Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakische und US-Truppen errichten Mauer um Bagdader Sunnitenviertel.
Vier Tote bei Selbstmordanschlag in Mossul
Mi.16.08.06 - Irakische und amerikanische Truppen haben rund um ein sunnitisches
Unruheviertel von Bagdad eine Mauer errichtet. Dutzende Betonbarrieren
seien aufgestellt worden, um den Zugang nach Dura zu versperren,
erklärte die US-Armee am Dienstag. Nach ihren Angaben hatten
"Terroristen" in den vergangenen Wochen das südliche
Sunnitenviertel genutzt, um die blutigen Konflikte zwischen Schiiten und
Sunniten weiter anzufachen.
Ein Selbstmordanschlag auf das Parteibüro der Patriotischen Union
Kurdistans (PUK) hat am Dienstag in Mossul vier Menschen das Leben
gekostet. 35 weitere Menschen erlitten nach Angaben der Polizei
Verletzungen. Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz in
einem Lastwagen auf dem Parkplatz vor dem Sitz der PUK, der Partei des
irakischen Präsidenten Dschalal Talabani. Ein Polizeisprecher
erklärte, die Detonation habe das Gebäude beschädigt und
17 Autos in Brand gesetzt. Mossul liegt rund 360 Kilometer nordwestlich
von Bagdad.
In Kerbela südlich von Bagdad kam es zu Zusammenstößen
zwischen den irakischen Truppen und Anhängern des radikalen
schiitischen Geistlichen Mahmud al Hassani. Die Behörden
verhängten daraufhin ein Ausgehverbot in der Stadt. Ein Vertrauter
des Geistlichen erklärten, irakische Soldaten hätten am
frühen Morgen das Büro von Al Hassani durchsucht. Später
hätten dessen Anhänger daraufhin Polizeiwachen und
Kontrollpunkte in Kerbela attackiert. Berichte über Verletzte gab
es nicht.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 16.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.16.08.05 - Entscheidung über irakische Verfassung verschoben +++ Sechs Tote bei
Anschlägen +++ Jetzt wird George Bush zur Verantwortung gezogen:
Die 'junge Welt' vom 15.08.05 dokumentiert in Auszügen einen
Artikel aus der Huffington Post vom 9. August von Cindy Sheehan, die
seit über einer Woche vor der Ranch des US-Präsidenten George
W. Bush in Crawford/Texas Mahnwache hält...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Aufständische töten im Westen Afghanistans sechs Polizisten
Mi.16.08.06 - Aufständische haben am Dienstag im Westen Afghanistans einen
örtlichen Polizeichef und fünf weitere Beamte erschossen. Die
Polizei erklärte, der gerade berufene Polizeichef Nassar Ahmad sei
in einem Konvoi auf dem Weg zur Übernahme seines neuen Amtes
unterwegs gewesen, als die Aufständischen ihn in der Provinz Farah
überfallen hätten. Vier weitere Beamte seien verletzt worden.
Amerikanische und afghanische Soldaten töteten unterdessen bei
einer Razzia im Osten des Landes ein mutmaßliches Mitglied des
Al-Kaida-Netzwerks. Die US-Streitkräfte erklärten in einer
Stellungnahmen, die Soldaten hätten ein Haus in der Provinz Chost
umstellt, um einen Waffenschmuggler mit Verbindungen zur Al Kaida
festzunehmen. Alle Menschen in dem Haus seien aufgefordert worden, sich
zu stellen. Die meisten seien der Aufforderung nachgekommen, hieß
es weiter. Ein als Frau verkleidetes mutmaßliches Mitglied der Al
Kaida habe sich jedoch widersetzt und sei erschossen worden. Es war
nicht klar, ob es sich bei dem Getöteten um den gesuchten
Waffenschmuggler handelte.
(Quelle: ap)
Gelder für Erdbebenopfer in Pakistan für Terror abgezweigt
Mi.16.08.06 - Britische Hilfsgelder für pakistanische Erdbebenopfer sollen zur
Finanzierung der geplanten Terroranschläge auf
Transatlantikflüge abgezweigt worden sein. Von den umgerechnet rund
acht Millionen Euro Spenden an eine pakistanische Hilfsorganisation sei
weniger als die Hälfte in die Hilfe für die Opfer des
verheerenden Bebens vom vergangenen Oktober geflossen, berichtete die
"Washington Post" unter Berufung auf den pakistanischen Geheimdienst.
Laut "New York Times" ermitteln britische Behörden derzeit, ob der
Wohltätigkeitsfonds der Bewegung Jamaat-ud-Dawa die Drahtzieher
der geplanten Anschläge finanziell unterstützt hat.
Den pakistanischen Spendern in Großbritannien sei dies nicht
bewusst gewesen. Laut einem Sicherheitsvertreter kam dem britischen
Geheimdienst die Spendenaktion von Anfang an verdächtig vor. Seine
Ermittlungen zur weiteren Verwendung der Gelder habe zur Aufdeckung der
Terrorpläne beigetragen. Um welche Organisation es sich dabei
gehandelt haben soll, ließen die Geheimdienstvertreter offen.
Jamaat-ud-Dawa, deren Wohltätigkeitsfond in allen
größeren Moscheen Großbritanniens aktiv ist, steht im
Verdacht, Nachfolgerin der seit 2002 von Pakistan verbotenen
radikalislamischen Organisation Lashkar-e-Taiba zu sein.
Ein Sprecher der Gruppe bestritt gegenüber der "Washington Post",
in die Terrorpläne verwickelt zu sein. Jamaat-ud-Dawa lehne
Terrorismus ab.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
USA kritisierten Siegesrhetorik in Teheran und Damaskus. Deutscher
Außenminister sagt Syrien-Reise nach Hisbollah-freundlicher Rede
des syrischen Präsidenten ab. US-Präsident Bush: Iran muss
Unterstützung von Milizen einstellen. Israel will Abzug aus
Südlibanon in zehn Tagen abschließen. UNHCR von
massenhafter Rückkehr der Libanon-Flüchtlinge überrascht
Mi.16.08.06 - Die USA haben die Siegesrhetorik der Führungen im Iran und Syrien
nach dem Ende der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah
kritisiert. Teheran und Damaskus versuchten, inmitten einer
Tragödie die Stimmung und den Zorn für ihre eigenen Ziele
auszunutzen, sagte der Unterstaatssekretär im
Außenministerium, David Welch, am Dienstag. «Es ist
furchtbar, dass der iranische Präsident aus dieser Tragödie
Vorteil ziehen will.»
Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete die schiitische Hisbollah-Miliz als
Sieger im Libanon-Krieg sagte und auf einer Massenkundgebung in
Teheran: «Gottes Versprechen hat sich erfüllt.» Auch
der syrische Präsident Baschir el Assad erklärte die
Hisbollah zum Sieger und sagte ihr weitere Unterstützung zu.
«Die künftigen Generationen der arabischen Welt werden einen
Weg finden, um Israel zu besiegen», sagte Assad.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat nach der Rede des
syrischen Präsidenten seinen unmittelbar bevorstehenden Besuch in
Syrien kurzfristig abgesagt.
Die Rede Assads sei ein negativer Beitrag, der den gegenwärtigen
Herausforderungen und Chancen im Nahen Osten in keiner Weise gerecht
werde, begründete Steinmeier die Absage. Syrien könne durch
konstruktives Handeln verloren gegangenes Vertrauen der internationalen
Gemeinschaft wieder herstellen. Die Rede Assads gehe aber in die
entgegen gesetzte Richtung.
Assad hatte in Damaskus vor Journalisten unter anderem von einem
«siegreichen Widerstand» der Hisbollah im Libanon
gesprochen und arabische Herrscherhäuser zur Unterstützung
der radikal-islamischen Organisation aufgefordert. Zudem betonte er,
dass Israel vom Friedensprozess ausgeschlossen werden müsse, weil
Israel ein Feind sei. Steinmeier wollte ursprünglich am
Dienstagnachmittag zu Gesprächen in Damaskus eintreffen. Die
Entscheidung, den Flug abzusagen, traf der Minister in der wartenden
Airbus-Maschine der Bundesregierung am Flughafen der jordanischen
Hauptstadt Amman.
US-Präsident George W. Bush hat wegen der Gewalt im Libanon und im
Irak den Iran scharf angegriffen.
Er forderte die Islamische Republik am Montag auf, ihre
Unterstützung für Extremisten zu beenden und die
Demokratisierung der beiden Länder nicht weiter zu stören.
Dabei bezeichnete er den Libanon neben Afghanistan und dem Irak als
weitere Front des umfassenden Kampfes gegen den Terror. "Der Konflikt im
Libanon ist Teil eines größeren Kampfes zwischen Freiheit
und Terror, der in der Region entbrennt", sagte Bush. Es sei kein
Zufall, dass der Terror in jenen beiden Ländern am heftigsten sei,
die im Herzen des Nahen Ostens freie Gesellschaften aufbauten.
"In beiden Ländern unterstützt der Iran bewaffnete Gruppen in
der Hoffnung, die Demokratie daran zu hindern, Fuß zu fassen",
sagte Bush. Die Botschaft seiner Regierung sei klar: Amerika werde
seinen Kampf gegen die Extremisten-Organisation Al-Kaida fortsetzen.
"Der Iran muss seine Unterstützung für den Terror stoppen und
die Anführer dieser bewaffneten Gruppen müssen eine
Entscheidung fällen. Wenn sie am politischen Leben ihrer Staaten
teilnehmen wollen, müssen sie die Waffen niederlegen."
Bush hat neben dem Iran auch Syrien wiederholt vorgeworfen, die
Hisbollah zu unterstützen. Nun konzentrierte er seine Kritik aber
auf die Regierung in Teheran. In diesem Zusammenhang bekräftigte
Bush, das der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen gehindert werden
müsse. "Der Iran hat deutlich gemacht, dass er die Zerstörung
Israels anstrebt", sagte Bush. "Man kann sich vorstellen, wie viel
gefährlicher dieser Konflikt wäre, wenn der Iran die von ihm
angestrebten Atomwaffen hätte." Der Iran hat wiederholt
erklärt, die Atomtechnologie nur zur zivilen Energiegewinnung
einsetzen zu wollen.
Bush machte zugleich erneut die Hisbollah für den
fünfwöchigen Krieg im Libanon verantwortlich. "Die Hisbollah
hat Israel angegriffen, die Hisbollah hat die Krise begonnen und die
Hisbollah hat in dieser Krise eine Niederlage erlitten", sagte er. Die
Miliz feiert das Ergebnis des Krieges dagegen als ihren Sieg und lehnt
ihre von den Vereinten Nationen (UN) geforderte Entwaffnung weiter ab.
Die israelische Armee will derweil ihren Rückzug aus dem Libanon
in spätestens zehn Tagen beendet haben. Die Übergabe der
Stellungen an die libanesische Armee solle in einer Woche bis zehn
Tagen abgeschlossen sein, sagte Generalstabschef Dan Halutz. Dann
sollen die libanesischen Soldaten gemeinsam mit UN-Truppen für
Ruhe im Grenzgebiet sorgen. Ungeklärt blieb die Frage nach einer
Entwaffnung der Hisbollah, die von Milizenführer Hassan Nasrallah
vorerst abgelehnt wird. Die Waffenruhe hielt jedoch weitgehend.
Tausende Libanesen kehrten in ihre Häuser zurück.
Laut den Zeitungen "Haaretz" und "Jediot Ahronot" sollten vor allem die
Reservisten so rasch wie möglich nach Israel zurückkehren.
Die Armee habe weiterhin die Kontrolle über strategisch wichtige
Dörfer und Brücken, von denen aus sie innerhalb weniger Tage
erneut den gesamten Südlibanon besetzen könnte, sagte ein
Militärvertreter.
Israelische Medien berichteten unter Berufung auf Militärquellen,
dass sich die Streitkräfte zunächst auf eine Linie von
fünf bis sieben Kilometern innerhalb des Südlibanons
zurückziehen wollen. Die Linie entspricht in etwa dem
Frontverlauf, den das israelische Militär in der Frühphase
des 33- tägigen Waffengangs hergestellt hatte. In den letzten
Stunden vor der Waffenpause hatten israelische Einheiten am Wochenende
mehrere Positionen tief innerhalb des Südlibanons und nahe am
strategisch wichtigen Litani-Fluss erobert.
Unterdessen bereitet sich die reguläre libanesische Armee auf eine
Stationierung von 15 000 ihrer Soldaten im Süden des Landes vor.
Die Verlegung der libanesischen Einheiten in den Süden des Landes
könne «innerhalb von Tagen» erfolgen, erklärte
ein Armee-Sprecher am zweiten Tag der Waffenruhe zwischen Israel und
der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz.
Im Hauptquartier der UN- Beobachtermission für den Libanon
(UNIFIL) im südlibanesischen Küstenort Nakura haben Vertreter
der UN, Israels und des Libanon bereits über die
Terrainübergabe gesprochen, berichteten israelische Medien. Der
französische UNIFIL-Kommandeur Alain Pellegrini, der israelische
General Udi Dekel und ein hochrangiger libanesischer
Verbindungsoffizier haben demnach eine Kommission gebildet, die die
einzelnen Schritte der Übergabe abstimmen soll.
Die demnächst erwartete UN-Streitmacht soll das derzeit 2000 Mann
starke UNIFIL-Kontingent deutlich aufstocken. Allerdings ist noch nicht
klar, wer die zusätzlich 13.000 Soldaten stellen wird und ob die
angepeilte Truppenstärke tatsächlich aufgeboten werden kann.
Im Büro von UN-Generalsekretär Kofi Annan, der die
Zusammenstellung der Truppe koordiniert, hieß es, die anvisierte
Zahl sei möglicherweise zu hoch gegriffen.
Die UN-Sicherheitsratsresolution 1701, auf der die Waffenruhe und die
Stationierung libanesischer und internationaler Truppen im
Südlibanon beruht, verlangt auch die Entwaffnung der Hisbollah.
Deren Führer, Scheich Hassan Nasrallah, erteilte jedoch einer
schnellen Umsetzung dieser Forderung eine Abfuhr. Seine Miliz werde
sich «nicht unter Druck oder Einschüchterungen»
entwaffnen lassen, erklärte er in einer Fernsehansprache am
Montagabend. Er bekräftigte zwar seine Zustimmung zum Einsatz der
libanesischen und der UN-Truppen. Diese würden jedoch «den
Libanon nicht verteidigen können», sagte er.
Ähnlich äußerte sich der syrische Präsident
al-Assad. «Der israelische Angriff auf den Libanon war eine
große Niederlage für Israel und seine
Verbündeten», erklärte er in Damaskus. Assad lobte die
UN-Waffenruhe-Resolution 1701, kritisierte jedoch ebenfalls, dass diese
die Schuld an der militärischen Konfrontation der Hisbollah
zuweise. Israel habe schon Jahre zuvor einen Angriff auf den Libanon
geplant und die Verschleppung zweier israelischer Soldaten durch die
Hisbollah Mitte Juli nur als Vorwand für ihren Angriff im Libanon
benutzt.
Französische Offiziere reisten derweil zur UN, um über die
Aufstellung der vergrößerten Truppe der Gemeinschaft zu
beraten. Frankreich dürfte das Kommando des Einsatzes
übernehmen. In hochrangigen UN-Kreisen wurden allerdings inzwischen
Zweifel daran geäußert, dass die internationale Gemeinschaft
genug Soldaten zusammenbekommt, um die angestrebte Zahl von 15.000
Einsatzkräften zu erreichen. Außer Frankreich und Italien
hat bislang kein Land größere Einheiten angeboten.
Deutschland will offiziell frühestens nächste Woche über
eine Beteiligung entscheiden.
Die Vereinten Nationen bemühen sich nach Darstellung von
UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres bei ihrer
Libanon-Hilfe darum, mit der «erstaunlichen»
Massenrückkehr libanesischer Flüchtliinge Schritt zu halten. Das Wichtigste sei
zunächst, die UNHCR-Mitarbeiter so schnell wie möglich in die
Not leidenden Gebiete zu bringen, sagte Guterres am Dienstag einem
portugiesischen Radiosender.
UNICEF-Sprecherin Wivina Belmonte erklärte, stündlich machten
sich mehr als 6.000 Menschen auf den Weg in den Südlibanon. Das
UNHCR verteile an der Grenze zu Syrien Wasser, Lebensmittel,
Handtücher und Rehydrationssalz verteilt, teilte eine Sprecherin
mit. Andere Teams helfen den Rückkehrern auf den teils
zerstörten Straßen im Libanon. Guterres sagte,
schätzungsweise eine Million Menschen hätten wegen der
Kämpfe ihre Häuser verlassen. Etwa 200.000 von ihnen
hätten den Libanon verlassen, die meisten nach Syrien.
(Quellen: dpa, ap, rtr)
Deutsche Beteiligung an UN-Mission nimmt Gestalt an
Mi.16.08.06 - Nach der im Nahen Osten erzielten Waffenruhe nimmt die deutsche
Beteiligung an der UN-Friedenstruppe im Libanon Gestalt an. Die
Bundesregierung wolle bei der Truppenstellerkonferenz der Vereinten
Nationen am Donnerstag ein Angebot unterbreiten, sagte
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Was für einen
Vorschlag die Regierung in New York einbringen werde, werde derzeit
noch intern abgestimmt. Am (heutigen) Mittwoch wollen die
Parteivorsitzenden Angela Merkel (CDU), Edmund Stoiber (CSU) und Kurt
Beck (SPD) sowie Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) bei einem
Spitzengespräch über das deutsche Engagement beraten.
In den Planungen der Bundeswehrführung werde davon ausgegangen,
dass Einheiten von Heer, Luftwaffe und Marine für den Einsatz
angeboten würden, berichtete "Die Welt". Zuvor hatte die
"Leipziger Volkszeitung" berichtet, Merkel, Müntefering,
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) sowie
Jung hätten sich auf ein grundsätzliches Ja zu einer
deutschen Beteiligung verständigt. Am Freitag solle die deutsche
Öffentlichkeit unterrichtet werden.
"Grundsätzlich" solle festgelegt werden, dass der UNO keine
deutschen Kampftruppen für das UN-Mandat angeboten werden sollen,
hieß es in der "Leipziger Volkszeitung". Ein Großteil des
deutschen Kontingents soll sich demnach auf den Bereich Pioniere im
Zuge des Wiederaufbaus konzentrieren. Dabei könnte es sich "um
eine personelle Größenordnung im vierstelligen Bereich"
handeln.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellte in der
"Sächsischen Zeitung" die Entsendung von Bundespolizisten in
Aussicht. Wenn Syrien und der Libanon dies wollten, "werden wir uns
einer solchen Bitte nicht verweigern". Die Bundespolizei könne
gegebenenfalls "beratend dabei helfen, die Grenze zwischen dem Libanon
und Syrien besser zu kontrollieren". Schäuble betonte, es
wäre "weltfremd, anzunehmen, diese Truppe könne die Hisbollah
gegen ihren Willen entwaffnen". Es gehe um den Schutz einer
Friedensordnung und nicht um einen Kampfeinsatz.
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber schrieb in
der "Süddeutschen Zeitung", er sehe im Parlament und auch in der
deutschen Bevölkerung keine Mehrheit für den Einsatz
deutscher Kampftruppen. Deutschland solle sich "in anderer Form"
beteiligen und zum Beispiel Sicherheitskräfte ausbilden oder
technische Hilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur
leisten.
(Quelle: afp)
Bis zu 16 Millionen Aidswaisen in Afrika
Mi.16.08.06 - Die Zahl der Aidswaisen in Afrika wird nach Einschätzung des
UN-Kinderhilfswerks UNICEF bis zum Jahr 2010 auf knapp 16 Millionen
steigen.
Bereits Ende 2005 lebten südlich der Sahara rund 12 Millionen
Kinder, die einen oder beide Eltern durch Aids verloren haben, wie das
Kinderhilfswerk am Montag auf der 16. Weltaidskonferenz in Toronto
berichtete. «Die Aidswaisen sind das Zukunftsproblem»,
betonte UNICEF-Sprecherin Helga Kuhn. Die mit 24 000 Teilnehmern bislang
größte Weltaidskonferenz war am Sonntagabend (Ortszeit)
eröffnet worden.
Selbst in Ländern, in denen es erste Erfolge im Kampf gegen die
Immunschwäche gebe, steige die Zahl der Aidswaisen weiter, betonte
das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, das in Toronto den Bericht
«Afrikas verwaiste und verletzte Generationen»
präsentierte. UNICEF verlangt von Regierungen, Unternehmen und der
Öffentlichkeit besondere Hilfe in vier Bereichen: Es gelte,
Medikamente und Aidstests für Kinder zu entwicklen, die Preise
für Medikamente zu senken, Aufklärung und Schulunterricht
für alle zu schaffen und die Entwicklungshilfe zur Bekämpfung
der Epidemie zu erhöhen.
Eine Stabilisierung und vielleicht sogar einen vorsichtigen
Rückgang der Aidsepidemie erwartet UNICEF nur in fünf
Ländern: auf den Komoren, in Ghana, auf Mauritius, in Ruanda und
Simbabwe. In acht weiteren hingegen werde die Zahl der Aidswaisen
zwischen 2005 und 2010 um 15 Prozent steigen. Allein in Südafrika
leben dem Bericht zufolge 2,5 Millionen Waisenkinder im Alter von 0 bis
17 Jahren - das sind 13 Prozent aller Kinder dort. Bei fast der
Hälfte, 1,2 Millionen Waisenkindern, ist Aids die Ursache. In
Simbabwe haben sogar 77 Prozent der 1,4 Millionen Waisen (1,1 Millionen)
ihre Eltern durch die Immunschwäche verloren. Bis zum Jahr 2010
werden der Schätzung zufolge rund 15,7 Millionen Aidswaisen in der
Region leben.
Der Bericht beschreibt einen Teufelskreis aus Infektion und Armut:
Viele Mädchen und Jungen müssen mit chronisch kranken Eltern
leben und arbeiten gehen, um das Einkommen der Familie zu sichern. Oder
sie müssen Vater und Mutter pflegen. Solche Haushalte verarmten
durch die Krankheit und würden oft auch ausgegrenzt und
diskriminiert - dafür reiche es, dass eine Verbindung zu einem
Kranken bestehe. «Aids bedeutet für Kinder körperliche,
emotionale und wirtschaftliche Risiken», heißt es in dem
Report. Zudem erkrankten oder stürben viele Ärzte,
Krankenschwestern und Lehrer an Aids - das verschlechtere die
medizinische und schulische Versorgung zudem.
UNICEF begrüße die Ankündigung der deutschen Regierung,
von 2008 an 100 Millionen Euro mehr und damit jährlich 400
Millionen Euro für den Kampf gegen HIV/Aids zahlen zu wollen. Nach
Auskunft des Entwicklungshilfeministeriums wird diese Summe
möglicherweise auch bereits im Jahr 2007 erreicht. «Es gibt
nichts wichtigeres, als die Mittel und die Aufmerksamkeit auf diese
Pandemie zu konzentrieren», sagte Deutschlands
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) dem
RBB-Inforadio. Das UN-Kinderhilfswerk verlangte, besonders die
betroffene Kinder zu fördern, vor allem Mädchen bräuchten
mehr Schutz.
Die Stärkung von Mädchen und Frauen wurde auch in der
Konferenzeröffnung betont. «Es wird Zeit, dass wir ernst
damit machen, Menschenrechte zu schützen und zu fördern - und
das auch in unseren Budgets berücksichtigen», forderte der
Chef des Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen,
Peter Piot. Die 16. Weltaidskonferenz steht unter dem Motto «Time
to deliver» («Zeit, Versprechen einzulösen»).
So geht es unter anderem darum, existierende Medikamente und
Vorsorgeprogramme allen Bedürftigen zugänglich zu machen, die
zu 90 Prozent in armen Ländern leben. Obwohl es wirksame
Medikamente gibt, die den Aidserreger HIV zumindest vorübergehend
in Schach halten, bekommt nur etwa jeder fünfte Bedürftige in
den armen Ländern diese Pillen. «Tragischerweise ist das Ende
von Aids nirgendwo in Sicht», sagte Piot. Er forderte auch eine
Verdopplung der Forschungsgelder für unsichtbare «chemische
Kondome», so genannte Mikrobizide.
Mit diesen Wirkstoffen, die etwa als unsichtbares Gel in die Scheide
eingeführt werden, sollen Frauen ein selbst kontrollierbares Mittel
zum Schutz vor dem Aidsvirus bekommen, das sie, wenn nötig, auch
unbemerkt anwenden können - etwa, wenn sie einen Mann nicht zum
Kondomgebrauch zwingen können. Bill Gates, dessen private Stiftung
vor wenigen Tagen 500 Millionen Dollar für den Kampf gegen
HIV/Aids zugesagt hatte, betonte in seiner Eröffnungsansprache:
«Eine Frau sollte niemals die Erlaubnis ihres Partners
benötigen, um ihr eigene Leben zu retten.»
(Quelle: dpa)
UNICEF: Bei Luftangriff in Sri Lanka getötete Kinder 'unschuldige
Opfer'
Mi.16.08.06 - Das Kinderhilfswerk UNICEF hat den Luftangriff der Armee mit Dutzenden
getöteten Kindern im Rebellengebiet im Nordosten Sri Lankas als
«schockierend» kritisiert. «Diese Kinder sind
unschuldige Opfer der Gewalt», sagte UNICEF-Chefin Ann M. Veneman.
UNICEF sprach nach einem Besuch von Mitarbeitern vor Ort von bis zu 40
jugendlichen Mädchen, die bei dem Angriff am Montag starben, und
von rund 100 Verletzten. Die Mädchen hätten einen
zweitägigen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Die Konfliktparteien seien
nach internationalem Recht verpflichtet, Kinder zu schützen.
Regierungssprecher Keheliya Rambukwella sagte dagegen, das am Vortag
bombardierte Gebäude sei ein «legitimes militärisches
Ziel» gewesen. Es habe sich um ein Trainingslager für
Kämpfer und Kindersoldaten der Tamilen-Rebellen der LTTE gehandelt.
«Alter und Geschlecht zählen nicht, wenn es zum Kampf
kommt», sagte Rambukwella. Nach Angaben der LTTE handelte es sich
um einen Angriff auf ein Waisenhaus, bei dem 61 Schulmädchen
starben.
Auch die nordische Mission zur Überwachung des Waffenstillstands
(SLMM) teilte mit, bei dem Ziel habe es sich nicht um eine
militärische Anlage gehandelt. Die Regierung ordnete die
Schließung aller Schulen für die nächsten zwei Wochen
an. Als Grund gab das Bildungsministerium an, die Schulen würden
für internationale Sportveranstaltungen gebraucht. In Colombo wurde
der Schritt dagegen als Vorsichtsmaßnahme gegen mögliche
LTTE-Racheakte gewertet.
(Quelle: dpa)
Weltbank setzt Wachstumprognose für China auf 10,4 Prozent herauf
Mi.16.08.06 - Die Weltbank hat ihre Konjunkturprognose für China deutlich nach
oben heraufgesetzt. In einem am Dienstag in Schanghai
veröffentlichten Bericht geht das Finanzinstut davon aus, dass die
chinesische Wirtschaft in diesem Jahr um 10,4 Prozent wachsen wird. In
einem vorherigen Bericht war die Weltbank noch von 9,5 Prozent
ausgegangen. Für 2007 erwartet das Washingtoner Institut, dass das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) in China um 9,3 Prozent statt der bisher
vorhersagten 8,5 Prozent zulegen wird.
(Quelle: afp)
US-Softwarekonzern CA streicht 1700 Stellen
Mi.16.08.06 - Die amerikanische Softwarefirma CA, einer der größten
Anbieter von Managementsoftware für Computernetze, will im Zuge
eines Kostensenkungsprogramms weltweit 1700 Stellen streichen, rund die
Hälfte davon in Nordamerika. Dies hat das in Islandia (Bundesstaat
New York) ansässige Unternehmen am Montag nach Börsenschluss
bekannt gegeben.
CA - ehemals Computer Associates - will auch weltweit Betriebe
konsolidieren. Die Gesamtkosten der Restrukturierung wurden auf 200
Millionen Dollar vor Steuern beziffert. CA rechnet mit
Kostenersparnissen von rund 200 Millionen Dollar pro Jahr. Die
Stellenstreichungen belaufen sich nach US-Medienberichten vom Dienstag
auf rund elf Prozent der Gesamtbelegschaft.
CA will zudem Aktien im Wert von insgesamt zwei Milliarden Dollar
zurückkaufen. In der ersten Phase sollen, beginnend in dieser
Woche, Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar zurück gekauft
werden.
CA, ein in den vergangenen Jahren in einen großen Bilanzskandal
verwickeltes Unternehmen, hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres
2007/2008 (31. März) einen Gewinnrückgang gegenüber der
entsprechenden Vorjahreszeit um 64 Prozent auf 35 Millionen Dollar
verbuchen müssen. Der Gewinn pro Aktie sank auf sechs (Vorjahr:
16) Cent je Aktie. Der Quartalsumsatz erhöhte sich um drei Prozent
auf 956 Millionen Dollar.
Die CA-Aktien legten jedoch nachbörslich wegen des
Restrukturierungs- und des umfangreichen Aktienrückkauf-Programms
um 2,07 Prozent auf 22,22 Dollar zu.
(Quelle: dpa)
Finnland für Integration älterer Arbeitnehmer ausgezeichnet
Mi.16.08.06 - Finnland wird für sein Reformprogramm zur besseren Integration
älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt mit dem
Carl-Bertelsmann-Preis ausgezeichnet. Die konzertierte Aktion der
finnischen Regierung, der Gewerkschaften und der Arbeitgeber habe zur
deutlichen Verbesserung der Erwerbsbeteiligung in der Altersgruppe der
55- bis 64-Jährigen geführt, erklärte die
Bertelsmann-Stiftung am Dienstag in Gütersloh. Finnland gelang es
demnach mit seinen Reformen vor allem, ältere Arbeitnehmer
länger im Erwerbsleben zu halten. Arbeitsplatzgestaltung,
Arbeitsorganisation und Weiterbildungsmaßnahmen wurden dabei
stärker auf Bedürfnisse und Fähigkeiten der Senioren
zugeschnitten. Hinzu kamen Anreize durch eine Rentenreform.
Auslöser für die Arbeitsmarktreformen in Finnland waren die
Wirtschaftskrise zu Beginn der 90er Jahre und der Strukturwandel vom
Rohstoff produzierenden und verarbeitenden Land zum Technologiestandort,
wie eine internationale Prognos-Studie im Auftrag der
Bertelsmann-Stiftung ermittelte. Ziel war der Wandel von einer "Kultur
der Frühverrentung" zu einer "Kultur des längeren
Erwerbslebens". Mit den Reformen gelang es, die Arbeitslosigkeit in der
Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen von mehr als 20 Prozent Mitte
der 90er Jahre auf 7,3 Prozent im Jahr 2004 zu reduzieren. Die
Erwerbsquote der Älteren in Finnland liegt mit heute 55 Prozent gut
zehn Prozent über dem EU-Schnitt.
2005 führte die finnische Regierung außerdem das variable
Rentenalter von 63 bis 68 Jahren ein. Arbeitnehmer werden dabei
finanziell belohnt, wenn sie länger erwerbstätig bleiben. So
steigt der Rentenanspruch zwischen dem 63. und dem 68. Lebensjahr
überproportional um 4,5 Prozent pro Jahr. Dieses Anreizsystem
führte zu einer Erhöhung des effektiven Rentenalters seit 1995
um 1,2 Jahre auf 59,1 Jahre.
Wenig erfolgreich war die finnische Regierung mit ihren Reformen nur
bei der Vermittlung älterer Langzeitarbeitsloser. Der
Carl-Bertelsmann-Preis wird am 14. September in Gütersloh verliehen.
(Quelle: afp)
Wachstumsschub in Euro-Zone - aber wohl von kurzer Dauer
Mi.16.08.06 - Die Wirtschaft der Euro-Zone ist im zweiten Quartal voraussichtlich so
kräftig gewachsen wie seit sechs Jahren nicht; der Anstieg des
Bruttoinlandsproduktes (BIP) wird sich nach Einschätzung der
EU-Kommission aber zum Jahresende verlangsamen. Wie die
EU-Statistikbehörde Eurostat am Montag in Luxemburg mitteilte,
legte das BIP der zwölf Euro-Staaten gemessen am ersten Vierteljahr
um 0,9 Prozent zu. Verglichen mit den anderen großen
Wirtschaftsräumen der Welt lag die Euro-Zone damit sogar vor den
USA. Konjunkturlokomotiven des Frühjahrs waren vor allem Frankreich
und Deutschland.
(Quelle: afp)
Deutschland
Verzicht auf Mehrwertsteuererhöhung gefordert
Mi.16.08.06 - Nach unerwartet guten Steuereinnahmen haben Verbände,
Gewerkschaften und die Opposition einen Verzicht auf die Erhöhung
der Mehrwertsteuer verlangt. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte
am Dienstag dem Nachrichtensender N24: «Die drei Prozent sind
wirklich falsch für die Konjunktur.» Das werde den Aufschwung
gefährden. Da die Regierung aber da nicht runter wolle, habe er
vorgeschlagen, die Erhöhung um drei Prozentpunkte über einen
Zeitraum von drei Jahren zu strecken.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Wirtschaft und Wissenschaftler
forderten ebenfalls einen Verzicht auf die Erhöhung von 16 auf 19
Prozent zum 1. Januar 2007. Wenn der Aufschwung kein Strohfeuer bleiben
solle, müsse die Erhöhung durch eine Anhebung des
Spitzensteuersatzes, Mehreinnahmen bei den Unternehmenssteuern und eine
neue Vermögenssteuer ersetzt werden, sagte DGB-Chefökonom
Dierk Hirschel der «Neuen Osnabrücker Zeitung».
Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für
Makroökonomie und Konjunkturforschung in der gewerkschaftsnahen
Hans-Böckler-Stiftung, Gustav Horn, sagte, wenn die
Mehrwertsteuererhöhung schon nicht zu vermeiden sei, müsse der
«drohende Konjunkturschock» im kommenden Jahr so klein wie
möglich gehalten werden. Die öffentlichen Investitionen
aufzustocken, würde dazu einen wichtigen Beitrag leisten.
Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und
Außenhandels (BGA), Anton Börner, sagte: «Wenn man die
drei Prozent aussetzen würde, würde es der gesamten
Binnennachfrage in Deutschland besser gehen.» Im Ergebnis werde
der Bundesfinanzminister sogar mehr Steuereinnahmen haben. Der
Finanzwissenschaftler Rolf Peffekoven riet ebenfalls von der
Erhöhung ab. Werde die Mehrwertsteuer erhöht, werde der Konsum
wieder beeinträchtigt, erklärte er im ZDF.
Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim
Poß, verteidigte dagegen die Pläne. Die
Mehrwertsteuererhöhung sei nach wie vor notwendig. Die Kritiker
überschätzten den konjunkturgefährdenden Effekt. Der
Aufschwung werde mittlerweile auch von der Binnennachfrage getragen. Es
sei sehr unwahrscheinlich, dass es hier zu einem abrupten Abbruch Anfang
nächsten Jahres komme.
Der Hamburger Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) und der
rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) sprachen
sich in einem Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin
«Capital» gegen einen Verzicht auf die Erhöhung aus.
Trotz der sprudelnden Einnahmen müssten die öffentlichen
Haushalte strukturell saniert werden, begründete Peiner. Deubel
wies darauf hin, dass laut Stabilitätspakt die öffentliche
Hand in Deutschland einen Überschuss in Höhe von 45 Milliarden
Euro erzielen müsste. Tatsächlich mache sie «in diesem
Jahr ein Defizit von 70 Milliarden Euro».
(Quelle: ap)
Hohe Energiepreise lassen Gewinn bei Eon sprudeln
Mi.16.08.06 - Dank anhaltend hoher Energiepreise entwickelt sich das Geschäft
bei Deutschlands größtem Energieversorger Eon prächtig.
Vor Steuern und Zinsen konnte der Konzern sein Ergebnis (Ebit) im ersten
Halbjahr um 13 Prozent auf 4,836 Millionen Euro steigern, wie Eon in
Düsseldorf mitteilte. Der Umsatz stieg von Januar bis März
sogar um 31 Prozent auf 36,915 Millionen Euro.
Die gute Entwicklung veranlasste Eon-Chef Wulf Bernotat, auch für
das Gesamtjahr die Messlatte höher zu hängen: Das Ergebnis vor
Steuern und Zinsen (Ebit) für 2006 werde das hohe Niveau des
Vorjahres (7,3 Millionen) noch übertreffen, erklärte Bernotat,
ohne genaue Zahlen zu nennen. Nicht erreichen werde Eon dagegen den
hohen Überschuss des Vorjahres (7,4 Millionen Euro). Grund ist der
erfolgreiche Verkauf der Immobilientochter Viterra und des
Anlagenbauers Ruhrgas Industries 2005, die Eon damals viel Geld in die
Kasse spülte.
Weitere Wachstumschancen eröffnet nach Ansicht von Bernotat die
geplante Übernahme des spanischen Energieversorgers Endesa. Die
spanische Regierung versucht die Fusion mit harten Auflagen zu
verhindern. Eon gehe aber weiter von einem erfolgreichen Abschluss aus,
erklärte Bernotat.
(Quelle: afp)
Finanzgericht bezweifelt Spareffekt von Gesundheitsreformen
Mi.16.08.06 - Das Finanzgericht Köln hat in einem Urteil massive Zweifel daran
bekundet, dass die diversen Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre
wesentliche Spareffekte bewirkt haben. Das Gericht entschied nach
Angaben vom Dienstag, dass die Reformen nicht zu einer so genannten
Teilwertabschreibung auf den Geschäftswert von Apotheken
berechtigten.
Die verschiedenen Gesundheitsreformen führten «bei typischen
Apotheken regelmäßig nicht zu Gewinnminderungen»,
betonten die Richter. Der 13. Senat des Finanzgerichts stütze seine
Entscheidung «insbesondere auch auf die hohe
Gesetzgebungsfrequenz im Gesundheitsbereich», erklärte das
Gericht. Die häufigen Änderungen führten dazu,
«dass die Auswirkungen der einzelnen Gesetze in der Regel nicht
nachhaltig» seien. (Aktenzeichen: Finanzgericht Köln 13 K
4550/05, Entscheidung vom 21.6.2006)
(Quelle: ap)
NABU kritisiert Rückschritte in der Umweltpolitik
Mi.16.08.06 - Der Naturschutzbund hat der großen Koalition Rückschritte in
der Umweltpolitik vorgeworfen. NABU-Präsident Olaf Tschimpke
kritisierte am Dienstag die Föderalismusreform, die eine
Zersplitterung des Naturschutz- und Umweltrechtes nach sich ziehe. In
der Agrarpolitik zeichne sich ein Rückfall in alte Muster ab. Auch
der Verkehrspolitik stellte der Verband schlechte Noten aus.
Während beim umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr
gespart werde, werde an teuren Prestigeprojekten im Straßen- und
Schienenverkehr festgehalten.
Bei der Vorstellung des Jahresberichts 2005 zeigte sich Tschimpke
verärgert über das fortdauernde Gezerre zwischen Union und SPD
über den Bestand des Atomausstiegs. «Der
Forsmark-Störfall hat einmal mehr vor Augen geführt, dass es
zum Ausstieg keine Alternative gibt», erklärte Tschimpke. Die
wiederholten Forderungen aus der Union und einigen Bundesländern
nach einer Rückkehr zur Atomenergie bezeichnete er angesichts des
Störfalls in Schweden als zynisch.
Der NABU würdigte allerdings auch die Bemühungen der
Regierung um eine Verbesserung des Klimaschutzes sowie die Umwandlung
von zur Privatisierung anstehenden Bundesflächen in eine
Bundesstiftung Nationales Naturerbe. Der Verband stellte auch seine
eigenen Kampagnen zur Rückkehr von Wölfen und zur
Renaturierung der Unteren Havel als erfolgreich heraus. Die
Mitgliederzahl des Verbandes sei gegenüber dem Vorjahr um rund
6.000 gestiegen. Zum Jahresende 2005 zählt der NABU den Angaben
zufolge knapp 400.000 Mitglieder.
(Quelle: ap)
Hoteleigentümer erwägt Schenkung an Neonnazi-Anwalt Rieger
Mi.16.08.06 - Ungeachtet des Widerstands in der Bevölkerung erwägt der
Eigentümer eines Hotels in Delmenhorst, das Gebäude einer von
Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger geleiteten Stiftung zu schenken. Das
Gebäudedarlehen in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro, die
von Rieger zu zahlenden Schenkungssteuer und der Erlös für
Klein- und Großinventar hätten einen Wert von 3,4 Millionen
Euro, teilte der Eigentümer am Dienstag mit. Mit diesem Schritt
wäre nach seinen Angaben das Vorkaufsrecht der Stadt Delmenhorst
ausgehebelt.
Das Hotel im Zentrum von Delmenhorst steht seit 14 Monaten leer, der
Besitzer suchte dafür seit langem einen Käufer. Ende Juli
wurde bekannt, dass Rieger das Hotel erwerben und die vom
Eigentümer geforderten 3,4 Millionen Euro zahlen will. Nach
Medienberichten plant er darin unter anderem eine Tagungsstätte
für die rechte Szene.
Dagegen formierte sich jedoch Widerstand. Bei einer Protestaktion
demonstrierten rund 2.500 Menschen. Eine Bürgerinitiative sammelt
Geld, um das Gebäude mit möglicher Unterstützung der
Stadt selbst zu erwerben. Nach Angaben eines Stadt-Sprechers kamen
inzwischen mehr als 625.000 Euro zusammen. Zudem beschloss der Rat, den
Bau sowie einige weitere nahe Gebäude zum Sanierungsgebiet zu
erklären. Daraus ergibt sich nach Angaben des Hoteleigentümers
das Vorkaufsrecht der Stadt.
Unter anderem habe die Stadt nichts gegen die wachsende
Lärmbelästigung durch zwei städtische
Veranstaltungshallen in der unmittelbaren Nähe des Hotels
unternommen. Dies habe zur Schließung des Hotels geführt,
begründete der Eigentümer. Mit einer Schenkung könne er
verhindern, dass ihn die Stadt enteigne und zu einem armen Mann mache.
Durch ihr Vorkaufsrecht müsste sie nur den Verkehrswert für
das Hotel zahlen, der deutlich unter dem geforderten Preis liegen werde.
(Quelle: ap)
Kritik an Grass wegen SS-Mitgliedschaft reißt nicht ab
Mi.16.08.06 - Auch Tage nach dem SS-Bekenntnis des Schriftstellers Günter Grass
reißt die Kritik an dem Literaturnobelpreisträger nicht ab.
Parallel zu dem Vorwurf, mit seinem Geständnis PR für sein
neues Buch machen zu wollen, erhielt Grass aber auch Rückendeckung
von den Politikern Wolfgang Thierse (SPD) und Gregor Gysi. Der
Kulturbeauftragte der Bundesregierung, Bernd Neumann, sagte, Grass'
literarisches Werk bleibe zwar bestehen. «Aber als moralische
Instanz, als die er sich selbst immer sah, hat er Schaden
genommen», kritisierte der CDU-Politiker.
Bereits am Vortag hatte der Zentralrat der Juden den 78-Jährigen
scharf kritisiert. Das späte Geständnis lege die Vermutung
nahe, dass es sich um eine PR-Maßnahme zur Vermarktung seines
neuen Buches «Beim Häuten der Zwiebel» handele, sagte
Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch. Grass habe Politik und
Gesellschaft wegen ihres Umgangs mit dem Nationalsozialismus scharf
kritisiert. «Sein langjähriges Schweigen über die eigene
SS-Vergangenheit führt nun seine früheren Reden ad
absurdum.»
Auch der Historiker und CDU-Politiker Christoph Stölzl vermutet
hinter dem späten Geständnis des Schriftstellers
Medienkalkül. «Wieder einmal hat sich der alte
Literatur-Löwe Grass als genialer Medienprofi erwiesen»,
sagte der frühere Berliner Kultursenator. Dass ihn sein Gewissen zu
dem Geständnis gezwungen habe, glaube niemand, der sich mit dem
Verhältnis von Literatur und Moral auskenne. Der Chef der Jungen
Union, Philipp Mißfelder, bezeichnete Grass' spätes
Eingeständnis als beschämend.
Für die SPD bleibt Grass dagegen ein «wichtiger politischer
Gesprächspartner», wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang
Thierse sagte. «Wir sollten unser Verhältnis zu ihm nicht
ändern.» Grass sei immer ein wichtiger und kritischer
Unterstützer der SPD gewesen. Man dürfe ihn jetzt nicht wie
einen Aussätzigen behandeln. Thierse sagte, dass auch für ihn
das Bekenntnis überraschend gewesen sei. Warum es Grass erst jetzt
mitgeteilt habe, könne nur dieser selbst beantworten.
PDS-Politiker Gysi sagte, es solle respektiert werden, dass sich Grass
ohne äußeren Druck erklärt habe. Die westdeutsche
Gesellschaft sei in den 50er und 60er Jahren unfähig gewesen, mit
der Nazi-Vergangenheit umzugehen. «Aus der Sicht von Günter
Grass hätten ihn die Falschen vor Verurteilungen in Schutz
genommen», sagte der Chef der Linkspartei-Bundestagsfraktion.
Auch der Schriftsteller und Philosoph Rüdiger Safranski nahm den
Nobelpreisträger in Schutz. Für das Bekenntnis müsse man
Grass Respekt zollen. Dieser wisse, dass er damit in einer kurzatmigen
Öffentlichkeit seinen Ruf ruinieren könne. Grass könne
nicht aus kommerziellem Kalkül gehandelt haben, weil es ihm um die
Ehre gehe. Zugleich forderte der Philosoph, zwischen Grass' Werk und
seiner Rolle als «politischer Propagandist und Moralist» zu
unterscheiden.
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins «Stern» ergab
unterdessen, dass Grass nach Ansicht der großen Mehrheit der
Bundesbürger seinen Literaturnobelpreis nicht zurückgeben
soll. 87 Prozent lehnen dies ab. Acht Prozent der Befragten meinten,
dass Grass die Auszeichnung abgeben soll.
(Quelle: ap)