Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Rekordzahl von Anschlägen auf US-Soldaten.
Selbstmordattentäter tötet im Irak fünf kurdische
Sicherheitskräfte. Zehn Tote bei Bombenanschlägen in Bagdad
Fr.18.08.06 - Die US-Armee im Irak ist nach einem Bericht der «New York
Times» zunehmend besorgt über die eskalierende Gewalt im
Irak. So sei die Zahl der Bombenanschläge auf Konvois der
amerikanischen und irakischen Armee im Juli - einen Monat nach dem Tod
des Terror-Führers Sarkawi - auf einen neuen Rekordstand gestiegen.
Wie die Zeitung am Donnerstag berichtete, explodierten im Juli nach
offiziellen Armeeangaben über 1600 entlang der Straßen
versteckte Bomben; knapp 1000 weitere konnten noch rechtzeitig
entschärft werden. Im Januar waren es insgesamt 1500 Bomben
gewesen. «Die Angriffe der Aufständischen haben eine
historische Höhe erreicht», sagte ein US-Militär der
Zeitung. Zudem hätten sie immer mehr Unterstützung durch die
Bevölkerung.
Die Zahl der getöteten Amerikaner sank leicht von 42 im Januar auf
38 im Juli. Dies hänge vor allem mit verbesserter Panzerung und
anderen Sicherheitsmaßnahmen zusammen. Die Zahl der Verletzten
stieg dagegen von 287 auf 518.
Trotz täglicher Bombenanschläge will die irakische Regierung
die Verantwortung für die Sicherheit in eigene Hand nehmen. Die
irakischen Sicherheitskräfte seien dazu in den meisten Provinzen
in der Lage, sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Donnerstag
bei einem Besuch des slowakischen Regierungschefs Robert Fico. Bei der
Explosion von zwei Autobomben in Bagdad kamen am Donnerstag zehn
Menschen ums Leben gekommen, 16 wurden nach Polizeiangaben verletzt.
Die erste Bombe explodierte vor einem Markt im schiitischen Stadtteil
Sadr City, die zweite vor einer Polizeipatrouille im Viertel Mansur.
Ein Selbstmordattentäter hat an einer Straßensperre im
Nordirak fünf Angehörige der kurdischen Sicherheitskräfte
mit in den Tod gerissen. Nach Angaben der Polizei wurden vier weitere
Kurden verletzt, als sich der Attentäter mit seinem Auto in
Sandschar nordwestlich von Mossul in die Luft sprengte. In Mossul
erschossen Unbekannte aus einem fahrenden Auto heraus einen
hochrangigen Polizeioffizier.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 18.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Zehn Polizisten irrtümlich bei Luftangriff in Afghanistan
getötet
Fr.18.08.06 - Bei einem Luftangriff der von den USA geführten ausländischen
Streitkräfte in Afghanistan sind am Donnerstag nach afghanischen
Angaben irrtümlich zehn Polizisten getötet worden. Ein
Flugzeug habe eine Bombe auf zwei Fahrzeuge der Grenzpolizei in der
Südostprovinz Paktika abgeworfen, teilte ein Polizeisprecher mit.
Die US-Streitkräfte erklärten dagegen, man gehe davon aus,
dass zwei Lastwagen von Extremisten getroffen worden seien, die zuvor
eine Patrouille angegriffen hätten. Staatspräsident Hamid
Karsai äußerte sich «erschüttert und
erzürnt» und ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an. Die
internationalen Streitkräfte unterstrichen, sie würden dabei
mit den afghanischen Stellen zusammenarbeiten.
Unterdessen wurden im Süden des Landes 17 Menschen
vorübergehend verschleppt, darunter ein Arzt und mehrere
Krankenschwestern. Sie wurden von mutmaßlichen Taliban-Rebellen
nach NATO-Angaben aber bald wieder auf freien Fuß gelassen. Das
medizinische Team war in der Provinz Kandahar auf dem Weg in ein
Flüchtlingslager überfallen worden.
(Quelle: ap)
Mehrheit der Briten will im Anti-Terrorkampf Abkehr von USA
Fr.18.08.06 - Eine große Mehrheit der Briten will nach Zeitungsangaben im
Anti-Terrorkampf eine Abkehr von den USA. Wie der konservative
«Daily Telegraph» berichtet, wollen mehr als 80 Prozent der
Bevölkerung, dass Premierminister Tony Blair im «Krieg gegen
den Terrorismus» nicht mehr US-Präsident George W. Bush folgt.
Sie wollten, dass Großbritannien stattdessen stärker mit den
anderen europäischen Staaten kooperiere. Die Zeitung beruft sich
auf eine Umfrage des anerkannten Instituts YouGov.
Die Umfrage im Auftrag des mit dem «Daily Telegraph»
verbundenen Magazins «Spectator» erfolgte, nachdem Scotland
Yard am 10. August mutmaßliche Pläne zur Sprengung von bis zu
zehn Passagiermaschinen während des Fluges von
Großbritannien in die USA aufgedeckt und mehr als 20
mutmaßliche islamische Terroristen festgenommen hatte. Lediglich
acht Prozent der Befragten schlossen sich der Ansicht an, dass Bush und
Blair dabei seien, den Kampf gegen muslimische Extremisten zu gewinnen.
Allerdings stimmten 73 Prozent der Auffassung zu, der Westen befinde
sich «in einem globalen Krieg gegen islamische Terroristen, die
unsere Lebensart bedrohen». Obwohl eine übergroße
Mehrheit die Abkehr von den USA befürwortete, erklärten 53
Prozent, der Kampf gegen den Terrorismus müsse
«aggressiver» geführt werden. Die Zeitung machte keine
Angaben zur Gesamtzahl der Befragten. Die Umfragen des Instituts YouGov
gelten allerdings stets als weitgehend repräsentativ.
(Quelle: dpa)
Gericht erklärt Abhörprogramm der US-Regierung für
verfassungswidrig
Fr.18.08.06 - Erstmals hat ein US-Gericht das von Präsident George W. Bush
angeordnete Abhörprogramm zur Terrorbekämpfung für
verfassungswidrig erklärt. Bundesrichterin Anna Diggs Taylor
forderte dessen sofortige Einstellung. Die Überwachung von
Telefongesprächen ohne richterliche Genehmigung verstoße
gegen das Recht auf Privatsphäre und auf freie Rede, urteilte sie
am Donnerstag in Detroit: «Das öffentliche Interesse in
dieser Angelegenheit ist klar. Es ist die Erhaltung unserer
Verfassung.» Die US-Regierung legte umgehend Berufung ein.
Das Abhörprogramm des Geheimdiensts NSA war im Dezember von Medien
aufgedeckt worden. Geklagt hatte die Amerikanische
Bürgerrechtsunion ACLU, die stellvertretend für mehrere
Journalisten, Forscher und Anwälte handelte. Diese fürchten,
der Lauschangriff könnte ihre Auslandskontakte gefährden.
Abgehört werden nach Regierungsangaben ausschließlich
Telefonate zwischen US-Bürgern und ausländischen
Gesprächspartnern. Die Zeitung «USA Today» berichtete
im Frühjahr allerdings, Telefongesellschaften hätten auch
zahlreiche Inlandsgespräche aufgezeichnet und an die NSA
weitergeleitet.
Bush hatte den Lauschangriff nach den Terroranschlägen vom 11.
September ohne Zustimmung des Kongresses angeordnet. Nur einzelne
Mitglieder der Geheimdienstausschüsse waren über das
Überwachungsprogramm informiert. Die Regierung hat wiederholt
Vorwürfe zurückgewiesen, der Präsident habe damit seine
Kompetenzen überschritten.
Die ACLU sah sich nach dem Urteil in eben diesem Vorwurf
bestätigt: «Indem es festgehalten hat, dass selbst der
Präsident nicht über dem Gesetz steht, hat das Gericht seine
Pflicht getan», sagte die Anwältin der
Bürgerrechtsunion, Ann Beeson. ACLU-Direktor Anthony Romero
erklärte, das Urteil sei ein weiterer «Sargnagel»
für die juristische Strategie der Bush-Regierung im Kampf gegen
den Terrorismus.
Das Justizministerium teilte mit, man habe Rechtsmittel eingelegt. Im
anhaltenden Konflikt mit dem Terrornetzwerk Al Kaida und dessen
Verbündeten sei es die oberste Pflicht des Präsidenten, das
amerikanische Volk zu schützen. Dafür gebe die Verfassung dem
Präsidenten die notwendige Vollmachten. Das Abhörprogramm sei
rechtmäßig und schütze die bürgerlichen Rechte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Libanesische Armee rückt in Süden des Landes ein. Schnelle
Einigung auf UN-Friedenstruppe unwahrscheinlich. Abbas meldet Einigung
palästinensischer Gruppen auf Zurückhaltung
Fr.18.08.06 - Nach fast 40 Jahren ist die libanesische Armee wieder in den Süden
des Landes eingerückt. Auf einer Behelfsbrücke
überquerten die Truppenverbände den Fluss Litani und bezogen
Stellung in jener Region, die bisher von der Hisbollah-Miliz
kontrolliert wurde. Damit wurde nach der Ausrufung einer Waffenruhe der
zweite Schritt zur politischen Neuordnung im Sinne der UN-Resolution
vollzogen. Die israelische Armee setzte ihren Truppenabzug fort und
übergab die Hälfte des besetzten Gebiets an die UN-Truppe
UNIFIL.
Nach Angaben des libanesischen Befehlshabers General Charles Schichani
übernahm die Armee erstmals seit 1968 die Kontrolle über den
Südlibanon. Nach der Niederlage der Araber im Sechs-Tage-Krieg 1967
hatten radikale Palästinensergruppen das Gebiet unter ihre
Kontrolle gebracht und als Ausgangsbasis für Angriffe auf Israel
genutzt. Nachdem sie in den 80er Jahren von der israelischen Armee
vertrieben worden waren, hatte sich die schiitische Hisbollah in der
Region als eine Art Staat im Staat etablieren können.
Die Stationierung von jeweils 15.000 Soldaten der libanesischen Armee
und der UN-Truppen gehört zu den Kernpunkten der UN-Resolution von
vergangener Woche, die den Weg für den Waffenstillstand zwischen
Israel und der libanesischen Hisbollah freigemacht hat. Die israelische
Armee kündigte an, ihren Abzug aus dem Südlibanon in wenigen
Tagen abzuschließen. "Alles hängt von der Fähigkeit der
UNIFIL und der libanesischen Armee ab, die Kontrolle über den
gesamten Süden des Libanon zu übernehmen", sagte ein
Armeesprecher.
Bei der UNO in New York berieten potenzielle Truppensteller über
eine Beteiligung an der ausgeweiteten UNIFIL-Mission. Die seit 1978 zur
Beobachtung im Grenzgebiet stationierte UNIFIL soll laut
Sicherheitsratsbeschluss von 2000 auf 15.000 Mann aufgestockt werden.
Die Vereinten Nationen haben derweil bei ihren Bemühungen um den
Aufbau einer Friedenstruppe für den Südlibanon einen
Dämpfer erhalten. Frankreich sagte am Donnerstag zunächst
weit weniger Soldaten für die Verstärkung der UNIFIL zu als
von den UN erhofft. Staatspräsident Jacques Chirac teilte vor
Beginn von Gesprächen am Sitz der Vereinten Nationen in New York
mit, bei der Truppenstellerkonferenz werde Paris 200 zusätzliche
Soldaten anbieten. Frankreich würde damit insgesamt 400 Mann
stellen. Weitere Zusagen machte Chirac indirekt vom genauen Mandat der
Friedenstruppe abhängig.
Aus UN-Kreisen verlautete, die Zurückhaltung Frankreichs lasse
auch andere Staaten vorsichtig agieren. Die Truppe soll
gemäß der Libanon-Resolution von derzeit 2.000 auf 15.000
aufgestockt werden, um den Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und
Israel auf Dauer zu sichern.
Der französische Präsident schloss zwar nicht
ausdrücklich aus, dass nach der «sofortigen»
Entsendung von 200 Soldaten weitere folgen könnten. Auch
bekräftigte er in seiner Mitteilung an UN-Generalsekretär
Kofi Annan, dass Frankreich zur Übernahme des Kommandos der
erweiterten UNIFIL-Truppe bereit sei. Zugleich betonte Chirac aber, der
Auftrag, die Einsatzregeln und die Mittel der Truppe müssten noch
präzisiert werden.
Ähnlich äußerten sich Vertreter der italienischen
Regierung. Verteidigungsminister Arturo Parisi sagte dem staatlichen
Rundfunk, italienische Soldaten könnten innerhalb von einer halben
Stunde in den Libanon aufbrechen, zunächst müsse aber die
genaue Aufgabe der Friedenstruppe geklärt werden. Regierungschef
Romano Prodi forderte in einem Telefongespräch mit Annan
«ein klares Mandat ohne jede Zweideutigkeiten», wie sein
Büro mitteilte. Die Regierung in Rom hatte zuvor bis zu 3.000
Soldaten angeboten.
Der britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry sagte, dass er sich von
der Konferenz unter Leitung des stellvertretenden Generalsekretärs
Mark Malloch Brown ein stimmiges Konzept erwarte. «Das wird den
Staaten Sicherheit geben, so dass sie ihre Angebote machen
können», fügte der Diplomat hinzu. Die bisherigen
Ankündigungen zur Unterstützung der Mission mit eigenen
Truppenkontingenten seien ermutigend. Jetzt komme es darauf an,
schnelle Entscheidungen zu treffen und innerhalb von zwei Wochen
«die Stiefel auf den Boden zu kriegen».
Grundsätzlich haben auch Brunei, Malaysia und die Türkei sich
bereit erklärt, zur angestrebten Aufstockung der UNIFIL
beizutragen. Konkrete Zusagen stehen aber noch aus.
Die erweiterte UNIFIL soll gemäß der Libanon-Resolution 1701
des Weltsicherheitsrats den Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und
Israel auf Dauer sichern.
Alle palästinensischen Gruppen haben sich nach Angaben von
Präsident Mahmud Abbas auf eine Einstellung von Aktionen geeinigt,
die eine militärische Reaktion Israels hervorrufen könnten.
Die Einigung sei bei einem Treffen am Mittwoch erzielt worden,
erklärte Abbas am Donnerstag bei der Einführung neuer
Mitglieder der Präsidentengarde. Ein Sprecher des militanten
Flügels der Hamas wies die Angaben jedoch zurück. Eine solche
Vereinbarung sei nicht getroffen worden, sagte Abu Obeidah.
(Quellen: ap, afp)
Keine deutschen Bodentruppen in Nahost
Fr.18.08.06 - Die deutsche Regierung wird keine Bodentruppen in der Pufferzone zwischen
Libanon und Israel schicken. Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
stellte am Donnerstagabend in Berlin klar, dass es keine Beteiligung
deutscher Bodentruppen an Kampfeinsätzen geben werde. Die
Kanzlerin unterrichtete die Fraktionschefs und Obleute der
zuständigen Bundestagsausschüsse im Kanzleramt über die
möglichen deutschen Beiträge zur Friedenssicherung in Nahost.
Vorstellbar sei aber die seeseitige Sicherung durch die Marine, sagte
Merkel. Dieser Vorschlag sollte als «allgemeines» Angebot
auch auf der Truppenstellerkonferenz am Abend in New York unterbreitet
werden. Als weitere mögliche deutsche Beiträge nannte Merkel
auch logistische Unterstützung, Aufklärung und
Lufttransporte. Dabei wisse man aber nicht, ob solche Beiträge
gefordert seien.
Die Kanzlerin erklärte ferner die Bereitschaft der
Bundesregierung, humanitäre Hilfe zu leisten. Hierbei nannte
Merkel ebenfalls Lufttransporte sowie die Bereitstellung von
Lazaretten. Merkel kündigte für das Wochenende die Entsendung
einer Expertengruppe in den Libanon an. Dieser sollten Vertreter des
Verteidigungsministeriums, des Entwicklungshilfeministeriums, der
Bundespolizei und des Zolls angehören. Die Gruppe solle den Bedarf
an möglichen Hilfeleistungen erkunden.
Merkel stellte dabei klar, dass nicht daran gedacht sei, die
Bundespolizei zur Sicherung der libanesisch-syrischen Grenze
einzusetzen. Hilfe könnte Deutschland aber beim Aufbau von Zoll
und Polizei im Libanon leisten. Über mögliche Hilfen sprach
Merkel am Donnerstag auch per Telefon mit dem libanesischen
Ministerpräsidenten Fuad Siniora.
Die Kanzlerin stellte klar, dass die deutschen Angebote an bestimmte
Bedingungen geknüpft seien. So müssten die Regeln des
Einsatzes klar sein. Dafür seien aber noch Fragen zu klären.
Ein deutscher Einsatz erfolge unter Maßgabe der eigenen
Kapazitäten und auch was die historische Situation als
«gegeben erscheinen» lasse.
Allerdings könne Deutschland sich bei der komplizierten Aufgabe
der Friedenssicherung im Nahen Osten nicht ins Abseits stellen, sagte
Merkel. Die Bundesrepublik würde sonst außenpolitisch massiv
an Einfluss einbüßen. Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) bezeichnete den aktiven deutschen Einsatz als
«Frage der Aufrichtigkeit». Der Konflikt finde vor der
«Haustür Europas» statt. Merkel unterstrich zugleich
die Verantwortung der Politik gegenüber den Soldaten der
Bundeswehr.
Merkel kündigte an, dies sei die erste Unterrichtung der
Fraktionen, der weitere folgen werden. Das Parlament müsse in
«vollem Umfang» informiert sein. Die mehr als
zweistündige Diskussion im Kanzleramt bezeichnete die Kanzlerin
als «intensiv» und «zum Teil tiefgreifend». FDP
und Linksfraktion lehnen bislang deutsche Truppen im Nahen Osten aus
historischen Gründen in jeder Hinsicht ab, die Grünen sind
unter Umständen für den Einsatz.
FDP-Chef Guido Westerwelle bekräftigte nach dem Treffen das Nein
seiner Partei. Auch bei einer militärischen Absicherung könne
es zu Kampfhandlungen kommen, sagte Westerwelle. Er sei daher weiterhin
«sehr skeptisch», ob sich Deutschland dies «antun
sollte».
Die Mehrheit der Deutschen ist laut einer Umfrage weiterhin gegen eine
deutsche Beteiligung an einer Nahost-Friedenstruppe. Nach einer
forsa-Umfrage im Auftrag des Senders n-tv sprachen sich 59 Prozent gegen
einen solchen Einsatz und 37 Prozent dafür aus. Bei der letzten
Befragung Ende Juli lag die Ablehnungsquote noch bei 58 Prozent. Im
Osten Deutschlands ist die Ablehnungsfront laut Umfrage mit 63 Prozent
besonders ausgeprägt.
Gegliedert nach Parteien gibt es laut Umfrage nur bei den
Anhängern der Grünen mit 56 Prozent eine Mehrheit für
einen Friedenseinsatz. Bei den anderen Parteien haben die Gegner
jeweils absolute Mehrheiten, in der Linkspartei sogar eine
Dreiviertel-Mehrheit.
(Quellen: ddp, ap)
Mindestens 100 Tote bei schweren Gefechten in Sri Lanka
Fr.18.08.06 - Bei neuen schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und
Tamilen-Rebellen von der LTTE im Norden Sri Lankas sind zahlreiche
Menschen getötet worden.
Militärsprecher Upali Rajapakse sagte am Donnerstag, nach
Armeeschätzungen seien mindestens 100 LTTE-Kämpfer ums Leben
gekommen, als mehrere Rebellenboote versenkt wurden. Über
mögliche Verluste der Armee machte Rajapakse keine Angaben. Die
LTTE äußerte sich nicht zu den Kämpfen.
Gefechte gab es auch im Gebiet um Muhamalai, wo die Armee ihre
Hauptverteidigungslinie für die Halbinsel Jaffna im Norden Sri
Lankas hat. Der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet berichtete, die
Rebellen hätten erneut den Militärflughafen Palaly auf Jaffna
mit Artillerie beschossen. Die Luftwaffe bombardierte nach eigenen
Angaben ein LTTE-Lager nahe der Rebellen-«Hauptstadt»
Kilinochchi. In Trincomalee im Nordosten kam es zu Artilleriegefechten.
Über Opfer der verschiedenen Kämpfe und des Luftangriffs
machte keine der beiden Seiten Angaben.
Die Regierung warf «barbarischen LTTE-Schützen» vor,
im Distrikt Batticaloa im Osten der Insel bei einem Überfall auf
ein Haus ein eineinhalb Jahre altes Baby erschossen zu haben. Tamilnet
berichtete, unbekannte Bewaffnete hätten den Jungen umgebracht und
die Eltern verletzt.
Bei einer Anti-Kriegs-Demonstration in Colombo kam es zu
Ausschreitungen zwischen Demonstranten und singhalesischen
Nationalisten. In der Hauptstadt wurden die Sicherheitsvorkehrungen vor
den Südasien-Spielen erneut verschärft. An dem Wettbewerb,
der am Freitag beginnt, nehmen Sportler aus Sri Lanka, Indien,
Pakistan, den Malediven, Bangladesch, Bhutan, Nepal und Afghanistan
teil.
(Quelle: dpa)
Linke in Mexiko kündigen zivilen Ungehorsam an
Fr.18.08.06 - Die Anhänger des bei der Präsidentenwahl in Mexiko
unterlegenen Links-Kandidaten Andrés Manuel López Obrador
wollen mit einer Kampagne des zivilen Ungehorsams eine
Neuauszählung der Stimmen erzwingen. Die landesweite Aktion werde
nach dem Unabhängigkeitstag am 16. September beginnen,
kündigte ein Berater López Obradors, Gerardo Fernandez, in
Mexiko-Stadt an. Die Kampagne werde illegale Aktivitäten umfassen,
die das Land lahm legen könnten.
Die Anhänger von López Obrador haben in der Hauptstadt
bereits Straßen blockiert und ein Protestlager in der zentralen
Reforma Avenue aufgeschlagen. «Die Rechte versucht, einen
Präsidenten zu installieren, und wir werden das nicht
zulassen», sagte Fernandez. Die Bewegung werde jedoch friedlich
bleiben, ein bewaffneter Widerstand sei nicht geplant. Vorgesehen ist
außerdem eine Demonstration vor dem Kongress am 1. September, wenn
Präsident Vicente Fox seine Rede zur Lage der Nation hält.
Die Demonstranten wollen ihr Lager auch nicht für die Feiern zum
Unabhängigkeitstag am 15. und 16. September räumen und
könnten so eine Absage der Feiern erzwingen.
Die Anhänger von López Obradors Partei der Demokratischen
Revolution (PRD) fordern eine Nachzählung sämtlicher bei der
umstrittenen Wahl vom 2. Juli abgegegebenen Stimmen. Das
Bundeswahlgericht hat bislang nur die neuerliche Teilauszählung von
Stimmen angeordnet. Das Ergebnis steht noch nicht fest, doch reicht es
laut Medienberichten vermutlich nicht aus, um dem Kandidaten der
konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN), Felipe
Calderón, seinen Vorsprung von 244.000 Stimmen zu nehmen.
(Quelle: ap)
Hewlett-Packard setzt nach Gewinnzuwachs Jobabbau fort
Fr.18.08.06 - Der Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) setzt seinen
angekündigten massenhaften Stellenabbau trotz Gewinnzuwächsen
im dritten Geschäftsquartal fort.
Der weltweit zweitgrößte Computerhersteller will zudem sechs
Milliarden Dollar ausgeben, um eigene Aktien zurückzukaufen. Wie
der Dell-Konkurrent am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte,
stieg der Nettogewinn in den Monaten Mai bis Juli auf 1,38 Milliarden
Dollar von 73 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. HP hatte im
vergangenen Jahr eine zu großen Teilen steuertechnische
Einmalbelastung von fast einer Milliarde Dollar abgeschrieben. Der
Umsatz kletterte um fünf Prozent auf 21,9 Milliarden Dollar. Die
HP-Aktie reagierte nachbörslich mit einem Kurssprung von sechs
Prozent auf die Nachrichten.
HP-Chef Mark Hurd hatte angekündigt, insgesamt 15.300
Arbeitsplätze in seinem Unternehmen zu streichen, um knapp zwei
Milliarden Dollar einzusparen. Bis Ende Juli schaffte der Konzern rund
10.000 Jobs ab. Die restlichen gut 5000 Arbeitsplätz will Hurd im
laufenden Geschäftsquartal abbauen.
Analysten zeigten sich zufrieden: Die Zahlen belegten Fortschritte des
HP-Chefs auf den Feldern Kosteneinsparung und Unternehmensführung,
sagte Cindy Shaw von Moors & Cabot Capital Markets.
Hurd erwartet im PC-Geschäft, im dem HP etwa ein Drittel seines
Umsatzes erwirtschaftet, weiterhin einen harten Konkurrenzkampf. "Wir
werden weiterhin ein vom Wettbewerb geprägtes Umfeld sehen", sagte
er in einer Telefonkonferenz. "Aber ich bemerke keine unbändig
großen Veränderungen im Wettbewerbsumfeld." Im Gegensatz zum
Erzrivalen Dell gewann HP zuletzt Marktanteile. Auf dem entscheidenden
US-Markt verkauft Dell 34 Prozent aller Computer, HP inzwischen 20
Prozent. Auf dem Weltmarkt ringen die beiden US-Giganten im
Geschäft mit Desktops und Notebooks etwa mit Fujitsu Siemens, den
Japanern Sony und Toshiba sowie der taiwanischen Acer und der
chinesischen Lenovo um Kunden. Lenovo hat die traditionsreiche PC-Sparte
des US-Konzerns IBM übernommen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Finanzminister Steinbrück stellt Bürger auf herbe Einschnitte
ein
Fr.18.08.06 - Auf die Bundesbürger kommen aus Sicht von Finanzminister Peer
Steinbrück langfristig herbe Einschnitte beim persönlichen
Lebensstandard zu. «Die Menschen werden sich zum Beispiel darauf
einstellen müssen, in den nächsten Jahrzehnten mehr für
Alter, Gesundheit und Pflege auszugeben. Das heißt: Wir
müssen im Zweifel auf eine Urlaubsreise verzichten, um für
später vorzusorgen», sagte der SPD-Politiker in einem am
Donnerstag veröffentlichten «Hörzu»-Interview.
Steinbrück ist sich offenbar zugleich bewusst, wie unpopulär
solche Äußerungen sind. «Wenn sie so was
verkünden, können sie öffentlich ganz schön verhauen
werden», sagte er.
Steinbrück sagte, bei den Reformen im Gesundheitswesen, am
Arbeitsmarkt, bei der Rente und den Unternehmenssteuern gehe es um die
Zukunft Deutschlands. «Wir müssen wieder stärker an
unser Land und weniger an unsere Einzelinteressen denken», sagte
er.
(Quelle: ap)
Einigung im Tarifkonflikt der Klinik-Ärzte
Fr.18.08.06 - Nach einem dreißigstündigen Verhandlungsmarathon haben sich
Marburger Bund (MB) und Arbeitgeber auf einen Tarifkompromiss für
die kommunalen Klinikärzte geeinigt, der Einkommensanhebungen
zwischen zehn und 13 Prozent vorsieht. Mit der Einigung geht ein fast
achtwöchiger Arbeitskampf der 70.000 Mediziner an den kommunalen
Krankenhäusern zu Ende. Der Marburger Bund setzte die Streiks bis
zur endgültigen Unterzeichnung des Tarifvertrages nach Zustimmung
seiner Tarifkommission aus. Die Ärzte-Gewerkschaft nannte die
Einigung ein "solides Fundament für bessere Arbeitsbedingungen"
der Ärzte.
Die Arbeitgeber zeigten sich nach den insgesamt dreitägigen
Verhandlungen in Düsseldorf zwar zufrieden, dass mit der Einigung
der Flächentarifvertrag erhalten werden konnte. Allerdings
könnten durch den Abschluss "viele Häuser in existenzielle
Probleme" kommen, sagte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Otto Foit.
Mit dem Abschluss sei es zwar gelungen, "im Interesse all unserer
Patienten und Beschäftigten den geregelten Betrieb in den
Krankenhäusern wiederherzustellen". Aber es sei "kein Tag, an dem
wir jubeln." Kliniken mit finanziellen Problemen würden gezungen
sein, die Mehrbelastungen von jährlich rund 500 Millionen Euro
durch den Abschluss über "Rationalisierungsmaßnahmen"
aufzufangen.
Vor diesem Hintergrund appellierte Foit an die Bundesregierung, die
zusätzlichen Belastungen für die Kliniken durch die
Gesundheitsreform zurückzunehmen. Die entsprechende Mehrbelastung
von 750 Millionen Euro könnten die städtischen Kliniken und
Kreiskrankenhäuser "nicht mehr schultern". Foit betonte, der
Tarifkompromiss liege unter der Mitte Juni zwischen Marburger Bund und
Ländern erzielten Übereinkunft für die Uni-Mediziner. An
den Uni-Kliniken hatte die Ärztegewerkschaft nach eigenen
Berechnungen Einkommenszuwächse zwischen 16 und 20 Prozent
durchgesetzt.
Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery,
bezeichnete den erstmals ohne Verdi ausgehandelten Tarifvertrag als
einen "Meilenstein in der Gewerkschaftsgeschichte". Die Sorge, dass das
Renomee der Ärzte durch den Tarifkonflikt gelitten habe, teile er
nicht, sagte Montgomery dem Fernsehsender n-tv. Auch der Vorsitzende
des Hartmannbundes, Kuno Winn, begrüßte die Einigung. Damit
sei der Versuch der Arbeitgeber und von Verdi gescheitert, "die
legitime Vertretung der Ärzteschaft auszuhebeln", erklärte
Winn.
Vor dem Tarifkompromiss hatten sich am Donnerstag noch einmal rund
16.000 Ärzte an 164 Krankenhäusern an Streiks beteiligt.
(Quelle: afp)
Klimawandel
Wegen Umweltkatastrophen erster Massenexodus in den USA
Fr.18.08.06 - Umweltkatastrophen infolge der Erderwärmung haben einer US-Studie
zufolge bereits zu einem ersten massenhaften Exodus von
Klimaflüchtlingen geführt - ausgerechnet in den USA. Die
Flucht von hunderttausenden Menschen nach dem Hurrikan "Katrina" an der
Golfküste der USA vor einem Jahr sei die erste dokumentierte
"Massenbewegung von Klimaflüchtlingen" gewesen, heißt es in
dem in Washington vorgestellten Bericht des Earth Policy Institute.
Eine Untersuchung habe ergeben, dass sich mindestens 250.000 der
Geflohenen inzwischen anderswo angesiedelt haben und nicht an die
hurrikangefährdete Golfküste zurückkehren, heißt es
in der Studie. "Diese Menschen wollten sich nicht länger den
persönlichen Traumata und finanziellen Risiken in Zusammenhang mit
dem ansteigenden Meeresspiegel und immer verheerenderen Stürmen
aussetzen", sagte Institutsdirektor Lester Brown. "Diese Evakuierten
sind nun als Klimaflüchtlinge zu bezeichnen."
Bislang waren Umweltexperten davon ausgegangen, dass die ersten
Massenfluchten infolge der Klimaerwärmung wahrscheinlich die
kleinen Inselstaaten im Pazifik treffen würden, die nur wenige
Meter über den Meeresspiegel herausragen und bei einem Ansteigen
der Meere verschwinden könnten. Die Gefahr der Überflutung
tief liegender Gebiete sei zwar existent, sagte Brown; genauso Besorgnis
erregend seien aber Wirbelstürme, die wegen der Aufheizung der
Weltmeere immer zerstörerischer werden.
Angesichts des "Katrina"-Exodus in den USA sagte Brown: "Es ist
interessant, dass nun ausgerechnet dasjenige Land die größte
Hurrikan-Zerstörung erlitten hat, das in erster Linie für die
Erderwärmung verantwortlich ist." Die Gefahr durch
Wirbelstürme in den Küstenregionen werde eine anhaltende
Abwanderung auslösen: "Der steigende Meeresspiegel und die
mächtigeren Hurrikane führen zu höheren
Versicherungskosten, und die Leute werden ins Landesinnere gehen. So wie
Konzerne in Regionen mit niedrigen Löhnen abwandern, emigrieren
die Leute in Regionen mit niedrigeren Versicherungskosten."
Das Earth Policy Institute definiert den Begriff "Klimaflüchtling"
in der Studie als Angehörigen einer größeren Gruppe, die
wegen vom Menschen verursachten Umweltveränderungen ihre Heimat
verlassen müssen. Darunter fallen nach Angaben der Experten auch
Millionen Menschen im Norden und Westen Chinas, die wegen der
Versteppung der Böden infolge von Überweidung ihre Dörfer
verlassen mussten.
(Quelle: afp)