+++ Di.08.08.06, 07:00
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Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sechs Tote bei Rebellen-Überfall auf Armeeposten. Drei US-Soldaten
bei Explosion in Region von Bagdad getötet - US-Armee
verstärkt Präsenz
Di.08.08.06 - Im Irak sind am Montag bei einem Überfall von Rebellen auf einen
Kontrollposten der Armee mindestens sechs Soldaten getötet worden.
Der Angriff nahe der nordirakischen Stadt Bakuba habe sich im
Morgengrauen ereignet, teilte die Polizei weiter mit. Die Extremisten
hätten die einheimischen Streitkräfte erschossen und zudem 15
weitere verletzt. Den Angaben nach kam bei dem Überfall auch ein
Extremist ums Leben. Die Gegend um Bakuba gilt als Rebellenhochburg.
In dem Golfstaat greifen Aufständische immer wieder einheimische
und ausländische Soldaten an, um die vom Westen gestützte
Regierung zu schwächen. Beinahe täglich gibt es auch
religiös motivierte Anschläge auf Zivilisten. Tausende
Menschen kamen durch die Gewalt ums Leben.
Bei einer Bombenexplosion in der Region von Bagdad sind drei
US-Soldaten ums Leben gekommen. Wie die Armee mitteilte, explodierte der
Sprengsatz am Sonntagabend im Südwesten der irakischen Hauptstadt.
Angesichts der anhaltenden Anschläge hat die US-Armee damit
begonnen, ihre Truppenpräsenz in der Hauptstadt Bagdad zu
verstärken. Augenzeugen sahen am Sonntag im Westen von Bagdad
erstmals jene Radpanzer vom Typ «Stryker», die bislang von
den US-Truppen in der nordirakischen Großstadt Mossul eingesetzt
wurden.
Nach amerikanischen Plänen sollen 3700 US-Soldaten, die in Mossul
durch neue Truppen ersetzt werden, vier Monate länger im Irak
bleiben und nach Bagdad verlegt werden.
Derzeit sind im Großraum Bagdad 9000 GIs stationiert. Zur
Aufstockung dieses Kontingents entschloss sich das US-Militär wegen
der zunehmend prekären Sicherheitslage in Bagdad. Auch die
irakischen Sicherheitskräfte in der Hauptstadt sollen um 4000 Mann
aufgestockt werden. Aufständische, konfessionell rekrutierte
Todesschwadrone und kriminelle Gangs drohen Bagdad immer mehr ins Chaos
zu stürzen.
(Quellen: rtr, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 08.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundsechsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.08.08.05 - Selbstmordanschläge und Sprengfallen - Am Wochenende wurden
mindestens 17 Menschen getötet. Die Mutter eines im Irak umgekommenen
US-Soldaten will vor der texanischen Ranch von George W. Bush solange ausharren, bis der
Präsident heraus kommt und ihr erklärt, wofür ihr Sohn
starb...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Sicherheitsrat verschiebt Beratungen über Libanon-Resolution.
Über 1000 Tote im Libanon seit Beginn von Israels Offensive - die
meisten davon Zivilisten. Israel weitet Bombardierungen im Libanon
abermals aus. Lage für libanesische Zivilisten wird immer
kritischer. Fast eine Million Menschen sind auf der Flucht. Umfrage:
Überwältigende Mehrheit der Palästinenser
unterstützt die Hisbollah-Miliz. Experten sehen dramatische Folgen
der Ölpest vor Libanon
Di.08.08.06 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Montagabend noch keine
Beratungen über eine Resolution zum Libanon-Konflikt aufgenommen.
Die USA und Frankreich, Initiatoren eines vorliegenden Entwurfs,
erklärten, sie wollten zunächst mit der Delegation der
arabischen Liga verhandeln. Diese wurde für (heutigen) Dienstag in
New York erwartet.
Die USA und Frankreich haben sich bereit erklärt, den Text der
Resolution noch einmal zu revidieren, nachdem der Libanon sowie andere
arabische Länder Einspruch eingelegt hatten. Kritik wurde
insbesondere daran geäußert, dass in der Entschließung
keine Forderungen nach einem sofortigem Waffenstillstand und einem
vollständigen israelischen Abzug aus dem Südlibanon enthalten
sind. Bei einem Außenministertreffen der Arabischen Liga in
Beirut wurde am Montag beschlossen, Liga-Generalsekretär Amre
Mussa sowie die Außenminister von Katar und den Vereinigten
Arabischen Emiraten zu den Vereinten Nationen zu entsenden.
Nach den Beratungen mit der Delegation wollten die USA und Frankreich
eine neue Vorlage erarbeiten und dem UN-Sicherheitsrat vorlegen. Ein
Abstimmung könnte dann frühestens am Mittwoch, wahrscheinlich
aber erst am Donnerstag stattfinden.
Die libanesischen Streitkräfte beriefen unterdessen eine nicht
näher genannte Zahl Reservisten ein. Der Schritt stand offenbar im
Zusammenhang mit der geplanten Stationierung von rund 15.000 Soldaten an
der Grenze zu Israel, wie Ministerpräsident Saniora angeregt hat.
Das libanesische Kabinett billigte diesen Vorschlag am Montagabend
einstimmig. Die Stationierung soll aber erst nach einem israelischen
Truppenrückzug aus dem Libanon erfolgen.
Im Grenzgebiet sollen dann nach libanesischem Wunsch auch UN-Soldaten
stationiert werden.
Zu einer Vermittlungsmission wird der deutschen Außenminister
Frank-Walter Steinmeier am (heutigen) Dienstag in Beirut erwartet. Im
Mittelpunkt seiner Gespräche sollten die Möglichkeiten zur
Beendigung der derzeitige Krise stehen. Vorgesehen sind Begegnungen mit
Ministerpräsident Saniora und Parlamentspräsident Nabih Berri.
Am Mittwoch wird Steinmeier dann in Israel mit Ministerpräsident
Ehud Olmert, Außenministerin Zipi Livni und Verteidigungsminister
Amir Perez zusammenkommen. Ferner ist für Donnerstag ein Treffen
mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas geplant.
Die arabischen Außenminister berieten am Montag mit Libanons
Regierungschef und dem Generalsekretär der Arabischen Liga
über die Lage. Mussa hatte zuvor gesagt, dass unter anderem
über ein mögliches Gipfeltreffen der arabischen Länder
gesprochen werden solle. Es soll nach Presseberichte noch diese Woche
in Mekka stattfinden.
Seit Beginn der israelischen Offensive vor knapp vier Wochen sind im
Libanon mehr als tausend Menschen getötet worden, die meisten
davon Zivilisten. Dies ergibt eine Berechnung der Nachrichtenagentur
AFP auf der Grundlage der offiziellen Mitteilungen in Beirut. Bei einem
israelischen Luftangriff auf die südlibanesische Ortschaft Hula
wurde ein Mensch getötet. Die Außenminister der arabischen
Staaten kamen in Beirut zu einem Krisentreffen zusammen. Eine
diplomatische Lösung lässt weiter auf sich warten.
928 Zivilisten seien seit Beginn der Angriffe vor knapp vier Wochen
getötet worden, teilte der Rettungsdienst der Regierung in Beirut
mit. Darunter seien etwa 280 Kinder unter zwölf Jahren. Zudem
verzeichnete die Regierung den Tod von 30 libanesischen Soldaten und
Polizisten. Getötet wurden darüber hinaus 51 Kämpfer der
Hisbollah-Miliz und acht Kämpfer anderer militanter Gruppierungen.
Die UN-Truppe FINUL beklagte den Tod von vier internationalen
Beobachtern. Insgesamt kamen damit 1022 Menschen ums Leben.
Mit neuen Luftangriffen auf Beirut und das Bekaa-Tal haben die
israelischen Streitkräfte ihren Druck auf die Hisbollah im Libanon
weiter verstärkt. Der Beiruter Stadtteil Tschiah, eine Hochburg
der schiitischen Miliz, wurde am Montag kurz nach Sonnenuntergang von
mehreren Geschossen getroffen. Nach libanesischen Angaben kamen dabei
mindestens zehn Menschen ums Leben. Bei den Luftangriffen im Bekaa-Tal
unweit der historischen Stadt Baalbek wurden mindestens acht Menschen
getötet und mehr als 30 verletzt.
Insgesamt fielen am Montag mehr als 50 Menschen dem Konflikt zum Opfer,
mindestens 49 Libanesen und zwei israelische Soldaten. Es war einer der
verlustreichsten Tage seit Beginn der blutigen Auseinandersetzungen am
12. Juli. Empörung hatte zunächst die Aussage des
libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Saniora ausgelöst, bei
einem israelischen Luftangriff auf die südliche Ortschaft Hula
seien mehr als 40 Menschen umgekommen. Später sprach er nur noch
von einem Toten. Ein Sprecher der Vereinten Nationen erklärte
schließlich, bei den Kämpfen in Hula nahe der israelischen
Grenze seien fünf Menschen getötet worden.
Israel hat mehrfach angekündigt, das rund 30 Kilometer breite
Grenzgebiet südlich des Litani-Flusses zur Pufferzone auszuweiten.
Die dortige Bevölkerung wurde zur Ausreise aufgerufen, am Montag
wurde zudem ein allgemeines Fahrverbot verkündet. Ein
Militärsprecher erklärte, es gehe darum, der Hisbollah die
Zulieferung von Waffen und Munition unmöglich zu machen.
Fahrzeuge, die zu humanitären Einsätzen unterwegs seien,
würden von der Regelung ausgenommen.
Nach fast vier Wochen Krieg wird die Lage für die libanesische
Zivilbevölkerung immer kritischer.
Die israelische Luftwaffe zerstörte am Montag nach Angaben aus
Sicherheitskreisen und einer Hilfsorganisation den letzten großen
Transportweg für Hilfsgüter in die südlibanesische
Hafenstadt Tyrus. Bei Luftangriffen kamen mindestens 17 Zivilisten ums
Leben, bis zu 50 andere wurden unter den Trümmern zerstörter
Häuser im Dorf Hula vermutet.
Die einzig verbliebene Brücke über den Liani-Fluss bei
Kasmijeh sei zerbombt worden, sagte ein Vertreter der Gruppe Ärzte
ohne Grenzen (MSF). Nun könne ein Konvoi mit Lebensmitteln, Medizin
und Benzin nicht mehr wie geplant nach Tyrus fahren. Das Militär
habe der Organisation zudem mitgeteilt, dass für die an dem
Transport beteiligten Mitarbeiter keine Sicherheitsgarantien gegeben
werden könnten. "Wenn wir weitermachen, dann auf unser eigenes
Risiko", sagte der MSF-Vertreter. Die Gruppe denke nun darüber
nach, die Hilfslieferungen am Flussbett abzuladen und dann per Hand auf
die andere Seite zu schaffen. Die Brücke stand etwa zehn Kilometer
nördlich von Tyrus, wo zuletzt besonders heftig gekämpft
worden war.
Generell werfen Hilfsorganisationen Israel vor, ihnen den Zugang zu den
Krisengebieten zu erschweren. Fast eine Million Menschen sind auf der
Flucht und benötigen dringend Hilfe. Erst am Sonntag hatte ein
israelischer Luftangriff nur knapp einen UN-Hilfskonvoi verfehlt. Dabei
wurden zwei Zivilisten getötet.
Bei den israelischen Luftangriffen wurden große Teile der
Infrastruktur wie Straßen, Brücken, Häfen und
Flughäfen zerstört. Die Energie- und Wasserversorgung sowie
das Telefonnetz wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.
Die Ölpest vor der libanesischen Küste wird nach Ansicht von
Umweltexperten für die Wirtschaft des Libanons und für die
Tierwelt des Mittelmeeres dramatische Folgen haben.
Wie der Biologe Jörg Feddern von der Umweltschutzorganisation
Greenpeace am Montag in einem Gespräch mit dem Informationsradio
des Hessischen Rundfunks in Frankfurt sagte, geht aus Satellitenbildern
hervor, dass der Ölteppich mittlerweile 130 Kilometer lang und bis
zu 30 Kilometer breit sei.
Der Ölpest hatte sich nach israelischen Luftangriffen auf die
Öltanks eines küstennahen libanesischen Kraftwerks Mitte Juli
entwickelt. Dabei waren 15 000 Tonnen schweren Heizöls direkt ins
Mittelmeer geflossen. Der Ölteppich, der für die schwerste
Umweltkatastrophe in der Geschichte des Libanon steht, hat inzwischen
die syrische Küste erreicht.
Wegen des andauernden Krieges können die Ölverschmutzungen im
Meer und an den Stränden derzeit nicht fachgerecht beseitigt
werden. «Das Öl beginnt deshalb, in seine hoch giftigen
Komponenten zu zerfallen», erklärte der libanesische
Umweltberater Wael Hmaidan am Montag in Beirut. Zu diesen gehörten
Schwefelverbindungen und Schwermetallrückstände, die die
Meeresbiotope noch zusätzlich bedrohen, sagte er. Tausende von
verendeten Fischen, Krabben und Schildkröten seien bereits ans Ufer
geschwemmt worden.
Besonders gefährdet sieht der Biologe Feddern die Grüne
Meeresschildkröte. Diese vom Aussterben bedrohte Tierart habe ihre
Eier an Teilen der libanesischen Küste abgelegt. «Wenn die
jungen Schildkröten in den kommenden Wochen schlüpfen,
müssen sie ihren Weg ins Meer finden. Da sie aber nicht über
den ölverdreckten Sand hinüber kommen, werden sie
sterben», sagte Feddern. Sein libanesischer Kollege Hmaidan
bestätigte, am Wochenende bereits die ersten ölverklebten,
toten Schildkröten-Babys gesehen zu haben.
Zu wirtschaftlichen Schäden meinte Feddern, im Libanon habe sich
in den vergangenen Jahren ein neuer Tourismus-Sektor entwickelt, zudem
sei der Fischfang für die Region sehr wichtig. Beides sei durch
Krieg und Ölteppich völlig zusammen gebrochen.
Schweden bot unterdessen an, eine Geberkonferenz zum Wiederaufbau des
Libanons zu organisieren. Sein Land sei bereit, eine Führungsrolle
bei internationalen Wiederaufbaubemühungen zu übernehmen,
erklärte Ministerpräsident Göran Persson. Sollte die
internationale Gemeinschaft zustimmen, könnte eine solche Konferenz
in den kommenden Wochen stattfinden.
Laut der Hilfsorganisation Caritas International droht im Libanon der
Zusammenbruch der Wirtschaft und damit eine Katastrophe. Der Leiter von
Caritas International, Martin Salm, sagte im SWR, bereits jetzt gebe es
kaum noch Verkehr und Handel.
Die überwältigende Mehrheit der Palästinenser
unterstützt die Hisbollah-Miliz in ihrem Kampf gegen Israel. In
einer vom Institut Near East Consulting veröffentlichten Umfrage
sprachen sich 97 Prozent der Befragten im Westjordanland und im
Gazastreifen für die radikalislamische Gruppierung im Libanon aus.
Nur drei Prozent lehnten sie ab. Auch unter der christlichen Minderheit
der Palästinenser war die Unterstützung der Hisbollah mit 95
Prozent sehr hoch.
(Quellen: rtr, afp, dpa, ap)
Der Entwurf für eine Libanon-Resolution
Frankreich hat am Samstag einen Entwurf für eine
Libanon-Resolution im Weltsicherheitsrat eingebracht. Hier Auszüge
(in einer dpa-Übersetzung):
«Der Sicherheitsrat (...), seine äußerste Sorge
über die andauernde Eskalation der Feindseligkeiten im Libanon und
in Israel (...) zum Ausdruck bringend, die schon Hunderte von
Todesfällen und Verletzungen auf beiden Seiten, eine weit reichende
Beschädigung der zivilen Infrastruktur und Hunderttausende von
Flüchtlingen verursacht hat, die Notwendigkeit einer Beendigung
der Gewalt betonend, aber zur selben Zeit die Notwendigkeit betonend,
sich dringend mit den Ursachen auseinander zu setzen, die diese
derzeitige Krise haben entstehen lassen, einschließlich der
bedingungslosen Freilassung der entführten israelischen Soldaten,
(...) fordert eine vollständige Einstellung der Feindseligkeiten,
in erster Linie auf der Grundlage der sofortigen Einstellung aller
Angriffe der Hisbollah und der sofortigen Einstellung aller
militärischen Offensivoperationen Israels. (...) Ruft Israel und
den Libanon dazu auf, eine dauerhafte Waffenruhe und eine langfristige
Lösung auf der Grundlage folgender Prinzipien und Elemente zu
unterstützen:
- strikte Achtung der Souveränität und territorialen
Integrität Israels und des Libanons durch alle (Konflikt-)Parteien;
(...)
- vollständige Umsetzung relevanter (...) Resolutionen, die die
Entwaffnung aller bewaffneten Gruppen im Libanon fordern, so dass es
(...) keine anderen Waffen und keine andere Autorität im Libanon
gibt als die des libanesischen Staates;
- Entsendung einer internationalen Truppe in den Libanon; (...)
Quelle: dpa, 07.08.06
Analyse: Eine Resolution voller Widersprüche
Als «Zimmer ohne Aussicht» wird die Kammer bezeichnet, in
die sich der Weltsicherheitsrat zu vertraulichen Beratungen
zurückzieht. Die Vorhänge sind dort immer zugezogen. Böse
Zungen sagen, die Großmächte wollten nicht, dass man ihnen
beim Feilschen und Streiten zuschaut.
Auch am Wochenende wurde wieder um jede Formulierung
«gerungen», wie es so schön heißt. Das Ergebnis
war ein Text voller Kompromisse und Widersprüche.
Allein folgender Satz löste die unterschiedlichsten
Interpretationen aus: «Der Sicherheitsrat fordert eine
vollständige Einstellung der Feindseligkeiten, in erster Linie auf
der Grundlage der sofortigen Einstellung aller Angriffe der Hisbollah
und der sofortigen Einstellung aller militärischen
Offensivoperationen Israels.» Geht es nun um eine Einstellung
aller Feindseligkeiten oder nur der Offensiven? Und wie verhält es
sich mit dem «sofortig» - bezieht sich auch das nur auf
Offensiven? Dann wäre zu bedenken, dass sich Israel nach eigener
Sicht nur verteidigt.
Die Unklarheiten sind durchaus erwünscht. Wäre der Text in
allen Punkten klar, hätte er keine Aussicht, angenommen zu werden.
Auch so schon waren tagelange Verhandlungen nötig, bis sich die
Amerikaner einverstanden erklärten. Noch vor einer Woche hatten sie
es entschieden abgelehnt, Israel zu einer Beendigung seiner
Militärschläge aufzufordern.
Anstelle des Sicherheitsrates übernahm es UN-Generalsekretär
Kofi Annan, Israel zu tadeln und zu mahnen. Wütende Anrufe des
amerikanischen UN-Botschafters John Bolton waren die Folge. Doch Annan
ist daran gewöhnt: Nur wenn ihn der schnauzbärtige Gefolgsmann
von Präsident George W. Bush am Telefon gar zu heftig beschimpft
und beleidigt, legt er schon mal den Hörer auf.
Das Umschwenken der Amerikaner wurde von UN-Diplomaten damit
erklärt, dass die US-Regierung selbst erkannt habe, die Dinge
anfangs zu optimistisch eingeschätzt zu haben. Die Hisbollah habe
sich als stärker erwiesen als gedacht, und die Hoffnung, dass
Israel in ein bis zwei Wochen im Libanon «aufräumen»
könne, sei ein Trugschluss gewesen. Wieder einmal - so freute sich
ein sicher nicht Bush- freundlicher Diplomat aus Europa - habe
Washington feststellen müssen, «dass pures Draufhauen doch
nicht zum Ziel führt».
Also beginnt nun das mühsame, verwickelte Geschäft der
Diplomatie. Wie immer, wenn der Krieg erst einmal entbrannt ist,
scheinen die Erfolgsaussichten erst mal gering. Noch bevor der
französisch- amerikanische Entwurf überhaupt im Sicherheitsrat
eingebracht war, hatte ihn die Hisbollah schon abgelehnt: So lange noch
ein einziger israelischer Soldat auf libanesischem Boden stehe, werde
weiter gekämpft.
Bolton, der sonst auf kaum etwas so allergisch reagiert wie auf die
vorzeitige Zurückweisung von Resolutionen, enthielt sich jeder
Stellungnahme dazu. Nur kein Porzellan zerschlagen, heißt jetzt
die Devise. Ein UN-Beobachter folgerte daraus: «Der Wolf hat
Kreide gefressen.»
Quelle: dpa, 07.08.06
|
Linke Intellektuelle warnen USA vor Einmischung in Kuba
Di.08.08.06 - Prominente linksgerichtete Intellektuelle und Menschenrechtsaktivisten
haben die USA aufgerufen, die Krankheit des kubanischen Staatschefs
Fidel Castro nicht zur Einmischung in die inneren Angelegenheit des
Landes zu missbrauchen. Der Brief mit 400 Unterschriften wurde am
Montag vom kubanischen Schriftsteller Roberto Fernandez Retamar auf
einer Pressekonferenz in Havanna veröffentlicht. Retamar zeigte
sich überzeugt, dass die Übergabe der Amtsgeschäfte von
Castro an seinen jüngeren Bruder Raul nur vorübergehend sein
werde.
Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören unter anderem
Friedensnobelpreisträger wie der frühere Kapstädter
Erzbischof Desmond Tutu und die guatemaltekische Menschenrechtlerin
Rigoberta Menchu. Der kubanische Parlamentspräsident Ricardo
Alarcon erklärte, sollten die USA eine Intervention in dem
Karibikstaat anstreben, würden sie dabei von Anfang an
kläglich scheitern.
Aus Kreisen der US-Regierung verlautete derweil, man prüfe zurzeit
die Möglichkeit von Erleichterungen bei der
Familienzusammenführung zwischen in Amerika lebenden Exilkubanern
und ihren zurückgebliebenen Angehörigen. Dabei müsse
allerdings verhindert werden, dass sich Schleuser ermutigt
fühlten, Kubaner illegal in die USA einzuschmuggeln.
(Quelle: ap)
Deutschland
Umweltminister fordert lückenlosen Sicherheitsnachweis für
Atomkraftwerke an
Di.08.08.06 - Nach dem Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark hat
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel lückenlose
Sicherheitsnachweise für alle deutschen Kernkraftwerke verlangt.
Der SPD-Politiker forderte am Montag die für die Atomaufsicht
zuständigen Länderminister auf, selbst zu klären, ob
sich Vorfälle wie in Schweden auch in deutschen Anlagen ereignen
könnten. Man dürfe sich nicht allein auf die Beurteilungen
der Betreiber verlassen.
In Forsmark hatte ein Kurzschluss außerhalb des Atomkraftwerks
wesentliche sicherheitstechnische Systeme lahm gelegt und zum Ausfall
wichtiger Überwachungseinrichtungen geführt. Erst nach rund
20 Minuten konnten zusätzliche Notstrom-Dieselaggregate per Hand
gestartet werden. Wie nahe die Anlage an einem GAU gewesen sei,
könne man noch nicht sagen, erklärte Wolfgang Renneberg,
Abteilungsleiter Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium.
Zwar habe sich bisher der Verdacht nicht erhärtet, dass sich ein
ähnliches Ereignis wie in Schweden in deutschen Kernkraftwerken
ereignen können, sagte Renneberg. Das Gravierende an dem Vorfall
sei aber gewesen, dass er in keiner Sicherheitsanalyse aufgetaucht sei.
Wegen eines Kurzschlusses im äußeren Netzwerk hätten
mehrere Sicherheitssysteme versagt. Dabei hätte der
Spannungsimpuls überhaupt nicht auf den Reaktor durchschlagen
dürfen.
Gabriel forderte die Länder auf zu klären, ob
Spannungsimpulse und Überspannungen zu Schäden in der
Regelung der Notstromaggregate führen können. Auch soll
geprüft werden, ob nachweislich gesichert ist, dass bei einem
Störfall die sicherheitstechnisch wichtigen Steuerungs- und
Überwachungseinrichtungen weiterhin ausreichend mit Strom versorgt
werden. «Falls Nachweislücken vorliegen, die so gravierend
sind, dass die Sicherheit des Anlagenbetriebs in Frage steht, dann ist
der Betrieb der Anlage bis zur Klärung der Sicherheitsfragen
vorläufig zu untersagen», erklärte der
Bundesumweltminister.
Das Ministerium erwartet die Prüfberichte am (heutigen )
Dienstagnachmittag. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg
wies darauf hin, dass sich Union und SPD im Koalitionsvertrag bis 2009
festgelegt haben und an den Beschlüssen zum Ausstieg aus der
Nutzung der Atomenergie festhalten.
Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Katherina Reiche,
erklärten, die Ursachen für die Betriebsstörung im
schwedischen Kernkraftwerk Forsmark müssten schnell geklärt
werden. Es sei auch zu überprüfen, ob ein solcher Vorfall in
deutschen Kernkraftwerken prinzipiell möglich gewesen wäre.
«Voreilige Schlussfolgerungen oder pauschale
Vorverdächtigungen sind jedoch unangebracht», meinte die
CDU-Politikerin. Es gebe derzeit keinen Grund, die Sorgfaltspflicht der
Kraftwerksbetreiber in Frage zu stellen.
(Quelle: ap)
Arzneimittelrückstände im Leitungswasser
Di.08.08.06 - Das Leitungswasser in mehreren deutschen Großstädten ist
laut einer Studie zum Teil mit hohen Arzneimittelrückständen
belastet. Betroffen sind Berlin, Dortmund und Essen, wie eine
Untersuchung im Auftrag der Zeitschrift «Der Feinschmecker»
ergab. Dort liegen die Werte bis zu sieben Mal über den
Richtwerten. Mediziner sehen in den gefundenen Belastungen allerdings
noch keine Gefährdung für die Gesundheit.
In elf deutschen Städten hatten Mitarbeiter des Magazins
Leitungswasser aus öffentlichen Gebäuden und Privatwohnungen
in Laborflaschen gefüllt und vom Tübinger Wasserexperten
Walter Jäger chemisch analysieren lassen. Untersucht wurden die
Stichproben auf Schwermetalle, Pestizide und verschiedene
Arzneimittelrückstände.
Überraschend hohe Werte an Röntgenkontrastmitteln und
Anti-Epilepsie-Medikamenten fanden sich demnach im Leitungswasser aus
dem Berliner Reichstag sowie aus Essener und Dortmunder Wohnungen. Im
Wasser aus dem Reichstag fanden sich 0,39 Milligramm pro Liter Kupfer,
Rückstände eines Antiepileptikums in Höhe von 76
Nanogramm pro Liter und zusammen 203 Nanogramm
Röntgenkontrastmittel.
Die höchsten Werte an Pharma-Rückständen fanden sich im
Essener Leitungswasser: Dort wurden 718 Nanogramm pro Liter
Röntgenkontrastmittel gefunden. Damit liegen die Werte sieben Mal
höher als der «pragmatisch gesundheitliche
Orientierungswert», den die Trinkwasserkommission des
Bundesgesundheitsministeriums 2003 angegeben hat (100 Nanogramm/Liter).
Von Medikamentenrückständen unbelastet sind nach den
Testergebnissen die Leitungswässer aus Westerland/Sylt, Hamburg,
Dresden, Leipzig, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und
München.
(Quelle: ap)