Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mehr als 20 Tote bei Bombenanschlägen in Bagdad. Angriff auf
Regionalregierung in Basra. Fünf Tote bei heftigen Kämpfen
zwischen Polizei und Aufständischen in Mossul. 3.500 Gewaltopfer im
Irak im vergangenen Monat
Do.17.08.06 - Bei drei Bombenanschlägen im Zentrum von Bagdad sind am Mittwoch
21 Menschen getötet worden. Eine Explosion im Bezirk Nahda kostete
laut Polizeiangaben acht Tagelöhnern das Leben, die auf
Aufträge warteten. Am Abend wurden bei zwei nahezu zeitlichen
Detonationen von Autobomben 13 Menschen in den Tod gerissen und 55
weitere verletzt.
Bei dem Anschlag in Nahda erlitten 28 Menschen Verletzungen, unter
ihnen vier Polizisten. Die Sprengsätze am Abend detonierten im
Bezirk Bataiwin. Über dem Gebiet stand eine dichte schwarze
Rauchwolke.
In der Provinz Basra griffen Dutzende Bewaffnete den Sitz des
Gouverneurs an. Mitglieder des Bani-Assad-Clans machten die
Provinzregierung für die Ermordung eines Stammesführers am
Dienstag verantwortlich und belagerten das Gebäude, wie ein
eingeschlossener Regierungsmitarbeiter berichtete. Die Bewaffneten
flohen schließlich, als die in der südirakischen Stadt
stationierten britischen Truppen eingriffen. Sieben der Angreifer
wurden nach Angaben der Polizei festgenommen. Rund 60 Kilometer
nördlich von Basra wurde ein dänischer Soldat bei einem
Einsatz angeschossen, wie ein Militärsprecher am Mittwoch
mitteilte.
In der nordirakischen Stadt Mossul lieferte sich die Polizei in
mehreren Vierteln heftige Kämpfe mit Aufständischen.
Mindestens fünf Angreifer wurden nach Polizeiangaben getötet
und sechs festgenommen. Am Vortag waren in der Stadt bei einem
Selbstmordanschlag auf ein Büro der Patriotischen Union Kurdistans
(PUK), der Partei des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani,
neun Menschen getötet worden.
Nördlich der Stadt Hillah explodierte am Mittwoch eine am
Straßenrand versteckte Bombe, als eine irakische Patrouille
vorbeifuhr. Drei Soldaten wurden getötet und vier verletzt, wie
die Polizei mitteilte. Die überwiegend von Schiiten bewohnte Stadt
liegt 95 Kilometer südlich von Bagdad. In Kut, 160 Kilometer
südöstlich der Hauptstadt, zog die Polizei drei gefesselte
Leichen aus dem Tigris. Offenbar seien die Opfer vor ihrem Tod
gefoltert worden, sagte ein Gerichtsmediziner.
Im vergangenen Monat fielen laut Regierungsangaben rund 3.500 Iraker
der anhaltenden Gewalt zum Opfer. Das Innenministerium in Bagdad sprach
am Mittwoch von der bisher höchsten Zahl an Opfern politisch und
religiös motivierter Gewalt innerhalb eines Monats.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 17.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundfünfzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Libanon stationiert Soldaten südlich des Litani-Flusses.
Diplomatische Bemühungen zur Umsetzung der Libanon-Resolution.
Deutscher Außenminister Steinmeier: Syrien bleibt wichtig im
Bemühen um Frieden. Hanija und Abbas wollen über gemeinsame
Regierung verhandeln
Do.17.08.06 - Die libanesischen Streitkräfte haben heute mit der Stationierung
von Soldaten südlich des Litani-Flusses begonnen. Sie sollen
gemeinsam mit UN-Truppen die Kontrolle über die Region
übernehmen. Ziel ist die Einrichtung einer 30 Kilometer breiten
Pufferzone, um Angriffe der Hisbollah-Miliz auf Israel zu verhindern.
Die israelischen Streitkräfte begannen unterdessen mit ihrem
Rückzug aus dem Südlibanon. Einige ihrer Stellungen seien der
UN-Truppe übergeben worden, erklärten die Streitkräfte
am Donnerstag.
Der Schritt erfolge im Einklang mit einer Vereinbarung zwischen den
israelischen Streitkräften, der UN-Truppe UNIFIL und der
libanesischen Armee, hieß es. Vor Morgengrauen überquerten
mehrere hundert israelische Soldaten die Grenze.
Unter dem Eindruck der weitgehend stabilen Waffenruhe im Libanon laufen
unterdessen die internationalen Bemühungen zur Umsetzung der
UN-Resolution auf Hochtouren. Die Außenminister Frankreichs, der
Türkei, Pakistans und Malaysias trafen am Mittwoch zu
Gesprächen über die Stationierung einer internationalen
Friedenstruppe in Beirut ein. Über dasselbe Thema wollten in
Brüssel EU-Diplomaten und Sicherheitsexperten beraten.
Die UN-Truppe im Südlibanon (UNIFIL) soll von derzeit 2.000 auf
15.000 Soldaten aufgestockt werden. Auch die libanesischen
Streitkräfte sollen 15.000 Soldaten in den Süden des Landes
entsenden. Die ersten libanesischen Einheiten könnten am Donnerstag
in das Gebiet südlich des Litani-Fluss einrücken, wie ein
UNIFIL-Sprecher sagte. Gleichzeitig soll Israel mit dem Abzug seiner
Soldaten beginnen.
Der israelische Heereschef Dan Halutz erklärte am Mittwoch, falls
notwendig könnten die israelischen Truppen noch mehrere Monate im
Südlibanon bleiben. Halutz reagierte damit nach einem Bericht des
israelischen Radios auf eine Einschätzung der Geheimdienst, wonach
die Stationierung der libanesischen Streitkräfte und der UN-Truppe
Monate dauern könnte.
Die Vereinten Nationen hoffen, die UNIFIL innerhalb der kommenden zwei
Wochen um 3.500 Soldaten aufstocken zu können. Damit stünde
eine Vorhut zur Verfügung, die den Abzug der israelischen und die
Stationierung libanesischer Soldaten ermögliche, sagte der
stellvertretende UN-Generalsekretär Hedi Annabi am Dienstag in New
York. Beides könne aber auch schon früher geschehen,
«wenn der politische Wille da ist», erklärte Annabi. In
Europa haben sich Frankreich, Italien und Spanien bereit erklärt,
Soldaten für die Truppe zur Verfügung zu stellen.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat zum
Abschluss seiner Nahostreise erneut die Notwendigkeit bekräftigt,
Syrien in die internationalen Friedensbemühungen einzubeziehen.
Dazu müsse das Land aber eigene Signale setzen, um sich konstruktiv
zu beteiligen, sagte Steinmeier am Mittwoch nach einem Treffen mit
seinem saudiarabischen Kollegen Prinz Saud el Faisal in Dschiddah.
Steinmeier hatte am Vortag nach einer Israel-feindlichen Rede von
Syriens Präsident Baschar el Assad seine Reise nach Damaskus
kurzfristig abgesagt. Die Signale aus der Rede gingen in die falsche
Richtung und zielten nicht auf die Stärkung der libanesischen
Regierung, betonte der Minister. Nun komme es darauf an, die Bedingungen
für einen dauerhaften Waffenstillstand durch das Engagement der
internationalen Gemeinschaft sicherzustellen. Saudi-Arabien prüfe
derzeit wie Deutschland, welche Beiträge im Rahmen des Engagements
der UNO dazu geleistet werden könnten.
US-Außenministerin Condoleezza Rice verteidigte die vom
UN-Sicherheitsrat verabschiedete Waffenstillstands-Resolution für
den Libanon. Die Übereinkunft sei ein "guter erster Schritt, aber
nicht mehr", versicherte Rice in der "Washington Post". Sollte die
Resolution tatsächlich vollständig umgesetzt werden, wäre
dies auch ein "strategischer Rückschlag" für Syrien und den
Iran.
Nach Auffassung des amtierenden EU-Ratspräsidenten, des finnischen
Außenministers Erkki Tuomioja, ist die Resolution 1701 "nur ein
Anfang". Europa habe inzwischen begriffen, dass es ohne eine
Wiederbelebung des Friedensprozesses zwischen Israel und den
Palästinensern keine dauerhafte Stabilität im Libanon geben
werde, sagte Tuomioja. Er frage sich allerdings, ob in Washington
dieselbe Sichtweise herrsche: Dort sehe er eher die "Tendenz, die
Situation im Libanon als Teil des Antiterrorkriegs anzusehen".
Die israelische Öffentlichkeit zeigte sich unterdessen in Umfragen
wenig zufrieden mit dem Verlauf des Krieges und den Verantwortlichen. So
sank die Zustimmungsrate für Ministerpräsident Ehud Olmert in
einer Befragung von 78 Prozent in den ersten zwei Wochen der Offensive
auf jetzt noch 40 Prozent. Mit Verteidigungsminister Amir Perez zeigten
sich noch 28 Prozent zufrieden, nachdem es zuvor 61 Prozent gewesen
waren. In einer anderen Umfragen forderten 57 Prozent der Befragten
sogar seinen Rücktritt.
Im Südlibanon kostete eine Bombenexplosion am Mittwoch einen Mann
das Leben. Der 20-Jährige trat vor seinem Haus in Nabatijeh auf die
Bombe, wie die Behörden erklärten. Bereits einen Tag zuvor
war in der Region ein Mädchen bei einer Explosion verletzt worden.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija und
Präsident Mahmud Abbas wollen über die Bildung einer Regierung
der nationalen Einheit verhandeln. Eine entsprechende Entscheidung sei
bei einem Treffen der beiden Politiker gefallen, sagte Ghasi Hamad, ein
Sprecher der Hamas-Regierung, am Mittwoch. Hanija gehört der Hamas
an, Abbas der gemäßigteren Fatah-Bewegung.
Hanija erklärte, eine solche Regierung könne erst gebildet
werden, wenn die von Israel festgenommenen Kabinettsmitglieder und
Abgeordneten freigelassen würden. Die bei der Parlamentswahl im
Januar siegreiche Hamas und die unterlegene Fatah lieferten sich bis vor
wenigen Wochen einen Machtkampf, in dessen Mittelpunkt ein Fatah-Papier
zur Zwei-Staaten-Lösung stand. Dieses beinhaltete eine indirekte
Anerkennung Israels. Abbas hatte mit einem Referendum über das
Dokument gedroht, das die Hamas schließlich akzeptierte.
Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Haus im südlichen
Gazastreifen wurden zwei Palästinenser getötet. Mindestens
vier weitere wurden verletzt, wie Krankenhausmitarbeiter berichteten.
Das Haus in Chan Junis wurde demnach vollständig zerstört.
Rettungskräfte hätten zwei Leichen geborgen, bei den
Verletzten handele es sich um Nachbarn. Nach Angaben der israelischen
Streitkräfte hatten Extremisten in dem Gebäude Waffen
versteckt. Die Einwohner seien aufgefordert worden, sich in Sicherheit
zu bringen.
Die israelischen Streitkräfte erschossen am Mittwoch nach eigenen
Angaben zwei bewaffnete Palästinenser, die vom Gazastreifen aus die
Grenze zu Israel übertreten wollten. Eine Leiche sei später
den Palästinensern übergeben worden, erklärten die
palästinensischen Behörden.
(Quellen: afp, ap)
Regierungskoalition in Deutschland: Auf Beitrag für
Nahost-Friedensmission geeinigt
Do.17.08.06 - Nach dem Spitzentreffen der großen Koalition zeichnet sich ein
eng begrenzter deutscher Beitrag zur UN-Friedensmission im Nahen Osten
ab. Im Vordergrund der Überlegungen stünden humanitäre
Hilfen, Wiederaufbauhilfen sowie Beiträge zur Sicherung der
syrisch-libanesischen Grenze - insbesondere auf See, hieß es in
einer Erklärung nach der Beratung von Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) mit den Parteivorsitzenden von CSU und SPD, Edmund Stoiber
und Kurt Beck, sowie Vizekanzler Franz Müntefering (SPD). Eine
konkrete Entscheidung zum deutschen Engagement wurde noch nicht
gefällt.
Bei der Umsetzung der UN-Resolution 1701 wolle Deutschland einen
Beitrag entsprechend seiner Fähigkeiten leisten, hieß es in
der Erklärung. Voraussetzung sei jedoch, dass bei den jetzt
laufenden Verhandlungen in New York die Bedingungen dafür
geschaffen würden.
Vor dem Koalitionstreffen in Bayreuth hatte ein Regierungssprecher
erklärt, die Regierung werde "keinen Blankoscheck ausstellen in
dieser Frage". Es sei noch keine Entscheidung über eine deutsche
Beteiligung gefallen. Die Bundesregierung werde deutsche Soldaten
"nicht leichtfertig in ein Abenteuer schicken". Weil die Zeit
dränge, werde Deutschland bei der UNO am Donnerstag in New York
vorstellen, was die Bundesrepublik theoretisch beitragen könnte.
Am heute Abend sollen nach Angaben aus Regierungskreisen die
Fraktionschefs sowie die Obleute der zuständigen
Bundestagsausschüsse im Kanzleramt informiert werden. Nach
Informationen der Zeitung "Die Welt" verständigten sich die
Spitzen der Koalition darauf, für die internationale
Libanon-Mission in erster Linie Marine-Kräfte zur Sicherung der
Küste anzubieten. In dem Gespräch in Bayreuth habe Stoiber
verlangt, auf das Angebot deutscher Kampftruppen zu verzichten,
hieß es unter Berufung auf Koalitionskreise weiter.
Stoiber lehnte einen Kampfeinsatz der Bundeswehr erneut ab. In einem
Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" schrieb er: "Ich bleibe
dabei: ich kann mir deutsche Soldaten an der Grenze zu Israel in einem
Kampfeinsatz nicht vorstellen." Für einen solchen Einsatz sehe er
keine Mehrheit im Bundestag. Noch kategorischer drückte sich
CSU-Generalsekretär Markus Söder aus. "Aus historischen
Gründen ist ein militärischer Einsatz Deutschlands im Nahen
Osten unvorstellbar", sagte er der "Berliner Zeitung".
(Quelle: afp)
Dokumentation: Nahost-Erklärung der Koalitionsspitzen
Das Bundespresseamt in Berlin veröffentlichte am Mittwoch nach dem
Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Franz
Müntefering (SPD), dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck und dem
CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber folgende Erklärung:
«Die Koalition ist sich einig, dass Deutschland einen Beitrag zur
Lösung der politischen Probleme im Nahen Osten leisten will.
Hierfür kommen eine Vielzahl kurz- und langfristiger Komponenten
in Betracht, wie der Wiederaufbau im Libanon, die Umsetzung der
Sicherheitsratsresolution 1701 und die beharrliche und konsequente
Arbeit zur Durchsetzung einer dauerhaften Friedensordnung in der Region.
Eine solche Friedensordnung muss in besonderer Weise das Existenzrecht
Israels garantieren, die Entwicklung eines souveränen Libanon
sicherstellen und die Überwindung des israelisch-
palästinensischen Konfliktes auf Basis einer
Zwei-Staaten-Lösung vorsehen.
Bei der Umsetzung der Resolution 1701 will Deutschland einen Beitrag
entsprechend seiner Fähigkeiten leisten, vorausgesetzt die
hierfür notwendigen Bedingungen werden bei den jetzt laufenden
Verhandlungen in New York geschaffen. Im Vordergrund stehen dabei
humanitäre Hilfsleistungen, Leistungen des Wiederaufbaus und
Beiträge zur Sicherung der syrischlibanesischen Grenze,
insbesondere seeseitig.
Ferner hat die Spitzenrunde das innenpolitische Arbeitsprogramm
für den Herbst besprochen. Im Zentrum stehen die zeitgerechte
Umsetzung der Gesundheitsreform zum 1. Januar 2007, die Umsetzung der in
Eckpunkten bereits beschlossenen Unternehmenssteuerreform sowie die
Umsetzung der notwendigen Maßnahmen im Bereich der
Arbeitsmarktpolitik.»
Quelle: dpa, 16.08.06
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OPEC unterstützt Aufräumarbeiten nach Ölpest im Libanon
Do.17.08.06 - Die OPEC unterstützt die Beseitigung der Ölpest vor der
libanesischen Küste mit umgerechnet mehr als 150.000 Euro. Der
Fonds für Internationale Entwicklung der Organisation Erdöl
exportierender Staaten erklärte am Mittwoch, der Ölteppich
habe 150 Kilometer Küste verschmutzt, darunter auch syrisches
Territorium. Vermutlich seien bei den israelischen Luftangriffen auf ein
Kraftwerk im vergangenen Monat 10.000 bis 15.000 Tonnen Öl
ausgetreten.
Mit dem Geld soll die notwendige Ausrüstung für die
Säuberungsarbeiten gekauft werden, wie es in der Stellungnahme des
Fonds weiter hieß. Der libanesische Umweltminister Jakub Sarraf
erklärte in der vergangenen Woche, er werde wegen «dieses
schrecklichen Verbrechens» juristische Schritte einleiten. Bisher
wurden die Bemühungen zur Säuberung der Küste durch die
israelische Seeblockade behindert. Am Strand wurden bereits zahlreiche
tote Meerestiere angeschwemmt.
(Quelle: ap)
Der Preis des Krieges
Der Libanonfeldzug war teuer und hat Israels Wirtschaft geschadet - Die
Kriegskosten werden auf mindestens zwei Milliarden Euro geschätzt.
Die Libanesen beziffern die Kriegsschäden auf mehr als 4,5
Milliarden Euro... Mehr in der taz vom 16.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/16/a0130.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/08/16/a0126.1/text
Islamistische Milizen nehmen weitere Hafenstadt in Somalia ein
Do.17.08.06 - Die islamistischen Milizen haben bei ihrem Vormarsch in Somalia am
Mittwoch eine weitere Hafenstadt am Horn von Afrika eingenommen.
Hunderte Kämpfer hätten Hobyo widerstandslos übernommen,
teilten Vertreter der Scharia-Gerichte sowie Einwohner mit. Die Stadt
liegt südlich von Haradere, einem Piratenstützpunkt, den die
Milizen am Sonntag erobert hatten. Hobyo liegt 500 Kilometer
nördlich der Hauptstadt Mogadischu.
(Quelle: afp)
Irans Außenminister zeigt Gesprächsbereitschaft über
Uran
Do.17.08.06 - Die iranische Führung hat erstmals Bereitschaft signalisiert,
über die umstrittene Urananreicherung zu reden. «Auch wenn
wir keine Logik in den westlichen Forderungen nach Suspendierung unserer
nuklearen Aktivitäten sehen, so könnten wir diese Thema doch
im Rahmen ernsthafter Verhandlungen diskutieren», sagte
Außenminister Manuchehr Mottaki.
Er wies aber die UN-Resolution zurück, in der Iran unter Androhung
von Sanktionen aufgefordert wird, seine Urananreicherung bis Ende August
einzustellen.
Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte zuvor betont, dass der Iran
nicht auf seine vom Westen kritisierte Urananreicherung verzichten
werde. In dieser Frage werde Teheran keinen Millimeter
zurückweichen.
(Quelle: dpa)
Anhaltende Kämpfe in Sri Lanka
Do.17.08.06 - Die Menschen im Norden und Osten Sri Lankas leiden weiter unter
anhaltenden Kämpfen zwischen Regierungstruppen und tamilischen
Rebellen. Bei neuen Gefechten wurden nach Regierungsangaben vom Mittwoch
acht Aufständische getötet. Hilfsorganisationen gehen davon
aus, dass seit Juli bereits rund 100.000 Menschen vor der Gewalt
geflohen sind.
Kämpfer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) griffen nach
Angaben des Verteidigungsministeriums am Dienstagabend in der Hafenstadt
Jaffna Einheiten der Marine an, die nach Waffen- und
Munitionsverstecken suchten. Fünf der Angreifer seien in den
anschließenden Gefechten ums Leben gekommen. Bei
Zusammenstößen im Osten des Inselstaates seien drei Rebellen
getötet worden, berichtete ein Militärsprecher.
Die LTTE kämpfen seit 1983 für einen eigenen Staat in dem
überwiegend von Tamilen bewohnten Gebiet im Norden und Osten der
Insel Ceylon. 2002 vereinbarten Regierung und Rebellen eine Waffenruhe,
die aber wiederholt gebrochen wurde. Seit einigen Wochen droht der
Bürgerkrieg wieder in vollem Ausmaß zu entflammen. Am
stärksten umkämpft ist derzeit die Halbinsel Jaffna. Dieses
Zentrum der tamilischen Minderheit befindet sich seit mehr als einem
Jahrzehnt in der Hand der Regierungstruppen. Die Rebellen versuchen, das
Gebiet wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.
(Quelle: ap)
EU will auf einheitliche Linie bei Terrorbekämpfung setzen
Do.17.08.06 - Die EU-Mitgliedstaaten sollen nach den vereitelten
Terroranschlägen in Großbritannien verstärkt auf eine
einheitliche Terrorbekämpfung setzen. Bei einem Treffen in London
beschlossen mehrere EU-Innenminister unter anderem, verbesserte
Standards für Sicherheitsvorkehrungen auf europäischen
Flughäfen zu erarbeiten. Eine einheitliche Linie im Kampf gegen
den Terrorismus sei von größter Bedeutung, sagte der
britische Innenminister John Reid nach einem Treffen mit Sarkozy und
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).
Nach ihren Beratungen setzen Reid, Sarkozy und Schäuble ihre
Gespräche in erweiterter Runde mit den Kollegen aus Finnland,
Portugal und Slowenien fort. An den Beratungen nahmen auch
EU-Justizkommissar Franco Frattini und der EU-Koordinator für den
Kampf gegen den Terrorismus, Gijs De Vries, teil.
Ziel sei es auch, durch ein Programm zur technischen Hilfe die
Sicherheitsstandards auf Flughäfen in Drittstaaten zu
erhöhen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der
Teilnehmer. Zudem sollten Explosivstoffe mit einem Schwerpunkt auf
Flüssigsprengstoffen erforscht und in einer bei Europol
angesiedelten Datenbank erfasst werden. Auch solle die EU ihr Netz von
Experten ausweiten, die in regelmäßigen Treffen
"Radikalisierungsursachen analysieren und darauf aufbauend gezielte
Maßnahmen ergreifen" sollen.
Zuvor hatte Frattini bereits angekündigt, er werde in den
kommenden Tagen einen Vorschlag zur verbesserten Sicherheit im
Luftverkehr vorlegen. Dazu gehöre auch, dass der Verkauf von im
Handel erhältlichen Zündern, insbesondere für
Flüssigsprengstoffe, leichter zurückverfolgt werden
könne und ein stärkerer Austausch von Passagierdaten erfolgen
soll.
Anfang September soll ein Expertentreffen in Brüssel stattfinden.
Die Vorschläge sollen beim informellen EU-Innenministertreffen vom
20. bis 22. September im finnischen Tampere beraten werden. Wie ein
Sprecher von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot in Brüssel
mitteilte, wollten EU-Experten am 6. und 7. September in Brüssel
über Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen beraten.
(Quelle: afp)
Umweltorganisation WWF: Industrieländern droht Wasserknappheit
Do.17.08.06 - Die Umweltorganisation WWF hat die Industrienationen eindringlich zu
einem sparsameren Umgang mit Wasser aufgefordert.
Andernfalls drohe auch den reichen Nationen eine Wasserknappheit, wie
sie bereits die ärmeren Länder erlebten. Der steigende
Verbrauch durch Großindustrien und eine wachsende Bevölkerung
habe einige Städte schon an den Rand eines Wassermangels gebracht,
heißt es in einem am Mittwoch vom WWF vorgestellten Bericht. So
sei Wasser im spanischen Sevilla, in Sacramento im US-Bundesstaat
Kalifornien und der australischen Metropole Sydney bereits zum
Kernthema der Politik geworden.
Den Ankündigungen und Plänen, mit Wasser sparsamer umzugehen,
müssten nun dringend Taten folgen, forderte WWF. Als Ursache
für den immer gravierender werdenden Wassermangel nannte die
Organisation auch den Klimawandel und die immer stärker
schrumpfenden Feuchtgebiete. Am Mittelmeer in Europa belasteten zudem
der anhaltend wachsende Tourismus und die umfangreiche Bewässerung
in der Landwirtschaft die Wasserreservoirs. Die Länder am Atlantik
litten ihrerseits unter wiederkehrenden Dürreperioden.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Öffentlicher Widerstand gegen Gesundheitsreform wächst
Do.17.08.06 - Der Widerstand gegen die Gesundheitsreform wächst. Nach den
Krankenkassen kündigten am Mittwoch auch die Kliniken eine
Kampagne dagegen an. Das Gesundheitsministerium ließ sich von den
Kassen über den Stand ihres Schuldenabbaus unterrichten, der
Voraussetzung für den geplanten Gesundheitsfonds ist. Die AOK
bezweifelte, dass die Entschuldung fristgerecht gelingt.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger
sagte der Reform nur eine kurze Haltbarkeit voraus und forderte
für den nächsten Anlauf eine drastisch höhere
Eigenbeteiligung.
Der jetzige Koalitionskompromiss sei «keine große»
Reform, sagte der CDU-Politiker dem «Stern». Er werde nur
«drei bis fünf Jahre halten und dann beiden
Koalitionsparteien eine grundlegende Neuordnung offen halten».
Für die nachfolgende Reform verlangte er «weit mehr
marktwirtschaftliche Impulse». So sollten die Zuzahlungen im
Schnitt bei zehn Prozent der Behandlungskosten liegen.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte, die
Koalitionspläne seien ein «inakzeptabler
Formelkompromiss» und lösten die Probleme nicht. Der
vorgesehene Gesundheitsfonds schaffe einen
«Mammutbürokratismus», warnte DKG-Präsident
Rudolf Kösters. Der Dachverband wehrt sich vor allem gegen eine
Kürzung der Klinikbudgets um 750 Millionen Euro und forderte im
Gegenteil einen dreiprozentigen Zuschlag, um die Gehaltserhöhungen
zu bezahlen. Die Kliniken wollten ihre Kritik in einer
«Transparenzoffensive» ab 5. September deutlich machen und
hofften auf ein Umsteuern, sagte Kösters.
AOK-Chef Hans-Jürgen Ahrens verteidigte die Kampagne der Kassen.
Die Vorhaben schadeten dem Gesundheitssystem und den Versicherten:
«Da kann man doch nicht von uns verlangen, dazu zu schweigen und
die Schritte einfach hinzunehmen.» In der
«Netzeitung» äußerte er die Hoffnung, dass
zumindest die Bundestagsabgeordneten sich überlegen, welche Folgen
eine Reform gegen den willen der Wähler habe.
Den Gesundheitsfonds lehnte er erneut als «teuer und
überflüssig» ab und warnte zudem vor einem
verfrühten Start. «Das klappt gar nicht bis Anfang
2008», warnte Ahrens. Die von der Bundesregierung
angekündigte Beitragsanhebung um einen halben Prozentpunkt auf
durchschnittlich 14,4 Prozent hält er ohnehin für
unzureichend. Zur Entschuldung der Kassen sei mehr als ein Prozentpunkt
nötig. Er sagte voraus, dass der komplette Schuldenabbau bis zu
dem für Mitte 2008 erwarteten Start des Gesundheitsfonds nicht zu
erreichen sei. «Deshalb muss man mit dem Ministerium noch einmal
darüber sprechen, ob die Zeiträume der Entschuldung
ausreichen», sagte der AOK-Chef. «Dann kommt der Fonds eben
später.»
Im Gesundheitsministerium wurden dreitägige Beratungen über
die Entschuldungspläne der Kassen abgeschlossen. Die
Gespräche würden jetzt ausgewertet, sagte eine Sprecherin.
Gleichzeitig dementierte sie einen Bericht, wonach die Kassen mit einem
Vorschaltgesetz zur Reform zum Schuldenabbau gezwungen werden und
vermögende Kassen notfalls für die anderen zahlen sollen.
Der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach forderte, mit höheren
Steuerzuschüssen die Kassenbeiträge nächstes Jahr stabil
zu halten. «Wenn die Konjunktur und die steigenden
Steuereinnahmen es ermöglichen, die Beitragserhöhung ohne ein
höheres Haushaltsdefizit zu verhindern, müssen wir den
Spielraum nutzen», sagte er der «Frankfurter
Rundschau». Der Sozialverband VdK verlangte eine Halbierung des
Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel.
(Quelle: ap)
Bundesweite Proteste gegen Stellenabbau bei der Commerzbank
Do.17.08.06 - Mit einer bundesweiten Aktion haben die Beschäftigten der
Commerzbank am Mittwoch gegen den geplanten Stellenabbau protestiert.
Schwerpunkte der Demonstrationen waren Hamburg und
Nordrhein-Westfahlen, sagte Verdi-Sprecher und Commerzbank-Aufsichtsrat
Herbert Bludau-Hoffmann in Essen. Die Resonanz sei
überwältigend gewesen. "Es waren insgesamt weit mehr als die
erhofften 1000 Beschäftigten da", sagte er. In elf Städten
fanden gleichzeitig Betriebsversammlungen statt. Die
zweitgrößte deutsche Bank will in den kommenden zwei Jahren
900 Stellen streichen. Verdi fürchtet, dass sogar bis zu 3000
Mitarbeiter betroffen sind.
In Hamburg ließen mehrere hundert Commerzbank-Beschäftigte
bei einer Demonstration 3000 Luftballons steigen als Symbol für
3000 Mitarbeiter, deren Wissen verloren geht. "Das war erschreckend
schön", sagte Verdi-Sprecher Berthold Bose vor Ort. Nun erwarte
die Gewerkschaft eine Reaktion des Vorstands. Andernfalls werde es
weitere Aktionen geben, kündigte Bose an. Verdi-Bundesvorstand und
Commerzbank-Aufsichtsrat Uwe Foullong forderte das Unternehmen auf,
seine soziale Verantwortung wahrzunehmen: "Wer wie die Commerzbank
Riesengewinne macht, darf die Beschäftigten, die für den
Erfolg gesorgt haben, nicht im Regen stehen lassen."
Im ersten Halbjahr hatte die Bank ihren Gewinn im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum auf mehr als eine Milliarde Euro nahezu verdoppelt.
Bereits in den vergangenen fünf Jahren hatte die Commerzbank
mindestens 6700 Stellen gestrichen. Nach der Übernahme der
Eurohypo beschäftigt das Geldhaus hierzulande 27.000 Menschen.
(Quelle: afp)
Software ersetzt den Kollegen
Studie: In der Verwaltung von Großunternehmen fallen in den
nächsten fünf bis zehn Jahren 85 Prozent der Jobs weg. Grund:
Neue Technologien. Die Mitarbeiter sind schon jetzt unter Druck... Mehr
in der taz vom 12.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/12/a0084.1/text
Sicherheitsmängel im Atommeiler Brunsbüttel?
Do.17.08.06 - Das Atomkraftwerk Brunsbüttel weist nach Einschätzung der
Deutschen Umwelthilfe (DUH) gravierende Sicherheitsmängel auf. Der
Reaktor sei auf Störfälle schlechter vorbereitet als das
schwedische Kernkraftwerk Forsmark, sagte DUH-
Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am Mittwoch in Berlin.
Die Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung habe Defizite beim
Aufbau der Notstromversorgung festgestellt. Die Grünen und die
Umwelthilfe forderten eine Stilllegung des Kernkraftwerks. Das
Bundesumweltministerium bestätigte die Darstellung
grundsätzlich, der Betreiber Vattenfall wies
Sicherheitsmängel zurück.
«Der Reaktor verfügt über ein konzeptionell veraltetes
Notstromsystem», sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren.
Das System entspreche aber inzwischen der Genehmigung. Das
Kernkraftwerk Brunsbüttel weist nach Angaben von Vattenfall Europe
«keine sicherheitstechnischen Mängel auf». Das habe
auch eine derzeit laufende Sicherheitsprüfung ergeben.
Simulatortests hätten im Jahr 2002 zwar Hinweise auf «extrem
unwahrscheinliche Ereignisse» gebracht, die Leittechnik sei
inzwischen aber verändert worden. Ein Störfall wie in
Forsmark in Schweden sei ausgeschlossen, weil das Schutzkonzept
für die Stromversorgung anders als dort gestaffelt sei.
Gabriel hatte in der vergangenen Woche für einen vergleichbaren
Fall wie im schwedischen Atomkraftwerk Entwarnung gegeben. Der
Störfall ist nach Ansicht von Gabriel nicht auf deutsche
Atommeiler übertragbar. Die Atomkraftwerke müssten deshalb
nicht kurzfristig abgeschaltet werden. Gabriel fordert aber eine
detaillierte Prüfung in allen 17 deutschen Atommeilern, ob die
Sicherheitssysteme durch Kurzschluss oder Blitzeinschlag ausfallen
können. Nach einem Kurzschluss war der Reaktor 1 in Forsmark im
Juli gestoppt worden, weil zwei von vier Notstromaggregaten ausfielen.
Das Atomkraftwerk Brunsbüttel war 1977 ans Netz gegangen. Im
Dezember 2001 hatte eine Wasserstoffexplosion ein Kühlrohr im
Sicherheitsbehälter zerfetzt und dem Kühlsystem Wasser
entzogen, was erst im Februar 2002 entdeckt wurde. Vattenfall und E.ON
sollten daraufhin eine Sicherheitsanalyse erstellen. Die Kommission
für Reaktorsicherheit stellte laut Umwelthilfe 2003 fest, dass die
Defizite in der Notstromversorgung auch mit einem moderneren
Sicherheitsleitsystem nicht ausgeglichen werden könnten. Der
Meiler hat drei Notstromdieselaggregate. Die Atomaufsicht in Kiel hatte
ein ähnliches Vorkommnis für Schleswig-Holstein nach
bisherigem Kenntnisstand ausgeschlossen.
Die Grünen forderten, das Atomkraftwerk Brunsbüttel vom Netz
zu nehmen, bis Gabriel alle Sicherheitsfragen überprüft hat.
«Es ist wenig aufschlussreich, ob ein identischer Störfall
möglich wäre», sagte Grünen-Fraktionsvize
Bärbel Höhn. «Wichtig ist die Bewertung, ob das
Gesamtsystem sicherer oder weniger sicher ist.» Grünen-Chef
Reinhard Bütikofer verlangte, alle Kernreaktoren mit geringerem
Sicherheitsstandard vorzeitig abzuschalten und die Reststrommengen auf
jüngere Atomkraftwerke zu übertragen. Nach dem Atomgesetz
werden die ältesten vier Kraftwerke Biblis A und B sowie
Neckarwestheim und Brunsbüttel in dieser Wahlperiode bis 2009
abgeschaltet.
(Quelle: dpa)
Internet
Passwort-Klau nimmt dramatisch zu
Do.17.08.06 - Der Klau von Passwörtern im Internet nimmt dramatisch zu. Wie der
Branchenverband BITKOM unter Berufung auf Daten der
Landeskriminalämter mitteilte, stieg die Zahl der Opfer des so
genannten Phishing im ersten Halbjahr in manchen Regionen um bis zu 50
Prozent. Am stärksten betroffen sei Berlin. Im Schnitt rauben die
Betrüger den Angaben zufolge rund 4000 Euro von den Konten ihrer
Opfer.
Der Verband bemängelte, dass diese kriminellen Aktivitäten
bislang noch nicht konsequent genug geahndet würden. Bisherige
Strafanträge verliefen meist im Sande, da es noch kein angemessenes
Gesetz gegen den Versand der betrügerischen Emails gebe. Auch ein
aktuell vorliegender Gesetzentwurf reiche nicht aus. Die
Bundesregierung müsse an den Gesetzesplänen "unbedingt
nachbessern", forderte BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard
Rohleder.
Phishing-Betrüger fälschen Emails und Internetseiten von
Banken und Internethändlern und erschleichen sich so den Zugang zu
geheimen Bankdaten. Das Opfer erhält in der Regel eine Email, in
der es aufgefordert wird, seine Bankdaten neu einzugeben. Mit einem
beigefügten Link wird der Verbraucher auf eine gefälschte
Seite gelockt und muss dort neben der Kontonummer Passwort und
TAN-Nummer eingeben. Als Grund wird etwa eine Software-Aktualisierung
oder ein Sicherheits-Check vorgetäuscht. Die Mails sehen
täuschend echt aus: Die Betrüger fälschen Firmenlogos und
Internetadressen perfekt.
Ziel solcher Angriffe wurden unter anderem Kunden der Deutschen Bank,
der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken. Im Visier der
Betrüger sind aber auch Nutzer von Internet-Auktionshäusern
wie eBay und von Internet-Zahlsystemen wie PayPal.
Verbraucherschützer raten dazu, grundsätzlich nie
persönliche Zugangs- oder Kontodaten herausgeben, wenn sie per
Email dazu aufgefordert werden. Keine Bank versendet solche Mails.
Laut BITKOM tauchten zuletzt rund 12.000 "Phishing"-Seiten pro Monat im
Netz auf. Dies seien fast vier Mal so viele wie im Mai vergangenen
Jahres.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Voraussichtlich drei neue Planeten im Sonnensystem
Do.17.08.06 - Die Planetenfamilie in unserem Sonnensystem erwartet Zuwachs: Gleich
drei neue Mitglieder sollen in die Gemeinschaft der bisher neun Planeten
aufgenommen werden. Das sieht die erste wissenschaftliche Definition
des Begriffs Planet vor, die am Mittwoch auf der Vollversammlung der
Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Prag vorgestellt wurde.
Mindestens drei bereits bekannte Himmelskörper im Sonnensystem
erfüllen demnach die Planetenkriterien. Bevor allerdings Lexika und
Lehrbücher umgeschrieben werden können, muss der Beschluss
von den IAU-Delegierten am Donnerstag nächster Woche (24. August)
offiziell angenommen werden.
Die Neumitglieder der Planetenfamilie wären der Planetoid Ceres,
der die Sonne im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter
umkreist, der bisherige Pluto-Mond Charon, der dann Dank seiner
Größe selbst die Definition eines Planeten erfüllt, und
das vor drei Jahren jenseits der Plutobahn aufgespürte Objekt 2003
UB313 - von seinen Entdeckern nach der Heldin einer Fantasy-Fernsehserie
Xena getauft. Xena, bei dem mittlerweile ein Mond gesichtet wurde, ist
einer der Gründe, warum die wissenschaftliche Definition des
Begriffs Planet nötig geworden ist.
Durch die ständig weiterentwickelte moderne Beobachtungstechnik
werden immer mehr Entdeckungen in der dunklen Außenregion des
Sonnensystems gemacht, und wiederholt haben Astronomen bereits den Fund
eines zehnten Planeten für sich reklamiert - bislang allerdings
ohne den offiziellen Segen der IAU, die in solchen Fragen seit ihrer
Gründung 1919 die Hoheit besitzt. Angesichts der wachsenden Zahl
von Entdeckungen hätte mancher Astronom sogar dem 1930 entdeckten
Eiszwerg Pluto gern den Planetenrang entzogen. Der exzentrische Winzling
am Rande unseres Sonnensystems unterscheidet sich nicht nur krass von
den dort dominierenden riesigen Gasplaneten, er ist zudem sogar kleiner
als der Erdenmond.
Der historisch gewachsene Begriff Planet hatte ursprünglich nur
verdeutlicht, dass sich diese Objekte anders als die so genannten
Fixsterne am irdischen Firmament deutlich sichtbar bewegen. Eine solide
wissenschaftliche Definition fehlte aber bislang. Zwei Jahre lang hat
die internationale Astronomengemeinde nun diese Frage gewälzt, und
schließlich hat sich ein hochkarätig besetztes
Definitionskomitee aus Astronomen, Historikern und Schriftstellern im
Juli in Paris auf eine Formel geeinigt: Ein Planet ist demnach ein
Himmelskörper, der einen Stern umkreist, ohne Mond oder selbst ein
Stern zu sein. Außerdem muss die Schwerkraft des Planeten
groß genug sein, um ihn zu annähernd kugelförmiger
Gestalt zusammenzuziehen.
«Unser Ziel war, eine wissenschaftliche Basis für eine neue
Definition von "Planet" zu finden, und wir haben die Gravitation als
entscheidenden Faktor gewählt», erläuterte
Komiteemitglied Richard Binzel. «Die Natur entscheidet also, ob
ein Objekt ein Planet ist oder nicht.»
Ob dies in den Augen der Astronomen eine tragbare Lösung ist, wird
sich am Donnerstag nächster Woche entscheiden, wenn in Prag
über die Definition abgestimmt wird. Üblicherweise werden auf
den IAU- Vollversammlungen die meisten Resolutionen durchgewunken.
«In diesem Fall besteht aber durchaus noch eine reale Chance, dass
die Resolution nicht angenommen wird», schätzt IAU-Sprecher
Lars Christensen. Dann würde möglicherweise weitere drei
Jahre lang - bis zur nächsten IAU-Vollversammlung - offen bleiben,
was die Wissenschaft denn nun genau unter einem Planeten versteht.
Sollte die Definition jedoch angenommen werden, dürften bei den
Xena-Entdeckern die Sektkorken knallen, ihre Entdeckung bekäme dann
immerhin als erste seit mehr als 70 Jahren den Planetenstatus.
Allerdings müssten sie beizeiten womöglich einen anderen Namen
für ihre Entdeckung akzeptieren, denn die offizielle Benennung von
Himmelsobjekten behält sich die IAU vor. Auch ein einst
verstoßenes Mitglied würde wieder in die Planetenfamilie
aufgenommen: Ceres wurde nach seiner Entdeckung 1801 bereits als Planet
geführt, verlor aber wegen der folgenden zahlreichen Funde im
Asteroidengürtel bald seinen Planetenstatus.
Der wissenschaftlich exakten Definition geopfert würde die
Eselsbrücke «Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere
neun Planeten» - über die Anfangsbuchstaben der einzelnen
Wörter haben sich inzwischen Generationen die Namen und die
Reihenfolge der bisherigen Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter,
Saturn, Uranus, Neptun und Pluto gemerkt. Es würde sich allerdings
nicht lohnen, viel Mühe in eine neue Version des Merksatzes
für die dann zunächst zwölf Planeten zu investieren:
Neue Planetenkandidaten stehen bereits im Dutzend Schlange.
(Quelle: dpa)
Australische Wissenschaftler entdecken 'Meeres-T-Rex'
Do.17.08.06 - Die Entdeckung eines vor 25 Millionen Jahren lebenden Bartenwals mit
rasiermesserscharfen, angsteinflößenden Zähnen in
Australien könnte die Meeresforscher zum Umdenken über die
Entwicklung der heute friedlichen Spezies veranlassen. "Das Fossil
beweist, dass Bartenwale keineswegs immer so gemütlich und sanft
waren wie die heutigen Blauwale", sagte der Hochschulforscher Erich
Fitzgerald. Der Fund mache neue Forschungen über den "T-Rex der
Ozeane" nötig.
Während Bartenwale in der Regel bis zu 30 Meter lang sind und mit
den haarähnlichen Barten in ihrem Maul Plankton aus dem Meer
filtern, ist der prähistorische Wal ein flinker Killerfisch von nur
drei Metern Länge. Er habe sich von Fischen und kleinen Haien
ernährt, sagte Fitzgerald.
Das Fossil wurde schon in den späten 90er Jahren von einem Surfer
am Jan-Juc-Strand im Bundesstaat Victoria entdeckt. Es wurde Janjucetus
hunderi getauft und lag für Jahre unbeachtet in der australischen
Monash-Universität, bis Fitzgerald es auf dem Tisch eines Studenten
entdeckte. Seine Forschungsergebnisse werden diesen Monat in dem
Wissenschaftsmagazin "Royal Society Journal" veröffentlicht.
(Quelle: afp)