".
In einer gemeinsamen Presseerklärung der sieben
Spitzenverbände heißt es: "Die Aktivitäten sind
Bestandteil der normalen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im
Zusammenhang mit Gesetzgebungsprozessen und einer konstruktiven
Auseinandersetzung darüber." Die Krankenkassen und ihre
Verbände nähmen kein allgemeinpolitisches Mandat wahr. Sie
nähmen vielmehr "sachlich und wahrheitsgetreu zu einem
gesundheitspolitischen Thema" Stellung. Dies gehöre zu ihren
originären Aufgaben.
SPD-Fraktionsvize Ferner sagte im Deutschlandfunk, der umstrittene
Gesundheitsfonds hätte eigentlich dazu dienen sollen, auch die
private Krankenversicherung in die Solidargemeinschaft einzubeziehen.
"Das war mit der Union leider nicht möglich." Außerdem habe
der Union der Mut gefehlt, in eine "echte, zusätzliche,
steuerfinanzierte Säule einzusteigen".
(Quelle: afp)
Allianz setzt Wachstumskurs im zweiten Quartal 2006 fort
Fr.04.08.06 - Der in einem gründlichen Umbau steckende Allianz-Konzern hat auch
im zweiten Quartal 2006 deutlich über den Erwartungen liegende
Gewinne verzeichnet. Wie der Versicherungskonzern am Donnerstagabend
mitteilte, betrug der Gesamtumsatz der Gruppe nach vorläufigen
Zahlen 24,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte im
Vergleich zum Vorjahresquartal um 19 Prozent auf annähernd 2,8
Milliarden Euro. Wegen der "sehr guten Geschäftsentwicklung"
über alle operativen Segmente hinweg erwarte der Konzern für
2006 ein höheres Ergebnis, sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet.
Für das Gesamtjahr gehe man von einem operativen Ergebnis von
über neun Milliarden Euro und einem Jahresüberschuss zwischen
5,5 und sechs Milliarden Euro aus.
Dem Konzern zufolge konnte der Quartalsüberschuss im zweiten
Quartal um 64 Prozent auf etwa 2,3 Milliarden Euro gesteigert werden.
Das Eigenkapital der Gruppe verbesserte sich demnach von 39,5
Milliarden Euro per 31. Dezember auf 40,3 Milliarden Euro. Der
Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann sagte, die gute
Geschäftsentwicklung sei ein Resultat des
Restrukturierungsprozesses. Die Entwicklung ermögliche es der
Allianz, die Mitarbeiter bei den bevorstehenden Veränderungen zu
unterstützen. Durch den Verzicht auf betriebsbedingte
Beendigungskündigungen hätten diese Zeit bis Ende 2007, sich
auf die Veränderungen einzustellen.
Der größte deutsche Versicherungskonzern will trotz
Rekordgewinn bis 2008 fast 7500 Stellen streichen, davon rund 5000 bei
der Allianz und weitere fast 2500 bei der Dresdner Bank.
(Quelle: afp)
Mindestlöhne: Gesetzentwurf nächste Woche
Fr.04.08.06 - In der Debatte über neue Mindestlöhne in Deutschland schafft
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) offenbar Fakten.
Voraussichtlich am Mittwoch will der Vizekanzler dem Kabinett einen
Gesetzentwurf vorlegen, der das Arbeitnehmer-Entsendegesetz über
die Bauwirtschaft hinaus ausweiten soll, wie das
«Handelsblatt» (Freitagausgabe) berichtet. Danach
könnten künftig auch Mindestlohn-Tarifverträge der
Gebäudereinigerbranche durch Rechtsverordnung des
Arbeitsministeriums für allgemein verbindlich erklärt werden.
Bisher gibt es diese Art Mindestlohn nur im Bausektor. Da allein in der
Gebäudereinigerbranche 850 000 Menschen beschäftigt sind,
würde sich nun die Zahl der erfassten Arbeitnehmer mehr als
verdoppeln, schreibt das Blatt. Die Allgemeinverbindlichkeit bewirkt,
dass auch Firmen ohne Tarifvertrag den Mindestlohn zahlen müssen.
Für westdeutsche Bauarbeiter beträgt er beispielsweise gut
zehn Euro je Stunde.
Formal setzt Müntefering mit seinem Vorstoß eine
Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um, wonach künftig auch
Gebäudereiniger vor «unerwünschten sozialen
Verwerfungen» durch Lohnkonkurrenz von Arbeitnehmern aus dem
EU-Ausland geschützt werden sollen.
(Quelle: ddp)
Jugendliche sind laut Studie bei Lehrstellensuche flexibel
Fr.04.08.06 - Bei der Lehrstellensuche zeigen Jugendliche vor allem in Regionen mit
schlechter Arbeitsmarktlage viel Einsatz und Flexibilität. Die
Bereitschaft, eine weit vom Wohnort entfernte Stelle anzunehmen,
wächst dann deutlich, wie eine am Donnerstag veröffentlichten
Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn ergab.
Das Institut hatte Ende 2004 gemeinsam mit der Bundesagentur für
Arbeit 5.000 jugendliche Lehrstellenbewerber befragt.
Zwar traten nur weniger als drei Prozent der Befragten tatsächlich
einen Ausbildungsplatz außerhalb ihres Heimatbundeslandes an. Aber
rund ein Viertel aller Jugendlichen gaben an, sich auf eine mehr als
100 Kilometer entfernte Lehrstelle beworben zu haben. In Regionen mit
niedrigem Lehrstellenangebot wie Brandenburg oder Sachsen-Anhalt war
dieser Anteil mit bis zu 51 Prozent deutlich höher.
Neben der regionalen Mobilität verzeichneten die Autoren der
Studie auch eine höhere so genannte berufliche Mobilität, also
die Bereitschaft, sich auf andere Lehrberufe als den eigenen
«Traumberuf» zu bewerben. Rund 70 Prozent der Jugendlichen
hatten sich demnach auf zwei oder mehr Berufe beworben. Knapp die
Hälfte der Befragten (44 Prozent) hatte für mindestens vier
verschiedene Ausbildungsberufe Bewerbungen verschickt.
Je schlechter die Lehrstellensituation vor Ort, desto höher die
Anzahl der unterschiedlichen Berufe, auf die sich Jugendliche bewerben,
konstatierte das Institut. Noch stärker steige bei regionalem
Lehrstellenmangel aber die Bereitschaft, sich um weit entfernte Stellen
zu bemühen. Dies bewerteten die Autoren der Studie positiv, weil
mangelnde Identifikation mit dem ausgeübten Beruf ein oft genannter
Grund für Ausbildungsabbruch sei.
(Quelle: ap)
Keine Entwarnung für Vogelgrippe
Fr.04.08.06 - Das Bundesagrarministerium gibt keine Entwarnung für die
Vogelgrippe. In den vergangenen Wochen habe es immer wieder vereinzelt
Verdachtsfälle bei Wildvögeln gegeben, die aber nicht erkrankt
gewesen seien, sagte Agrarstaatssekretär Gert Lindemann am
Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.
Rund drei Monate nach dem jüngsten Nachweis bei einem Wildvogel in
Deutschland prüfe das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auch
derzeit einen Verdachtsfall. Jüngste Ausbrüche in Süd-
und Südosteuropa zeigen nach Ansicht des Agrarministeriums, dass
die Vogelgrippe-Gefahr noch nicht gebannt ist.
«Wir schätzen die Gefahr nach wie vor als hoch ein»,
sagte der Staatssekretär. Der Handel mit Geflügel und
Geflügelprodukten werde aber kontrolliert. Außerdem finde der
Vogelzug aus dem Süden in den Norden nicht vor dem kommenden
Frühjahr statt. Das Geflügel muss mit dem Herbstzug der
Wildvögel aus Sicht des FLI wieder verstärkt in den Stall
gesperrt werden. Die Stallpflicht für Risikogebiete, für die
es derzeit großflächige Ausnahmen gibt, gilt zunächst
bis Februar.
(Quelle: dpa)