Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertachtundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Annan will UN-Einsatz um ein Jahr verlängern lassen
So.06.08.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan will den Einsatz der Vereinten
Nationen im Irak verlängern lassen. Die Sicherheitslage im Irak
habe im vergangenen Jahr Anlass zu "großer" Sorge gegeben, schrieb
Annan in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat. "Aufständische,
Freischärler und Terroristen haben ohne Unterlass Angriffe in
etlichen Regionen des Irak verübt." Die Bevölkerung sei
zunehmend in Gefahr durch religiös begründete Gewalt. Weil
die Sicherheitslage immer noch so schwierig sei, habe für alle
künftigen UN-Aktivitäten im Irak der Zusatz "sofern es die
Umstände erlauben" zu gelten, betonte Annan.
Er beantragte beim Sicherheitsrat, die Unterstützungsmission
für den Irak (UNAMI) um ein weiteres Jahr zu verlängern. Das
Mandat für den Einsatz läuft am kommenden Freitag ab, wenn der
Sicherheitsrat nichts dagegen unternimmt. An der UNAMI sind 396
UN-Mitarbeiter beteiligt, die größtenteils in der irakischen
Hauptstadt Bagdad arbeiten, teils aber auch in Erbil im Norden des
Landes und im südlichen Basra.
Im August 2003 hatten Unbekannte einen verheerenden Anschlag auf den
Sitz der UNAMI in Bagdad verübt - eine Autobombe riss damals 22
Mitarbeiter der UNO in den Tod, unter ihnen Annans Sondergesandten im
Irak, den Brasilianer Sergio Vieira de Mello.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 06.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundvierten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.06.08.05 - Beratungen über irakische Verfassung verschoben. Sistani will
Islam als Hauptquelle für neue irakische Gesetzgebung +++ US-Armee
startet Offensive gegen Rebellen im Westen des Irak +++ Zustimmung
für Bushs Irak-Politik auf dem Tiefpunkt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508060.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Papst ruft zur Mobilisierung gegen Krieg in Nahost auf. 20 000 Menschen
demonstrieren in London gegen den Krieg im Libanon. USA und Frankreich
einigen sich auf Libanon-Resolution. Deutscher Außenminister
Steinmeier hält sich zu Bundeswehreinsatz in Nahost bedeckt.
Libanesischer Staatspräsident Lahoud: 'USA kein ehrlicher
Vermittler'. Schwerste Bombardements seit Beginn der Angriffe Israels.
Libanesische Armee greift in Kämpfe ein. Hisbollah-Raketen reichen
immer weiter. Sunnitischer Geistlicher erlässt Fatwa gegen Hisbollah
So.06.08.06 - Papst Benedikt XVI. hat Christen und Menschen anderen Glaubens zur
Mobilisierung gegen den Krieg im Nahen Osten aufgerufen. Krieg bringe
für niemanden etwas Gutes, nicht einmal für den Sieger, sagte
Benedikt in einem am Samstag anlässlichen seines bevorstehenden
Besuches in seiner bayerischen Heimat von deutschen Medien
aufgezeichneten Interview.
Rund 20 000 Demonstranten haben am Samstag in London gegen den Krieg im
Libanon protestiert und einen sofortigen Waffenstillstand gefordert.
«Die britische Öffentlichkeit ist entsetzt über die
Vorgänge im Libanon», sagte Lindsey German von der
«Stoppt den Krieg- Koalition». Die Mehrheit sei mit dem
Verhalten der britischen Regierung nicht einverstanden. Premierminister
Tony Blair hat es bislang abgelehnt, einen sofortigen Waffenstillstand
zu fordern.
Die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Libanonkonflikts
haben am Samstag einen kleinen Fortschritt erzielt. Die USA und
Frankreich einigten sich nach tagelangen Verhandlungen auf eine
Libanon-Resolution, die die Kriegsparteien zur «Einstellung aller
Feindseligkeiten» auffordern soll.
Wie aus UN-Kreisen verlautete, erklärten sich die Franzosen
bereit, nicht länger auf einer «sofortigen»
Einstellung der Kämpfe zu bestehen. Der Text der Resolution wurde
den 13 anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates zugeleitet. In einer
zweiten Resolution soll möglichst Ende kommender Woche der
«politische Rahmen für einen dauerhaften
Waffenstillstand» festgelegt werden. Anschließend soll eine
internationale Friedenstruppe die Einhaltung des Waffenstillstandes
garantieren.
Unterdessen traf der US-Gesandte David Welch zu Gesprächen mit dem
libanesischen Regierungschef Fuad Siniora und Parlamentspräsident
Nabih Berri in Beirut zusammen. Im Mittelpunkt standen Wege zur
Lösung des bewaffneten Konflikts. Es ist der erste Besuch eines
ranghohen US-Vertreters, seit die libanesische Regierung einen
geplanten Besuch von US-Außenministerin Condoleezza Rice abgesagt
hatte. Die Außenminister der Arabischen Liga wollen am Montag in
Beirut zusammenkommen. Deutschlands Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) hält die Zeit für eine Entscheidung
über eine deutsche Beteiligung an einer Schutztruppe im
Südlibanon für noch nicht reif. «Angesichts der
Bedeutung dieser Frage verbietet sich jeder Schnellschuss», sagte
er dem «Spiegel» zum Wunsch des israelischen
Regierungschefs Ehud Olmert nach einer deutschen Beteiligung an einer
internationalen Schutztruppe.
Olmert hatte im Gespräch mit der "Welt am Sonntag"
bekräftigt, dass er eine deutsche Beteiligung wünscht. Er
werde Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nötigenfalls
persönlich darum bitten, sagte der Ministerpräsident.
Ähnlich hatte er sich bereits in der "Süddeutschen Zeitung"
geäußert.
Der rechte Flügel der SPD geht davon aus, dass der Bundestag einem
Einsatz der Bundeswehr im Nahen Osten nicht zustimmen würde. "Ich
glaube nicht, dass das mehrheitsfähig ist", sagte der Sprecher des
Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, der "Berliner Zeitung".
Nach Ansicht des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) ist die
Bundeswehr für einen Einsatz im Nahen Osten nicht gerüstet.
Selbst eine Beteiligung durch logistische Hilfe, Sanitäter oder
Fernmelder sei derzeit schwer vorstellbar, sagte Robbe der
"Thüringer Allgemeinen".
Der FDP-Außenpolitiker Wolfgang Gerhardt gab im Deutschlandradio
Kultur zu bedenken, Olmert sei nicht die einzige israelische Stimme zu
diesem Thema. Zudem gebe es "nicht nur bei uns, auch in Israel Zweifel
an der Art des Militäreinsatzes, an den Zielen der damit
verfolgten Politik".
Dagegen unterstrich Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU): "Wir
stehen eindeutig an der Seite Israels, das gerade seine Existenz
verteidigt." Die Frage nach einem Bundeswehreinsatz werde die
Bundesregierung ernsthaft prüfen, sobald sie an Deutschland
herangetragen werde, sagte er der Berliner "BZ am Sonntag".
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte, einem Einsatz
in der Region müssten alle Konfliktparteien zustimmen. Deutschland
könne seinen Beitrag statt durch einen Kampfeinsatz auch durch
Ärzte und Sanitäter, bei der Versorgung und beim Wiederaufbau
des Libanon erbringen, sagte sie dem "Tagesspiegel am Sonntag".
Der libanesische Staatspräsident Emile Lahoud hat die Rolle der
Vereinigten Staaten im Konflikt mit Israel scharf kritisiert. Dem
Nachrichtenmagazin «Focus» sagte er: «Die USA sind
kein ehrlicher Vermittler, sie stehen zu 100 Prozent Israel bei.»
Alle Forderungen seien zum Vorteil Israels und nicht der Libanesen,
erklärte Lahoud laut dem Vorabbericht. Seiner Ansicht nach
vertuscht die israelische Regierung die Misserfolge des israelischen
Militärs: «Sie wollen die Moral ihrer Truppe heben und
lügen täglich, behaupten, die Hisbollah habe keine Raketen
mehr.»
Der Präsident lehnte es ab, die Hisbollah als Terrorgruppe zu
bezeichnen: «Die Hisbollah ist eine nationale
Widerstandsbewegung.» Nur weil sie stark genug sei, Israel zu
widerstehen, werde sie als Terrorgruppe bezeichnet. Hinter
Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah stehe «die ganze arabische
Welt» und «besonders die Libanesen», sagte Lahoud.
Dem Einsatz einer internationalen Truppe in seinem Land wolle er nur
zustimmen, wenn diese «unter UN-Kommando» stehe.
Unterdessen gingen die Kämpfe unvermindert weiter. Bei den
schwersten Luftangriffen auf den Süden des Libanons seit Beginn
des Krieges vor dreieinhalb Wochen schlugen am Samstag in
Grenzdörfern binnen sieben Stunden 4000 Geschosse ein. Israelische
Kampfflugzeuge und Hubschrauber nahmen bei insgesamt etwa 70
Luftangriffen in der Nacht neben Tyrus auch erneut Beirut unter Feuer.
Rund 15 Dörfer nahe der Grenze zu Israel würden systematisch
zerstört, teilte die Polizei in Tyrus weiter mit. Die Zahl der
Verletzten wurde mit 14 angegeben. Nach den Angriffswellen der
vergangenen Wochen und Warnungen der israelischen Streitkräfte
hatten die meisten Bewohner die Region verlassen.
Eine israelische Kommandoaktion hat am frühen Samstagmorgen nahe
der Hafenstadt Tyrus die libanesische Armee in die Kämpfe
verwickelt. Libanesisches Militär setzte Luftabwehrgeschütze
ein, nachdem israelische Kampfhubschrauber mehrere Raketen abgefeuert
hatten.
Die Helikopter seien im Tiefflug über Tyrus geflogen, ihre
Besatzungen schossen mit Maschinengewehren auf Ziele am Boden, sagte die
libanesische Polizei. Ein libanesischer Soldat wurde getötet und
eine Luftabwehrbatterie zerstört. Es war das erste Mal, dass die
libanesische Armee aktiv in den Krieg eingriff.
Bei der Aktion in der Nähe von Tyrus setzten israelische
Hubschrauber außerdem Soldaten auf dem Boden ab. Danach kam es zu
Kämpfen mit Milizionären der radikal-islamischen Hisbollah.
Das Ziel der Operation war zunächst unklar. Hisbollah-Quellen in
Tyrus behaupteten am Samstag, dass die abgesetzten Soldaten in einen von
der Hisbollah vorbereiteten Hinterhalt geraten und dass acht von ihnen
getötet oder verletzt worden seien.
Die Hisbollah-Miliz hat vom Südlibanon aus ihre Raketen weiter als
je zuvor auf israelisches Gebiet geschossen. Mindestens zwei Raketen der
Hisbollah seien nahe der rund 40 Kilometer nördlich von Tel Aviv
gelegenen Stadt Hadera eingeschlagen, teilte ein Polizeisprecher mit.
Der Chef der schiitischen Hisbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah,
hatte gedroht, Tel Aviv mit Raketen zu beschießen, sollte Israel
die libanesische Hauptstadt Beirut erneut bombardieren. Ein ranghoher
israelischer Armeevertreter sagte, bei einem Angriff auf Tel Aviv werde
die libanesische Infrastruktur vernichtet.
Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah (»Partei
Gottes») spalten zunehmend die muslimische Welt: Ein ranghoher
sunnitischer Geistlicher aus Saudi-Arabien erließ am Samstag eine
Fatwa gegen die schiitische Miliz. Die Hisbollah sei «die Partei
des Teufels», heißt es in dem verbindlichen Religionsedikt,
das Scheich Safar al Hawali auf seiner Web-Site veröffentlichte.
Niemand solle mehr für die Hisbollah-Kämpfer beten,
erklärte Al Hawali, dessen Lehre auch Al-Kaida-Führer Osama
bin Laden beeinflusst hat.
Bereits vor einer Woche hatte ein anderer Scheich in Saudi-Arabien dazu
aufgerufen, die Hisbollah nicht länger zu unterstützen. In
muslimischen Ländern haben in den vergangenen Tagen tausende
Menschen für die schiitische Miliz demonstriert, darunter auch in
überwiegend sunnitischen und eher westlich ausgerichteten Staaten
wie Jordanien. Auch die Regierung Saudi-Arabiens, die die
Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah - den
Auslöser der Offensive - zunächst verurteilt hatte, fordert
ein sofortiges Ende der israelischen Angriffe.
In Indonesien bereiten sich angeblich rund 200
Selbstmordattentäter auf Anschläge in der Nahost-Krisenregion
vor. Die Männer seien von der Bewegung muslimischer Jugendlicher in
Asien (AMYM) rekrutiert worden und würden im indonesischen Teil
der Insel Borneo trainiert, zitierten indonesische Medien am Samstag
einen Sprecher der Organisation.
(Quellen: afp, dpa, ap)
UN-Beauftragter fordert mehr deutsches Engagement in Afghanistan
Tom Koenigs: Nachwuchsreservoir der Taliban-Kämpfer 'praktisch grenzenlos'
So.06.08.06 - Der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, hat den
Westen und auch die deutsche Regierung zu mehr Engagement im Kampf gegen
die Taliban aufgefordert. Deutschland solle mehr Polizeiausbilder nach
Afghanistan schicken, wird Koenigs vom Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel» zitiert. Die afghanische Regierung brauche auch mehr
Geld für die Besoldung. Das Nachwuchsreservoir der
Taliban-Kämpfer sei «praktisch grenzenlos».
«Solange die Taliban dem gemeinen Landser ein Mehrfaches an Sold
zahlen wie der Staat, muss man sich nicht wundern», sagte Koenigs.
Der Kampf gegen die Taliban müsse sich zudem stärker auf die
Führungsleute konzentrieren, für Mitläufer müsse ein
Programm der Reintegration entwickelt werden, forderte der
UN-Sonderbeauftragte. Koenigs warnte zugleich vor überzogenen
Erwartungen und räumte Fehler in der Strategie des Westens bei der
Stabilisierung des Landes ein. So habe die Staatengemeinschaft «in
gefährlicher Weise an Personal und Geld gespart, zum Beispiel beim
Aufbau einer afghanischen Polizei».
Anfang des Jahres habe Präsident Hamid Karsai um Polizeihilfe
für den Süden des Landes gebeten. «Heute sehen wir, dass
wir ihn besser unterstützt hätten», wird Koenigs in
einer Vorabmeldung vom Samstag zitiert.
(Quelle: ap)
Ugandas Rebellen erklären Waffenruhe nach brutalem Bürgerkrieg
So.06.08.06 - Fast zwei Jahrzehnte nach Beginn des blutigen Bürgerkriegs hat die
ugandische Rebellengruppe Lord's Resistance Army (LRA) einen einseitigen
Waffenstillstand erklärt. Der wegen Gräueltaten international
gesuchte Rebellenchef Joseph Kony habe die Kommandeure der LRA
angewiesen, ab sofort ihren Kampf gegen die ugandischen
Streitkräfte einzustellen, gab Konys Stellvertreter Vincent Otti am
Freitag am Rande von Friedensgesprächen im sudanesischen Nabanga
bekannt. Mit dem Schritt wolle die LRA ihr "Engagement für die
Friedensgespräche" unter Beweis stellen. Kony und drei weitere
LRA-Führer sind wegen brutaler Gräueltaten gegen die
Zivilbevölkerung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den
Haag angeklagt.
(Quelle: afp)
Menschenrechtsgruppe von von Friedensnobelpreisträgerin Ebadi im
Iran verboten
So.06.08.06 - Die iranische Regierung hat eine Menschenrechtsgruppe verboten, die von
Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi geleitet wird. Das
Zentrum für den Schutz der Menschenrechte verfolge illegale
Aktivitäten, da es für seine Arbeit keine Genehmigung
erhalten habe, erklärte das Teheraner Innenministerium laut
Medienberichten vom Samstag. Das Verbot erfolgte ironischerweise am
100. Jahrestag der so genannten konstitutionellen Revolution, mit der
im damaligen Persien erstmals die Wahl eines Parlaments erzwungen wurde.
Das Zentrum für den Schutz der Menschenrechte wurde vor vier
Jahren von sechs prominenten Juristen unter der Leitung Ebadis
gegründet. Seitdem hat es sich einen Namen gemacht als Verfechter
der Rechte von Minderheiten und Regimekritikern im Iran. Ebadi
erklärte, die Arbeit des Zentrums sei von der iranischen
Verfassung gedeckt, da die Gesetze eingehalten würden und die
öffentliche Ordnung nicht gestört werde. Deshalb sei die
Beantragung einer Sondergenehmigung nicht erforderlich.
(Quelle: ap)
US-Außenministerin Rice ruft zu politischem Wandel in Kuba auf
So.06.08.06 - Angesichts der Erkrankung von Kubas Staatschef Fidel Castro hat
US-Außenministerin Condoleezza Rice die internationale
Gemeinschaft aufgefordert, die Kubaner zu einem politischen Wandel zu
ermutigen. Die kubanische Führung müsse dazu gebracht werden,
Mehrparteienwahlen zuzulassen, sagte Rice in einer Radioansprache an die
Bevölkerung der Karibikinsel. Die USA stünden an der Seite
der Kubaner, damit diese ihre politischen Führer "in freien und
gerechten Wahlen" bestimmen könnten. Rice' Ansprache wurde vom
US-finanzierten Sender Marti ausgestrahlt, der nach Kuba sendet.
Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush die Bürger der
Karibikinsel zum demokratischen Wandel aufgerufen. Die USA wollten die
Kubaner bei der Errichtung einer der Demokratie verpflichteten
Übergangsregierung unterstützen, erklärte Bush.
Wegen einer schweren Darmoperation hatte der kubanische Staatschef vor
vier Tagen die Amtsgeschäfte vorübergehend an seinen Bruder
Raul übergeben. Dieser ist seitdem jedoch nicht in Erscheinung
getreten. Auch Castro selbst hat sich seit seiner Operation noch nicht
öffentlich gezeigt, was weitere Spekulationen über seinen
Gesundheitszustand nährte.
(Quelle: afp)
Mexiko: Gericht lehnt komplette Neuauszählung der
Präsidentenwahl ab
So.06.08.06 - Das Bundeswahlgericht in Mexiko hat am Samstag eine komplette
Neuauszählung der Präsidentenwahl vom 2. Juli abgelehnt. Das
siebenköpfige Gremium schloss allerdings nicht aus, dass eventuell
ein Teil der Stimmen noch einmal nachgezählt werden müsse.
Eine Entscheidung dazu wurde noch nicht getroffen. Das Wahlgericht muss
bis zum 6. September den Wahlsieger benennen oder die Wahl annullieren.
Der laut amtlichem Ergebnis äußerst knapp unterlegene
Präsidentschaftskandidat Andres Manuel Lopez Obrador fordert eine
vollständige Neuauszählung. Der frühere
Bürgermeister von Mexiko-Stadt spricht von Wahlbetrug. Seine
Anhänger demonstrieren seit Wochen in der Hauptstadt für eine
Neuauszählung.
Dutzende Anhänger von Lopez Obrador versuchten nach dem Ende der
ersten öffentlichen Sitzung des Wahlgerichts in dieser
Angelegenheit das Tagungsgebäude zu stürmen. Vertreter des
Linkskandidaten verließen aus Protest gegen die Entscheidung der
Richter die Sitzung. Aus Protest gegen das Wahlergebnis haben tausende
Anhänger von Lopez Obrador vor einer Woche eine Zeltblockade in
der Hauptstadt errichtet. Sie wollen dort ausharren, bis ihre Forderung
nach einer kompletten Neuauszählung erfüllt ist.
Bei der Präsidentenwahl vor fünf Wochen gewann der
konservative Politiker Felipe Calderon nach offiziellen Angaben mit
einem Vorsprung von rund 240.000 Stimmen, was nur 0,6 Prozent der 41
Millionen abgegeben Stimmen entspricht.
(Quelle: ap)
Schwedischer Experte: AKW-Störfall hätte schlimmer ausgehen
können
So.06.08.06 - Der Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark-1 ist nach
Ansicht eines schwedischen Atomexperten «einer der schwersten
Zwischenfälle seit Tschernobyl und Harrisburg».
Der Störfall vom 26. Juli hätte schlimmer ausgehen
können, sagte Lars-Olov Höglund, einstiger Chefkonstrukteur
des Atomkraftwerks im damaligen Staatskonzern Statens Vattenfallsverk,
den «Westfälischen Nachrichten» (Samstag). Er schloss
nicht aus, dass es bei dem Zwischenfall zu einer Kernschmelze hätte
kommen können, wenn nicht nur zwei, sondern alle vier
Notstromaggregate des Werks ausgefallen wären.
Scharfe Kritik übte Höglund zugleich an der schwedischen
Atomaufsicht: «Hierzulande gilt zu oft der Grundsatz: Kontrolle
ist gut, Vertrauen ist besser. Bei Ihnen in Deutschland ist das genau
umgekehrt.» Generell würden Sicherheitsfragen in Schweden
nicht mehr so streng gehandhabt wie früher, als die Stromversorgung
staatlich war. «Ein Kraftwerk, das nicht läuft, kostet Geld.
Und seit der Privatisierung wollen die Stromkonzerne Geld
verdienen», der Atomexperte weiter.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Interesse an Umweltthemen laut Umfrage stark gesunken
So.06.08.06 - Das Interesse für Umweltschutzthemen hat nach einer Umfrage des
Allensbach Instituts in den vergangenen Jahren in Deutschland stark
nachgelassen. Darauf wies Institutschefin Renate Köcher in einem
Gastbeitrag für die in Düsseldorf erscheinende
«Wirtschaftswoche» hin. Köcher erklärte den
Rückgang mit den Erfolgen der Umweltpolitik in den 90er Jahren.
Laut Allensbach interessierten sich im Jahr 1990 noch 42 Prozent der
Bundesbürger ausgeprägt für das Thema Umwelt.
«Jetzt tun dies noch knapp 23 Prozent», schrieb Köcher.
Auffällig sei dabei, dass gerade in der Zeit der
Regierungsbeteiligung der Grünen auf Bundesebene das Interesse am
Thema Umweltschutz signifikant gefallen sei.
Nach Angaben von Allensbach stuften zu Beginn der 90er Jahre zwei
Drittel der Deutschen den Zustand der Umwelt als völlig
unbefriedigend ein. Besonders trübe sei die Bilanz in
Ostdeutschland ausfallen. So waren 61 Prozent der Westdeutschen und 93
Prozent der Ostdeutschen überzeugt, dass die Umwelt massiv
beeinträchtigt ist. «Heute sind es weniger als 30 Prozent.
Die Bilanz fällt im Osten inzwischen sogar positiver aus als im
Westen», sagte Köcher.
(Quelle: ap)
Marburger Bund sagt Gewerkschaft ver.di den Kampf an
So.06.08.06 - Im Streit über die Vertretung des Klinikpersonals hat der
Marburger Bund der Gewerkschaft ver.di offen den Kampf angesagt: Die
Ärzteorganisation plant die Gründung einer neuen
Gesundheitsgewerkschaft in direkter Konkurrenz zu ver.di, wie der
Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery dem Nachrichtenmagazin
«Focus» sagte. Denkbar sei die Gründung einer solchen
Organisation nach Beendigung der Tarifauseinandersetzung in den
kommunalen Kliniken. Dort streiken die Ärzte seit sechs Wochen.
Vorstellbar ist laut Montgomery, dass alle medizinischen Verbände
um den Marburger Bund herum gruppiert würden: «Wir wollen
das Allmachtprinzip der großen Gewerkschaften aufbrechen.»
Die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern streiken für
mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Ver.di dagegen
verständigte sich vergangene Woche mit den kommunalen Arbeitgebern
auf höhere Gehälter für das gesamte Klinikpersonal. Der
Marburger Bund erkennt diese Einigung jedoch nicht an, da sie ein Minus
von zwölf Prozent für die Mediziner bedeute. Deshalb sollen
die Streik verschärft werden.
ver.di erklärte, sie sehe der Ankündigung des Marburger
Bundes gelassen entgegen, eine Gesundheitsgewerkschaft zu gründen.
Es sei fraglich, ob sich beispielsweise das nicht-ärztliche
Klinikpersonal der Organisation überhaupt anschließen
würde, sagte Gewerkschaftssprecher Harald Reutter der
Nachrichtenagentur AP auf Anfrage.
Um eine tariffähige Gewerkschaft für alle im Gesundheitswesen
Beschäftigten zu werden, müsse der Marburger Bund die
Mehrzahl der Arbeitnehmer organisieren. Ob ihm dies gelinge, bleibe
insbesondere angesichts des derzeitigen Mediziner-Arbeitskampfes
abzuwarten, in dessen Verlauf der Marburger Bund die Pflegekräfte
beschimpft habe, sagte Reutter. Zu vermuten sei, dass die
Ärzteorganisation lediglich davon ablenken wolle, «dass sie
tarifpolitisch nicht sehr erfolgreich war».
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt rief beide Organisationen zur
Beilegung ihres Konflikts auf. «Die Trennung der Gewerkschaften
in diesem Bereich ist eher schädlich. Der Marburger Bund und
ver.di sollten sich wieder zusammenraufen», sagte die
SPD-Politikerin der «Passauer Neuen Presse». Sie sehe mit
Sorge, dass hier die Ansprüche der Ärzteschaft und der
übrigen Beschäftigten der Kliniken auseinanderdriften:
«Das schadet dem Betriebsklima in den Krankenhäusern.»
Der Marburger Bund verhandelte früher gemeinsam mit der
Dienstleistungsgewerkschaft, kündigte ihr aber vergangenes Jahr
das Verhandlungsmandat. Die Mediziner sahen sich nicht mehr ausreichend
vertreten. Im Marburger Bund sind nach dessen Angaben gegenwärtig
gut 100.000 Ärzte organisiert, die überwiegend in kommunalen
Krankenhäusern arbeiten.
Ver.di hat eigenen Angaben zufolge rund 2,4 Millionen Mitglieder, davon
etwa 370.000 in ihrem Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste,
Wohlfahrt und Kirchen. Nach Angaben der Gewerkschaft sind darunter
einige tausend Ärzte, über 1.000 davon aus dem kommunalen
Bereich. Berufsspezifische Tarifverträge, wie sie der Marburger
Bund für die Ärzte an den Universitätskliniken bereits
abgeschlossen hat und nun für die kommunalen Krankenhäuser
anstrebt, lehnen die im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierten
Gewerkschaften ab.
(Quelle: ap)
Gesundheitsministerin Schmidt will Spitzenverbände der
Krankenkassen auflösen
So.06.08.06 - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will die sieben
Spitzenverbände der Krankenkassen auflösen und durch einen
Dachverband ersetzen. «Die historisch begründete
Zersplitterung der Kassenlandschaft mag in früheren Zeiten ihre
Berechtigung gehabt haben. Den veränderten Rahmenbedingungen wird
sie nicht mehr gerecht», schrieb die SPD-Politikerin in einem
Gastbeitrag für das «Handelsblatt» (Montagausgabe). So
könne auch niemand schlüssig begründen, warum noch immer
rund 250 Krankenkassen benötigt werden.
«Brauchen wir wirklich sieben Spitzenverbände und noch
einmal eine Vielzahl von Landesverbänden? Ich sage Nein»,
betonte Schmidt. Die Vielzahl der Verbände führe nur zu
unnötiger Bürokratie. So seien die Verwaltungskosten der
Kassen seit 1995 von 6,1 Milliarden auf 8,2 Milliarden Euro gestiegen.
Die Bundesregierung werde daher die sieben Spitzenverbände durch
einen Dachverband ersetzen. Und auch auf Landesebene reiche
künftig ein gemeinsamer Verband, der für die kollektiven
Vertragsbeziehungen mit den Ärzten und Krankenhäusern
zuständig sei.
Diese Straffung der Organisationsstrukturen helfe, Verwaltungsausgaben
zu sparen, erklärte die Ministerin. Dazu gebe es schon deshalb
keine Alternative, weil die Bundesregierung sich dazu entschlossen
habe, die Patienten nicht durch höhere Zuzahlungen und
Leistungskürzungen zu belasten. Schmidt warf den gesetzlichen
Krankenversicherungen vor, sich mit ihrer Informationskampagne gegen
die Gesundheitsreform einer seit langem überfälligen
Neuordnung des Kassensystems aus reinem Besitzstandsdenken heraus in
den Weg zu stellen.
Die SPD-Politikerin verteidigte zugleich die Absicht der
Bundesregierung, die Kassen künftig über einen
Gesundheitsfonds zu finanzieren. Zugleich wies sie Befürchtungen
zurück, dadurch würden Arbeitsplätze gefährdet. Wer
behaupte, der Fonds vernichte 30 000 Arbeitsplätze, male wider
besseres Wissen Gespenster an die Wand, erklärte sie. Mit dem
Fonds würden auch nicht funktionierende Strukturen ohne Sinn und
Verstand zerschlagen und neue Bürokratien geschaffen, wie die
Krankenkassen behaupteten. Vielmehr werde ein unbürokratischer,
Kosten sparender Weg eingeschlagen.
(Quelle: ap)
Preise für Arzneimittel sollen sinken
So.06.08.06 - Die Gesundheitsreform soll Patienten und Kassen eine Senkung der
Arzneimittelpreise bringen. Wie das Magazin «Der Spiegel»
am Samstag berichtete, ist in den Eckpunkten der Gesundheitsreform die
Freigabe der Festpreise für Arzneimittel vorgesehen. Künftig
sollen nur noch Höchstsummen vorgegeben werden, die von Apotheken
unterboten werden könnten. Ministerin Ulla Schmidt rief die
Krankenkassen zur Zusammenarbeit bei der Gesundheitsreform auf.
«Der Spiegel» zitierte eine Sprecherin des
Gesundheitsministeriums mit den Worten, es solle im Ermessen der
Apotheken liegen, ob sie ihre eigenen Gewinnspannen knapper
kalkulierten oder sich zusammen schlössen, um bei Pharmaindustrie
oder Kassen bessere Konditionen herauszuholen. Auf das Ende des
Festpreissystems bereitet sich bereits die noch aus den Niederlande
operierende Versandapotheke DocMorris vor. «Wenn das
Festpreissystem fällt, wollen wir schon am Markt präsent sein
und von Deutschland aus agieren», sagte DocMorris-Chef Ralf
Däinghaus dem «Spiegel». Das Unternehmen hat in
Saarbrücken eine Apotheke übernommen und will im Saarland ein
Logistikzentrum aufbauen. Dagegen klagen allerdings Apotheker, die
Discountpreise und Ketten befürchten.
Die SPD-Politikerin Schmidt machte deutlich, dass sie an dem Vorhaben,
Kassenverbände zusammenzulegen und die Verwaltungsstrukturen
effektiver zu gestalten, festhält. Den Kassen warf sie vor, mit
ihrer Kritik an der Gesundheitsreform womöglich mehr im eigenen
Interesse als in dem der Versicherten zu handeln. In der
«Passauer Neuen Presse» rief sie zur Kooperation auf:
«Die Kassen müssen die Vorgaben des Gesetzgebers zügig
umsetzen. Wir haben keine Zeit und vor allem kein Geld mehr im
Gesundheitswesen zu verschenken. Ich will, dass die Umsetzung schneller
geht als bei bisherigen Reformen.»
CDU-Wirtschaftspolitiker verlangten erneut Änderungen an den
gesundheitspolitischen Koalitionsvereinbarungen. Der
wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer,
schlug im «Focus» vor, komplette Leistungsblöcke aus
dem Kassenkatalog herauszunehmen und auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber
zu verteilen. So könnten die Beiträge zur Krankenversicherung
auf wenigstens zehn Prozent gedrückt werden. Meyer schlug vor,
dass die Versicherten künftig Zahnersatzbehandlungen und private
Unfälle extra versicherten, und die Arbeitgeber für das
Krankengeld aufkämen. Der Mittelstandspolitiker Michael Fuchs
forderte im Magazin «Der Spiegel», Versicherte müssten
stärker als bisher vorsorgen und etwa Sportunfälle privat
absichern.
(Quelle: ap)
Drogenbeauftragte für Heroin auf Rezept
So.06.08.06 - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD),
hat sich für eine kontrollierte Abgabe von Heroin auf Rezept an
Schwerstabhängige ausgesprochen. «Es geht nicht um Heroin
auf Krankenschein oder um Heroin für alle, sondern um eine
allerletzte Überlebenshilfe für ganz wenige Menschen»,
begründete Bätzing am Samstag im SRW-Interview ihren
Vorschlag. Sie rief die Unions-Fraktion dazu auf, sich dem Vorhaben
nicht länger zu verweigern.
Bätzing sagte weiter, eine Studie habe gezeigt, «dass die
Heroinvergabe an Schwerstabhängige der von Methadon
wissenschaftlich basiert überlegen» sei. Auch die
beteiligten Länder und Kommunen hätten erkannt, welche
Erfolge diese Substitutionsform für sie bringe und würden
inzwischen an einem Strang ziehen, sagte Bätzing. Sie sei
«zuversichtlich, dass die Bundestagsfraktion der Union das auch
macht.»
(Quelle: ddp)