Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhunderteinundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als 30 Tote bei Anschlägen. In Bagdad verschärfen sich
Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten. Iraks Ministerpräsident
kritisiert Einsatz der US-Truppen gegen Schiiten-Miliz in Bagdad
Mi.09.08.06 - Überfälle und Bombenanschläge haben am Dienstag im Irak
mehr als 30 Menschen das Leben gekostet. Am schwersten betroffen war
erneut das Zentrum der irakischen Hauptstadt, wo sich die Spannungen
zwischen Sunniten und Schiiten weiter verschärfen und
möglicherweise auf einen Bürgerkrieg zutreiben.
In der Nähe des irakischen Innenministeriums explodierten in
kurzer Folge drei Bomben. Dabei wurden nach Polizeiangaben zehn
Menschen getötet und acht verletzt. Außerdem wurden auf dem
Schurja-Markt zwei Bomben gezündet, die am Straßenrand
versteckt waren. Zehn Menschen kamen nach Polizeiangaben ums Leben, 50
wurden verletzt. Bei einem Banküberfall im Bezirk Asamijah wurden
drei Menschen erschossen. Die Täter entkamen mit ihrer Beute in
unbekannter Höhe. Im Südwesten der Stadt wurden zwei Sunniten
in ihrer Autowerkstatt getötet.
Eine Serie von Anschlägen in Bakuba und Mukdadija nordöstlich
von Bagdad kostete vier Schiiten das Leben. In Tikrit nördlich der
Hauptstadt wurde ein Polizist bei einem Bombenanschlag getötet. In
Bagdad wurde ein weiterer Beamter in seinem Auto erschossen. Ein
US-Soldat erlag seinen Verletzungen, die er bei einem Gefecht erlitten
hatte, wie die Streitkräfte erklärten.
In Bagdad wurden nach Polizeiangaben vom Dienstag die Leichen von zwei
irakischen Journalisten gefunden. Der 28-jährige Mohammed Abbas
Hammad wurde erschossen, als er am Montag sein Haus im Westen der
Hauptstadt verließ, wie ein Polizeisprecher erklärte. Er
arbeitete für die schiitische Zeitung «Al Bajinnah Al
Dschadida». Am Montagabend fand die Polizei die Leiche des vor
zwei Wochen verschleppten Ismail Amin Ali. Der 30-Jährige
arbeitete als freier Mitarbeiter für mehrere Zeitungen im Land. Er
wurde nach Polizeiangaben vor seinem Tod gefoltert.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki kritisierte
unterdessen einen Einsatz der US-Truppen im Bagdader Stadtteil Sadr
City vom Montag. Er sei sehr verärgert und betroffen über den
Einsatz, der drei Menschen das Leben kostete. Solche Aktionen der
amerikanischen Soldaten gefährdeten seine Bemühungen für
eine nationale Versöhnung, erklärte Al-Maliki weiter. Er
entschuldigte sich beim irakischen Volk für die Operation und
versprach, so etwas werde nicht wieder passieren. Die Operation
richtete sich gegen die Miliz des schiitischen Geistlichen Muktada al
Sadr.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 09.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundsiebten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israel fordert für Abzug starke internationale Sicherheitstruppe.
Libanon will israelische Streitkräfte im Südlibanon durch
eigene Soldaten ablösen. Deutscher Außenminister Steinmeier
unterstützt Libanons Plan für Waffenruhe.
UN-Generalsekretär Annan: Angriff auf Kana könnte gegen
Völkerrecht verstoßen haben. Hilfsorganisationen: Lage der
Zivilbevölkerung im Libanon verschärft sich. Neue israelische
Angriffe im Libanon - Palästinensisches Flüchtlingslager
beschossen
Mi.09.08.06 - Israel hat vor dem Weltsicherheitsrat den Abzug seiner Soldaten aus dem
Libanon angeboten, sofern dort eine starke internationale
Sicherheitstruppe stationiert werden sollte. Auf keinen Fall dürfe
ein Machtvakuum entstehen, «das von Hisbollah gefüllt werden
würde».
Das sagte der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman am Dienstagabend
in einer Anhörung vor dem Weltsicherheitsrat. Zuvor hatte die
Arabische Liga den Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon und
eine sofortige Waffenruhe gefordert. Der Außenminister von Katar,
Scheich Hamad bin Jassim bin Jaber al-Thani, sagte als Vertreter der
Arabische Liga, mit einer Fortsetzung des Krieges könne Israel
nichts gewinnen. Inmitten der internationalen Friedensbemühungen
für den Nahen Osten sprach sich Deutschlands Außenminister
Frank-Walter Steinmeier bei seinem Beirut-Besuch für eine
Stationierung libanesischer Soldaten im Südlibanon aus.
Während die Kämpfe unvermindert weitergingen, liefen die
diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Blutvergießens
auf Hochtouren. Unter großem Zeitdruck überarbeitete der
Weltsicherheitsrat seine geplante Libanon-Resolution. Der libanesische
UN-Sondergesandte Tarek Mitri kritisierte den
französisch-amerikanischen Entwurf. Es sei inakzeptabel, dass
darin keine sofortige Waffenruhe gefordert werde. Russland
signalisierte im Weltsicherheitsrat nach anfänglicher Ablehnung
Kompromissbereitschaft zur Verabschiedung einer gemeinsamen Resolution.
Zu Beginn der fünften Kriegswoche in Nahost will das israelische
Sicherheitskabinett am Mittwoch über eine Ausweitung des
Bodeneinsatzes im Libanon entscheiden.
Nach einem Gespräch mit dem libanesischen Ministerpräsidenten
Fuad Siniora begrüßte Steinmeier das Vorhaben Beiruts, die
israelischen Streitkräfte im Südlibanon durch 15 000 eigene
Soldaten abzulösen, ausdrücklich. Das sei ein Beitrag zur
Stärkung der Regierung in Beirut und auch ein Beitrag zur
Entwicklung eines unabhängigen, demokratischen und starken
Libanons.
Israels Regierungschef Ehud Olmert bezeichnete die angekündigte
Stationierung von libanesischen Soldaten im Südlibanon als
«interessanten Schritt». Man müsse jedoch noch die
genaue Bedeutung des Plans prüfen. Je schneller Israel sich wieder
aus dem Südlibanon zurückziehen könne, umso besser,
betonte Olmert. Der zuvor von Frankreich und den USA eingebrachte
UN-Resolutionsentwurf zum Libanon sieht keinen israelischen
Rückzug vor.
Russland nannte den vorliegenden Resolutionsentwurf nun einen
«Schritt nach vorn». «Das liegt vor allem daran, dass
Russlands Hauptforderung nach sofortiger Waffenruhe berücksichtigt
ist», teilte das Außenministerium am Dienstag in Moskau
mit. Falls keine schnelle Einigung möglich sei, müsse eine
vorläufige Resolution zur Einstellung der Gefechte verabschiedet
werden. Moskau hatte bisher eine Resolution, die «ungünstig
für die libanesische Seite» ausfalle, abgelehnt. Der
britische Premierminister Tony Blair hofft auf eine Einigung über
den Resolutionsentwurf bis zum Mittwoch. Frankreichs UN-Botschafter
Jean-Marc de la Sablière erklärte, man müsse den
Bedenken aller Seiten Rechnung tragen.
Der israelische Angriff auf die libanesische Ortschaft Kana könnte
nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan einen Verstoß
gegen das Völkerrecht darstellen. Annan sprach sich in einem am
Dienstag veröffentlichten Bericht für eine weitere
Untersuchung des Bombardements vom 30. Juli aus, bei dem 28 Menschen
getötet wurden. Bei der Hälfte der Opfer habe es sich um
Kinder gehandelt, erklärte Annan.
Der Angriff müsse im breiteren Kontext eines möglichen
Musters von Verstößen gegen das Völkerrecht gesehen
werden, hieß es in dem sechsseitigen Bericht weiter. Die sieben
Tage, die Annan für seine Prüfung vom Sicherheitsrat erhalten
habe, seien nicht ausreichend. Der UN-Generalsekretär verwies
darauf, dass Kana angesichts der anhaltenden Gefechte nur schwer zu
erreichen sei. Außerdem hätten sich zum Zeitpunkt des
Angriffs keine UN-Beobachter in dem Ort aufgehalten. Die
UN-Friedensmission UNIFIL könne israelische Angaben weder
bestätigen noch dementieren, wonach die Hisbollah von Kana aus
Raketen auf Israel abgefeuert haben soll.
In einem Brief an Annan, der dem Bericht beilag, erklärte die
israelische Regierung, Kana sei das regionale Hauptquartier der
Hisbollah. Die Miliz habe dort Waffen gelagert und von dort 150 Raketen
auf Israel abgefeuert. Ziel der Angriffs auf Kana sei es gewesen, die
israelische Zivilbevölkerung vor weiteren Raketeneinschlägen
zu schützen. In dem Brief wurde bekräftigt, dass Israel die
Bewohner der Region mehrfach aufgefordert habe, sich in Sicherheit zu
bringen.
Auch der Libanon äußerte sich in zwei Briefen zu dem
Bericht: Einer stammte von der libanesischen UN-Mission, der andere vom
Außenministerium. Darin hieß es, der Angriff auf Kana habe
gegen die Menschenrechte verstoßen. Die UN-Mission erklärte,
die Menschen hätten nicht flüchten können.
Israels Sicherheitskabinett will heute über eine mögliche
Ausweitung des Bodeneinsatzes beraten. Dabei geht es nach
Medienberichten um Bodentruppen südlich und sogar nördlich
des Flusses Litani, der 20 Kilometer nördlich der Grenze
verläuft.
Die Lage der Zivilbevölkerung im Libanon verschärft sich nach
Darstellung internationaler Hilfsorganisationen täglich.
«Die humanitäre Uhr tickt», sagte eine Sprecherin des
UN-Kinderhilfswerks UNICEF. Am späten Abend erreichte ein
Hilfsgüter-Konvoi des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Beirut.
UNHCR-Mitarbeiter beklagten die Schwierigkeiten, Hilfsgüter in den
Libanon zu bringen. Allein in Beirut hielten sich rund 100.000
libanesische Flüchtlinge auf, meist in völlig
überfüllten Schulen und anderen öffentlichen
Gebäuden.
Bei neuen israelischen Angriffen ist in der Nacht zum (heutigen)
Mittwoch auch das größte palästinensische
Flüchtlingslager im Libanon unter Beschuss gekommen. Libanesischen
Behörden zufolge wurde dabei mindestens ein Mensch getötet,
drei weiter Personen wurden verletzt. Der Fernsehsender der Hisbollah,
Al Manar, meldete zwei Tote und acht Verletzte. Das Lager Ein el Hilweh
am Stadtrand von Sidon ist das größte von zwölf
palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon.
Nach libanesischen Angaben wurden die Geschosse von einem israelischen
Schnellboot vor der Mittelmeerküste abgefeuert. Die israelischen
Streitkräfte erklärten dagegen, der Angriff sei von der
Luftwaffe ausgeführt worden und nicht von der Marine. Ziel des
Beschusses sei das Haus eines Hisbollah-Kämpfers gewesen. Es war
das erste Mal seit Beginn der Kämpfe im Libanon am 12. Juli, dass
Israel gegen ein dortiges palästinensisches Lager vorging.
Unterdessen stieg die Zahl der Opfer israelischer Luftangriffe im
Libanon weiter an. Nach der Bombardierung des Beiruter Stadtteils
Tschiah wurden bis Dienstagabend 30 Leichen aus den Trümmern
geborgen. Damit war dieser Angriff vom Montagabend der bislang
folgenschwerste für die libanesische Zivilbevölkerung. Ein
Angriff in der südlibanesischen Ortschaft Kana, bei dem am 30.
Juli 28 Menschen getötet wurden, hatte internationale Kritik an
der Libanon-Offensive ausgelöst.
Die Gesamtzahl der Toten vom Montag wurde mit 77 angegeben - die
höchste Zahl seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen. Am
Dienstag kamen nach libanesischen Angaben mindestens 47 weitere
Zivilpersonen ums Leben. In der Nacht zum Mittwoch wurden abermals
Dörfer im südlibanesischen Grenzgebiet sowie im
nordöstlichen Bekaa-Tal bombardiert. Dabei wurden nach Angaben aus
Beiruter Sicherheitskreisen zwei libanesische Soldaten verletzt.
Israel liefert sich seit knapp vier Wochen heftige Kämpfe mit der
libanesischen Hisbollah-Miliz. Auslöser war die Entführung
zweier israelischer Soldaten im Grenzgebiet durch die Hisbollah. Durch
die Gewalt sind bereits mehr als 1000 Menschen getötet worden, die
meisten von ihnen libanesische Zivilisten.
(Quellen: ap, rtr, dpa)
Dokumentation: Vorschläge zur Beendigung des Konflikts
Im Mittelpunkt der diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des
Blutvergießens im Nahen Osten steht die erwartete
Libanon-Resolution des Weltsicherheitsrates. Ein von Frankreich in
Absprache mit den USA eingebrachter Entwurf stößt bislang
auf russischen Widerstand.
Das Papier fordert «eine vollständige Einstellung der
Feindseligkeiten», genauer «aller Angriffe der
Hisbollah» und «aller militärischen
Offensivoperationen Israels». Ein konkreter Zeitpunkt für
die Einstellung der Kämpfe wird in dem Resolutionsentwurf nicht
genannt, die Forderung nach «sofortiger Einstellung» hatten
die USA verhindert.
Der Entwurf verlangt die «strikte Achtung der
Souveränität und territorialen Integrität Israels und
des Libanons», die «Entwaffnung aller bewaffneten Gruppen
im Libanon» entsprechend der Resolution 1559 vom September 2004
sowie ein Waffenembargo und die Entsendung einer internationalen Truppe
unter UN-Mandat. Es dürfe gemäß Resolution 1559 auch
«keine andere Autorität» im Libanon mehr geben, als
die des Staates selbst. Libanesische Soldaten und UN-Einheiten sollten
eine Pufferzone südlich des Litani-Flusses kontrollieren.
Der Libanon fordert dagegen einen unverzüglichen Waffenstillstand
und - wie die radikal-islamische Hisbollah - einen sofortigen
vollständigen Abzug der israelischen Truppen aus dem
Südlibanon. Die libanesische Regierung will nach einem
israelischen Rückzug 15 000 Soldaten im Süden des Landes
stationieren.
Israels Regierungschef Ehud Olmert nannte den libanesischen Plan einen
«interessanten Schritt», entscheidend sei aber die
«Entfernung der Hisbollah». Israel hat bislang betont, den
Südlibanon erst nach Ankunft einer internationalen Truppe mit
robustem Mandat - also mit der Befugnis zur Gewaltanwendung - verlassen
zu wollen und eine Demilitarisierung des Südlibanon gefordert.
Quelle: dpa, 08.08.06
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Tschad und Sudan besiegeln Ende der Feindschaft
Mi.09.08.06 - Nach Monaten diplomatischer Spannungen im Gefolge der Darfur-Krise
haben die Präsidenten des Tschads und des Sudans die
Aussöhnung ihrer Länder besiegelt. Die seit April
geschlossenen Botschaften im jeweiligen Nachbarland sollten ab sofort
wiedereröffnet werden, hieß es nach einem Treffen des
tschadischen Präsidenten Idriss Deby mit dem sudanesischen
Staatschef Omar el Beschir in N'Djamena. Auch die Grenze zwischen
beiden Ländern werde wieder geöffnet.
Beide Präsidenten hätten sich verpflichtet, für Frieden
zwischen den Ländern zu arbeiten, sagte ein hoher tschadischer
Vertreter, hieß es weiter. Bereits vor zwei Wochen hatten beide
Länder in einer Grundsatzvereinbarung versichert, auf
Feindseligkeiten gegen den Nachbarn zu verzichten. Die Aussöhnung
zwischen den Präsidenten erfolgte offenbar auf Vermittlung des
libyschen Revolutionsführers Muammar el Gaddafi. Das Treffen von
Deby und Beschir fand in Gaddafis Nomadenzelt statt, das der
Revolutionsführer im Garten des Kempinski-Hotels von N'Djamena
hatte errichten lassen. Gaddafi war bei der Begegnung dabei.
Der Sudan und der Tschad hatten sich in den vergangenen Monaten
vorgehalten, regierungsfeindliche Rebellen im jeweiligen Nachbarland zu
unterstützen. Im Dezember hatte Deby erklärt, er sehe sein
Land "im Kriegszustand" mit dem Sudan. Im April brach er die
diplomatischen Beziehungen zum Sudan ab, nachdem bei einer
Rebellenoffensive auf N'Djamena hunderte Menschen starben. Der Tschad
beschuldigte den Sudan, die Rebellen zu unterstützen. Der Sudan
warf dem Tschad vor, den Rebellen in der Grenzregion Darfur zu helfen.
Anlass für Gaddafis Besuch waren die Feierlichkeiten zu Debys
Vereidigung für eine dritte Amtszeit. In Anwesenheit zahlreicher
afrikanischer Staatsoberhäupter legte Deby am Dienstag seinen
Amtseid ab. Der seit 1990 amtierende Staatschef kündigte in einer
Rede an, seine dritte Amtszeit werde im "Zeichen des Sozialen" stehen,
außerdem werde er sich für "völlige Transparenz" bei
der Verwertung der Ölressourcen einsetzen. Der 54-Jährige war
bei den Wahlen Anfang Mai wie erwartet mit großer Mehrheit
wiedergewählt worden. Die Opposition hatte die Wahlen boykottiert;
sie kritisierte den Urnengang als weder frei noch fair.
(Quelle: afp)
UN-Sonderbeauftragter für neues Konzept der Drogenbekämpfung
in Afghanistan
Mi.09.08.06 - Die internationalen Bemühungen zur Bekämpfung der
Drogenproduktion in Afghanistan sind nach Ansicht des Sonderbeauftragten
der UN-Mission in dem Land, Tom Koenigs, gescheitert. Angesichts der
weiter steigenden Mohnproduktion könne von Erfolgen keine Rede
sein, sagte Koenigs am Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Bis
zu einem Erfolg in der Drogenbekämpfung dürften noch
"zwischen zehn und 20 Jahren" vergehen. Koenigs forderte ein
Überdenken der bisherigen Strategie. Die Lösung der Probleme
werde allerdings schwierig und kostspielig, räumte er ein. So
könne eine Zerstörung aller Mohnanbauflächen in der
Unruheprovinz Helmand den dortigen Aufständischen in die
Hände spielen. Als schwierig habe sich auch das Konzept erwiesen,
die Bauern vom Anbau anderer Pflanzen zu überzeugen, da für
diese anderen Produkte oft kein Markt vorhanden sei.
(Quelle: afp)
Organisierte Banden terrorisieren erneut Millionenstadt São Paulo
Mi.09.08.06 - Zum dritten Mal in nur drei Monaten haben organisierte Verbrecherbanden
die brasilianische Millionenstadt São Paulo mit einer Welle
gewalttätiger Übergriffe terrorisiert. An mindestens 78 Orten
in der Innenstadt und den Vororten griffen Bandenmitglieder am Montag
Behördengebäude und Bankfilialen an und setzten Autos in
Brand, wie die Polizei mitteilte. Zwei Täter seien von Polizisten
erschossen worden, als sie Brandsätze auf eine Tankstelle warfen.
Die schwersten Auseinandersetzungen zwischen Angreifern und
Sicherheitskräften meldete die Polizei rund um ein
Ministeriumsgebäude im Stadtzentrum. Dort explodierte ein
größerer Sprengsatz.
Auf einem Polizeiparkplatz wurden mehrere Autos in Brand gesetzt. Den
Angaben zufolge gingen im Stadtgebiet außerdem 22 Busse bei
Angriffen in Flammen auf. Sachschaden entstand unter anderem bei
Attacken auf 34 Bankfilialen, zwölf Tankstellen, zwei
Supermärkte, drei U-Bahn-Stationen und den Sitz der
Finanzverwaltung. Laut Polizei wurden mindestens fünf Angreifer
verletzt: einer habe einen Kopfschuss durch einen Polizisten erlitten,
vier weitere hätten sich durch Glassplitter in einem Supermarkt
verletzt.
Die Polizei machte eine mafiaartigen Gruppierung namens Erstes
Hauptstadtkommando (Primeiro Comando da Capital, PCC) für die Taten
verantwortlich. Die PCC hatte die Einwohner der größten
Stadt Südamerikas bereits vom 12. bis 19. Mai mit einer
beispiellosen Gewaltwelle terrorisiert, in deren Verlauf 170 Menschen
starben. Zwischen dem 11. und 14. Juli schlug die Gruppe erneut zu,
damals kamen neun Menschen ums Leben.
Der Staatsanwalt des Bundesstaats São Paulo, Rodrigo Pinho,
stellte die neue Angriffswelle in Zusammenhang mit dem juristischen
Vorgehen gegen den inhaftierten PCC-Chef Marcos Camacho. Dieser wurde
angeklagt, den Mord an einem Feuerwehrmann im Mai in Auftrag gegeben zu
haben. Mit den regelmäßigen Angriffen wollen die
PCC-Mitglieder offenbar auch bessere Haftbedingungen für ihre
einsitzenden Anführer erreichen. Die Behörden vermuten, dass
die Taten aus dem Gefängnis heraus organisiert und kommandiert
werden.
(Quelle: afp)
Kosovo-Serben boykottieren Gespräche über Minderheitenschutz
Mi.09.08.06 - Die Gespräche zur Zukunft des Kosovos sind am Dienstag mit
Beratungen über den Schutz ethnischer Minderheiten fortgesetzt
worden. Vertreter der Kosovo-Serben boykottierten die Sitzung in Wien.
Sie könnten nicht akzeptieren, «zu einer Minderheit
degradiert zu werden», sagte Dusan Batakovic. Das Thema
Minderheitenrechte stand zum ersten Mal auf der Tagesordnung der
Kosovo-Gespräche.
Rund 90 Prozent der etwa zwei Millionen Bewohner des Kosovos sind
albanischer Abstammung. Nur 100.000 Serben leben in der Provinz, die
seit dem Ende des Krieges 1999 unter UN-Verwaltung steht. Während
der NATO-Luftangriffe waren etwa 200.000 Serben sowie Angehörige
anderer Minderheiten aus dem Kosovo geflohen.
UN-Vermittler dringen darauf, dass die Delegationen aus Belgrad und
Pristina zunächst ihre Positionen annähern, bevor über
die wichtigste Frage, den völkerrechtlichen Status der Provinz,
beraten wird. Die Albaner fordern die Unabhängigkeit des Kosovos,
die Serben lehnen dies ab.
(Quelle: ap)
Europagericht verurteilt Türkei wegen Folter im Polizeigewahrsam
Mi.09.08.06 - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die
Türkei wegen Folter im Polizeigewahrsam und
Verfahrensverschleppung verurteilt. Die Straßburger Richter sahen
es in einem am Dienstag verkündeten Urteil als erwiesen an, dass
sieben Polizisten den 48-jährigen Hüseyin E. im September
1996 unter anderem mit Schlägen und Elektroschocks gefoltert
hatten. Erst im Januar 2003 erhielt E. schließlich vom
Staatssicherheitsgericht zwölfeinhalb Jahre Haft wegen
Mitgliedschaft in der bewaffneten Untergrundgruppe
Marxistisch-leninistische Kommunistische Partei (MLKP); dieses Urteil
ist noch nicht rechtskräftig. Der türkische Staat muss ihm
10.000 Euro Entschädigung zahlen sowie 1000 Euro Prozesskosten
erstatten. (Az.: 49048/99)
In dem Fall hatte ein Gerichtsmediziner in Istanbul die
Foltervorwürfe gestützt, die E. bereits im Oktober 1996
erhoben hatte. Die folternden Polizisten waren 2002 zu Haftstrafen von
rund einem Jahr verurteilt worden. Zwei Jahre später hatte das
türkische Revisionsgericht die Verurteilungen aber mit der
Begründung aufgehoben, die zugrunde liegenden Straftaten seien
verjährt. Die Straßburger Richter sahen den Verstoß
gegen das Folter-Verbot der Europäischen Menschenrechtskonvention
klar belegt. Zudem verurteilten sie die Türkei nicht nur wegen
Verschleppung des Polizisten-Verfahrens, sondern auch, weil E. fast
sechs Jahre in Untersuchungshaft saß. Sein Berufungsprozess vor
dem Istanbuler Schwurgericht lässt zudem immer noch auf sich
warten.
(Quelle: afp)
Deutschland
Unternehmen nehmen verstärkt Einfluss auf politische Entscheidungen
Mi.09.08.06 - Mit zahlreichen Kampagnen nehmen Unternehmen verstärkt Einfluss
auf politische Entscheidungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von dem
Politikwissenschaftler Rudolf Speth geleitete Untersuchung für die
gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, die am Dienstag in Berlin
vorgestellt wurde. Oft sei für die Bürger nicht sofort
erkenntbar, wer die Kampagnen finanziere. Botschaften seien oftmals ein
«unbeschwerter Patriotismus», der gegen Reformmüdigkeit
angehe.
Als Beispiele nannte Speth Kampagnen wie «Du bist
Deutschland» oder die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Er
verwies darauf, dass es seit dem rot-grünen Regierungswechsel 1998
aus dem bürgerlichen Lager mehr als 30 Kampagnen mit dem Ziel
gegeben habe, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
Auffällig sei, dass nicht selten der Absender undeutlich bleibe.
Die Verbindung zum Auftraggeber sei lockerer und für außen
Stehende nicht immer sichtbar. In den Kampagnen würden zudem
Elemente der Werbung mit dem Lobbying vermischt.
Dabei begriffen sich Unternehmen unabhängig von ihren
Wirtschaftsverbänden stärker als politische Akteure, sagte
Speth. Daraus sei eine Stimmenvielfalt entstanden. Die Schwäche der
Wirtschaftsverbände gebe den Unternehmen die Chance,
eigenständiger zu agieren und Finanzier von Kampagnen und Think
Tanks zu sein.
(Quelle: ap)
Länder sehen keine Atommeiler-Gefahren
Mi.09.08.06 - Nach dem Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark sieht die
Atomaufsicht der Bundesländer für die 17 deutschen Reaktoren
keine Gefahren. Das teilten die Betreiberländer Hessen,
Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Bayern und Niedersachsen
nach den von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verlangten
Sicherheitsüberprüfungen mit. Die Länder forderten nun
vom Bund mehr Informationen über den Störfall in Schweden. In
Forsmark hatte ein Kurzschluss den Reaktor gestoppt.
(Quelle: dpa)
Vereinigung von Linkspartei.PDS und WASG im März 2007
Mi.09.08.06 - Der Vereinigungsparteitag von Linkspartei.PDS und WASG soll im
März 2007 in Bremen stattfinden. Das sagte der Fusionsbeauftragte
der Linkspartei.PDS, Bodo Ramelow, der in Frankfurt (Oder)
erscheinenden «Märkischen Oderzeitung». Er
begründete das mit dem dann dort laufenden Landtagswahlkampf.
«Bremen soll das erste westliche Bundesland sein, in dessen
Parlament die neue Partei einzieht.» Ramelow sprach sich für
die Kandidatur von Fraktionschef Oskar Lafontaine für den Vorsitz
der neuen linken Partei aus. «Ich hielte ihn für einen guten
Vorsitzenden.» Der andere Posten in der geplanten Doppelspitze
solle von einem Ostdeutschen besetzt werden, forderte Ramelow. Namen
wollte er nicht nennen.
(Quelle: ap)