Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsechsundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Wieder fast 50 Tote bei Anschlägen in Bagdad. Verhaftungswelle
soll Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten stoppen. Irakische Polizei
fischt zwölf Leichen aus dem Tigris. Schiiten fordern
'Volkskomitees' zum Schutz ihrer Viertel
Mo.14.08.06 - Die irakische Hauptstadt Bagdad ist einmal mehr von einer Serie von
Anschlägen erschüttert worden. Dabei wurden mindestens 47
Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Nach BBC-Angaben
traf zunächst eine Rakete ein Haus. Als Nachbarn versuchten,
Verletzte mit bloßen Händen zu retten, sei eine Autobombe
explodiert. Das Gebäude stürzte ein. Kurz danach sprengte
sich ein Selbstmordattentäter in einer Menschenmenge mit seinem
Motorrad in die Luft.
Angesichts von zunehmenden Warnungen vor einem Bürgerkrieg
zwischen Sunniten und Schiiten im Irak gehen die US-Streitkräfte
verstärkt gegen Scharfmacher auf beiden Seiten vor. Während
einer Trauerfeier in Bagdad wurden 60 mutmaßliche Extremisten
festgenommen.
Die Männer sollen in Verbindungen zu einer Al-Kaida-Zelle stehen,
die für eine Serie von Autobombenanschlägen in der irakischen
Hauptstadt verantwortlich gemacht wird. Die Razzia fand nach
US-Militärangaben vom Samstag im südlichen Stadtteil Arab
Dschabur statt, das als Hochburg sunnitischer Aufständischer gilt.
Am Sonntagmorgen verhafteten US-Soldaten sieben schiitische Wachleute
des irakischen Gesundheitsministers Ali al Schemari, wie dieser unter
Protest mitteilte. Der Gesundheitsminister ist ein Parteigänger des
radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al Sadr, dessen Mahdi-Miliz
der Tod von mehreren tausend Sunniten vorgeworfen wird.
Die Spannungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen haben seit dem
22. Februar ständig zugenommen - damals wurde ein Bombenanschlag
auf die schiitische Askarija-Moschee in Samarra verübt, der das
Gebäude teilweise zerstörte. Zur Eindämmung der Gewalt
wurden in der vergangenen Woche 12.000 zusätzliche amerikanische
und irakische Soldaten in Bagdad stationiert. US-Generalstabschef Peter
Pace räumte ein, noch vor einem Monat habe die
Militärführung gehofft, die Zahl der im Irak stationierten
Soldaten verringern zu können. Seither habe die Gewalt zwischen
irakischen Sunniten und Schiiten aber deutlich zugenommen.
Bei einem Anschlag auf ein Geschäft in Basra, das CDs mit
Predigten und Interviews Al Sadrs verkauft, wurden am Samstag zwei
Menschen getötet. Bei Feuerüberfällen in anderen
Landesteilen kamen mindestens fünf weitere Iraker ums Leben.
Irakische Polizisten haben am Samstag zwölf Leichen aus dem Fluss
Tigris geborgen. Die überwiegend mit Kopfschüssen
getöteten Männer wurden nahe der Ortschaft Suwajra an einem
Metallgitter entdeckt, dass im Fluss treibende Pflanzen abfangen soll,
wie die Polizei mitteilte. Es sei unwahrscheinlich, dass die Männer
alle gleichzeitig getötet worden seien. Suwajra liegt rund 40
Kilometer südlich von Bagdad.
Zwei Tage nach dem Anschlag in der Schiitenstadt Nadschaf haben am
Samstag mehrere Schiitenparteien die Bildung von "Volkskomitees"
gefordert, die ihre Viertel schützen sollten. Die Menschen
müssten eine Chance erhalten, sich gegen sunnitische Extremisten
und Anhänger des früheren irakischen Präsidenten Saddam
Hussein zu verteidigen, sagte der Chef der größten
Schiitenbewegung SCIRI, Abdel Asis Hakim, am Samstag. Dies hatte zuvor
bereits der radikale Schiitenführer Moktada Sadr gefordert. Die
US-Armee steht dem ablehnend gegenüber.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 14.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundzwölften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Mehr als 20 Tote bei Kämpfen und Anschlägen in Afghanistan
Mo.14.08.06 - Die Gewalt in Afghanistan hat am Wochenende mehr als 20 Menschen das
Leben gekostet. Bei einem Angriff auf einen Posten der afghanischen
Streitkräfte kamen am Sonntag mindestens 18 Aufständische und
fünf Soldaten ums Leben. Die US-geführten Koalitionstruppen
teilten weiter mit, bei den Kämpfen in der Provinz Paktika seien
zudem sechs Soldaten verwundet worden.
In der südafghanischen Provinz Helmand wurden nach Polizeiangaben
am Samstagabend sechs Taliban-Kämpfer getötet. Die
Kämpfe in der Bergregion Thakhapul hielten am Sonntag an, wie die
Polizei am Sonntag mitteilte.
Bei einem Überfall mutmaßlicher Taliban-Kämpfer im
Nordosten des Landes kamen drei US-Soldaten ums Leben. Ein
US-Militärsprecher erklärte am Samstag, die Patrouille sei am
Freitag im Bezirk Wajgal der Provinz Nuristan mit Granaten angegriffen
worden. Die Kameraden der Getöteten hätten mit
Artilleriefeuer reagiert, bei dem Gefecht seien drei weitere Soldaten
und eine Zivilperson verletzt worden. Die US-geführten
Koalitionstruppen in Afghanistan haben erst kürzlich
Stützpunkte in Nuristan bezogen.
Bei einem Granatangriff auf ein Haus im Osten des Landes wurden 20
Menschen verletzt, darunter Frauen und Kinder. Der Polizeichef in der
Provinz Kunar, Abdul Dschalal Dschalal, erklärte am Sonntag, Ziel
des Angriffs sei offenbar ein indisches Straßenbauunternehmen
gewesen. In der Provinz Baghlan im Norden Afghanistans kam es zu einem
Feuergefecht zwischen Polizisten. Einer von ihnen wurde getötet,
weitere vier wurden verletzt. Der Auslöser des Gefechts wurde
nicht bekannt. In Sabul blockierten Aufständische die
Hauptstraße zwischen Kabul und Kandahar. Sie raubten drei
Lastwagen und setzten zwei weitere in Brand, wie Polizeichef Nur
Mohammad Paktin erklärte.
Im Süden Afghanistans wurde am Freitag ein Stützpunkt der
internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF beschossen, dabei
erlitten drei estnische Soldaten Verletzungen. Zwei von ihnen waren am
Samstag aber bereits wieder einsatzfähig, wie die estnischen
Streitkräfte in Tallinn mitteilten. Estland hat 78 Soldaten in der
Provinz Helmand stationiert, sie gehören einer von
Großbritannien geführten Brigade an.
Seit Anfang des Jahres sind bei Angriffen der 2001 gestürzten
Taliban und Drogenbanden sowie bei Einsätzen der ausländischen
Truppen fast 1800 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen
im Süden und Osten Afghanistans. Die Nato, die Ende Juli die
Kontrolle über den Süden übernommen hat, will ihren
Einsatz in den kommenden Monaten auch auf den Osten ausweiten.
(Quelle: ap, rtr)
Nahost-Konflikt
Libanon und Israel stimmen der Waffenstillstandsresolution der UN zu.
Heftige Kämpfe vor Waffenruhe - Dutzende Menschen sterben bei neuen
israelischen Luftangriffen. Solana: EU leistet Beitrag für robuste
UN-Schutztruppe in Nahost. Israel zu Gefangenenaustausch mit der
Hisbollah bereit. Israels Botschafter wirft deutschen Medien
Einseitigkeit vor
Mo.14.08.06 - Das israelische Kabinett hat am Sonntag die Waffenstillstandsresolution
der Vereinten Nationen gebilligt. Die Entscheidung fiel mit 24 Stimmen
bei einer Enthaltung, wie aus Regierungskreisen verlautete. Der Stimme
enthalten habe sich der frühere Verteidigungsminister Schaul Mofas.
Bereits einen Tag zuvor hatte die libanesische Regierung der
Entschließung zugestimmt. Auch die schiitische Hisbollah-Miliz hat
Kooperationsbereitschaft signalisiert. Hisbollah-Führer Hassan
Nasrallah erklärte, seine Gruppierung billige die UN-Resolution,
auch wenn der Text "ungerecht" sei. Solange sich israelische Truppen im
Südlibanon befänden, sei aber "der Krieg nicht beendet.
Die israelische Armee bestätigte den Beginn der Waffenruhe am
(heutigen) Montagmorgen. Wenn Soldaten attackiert würden,
würden sich diese aber verteidigen, zitierte ein
Regierungsmitarbeiter Armeechef Dan Halutz.
Wenige Stunden vor Inkrafttreten der Feuerpause haben sich Israel und
die libanesische Hisbollah- Miliz weiter heftige Kämpfe geliefert.
Bis in die Nacht setzte Israel den Beschuss fort. Die Waffenruhe
beginnt heute um 7 Uhr deutscher Zeit. Das libanesische Kabinett
vertagte gestern eine Dringlichkeitssitzung im Streit um die
Entwaffnung der Hisbollah. Das verlautete aus einer Regierungsquelle in
Beirut. Nach Presseberichten lehnt es die Hisbollah ab, die Waffen
abzugeben.
Bei schweren Luftangriffen der israelischen Armee im Libanon sind
Dutzende Menschen getötet worden. In der Hauptstadt Beirut starben
nach Behördenangaben mindestens 15 Menschen, als Kampfflugzeuge in
drei Angriffswellen Bomben über den schiitischen Vierteln im
Süden der Stadt abwarfen. Den Angaben zufolge wurden 16
Gebäude vollständig zerstört. Insgesamt seien 33
Bombenexplosionen gezählt worden. Die Arbeiten zur Bergung
Verschütteter hätten wegen neuer Angriffe mehrmals
unterbrochen werden müssen, hieß es bei den Behörden.
Rund 30.000 israelische Soldaten stießen am Wochenende weiter in
Richtung des Flusses Litani vor. Bei Kämpfen mit
Hisbollah-Aktivisten wurden allein am Samstag nach Armeeangaben 24
israelische Soldaten getötet. Es war der blutigste Tag für
die Armee seit Beginn der Kämpfe. Nach Angaben des Senders El
Arabija wurden am Sonntag sieben weitere israelische Soldaten
getötet.
In der in der Nacht zum Samstag verabschiedeten Resolution der
Vereinten Nationen (UN) wird ein "vollständiges Ende der
Kampfhandlungen" gefordert. Israel muss demnach alle "offensiven
Militäreinsätze" unverzüglich beenden. Die Hisbollah muss
ebenfalls ihre Angriffe einstellen. Geplant ist zudem die Entsendung von
15.000 Friedenssoldaten in den Südlibanon, die dem
Waffenstillstand schützen sollen. Demnach hat sie ein Mandat, "alle
notwendigen Aktionen" zu unternehmen, um dieser Pflicht nachzukommen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich bereits mit den
Konfliktparteien darauf verständigt, dass die Waffen ab Montag
7.00 Uhr (MESZ) ruhen.
EU-Chefdiplomat Javier Solana hat sich derweil zuversichtlich gezeigt,
dass bereits sehr bald eine internationale Schutztruppe unter
europäischer Beteiligung im Südlibanon stationiert werden kann.
Diese Truppe werde aller Voraussicht nach ein robustes Mandat haben,
sagte Solana am Sonntag in Jerusalem vor Journalisten. Solana hält
sich derzeit zum dritten Mal seit Beginn des Konflikts zwischen der
Hisbollah und Israel Mitte Juli im Nahen Osten auf. Am Sonntag sollte er
noch mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert zusammenkommen. Am
Samstag war er bereits zu Gesprächen in Beirut.
Er habe mit einigen Ländern gesprochen und denke daher, dass,
zumindest was die europäische Seite angehe, die Truppe mit einem
robusten Mandat ausgestattet werden könne, sagte Solana. Er
führte indes nicht aus, welche EU-Länder sich an einer solchen
Truppe beteiligen würden. Einen genauen Zeitplan nannte Solana
nicht. Er sagte nur, die EU-Truppen könnten sehr schnell bereit
stehen.
Es wird erwartet, dass Frankreich und Italien Soldaten entsenden.
Italien hat bereits angekündigt, sich mit bis zu 3000 Soldaten zu
beteiligen. Der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokraten, Kurt Beck,
hatte zudem am Samstag als erster führender Koalitionspolitiker
einen Einsatz auch der Bundeswehr im Nahen Osten in Aussicht gestellt.
Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy stellte in einem
Interview mit "Le Monde" klar, das Mandat der geplanten Schutztruppe
beinhalte nicht die Entwaffnung der Hisbollah mit Gewalt.
Israel möchte, dass eine internationale Truppe im Südlibanon
ein robustes Mandat hat, also stark genug ist, um die libanesische
Hisbollah-Miliz zu entwaffnen. Der Libanon dagegen ist gegen jegliches
Mandat, das den Soldaten die Anwendung von Gewalt ermöglicht.
Die Regierung in Jerusalem erklärte sich erstmals zu Verhandlungen
über die Freilassung der von der Hisbollah entführten
Soldaten bereit. Ministerpräsident Ehud Olmert werde
persönlich einen Beauftragten für Gespräche zu ihrer
Freilassung ernennen, sagte Israels Außenministerin Livni.
Demnach könnten Gefangene der Schiiten-Miliz auf freien Fuß
gesetzt werden, wenn die Hisbollah zwei verschleppte israelische
Soldaten freilasse, berichtete die Zeitung "Haaretz" am Sonntag in ihrer
Internet-Ausgabe.
Der Konflikt war durch die Entführung der beiden Soldaten
ausgelöst worden.
Nach dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Salomon Korn, hat auch Israels Botschafter Shimon Stein deutschen Medien
eine einseitige Berichterstattung über den Nahost-Konflikt
vorgeworfen. «Wenn Gewaltaktionen gezeigt werden, ist
überwiegend die israelische Armee zu sehen, die Hisbollah
kaum», sagte Stein dem «Handelsblatt» (Montagausgabe).
Wenn es dagegen um Opfer gehe, seien überwiegend Libanesen und
viel weniger Israelis zu sehen.
Stein kritisierte, dass dadurch in der Öffentlichkeit keine klare
Vorstellung darüber entstehe, «wer der Angreifer und wer der
Angegriffene ist».
Zuvor hatte bereits Korn Kritik an der Berichterstattung von ARD und
ZDF geäußert. Beide Sender wiesen den Vorwurf als
«nicht gerechtfertigt» zurück.
(Quellen: ap, dpa, rtr, afp, ddp)
Sri Lanka stimmt Friedensgesprächen mit Rebellen zu
Mo.14.08.06 - Nach einer erneuten Eskalation der Gewalt auf Sri Lanka will die
Regierung des südasiatischen Inselstaats Friedensgespräche mit
den Rebellen führen.
"Wir haben eine Botschaft erhalten, dass die Befreiungstiger
Friedensgespräche anbieten", sagte der Chef des
Friedenssekretariats der Regierung, Palitha Kohona, am Sonntag. "Wir
haben es angenommen." Die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam
(LTTE) hätten bei Überbringung des Angebots am Freitag auch
nach Bedingungen für Gespräche gefragt. Die Regierung habe
geantwortet, sie stelle keine Bedingungen. Danach habe sie nichts mehr
von den Rebellen gehört.
Am Wochenende war es auf der Halbinsel Jaffna zu den heftigsten
Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen seit dem
Waffenstillstand von 2002 gekommen. Nach Regierungsangaben wurden dabei
27 Soldaten getötet und 87 weitere verwundet.
Trotz des 2002 vereinbarten Waffenstillstands war die Gewalt in den
vergangenen Monaten wieder neu aufgeflammt. Dies hatte
Befürchtungen vor einem neuen Abgleiten in den Krieg geweckt. Der
Waffenstillstand sollte einen Schlussstrich unter den seit mehr als 20
Jahren dauernden Bürgerkrieg auf Sri Lanka ziehen, bei dem mehr als
65.000 Menschen starben. Die LTTE strebt eine Selbstbestimmung der
tamilischen Minderheit im Norden und Osten der Insel an, was die
Regierung ablehnt. Im April hatten die Rebellen Friedensgesprächen
mit der Regierung aufgekündigt, die in Genf geführt werden
sollten.
(Quelle: rtr)
Mexiko: Anhänger von López Obrador weiten Blockadeaktionen
aus
Mo.14.08.06 - Anhänger des mexikanischen Linkspolitikers Andrés Manuel
López Obrador haben ihre Blockadeaktionen von der Hauptstadt auf
weitere Landesteile ausgeweitet. Die Protestierer besetzten mehrere
Mautstationen auf Hauptverkehrsstraßen im Zentrum und im Norden
des Landes. Damit wollten sie ihrer Forderung nach einer
Neuauszählung aller bei der Präsidentschaftswahl vom 2. Juli
abgegebenen Stimmen Nachdruck verleihen. López Obrador war bei
der Präsidentschaftswahl laut Wahlkommission dem konservativen
Politiker Felipe Calderón knapp unterlegen.
Auf der Straße von Mexiko-Stadt nach Pachuca im Landesinneren
drang eine Gruppe von Demonstranten in mehrere Mauthäuschen ein und
ließ die Autofahrer ohne Entgelt passieren. Eine ähnliche
Aktion gab es in der zentralmexikanischen Stadt Puebla auf der Autobahn
nach Veracruz im Osten sowie im Norden auf der Strecke nach Nuevo
Laredo.
Den amtlichen Angaben zufolge betrug der Unterschied zwischen den
beiden Kandidaten etwa 244.000 Stimmen oder 0,58 Prozent. López
Obradors Partei der Demokratischen Revolution (PRD) spricht von einer
Manipulation der Wahl und fordert, dass alle 41,7 Millionen abgegebenen
Stimmzettel überprüft werden. Das Wahltribunal hatte zuvor
entschieden, nur etwa neun Prozent der Stimmen zu überprüfen.
Laut PRD ergab die seit Mittwoch vorgenommene teilweise
Neuauszählung, dass es in 80 Prozent der bislang etwa 8000
überprüften Wahllokale (von insgesamt 130.000)
Unregelmäßigkeiten gab. In Mexiko-Stadt blockierten tausende
Anhänger von López Obrador mit Zelten mehrere
Hauptverkehrsadern. Insgesamt wurden acht Kilometer Straße
besetzt. Der historische Stadtkern und das Finanzzentrum waren damit
praktisch nicht mehr mit Autos zu erreichen.
(Quelle: afp)
28 Flüchtlinge auf Seeweg nach Spanien ums Leben gekommen
Mo.14.08.06 - Auf dem Seeweg zu den Kanarischen Inseln sind nach mauretanischen
Angaben 28 afrikanische Flüchtlinge ums Leben gekommen. Der
mauretanische Oberstleutnant Sidi Ould Mayou sagte am Samstag, Fischer
hätten das Boot mit 70 Afrikanern am Donnerstag vor der Küste
von Mauretanien entdeckt. Überlebende erklärten, 27 Menschen
seien auf der Flucht verdurstet oder verhungert. Ein weiterer starb
später im Krankenhaus.
Das Boot kam nach Angaben des Oberstleutnants aus dem mehrere hundert
Kilometer südlich gelegenen Senegal. Mayou sagte unter Berufung auf
Überlebende, das Boot habe fast die Kanarischen Inseln erreicht,
sei dann aber von der spanische Polizei abgewiesen worden. Das
spanische Innenministerium wies die Darstellung und erklärte, man
habe erst von den mauretanischen Behörden von dem Vorfall erfahren.
Erst am Freitag hatte Mauretanien von 16 Afrikanern berichtet, die auf
dem Weg zu den Kanaren ertrunken seien. Überlebende erklärten
laut Polizei, sie hätten elf Leichen von verhungerten oder
verdursteten Menschen über Bord geworfen. Fünf weitere
Insassen des Bootes starben nach der Rettung in einem mauretanischen
Krankenhaus. Das Flüchtlingsboot hatte seine Fahrt ebenfalls im
Senegal begonnen.
Seit Jahresbeginn trafen nach Angaben der spanischen Behörden
bereits mehr als 11.000 Afrikaner auf den Kanaren ein und damit bereits
mehr als doppelt so viele wie 2005 insgesamt. Mehr als 1.000
Flüchtlinge kamen Berichten zufolge seit Ende vergangenen Jahres
auf der gefährlichen Überfahrt ums Leben.
(Quelle: ap)
Britische Polizei verhört 22 Terrorverdächtige
Mo.14.08.06 - Die britische Polizei hat wegen der vereitelten Terroranschläge
auf Passagierflugzeuge am Sonntag 22 Verdächtige verhört. Die
Ermittler wollten unter anderem herausfinden, ob die Festgenommenen, die
meisten von ihnen in Großbritannien geborene Muslime,
Verbindungen zu den Selbstmordattentätern hatten, die am 7. Juli
2005 die verheerenden Anschläge in London verübten.
Innenminister John Reid sagte, das Risiko eines neuerlichen
Terroranschlags sei auch nach den Ermittlungserfolgen weiterhin hoch.
Die Bedrohung «ist eine chronische und es ist eine
schwere», sagte Reid dem Fernsehsender BBC. «Wir glauben,
wir haben die Hauptverdächtigen dieser Abhöraktion und dieses
Terrorplans. Aber da sind immer noch Menschen da draußen, die
solche Anschläge ausführen würden.» Der Minister
bekräftigte, in Großbritannien seien seit dem 7. Juli 2005
vier geplante Terroranschläge verhindert worden. Derzeit führe
die Polizei etwa 24 Antiterrorermittlungen durch.
In Großbritannien wurden im Rahmen der Polizeiaktion vom
Donnerstag 24 Verdächtige festgenommen. Eine dieser Personen wurde
am Freitagabend wieder freigelassen. Ein Richter sollte am Montag
über die Haft für einen weiteren entscheiden. Bis dahin durfte
er nicht vernommen werden. Nach britischem Recht dürften
Terrorverdächtige bis zu 28 Tage ohne Anklage inhaftiert werden.
Die internationalen Ermittlungen konzentrierten sich auf zwei
Brüder, von denen einer in Pakistan und einer in England
festgenommen wurde. Ein ranghoher pakistanischer Sicherheitsbeamter
sagte der Nachrichtenagentur AP am Samstag, wenige Tage nach der
Festnahme des ersten Bruders in Pakistan sei ein Telefongespräch
nach Großbritannien abgefangen worden. Der Anrufer habe Komplizen
in England aufgefordert, ihren Plan auszuführen.
Ein Bruder des in Karachi festgenommenen Mannes steht auf der Liste von
Terrorverdächtigen, die am Freitag von der Bank of England
veröffentlicht wurde. Sie führt nach Angaben der Bank die
Namen von 19 in Großbritannien festgenommenen Verdächtigen
auf, deren Konten das Geldinstitut auf Anweisung des Finanzministeriums
sperren musste. Zu Berichten, wonach in Großbritannien noch ein
dritter Bruder aus derselben Familie festgesetzt wurde, wollte sich die
britische Polizei nicht äußern.
Die pakistanische Polizei setzte ihre Ermittlungen fort und
verhörte nach Angaben aus Sicherheitskreisen 17 Verdächtige.
Nach zwei bis drei Personen werde noch gefahndet, sagte der
Gewährsmann der AP. Darunter sei ein Mitglied der verbotenen
sunnitischen Organisation Lashkar-e-Jhangvi, der Verbindungen zum
Terrornetzwerk Al Kaida nachgesagt werden. Der Name des Gesuchten sei in
einem der Verhöre gefallen.
US-Präsident George W. Bush warnte vor einem Nachlassen im Kampf
gegen den Terrorismus. In seiner wöchentlichen Radioansprache sagte
Bush am Samstag, niemand dürfe den Fehler machen und glauben, dass
die Gefahr des Terrors vorbei sei. Die am Donnerstag bekannt gewordenen
Anschlagspläne zeigten vielmehr erneut, dass die Terroristen
«raffiniert sind und ständig ihre Taktik ändern».
Fluggäste in London mussten weiter Verspätungen und Absagen
in Kauf nehmen. Die Gesellschaft British Airways erklärte, am
Sonntag sei fast ein Drittel aller Flüge vom Londoner Flughafen
Heathrow gestrichen worden. Betroffen waren Flüge zum
europäischen Kontinent und innerhalb von Großbritannien. Die
meisten Langstreckenflüge sollten dagegen wie geplant stattfinden.
Innenminister Reid räumte ein, dass die Sicherheitsmaßnahmen
so nicht weitergeführt werden könnten. Verkehrsminister
Douglas Alexander habe die US-Behörden gebeten, die
Beschränkungen für die Passagiere zu lockern. So ist unter
anderem die Mitnahme von Flüssigkeiten an Bord seit Donnerstag
verboten.
(Quelle: ap)
Hintergrund: Muslime in Großbritannien
Nach den vereitelten Flugzeuganschlägen werden die 1,6 Millionen
britischer Muslime wie bei den Londoner Attentaten vor einem Jahr mit
Misstrauen betrachtet. Einer Umfrage zufolge billigen sieben Prozent von
ihnen Gewalttaten gegen Zivilisten. Die größte Gruppe mit 43
Prozent stammt aus Pakistan. Auch drei Attentäter der Londoner
Anschläge von 2005 waren pakistanischer Herkunft.
Als Hauptfiguren der islamistischen Bewegung in Großbritannien
gelten Abu Hamsa al-Masri, Omar Bakri und Abu Katada. Al-Masri, der in
Afghanistan bei einer Explosion beide Arme und das Augenlicht verlor,
wird als «Hassprediger» der Finsbury Park Moschee in London
bezeichnet. Zu seinem Anhängerkreis soll auch der
«Schuhbomber» Richard Reid gehört haben.
Der in Syrien geborene Bakri baute in Großbritannien die
Organisation Hizb ut-Tahrir (Partei der Befreiung) auf. 2005 wurde Bakri
des Landes verwiesen. Der dritte Protagonist ist der aus Jordanien
stammende Abu Katada. Aufzeichnungen seiner Predigten sollen sich in
der Wohnung Mohammed Attas, einer der Terroristen der Anschläge
vom 11. September 2001, befunden haben.
Als Sprachrohr muslimischer Extremisten in Großbritannien gilt
das in London beheimatete Verlagshaus «Azzam Publications».
Es wurde 1994 von Khaled al-Fawas gegründet. Al-Fawas soll an den
Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998
beteiligt gewesen sein. Ebenfalls in London residiert «Al-Quds
al-Arabi», eine der wichtigsten arabischen Tageszeitungen.
Kritiker bringen sie mit Islamisten in Verbindung. 2004
veröffentlichte sie die Bekennerschreiben der Attentäter von
Madrid.
Muslime sind in Großbritannien die am wenigsten integrierte und
wirtschaftlich am schlechtesten gestellte Minderheit. Die
Arbeitslosenquote liegt bei rund 13 Prozent und ist fast drei Mal so
hoch wie bei nicht-muslimischen Briten. Die meisten Extremisten kommen
jedoch laut einer aktuellen Studie der Universität von Pennsylvania
nicht aus sozial schwachen Verhältnissen, sondern aus der
Mittelschicht.
Quelle: dpa, 13.08.06
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Deutschland
Vielstimmige Richtungsdebatte in der Union
Mo.14.08.06 - CSU-Chef Edmund Stoiber hat in der Debatte über das Profil der
Union Zurückhaltung gefordert. Anstatt Grundsatzfragen zu
diskutieren sollte die Union aktuelle Probleme lösen, sagte er im
ZDF. Grundsätzliche Diskussionen müssten parteiintern
geführt werden.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder hatte schon zuvor ein Ende der
öffentlichen Debatte gefordert, die von CDU-Vize Jürgen
Rüttgers ausgelöst worden war. Kauder warnte vor einem
Ansehensverlust der Union. Im Gegensatz zu Rüttgers, der ein
schärferes soziales Profil gefordert hatte, sprach sich CDU-Vize
Annette Schavan für eine Stärkung der Eliten aus. Bayerns
CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann verlangte die Formulierung
klarer Ziele.
Die CDU solle sich «um die Talente kümmern und nicht
fürchten, deshalb als unsozial zu gelten», sagte
Bundesbildungsministerin Schavan der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Die CDU müsse Partei des
Bildungsbürgertums und der Elitenförderung bleiben. Sie
verlangte Selbstbewusstsein von ihrer Partei: «Wir dürfen
nicht populistisch werden, sondern müssen bei dem bleiben, was uns
wichtig ist.» Wer sich um das Bürgertum kümmere,
«hilft damit auch den sozial Schwachen. Wer die Tüchtigen
und Leistungsbereiten stärkt, der macht Deutschland
kreativer.» Die CDU will am 22. August bei einem Kongress in
Berlin über die Werte in einem neuen Grundsatzprogremm der Partei
beraten.
CDU-Vize Schavan warnte vor modischer Anpassung der CDU. «Wer den
Zeitgeist heiratet, wird schnell Witwe.» Ihre wirtschaftsliberale
Haltung müsse die CDU nicht korrigieren. «Wer einen stabilen
Sozialstaat will, der muss mehr Freiheit wagen», sagte Schavan.
Dagegen hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers
gefordert, die CDU dürfe sich nicht als kapitalistische Partei
begreifen. Zudem müsse sie sich von zentralen
«Lebenslügen» verabschieden. Es sei falsch zu glauben,
dass Steuersenkungen zu mehr Investitionen und damit zu mehr
Arbeitsplätzen führten. Dies war bei zahlreichen
CDU-Politiker auf Protest gestoßen.
Kauder kritisierte Rüttgers' Äußerungen im
Deutschlandfunk scharf. Es sei «natürlich schon recht
problematisch, wenn der stellvertretende Bundesvorsitzende jetzt im
Sommer eine solche Diskussion lostritt, die dem Ansehen der Union in
der Öffentlichkeit schadet». Stoiber sagte im ZDF, die Union
erwecke mit dieser Debatte den Eindruck, als kümmere sie sich
nicht wirklich um die Probleme der Bürger, sondern diskutiere nur
theoretisch. Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) nannte
Rüttgers Kritik in der «Thüringer Allgemeinen»
(Samstag) kontraproduktiv.
Kauder widersprach Kritikern, die in den Regierungsbeschlüssen zu
viel SPD-Politik sehen. Es wäre «fatal», wenn der
Eindruck entstehe, aus «machtpolitischen Gründen könne
die Arbeit nicht fortgeführt werden». Mit Blick auf die
Kritik des Wirtschaftsflügels der Union erinnerte der
CDU-Politiker daran, dass das Wahlprogramm des vergangenen Jahres von
den Wählern nicht mit einer hinreichenden Mehrheit ausgestattet
wurde. «Und deswegen kann ich nur alle auffordern, die Chancen,
die in der großen Koalition stecken, zu erkennen und danach auch
zu arbeiten, aber auch die Begrenzungen zu akzeptieren.»
Die bayerische CSU-Landtagsfraktion forderte die CDU auf, sie
müsse endlich «klare Ziele formulieren, die für die
Bürger auch erkennbar sind». Fraktionschef Herrmann sagte
dem «Focus», die CDU dürfe nicht «ständig
neue Themen aufreißen, die die Menschen nur verunsichern».
(Quelle: dpa)
Umweltminister Gabriel droht Autoherstellern mit Benzinspar-Gesetz
Mo.14.08.06 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will die deutschen Autofirmen
notfalls per Gesetz zwingen, sparsamere Pkw zu bauen. Der SPD-Politiker
erinnerte die Hersteller am Wochenende an ihre Verpflichtung, den
Kraftstoffverbrauch zu senken. «Meine Sorge ist, dass sie das
nicht einhalten. Dann müsste die Politik tätig werden und den
Verbrauch per Gesetz regeln», sagte der SPD-Politiker der
Westfälischen Rundschau».
Gabriel fügte hinzu: «Lieber wäre mir allerdings, die
Hersteller würden dies freiwillig leisten, wie sie es versprochen
haben.» Angesichts explodierender Benzinpreise müsse auf
jeden Fall der zu hohe Verbrauch der Pkw gesenkt werden. «Das
kommt nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch dem Klima zugute.»
Der Minister forderte als weitere Maßnahme die stärkere
Beimischung von Biokraftstoffen, «um unsere Abhängigkeit vom
Öl zu reduzieren».
Der Durchschnittsverbrauch der heutigen Pkw liegt bei acht Liter pro
100 Kilometer. Die europäischen Automobilhersteller haben
zugesagt, den Verbrauch von Neuwagen bis zum Jahr 2008 auf
durchschnittlich 6,5 Liter zu senken.
(Quelle: ap)
Deutsch-Türken begrüßen Pläne für
Zuwanderer-Fernsehen
Mo.14.08.06 - Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat Überlegungen von
ARD und ZDF für einen eigenen Zuwandererkanal begrüßt.
In diesem Rahmen Programme wie eine deutsch-türkische Version der
Quizshow "Wer wird Millionär" oder wie das in diesem Jahr in der
ARD gelaufene "Türkisch für Anfänger" zu senden, reiche
aber bei weitem nicht aus, erklärte der stellvertretende
Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Seref
Erkayhan, in Berlin. Sinnvoll sei vielmehr ein deutsch-türkischer
Kulturkanal nach dem Vorbild des deutsch-französischen Senders
Arte.
"Die Türkische Gemeinde in Deutschland ist in diesem Zusammenhang
bereit, Verantwortung zu übernehmen und bei einer
integrationsfördernder Medienpolitik, die das 'Wir-Gefühl'
verstärkt, mitzuwirken", erklärte Erkayhan.
Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" hatte zuvor von den Plänen der
öffentlich-rechtlichen Sender berichtet, einen eigenen
Spartenkanal für Integration einzurichten. "Das Thema ist
äußerst komplex, die Umsetzung schwierig", zitierte der
"Spiegel" allerdings WDR-Intendant Fritz Pleitgen. Trotzdem sprach sich
Pleitgen dafür aus, "die Idee sorgfältig zu untersuchen". Das
Projekt wird dem Bericht zufolge auf eine Anregung Bremens hin derzeit
im Auftrag der Ministerpräsidenten von den Rundfunkkommission
geprüft, die ihrerseits ARD und ZDF um Stellungnahmen gebeten habe.
Skeptisch habe sich SWR-Intendant Peter Voß geäußert.
Die Idee eines Spartenkanals sei "gut gemeint, lässt aber bei
näherer Betrachtung nicht mehr Miteinander, sondern ein weiteres
Nebeneinander erwarten", schrieb Voß laut "Spiegel" an seine
Kollegen.
(Quelle: afp)
Wissenschaft:
Arbeitslose sterben früher
Mo.14.08.06 - Arbeitslose haben nach einer Studie des Instituts für medizinische
Psychologie der Universität Leipzig ein deutlich höheres
Sterbe-Risiko als gleichaltrige Erwerbstätige. Bei Arbeitslosen sei
die Sterblichkeit "massiv erhöht, schon kurz nach Eintritt der
Arbeitslosigkeit mehr als verdoppelt", sagte Institutsleiter Elmar
Brähler der Zeitschrift "Super Illu". Wer mehr als zwei Jahre
arbeitslos sei, habe "statistisch sogar ein viermal höheres
Sterbe-Risiko". "Wer arbeitslos ist, stirbt statistisch gesehen
früher als ein Berufstätiger im selben Alter."
Den Untersuchungen des Wissenschaftlers zufolge sind besonders
Depressionen und Suchtkrankheiten wie Alkoholismus, bei Frauen auch
Tablettensucht, Erschöpfungssymptome, Bluthochdruck bis hin zum
Herzinfarkt bei Arbeitslosen viel häufiger als bei Menschen, die
einen Job haben. "In der Regel verschlechtert sich der
Gesundheitszustand eines Menschen mit Eintritt der Arbeitslosigkeit
rapide", erklärt Brähler. Auf den "anfänglichen Schock
unmittelbar nach dem Jobverlust", der oft mit Depressionen einhergehe,
folge eine Phase der Erholung. Der Arbeitslose werde dann sehr aktiv.
Wenn seine Bemühungen aber scheiterten, trete "nach etwa zwölf
Monaten oft eine Phase des Fatalismus" ein. Die Betroffenen
begännen sich aufzugeben.
(Quelle: afp)
Internet
Chinas erste Wiki-Konferenz klammert heikle Themen aus
Mo.14.08.06 - In Schanghai haben sich am Samstag Anhänger der so genannten Wikis
zur ersten chinesischen Konferenz über diese
Internet-Informationssysteme getroffen. Wikis sind Nachschlagewerke im
Internet, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online
verändert werden können. Prominentestes Beispiel ist die
erfolgreiche Online-Enzyklopädie «Wikipedia».
Die rund 80 Teilnehmer diskutierten in der Stadtbibliothek Schanghais
über die Zukunft der Wikis und versuchten, der Bewegung in China
neuen Wind zu geben. Das Internetmedium habe in den vergangenen Jahren
an Zuspruch verloren, sagte der Organisator der Konferenz, Ye Qunfeng.
Die chinesischen Wiki-Anhänger bewegen sich auf unsicherem Boden.
Auf der einen Seite unterstützen oder betreiben sie die
demokratisch organisierten Internetprojekte. Auf der anderen Seite
unterliegen sie dem politischen Druck. So ist der Zugang zu den
chinesischen und internationalen Seiten der Online-Enzyklopädie
Wikipedia wegen ihrer politischen Inhalte in China seit mehr als einem
Dreivierteljahr durchgängig gesperrt. Diese Woche meldete die
Menschenrechtsorganisation «Reporter ohne Grenzen» die mehr
oder weniger freiwillige Schließung der chinesischen Seite
«e-Wiki», deren Inhalte den Behörden nicht gepasst
hatten. «Die Seite hatte in China ohnehin nur wenig
Einfluss», kommentierte Ye Qunfeng etwas hilflos.
Weiterhin zugängliche Wikis verzichten in der Regel auf
Einträge über politisch heikle Themen wie die Taiwanfrage oder
die Kultbewegung Falun Gong. «Das interessiert die jungen Leute
in China nicht», begründete Ye. Tatsächlich steckt wohl
eher die Angst vor der Staatsmacht dahinter: «Das ist zu einem
gewissen Grad Selbstzensur», sagte ein Teilnehmer am Rande der
Konferenz der Nachrichtenagentur dpa. Dort wurden solch heikle Themen
ansonsten ausgeklammert. «Zu sensibel», kommentierte der
junge Mann, der anonym bleiben wollte. Er glaube fest daran, dass das
größte Internetnachschlagewerk Wikipedia in China irgendwann
wieder erreichbar sein wird: «Es ist ein so großer Verlust
für die chinesische Internetgemeinde», sagte er. Bislang
komme kein chinesisches Wiki an das Vorbild heran.
(Quelle: dpa)
Wiki der Organisatoren:
http://www.cnic.org