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Irak am siebenhundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Selbstmordattentäter richtet Blutbad in irakischer Pilgerstadt Nadschaf an

Fr.11.08.06 - Ein Selbstmordattentäter hat am Donnerstag in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf ein Blutbad angerichtet. Nach Angaben von Krankenhausärzten und Augenzeugen starben 41 Menschen, als der Mann auf einem Markt zwei Sprengsätze zündete.

Bei einem Bombenanschlag auf ein Restaurant in Bagdads südlichem Vorort Al-Dura starben sechs Menschen. Bei Haditha töteten Extremisten acht irakische Soldaten. Ein Sprengsatz explodierte neben ihrem Konvoi. Fünf weitere Soldaten wurden verletzt.

Augenzeugen in Nadschaf berichteten, der Selbstmordattentäter habe in dem Moment, als Polizisten eine Razzia auf dem Markt begonnen hätten, einen Sprengstoffgürtel und eine in einer Tüte versteckte Bombe gezündet. 108 Menschen wurden durch die Explosionen verletzt, darunter zehn Iraner. Unter den Opfern sind zahlreiche schiitische Pilger. Die Explosion ereignete sich etwa 200 Meter vom Schrein des Imam Ali entfernt. Dieser ist einer der wichtigsten Pilgerorte der Schiiten weltweit.

Auf den Imam-Ali-Schrein wurden bereits mehrfach Bombenanschläge verübt. Im Dezember 2004 starben dort bei einem Selbstmordattentat 52 Menschen. Im April wurde die Grabstätte des Imams erneut angegriffen - es starben mindestens 13 Menschen.

Die Anschläge wecken Erinnerungen an ein Attentat auf ein schiitisches Heiligtum im nordirakischen Samarra im Februar, das zahlreiche Racheakte zwischen Schiiten und Sunniten auslöste und das Land an den Rand eines Bürgerkriegs trieb. Seitdem wurden hunderte von Menschen getötet.

Das rund 160 Kilometer südlich von Bagdad gelegene Nadschaf ist wegen des Schreins eines der wichtigsten Wallfahrtsziele für schiitische Pilger weltweit. Der Mohammed-Schwiegersohn Ali stand im siebten Jahrhundert im Zentrum des Konflikts, der zur Abspaltung der schiitischen Moslems von den Sunniten führte. Der Schrein ist auch Sitz des geistlichen Anführers der irakischen Schiiten, Ajatollah Ali al-Sistani.

Bei Razzien in Bagdad und östlich von Mossul nahmen US-Soldaten nach Armeeangaben vom Donnerstag zwei mutmaßliche lokale El-Kaida- Anführer fest. Einer von ihnen soll eine Gruppe geleitet haben, die eine Explosion auf einem Markt vorbereitet habe, hieß es. Zuvor hatte das US-Militärkommando im Irak erklärt, amerikanische Soldaten hätten vier Männer gefangen genommen, die an der Entführung der Journalistin Jill Carroll beteiligt gewesen seien. Die amerikanische Journalistin war am 7. Januar in Bagdad entführt und nach 82 Tagen freigelassen worden.

Die US-Armee teilte weiter mit, drei ihrer Soldaten seien am Donnerstag von Aufständischen in der westirakischen Anbar-Provinz getötet worden. In der selben Provinz werden zudem immer noch zwei US-Soldaten vermisst. Von ihnen fehlt seit dem Absturz eines Helikopters am Dienstag jede Spur.

(Quellen: rtr, dpa)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05. 2005 bis 11.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
 
 

Vor einem Jahr:
 
Irak am vierhundertundneunten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.11.08.05 - Mindestens elf Tote bei neuen Anschlägen: Unter den Opfern fünf amerikanische Soldaten. Seit Kriegsbeginn kamen 1.836 US-Soldaten im Irak ums Leben +++ US-Verteidigungsminister Rumsfeld befürcht weitere Zunahme der Gewalt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508110.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
 

Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Russland bringt Resolutionsentwurf mit Ruf nach Feuerpause in Umlauf. Israel setzt bereits beschlossene Großoffensive vorerst aus - Kämpfe im Libanon gehen dennoch weiter. Hilfswerke fordern sofortige Waffenruhe. Zurückhaltende Spendenbereitschaft der deutschen Bevölkerung beklagt

Fr.11.08.06 - Russland hat dem Weltsicherheitsrat in New York einen Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer 72-stündigen Feuerpause im Libanon vorgelegt. Wie der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin am Donnerstag mitteilte, soll ein Stopp der Feindseligkeiten die humanitäre Hilfe im Libanon ermöglichen. Die Krise sei zu ernst, um auf einen permanenten Waffenstillstand warten zu können, erklärte Tschurkin.

Der amerikanische UN-Botschafter John Bolten sagte, er halte es nicht für hilfreich, die Aufmerksamkeit von den Verhandlungen über den amerikanisch-französischen Resolutionsentwurf zum Stopp der Kämpfe abzulenken. Bolton hatte zuvor nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Marc de La Sablière erklärt, es sei möglich, dass am Freitag über einen neuen Resolutionsentwurf abgestimmt werde. Man habe einige Differenzen mit den Franzosen beigelegt.

Die USA und Frankreich wollen sicherstellen, dass die Resolution sowohl für Israel als auch für den Libanon akzeptabel ist. Die Regierung in Beirut hatte den ersten amerikanisch-französischen Resolutionsentwurf abgelehnt. Einem israelischen Fernsehbericht zufolge sieht der jüngste Vorschlag, der eine stärkere Rolle der UN-Truppen im Südlibanon einschließt, die Aufstockung der UNIFIL von derzeit 2.000 auf 20.000 Blauhelme vor. Daran sollen laut dem Bericht auch Deutsche beteiligt sein.

Angesichts der internationalen Krisendiplomatie hat Israel die geplante Großoffensive der Bodentruppen im Libanon vorerst ausgesetzt. Die Ausweitung des Einsatzes habe "noch nicht begonnen", sagte Regierungssprecher Avi Pasner. Im Militärrundfunk war von einem Aufschub um "mindestens 48 Stunden" die Rede. Israel will damit offenbar den diplomatischen Bemühungen eine Chance geben. Die Kämpfe im Libanon gingen dennoch weiter, in der sieben Kilometer nördlich der Grenze gelegenen Ortschaft Mardschajun kam es zu heftigen Gefechten.

In Mardschajun rückten nach libanesischen Angaben israelische Panzer in die Stadt vor. Soldaten durchsuchten eine Kaserne der libanesischen Armee. Ein örtlicher Politiker sagte, in den Schulen der Stadt hielten sich 600 Flüchtlinge auf. Nach libanesischen Angaben wurden vier israelische Panzer in der Nähe der Stadt gefunden, die zerstört und ausgebrannt waren. Bei den Kämpfen in der Region Mardschajun kam ein israelischer Soldat ums Leben, wie die Armee mitteilte.

Israelische Panzer bezogen auch Stellung vor der Stadt Chiam und rückten gegen Klaiaa vor, eine Ortschaft an der Straße zwischen Mardschajun und Chiam. Chiam gilt als Hisbollah-Hochburg. Dort zerstörte die israelische Luftwaffe vor über zwei Wochen den Posten der UN-Beobachtermission UNIFIL, wobei vier Blauhelm-Soldaten getötet wurden.

Die israelische Luftwaffe hat unterdessen die Bewohner von drei südlichen Vororten Beiruts aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Auf Flugblättern, die am Donnerstag über der libanesischen Hauptstadt abgeworfen wurden, wurde mit einer «schmerzhaften und starken» Antwort auf Angriffe der libanesischen Hisbollah-Miliz gedroht. «Die israelischen Verteidigungskräfte beabsichtigen ihre Operationen in Beirut auszuweiten», hieß es auf den Flugblättern weiter. Dies sei eine Reaktion auf Aussagen «des Anführers der Bande».

Gemeint war offenbar Hisbollah-Chef Scheik Hassan Nasrallah, der sich am Mittwochabend in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung gewandt und alle in der israelischen Stadt Haifa lebenden Araber aufgefordert hatte, die Stadt zu verlassen. Die Hisbollah hat die nordisraelische Hafenstadt mehrfach mit Raketen beschossen, dabei gab es Tote.

In Nordisrael wurden zwei arabische Israelis von Raketen der Hisbollah getötet, darunter ein Baby. Die Hisbollah feuerte nach israelischen Angaben rund zwanzig Raketen ab.

Ein Aktionsbündnis der vier großen deutschen Hilfswerke hat eine sofortige Waffenruhe in Nahost gefordert. Caritas International, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF erklärten am Donnerstag in Berlin, im Libanon drohe eine Katastrophe, wenn sie nicht unverzüglich helfen könnten.

Zuvor hatte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach seiner Rückkehr von seiner Nahostmission die Lage der Menschen in Südlibanon und im Norden Israels als äußerst Besorgnis erregend bezeichnet. In seinen Gesprächen mit der israelischen Führung habe er darauf hingewiesen, dass die Chance für eine diplomatische Lösung nicht verschüttet werden dürfe, erklärte er im ZDF.

Die Hilfswerke nannten es inakzeptabel, wie «von beiden Seiten im derzeitigen Krieg der Tod unschuldiger Menschen bewusst in Kauf genommen» werde. In den ersten vier Wochen seien mehr Kinder ums Leben gekommen als Kämpfer der Hisbollah und israelische Soldaten.

Eine sofortige Waffenruhe sowie sichere Korridore in den Süden Libanons seien erforderlich, um Verletzte bergen und Hilfsgüter verteilen zu können: «So gibt es bis heute keine sicheren Korridore für die Helfer, Hilfstransporte werden gestoppt und Impfaktionen mussten wegen Bombardements unterbrochen werden. Wichtige Versorgungswege für die Bevölkerung des Libanon wurden zerstört,» heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Die Hilfswerke beklagten zugleich eine zurückhaltende Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Der Mangel an Geld erschwere die Hilfe. Dabei sei der Nahost-Konflikt den Europäern so nahe wie kein anderer Krisenherd auf der Welt. Dennoch löse das Leid vieler hunderttausend Menschen, fast die Hälfte davon Kinder, «keine große Hilfsbereitschaft aus wie bei anderen Krisen oder Naturkatastrophen,» heißt es in dem Aufruf.

Ein Hilfsappell für Menschen, die unschuldig zwischen die Fronten geraten seien, sei keine einseitige politische Parteinahme, hoben die Organisationen hervor. Die Hilfswerke seien sich der Bedrohung Israels durch terroristische Angriffe und des Leids der israelischen Zivilbevölkerung bewusst. Da aber im Libanon eine Katastrophe drohe, wenn die Hilfe von außen nicht unverzüglich ausgeweitetet werden könne, appellierten die vier Hilfswerke, die Hilfe für die dortige Zivilbevölkerung zu verstärken.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, verlangte von den Kriegsparteien mehr Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung. Er sagte der «Passer Neuen Presse», unter diesem Krieg litten unschuldige Menschen, vor allem Kinder. «Das kann nicht länger hingenommen werden.» Zivile Einrichtungen dürften nicht wie militärische Einrichtungen angegriffen werden. Auch er beklagte die geringe Spendenbereitschaft.

Seit Beginn der Kämpfe im Libanon am 12. Juli gebe es mehr als 1.000 Tote sowie tausende Verletzte. Mehr als 900.000 Menschen seien auf der Flucht, Zehntausende seien im Süden Libanons von jeder Hilfe abgeschnitten: «Die Bilanz ist niederschmetternd,» erklärte Seiters.

(Quellen: rtr, ap)


 

Das Ende der Isolation
Die Libanonkrise hat die Grundfehler der internationalen Nahostpolitik offenbart.. Ohne Einbindung Syriens, des Iran und der Hisbollah wird es keinen Frieden geben... Mehr in der taz vom 10.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/10/a0149.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/08/10/a0147.1/text


 

Vergessener Krieg in Gaza
Palästinenser diskutieren Möglichkeit der Selbstauflösung der Autonomiebehörde... Mehr in der Tageszeitung 'junge Welt' vom 11.08.06:
http://www.jungewelt.de/2006/08-11/021.php
 


 

Dutzende Tote und Verletzte bei Offensive auf Sri Lanka - Kämpfe um Wasserreservoir

Fr.11.08.06 - Bei neuen Kämpfen um ein Wasserreservoir zwischen Regierungstruppen und Tamilen-Rebellen sind auf Sri Lanka Dutzende Menschen getötet und verletzt worden.

Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) warfen dem Militär vor, es habe bei seiner jüngsten Offensive 50 Zivilisten getötet und 200 verletzt. Dutzende Soldaten wurden am Donnerstag verwundet in das Krankenhaus von Kantale nahe der Front gebracht. Nach Angaben der Klinik starben mindestens fünf Soldaten. Hilfskräfte warnten vor desolaten Hygienebedingungen für die mehr als 30.000 Flüchtlinge.

"Es gibt eine große Offensive an zwei Fronten", sagte der Leiter des LTTE-Friedenssekretariats, S. Puleedevan. Es werde mit Artillerie und Granaten gekämpft, und die Armee fliege Luftangriffe. Hunderte Zivilisten verließen das Kampfgebiet. Das Militär bestätigte die Kämpfe, ohne Details zu nennen. Internationale Beobachter des Waffenstillstands bezeichneten die von den Rebellen genannte Opferzahl als glaubwürdig.

Mit der neuen Offensive wollte die Armee ein Schleusentor im Rebellengebiet unter Kontrolle bringen, durch das die Wasserversorgung für zahlreiche Felder auf nahe gelegenem Regierungsterritorium gesteuert werden kann. Eine Blockade der Wasserzufuhr hatte die schwersten Bodenkämpfe seit Beginn eines 2002 geschlossenen Waffenstillstands ausgelöst. Am Dienstag hatten die Rebellen zwar die Wasserzufuhr freigegeben, doch das Militär wollte auch die Schleuse einnehmen.

"Wir waren dabei, auf das Schleusentor vorzustoßen", berichtete ein an den Armen verletzter Soldat im Krankenhaus von Kantale. "Ich konnte die Tiger-Kämpfer nicht sehen, aber ich sah ihr Gewehrfeuer. Wir waren 40 Meter entfernt."

Im Krankenhaus wurden Betten geräumt, um Platz für die verwundeten Soldaten zu machen. Trotz einer zunehmenden Zahl von Krankheitsfällen unter den Flüchtlingen zog die Klinik auch Personal ab, um die vielen Verletzten versorgen zu können. "Heute werden wir in den Lagern zurückstecken müssen, weil der Bedarf dort nicht dringend ist", sagte der Verwaltungschef des Krankenhauses. Falls die Kämpfe weitergingen, würden zusätzliche Ärzte benötigt.

In Kantales Schulen drängten sich tausende Flüchtlinge, darunter viele Kinder. Ärzte berichteten von zahlreichen Hautinfektionen und Durchfall. Nach Angaben von Hilfsorganisationen gab es nicht genug Platz, um zusätzliche Toiletten aufzustellen. Tausende müssten sich in einem kleinen Bach waschen. Der Gestank werde täglich schlimmer.

"Die Leute bekommen Fieber und werden krank", sagte eine 37-jährige Mutter in dem größten Lager, das vermutlich mehr als 9000 Menschen beherbergt. Auch nahe der Stadt Mutur, aus der wegen der Kämpfe Zehntausende flohen, haben laut Hilfskräften rund 3000 Menschen in Behelfsunterkünften Zuflucht gesucht.

Aus der Gegend der Hafenstadt Trincomalee im Nordosten war erneut Artilleriefeuer zu hören. Südlich der Stadt hielten die Gefechte an. Im Distrikt Mannar im Nordwesten wurde ein Polizist bei einem vermuteten Rebellenangriff verletzt. Die Rebellen haben wiederholt gesagt, die anhaltenden Angriffe der Armee bedeuteten eine Kriegserklärung. "Der Waffenstillstand ist wirklich in Gefahr", sagte LTTE-Vertreter Puleedevan.

Die Rebellen auf Sri Lanka kämpfen seit mehr als 20 Jahren für eine Selbstbestimmung der tamilischen Minderheit im Norden und Osten des Inselstaats. In dem Bürgerkrieg sind mehr als 65.000 Menschen ums Leben gekommen. Seit Jahresbeginn sind durch die erneut zunehmende Gewalt hunderte Menschen getötet worden.

(Quelle: rtr)
 


 

UNICEF warnt vor Aids-Katastrophe in Asien

Fr.11.08.06 - Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat wenige Tage vor der Welt-Aids-Konferenz in Toronto vor einer drohenden Aids-Katastrophe in Asien gewarnt. Nach Afrika habe sich Asien zu einem zweiten Epizentrum der tödlichen Krankheit entwickelt, erklärte UNICEF in Berlin. Mehr als acht Millionen Asiaten hätten sich bereits mit dem HI-Virus infiziert.

Indien habe Südafrika als das Land mit den meisten HIV-positiven Menschen abgelöst, erklärte UNICEF weiter. 5,7 Millionen Menschen seien bereits infiziert. Vor allem immer mehr junge Menschen steckten sich dort mit HIV an. Die Hälfte aller Neuinfektionen entfalle auf die Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren. Nur ein Bruchteil der Betroffenen werde medizinisch versorgt.

"Wir sitzen auf einer Zeitbombe", sagte der Leiter der UNICEF-Aids-Programme in Südasien, Ian MacLeod. "Die Epidemie breitet sich bereits von den Risikogruppen auf die Gesamtbevölkerung aus. Die Länder Asiens haben nur noch wenig Zeit, um einen sprunghaften Anstieg der HIV-Infektionen zu verhindern." Zwar liege der relative Anteil der HIV-Infizierten in Asien noch vergleichsweise niedrig. Doch angesichts der hohen Bevölkerungszahl sage dies wenig aus über das Ausmaß des Leids.

"Kinder und Jugendliche müssen beim Kampf gegen Aids weltweit in den Mittelpunkt gestellt werden", forderte die Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Heide Simonis. Zurzeit erhielten weniger als zehn Prozent der aidskranken Kinder Virenhemmer. Die Folge sei, dass jede Minute ein Kind an Aids sterbe. 2,3 Millionen Kinder unter 15 Jahren seien infiziert. 700.000 davon hätten sich allein im vergangenen Jahr angesteckt - so viele wie in Deutschland im selben Zeitraum geboren wurden.

(Quelle: afp)
 


 

Über 1,3 Millionen Menschen in China auf Flucht vor Taifun

Fr.11.08.06 - In Erwartung des Taifuns "Saomai" sind im Südosten Chinas mehr als 1,3 Millionen Menschen evakuiert worden. Der Wirbelsturm hat Windgeschwindigkeiten von mehr als 216 Stundenkilometern und zieht von Taiwan aus in Richtung der chinesischen Provinzen Fujian und Zhejiang, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldet. In Fujian wurden 569.000 Menschen evakuiert. Über 10.000 Schiffe und über 35.000 Fischer aus Fujian mussten zu ihren Häfen zurückkehren. Schüler durften nicht draußen spielen.

In Zhejiang wurden nach staatlichen Angaben 760.000 Menschen evakuiert. Auch hier mussten die Schiffe in die Häften zurückkehren. Nördlich von Zhejiang liegt die Millionen-Metropole Schanghai. Die Behörden erwarten, dass der Taifun "Saomai" stärker als der Taifun "Rananim" werden könnte, der im August 2004 allein in der Provinz Zhejiang 164 Menschen tötete. "Saomi" ist bereits der achte Taifun in China in diesem Jahr. Er folgt dem Taifun "Prapiroon", der am Wochenende 80 Menschen tötete.

(Quelle: afp)
 


 

Mehr als 420 afrikanische Flüchtlinge auf Kanaren eingetroffen

Fr.11.08.06 - Auf den Kanarischen Inseln sind am Donnerstag fünf Boote mit insgesamt 427 Flüchtlingen eingetroffen. Die meisten von ihnen - 103 - kamen am Vormittag mit einem Boot auf La Gomera an, wie eine Sprecherin des spanischen Innenministeriums in Las Palmas auf Gran Canaria mitteilte. Die Flüchtlinge seien bei guter Gesundheit.

Auf Lanzarote wurde ein weiteres, leeres Fischerboot entdeckt, die Polizei suchte nach den Insassen. Im Mittelmeer rund 130 Kilometer südlich der Kanaren wurde ein weiteres Boot mit Flüchtlingen an Bord gesichtet, das noch im Laufe des Donnerstags an Land erwartet wurde.

Laut spanischen Angaben sind seit Jahresbeginn mehr als 11.000 Afrikaner auf den Kanarischen Inseln eingetroffen und damit bereits mehr als doppelt so viele wie 2005 insgesamt. Mehr als 1.000 Menschen kamen bei Fluchtversuchen seit Ende vergangenen Jahres ums Leben.

(Quelle: ap)
 


 

Großbritannien vereitelt Terroranschläge auf  US-Flugzeuge - Bush sieht 'islamische Faschisten' hinter Anschlagsplänen

Fr.11.08.06 - Fünf Jahre nach dem Terror vom 11. September ist eine neue schwere Anschlagsserie möglicherweise gerade noch verhindert worden. Terroristen sollen geplant haben, bis zu zehn Flugzeuge auf dem Weg von Großbritannien in die USA über dem Atlantik zu sprengen.

Die britische Polizei nahm nach neuesten Angaben vom Donnerstagsabend 24 Verdächtige fest, die aus dem radikal-islamischen Milieu stammen sollen. Scotland Yard sprach von Plänen für einen «Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß».

Die Angst vor neuen Terroranschlägen stürzte den internationalen Luftverkehr ins Chaos. Mehrere hundert Flüge wurden gestrichen. Zehntausende Menschen saßen auf Flughäfen fest. Weltweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Zugleich bekräftigten US-Präsident George W. Bush und andere Politiker ihre Entschlossenheit, den Terrorismus zu bekämpfen.

Die Gruppe soll geplant haben, Flüssigsprengstoff im Handgepäck an Bord zu schmuggeln und auf dem Flug in die USA zu zünden. Wegen der mutmaßlichen Anschlagspläne wurde in Großbritannien Alarmstufe eins ausgelöst. Der britische Innenminister John Reid sagte, bei einer Umsetzung der Pläne hätte es einen «Verlust an Menschenleben von bislang nicht bekanntem Ausmaß» gegeben. Nach BBC-Informationen sollten jeweils drei Flugzeuge fast zeitgleich getroffen werden.

An den Börsen brachen weltweit die Aktien großer Fluggesellschaften ein. Auch der Ölpreis gab nach. Hinter dem Preisverfall steht offenbar die Einschätzung der Händler, dass nach dem aufgedeckten Anschlagsplänen der internationale Flugverkehr nachhaltig beeinträchtigt werden könnte.

US-Präsident George W. Bush hat die vereitelten Anschläge auf Transatlantik-Flüge als das Werk "islamischer Faschisten" bezeichnet, die den USA den Krieg erklärt hätten. Das in Großbritannien aufgedeckte Komplott sei eine "deutliche Mahnung, dass sich dieses Land im Krieg mit islamischen Faschisten befindet", sagte Bush. Den Drahtziehern sei "jedes Mittel recht, um uns, die wir die Freiheit lieben, zu vernichten".

Bush betonte, das der von ihm eingeschlagene Weg der Terrorbekämpfung richtig sei. Die USA seien sicherer als vor den Terroranschlägen am 11. September 2001. "Ganz offensichtlich sind wir aber nicht vollständig sicher." An Flugreisende appellierte Bush, sich auf Behinderungen im Reiseverkehr vorzubereiten. "Ich bitte sie um Geduld und um Wachsamkeit", sagte Bush. "Die Behinderungen liegen daran, dass wir Schritte ergreifen werden, die zum Schutz des amerikanischen Volkes nötig sind."

Bush lobte die Arbeit der britischen Ermittler, die die Anschlagsserie vereitelt haben. Die Zusammenarbeit zwischen britischen und US-Behörden in der Angelegenheit sei "exzellent" gewesen. Am Sonntag hatten Bush und der britische Premierminister Tony Blair telefonisch über den Fall beraten.

Auf dem Londoner Großflughafen Heathrow sowie vielen anderen Airports wurden die Personenkontrollen drastisch verschärft. Die Mitnahme von Handgepäck wurde mancherorts völlig verboten. Erst am Abend normalisierte sich die Lage langsam wieder. Das Bundesinnenministerium in Berlin erhöhte nochmals die Vorkehrungen für die Luftsicherheit in Deutschland. Einzelheiten gab das Ministerium aber nicht bekannt.

Nach Angaben der Lufthansa in Frankfurt sind ab sofort Flüssigkeiten im Handgepäck auf Flügen in die USA verboten. Dazu zählten neben Getränken auch Sonnenmilch, Zahnpasta oder Haargels. Ausnahmen gibt es bei Babynahrung sowie für dringend notwendige Medikamente. Die Sicherheit im Luftverkehr ist nach Einschätzung der Pilotenvereinigung Cockpit trotz der Vorfälle in London hoch.

Erste Hinweise auf eine neue Terrorserie gab es nach Polizeiangaben bereits vor mehreren Monaten. Die Ermittlungen hätten dann in der Nacht zum Donnerstag einen «kritischen Punkt» erreicht, sagte der Leiter der Anti-Terror-Einheit bei Scotland Yard, Peter Clarke. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hätte die Anschlagsserie innerhalb der allernächsten Tage stattfinden sollen.

Zur Identität der Terrorverdächtigen, die zum Verhör nach London gebracht wurden, wollten sich die Behörden nicht äußern. Nach britischen Fernsehberichten handelt es sich überwiegend um britische Muslime. Ihr Ziel sollen Maschinen der US-Fluggesellschaften United, Continental und American Airlines auf dem Weg nach New York, Washington und Kalifornien gewesen sein. Sicherheitsexperten vermuten, dass die Terroristen vorhatten, die Flugzeuge mit Flüssigsprengstoff zum Absturz zu bringen.

Die pakistanische Regierung teilte unterdessen mit, sie habe daran mitgewirkt, die geplanten Terroranschläge zu vereiteln. Die geheimdienstliche Zusammenarbeit von Pakistan, Großbritannien und den Vereinigten Staaten habe zu den Festnahmen in Großbritannien geführt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad. Die Zusammenarbeit sei über eine längere Zeit erfolgt und habe auch zu einigen Festnahmen in Pakistan geführt.

(Quellen: dpa, afp, rtr)
 


 

Deutschland

Union fordert Überprüfung der Sicherheitskonzepte in Deutschland. CSU-Innenexperte fordert Einsatz der Bundeswehr zur Terrorabwehr. FDP mahnt zur Besonnenheit. Grüne gegen schärfere Anti-Terror-Gesetze

Fr.11.08.06 - Nach den vereitelten Terroranschlägen in Großbritannien fordert die Union eine Überprüfung der Sicherheitskonzepte in Deutschland. «Wir müssen uns fragen, ob wir mit unserer Sicherheitskonzeption genauso erfolgreich gewesen wären», zitierte die Hannoversche «Neue Presse» am Freitag den stellvertretenden Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach.

CSU-Innenexperte Hartmut Koschyk forderte eine rechtlich einwandfreie Grundlage für Anti-Terror-Einsätze der Bundeswehr. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) ließ zunächst offen, ob schärfere Gesetze notwendig seien.

Bosbach sagte, es gehe vor allem darum, ob der Flüssigsprengstoff, der benutzt werden sollte, bei Gepäckkontrollen in Deutschland aufgefallen wäre. Dazu müsse man allerdings die Ermittlungsergebnisse kennen. Der CDU-Politiker betonte, dass es auch in Deutschland eine anhaltende Bedrohungslage gebe.

Beckstein sagte der «Passauer Neuen Presse», man müsse sich auch in Deutschland auf eine abstrakt erhöhte Gefahr einstellen. «Wir sind grundsätzlich im Visier der Terroristen», wurde der CSU-Politiker zitiert. Ob zusätzlicher Handlungsbedarf bei der Gesetzgebung bestehe, müsse man sehen, wenn genaue Berichte aus London vorlägen.

Koschyk rief in der «Financial Times Deutschland» die große Koalition auf, jetzt schnell eine rechtlich einwandfreie Grundlage zu schaffen, um einen Bundeswehr-Einsatz zur Abwehr von Terrorangriffen aus der Luft und von der See zu ermöglichen. Zudem verlangte der CSU-Politiker von den Bundesländern mehr Sorgfalt bei der Einbürgerung von Ausländern. «Es gibt Extremisten, die bewusst den Schutz der deutschen Staatsbürgerschaft suchen», wurde er zitiert.

Die FDP mahnte zur Besonnenheit. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Bundestag Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte der «Berliner Zeitung», die Bürger dürften nicht grundlos verunsichert werden. Bisher könne nicht von einer besonderen Bedrohungslage in Deutschland gesprochen werden. Wir haben ein hohes Sicherheitsniveau und eine Fülle von Vorkehrungen», sagte die frühere Bundesjustizministerin. Die Vereitelung der Anschläge sei zudem ein deutlicher Beleg für ein engmaschiges Sicherheitsnetz.

Der Grünen-Innenexperte Hans-Christian Ströbele hat Forderungen der Union nach einer Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze zurückgewiesen. «Für mich wäre das Missbrauch einer Gefahrensituation, jetzt schärfere Gesetze zu fordern, obwohl man weiß, dass diese nicht mehr Sicherheit bringen», zitierte die «Financial Times Deutschland» Ströbele am Freitag. Die gesetzlichen Regelungen in Deutschland seien ausreichend. Einen Terroranschlag könne man auch durch neue Sicherheitsgesetze nicht ganz ausschließen.

(Quelle: ap)
 


 

Wissenschaft

Am Rand des Sonnensystems wimmelt es von Gesteinsbrocken

Fr.11.08.06 - Der äußere Rand des Sonnensystems ist sehr viel dichter bevölkert als bislang angenommen: Jenseits der Umlaufbahn des Neptun bewegen sich etwa eine Billiarde Gesteinsbrocken mit einer Größe zwischen 10 und 100 Metern um die Sonne, zeigt eine Studie taiwanesischer Astronomen. Das sind 1000- bis 100 000-mal mehr Objekte dieser Größe, als bisherige Schätzungen vermuten ließen. Aufgespürt haben die Forscher die Mini-Asteroiden, die für gewöhnliche Teleskope viel zu klein sind, mit einem Trick: Da sich jedes Mal, wenn ein solches Objekt auf seinem Weg zwischen die Erde und einen hellen Neutronenstern gerät, das Röntgenlicht des Sterns für wenige Sekundenbruchteile verdunkelt, kann aus der Häufigkeit solcher Vorfälle auf die Anzahl vorbeiziehender Objekte geschlossen werden. Über ihre Arbeit berichten Hsiang-Kuang Chang von der Tsing-Hua-Universität in Hsinchu und seine Kollegen in der Fachzeitschrift «Nature» (Bd. 442, S. 660).

Die von den Astronomen untersuchten kleinen Gesteinsbrocken gehören zu den so genannten Transneptunischen Objekten (TNO), die unter anderem den Kuiper-Gürtel am äußeren Rand des Sonnensystems bilden. Bisher kennen Astronomen etwa 50 000 TNOs mit Größen von mehreren hundert Kilometern, darunter beispielsweise auch den Planetoiden mit dem Spitznamen Xena, der als Kandidat für den zehnten Planeten des Sonnensystems gilt. Theoretische Modelle legen zudem nahe, dass es jenseits des Neptuns noch mindestens eine Milliarde kleinerer Objekte geben müsste, deren Existenz bisher allerdings nicht bewiesen werden konnte.

Die Idee, Schwankungen im Sternenlicht zum Aufspüren solcher kleinen TNOs zu nutzen, gibt es bereits seit Jahren. Um jedoch extrem kleine Objekte in einer großen Entfernung entdecken zu können, die das Licht eines Stern lediglich eine tausendstel Sekunde lang verändern, reichte bislang die Empfindlichkeit der Messinstrumente nicht aus. Aus diesem Grund verwendeten Chang und seine Kollegen Messdaten des Weltraum-Röntgenteleskops Rossi, das Röntgenstrahlung in einer sehr hohen zeitlichen Auflösung messen kann und konzentrierten sich bei ihrer Auswertung auf das Licht des Neutronensterns Scorpio X-1, eine der hellsten bekannten Röntgenquellen.

Tatsächlich stießen die Astronomen auf eine Reihe kurzer, aber deutlicher Verdunkelungen des Röntgenlichts. Hochgerechnet auf das gesamte Sonnensystem müsste es demnach etwa eine Billiarde TNOs mit einem Durchmesser von weniger als 100 Metern geben, schreiben die Forscher. «Aus astronomischer Sicht ist das eine extreme Überbevölkerung», kommentiert der amerikanische Astronom Asantha Cooray die Zahlen. Als nächstes will das Team um Chang nun Entfernung und Größe der entdeckten Objekte genauer bestimmen. Sollten sich ihre Ergebnisse bestätigen, müssten die aktuellen Theorien zur Entstehung des Sonnensystems überdacht werden.

(Quelle: ddp)
 


 

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Fertige CSS-Layouts im Internet finden

Fr.11.08.06 - Wer keine Zeit für ein eigenes CSS-Grundlayout seiner Webseiten hat, kann auf einen reichhaltigen Fundus an fertigen Designs zurückgreifen. Im Internet gibt es eine Vielzahl fertiger Vorlagen der Cascading Styles Sheets, die sich kostenlos verwenden und individuell anpassen lassen. Das berichtet das Fachmagazin Internet Professionell (08/2006). Auch andere Layout-Varianten seien im Netz reichlich verfügbar.

Wer sich aus diesem Fundus bedient, spart nicht nur Zeit. Er sieht bereits vorher, wie die Code-Beispiele dann in der Praxis aussehen. Typische Fehler beim Eigenbau werden weitgehend vermieden, und die Musterlayouts sind in der Regel browserkompatibel. Eine übersichtliche Auswahl an zwei-, drei- und vierspaltigen CSS-Layouts findet sich unter http://glish.com/css/. Ebenfalls kostenfrei sind die Entwürfe auf der Seite http://bluerobot.com/web/layouts, wie das Magazin berichtet.

Ein großes Angebot bieten auch die Seiten http://thenoodleincident.com/tutorials/box_lesson/boxes.html und http://intensivstation.ch/templates. Auf der Schweizer Seite ist das Angebot recht umfangreich. Allerdings müssen Nutzer sich das fertige Stylesheet aus den angezeigten Code-Fragmenten selbst zusammenbasteln.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

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