Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Streitkräfte nehmen 60 mutmaßliche Extremisten in Bagdad
fest. US-Botschafter warnt vor Beeinflussung schiitischer Extremisten im
Irak durch den Iran
So.13.08.06 - Bei einer Razzia während einer Trauerfeier in Bagdad haben die
US-Streitkräfte nach eigenen Angaben 60 mutmaßliche
Extremisten festgenommen. Die Männer hätten vermutlich
Verbindungen zu einer Al-Kaida-Zelle, die für eine Serie von
Autobombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt verantwortlich
sei, teilten die Truppen am Samstag mit. Demnach wurden die
Verdächtigen am Freitag im südlichen Stadtteil Arab Dschabur
aufgegriffen, der als Hochburg sunnitischer Aufständischer gilt.
US-Botschafter Zalmay Khalilzad warnte in einem Interview der
«New York Times» vor der Beeinflussung schiitischer
Extremisten durch den Iran. Teheran stachle die Aufständischen auf,
um Rache für die israelische Offensive gegen die schiitische
Hisbollah-Miliz im Libanon zu nehmen, wurde Khalilzad am Samstag
zitiert. Bei den schiitischen Kämpfern handele es sich um
Mitglieder einer Splittergruppe der Mahdi-Miliz des radikalen Prediger
Muktada al Sadr. Die «New York Times» berichtete unter
Berufung auf Gewährsleute von Al Sadrs Organisation, einige
Mitglieder der Mahdi-Miliz führten Angriffe auf eigene Faust aus.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundelften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.13.08.05 - Verfassungsverhandlungen auf der Kippe: Sunniten lehnen Forderungen
nach autonomen Schiitengebiet ab. Irakische El Kaida droht mit
Tötung von Verfassungsgebern im Irak +++ Zahl der Anschläge auf
US-Transporte im Irak verdoppelt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Drei Koalitionssoldaten bei Kämpfen in Afghanistan getötet
So.13.08.06 - Bei Kämpfen mit mutmaßlichen Taliban-Extremisten sind im
Nordosten Afghanistans drei Soldaten der US-geführten
Koalitionstruppen getötet worden. Zwei weitere wurden in den
Gefechten in der Provinz Nuristan am Freitag verletzt, wie ein
US-Militärsprecher am Samstag mitteilte. Zur Nationalität der
Getöteten machte er keine Angaben. Die «New York Times»
berichtete, es handele sich um Amerikaner.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
UN-Generalsekretär Annan: Waffenstillstand in Nahost ab
Montagmorgen. Noch immer Kämpfe im Libanon. Israelische
Bodenoffensive trotz neuer UN-Resolution. Chef der deutschen
Sozialdemokraten offen für Einsatz deutscher Soldaten in Nahost.
Zentralrat der Juden in Deutschland wirft ARD und ZDF einseitige
Berichterstattung vor
So.13.08.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat mit Israel und dem Libanon einen
Zeitpunkt für die vom Weltsicherheitsrat geforderte Waffenruhe
vereinbart. Wie er in New York mitteilte, soll der Krieg am
Montagmorgen um 7 Uhr deutscher Zeit enden. Er habe dies mit den
Regierungschefs Ehud Olmert und Fuad Siniora abgesprochen, so Annan.
Besser wäre es aber, wenn die Kämpfe sofort aufhörten.
Der Sicherheitsrat hatte die «vollständige Einstellung der
Feindseligkeiten» gefordert.
Derweil gehen trotz der für morgen vereinbarten Waffenruhe die
Kämpfe im Libanon weiter. Die israelische Luftwaffe griff am
frühen Morgen erneut ein palästinensisches
Flüchtlingslager im Süden des Landes an. Nach israelischen
Medienberichten starben allein gestern bei heftigen Gefechten mit der
radikalislamischen Hisbollah- Miliz elf israelische Soldaten. Der
Hisbollah gelang es, einen israelischen Hubschrauber
abzuschießen. Nach israelischen Armeeangaben kamen mindestens 40
Hisbollah-Kämpfer ums Leben.
Ungeachtet einer UN-Resolution zur Beendigung des Libanon-Konflikts hat
Israel am Samszag eine Großoffensive im Nachbarland gestartet.
Dabei sollen die israelischen Einheiten nach Angaben eines
Armeesprechers bis zum Litani-Fluss vordringen. Die Einheiten am Boden
würden "durch Luft- und Marine-Einsätze unterstützt".
Die neue Bodenoffensive der israelischen Armee im Süden Libanons
läuft nach Angaben eines israelischen Regierungssprechers zeitlich
"unbefristet". Ziel der Angriffe sei es, weitere Raketenangriffe der
Hisbollah-Miliz auf den Norden Israels zu verhindern. Bei Luftangriffen
auf einen Ort im Osten der Stadt Tyrus wurden nach Angaben der
libanesischen Polizei fünf Zilivisten getötet. In Sidon wurde
ein Elektrizitätswerk bombardiert. Im Norden des Landes flogen
Kampfjets Angriffe auf vier Verbindungsstraßen Richtung Syrien.
Die Hisbollah feuerte nach Angaben der libanesischen Polizei rund 20
Raketen auf den Norden Israels ab.
Israel startete die Bodenoffensive wenige Stunden nach dem Beschluss
des UN-Sicherheitsrats. Nach der von Frankreich und den USA
ausgearbeiteten Resolution soll die bereits bestehende Truppe der
UN-Mission im Libanon (UNIFIL) zusammen mit der libanesischen Armee die
bislang von der Hisbollah dominierte Grenzregion unter Kontrolle bringen
und wird dafür mit einem robusteren Mandat ausgestattet. Über
die Zusammensetzung der Friedenstruppe wollten die beteiligten
Länder am Samstag beraten. Frankreich ist als Führer der
Truppe im Gespräch.
Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD),
Kurt Beck, ist offen für den Einsatz deutscher Soldaten im Nahen
Osten. "Es wird sicher kein Nein geben", sagte Beck in einem Interview
für die ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Nach Auskunft von Beck
hat die SPD zusammen mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter
Steinmeier einen Friedensplan entwickelt. Kritisch äußerte
sich der SPD-Chef zur neuen Militäroffensive Israels. Positiv zu
einem Engagement der Bundeswehr in Nahost äußerten sich auch
Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker und der
Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan.
Mit Blick auf eine deutsche Beteiligung an der Umsetzung eines
Friedensplans verwies Beck in erster Linie auf Möglichkeiten, die
ein direktes Aufeinandertreffen deutscher und israelischer Soldaten
ausschließen würden, zum Beispiel eine "Sicherung von
Seeseite her". Auch könnten "über bundespolizeiliche Hilfen
die Grenzschutzmaßnahmen nach Syrien hin mit unterstützt
werden". Zum SPD-Friedensplan gehöre zudem, dass "humanitäre
Hilfen wieder möglich gemacht werden". Zum Verhalten Israels sagte
Beck: "Es passt zumindest nicht zusammen, wenn man die UN-Resolution
begrüßt und die Truppen in Bewegung setzt."
SPD-Fraktionschef Peter Struck äußerte sich vorsichtig zu
einer möglichen Beteiligung der Bundeswehr. Das sei "eine Frage,
die sich erst dann stellt, wenn die Planungen über die erweiterte
UN-Truppe konkretisiert wurden". Zugleich wies aber auch er die Warnung
früherer Generäle vor einer Überlastung der Bundeswehr
zurück. Struck stellte klar, es gebe "keine Vorentscheidung"
für einen Einsatz deutscher Soldaten, "weder von der Regierung,
noch von der Fraktionsspitze".
Von Weizsäcker sagte zu einer Beteiligung deutscher Soldaten an
einer UN- Friedensmission im Libanon: "Im Prinzip müssen wir
bereit sein, zu einer Friedensregelung aktiv beizutragen." Erforderlich
sei dafür ein klares Mandat des UN-Sicherheitsrats.
Auch Schneiderhan äußerte sich positiv zu einem Einsatz der
Bundeswehr im Libanon-Konflikt. Zwar verwies auch er darauf, dass
zunächst das Mandat für die internationale Truppe abgewartet
werden müsse. "Aber allgemein muss ich sagen, dass wir noch nicht
in allen Streitkräften bis zum Anschlag in Einsätzen gebunden
sind. Wir haben auch nicht gebundene Fähigkeiten".
In Berlin demonstrieren nach Veranstalterangaben rund 3000 Menschen
für einen sofortigen Waffenstillstand im Libanon.
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Salomon Korn, hat die Berichterstattung von ARD und ZDF über den
Libanon-Krieg als einseitig kritisiert. «In den Fernsehbildern
von ARD und ZDF sind die Israelis meist nur die Täter und die
Libanesen immer nur die Opfer», sagte Korn laut einem
Vorabbericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Korn
betonte, es seien jedoch auch in Israel eine Million Menschen auf der
Flucht. Dies zeige jedoch kaum jemand.
«Wo sind denn die Bilder von den Toten und Verwundeten auf
israelischer Seite? Wer zeigt denn die israelischen Kinder, die seit
Jahren traumatisiert in den Bunker müssen?», fragte Korn.
Zudem werde nicht erwähnt, dass die Hisbollah eine
Terrororganisation sei und dass sie einen demokratischen Staat
angegriffen habe. Vielen gehe es «unbewusst» darum, "offene
Rechnungen mit Israel aus der Vergangenheit zu begleichen», sagte
Korn.
Die Chefredakteure von ARD und ZDF haben eine Einseitigkeit in der
Berichterstattung über den aktuellen Nahostkonflikt
bestritten. Thomas Baumann (ARD) und Nikolaus Brender (ZDF)
erklärten, dieser Vorwurf sei nicht gerechtfertigt.
«ARD und ZDF gehen in ihren Nachrichtensendungen stets auf beide
Seiten ein. Unsere Korrespondenten erwähnen und zeigen die Opfer
auf beiden Seiten.» Der Eindruck Korns, Israel werde vor allem
als Angreifer gezeigt, könnte daran liegen, dass es sich bei
diesem Krieg um einen asymmetrischen Konflikt handele, heißt es
in der Stellungnahme der Sender. Eine reguläre Armee stehe einer
bewaffneten Miliz gegenüber.
Die israelische Armee lade Berichterstatter sogar ein, über ihre
Angriffe zu berichten. «Von den Raketen-Angriffen der Hisbollah
gibt es nur Bilder über die Einschläge und die Opfer im
Norden Israels. Die aber nehmen in unserer Berichterstattung, anders
als von Herrn Korn kritisiert, einen breiten Raum ein»,
erklärten ARD und ZDF. «Ebenso zeigen wir natürlich die
Bilder von Opfern israelischer Angriffe in Beirut und im
Südlibanon. Es kann nicht Aufgabe von ARD und ZDF sein, wegen der
Asymmetrie dieses Krieges Bilder, über die sie verfügen,
bewusst zurückzuhalten. Das wäre
Nachrichtenmanipulation.»
Weil Bilder aber nicht die ganze Wahrheit dieses Konfliktes zeigen
könnten, hätten ARD und ZDF von Anfang an ihre
Korrespondenten Hintergründe erklären lassen, um die Ursachen
verständlich zu machen. In Sondersendungen habe die Argumentation
der israelischen Regierung einen breiten Raum eingenommen, und immer
wieder seien alle Facetten des Konflikts beleuchtet worden.
(Quellen: ap, ddp, dpa, afp)
Stichwort: UN-Resolution zum Libanon-Konflikt
Nach langem Ringen hat der UN-Sicherheitsrat am Freitagabend einstimmig
eine Resolution zum Libanon-Konflikt verabschiedet. Die wichtigsten
Punkte der Entschließung im Überblick:
- Israel und die Hisbollah werden aufgerufen, ihre Kampfhandlungen
«vollständig» einzustellen.
- Mit Beginn einer Waffenruhe wird die UN-Truppe im Südlibanon
(UNIFIL) von 2.000 auf 15.000 Soldaten aufgestockt. Sie soll unter
anderem helfen, die Stationierung von 15.000 libanesischen Soldaten und
den gleichzeitigen Rückzug der israelischen Streitkräfte zu
koordinieren.
- Als Schritt hin zu einer dauerhaften Waffenruhe und einer politischen
Lösung des Konflikts sollen die militärischen Gruppen im
Libanon entwaffnet werden. Außerdem soll die so genannte Blaue
Linie, die von den UN festgelegte Grenze zwischen Israel und dem
Libanon, respektiert werden.
- Die libanesische Regierung soll ihre Autorität über das
gesamte Staatsgebiet ausdehnen. Es darf keine bewaffneten Gruppen
außer den libanesischen Streitkräften geben.
- Die internationale Gemeinschaft soll unverzüglich ihre
finanzielle und humanitäre Hilfe für die libanesische
Bevölkerung ausweiten. Unter anderem soll Flüchtlingen eine
sichere Rückkehr ermöglicht werden.
Quelle_ ap, 12.08.06
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Internationaler Appell zur Beendigung der Kämpfe in Sri Lanka
So.13.08.06 - Angesichts der blutigen Gefechte in Sri Lanka hat die internationale
Gemeinschaft an Rebellen und Regierung appelliert, an den
Verhandlungstisch zurückzukehren. Die EU, die USA, Japan und
Norwegen forderten die Konfliktparteien in einer am Samstag
veröffentlichten Erklärung auf, die Kämpfe einzustellen.
«Das Leid, das unschuldigen Zivilisten zugefügt wird, ist
unerträglich», schreiben die Initiatoren.
Im nordöstlichen Bezirk Trincomalee hätten wegen der seit
drei Wochen anhaltenden Gewalt bereits zehntausende Zivilisten ihre
Häuser verlassen müssen, heißt es in der Stellungnahme
weiter. Die Regierungstruppen und die Befreiungstiger von Tamil Eelam
(LTTE) müssten umgehend Schritte ergreifen, um Hilfsorganisationen
Zugang zu den Flüchtlingen zu gewähren. Zudem sei eine
unabhängige Untersuchung mutmaßlicher
Menschenrechtsverletzungen erforderlich, darunter die Ermordung von 17
einheimischen Mitarbeitern der französischen Hilfsorganisation
Aktion gegen Hunger.
Die LTTE griffen am Samstag nach Angaben der Regierungstruppen einen
Marinestützpunkt auf der Halbinsel Jaffna an. Dabei seien
mindestens ein Zivilist getötet und drei weitere verletzt worden,
sagte Militärsprecher Upali Rajapakse. Der Stützpunkt in
Trincomalee dient der Versorgung der 40.000 auf Jaffna stationierten
Soldaten. Die Halbinsel ist umgeben von Gebieten, die von den Rebellen
kontrolliert werden.
(Quelle: ap)
Kandidaten beklagen Unregelmäßigkeiten bei Wahlen im Kongo
So.13.08.06 - Rund die Hälfte der Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl
im Kongo hat "massive Unregelmäßigkeiten" bei dem Wahlgang
vom 30. Juli beklagt. "Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen
sind nicht unter den minimalen Bedingungen der Transparenz erfolgt und
können auf keinen Fall eine neue demokratische Ordnung bringen",
heißt es in einer Erklärung von 15 der 33 Anwärter auf
das höchste Staatsamt. Sie warfen der internationalen Gemeinschaft
vor, die Unregelmäßigkeiten "wie Komplizen zu verschweigen".
Zu den Unterzeichnern zählen Wissenschaftsminister Gérard
Kamanda, Solidaritätsministerin Catherine Nzuzi wa Mbombo sowie
Guy-Patrice Lumumba, ein Sohn des ersten Regierungschefs nach der
Unabhängigkeit von Belgien 1960.
Nach den bis zum Freitag vorliegenden Auszählungsergebnissen von
rund 13 Prozent der Stimmen lag bei der Präsidentschaftswahl
Amtsinhaber Joseph Kabila mit 49,1 Prozent klar in Führung. Auf
Vize-Präsident Jean-Pierre Bemba entfielen demnach 19,6 Prozent.
Für eine Direktwahl im ersten Wahlgang wäre die absolute
Mehrheit erforderlich. Ansonsten wird eine Stichwahl erforderlich, die
im Oktober stattfinden soll.
(Quelle: afp)
Experte: Aids-Ausbreitung verschärft Armut in
Entwicklungsländern
So.13.08.06 - Die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids wird nach Ansicht
von Experten zu einem enormen wirtschafts- und entwicklungspolitischen
Problem für die am stärksten betroffenen Staaten Afrikas. Aids
verschärfe die Armut in Entwicklungsländern. «Denn die
Krankheit trifft die jüngeren Erwachsenen und damit die mittlere
Generation, die die eigenen Kinder und die eigenen Eltern versorgen
müsste», sagte das Geschäftsführende
Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Stiftung, Ulrich Heide, der
«Sächsischen Zeitung» (Samstagausgabe). Heide nimmt an
der am Sonntag beginnenden Welt-Aids-Konferenz in Toronto (Kanada) teil.
Nach Einschätzung Heides gibt es auch in Afrika Fortschritte bei
der Aids-Bekämpfung. In Uganda und Kenia sei es gelungen, die Zahl
der Neuinfektionen zu senken. Dagegen breite sich vor allem in
bevölkerungsreichen Staaten Asiens die Krankheit nahezu ungebremst
aus.
(Quelle: ddp)
Britische Muslime: Blairs Nahost-Politik schürt Extremismus
So.13.08.06 - Britische Muslime haben Premierminister Tony Blair angesichts der
zunehmenden Bedrohungen durch den Terrorismus zu einer Änderung
seiner Nahost-Politik aufgefordert. In einem offenen Brief
erklärten 38 Muslimorganisationen am Samstag, das
«Debakel» im Irak und Londons Stillhalten angesichts der
Angriffe auf Zivilisten im Nahen Osten schüre den Extremismus auch
in Großbritannien und gefährde dort Menschenleben.
Blair müsse «der Welt zeigen, dass wir das Leben von
Zivilisten hoch schätzen, wo auch immer sie leben und was auch
immer ihre Religion ist». Der offene Brief, der als Anzeige in
britischen Tageszeitungen erschien, wurde von muslimischen Mitgliedern
beider Kammern des britischen Parlaments unterzeichnet. Zu den
Organisationen, die den Appell an Blair unterstützten, gehört
der einflussreiche Rat britischer Muslime.
Sie reagierten damit auf die Aufdeckung angeblicher Pläne für
spektakuläre Selbstmordangriffe auf Passagierflugzeuge am
vergangenen Donnerstag. Die Polizei hat mehr als 20 mutmaßliche
Täter festgenommen, von denen die meisten britische Muslime sind.
Die Nahost-Politik der Blair-Regierung werde von Muslimen weithin als
unfair und ungerecht angesehen, erklärte der Unterhaus-Abgeordnete
Sadik Khan. «Eine solche Wahrnehmung spielt Extremisten in die
Hände.» Moderate Muslime in Großbritannien würden
alles in ihren Kräften stehende tun, um den Extremismus zu
bekämpfen. Sie hofften jedoch, dass die Regierung sie dabei
unterstütze «und zwar nicht nur, indem sie die Regeln
für Handgepäck ändert, sondern indem sie sich als Anwalt
der Gerechtigkeit in der Welt zeigt».
(Quelle: dpa)
Londoner Terrorverdächtige hatten offenbar Kontakte nach
Deutschland
So.13.08.06 - Einige der in London festgenommenen mutmaßlichen Terroristen
hatten offenbar Kontakte nach Deutschland. Wie der "Focus" berichtet,
war einer der Verhafteten bekannt mit Nese Bahaji, der Frau des
mutmaßlichen Terroristen Said Bahaji. Dieser 31-jährige
Deutsch-Marrokaner lebte demnach mit einigen der Attentäter des 11.
September in deren Hamburger Wohngemeinschaft. Er war kurz vor den
Anschlägen auf das World Trade Center nach Pakistan geflohen.
"Offenbar gab es einige Kontakte der mutmaßlichen Attentäter
nach Deutschland, diese Kontakte überprüfen wir", sagte der
Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, der "Bild
am Sonntag". "Deutschland war jedoch von den Anschlagsplanungen nicht
unmittelbar betroffen", fügte Hanning mit Blick auf die britischen
Ermittlungen hinzu.
(Quelle: dpa)
'Diffuse Terrorsekte, die einer apokalyptischen Endzeitlogik folgt'
(...) Die meisten der Attentäter, so viel steht offenbar schon
fest, sind britische Staatsbürger pakistanischer Herkunft. Wie
schon bei den Londoner U-Bahn-Attentaten im vergangenen Jahr handelt es
sich dabei also um eine besondere Form des "homegrown terrorism". Was
macht junge muslimische Briten so anfällig für eine
Radikalisierung?
Schon seit der Rushdie-Affäre von 1989 ist klar, dass
Großbritannien ein ernsthaftes Problem mit radikalen Muslimen hat.
Nirgendwo in Europa ist die Entfremdung der muslimischen Minderheit so
groß wie in England, das weiß man aus Meinungsumfragen; und
nirgendwo sonst sind radikale Stimmen lauter, das hat sich zuletzt beim
Karikaturenstreit gezeigt.
Der ideologische Einfluss islamistischer Kreise aus Pakistan spielt
dabei eine große Rolle. Denn Pakistan ist einerseits enger
Verbündeter der USA im "Kampf gegen den Terror". Andererseits ist
das Land mit seinen Koranschulen die Geburtsstätte der Taliban, die
Kaderschmiede von al-Qaida & Co und somit eine der Wiegen des
weltweiten islamistischen Terrors.
Mit "islamischem Faschismus", wie US-Präsident Bush den Feind
benannte, hat das eher weniger zu tun. Denn Ziel der Attentäter,
die sich in London und anderswo der al-Qaida-Methode bedienen, ist ja
nicht die Machtergreifung in einem Staat, sondern die spektakuläre
Aktion. Al-Qaida ist eben keine islamistische Partei oder politische
Bewegung wie die libanesische Hisbollah oder die Muslimbrüder,
sondern eine diffuse Terrorsekte, die einer apokalyptischen Endzeitlogik
folgt. Gerade das macht es so schwer, sie in den Griff zu bekommen.
Aus dem taz-Kommentar vom 12.08.06
http://www.taz.de/pt/2006/08/12/a0031.1/text
|
Zur Terrorausbildung nach Pakistan
Präsident Musharraf braucht zur Sicherung seiner Macht die
Islamisten. Daher duldet er ihre Koranschulen und militärischen
Ausbildungslager... Mehr in der taz vom 12.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/12/a0109.1/text
Deutschland
SPD-Linke wollen Unternehmensteuerreform kippen
So.13.08.06 - In der SPD formiert sich immer stärkerer Widerstand gegen die
geplante Reform der Unternehmenssteuern. Laut einem Vorabbericht des
Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» will die Parlamentarische
Linke (PL) der SPD-Bundestagsfraktion das Vorhaben kippen. Demnach
meldeten die Sprecher der PL, Ernst Dieter Rossmann und Niels Annen, bei
einem Treffen mit Fraktionschef Peter Struck erneut «massive
Bedenken» an.
Laut «Spiegel» hat die Parteilinke zudem
«Brandbriefe» an die Mitglieder der SPD-Führung
verschickt. Darin würden die «Spitzengenossen» davor
gewarnt, die Regierungspläne in der jetzigen Form weiter zu
verfolgen. Die Linken, die in der SPD-Fraktion rund hundert Abgeordnete
stellen, bezeichnen die Pläne als fiskalisch unseriös.
Angesichts der schlechten Haushaltslage seien mögliche
Steuerentlastungen für Unternehmen kaum zu realisieren. Zudem sei
es der SPD-Basis nur schwer vermittelbar, dass die Unternehmen entlastet
werden sollten, während die Mehrwertsteuer für alle
Bürger steige.
Im Koalitionsausschuss hatten sich Union und SPD Anfang Juli
grundsätzlich darauf verständigt, die Unternehmenssteuern so
weit abzusenken, dass dies für die Firmen zu einer Nettoentlastung
von bis zu fünf Milliarden Euro führen würde. Das Konzept
von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) soll 2008 in Kraft treten.
(Quelle: ddp)
Gabriel macht Glos Zuständigkeit für Energiepolitik streitig
So.13.08.06 - Im regierungsinternen Streit um die Zuständigkeit für
Energiepolitik geht Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erneut auf
Konfrontationskurs zu Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Wie die
«Welt» (Montagsausgabe) berichtet, will Gabriel die für
erneuerbare Energien zuständige Abteilung seines Ministeriums
durch eine neue, dritte Unterabteilung allgemeine Energiepolitik
erweitern. Für allgemeine Energiepolitik ist nach bisheriger
Arbeitsteilung jedoch das von Glos geführte
Bundeswirtschaftsministerium zuständig.
Nach «Welt»-Informationen soll der neue Bereich des
Bundesumweltministeriums bereits unmittelbar nach der Sommerpause die
Arbeit aufnehmen. Unklar ist noch, wie viele Referate zur Unterabteilung
gehören sollen. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums wollte
die Pläne auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren.
(Quelle: ap)
E.ON will die Strompreise anheben
So.13.08.06 - Auf die deutschen Verbraucher kommt zum Jahreswechsel eine weitere
Erhöhung der Strompreise zu. Der E.ON- Konzern wolle eine Anhebung
zum 1. Januar beantragen, bestätigte ein Sprecher der
Vertriebstochter E.ON Energie der «Berliner Zeitung».
Zur Höhe der Anhebung wollte sich E.ON nicht äußern.
Nach Informationen der Zeitung soll der Aufschlag ohne
Berücksichtigung des höheren Mehrwertsteueraufwands rund sechs
Prozent betragen. Der Sprecher sagte, zu der Preiserhöhung gebe es
schon deshalb keine Alternative, weil die von der Bundesregierung
beschlossene Mehrwertsteueranhebung von 16 auf 19 Prozent Anfang 2007
auch auf die Stromtarife durchschlage. Darüber hinaus gibt E.ON
gestiegene Beschaffungs- und Brennstoffkosten als Grund an. Von
Tariferhöhungen bei E.ON wären mehrere Millionen Haushalte
betroffen.
Aufseher und Politiker in Deutschland kritisieren die stetig steigenden
Strompreise als zu hoch. Die Bundesnetzagentur versucht als Regulierer,
die Teuerung zu bremsen. Das will sie unter anderem durch eine Senkung
der Entgelte für die Nutzung der Stromnetze durch andere Anbieter
erreichen. So verpflichtete sie zunächst im Juni Vattenfall, die
Netzgebühren um 18 Prozent zu senken. Später schrieb sie auch
EnBW und RWE Abstriche von acht und neun Prozent vor. Die Netzentgelte
machen 20 bis 30 Prozent des Strompreises aus. Die Konzerne kritisieren
die Auflagen. Vattenfall gab die befürchteten
Ergebniseinbußen durch den Kurs des Regulierers auf niedrigere
Netzentgelte im kommenden Jahr zuletzt mit 300 Millionen Euro an.
Die Erhöhung der Strompreise muss von den regionalen
Gesellschaften der Konzerne bei den Behörden der Bundesländer
beantragt werden. Diese stehen den Plänen kritisch gegenüber.
So hatte Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel Ende 2005 die
Anträge auf Preisanhebungen abgelehnt. Für den kommenden
Jahreswechsel drohte er an, eine Senkung der Tarife anzuordnen. Auch
andere Bundesländer prüfen ein Vorgehen gegen die
Preiserhöhungen.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnte die Stromkonzerne
Ende Juli vor weiteren Preiserhöhungen. «Die Strompreise sind
schon in ihrer jetzigen Höhe für die Verbraucher kaum
nachvollziehbar», sagte er in einem Zeitungsinterview. Er sei
sicher, dass die Wirtschaftsminister der Länder entsprechende
Anträge der Versorger «sehr genau prüfen werden, um
ungerechtfertigte Preissteigerungen zu unterbinden».
(Quelle: dpa)
Offenbar mehr NS-Belastete beim Bund der Vertriebenen als bekannt
So.13.08.06 - Unter früheren Spitzenfunktionären des Bundes der
Vertriebenen (BdV), seiner Vorläufer- und Mitgliedsorganisationen
gibt es offenbar weit mehr NS-Belastete als bisher bekannt. Das
berichtet das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» unter
Berufung auf eigene Recherchen. Demnach finden sich mehr als ein
Drittel von knapp 200 hochrangigen Funktionsträgern aus den Jahren
vor 1982 auch in der Mitgliederkartei der NSDAP oder werden durch
andere Quellen belastet.
Darunter sind nach diesen Angaben allein drei ehemalige
BdV-Generalsekretäre und mehrere Vizepräsidenten des
Vertriebenen-Dachverbands. In mehreren Fällen stieß der
«Spiegel» demnach auf Hinweise, die die Frage nach der
Verwicklung späterer Vertriebenen-Offizieller in den Holocaust
aufwerfen. So sei ein baden-württembergischer Funktionär
Mitglied der «Einsatzgruppe A» gewesen, die nach dem
Überfall auf die Sowjetunion 1941 in Lettland an Massenmorden
beteiligt war. Während der Deportation der ungarischen Juden nach
Auschwitz habe der Betroffene in Budapest als persönlicher
Referent des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und SD gedient.
Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach,
erklärte im «Spiegel»-Interview, der BdV habe sich bei
der Abgrenzung von ehemaligen Nationalsozialisten «nichts
vorzuwerfen». Man müsse «unterscheiden, ob jemand nur
Mitläufer war oder eine Funktion ausgeübt hat, die nicht
erträglich ist für einen Verband». Eine Aufarbeitung
der Verbandsgeschichte lehnte Steinbach ab: «Das kostet Geld, das
wir nicht haben.»
(Quelle: ap)
Stichwort: Waffen-SS
Die Waffen-SS war eine paramilitärische Organisation der SS. Sie
ging aus den so genannten politischen Bereitschaften und den
SS-Sonderkommandos hervor und hieß anfangs
SS-Verfügungstruppe. Die Bezeichnung Waffen-SS kam erst im Winter
1939/40 auf.
Sie wurde in der Hierarchie der Kampfverbände im Laufe des Krieges
als militärische Elitetruppe des «Reichsführers»
der SS, Heinrich Himmler, positioniert. Als solche erhielt sie im Krieg
die beste und modernste Ausrüstung und wurde propagandistisch mit
einem Nimbus der Unschlagbarkeit umgeben.
Die Waffen-SS war führend an einer Vielzahl von
kriegsverbrecherischen Einsätzen im Zweiten Weltkrieg beteiligt.
Als verbrecherische Organisation gilt sie besonders wegen ihrer aktiven
Rolle beim Holocaust. Des weiteren brach die Waffen-SS mehrfach damals
geltendes Kriegsrecht, indem sie Kriegsgefangene hinrichtete oder
Zivilisten, darunter auch Kinder, verschiedener Ethnien ermordete.
Mehr unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Waffen-SS
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Geteilte Reaktionen auf Waffen-SS-Bekenntnis von Grass
So.13.08.06 - Das überraschende Bekenntnis von Autor Günter Grass, in
seiner Jugend Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, hat geteilte
Reaktionen ausgelöst. Politiker und mehrere Autoren kritisierten
vor allem den späten Zeitpunkt. Der Historiker Michael Wolffsohn
zog gar den moralischen Wert des Lebenswerkes des
Literaturnobelpreisträgers in Zweifel. Dagegen warnte der
Kölner Schriftstellers Dieter Wellershoff, den Schriftsteller
moralisch abzuurteilen.
«Man lebt in der Welt, in die man hinein geboren wird»,
sagte der 80-jährige Wellershof dem «Kölner
Stadt-Anzeiger». Dass Grass sein Schweigen über die eigene
Rolle im Nationalsozialismus erst jetzt breche, wollte Wellershoff nicht
bewerten. Möglicherweise habe er
«Kritikwütigkeit» gefürchtet.
Grass hatte in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» erklärt, er sei als 17-Jähriger aus dem
Reichsarbeitsdienst nach Dresden zur Waffen-SS einberufen worden und
habe der zehnten SS-Panzerdivision «Frundsberg»
angehört. Er berichtet davon auch in seinem neuen Buch «Beim
Häuten der Zwiebel», das im September im Steidl-Verlag
erscheinen wird.
In dem Interview sagte der Literaturnobelpreisträger zu seinen
Erlebnissen im Krieg: «Das hat mich bedrückt. Mein Schweigen
über all die Jahre zählt zu den Gründen, warum ich dieses
Buch geschrieben habe. Das musste raus, endlich.»
«Ein bisschen spät kommt das», sagte der deutsche
Schriftsteller Walter Kempowski dem Berliner «Tagesspiegel»
und fügte an: «Auch für Grass gilt das Wort aus der
Bibel: Wer selbst ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.»
Für Historiker Wolffsohn kommt das Waffen-SS-Geständnis zu
spät. «Durch sein beharrliches Schweigen wird Grass'
moralisierendes, nicht sein fabulierendes Lebenswerk entwertet»,
schreibt Wolffsohn in einem Gastbeitrag für die
«Netzeitung». «Bleiben werden Grass' Worte, nicht
seinen Werte.»
Wolffsohn kritisiert, dass der «Wahrheitströpfler»
Grass vor 21 Jahren, im April 1985, «eine goldene
Gelegenheit» gehabt hätte, seine Waffen-SS-Mitgliedschaft
einzuräumen. Damals diskutierten Deutschland und die Welt, wie
Wolffsohn erinnert, «heftig» über den Besuch des
Soldatenfriedhofs in Bitburg durch Bundeskanzler Helmut Kohl und
US-Präsident Ronald Reagan: «Sollten sie gemeinsam auf den
dortigen Friedhof gehen, wo auch Soldaten der Waffen-SS lagen? Sie
gingen.»
Und so seien damals beide als «Reinwäscher der SS und
besonders der Waffen-SS» national und international von vielen
verunglimpft worden. «Damals, im April 1985, hätte Grass
aufstehen und erklären sollen: 'Auch ich war dabei'»,
erklärte Wolffsohn. Mit seinem Eingeständnis hätte Grass
die «unsäglich undifferenzierte Diskussion im In- und
Ausland» über den Bitburg-Besuch versachlicht.
Auch für den CDU-Politiker Friedbert Pflüger wäre der
Bitburg-Besuch der richtige Zeitpunkt für ein solches Bekenntnis
gewesen. Der Berliner «B.Z.» sagte er: «Damals
hätte er sein großes Ansehen einsetzen müssen, um
gegenüber der Welt zu erklären, wie es im
nationalsozialistischen Deutschland dazu kommen konnte, dass junge
Menschen zur Waffen-SS kamen - Zivilcourage bedeutet, sich nicht nur
moralisierend zu äußern, wenn es wohlfeil ist, sondern auch
wenn man dabei etwas zu verlieren hat.»
(Quelle: ap)