Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertneunundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Italiener wollen Irak Kontrolle der Süd-Provinz Dhi Kar
übergeben. Heftige Kämpfe im Bagdader Stadtteil Sadr City.
Mindestens zehn Tote bei Selbstmordanschlag in Tikrit. Vier Iraker
durch Sprengsatz im Süden von Bagdad getötet. Familien von im
Irak getöteten britischen Soldaten gründen Anti-Blair-Partei.
'Peace Mom' nimmt Mahnwachen vor Bushs Ranch wieder auf
Mo.07.08.06 - Die irakischen Sicherheitskräfte sollen noch in diesem Monat die
komplette Verantwortung über die bislang von Italien kontrollierte
südliche Provinz Dhi Kar übernehmen. Die abziehende
italienische Armee sei zu dem Schluss gekommen, dass die irakischen
Streitkräfte die Sicherung der Lokalhauptstadt Nasarija und der
restlichen Provinz in eigener Regie gewährleisten könnten,
sagte Koalitionssprecher Charlie Burbridge am Sonntag. Der irakische
Armeesprecher Asis Kadhim Alwa kündigte an, dass die Iraker "in den
kommenden Tagen" das Kommando in der Provinz übernehmen.
Im Bagdader Stadtteil Sadr City, einer Hochburg des radikalen
schiitischen Predigers Muktada al Sadr, ist es in der Nacht zum
(heutigen) Montag zu schweren Kämpfen gekommen. Das laute
Geräusch von Explosionen und Gewehrfeuer erfüllte eine Stunde
nach Mitternacht die Luft und hielt für eine gute Stunde an. Das
irakische Fernsehen berichtete, amerikanische Kampfflugzeuge
hätten mehrere Gebäude in dem Viertel angegriffen, die jetzt
in Flammen stünden. Über Opfer lagen zunächst keine
Meldungen vor.
Die US-Streitkräfte in Bagdad äußerten sich vorerst
nicht zu dem Zwischenfall. Sie haben ihre Präsenz in der
irakischen Hauptstadt am Wochenende jedoch verstärkt, um der
anhaltenden Gewalt Einhalt zu gebieten. Dabei war nicht zuletzt auch
beabsichtigt, die Anhänger von Al Sadr zu bekämpfen. Die
US-Streitkräfte haben die Entsendung von 3.700 zusätzlichen
Soldaten nach Bagdad angekündigt.
Ein Selbstmordattentäter hat sich am Sonntagabend bei einer
Beerdigung in der irakischen Stadt Tikrit in die Luft gesprengt und
mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen. Ein Polizeisprecher
erklärte weiter, die Zahl der Opfer liege vermutlich noch
höher. Etwa 20 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.
Zahlreiche Trauernde hätten sich zur Beisetzung des Vaters eines
Stadtratsmitglieds versammelt, sagte der Sprecher. Auch der Abgeordnete
des Stadtrats sei unter den Todesopfern.
Bei einem Bombenanschlag auf eine irakische Armeestreife sind am
Samstag bei Mahmudija vier Iraker getötet worden. Zwei Soldaten und
zwei Passanten starben, als der von Aufständischen ausgelegte
Sprengsatz explodierte, bestätigte die örtliche Polizei. In
der westlichen Provinz Anbar, in der Aufständische stark aktiv
sind, kamen am Donnerstag zwei US-Soldaten durch «feindliche
Aktivitäten» ums Leben, teilte das US-Militärkommando in
Bagdad mit.
Familien von im Irak und in Afghanistan getöteten britischen
Soldaten haben die Gründung eine Anti-Blair-Partei
angekündigt. Die Partei Spectre will bei allen kommenden Wahlen
Kandidaten gegen alle Mitglieder der Regierung von Premierminister Tony
Blair aufstellen, die nach ihrer Ansicht Großbritannien an der
Seite der USA im März 2003 in den Irak-Krieg geführt haben,
wie Reg Keys, der Vater eines im Irak getöteten Soldaten, dem
"Guardian" (Samstagausgabe) sagte. Keys war bei den Parlamentswahlen in
Blairs Wahlkreis als Gegenkandidat des Premiers angetreten und hatte
zehn Prozent geholt.
Die als «Peace Mom» bekannt gewordene Friedensaktivistin
Cindy Sheehan hat ihre Proteste vor der Ranch von US-Präsident
George W. Bush in Texas wieder aufgenommen. Wie schon vor einem Jahr
marschierten Sheehan und mehr als 50 weitere Irak-Kriegsgegner am
Sonntag etwa zwei Kilometer auf das Anwesen in Crawford zu, bis sie an
einer Straßensperre zum Anhalten gezwungen wurden. Sheehan, deren
Sohn im Irak getötet wurde, forderte erneut eine Unterredung mit
Bush. Dies hat der Präsident bislang stets abgelehnt.
Die Friedensaktivisten um Sheehan haben vor kurzem ein zwei Hektar
großes Grundstück in Crawford gekauft, etwa elf Kilometer
von Bushs Ranch entfernt. Von dort aus wollen sie ihre Protestaktionen
ausweiten. Im vergangenen Sommer harrte Sheehan 26 Tage lang vor dem
Anwesen des Präsidenten aus, insgesamt 12.000 weitere
Demonstranten leisteten ihr im Laufe dieser vier Wochen Gesellschaft.
Die Aktivisten vereinbarten damals, jedes Jahr während des
Urlaubsaufenthalts von Bush in Crawford Mahnwachen gegen den Irak-Krieg
zu veranstalten.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 07.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundfünften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.07.08.05 - Al Kaida warnt Sunniten vor Mitarbeit am Verfassungsentwurf +++ Bei
einer Reihe von Angriffen und Anschlägen zahlreiche Menschen
getötet +++ Laut 'New York Times' stammen moderne Sprengsätze im
Irak aus Iran...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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17 Taliban-Kämpfer im Süden Afghanistans getötet
Mo.07.08.06 - Bei einer Militäraktion von NATO-Soldaten und afghanischen
Sicherheitskräften sind im Süden Afghanistans mindestens 17
Taliban-Kämpfer getötet worden. Die Truppen stießen am
Samstag in die Berge der Provinz Helmand vor, wie die Polizei am
Sonntag mitteilte. Bei einer weiteren Militäraktion am Sonntag
wurde nach NATO-Angaben ein britischer Soldat getötet. Seit der
Ausweitung des Einsatzes der NATO-Schutztruppe ISAF in den Süden
des Landes vor einer Woche fielen bereits neun Soldaten der Gewalt zum
Opfer.
In der Nähe der südafghanischen Stadt Kandahar sprengte sich
am Sonntag ein Selbstmordattentäter mit einem Kleinlastwagen in
die Luft, als ein Militärkonvoi die Stelle passierte. Ein
US-Soldat wurde dabei nach Angaben eines NATO-Sprechers verletzt.
Mutmaßliche Taliban-Kämpfer töteten bei einem
Feuerüberfall auf einen Kontrollposten in der westlichen Provinz
Badghis zwei Polizisten, wie der stellvertretende Polizeichef Abdull
Amid mitteilte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Ringen um Libanon-Resolution noch nicht abgeschlossen. Israelische
Armee und libanesische Hisbollah intensivieren gegenseitige Angriffe.
Mindestens neun Tote bei neuen Raketenangriffen auf Israel. Israels
Schriftsteller fordern sofortigen Waffenstillstand
Mo.07.08.06 - Auch nach der Einigung der USA und Frankreichs auf den Text einer
Libanon-Resolution geht das Ringen um die Entschließung weiter.
Der Libanon mahnte am Sonntagabend abermals entscheidende
Änderungen an der Vorlage an. Israel hielt sich mit einer
offiziellen Stellungnahme weiter zurück. Der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen wollte im Laufe des (heutigen) Montags über den
Entwurf beraten. Eine Abstimmung war UN-Diplomaten zufolge
frühestens am Dienstag zu erwarten.
Beobachter rechneten damit, dass die USA und Frankreich ihre Vorlage
noch einmal leicht revidieren würden, um den Bedenken der
arabischen Welt Rechnung zu tragen. Diese Länder hatten vor allem
kritisiert, dass in der Resolution kein sofortiger Waffenstillstand
gefordert wird. Der französische Außenminister Philippe
Douste-Blazy erklärte im Rundfunksender France-Info: «Das
wichtigste für uns ist es, die Zustimmung der libanesischen
Regierung und der arabischen Welt zu gewinnen.»
Eine Überarbeitung des Textes verlangte insbesondere der
libanesische Parlamentspräsident Nibih Berri, der der schiitischen
Hisbollah nahe steht. Es müsse klar sein, dass nach einem
Waffenstillstand und der Stationierung von UN-Soldaten kein
israelischer Soldat mehr auf libanesischem Territorium verbleiben
dürfe. Diese Klausel sei im derzeitigen Text jedoch nicht
enthalten, was die gesamte Resolution inakzeptabel mache, sagte Berri.
Auch Syrien und der Iran, die die Hisbollah unterstützen, wandten
sich gegen den Entwurf.
Israel reagierte verhalten positiv. Ein von den Vereinten Nationen
vermittelter Waffenstillstand im Nahen Osten müsse allerdings
sicherstellen, dass die Hisbollah nicht weiterhin von Syrien und dem
Iran Waffen erhalte, sagte der israelische Außenamtssprecher Mark
Regev am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AP. Man dürfe nicht
zulassen, dass der Iran seine «Marionetten» in der
schiitischen Miliz weiterhin ausrüste, um sie einen
Stellvertreterkrieg gegen Israel führen zu lassen.
Eine offizielle Stellungnahme der Regierung in Jerusalem lag
zunächst nicht vor. Dem israelischen Rundfunk zufolge wies
Ministerpräsident Ehud Olmert sein Kabinett an, sich nicht zu
äußern, solange die Resolutionsvorlage nur als Entwurf
existiere. Gleichwohl erklärte Regev, man hoffe auf
internationalen Konsens darüber, dass vor einem Waffenstillstand
langfristige Voraussetzungen für einen Frieden geschaffen werden
müssten.
Trotz internationalen Drucks für einen Frieden im Nahen Osten
haben die israelische Armee und die libanesische Hisbollah ihre
gegenseitigen Angriffe am Wochenende intensiviert. Bei dem bisher
verheerendsten Raketenangriff der radikal-schiitischen Miliz auf Israel
starben mindestens zehn Reservisten. Die israelische Luftwaffe setzte
ihr Bombardement auf Ziele im Libanon fort, wobei mindestens zehn
libanesische Zivilisten starben. Auch bei den Gefechten am Boden kamen
im Südlibanon offenbar erneut zahlreiche Soldaten ums Leben. Nahe
Tyros wurde zudem erstmals die libanesische Armee aktiv in Kämpfe
verwickelt.
Eine Hisbollah-Rakete schlug am Sonntag mitten in eine Gruppe
israelischer Reservisten im nordisraelischen Dorf Kfar Giladi ein, wie
Sanitäter und israelische Medien berichteten. Neben den zehn
getöteten Soldaten seien neun weitere verletzt worden, vier davon
schwer. Es war der bisher folgenschwerste Hisbollah-Angriff auf
Nordisrael seit Beginn des Krieges vor dreieinhalb Wochen. Die
israelische Armee bestätigte, mehrere zum Einsatz im Libanon
einberufene Reservisten seien getötet worden. Ein Reporter des
israelischen Militärradios berichtete, Bewohner des Dorfes
stünden weinend neben den teils in Bettlaken eingehüllten
Leichen. Bäume standen nach dem Raketenangriff nahe des
Dorffriedhofes in Flammen, dunkle Rauchwolken stiegen in den Himmel
empor.
Bei den Bodenkämpfen im Libanon kamen nach Hisbollah-Angaben
ebenfalls mehrere israelische Soldaten ums Leben oder wurden schwer
verletzt. Die Guerilla-Kämpfer griffen demnach
Militärfahrzeuge in Wadi Honeen an der Grenze und auf dem Weg zum
Dorf Adajse an. Eine Hisbollah-Gruppe attackierte zudem eine israelische
Militäreinheit, die vom Grenzdorf Bijada nach Norden vordringen
wollte. Insgesamt seien zwei israelische Panzer und zwei Bulldozer
zerstört worden, teilte die Hisbollah mit. Von der israelischen
Armee gab es dazu zunächst keine Stellungnahme. Bereits am Samstag
waren bei einem Kommando-Einsatz nahe Tyros offenbar acht israelische
Soldaten verletzt und sieben Hisbollah-Kämpfer getötet
worden. Dabei starben zudem ein Soldat der libanesischen Armee und vier
Zivilisten.
Die israelische Luftwaffe flog auch wieder dutzende Angriffe auf den
Libanon: Kampfjets bombardierten Straßen im östlichen
Bekaa-Tal, wodurch die Region buchstäblich von der Außenwelt
abgeschnitten wurde. Auch Stellungen der pro-syrischen Volksfront zur
Befreiung von Palästina kamen unter Beschuss; zwei Mitglieder der
Gruppe starben. Insgesamt kamen seit Ausbruch der Kämpfe zwischen
Israel und der Hisbollah mehr als 800 Menschen ums Leben, die meisten
von ihnen libanesische Zivilisten. Der Konflikt war durch die
Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah am 12.
Juli ausgelöst worden.
Durch das israelische Bombardement wurde offenbar auch ein Fahrzeug
nahe eines UN-Hilfsgüterkonvois auf dem Weg in die südliche
Hafenstadt Tyros getroffen, wobei nach Angaben aus libanesischen
Sicherheitskreisen zwei Zivilisten starben. Ein Sprecher des
Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (UN) sagte, eine
Rakete habe anscheinend einen Kleintransporter getroffen, der etwa 20
Meter vor dem Konvoi gefahren sei. Man müsse weitere Informationen
abwarten, um die Lage besser beurteilen zu können. Durch eine
Mörsergranate der Hisbollah auf einen Stützpunkt der
UN-Schutztruppe Unifil erlitten zudem drei chinesische Soldaten leichte
Verletzungen.
In einem offenen Brief an die Regierung in Jerusalem haben drei der
bekanntesten Schriftsteller Israels ein sofortiges Ende der Angriffe auf
den Libanon gefordert. "Alle erreichbaren Ziele dieser Operation wurden
erreicht, deshalb ist es nun nicht mehr zu rechtfertigen, weiteres Leid
zu verursachen und noch mehr Blut auf beiden Seiten zu
vergießen", heißt es in dem Aufruf von David Grossman, A. B.
Yehoshua und Amos Oz, der von der Zeitung "Haaretz" veröffentlicht
wurde.
Die drei Autoren, die als Israels große literarische Stimmen der
Gegenwart gelten, stellten zugleich klar, dass sie den Einsatz gegen die
Hisbollah im Grundsatz für richtig hielten. "In unseren Augen
handelt es sich um einen moralisch gerechten und völkerrechtlich
legitimen Akt der Selbstverteidigung gegen eine Aggression aus einem
feindlichen Land." Nun müsse die Regierung aber einen sofortigen
Waffenstillstand anstreben, weil ein weiteres militärisches
Vorgehen keine Früchte tragen könne.
(Quellen: rtr, ap, afp, dpa)
Tausende im Kongo auf der Flucht nach Kämpfen
Mo.07.08.06 - Im Kongo sind nach offiziellen Angaben tausende Menschen wegen heftiger
Kämpfe zwischen Rebellen und der Armee auf der Flucht.
Vertreter der Vereinten Nationen (UN) bestätigten am Samstag, dass
bei den Gefechten in der im Osten des Landes gelegenen Kleinstadt Sake
zwei Soldaten starben und 18 Zivilisten verletzt wurden. Die
Kampfhandlungen seien aber inzwischen beendet, sagte der
Oberkommandierende der UN-Truppen in der Region. Die Menschen
hätten jedoch Angst. Auf der Straße, die zu der
Provinzhauptstadt Goma nahe der Grenze zu Ruanda führt, bildete
sich eine lange Flüchtlingsschlange.
In Sake kehrte derweil wieder Ruhe ein. Die Armee und die Rebellen, die
unter der Führung des abtrünnigen Generals Laurent Nkunda
kämpften, einigten sich auf einen beiderseitigen Rückzug aus
dem Ort. Diejenigen Bewohner, die nicht geflohen waren, applaudierten.
Nkunda wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihm werden
Gräueltaten gegen Zivilisten vorgeworfen.
Im Kongo hatten vor gut einer Woche die ersten freien Parlaments- und
Präsidentenwahlen seit rund vier Jahrzehnten stattgefunden. Sie
wurden von tausenden Soldaten der Vereinten Nationen (UN) und der
Europäischen Union (EU) überwacht, darunter auch
Bundeswehrsoldaten. Mit vorläufigen Ergebnissen wird in etwa zwei
Wochen gerechnet. Internationalen Beobachtern zufolge verlief die
Abstimmung zwar weitgehend friedlich. Es gibt allerdings die Sorge vor
politischen Unruhen während der laufenden kritischen Phase der
Stimmenauszählung.
(Quelle: rtr)
15 Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in Sri Lanka getötet
Mo.07.08.06 - Im Nordosten Sri Lankas sind 15 örtliche Kräfte einer
französischen Hilfsorganisation tot aufgefunden worden. Wie ein
Vertreter einer Dachorganisation in Sri Lanka mitteilte, wurden die
Leichen der elf Männer und vier Frauen in ihrem Büro in
Muttur entdeckt, dem Zentrum der Kämpfe zwischen tamilischen
Rebellen und Regierungstruppen. Die Opfer hätten alle T-Shirts der
Organisation Action contre la Faim (ACF) getragen. Ein Sprecher der
Befreiungstiger von Tamil Eelam hatte zuvor die Regierungstruppen
beschuldigt, 15 Mitarbeiter einer Hilfsorganisation getötet zu
haben.
(Quelle: afp)
Norwegen versucht Friedensprozess in Sri Lanka zu retten
Mo.07.08.06 - Norwegen hat einen ersten Erfolg zur Rettung des vom Scheitern
bedrohten Friedensprozesses in Sri Lanka erzielt. Der norwegische
Gesandte Jon Hanssen-Bauer traf in der von Rebellen gehaltenen Stadt
Kilinochi mit Führern der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
zusammen, wie ein Sprecher der Gruppe sagte. Anschließend
erklärten sich die Tamilen-Tiger bereit, die Blockade eines
Wasserkanals nahe der moslemischen Stadt Muttur aufzuheben, die
Auslöser blutiger Kämpfe mit der Regierungsarmee in den
vergangenen Tagen war. Zehntausende Menschen sind weiter auf der Flucht.
Die LTTE beschuldigte die Regierungstruppen, sich nicht an die
Abmachungen zu halten.
Die Bewegung habe sich aus dem gesamten umkämpften Bezirk
Trincomalee zurückgezogen, hieß es in der Erklärung der
LTTE. Die Gefechte waren am vorletzten Mittwoch entbrannt, als die
Rebellen einen Bewässerungskanal in der Nähe von Muttur unter
ihre Kontrolle brachten, der tausende Familien mit Wasser versorgt. Im
Falle weiterer Artillerie- oder Luftangriffe drohten die Rebellen mit
dem Ende des vor vier Jahren ausgehandelten Waffenstillstandes und einem
neuen Krieg. Der eigentlich nur noch auf dem Papier existente
Waffenstillstand war von Norwegen mit ausgehandelt worden.
Die von den Norwegern ausgehandelte Waffenruhe sei von den
Regierungstruppen durchbrochen worden, erklärte ein LTTE-Sprecher
am Sonntag. Die Kriegsparteien warfen sich gegenseitig vor, Massaker
begangen zu haben. Die Regierung beschuldigte die LTTE, am Freitagabend
mehr als hundert moslemische Zivilisten bei deren Flucht aus Muttur
getötet zu haben. Der LTTE-Sprecher wies den Vorwurf zurück.
Er beschuldigte seinerseits die Regierung, tamilische Zivilisten
umgebracht zu haben. Unter den Opfern seien 15 Mitarbeiter einer
Hilfsorganisation. Die Regierung gab die Zahl der bei den Kämpfen
Getöteten mit 426 an.
Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war
zunächst nicht möglich. Das Internationale Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) hatte nach eigenen Angaben keinen Zugang zu den
Kampfgebieten. Etwa 20.000 Bewohner aus der Region um Muttur
flüchteten in die nahe gelegene Stadt Kantalai. Vier Schulen in der
Stadt wurden zu behelfsmäßigen Flüchtlingslagern
umfunktioniert. Die islamische Hilfsorganisation Dschamiah-e-Islami
verteilte Nahrungsmittel, doch fehlte es vielen Flüchtlingen am
Lebensnotwendigen.
(Quelle: afp)
Mexiko: Anhänger von Lopez Obrador weiten ihre Proteste aus
Mo.07.08.06 - Die Anhänger des nach amtlichen Angaben unterlegenen mexikanischen
Präsidentschaftskandidaten Andres Manuel Lopez Obrador haben ihre
Proteste ausgeweitet. In Mexiko-Stadt bildeten zehntausende
Demonstranten am Sonntagabend eine Menschenkette entlang der
Hauptstraßen im Zentrum. Zuvor hatte Lopez Obrador seine
Gefolgsleute auf dem Zocalo-Platz dazu aufgerufen, ihre Zeltlager so
lange nicht abzubrechen, bis alle Forderungen erfüllt seien.
Das Bundeswahlgericht wandte sich am Samstag gegen eine komplette
Neuauszählung der am 2. Juli abgegebenen Stimmen, wie sie Lopez
Obrador verlangt. Das Gericht erklärte, das Gesetz sehe eine
vollständige Neuauszählung nur vor, wenn es Beweise für
Unregelmäßigkeiten gebe. Das siebenköpfige Gremium
ordnete allerdings die neuerliche Auszählung der Stimmen aus knapp
12.000 Wahllokalen an, wo am Wahltag Probleme gemeldet wurden. Der
linksgerichtete Lopez Obrador, der nach amtlichen Angaben um nur 0,6
Prozentpunkte hinter dem konservativen Wahlsieger Felipe Calderon lag,
hat massive Wahlfälschungen geltend gemacht.
(Quelle: ap)
Unmut auf Kanaren über Flüchtlinge wächst
Mo.07.08.06 - Auf den Kanarischen Inseln macht sich zunehmend Unmut über den
unaufhaltsamen Zustrom von illegalen Zuwanderern aus Afrika breit. Die
Regierung der autonomen spanischen Region der Kanaren warf der Madrider
Zentralregierung vor, mit ihrer Ausländerpolitik gescheitert zu
sein.
«Das Schlimme ist, dass Madrid davon ausgegangen war, das Problem
gemeistert zu haben», sagte der kanarische Justizminister
José Miguel Ruano. «Dabei befinden wir uns in einem
besonders kritischen Moment der Krise.»
Auf Teneriffa gingen nach Presseberichten vom Sonntag erneut 92
afrikanische Bootsflüchtlinge an Land. Auf Lanzarote, wo der
spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez
Zapatero seinen Urlaub verbringt, wurde die Leiche eines
Flüchtlings an Land geschwemmt.
Der Chef der kanarischen Regierungspartei CC (Kanarische Koalition),
Paulino Rivero, sagte: «Wir sind es auf den Kanaren leid, von der
Madrider Regierung immer nur gute Worte zu hören bekommen.»
Seit Jahresbeginn gelangten etwa 15 000 illegale Zuwanderer aus Afrika
auf die Inselgruppe, drei Mal so viele wie im gesamten Jahr 2005.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Umfragetief der Koalition nährt Streit in CDU
Mo.07.08.06 - Angesichts des Umfragetiefs der großen Koalition ist der
Richtungsstreit in der CDU in eine neue Runde gegangen. Der
stellvertretende Parteichef Jürgen Rüttgers verlangte eine
neue Standortbestimmung.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rüttgers
sagte dem «Handelsblatt», die CDU müsse sich über
ihre wirtschaftspolitischen Prioritäten klar werden, damit die
Wähler wieder wüssten, für was die Partei stehe.
Rüttgers sagte, eine «Lebenslüge» sei die in der
CDU und der Wirtschaft verbreitete These, niedrige Steuern führten
automatisch zu mehr Investitionen und damit zu neuen
Arbeitsplätzen. In seinem Bundesland sei der Effekt nicht
eingetreten. Obwohl die Steuersätze seit 1998 kontinuierlich
gesunken seien, sei die Zahl der Arbeitslosen um rund 150.000 gestiegen.
Der brandenburgische CDU-Vorsitzende Jörg Schönbohm beklagte
den Verlust von Stammwählern. In der «Bild am Sonntag»
sagte er: «Viele CDU-Wähler sind enttäuscht über
den politischen Kurs». Es sei für die Menschen offenbar
nicht sichtbar, ob die Partei einer Linie und Überzeugung folge.
Nach dem letzten ARD-Deutschlandtrend ist die Zustimmung in der
Bevölkerung für Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den
schlechtesten Wert seit ihrem Amtsantritt gesunken.
Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister, Dietrich Austermann
(CDU), forderte ebenfalls in der «Bild am Sonntag» eine
Generalrevision der Gesundheitsreform. Die Eckpunkte seien nach der
Devise «nur niemandem wehtun» entstanden.
(Quelle: ap)
FDP und Grüne bereiten sich auf Ende der der großen
Koalition vor
Mo.07.08.06 - FDP und Grüne bereiten sich auf ein Scheitern der großen
Koalition vor. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte in einem ARD-Interview:
«Nach der nächsten Bundestagswahl, und die kommt vor 2009 im
Herbst, werden wir regieren.» Ein Bündnis mit SPD und
Grünen schloss er aus. Der Vorsitzende der
Grünen-Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn, verwarf eine Koalition mit
der Linkspartei, zeigte sich aber offen für Bündnisse mit
Union, SPD und FDP.
Westerwelle sagte im «Bericht aus Berlin», angesichts des
aktuellen Streits zwischen Union und SPD sei nicht auszuschließen,
dass die große Koalition nächstes oder
übernächstes Jahr auseinander breche. «Dann muss eben
neu sondiert werden.» Eine Koalition aus Union, FDP und
Grünen sei letztes Jahr nicht ernsthaft sondiert worden. Das habe
an den Grünen und der CSU gelegen. Jetzt beobachte er «mit
gewissem Interesse» die Diskussionen, die bei den Grünen in
Gang gekommen seien. Zu einem Bündnis mit der SPD und den
Grünen sagte Westerwelle: «so wie die Lage jetzt aussieht,
nein, auf keinen Fall.» Sein persönliches Verhältnis zur
CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete der
FDP-Vorsitzende als unverändert gut.
Kuhn sagte der «Bild am Sonntag», die Grünen
müssten sich für den Fall vorbereiten, dass die große
Koalition kollabiert. Er machte deutlich, dass die Grünen ein
Dreierbündnis unter Führung der Union als gleichrangig
betrachteten mit einer SPD-geführten Dreierkoalition. Keine der
großen Parteien solle sich sicher fühlen, er hätte eine
Ampel, also ein Bündnis mit FDP und Grünen, als Option.
«Wir wollen weder Union noch SPD aus der Patsche helfen»,
sagte Kuhn.
Ein Regierungsbündnis mit Sozialdemokraten und Linken schloss Kuhn
aus. Mit dem Fraktionschef der Linken im Bundestag, Oskar Lafontaine,
habe das keinen Sinn. «Der hat keine inhaltlichen Ziele, sondern
will nur die SPD kaputt machen. Das ist sektenhafter Fanatismus.»
Lafontaine erteilte unterdessen einer Koalition mit der SPD auf
Bundesebene eine klare Absage. «Eine linke Mehrheit definiert sich
inhaltlich, die gibt es zur Zeit nicht», sagte er im
ZDF-Interview. Eine linke Mehrheit müsse sich für einen
Sozialstaat, wie es ihn in Schweden oder Dänemark gebe, engagieren
und sich für die Beachtung des Völkerrechts einsetzen. Beides
tue die Bundesregierung nicht und die übrigen Parteien ebenfalls
nicht.
Dagegen brachte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion,
Bodo Ramelow, ein rot-rot-grünes Bündnis im Bund ins
Gespräch. Im Magazin «Focus» nannte er den Regierenden
Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, als möglichen
Partner. Der SPD-Politiker, der Berlin mit einer rot-roten Koalition
regiert, habe es geschafft, eine Integrationsfähigkeit jenseits der
CDU zu organisieren.
In der Grünen-Spitze offenbarte sich derweil am Wochenende ein
Dissens über den Sinn von Koalitionsdebatten: Die
Parteivorsitzende Claudia Roth nannte sie schädlich für die
Partei.
Roth erklärte, obwohl die große Koalition zur Zeit mies
dastehe, sei ihr Ende nicht abzusehen. Deshalb seien Koalitionsdebatten
zur Zeit «reine Sandkastenfarbenspiele». Sie «werden
weder von unseren Wählerinnen und Wählern noch der Partei
unterstützt». Roth zeigte dennoch ihre Präferenz
für die SPD.
(Quelle: ap)
Strahlenschutzamt rügt deutsche Kernkraftbetreiber
Mo.07.08.06 - In der Diskussion über den Störfall im schwedischen
Atomkraftwerk Forsmark hat das Bundesamt für Strahlenschutz den
deutschen Energieerzeugern vorgeworfen, vorzeitig und
möglicherweise unberechtigt Entwarnung gegeben zu haben. Der
Präsident der Behörde, Wolfram König, sagte dem Berliner
«Tagesspiegel» (Montagausgabe), zum
Verantwortungsbewusstsein der Kraftwerksbetreiber gehöre,
«dass Störfälle wissenschaftlich fundiert und
interessenunabhängig bewertet werden».
Nach den Worten Königs leisten die deutschen Betreiber
«ihren eigenen Anliegen einen Bärendienst, wenn sie nach dem
gravierenden Störfall in Fordmark für ihre Anlagen
reflexartig Entwarnung geben». Das Deutsche Atomforum hatte nur
wenige Tage nach dem Vorfall kategorisch bestritten, dass sich in der
Bundesrepublik ein Störfall wie der in Schweden ereignen kann.
(Quelle: ap)
Sicherheitsprobleme bei neuen elektronischen Pässen - Experte
knackt Funkchiptechnik RFID
Mo.07.08.06 - Ein deutscher Sicherheitsexperte hat die Technik von RFID-Chips
geknackt und vor Sicherheitsproblemen bei den neuen elektronischen
Pässen gewarnt. Auf der Defcon, einer Konferenz für
IT-Sicherheit in Las Vegas, erklärte Lukas Grünwald, die auf
den Chips gespeicherten persönlichen Daten könnten kopiert und
zur illegalen Einreise genutzt werden. Grünwald zeigte
während der Tagung am Freitagabend (Ortszeit) einen Chip, auf den
er die Daten seines Reisepasses übertragen hatte.
Damit könne er jedes automatische Kontrollsystem passieren und in
jedes beliebige Land einreisen, erklärte der Fachmann. Experten
haben bislang betont, die Informationen auf elektronischen Pässen
seien sicher und könnten nicht kopiert werden. In Deutschland wird
die RFID-Technik bereits bei Reisepässen genutzt. In den USA soll
sie im Oktober eingeführt werden.
Auf RFID-Chips können die unterschiedlichsten Daten gespeichert
werden, beispielsweise bei den neuen Pässen die biometrischen
Merkmale des Besitzers, aber auch Angaben über Hersteller, Art und
Preis einer Ware. Ausgelesen werden diese Daten mit Sensoren per Funk.
RFID steht für «Radio Frequency Identification».
(Quelle: ap)
Klimawandel: Die Wetterextreme nehmen zu
Mo.07.08.06 - Es wird wärmer in Deutschland. Immer neue Hitzerekorde im Wechsel
mit extremen Niederschlägen lassen auch in Deutschland spürbar
werden, woran kaum ein Experte mehr zweifelt: Der Klimawandel.
«Das Auftreten von extremen Wetterphänomenen hat sich im
letzten Jahrhundert vervierfacht», sagt etwa Peter Werner vom
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Das gehe aus Unterlagen
von Versicherern hervor.
«Die weltweite Durchschnittstemperatur ist in den letzten 100
Jahren um 0,6 Grad Celsius gestiegen», berichtete Werner. Zum
Vergleich: Seit der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren ist es weltweit im
Schnitt lediglich fünf bis sechs Grad wärmer geworden. Und
für die nächsten 100 Jahre prognostiziert Werner einen noch
schnelleren Anstieg.
Werner und anderen Experten zufolge ist diese Erwärmung nicht ohne
Folgen. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass die
Klimaextreme noch zunehmen», sagt der Forscher. «Trockene
Gebiete werden trockener, Feuchtgebiete feuchter», fasst er
zusammen. Hitzewellen und sintflutartige Regenfälle seien
Phänomene, an die sich die Deutschen gewöhnen müssten.
Eine vom Wetter abhängige Branche ist die Landwirtschaft. Auch
hier sorgen die Hitzewellen nicht nur für Freude. Zwar bescheren
heiße Sommer wie 2003 und 2006 gute Erdbeerernten und
Spitzenjahrgänge beim Wein. Für viele Feldfrüchte stellt
die Hitze aber ein Problem dar. «Kartoffeln brauchen zum Beispiel
kältere Nächte, genau wie der Riesling», erklärt
Donat-Peter Häder von der Universität Erlangen-Nürnberg.
Und für hochgezüchtete Getreidesorten könne
außerdem der Wassermangel zum Verhängnis werden.
«Die mitteleuropäische Landwirtschaft hat aber die
Möglichkeit, sich umzustellen», erklärt der
Pflanzenexperte. So könnten hitzefestere Getreidearten und sogar
ganz andere Kulturpflanzen angebaut werden. «Der Anbau von Soja,
wie in den USA, wäre zum Beispiel denkbar», meint Häder.
Auch deutsche Paprika und Tomaten könnten demnächst vermehrt
in den Gemüseregalen vertreten sein.
Hans-Joachim Weigel, Präsident der Bundesforschungsanstalt
für Landwirtschaft, sieht schon jetzt Anzeichen für eine
Neuorientierung in der Landwirtschaft. Im trockeneren Osten Deutschlands
würden schon lange hitzefestere Getreidesorten angebaut.
Außerdem würden in Süddeutschland teilweise schon
sonnenverliebte Rotweinsorten wie Cabernet und Syrah angebaut. Was
andere Kulturpflanzen angeht, ist der Agrarökologe aber skeptisch.
«Für Neues muss immer auch die Nachfrage gewährleistet
sein», sagt er.
Das ist auch ein Problem für deutsche Fischer. Laut den Biologen
vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel siedeln sich
Fischarten aus südlichen Gefilden mittlerweile dauerhaft bei uns
an. «Sardinen und Sardellen, die früher nur Saisongäste
waren, bleiben jetzt vermehrt auch im Winter in Nord- und Ostsee»,
erklärt der Fischereibiologe Rüdiger Voss. Für die
bestehe in Deutschland aber keine genügende Nachfrage, weshalb sie
meist zu billigem Fischmehl verarbeitet würden. Anders bei der
Meeräsche, einem Speisefisch aus tropischen und subtropischen
Gewässern. Der ist mittlerweile in der Ostsee anzutreffen und auch
in deutschen Netzen gern gesehen.
Bisher seien aber keine heimischen Fischarten durch die Zuzügler
bedroht, betont Voss. «Bedenklicher ist da schon, dass es dem
Dorsch vielleicht in der Nordsee bald zu warm werden könnte und er
weiter nach Norden zieht», warnt Voss. So etwas sei bereits an der
amerikanischen Küste beobachtet worden, mit verheerenden Folgen
für die Fischer.
Der Klimawandel hängt von vielen Faktoren ab. Deshalb sagen auch
die Forscher selbst, dass alle Aussagen über Klimafolgen immer auch
auf Spekulationen beruhen. Verschiedene Szenarien werden teilweise
heiß diskutiert. Aber auch wenn viel spekuliert und diskutiert
wird, sind sich die Experten in einem Punkt einig: Auch in Deutschland
wird sich das Leben anpassen müssen. Denn abwenden lässt sich
der Klimawandel nicht, wie der Klimaforscher Werner erklärt. Die
dafür mitverantwortlichen Klimagase blieben rund hundert Jahre in
der Atmosphäre und wirkten deshalb noch lange nach. «Wichtig
ist aber, dass der Klimawandel gebremst wird», sagt Werner,
«damit Mensch und Umwelt genügend Zeit zur Anpassung
haben.»
(Quelle: ap)
Internet: Die Suchmaschine macht sich selbstständig
Mo.07.08.06 - Die Internet-Suchmaschine der Zukunft handelt wie der Hund, der immer
pünktlich und korrekt die Zeitung aus dem Briefkasten holt. Einmal
richtig eingestellt, durchforstet die Software im Hintergrund das
Internet und meldet ihrem "Herrchen" die Ergebnisse, sobald sie
fündig geworden ist. Dabei lernt sie anhand der PC- und
Internet-Aktivitäten des Anwenders stets hinzu und bietet ihm
selbstständig die Suchergebnisse gemäß seinen Vorlieben
und Notwendigkeiten an. Zudem nimmt sie Kontakt mit Internet-Nutzern und
Web-Anbietern mit ähnlichen Interessen auf. Mit anderen Worten:
Die Suchmaschine der Zukunft muss nicht mehr extra gestartet und auch
nicht mehr mit bestimmten Suchbegriffen gefüttert werden.
Diesen künstlich-intelligenten Suchroboter entwickelt derzeit die
Technische Universität Berlin. Dabei wollen die Forscher die
Software so programmieren, dass sie zum Beispiel völlig
selbstständig Newsletter mit den Informationen zusammenstellt, von
denen sie glaubt, dass der Nutzer sie will. Außerdem soll sie sich
mit den entsprechenden Neuigkeiten schon melden, sobald der PC
hochgefahren und die Internet-Verbindung aufgebaut ist. Bei ihrer
selbstständigen Suche arbeitet die Maschine laut ihrer Entwickler
"multimodal". Das heißt, sie offeriert dem Nutzer sowohl Webseiten
als auch einzelne Texte und Multimedia-Dateien an, die sie
gemäß seinen vermeintlichen Interessen im Internet gefunden
hat.
An einem ganz ähnlichen Projekt arbeiten derzeit auch
Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt. Deren
"intelligente Suchmaschine" soll später einmal konkrete Fragen der
Nutzer beantworten können - ähnlich wie "Karl Klammer", das
virtuelle Helferlein von Microsoft Word. Sprich: Sucht beispielsweise
jemand ein Rezepte für Kuchen ohne Obst, kann der Suchmaschine
genau diese abstrakte Anfrage stichwortartig gestellt werden: "Rezept
Kuchen kein Obst". Die aktuellen Suchmaschinen sind hingegen nur in der
Lage, Fundstellen zu liefern, die exakt den Suchbegriffen entsprechen.
(Quelle: yahoo)