Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens 35 Tote bei Anschlägen und Gefechten. Hunderttausende
Schiiten bei Kundgebung für Hisbollah-Chef Nasrallah in Bagdad.
US-General Abizaid warnt vor Bürgerkrieg im Irak.
Marineinfanteristen wegen brutalen Überfalls auf Iraker angeklagt
Sa.05.08.06 - Bei Bombenanschlägen und Gefechten im Irak sind erneut mindestens
35 Menschen getötet worden. Beim blutigsten Anschlag riss ein
Selbstmordattentäter auf einem Fußballplatz in Hadhra zehn
Menschen mit in den Tod, wie die Polizei am Freitag mitteilte. In der
nordirakischen Stadt Mossul wurden mindestens 13 Menschen bei einem
Selbstmordanschlag und anschließenden Schießereien
getötet.
Der Attentäter in Hadhra, rund 70 Kilometer südöstlich
von Mossul, fuhr auf das Fußballfeld und zündete einen
Sprengsatz. Dabei wurden am Donnerstagabend sieben Zuschauer sowie drei
Polizisten getötet. 15 Menschen wurden verletzt, darunter neun
Polizisten. In Dudschail, 80 Kilometer nördlich von Bagdad
erschossen unbekannte Angreifer vier Mitglieder einer schiitischen
Familie und verletzten acht weitere.
In Mossul sprengte sich ein Attentäter mit seinem Wagen in die
Luft und riss vier Polizisten mit den Tod, wie die Polizei mitteilte.
Mutmaßliche Aufständische lieferten sich daraufhin in
fünf Stadtteilen Feuergefechte mit Sicherheitskräften, bei
denen acht Menschen getötet wurden.
Im größten Schiiten-Viertel von Bagdad haben am Freitag
mehrere hunderttausend Iraker an einer Kundgebung für
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah teilgenommen. Die Demonstranten hatten
sich in weiße Leichentücher gehüllt, schwenkten Flaggen
der Hisbollah und riefen "Wir sind Soldaten, wenn Nasrallah uns ruft,
werden wir Haifa niederbrennen!" und «Tod für Israel,
Tod für Amerika». Zu der Kundgebung für den Chef der
Schiiten-Miliz im Libanon hatte der irakische Schiitenführer
Moktada Sadr aufgerufen. Nach Angaben des irakischen Fernsehens hatte
das Verteidigungsministerium die Demonstration genehmigt.
Der Chef des US-Zentralkommandos, John Abizaid, hat vor einem
Bürgerkrieg im Irak gewarnt. Sollte der konfessionsbedingten Gewalt
nicht Einhalt geboten werden, "könnte das Land in einen
Bürgerkrieg stürzen", sagte Abizaid, der das Kommando
über den Einsatz inm Irak führt, am Donnerstag vor dem
Streitkräfteausschuss des US-Senats. Besonders in der Hauptstadt
Bagdad sei ein höhes Maß an Gewalt zu beobachten.
Wegen schwerer Misshandlung eines Irakers sind sechs
US-Marineinfanteristen angeklagt worden. Die Streitkräfte
erklärten am Freitag, die Soldaten hätten den Mann im April
in der Ortschaft Hamdania mit Faustschlägen und Tritten traktiert
und dabei seinen Tod in Kauf genommen.
Drei der sechs Angeklagten wird bereits der Mord an einem 52 Jahre
alten Iraker in dem selben Dorf Ende April zur Last gelegt. Es gebe
keinen Zusammenhang, doch sei man bei Ermittlungen zu dem Mord auf den
Fall von brutaler Misshandlung gestoßen. Ein in beiden
Fällen angeklagter Soldat muss sich außerdem für
Übergriffe gegen zwei weitere Iraker verantworten. Er soll
ebenfalls in Hamdania einen Mann gewürgt und einem weiteren eine
geladene Pistole in den Mund gesteckt haben.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 05.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertunddritten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.05.08.05 - Weltsicherheitsrat verurteilt die jüngsten Anschläge im Irak
scharf +++ Al Kaida droht USA mit zweitem Vietnam +++ Zahlreiche neue
Anschläge im Irak. Mitarbeiter von Iraks
Vize-Ministerpräsident Tschalabi erschossen +++ Londons
Bürgermeister Livingstone fordert Rückzug der britischen
Truppen aus dem Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508050.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Anschlagsserie in Afghanistan reißt nicht ab
Sa.05.08.06 - Die Serie von Angriffen auf die im Süden Afghanistans
stationierten Nato-Truppen reißt nicht ab.
Am Freitag wurde ein Konvoi der Allianz in der Provinz Kandahar
bombardiert, verletzt wurde niemand, wie ein Nato-Sprecher mitteilte.
Nach Augenzeugenberichten und Angaben der Taliban rammte ein
Selbstmordattentäter die Nato-Fahrzeuge mit seinem Auto. Die
Allianz selbst sprach von der Detonation zweier Bomben am
Straßenrand.
Die Nato-geführte internationale Schutztruppe Isaf hatte
vergangenen Montag auch das Kommando über den noch
äußerst unsicheren Süden Afghanistans übernommen.
Seitdem ist es fast täglich zu teils tödlichen
Zwischenfällen gekommen. Afghanistan erlebt derzeit die schlimmste
Welle der Gewalt seit der US-Invasion im Herbst 2001.
Am Donnerstag waren in Kandahar bei mehreren Anschlägen auf
Nato-Truppen vier kanadische Soldaten getötet worden. Zehn weitere
wurden verletzt. Bislang war die Nato neben der Hauptstadt Kabul nur im
Norden und Westen des Landes stationiert. Die Bundeswehr ist vor allem
im Norden im Einsatz.
Zudem tötete am Donnerstag ein Selbstmordattentäter
mindestens 21 afghanische Zivilisten. Ziel des Anschlags war ebenfalls
eine Isaf-Patrouille. Die Taliban wiesen eine Beteiligung an den
Anschlägen zurück. Kommandant Mullah Hajat Chan sagte der
Nachrichtenagentur Reuters per Satelliten-Telefon, dies seien die Taten
ausländischer Agenten, um die Taliban zu diskreditieren.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte den Anschlag
vom Donnerstag. "Dieser feige Angriff gegen die moslemische
Bevölkerung, gegen das afghanische Volk ist nichts weiter als
Feindschaft gegen Afghanistan", sagte Karsai am Freitag. Nach
Polizeiangaben töteten Nato- und afghanische Truppen in der
benachbarten Provinz Helmand bei Kämpfen 20 Taliban-Milizen allein
am Donnerstag.
Die im Süden stationierten Nato-Soldaten kommen vor allem aus
Großbritannien, Kanada und den Niederlanden. Die Allianz ist seit
der dortigen Kommandoübernahme für ganz Afghanistan
verantwortlich mit Ausnahme des Ostens, wo noch immer die USA mit ihren
mehr als 20.000 Soldaten für Sicherheit sorgen. An dem Isaf-Einsatz
beteiligen sind mittlerweile 18.000 Soldaten aus insgesamt 37
Ländern. Darunter befinden sich auch auch Staaten, die der Nato
nicht angehören.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Tote bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen. Israels Luftwaffe
greift erneut Beirut an. Bei einem Raketenangriff sterben 33 Landarbeiter.
Humanitäre Hilfe wegen Bombardierung von
Brücken im Norden Libanons gefährdet. Israel zerstört
wohltätige Einrichtungen in Beirut. Israels Ministerpräsident
Olmert 'wünscht' sich deutsche Soldaten im Libanon
Sa.05.08.06 - Bei israelischen Luftangriffen im südlichen Gazastreifen sind in
der Nacht zum Samstag vier Palästinenser getötet worden,
darunter eine Mutter und zwei ihrer Kinder. Zudem wurden in Rafah vier
Zivilpersonen schwer verletzt. Israelische Panzer rückten bis an
die Stadtgrenze vor.
Bei einem Luftangriff in der Stadt an der Grenze zu Ägypten kamen
eine 16-jährige Jugendliche und ihr 15 Jahre alter Bruder ums
Leben, sagte der Direktor des örtlichen Krankenhauses, Ali Musa.
Deren 50 Jahre alte Mutter erlag später ihren Verletzungen. Unter
den vier Schwerverletzten war ein weiteres Kind der Familie, ein 13
Jahre alter Junge. Die Familie habe versucht, vor nahenden israelischen
Panzern aus ihrem Haus zu fliehen, sagte Musa.
Ein zweiter Angriff kostete einen palästinensischen Extremisten
das Leben. Der 19-Jährige habe dem Islamischen Dschihad
angehört, erklärte die Organisation. Die israelischen
Streitkräfte teilten mit, die Flugzeuge hätten bewaffnete
Palästinenser beschossen. Mit den jüngsten Angriffen
erhöht sich die Zahl der Palästinenser, die seit dem
Eindringen israelischer Streitkräfte in den Gazastreifen vor drei
Tagen getötet wurden, auf 15.
Am frühen Samstag bezogen Panzer östlich von Rafah Stellung
und sperrten dort die Zugangsstraßen, wie palästinensische
Sicherheitskräfte mitteilten. Am Samstag sollte der
Grenzübergang nach Ägypten in einer Richtung für zwei
Tage geöffnet werden. Darauf hätten sich Israel, die
Palästinenser und die europäischen Beobachter
verständigt, erklärte der palästinensische
Unterhändler Saeb Erekat. Es wäre das zweite Mal seit dem 25.
Juni, dass der Übergang geöffnet wird.
Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Samstag erneut die
südlichen Stadtteile Beiruts angegriffen, wie lokale Medien
berichteten. Angaben über mögliche Opfer lagen zunächst
nicht vor. Israelische Kampfjets hatten bereits in der Nacht zum Freitag
die Stadtteile Dahieh und Ouazi beschossen, die als Hochburgen der
Hisbollah gelten. Israelische Hubschrauber griffen zudem am frühen
Samstagmorgen vermutete Stellungen der Hisbollah in der
südlibanesischen Küstenstadt Tyrus an, wie Anwohner
berichteten. Die Hubschrauber seien unter Flugabwehrfeuer gekommen.
Die Bombardierung von Brücken im Norden Libanons und die
israelischen Angriffe auf Beirut am Freitag haben Hilfstransporte
weitgehend zum Erliegen gebracht.
Die wichtigste Nachschublinie in die am schwersten betroffenen Gebiete
im Süden des Landes sei unterbrochen, sagte Astrid van Genderen
Stort vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.
Israelische Kampfflugzeuge zerstörten in der Nacht zum Freitag
drei Brücken der Küstenschnellstraße von Beirut nach
Syrien. Ein Konvoi aus acht Lastwagen mit Lebensmitteln, Material
für Notunterkünfte und anderen Hilfsgütern steckt dadurch
fest. "Die ganze Straße ist weg", sagte van Genderen Stort, "das
ist wirklich ein großer Rückschlag, denn wir nutzten sie, um
Personal und Güter ins Land zu bringen." Ohne diese
Möglichkeit sei die Hilfsorganisation praktisch gelähmt.
Wegen der Bombenangriffe war das UNHCR auch gezwungen, seine
Erkundungsfahrten in Beirut einzustellen. Dort leben
schätzungsweise 400.000 Flüchtlinge in Schulen, Parks und bei
Beiruter Familien.
Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) sagte geplante Transporte in
den Süden des Libanon nach Tyrus und Raschidije ab, weil die Fahrer
wegen der Bombardements in Beirut nicht zu den Treffpunkten gelangten.
Die Hilfsorganisationen warnen zudem, dass die schwindenden
Treibstoffvorräte schon bald zu weiteren ernsten Problemen
führen könnten: Stromversorger, Wasserwerke und
Krankenhäuser würden gezwungen, ihre Arbeit einzustellen.
Bei ihren Luftangriffen im Süden der libanesischen Hauptstadt
Beirut hat die israelische Luftwaffe auch in wohltätigen
Einrichtungen großen Schaden angerichtet. Drei Schulen, darunter
eine für Blinde und Taubstumme, wurden stark beschädigt, wie
ein AFP-Fotograf berichtete. Die Bildungsstätten werden von
Verbänden betrieben, die der radikalislamischen Hisbollah nahe
stehen.
Das israelische Bombardement legte auch ein Gebäude in Schutt und
Asche, in dem eine wohltätige Vereinigung mit Verbindungen zur
schiitischen Bewegung Amal ihren Sitz hatte. In dem Gebäude wurde
ein Wachmann aus dem Sudan verletzt. Ihm zufolge waren noch drei
Menschen unter den Trümmern verschüttet. Nach libanesischen
Polizeiangaben griff die israelische Armee in der Nacht rund
dreißig Mal im Süden der Hauptstadt an, wo die Hisbollah
besonders stark ist. Drei strategisch wichtige Brücken
nördlich von Beirut wurden bombardiert.
Bei einem israelischen Luftangriff auf einen landwirtschaftlichen
Betrieb im Ort al-Kaa sind mindestens 33 Erntehelfer getötet
worden. Mindestens zwölf wurden verletzt. Vier Raketen schlugen am
Freitag in ein Kühlhaus ein, in das die Landarbeiter gerade
Gemüse verluden.
Die israelischen Streitkräfte begründeten den Angriff auf den
Agrarbetrieb mit dem Verdacht, dass in al-Kaa Waffen verladen worden
seien. Der Ort liegt nahe an der Grenze zu Syrien, etwa zehn Kilometer
von Hermel entfernt, einer Hochburg der Hisbollah, die seit der
Zerstörung einer Brücke durch israelische Luftangriffe am
vergangenen Samstag weit gehend von der Außenwelt abgeschnitten
ist.
In zwei Orten im Süden Libanons wurden 57 Menschen nach
einem Luftangriff in ihren Häusern verschüttet, wie aus
libanesischen Sicherheitskreisen verlautete. Sieben Menschen starben im
Dorf Taibeh. Sie hatten in den Häusern Schutz gesucht, hieß
es.
In einem Dorf nahe Baalbek wurde bei einem Luftangriff nach
Polizeiangaben eine junge Frau getötet. Bei Dschuaja starben beim
Einschlag einer Rakete zwei Zivilisten in ihrem Auto.
Bei heftigen Kämpfen im Grenzgebiet wurden vier israelische
Soldaten getötet.
Nach Angaben von Israels Verteidigungsminister Amir Perez soll die
Armee in der "nächsten Etappe" der Offensive die Kontrolle
über den Südlibanon von der internationalen Grenze bis zum
Fluss Litani übernehmen. Der Litani verläuft fünf bis 30
Kilometer nördlich der Grenze zwischen Israel und dem Libanon.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hat sich für den
Einsatz deutscher Soldaten im Rahmen der internationalen Friedenstruppe
im Libanon ausgesprochen. "Ich wünsche mir auch eine Beteiligung
deutscher Soldaten", sagte Olmert im Interview mit der
"Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). Er habe Bundeskanzlerin
Angela Merkel mitgeteilt, dass Israel "absolut kein Problem" habe mit
deutschen Soldaten im Südlibanon. "Wenn Deutschland zur Sicherheit
des israelischen Volkes beitragen kann, dann wäre das eine lohnende
Aufgabe für Ihr Land." Ich wäre sehr glücklich
darüber, wenn Deutschland sich beteiligte." Es gebe derzeit keine
Nation, die sich Israel gegenüber freundschaftlicher verhält
als Deutschland.
(Quellen: rtr, ap, afp, dpa)
Chef der UNO-Mission besorgt über Lage im Kongo
Sa.05.08.06 - Knapp eine Woche nach den Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo
wächst die Sorge über die Lage im Land. Der politische
Direktor der UNO-Mission, Albrecht Conze, sagte am Freitag im
RBB-Inforadio, die «politische Temperatur» sei in den
vergangenen zwei Tagen gestiegen. Die Lage sei «noch nicht
gefährlich, aber gespannt». Radiosender im Kongo
verkündeten, dass der jeweils favorisierte Kandidat gewonnen habe.
Damit sorgten die Sender für «Desinformation und
Verwirrung» in der Bevölkerung. «Das kann immer sehr
schnell ausgenutzt werden und dann zum Hochschlagen von Emotionen
führen», warnte Conze.
Botschafter mehrerer Staaten versuchten derzeit in Gesprächen mit
den Hauptkonkurrenten bei der Präsidentenwahl die Situation zu
beruhigen. Conze forderte, dass die internationalen Beobachter bis zum
Abschluss der Auszählung im Land bleiben. Die Mission der EU-Truppe
solle aber vorerst auf Kinshasa beschränkt bleiben. Ende Juli war
ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug der EU vermutlich von Rebellen
über der kongolesischen Hauptstadt abgeschossen worden.
(Quelle: ddp)
'Ärzte ohne Grenzen' fordert mehr Hilfe für den Kongo
Sa.05.08.06 - Die Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» fordert
mehr humanitäre Hilfe für den Kongo. «Angesichts der
humanitären Krise ist ein stärkeres Engagement der
internationalen Gemeinschaft und anderer Nichtregierungsorganisationen
dringend erforderlich», sagte Vorstandsmitglied Tankred Stöbe
am Freitag in Berlin.
Auch gut drei Jahre nach Ende des Bürgerkrieges seien noch immer
Hunderttausende Kongolesen auf der Flucht. Viele lebten unter schlechten
Bedingungen in Flüchtlingscamps, weil ihre Häuser und Felder
verbrannt seien. Die Gesundheitsversorgung sei völlig
zusammengebrochen. In einigen Gebieten sei «Ärzte ohne
Grenzen» die einzige Hilfsorganisation vor Ort.
Mehr als 2000 kongolesische und etwa 200 internationale Mitarbeiter
seien derzeit in rund 20 Programmen landesweit aktiv. Das veranschlagte
Budget für das Nothilfeprogramm im Kongo betrage rund 30 Millionen
Euro, hieß es.
Die deutsche Sektion von «Ärzte ohne Grenzen» nahm
2005 insgesamt 70,1 Millionen Euro ein. Das war mehr als doppelt so viel
wie im Vorjahr. Davon seien 68,6 Millionen Euro durch private Spenden
zusammengekommen.
(Quelle: ddp)
Tausende Flüchtlinge sitzen im Nordosten Sri Lankas fest
Sa.05.08.06 - Die andauernden Kämpfe zwischen Regierungstruppen und tamilischen
Rebellen in Sri Lanka haben tausende Menschen in die Flucht getrieben,
die jetzt im Nordosten des Landes festsitzen. Zwischen 6.000 und 7.000
Familien versuchten, aus der Stadt Muttur zu fliehen, berichtete das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Freitag. Einige
bemühten sich, zu Fuß durch die Wälder zu entkommen.
Nach Angaben der Welthungerhilfe sind seit Tagen etwa 30.000 Menschen in
Muttur eingeschlossen.
Das IKRK habe sich bislang vergeblich um Zugang zu den
Flüchtlingen bemüht, erklärte ein örtlicher
Behördensprecher. Nach Angaben von IKRK-Sprecher Toon Vandenhove
ist ein Konvoi zu den Menschen unterwegs.
Muttur liegt rund acht Kilometer entfernt von der Hafenstadt
Trincomalee an einer Bucht. Die umliegenden Dörfer werden von
Rebellen kontrolliert. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
wollten nach eigenen Angaben aber einen sicheren Korridor für die
Flüchtlinge einrichten, wie es auf der Web-Site TamilNet hieß.
Der seit zwei Jahrzehnten andauernde Konflikt hat schätzungsweise
800.000 Menschen in Sri Lanka zu Binnenflüchtlingen gemacht. Den
Kämpfen sind bis zu einem Waffenstillstand im Jahr 2002 rund 65.000
Menschen zum Opfer gefallen. Die Vereinbarung gilt zwar offiziell immer
noch, seit Dezember ist die Gewalt jedoch zunehmend eskaliert und hat
mindestens 900 Menschen das Leben gekostet.
(Quelle: ap)
USA wollen mit Versicherungsanreizen Bau neuer Atomkraftwerke
fördern
Sa.05.08.06 - Die US-Regierung will mit Versicherungsanreizen den Bau neuer
Atomkraftwerke fördern. Energieminister Samuel Bodman stellte am
Freitag einen Plan vor, wonach die Regierung für die ersten sechs
neuen Werke eine staatliche Risikoversicherung in Höhe von zwei
Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) anbieten will. In den USA sind
seit mehr als 30 Jahren keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut worden.
«Ich denke, es ist an der Zeit für das Land, das diese
Technologie erfunden hat, seine Führungsrolle zu
bestätigen», sagte Bodman vor Beschäftigten eines
Kraftwerkes in Atlanta. In 31 US-Staaten würden derzeit insgesamt
103 Atomkraftwerke betrieben. Seit 1973 sei jedoch kein Antrag mehr auf
den Bau einer neuen Anlage gestellt worden. Dies wird vor allem auf
hohe Kosten und die Unsicherheit über den künftigen Umgang
mit Atommüll zurückgeführt.
Laut Bodman rechnet die Regierung in den kommenden drei Jahren mit
Bauanträgen von zwölf Versorgungsbetrieben für insgesamt
18 neue Atomkraftwerke. Den ersten beiden Anlagen solle ein
Versicherungsschutz im Umfang bis zu 500 Millionen Dollar gewährt
werden, kündigte der Minister an. Für die nächsten Werke
sei eine Deckungssumme bis zu 250 Millionen Dollar vorgesehen.
«Dieses Programm ist entscheidend für die Neubelebung der
amerikanischen Atomindustrie», sagte Bodman.
(Quelle: ap)
Störfall löst in Schweden neue Debatte über Zukunft der
Atomkraft aus
Sa.05.08.06 - Der Störfall im Atomkraftwerk Forsmark hat einen Monat vor der
Parlamentswahl in Schweden die Debatte über die Zukunft der
Kernenergie neu angefacht. Die Linkspartei (VP), die die
sozialdemokratische Minderheitsregierung toleriert, forderte am Freitag
eine Beschleunigung des grundsätzlich bereits 1980 beschlossenen
Atomausstiegs. Die Opposition forderte, Ministerpräsident
Göran Persson müsse nun klar Stellung für oder gegen die
Atomkraft beziehen.
Perssons Sozialdemokratische Partei (SAP) hat es bislang vermieden,
einen klaren Zeitplan für die endgültige Abschaltung der zehn
noch existierenden schwedischen Atomreaktoren vorzulegen. In einem
Referendum von 1980 hatte sich eine Mehrheit der schwedischen
Bevölkerung für einen allmählichen Atomausstieg
ausgesprochen, zuletzt sprachen sich die meisten Wähler in Umfragen
hingegen für ein Festhalten an der Kernenergie aus. Ein
Bündnis aus vier Oppositionsparteien hat daher bereits
angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs alle zehn Reaktoren laufen zu
lassen. Nach dem Störfall in der vergangenen Woche, der die
Abschaltung eines Reaktors in Forsmark sowie von zwei weiteren in
Oskarshamn zur Folge hatte, könnte sich die öffentliche
Meinung jedoch erneut ändern.
(Quelle: ap)
EZB hebt Leitzins auf drei Prozent an
Sa.05.08.06 - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Dpnnerstag den Leitzins
zum vierten Mal seit Dezember angehoben: Der Satz steigt um 0,25 Punkte
auf drei Prozent, wie die Währungshüter nach ihrer Sitzung in
Frankfurt am Main mitteilten. Bei dem Leitzins handelt es sich um den
Satz, zu dem sich die Banken in der Eurozone Geld von der EZB leihen
können. Es ist die vierte Erhöhung binnen acht Monaten. Damit
wollen die obersten Währungshüter die durch steigende
Ölpreise ausgelöste Inflation bremsen.
Höhere Zinsen gelten aber auch als Konjunkturbremse, weil sie
Investitionen für Unternehmen verteuern. Für Verbraucher
bringen sie sowohl Freud als auch Leid: Darlehen werden teurer, für
Spareinlagen gibt es dafür mehr Zinsen - wenn auch meist mit
Verzögerung.
(Quelle: afp)
OECD sieht schwächere Konjunktur in Deutschland
Sa.05.08.06 - Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) sieht Anzeichen für eine schwächere
Konjunkturentwicklung in Deutschland und den anderen G-7-Staaten. Wie
die OECD in Paris mitteilte, zeigen die jüngsten Daten "eine
Abschwächung der Leistung" der sieben wichtigsten Industrienationen
der Welt. Bei Deutschland stieg der von der Organisation erstellte
Kurzfrist-Index im Juni zwar von Monat zu Monat um 0,1 Punkte; im
angepassten Sechs-Monats-Mittel, das zur frühzeitigen Erkennung
konjunktureller Wendepunkte berechnet wird, wurde aber der dritte
Rückgang in Folge verzeichnet.
Auch bei den G-7-Ländern Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan und USA gab der Sechs-Monats-Index nach. Einzige Ausnahme
war Kanada, wo es seit Februar aber auch "einen leichten
Abwärtstrend" gebe. Für die gesamte OECD aus 30 Ländern
verzeichnete die Organisation im Juni einen Rückgang des
Kurzfrist-Wertes um 0,1 auf 109,7 Punkte. Der Sechs-Monats-Wert ging
gleichzeitig im dritten Monat in Folge zurück. Dagegen zeigen die
Trenddaten für China, Indien und Russland laut OECD weiter klar
nach oben.
(Quelle: afp)
Fast eine Milliarde Euro Privatisierungserlöse 2006
Sa.05.08.06 - Der Bund hat in diesem Jahr bisher rund 945 Millionen Euro aus der
Privatisierung von Unternehmensbeteiligungen eingenommen. Das teilte die
Bundesregierung in einer am Freitag veröffentlichten Antwort auf
eine parlamentarische Anfrage der Links-Fraktion mit. Die Erlöse
stammen aus dem Verkauf von Anteilen an der Deutschen Post AG, der
Deutschen Telekom AG, der Fraport AG, der Tank & Rast sowie der
Baugenossenschaft A. Huemling.
Zudem habe die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bis 30. Juni
2006 aus dem Verkauf von Immobilien Einnahmen in Höhe von 345
Millionen Euro erzielt. Der Haushaltsplan 2007 sieht den Angaben zufolge
9,2 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Verkauf von Bundesbeteiligungen
und der Verwertung von sonstigem Kapitalvermögen des Bundes vor.
(Quelle: ddp)
Schwedischer Reaktorstörfall versetzt deutsche Politik in
Besorgnis - Greenpeace fordert Beschleunigung des Atomausstiegs
Sa.05.08.06 - Deutsche Politiker haben mit Besorgnis auf den Störfall in dem
schwedischen Kernkraftwerk Forsmark reagiert. Der Obmann der Union im
Umweltausschuss des Bundestages, Josef Göppel (CSU), sprach am
Freitag von einem «schwerwiegenden Störfall». Er
schloss einen ähnlichen Zwischenfall in deutschen Atommeilern nicht
aus: «Mit dieser Technik sitzt die Bevölkerung auf einem
Pulverfass», warnte er. Die «volkswirtschaftliche
Finanzkraft» müsse anstelle in Kernkraftwerke in erneuerbare
Energien gesteckt werden.
Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Ulrich Kelber,
zeigte sich ebenfalls besorgt. Eine genaue Beurteilung möglicher
Sicherheitsrisiken in deutschen Meilern sei jedoch erst möglich,
wenn «alle Fakten auf dem Tisch liegen», betonte er. Dazu
müssten jedoch die Untersuchungsergebnisse des Umweltministeriums
abgewartet werden. Der energiepolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Hempelmann, sagte: «Was im Einzelnen
vorgefallen ist, muss uns interessieren.» Es gelte, mögliche
Sicherheitslücken aufzudecken.
Der energiepolitische Sprecher der Links-Fraktion, Hans-Kurt Hill,
sagte: «Wir können hier mit den gleichen Problemen
rechnen.» Aufgrund des Vorfalls sei ein Ausstieg aus der Atomkraft
noch dringlicher. In der Energiewirtschaft wurde der Vorfall in Forsmark
als Zwischenfall der Stufe 2 auf einer Skala mit dem Höchstwert 7
eingestuft. Dies bezeichnete Hill als
«Schönfärberei». Wenn zwei von vier
Notstromaggregaten ausfielen, sei dies wesentlich ernster.
Die Umweltorganisation Greenpeace fordert nach dem Störfall im
schwedischen Kernkraftwerk Forsmark von der Bundesregierung eine
Beschleunigung des geplanten Atomausstiegs. Die Union müsse sich
nun «von ihrem Pro-Atom-Kurs verabschieden», mahnte der
Leiter der Klima- und Energieabteilung von Greenpeace, Stefan Schurig,
am Freitag in einem ddp-Interview. Der Vorfall in Schweden zeige, dass
jedes Atomkraftwerk «ein Pulverfass» sei.
Schurig fügte hinzu, ein Atomausstieg sei bereits in fünf bis
sieben Jahren «technisch machbar». Dafür müssten
auch keine zusätzlichen Kohlekraftwerke, die «das Klima
weiter aufheizen» würden, ans Netz gehen. Allerdings sei ein
entsprechender «maximaler politischer Wille» notwendig.
Am 25. Juli hatte es nach Angaben des deutschen Betreibers Vattenfall
einen Zwischenfall in einem Reaktor des schwedischen Atommeilers in
Forsmark gegeben. Ein Firmensprecher schloss ähnliche
Zwischenfälle für zwei baugleiche von Vattenfall betriebene
Reaktoren in Schleswig-Holstein aus.
(Quelle: ddp)
Datenschutzdebatte wegen Fahndung mit Mautdaten und
Videoüberwachung
Sa.05.08.06 - Die Angst vor Terroranschlägen und Kapitalverbrechen hat eine
Debatte über die Lockerung des Datenschutzes entfacht. Das
Bundesverkehrsministerium lehnte am Freitag eine Nutzung von Maut-Daten
als generelles Fahndungssystem ab. Dies wird wegen Verbrechen
gefordert, die Lkw-Fahrern zugeordnet werden. Ähnlich
äußerte sich auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter
Schaar und die Polizeigewerkschaften. Zugleich forderten Politiker nach
den Bombenfunden in Zügen eine umfassende Videoüberwachung
auf Bahnhöfen.
Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup sagte der
Nachrichtenagentur AP, das Maut-System dürfe kein generelles
Fahndungssystem werden. Im ersten Maut-Gesetz sei klar geregelt, dass
die Daten nur für die Erhebung der Lkw-Maut auf Autobahnen genutzt
werden dürfen. Er bekundete aber grundsätzlich
Verständnis für den Wunsch der Strafvollzugsbehörden,
Maut-Daten gezielt zur schwerer Straftaten zu nutzen.
Inzwischen sei das Bundesinnenministerium aktiv geworden und habe
«Vorüberlegungen» für eine Nutzung der Maut-Daten
für die Fahndung angestellt, sagte Lütke Daldrup. Eine
förmliche Ressortabstimmung und einen Referentenentwurf gebe es
noch nicht. Wichtig sei, dass die Daten nur zur Aufklärung
schwerer Kapitalverbrechen und nur auf richterliche Anordnung
herangezogen werden dürften. Die Lkw-Maut sei kein generelles
Überwachungssystem.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar erklärte im
Deutschlandradio, er widersetze sich nicht einer Gesetzesänderung,
die einen Zugriff auf Maut-Daten «ganz gezielt, bei ganz
konkreten Ermittlungen, auf ganz bestimmte Daten, die man auch eng
umgrenzen kann», erlauben würde. Für völlig falsch
halte er es aber, das Maut-System zu einer Art Fahndungssystem
umzubauen. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der
Polizei, Bernhard Witthaut, erklärte, der Zugriff auf Maut-Daten
könne die Ermittlungen bei besonders schweren Straftaten erheblich
beschleunigen. Für normale Straftaten und Ordnungswidrigkeiten
solle das natürlich nicht gelten.
Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm und sein
bayerischer Kollegen Günther Beckstein traten nach den zwei
Bombenfunden in Regionalzügen in der Netzeitung und im
ZDF-Morgenmagazin für eine umfassende Videoüberwachung auf
allen Bahnhöfen und auch in Zügen ein. Schaar
äußerte sich im Deutschlandradio Kultur skeptisch und
plädierte stattdessen dafür, die Sicherheit durch Einsatz von
mehr Personal zu verbessern. «Überwachung schafft nicht per
se mehr Sicherheit, das ist eine völlig falsche
Vorstellung», sagte Schaar. Mehr Personal in Zügen und auf
den Bahnhöfen könne dagegen vor Ort auch sofort eingreifen.
(Quelle: ap)
53 Prozent der Berliner ohne Interesse für Abgeordnetenhauswahl
Sa.05.08.06 - Wenige Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin wissen viele
Hauptstädter nicht, wem sie ihre Stimmen geben sollen. Das ergab
eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD. Danach
interessieren sich 53 Prozent der Hauptstädter nicht für den
Urnengang. Rund 66 Prozent der Berliner sind zudem enttäuscht von
der großen Koalition auf Bundesebene. Das Meinungsklima sei sehr
instabil, sagte WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn, wie es auf
der Internetseite tagesschau.de heißt.
In keinem anderen Bundesland seien die Parteibindung und die Zahl der
Stammwähler so gering wie in Berlin, fügte er hinzu. Das
zusammengenommen mit der Vertrauenskrise in die Politik insgesamt
führe dazu, dass im Moment überhaupt nicht absehbar sei, was
an Ergebnissen bei der Abgeordnetenhauswahl herauskomme.
(Quelle: ddp)