Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
UN-Sicherheitsrat verlängert Irak-Mission für ein Jahr.
Bewaffnete Schiiten setzen Büro einer kurdischen Partei in Brand
Sa.12.08.06 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Irak-Mission UNAMI am
Freitag auf Empfehlung von Generalsekretär Kofi Annan um ein
weiteres Jahr verlängert. Das Votum der 15 Ratsmitglieder erfolgte
einstimmig. Das Gremium beschloss, nach Ablauf des UNAMI-Mandats am 10.
August kommenden Jahres erneut über eine Verlängerung
abzustimmen. Im Rahmen der Mission ist die UNO mit knapp 400
Mitarbeitern im Irak vertreten. Die meisten sind in der Hauptstadt
Bagdad stationiert. Außenstellen gibt es im südirakischen
Basra und in Erbil in den Kurdengebieten.
Irakische Schiiten haben am Freitag das Büro einer kurdischen
Partei überfallen und in Brand gesetzt. Die Anhänger des
schiitischen Geistlichen Ajatollah Mohammed al Jakubi begründeten
den Angriff auf das Büro der Patriotischen Union Kurdistans (PUK)
damit, dass deren Parteizeitung Al Jakubi in unfairer Weise kritisiert
habe. In dem Zeitungsbericht hieß es, Al Jakubi schüre
«Hass gegen die Kurden» und versuche «einen Krieg
zwischen schiitischen Arabern und Kurden» zu entfesseln.
Vorsitzender der PUK ist der irakische Staatspräsident Dschalal
Talabani. Er erklärte nach dem Angriff, einige Sätze des
Zeitungsartikels seien «unangemessen» gewesen, dennoch
empfänden er selbst «und jeder Kurde» große
Bitterkeit über Al Jakubis Äußerungen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 12.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.12.08.05 - US-Außenministerin Rice ernennt neuen Irak-Koordinator +++ Drei Tote
bei Angriffen im Irak +++ Deutsche Unionsparteien schicken im Falle eines
Wahlsiegs keine Soldaten in den Irak +++ Bush zeigt Verständnis
für Kriegsgegner...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
UN-Resolution verabschiedet - Weltsicherheitsrat fordert Ende der
Kämpfe im Libanon. Israel setzt Offensive im Libanon fort. Tote
bei israelischem Raketenangriff auf Flüchtlingskonvoi. Islamische
Ländern fordern Verurteilung Israels im Menschenrechtsrat
Sa.12.08.06 - Einen Monat nach Beginn der blutigen Kämpfe im Libanon hat der
Weltsicherheitsrat geschlossen ein Ende der Gewalt gefordert. Das
höchste UN-Gremium verabschiedete am Freitagabend in New York
einstimmig eine Resolution, die Israel und die Hisbollah zu einem Stopp
der Feindseligkeiten aufruft, die Aufstockung der UN-Truppen im Libanon
auf 15.000 Soldaten autorisiert und den Rückzug der israelischen
Truppen anstrebt. Israel und die libanesische Regierung signalisierten
ihre Zustimmung zu der Entschließung.
Die «schwere Arbeit der Diplomatie» sei jedoch noch lange
nicht erledigt, mahnte US-Außenministerin Condoleezza Rice. Es
sei unrealistisch, ein sofortiges Ende der Gewalt zu erwarten. Israel
setzte seine Offensive im Libanon in der Nacht zum Samstag fort.
Die von Frankreich und den USA eingebrachte UN-Resolution sieht den
Rückzug Israels aus dem Libanon nach dem Ende der Kämpfe vor.
Parallel dazu sollen 15.000 libanesische Soldaten die Kontrolle im
Süden des Landes übernehmen. Dies soll mit Hilfe der
UN-Truppen im Libanon (UNIFIL) geschehen, die von 2.000 auf 15.000 Mann
aufgestockt werden sollen.
Als Schritte für eine dauerhafte Waffenruhe und eine politische
Lösung des Konflikts fordert die Entschließung unter anderem
die Entwaffnung militärischer Gruppen im Libanon und die
Respektierung der von den UN festgelegten Grenze zwischen Israel und
dem Libanon, der so genannten Blauen Linie. Die internationale
Gemeinschaft wird aufgefordert, ihre Hilfe für die libanesische
Bevölkerung zu verstärken.
Bereits vor dem Votum in New York signalisierte die libanesische
Regierung ihre Zustimmung, wie US-Außenministerin Rice sagte.
Auch der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte
sich nach Angaben aus Regierungskreisen mit dem neuen
Resolutionsentwurf einverstanden. Er werde sein Kabinett am Sonntag zur
Zustimmung auffordern, hieß es. Mindestens bis dahin solle die
erweiterte Bodenoffensive aber fortgesetzt werden, erklärte Gideon
Meir, ein ranghoher Mitarbeiter des israelischen
Außenministeriums.
UN-Generalsekretär Kofi Annan kündigte an, so bald wie
möglich mit israelischen und libanesischen Regierungsvertretern
zusammenzutreffen, um das Datum für eine Waffenruhe festzulegen.
Unmittelbar vor der Abstimmung in New York hatte sich tief
enttäuscht gezeigt, dass der Sicherheitsrat so lange zu seiner
Entschließung gebraucht habe. Das Zögern habe «das
Vertrauen der Welt in die Autorität und Integrität» des
UN-Sicherheitsrats erschüttert.
Bei einem israelischen Raketenangriff auf einen Flüchtlingskonvoi
im Libanon sind laut Augenzeugenberichten mindestens sieben Menschen
getötet worden. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP, der in dem
Konvoi mit hunderten Fahrzeugen unterwegs war, berichtete weiter von
etwa 40 Verletzten. Die Flüchtlinge kamen aus der umkämpften
Ortschaft Mardschajun und wurden den Angaben zufolge nahe der Stadt
Chtaura im Bekaa-Tal, nördlich des Flusses Litani, von einer
Drohne angegriffen.
Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie hätten dem
Konvoi aus Sicherheitsgründen kein grünes Licht für die
Weiterreise in der Region erteilt gehabt. Israel könne nicht
für die Sicherheit von Konvois garantieren, die ohne die
erforderliche Absprache und Genehmigung unterwegs seien. Der Angriff
sei erfolgt, nachdem die Streitkräfte verdächtige Bewegungen
auf einer Straße ausgemacht hätten, die von der Hisbollah
häufig zum Transport von Raketen genutzt werde.
Der Konvoi war zuvor von zwei gepanzerten Fahrzeugen der UN-Truppe
UNIFIL aus Mardschajun geleitet worden. Zum Zeitpunkt des Angriffs
befanden sie sich offenbar nicht mehr bei den rund 500 zivilen
Fahrzeugen, die sich bei der Flucht aus Mardschajun 350 libanesischen
Soldaten und Polizisten angeschlossen hatten. Diese hatten den Ort am
Freitag unter dem Schutz der UNIFIL verlassen, nachdem sie dort von
israelischen Soldaten festgesetzt worden waren.
Trotz einer Resolution des Weltsicherheitsrats zu einem Ende der Gewalt
im Libanon hielt Israel in der Nacht zum Samstag an seiner Offensive
fest. Lange Kolonnen von Fahrzeugen und Panzern stießen über
die Grenze in den Südlibanon vor. Die Offensive solle mindestens
bis zu einer Kabinettsabstimmung über die UN-Entschließung
am Sonntag fortgesetzt werden, erklärte Gideon Meir, ein ranghoher
Mitarbeiter des Außenministeriums. Die Militäraktion ziele
darauf, die Hisbollah weiter zu schwächen und damit der von den UN
angestrebten Entsendung libanesischer Soldaten den Weg zu bereiten,
verlautete aus Regierungskreisen in Jerusalem.
Israelische Kampfflugzeuge bombardierten erneut Ziele im Norden und
Süden des Libanons, wie libanesische Sender berichteten. Angriffe
wurden aus der Region Akkar rund 100 Kilometer nördlich von Beirut
sowie aus der südlibanesischen Hafenstadt Tyrus gemeldet. Mit
einem Raketenbeschuss am Rande der Stadt Sidon sei ein Kraftwerk in
Brand gesetzt und zerstört worden, berichteten
Sicherheitskräfte.
Über dem westlichen Teil Beiruts warfen israelische Truppen
Flugblätter ab, in denen die Namen von etwa 90
Hisbollah-Kämpfern aufgelistet sind, die nach israelischen Angaben
bei Kämpfen getötet wurden. Hisbollah-Führer Scheich
Hassan Nasrallah betrüge die Miliz, indem er ihr die schweren
Verluste verschweige, hieß es weiter.
Arabische und islamische Länder haben im UN- Menschenrechtsrat
eine Verurteilung Israels wegen seines Vorgehens im Libanon gefordert.
Ein zur Sondersitzung des Gremiums in Genf vorgelegter
Resolutionsentwurf wirft Israel die massive und systematische Verletzung
der Menschenrechte und internationaler Abkommen vor. Der von elf der 47
Mitgliedsländer unterzeichnete Entwurf verlangt außerdem die
Entsendung einer Kommission, um die israelische Kriegsführung zu
untersuchen.
(Quellen: ap, dpa)
Raus aus der Opferrolle
Jüdische und muslimische Intellektuelle fordern einen sofortigen
Waffenstillstand - von Israel und der Hisbollah. Schuldzuweisungen an
beide Seiten klammern sie bewusst aus. So wollen sie die Logik der
Opferkonkurrenz durchbrechen... Mehr in der taz vom 11.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/11/a0126.1/text
http://www.navidkermani.de
ISAF-Soldat in Südafghanistan bei Selbstmordanschlag getötet
Sa.12.08.06 - Knapp zwei Wochen nach der Ausweitung des ISAF-Kommandos auf den
Süden Afghanistans ist dort erneut ein Soldat der Internationalen
Schutztruppe getötet worden. Ein Selbstmordattentäter
zündete in der Provinz Kandahar eine Autobombe neben einem Konvoi
der NATO-geführten Truppe, wie die ISAF mitteilte. Der Anschlag
ereignete sich in der Stadt Spin Bioldak auf einer Straße in die
Provinzhauptstadt Kandahar. Im Nordosten wurden nach Angaben der
US-Armee drei Soldaten der US-geführten Koalition bei einem
Einsatz getötet.
Der Attentäter sei auf den Konvoi zugefahren und habe sich in die
Luft gesprengt, erklärte die ISAF. Ein ISAF-Fahrzeug sei in
Flammen aufgegangen. Die Nationalität des Soldaten wurde
zunächst nicht mitgeteilt. Der Polizeichef von Spin Boldak
bestätigte die Angaben: "Ich kann ein brennendes Fahrzeug sehen."
Ein Anrufer, der sich als Taliban-Sprecher ausgab, sagte, bei dem
Selbtsmordattentäter habe es sich um einen Afghanen gehandelt.
Erst Ende Juli hatte die ISAF ihren Kommandobereich auf den Süden
Afghanistans ausgeweitet. Seither wurden bereits zehn ISAF-Soldaten
getötet. Der Süden Afghanistans ist eine Hochburg der
radikalislamischen Taliban, die Ende 2001 im Zuge der US-geführten
Invasion von der Macht in Kabul vertrieben wurden.
Nach der Übergabe des Einsatzgebietes im Süden an die ISAF
verstärkten die Soldaten des parallel laufenden US-geführten
Militäreinsatzes "Enduring Freedom" in abgelegenen Regionen im
Nordosten Afghanistans ihre Patrouillen, darunter auch in der Provinz
Nuristan, wo Taliban und andere Gegner der Zentralregierung in Kabul
bislang große Bewegungsfreiheit genossen.
Bei einem Einsatz in dieser sehr rückständigen Region nahe
der Grenze zu Pakistan wurden nach Angaben der US-Armee drei Soldaten
der internationalen Koalition getötet und zwei weitere verwundet.
Zur Person und zur Nationalität der Toten wurden zunächst
keine Angaben gemacht.
Im Osten des Landes töteten afghanische und US-Truppen bei einem
Einsatz in der Provinz Chost drei mutmaßliche Mitglieder des
Terrornetzwerks El Kaida. Drei El-Kaida-Anhänger wurden
festgenommen. Ein US-Armeesprecher sagte, es werde noch geprüft,
welchen Rang die Festgenommenen in dem Terrornetzwerk hätten.
(Quellen: afp)
Spur nach vereitelter Terrorserie führt nach Pakistan
Sa.12.08.06 - Einen Tag nach Aufdeckung spektakulärer Pläne für
Terroranschläge auf Passagierflugzeuge lief die Fahndung nach
Hintermännern auf Hochtouren. Sicherheitskräfte hatten bis
Freitag in Großbritannien 24 Verdächtige festgenommen.
Wichtige Spuren führen auch nach Pakistan, wo nach Medienberichten
sieben mutmaßliche Terroristen festgenommen wurden. Wegen der
Furcht vor einer möglicherweise noch unentdeckten zweiten Gruppe
von Terroristen hielten die Regierung in Großbritannien die
höchste Alarmstufe weiter aufrecht.
Der Hinweis, dass die möglicherweise verheerendsten
Terroranschläge seit dem 11. September 2001 unmittelbar
bevorstehen könnten, kamen nach Informationen aus britischen
Regierungskreisen aus Pakistan. Auch die Sprecherin des
Außenministeriums in Islamabad, Tasnim Aslam, sagte:
«Pakistan spielte eine sehr bedeutende Rolle dabei, dieses
internationale Terroristennetzwerk aufzudecken und zu
zerbrechen.» Die pakistanische Tageszeitung «The
Nation» berichtete, nach Vereitelung der Anschläge und nach
neuen Hinweisen des britischen Geheimdienstes seien sieben
Verdächtige in zwei pakistanischen Städten festgenommen
worden. Die Hinweise auf ein international agierendes Netz stützen
Vermutungen, wonach die britische Gruppe Kontakt zur Terrororganisation
El Kaida hatte.
Bei den 24 Verdächtigen, die sich in London in Polizeigewahrsam
befinden, handelt es sich vor allem um Männer aus muslimischen
Einwandererfamilien im Alter zwischen 17 und 35 Jahren, die bereits
seit langem in Großbritannien leben. Die meisten davon haben
sowohl die pakistanische als auch die britische
Staatsbürgerschaft. Drei der Männer sollen aus britischen
Mittelklasse-Familien stammen und erst vor kurzem zum Islam
übergetreten sein. Nach Informationen der Tageszeitung «The
Times» wurde bei einem Verdächtigen ein so genanntes
Märtyrervideo gefunden, das vermutlich von einem der potenziellen
Selbstmord-Attentäter stammt. Ähnliche Videos waren nach den
Terror-Anschlägen in London mit mehr als 50 Toten vor mehr als
einem Jahr an die Öffentlichkeit gelangt.
«The Nation» berichtete unter Berufung auf
Sicherheitskreise in Pakistan, konkrete Hinweise auf die
Terrorpläne seien von drei am Dienstag in der Hafenstadt Karachi
festgenommenen Verdächtigen «herausgepresst» worden.
Auch die britische Tageszeitung «The Guardian» schrieb,
dass die Festnahme von Terrorverdächtigen in Pakistan
Auslöser für die Razzien in London und anderen englischen
Städten gewesen sei. Demnach war die Anschlagsserie für die
kommenden Wochen geplant. Nach den Festnahmen in Pakistan sei von dort
jedoch der Befehl zur sofortigen Ausführung gekommen. Nach der
Entschlüsselung durch die Geheimdienste sei dann der Zugriff in
Großbritannien beschlossen worden.
Den mutmaßlichen Terroristen wird zur Last gelegt, eine Serie von
Anschlägen auf bis zu zwölf Passagierflugzeuge über dem
Atlantik geplant zu haben. Falls sie Erfolg gehabt hätten,
wären nach britischen Presseberichten möglicherweise mehr als
3000 Menschen ums Leben gekommen. Unterschiedliche Angaben gab es
darüber, für welchen Zeitpunkt die Anschlagsserie
ursprünglich geplant war. Die Spekulationen reichten vom kommenden
Dienstag bis zum fünften Jahrestag der Anschläge in den USA
vom 11. September 2001.
Geplant war offenbar, auf verschiedenen britischen Flughäfen in
Teams von zwei bis drei Mann Flüssigsprengstoff in die Flugzeuge
zu schmuggeln. In London wollten die Terroristen dann auf
Transatlantik-Flüge umsteigen, hieß es aus
Sicherheitskreisen. Erst dann hätten die potenziellen
Selbstmord-Attentäter die Chemikalien im Flugzeug vermischen
wollen. Der Sprengstoff sollte dann mit Hilfe von elektronischen
Geräten wie Handys, iPods oder Digitalkameras gezündet
werden, hieß es.
Die Bank von England fror die Konten von insgesamt 19
Terrorverdächtigen ein, deren Namen auch genannt wurden.
Innenminister John Reid äußerte sich überzeugt, dass
die mutmaßlichen Drahtzieher gefasst seien. Auf die Spur der
Gruppe soll der britische Inlandsgeheimdienst MI5 bereits vor etwa
einem Jahr durch einen Tipp aus der Szene gekommen sein. Seither seien
die Verdächtigen observiert worden. Bei der Beobachtung der Konten
sei festgestellt worden, wie größere Summe hin und her
bewegt wurden.
Wegen des Terror-Alarms mussten in Großbritannien erneut mehr als
hundert Flugverbindungen gestrichen werden. In Heathrow und anderswo
kam es wieder zu langen Wartezeiten. In Deutschland kam es wegen der
erhöhten Sicherheitsvorkehrungen bei Flügen nach
Großbritannien und in die USA zu Verspätungen bis zu
mehreren Stunden. Vereinzelt wurden auch noch Flüge gestrichen.
Der Terrorschock von London hat in Deutschland eine Debatte um weitere
Sicherheitsgesetze ausgelöst. Die CDU/CSU fordert eine
Verschärfung der Sicherheitsgesetze und den Einsatz der Bundeswehr
im Inneren. Der Koalitionspartner SPD hält sich in der Debatte
zurück und lehnt den Einsatz der Bundeswehr im Anti-Terrorkampf ab.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Islamrat warnt vor 'Hysterie' wegen Terrorismus
Sa.12.08.06 - Der Islamrat für die Bundesrepublik warnt nach den in London
vereitelten Terroranschlägen davor, die Muslime in Deutschland
unter «Generalverdacht» zu stellen. Es dürfe jetzt
keine «Hysterie» geben, sagte der Ratsvorsitzende Ali
Kizilkaya der Nachrichtenagentur ddp am Freitag in Köln. Ein
«Klima des Misstrauens» sei nicht integrationsfördernd.
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) hatte es
zuvor als ein großes Problem bezeichnet, dass junge Zuwanderer von
«islamistischen Terrorgruppierungen» rekrutiert werden
könnten. Auch Personen, die in Deutschland geboren und scheinbar
integriert seien, würden verstärkt «angeworben».
Kizilkaya warnte davor, jetzt vor allem Muslime «unter die
Lupe» zu nehmen und sie auszugrenzen. Dies könne zu
Resignation bei jenen Migranten führen, die sich ernsthaft in diese
Gesellschaft integrieren wollten.
Der Islamrats-Vorsitzende betonte: "Der Terrorismus bedroht alle
Menschen, die in diesem Land leben - auch die Muslime.» Statt auf
Sicherheitsmaßnahmen gegenüber jungen Migranten zu setzen,
sollten ihnen verstärkt «Berufs- und
Zukunftsperspektiven» gegeben werden. Kizilkaya fügte hinzu:
«Hier ist die Politik in der Tat gefordert.»
(Quelle: ddp)
Anti-Terror-Datei im Herbst im Bundeskabinett
Sa.12.08.06 - Die seit langem geplante Anti-Terror-Datei soll noch in diesem Herbst
vom Bundeskabinett beschlossen werden. Das bestätigte
Regierungssprecher Thomas Steg der Tageszeitung «Die Welt»
(Samstagausgabe). Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit noch im
Umlaufverfahren der 16 Länderinnenminister. Mit Hilfe der
Anti-Terror-Datei soll der internationale Terrorismus effektiver
bekämpft werden.
Nach dem der Zeitung vorliegenden Gesetzentwurf sollen der
Bundesnachrichtendienst (BND), die Verfassungsschutzbehörden,
Landeskriminalämter und das Zollkriminalamt von terroristischen
Vereinigungen, Stiftungen und Unternehmen mit Verbindungen in die
islamistische Szene Daten abfragen dürfen. Erfasst werden danach
persönliche Daten von Verdächtigen, etwa ihre Bank-, Telefon-
und Internet-Verbindungen, Führerscheindaten, Anschriften und
Kontaktpersonen. «Registriert werden zudem genutzte Fahrzeuge,
besuchte Orte und berufliche Qualifikationen wie Chemiker oder
Kampfsportler», heißt es in dem Entwurf.
Informationen von ausländischen Geheimdiensten sollen laut
«Welt» künftig aus Gründen des Quellenschutzes
verdeckt gespeichert und mit einer Verwendungsbeschränkung
versehen werden. Die Datenbank soll im Bundeskriminalamt geführt
werden. Ermittler rechnen mit mehreren tausend Einträgen.
(Quelle: ap)
Steuereinnahmen wachsen im Juli zweistellig
Sa.12.08.06 - Dank anhaltend guter Konjunktur legen die Steuereinnahmen weiter
kräftig zu. Einen Bericht des «Handelsblatts»
bestätigte das Bundesfinanzministerium bestätigte «in
der Tendenz», wonach die Einnahmen im Juli um 11,5 Prozent im
Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen.
In den ersten sieben Monaten des Jahres lagen demnach die Einnahmen
ohne die gesondert erhobenen Gemeindesteuern um gut acht Prozent
über dem Vorjahreswert.
Das deutliche Plus ist den Angaben zufolge erneut in erster Linie auf
die Einnahmen bei den Unternehmenssteuern zurückzuführen.
Günstig entwickelten sich aber auch die beiden wichtigsten
Steuern, die Umsatz- und die Lohnsteuer. Die Umsatzsteuer legte danach
im Juli um 14 Prozent zu, die Lohnsteuereinnahmen stiegen um 3,4
Prozent.
Nach Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) äußerte
sich nun auch der Haushaltspolitiker der Unionsfraktion, Steffen
Kampeter (CDU), optimistisch, dass Deutschland schon in diesem Jahr die
Defizitziele des europäischen Stabilitätspaktes wieder
einhalten werde. «Wir sind ausgesprochen zuversichtlich, schon
2006 - und nicht erst 2007 - zum ersten Mal seit Jahren wieder die
Defizitziele des europäischen Stabilitätspaktes erreichen zu
können», sagte Kampeter dem «Tagesspiegel»
(Samstag).
Trotz der steigenden Steuereinnahmen warnte Kampeter davor, den
Sparkurs aufzugeben. «Der Haushalt des Bundes ist weiterhin ein
Sanierungsfall.» Kampeter bezog sich dabei vor allem auf aktuelle
Warnungen der EU-Kommission vor einer zu hohen Schuldenlast 2008.
Seinen Berechnungen zufolge fehlen in der Finanzplanung des Bundes 2008
rund sieben Milliarden Euro, um die Vorgaben Brüssels erreichen zu
können. «Ich erwarte, dass der Finanzminister seine
Hausaufgaben macht», sagte Kampeter dem Blatt.
Der finanzpolitische Sprecher der FDP, Hermann Otto Solms, forderte
Steinbrück zu einer konsequenten Ausgabendisziplin auf. «Die
Bundesregierung muss jetzt die Maastrichter Defizit-Kriterien bereits
in diesem Jahr voll erfüllen», sagte er der «Leipziger
Volkszeitung» (Samstag). «Die Gefahr ist leider
realistisch, dass dieser Aufschwung bereits im nächsten Jahr
wieder abbricht durch die bevorstehenden umfassenden
Steuererhöhungen.»
Skeptisch ist Solms, dass die zum 1. Januar 2007 beschlossene
Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent rückgängig
gemacht wird. Allerdings sei es dann zwingend notwendig, die
zusätzlichen Einnahmen zu nutzen, die Arbeitskosten deutlich zu
senken. «Die Verwendung der Mittel allein für die
Haushaltskonsolidierung ist volkswirtschaftlich der völlig falsche
Schritt.»
Dagegen forderte der Bund der Steuerzahler erneut die Rücknahme
der Mehrwertsteueranhebung. Die Steuermehreinnahmen seien vor allem auf
eine leichte wirtschaftliche Erholung zurückzuführen. Durch
die Zusatzbelastungen im kommenden Jahr werde dieser Aufschwung jedoch
wieder stark gebremst.
Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI),
Jürgen Thumann, sagte der «Frankfurter Rundschau»
(Samstag): «Angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen sollte
Finanzminister Steinbrück die Finanzierung der
Unternehmensteuerreform überdenken.» Mehr Wachstum lasse
automatisch die Steuereinnahmen steigen.
Nach aktuellen Berechnungen des ifo Instituts wird die
Mehrwertsteuerausfallquote im laufenden Jahr 10 Prozent betragen und
damit unter dem Vorjahreswert von 11 Prozent liegen. «Das
Absinken der Ausfallquote setzt sich bereits im zweiten Jahr in Folge
fort», hieß es bei dem Institut. «Dies könnte
darauf hindeuten, dass nun die vom Gesetzgeber ergriffenen
Maßnahmen wirken und helfen, das Mehrwertsteueraufkommen zu
stabilisieren.»
(Quelle: dpa)
Wohlfahrtsverbände wollen Gesundheitsreform kippen
Sa.12.08.06 - Der außerparlamentarische Widerstand gegen die Gesundheitsreform
wird immer massiver. Nach den Krankenkassen wollen ab dieser Woche auch
die Wohlfahrtsverbände vom Deutschen Roten Kreuz bis zur
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland sowie die
Spitzenverbände der Städte und Gemeinden gegen die
Reformpläne mobil machen.
«Wir werden den gesamten Einfluss unserer 28
Mitgliedsorganisationen in den Wahlkreisbüros der Abgeordneten, in
den Städte- und Gemeindeparlamenten und bei den Landesregierungen
in die Waagschale werfen, um diese Reform zu verhindern,»
kündigte der Hauptgeschäftsführer
Anzeige
der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DGK), Georg Braun, im
Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagausgabe) an. Die Einzelheiten
der Kampagne will die DKG in dieser Woche vorstellen.
Primär richtet sich der Protest gegen die Kürzungspläne
bei den 2.166 Krankenhäusern. Doch ähnlich wie die Kassen
lehnen auch die öffentlich rechtlichen und freigemeinnützigen
Krankenhausbetreiber den Gesundheitsfonds als Schritt in die
Staatsmedizin ab. Braun bezifferte die Belastungen, die auf die
Hospitäler wegen der Reform zukommen, auf fast 1,3 Milliarden
Euro. «Das trifft uns in einer Situation, in der sowieso eine
Kostenlawine von mehreren Milliarden Euro auf uns zurollt,» sagte
Braun.
(Quelle: ap)
Günter Grass war Mitglied der Waffen-SS
Sa.12.08.06 - Günter Grass war Mitglied der Waffen-SS: Dies gab der
Literaturnobelpreisträger in einem Interview zu. In seinem
Erinnerungsbuch "Beim Häuten der Zwiebel", das im September
erscheint, berichtet Grass laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung",
er habe sich mit fünfzehn Jahren freiwillig zur U-Boot-Truppe
gemeldet, die aber niemanden mehr genommen habe. So sei er als
Siebzehnjähriger aus dem Reichsarbeitsdienst nach Dresden zur
Waffen-SS einberufen worden.
Grass diente in der zehnten SS-Panzerdivision "Frundsberg". Bislang
hieß es in den Biographien des 1927 geborenen Schriftstellers, er
sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden und habe dann als Soldat
gedient.
(Quelle: afp)
Klimaveränderung
Grönlands Eis schmilzt immer schneller
Sa.12.08.06 - Die Eisdecke Grönlands schwindet immer schneller. Rund 240
Kubikkilometer Eis schmolzen jährlich alleine von April 2002 bis
November 2005, wie Forscher der Universität von Texas im
US-Fachjournal «Science» (Online-Vorabveröffentlichung)
am Donnerstag berichteten.
Das sei jährlich drei Mal so viel wie in den Jahren zuvor: Von
1997 bis 2003 verlor Grönland jedes Jahr demnach nur knapp 80
Kubikkilometer seiner Eisfläche. Das sei eine weitere
Bestätigung für die steigende globale Erwärmung,
schreiben die Forscher.
Für die Messungen benutzte das Team um Jianli Chen Daten, die der
Satellit Gravity Recovery and Climate Experiment (GRACE) per
Interferometrie ermittelte. Der größte Verlust von
Eisfläche ist demnach im Südosten Grönlands zu
beobachten. Während vor allem an den Rändern das Eis immer
schneller schmelze, bleibe das Innere allerdings bisher unangetastet,
hieß es.
Grönland besitzt mit 2,5 Millionen Kubikkilometern die
zweitgrößte Eismasse der Erde, das sind zehn Prozent des
weltweiten Eises. Wenn die Eiskappe komplett schmelzen würde,
könnte der Wasserspiegel der Weltmeere um 6,5 Meter ansteigen.
In einer weiteren Studie berichtete ein internationales Team, dass der
Schneefall in der Antarktis bislang nicht wie von vielen Forschern
vermutet zugenommen hat. Einige Wissenschaftler hatten angenommen, dass
die Schneemenge am Südpol mit zunehmenden Temperaturen gewachsen
sei und damit den Anstieg des Meeresspiegels vermindert habe. In
wärmerer Luft entsteht mehr Schnee, da sie mehr Feuchtigkeit
enthält.
In den vergangenen fünf Jahrzehnten habe sich der Schneefall am
Südpol nicht signifikant verändert, schreiben Andrew Monaghan
von der Ohio State University und Kollegen ebenfalls in
«Science» (Bd. 313, S. 827). Die Wissenschaftler hatten
unter anderem Daten von Eisbohrkernen und Wetterbeobachtungen
ausgewertet. Allerdings seien die Schwankungen von Jahr zu Jahr sehr
groß. In den kommenden Jahrzehnten seien weitere
Satellitenbeobachtungen nötig, um die künftige
Schneeentwicklung zu beobachten.
(Quelle: dpa)