Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Unterlagen zu Massaker von US-Soldaten in Haditha sollen verschwunden
sein
Sa.19.08.06 - Bei den Ermittlungen zu Hinweisen auf ein Massaker von US-Soldaten in
der irakischen Ortschaft Haditha ist offenbar wichtiges Beweismaterial
verschwunden. So fehlen mehrere Seiten aus dem Logbuch der betroffenen
Einheit, wie die Online-Ausgabe der «New York Times» am
Donnerstagabend berichtete. Zudem sei die möglicherweise belastende
Videoaufnahme einer Drohne den Ermittlern zunächst vorenthalten
worden, zitierte die Zeitung zwei Mitarbeiter des
Verteidigungsministeriums.
Ein erster Ermittlungsbericht wirft den US-Marineinfanteristen demnach
zwar nicht direkt eine Vertuschung der Vorfälle vor. Der Einheit
wird aber zur Last gelegt, den Vorwürfen nicht offensiv genug
nachgegangen zu sein und ein Klima geschaffen zu haben, in dem das Leben
von Irakern nicht viel gezählt habe. US-Marineinfanteristen wird
vorgeworfen, am 19. November in Haditha nördlich von Bagdad bis zu
24 irakische Zivilpersonen willkürlich erschossen haben.
Auslöser soll der Tod eines Soldaten bei einem Bombenanschlag
gewesen sein.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 19.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.19.08.05 - US-Beamte warnten vor Irak-Krieg vor Planungslücken +++ Zahl der
Gefangenen im Irak explodiert +++ Vier US-Soldaten bei Bombenanschlag im
Irak getötet +++ Tausende Amerikaner bei Mahnwachen gegen Irak-Krieg +++
Bagdad versinkt in einer brutalen Anarchie: Die Verhandlungen über die
Verfassung kommen nicht voran, die Gewalt schwillt an und al-Qaida setzt
neben Anschlägen zunehmend auf Propaganda...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Amerikaner wegen Gefangenenmisshandlung in Afghanistan verurteilt
Sa.19.08.06 - Erstmals ist in den USA ein Zivilist wegen der Misshandlung von
Gefangenen in Afghanistan schuldig gesprochen worden. Der 40 Jahre alte
David Passaro, der früher für den Geheimdienst CIA tätig
war, soll einen Gefangenen im Juni 2003 bei zweitägigen
Verhören geschlagen haben. Der Mann starb später in seiner
Zelle.
Ein Gericht in Raleigh im US-Staat North Carolina befand Passaro am
Donnerstag der schweren Körperverletzung für schuldig. Ihm
drohen elfeinhalb Jahre Haft. Ein Datum für die Verkündung des
Strafmaßes wurde zunächst nicht festgelegt.
Die US-Regierung berief sich in ihrer Anklage gegen Passaro, der nicht
der Militärgerichtsbarkeit unterliegt, auf den nach den
Terroranschlägen 2001 verabschiedeten so genannten Patriot Act. Er
erlaube es, US-Bürger wegen Straftaten anzuklagen, die auf Gebiet
oder in Einrichtungen begangen wurden, die zur Nutzung durch die
US-Regierung ausgewiesen wurden.
(Quelle: ap)
Drahtzieher der Londoner Terrorpläne in Afghanistan vermutet
Sa.19.08.06 - Der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorpläne von London ist
nach pakistanischen Angaben im Nordosten Afghanistans untergetaucht. Der
arabische Al-Kaida-Führer werde in der Bergregion der Provinzen
Nuristan und Kunar vermutet, verlautete am Freitag aus
Geheimdienstkreisen in Islamabad. Diese Information hätten die
Ermittler bei der Befragung des in Pakistan festgenommenen Briten
Raschid Rauf gewonnen, der als eine Schlüsselfigur des Komplotts
gilt.
Die internationalen Koalitionstruppen in Afghanistan seien
verständigt worden, sagte der Geheimdienstmitarbeiter der
Nachrichtenagentur AP weiter. Einen Namen des Verdächtigen nannte
er nicht, es soll sich aber um einen engen Vertrauten des
stellvertretenden Al-Kaida-Führers Ajman al Sawahri handeln. Dieser
soll nach Informationen aus pakistanischen Geheimdienstkreisen die
Pläne für einen Terroranschlag auf den Luftverkehr gebilligt
haben.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Zusagen für Libanon-Truppe bleiben hinter Erwartungen zurück
- UN fordern Europäer zu stärkerer Beteiligung auf. Hisbollah
entschädigt Libanesen für Kriegsverluste. Israels
Ministerpräsident Olmert legt Abzug aus Westjordanland auf Eis.
Israelische Soldaten erschiessen im Westjordanland zwei bewaffnete
Palästinenser
Sa.19.08.06 - Die Vereinten Nationen haben die europäischen Staaten angesichts
schleppender Zusagen für die internationale Libanon-Friedenstruppe
zu stärkerem Engagement aufgefordert. In einer multinationalen
Truppe, der beide Seiten des Konflikts vertrauen könnten,
müsse ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Soldaten
muslimischer und nicht-muslimischer Länder herrschen, sagte der
stellvertretende UN-Generalsekretär Mark Malloch Brown am Freitag
in New York.
Bislang gingen bei den Vereinten Nationen Angebote für lediglich
3.500 Mann ein, während die Resolution 1701 die Stationierung von
15.000 Soldaten vorsieht. Das größte Kontingent kam mit
2.000 Mann von Bangladesch, ein oder zwei Bataillone wollen nach
Angaben von UN-Diplomaten außerdem Indonesien, Malaysia und Nepal
stellen. Italien hat einer Beteiligung an der UNIFIL-Truppe zugestimmt,
aber noch keine genaue Zahlen genannt. Finnland will 250 Soldaten
entsenden, allerdings erst im November.
Malloch Brown betonte, Europa müsse jetzt «vortreten».
Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte der BBC, für
die Regierung sei es «sehr schwer, wenn nicht sogar
unvorstellbar» zu akzeptieren, dass Truppen aus Ländern
für Israels Sicherheit sorgen sollen, «die Israel nicht
anerkennen».
Bei den Beratungen von Delegationen aus 49 UN-Staaten am Donnerstag
stellte Frankreich lediglich die Entsendung von 200 Mann in Aussicht,
was in New York mit Enttäuschung aufgenommen wurde. Paris hatte
sich zuvor zur Führung der UN-Mission bereit erklärt. Der
französische Außenamtssprecher Denis Simonneau erklärte
am Freitag, technisch sei das Land in der Lage, mehrere tausend Mann zu
entsenden. Bevor über den endgültigen Beitrag entschieden
werde, müsse mit den UN, den weiteren Truppenstellern sowie den
libanesischen Streitkräften ein genaues Konzept und Mandat
für die UNIFIL-Truppe erarbeitet werden.
UN-Vizegeneralsekretär Brown sagte, die Regeln würden
klarstellen, dass es sich um ein robustes Mandat handele. Die Aufgabe
der Truppe sei aber nicht die umfassende Entwaffnung der
Hisbollah-Miliz, sondern die Überwachung einer politischen
Vereinbarung, «mit der sich die libanesische Regierung und die
Hisbollah zur Entwaffnung bereiterklärt haben». Die Risiken
für die UN-Truppe seien daher begrenzt.
US-Präsident George W. Bush appellierte an Frankreich, mehr
Soldaten zur Verfügung zu stellen. Paris werde «ein
wichtiger Akteur im Libanon» sein.
Deutschland will sich vorerst mit der Entsendung eines Lazarettschiffes
und humanitärer Hilfe an der Friedensmission beteiligen.
Gleichzeitig stellte der deutsche Außenminister Frank-Walter
Steinmeier klar, dass keine Polizisten an der libanesisch-syrischen
Grenze eingesetzt würden und beendete damit tagelange
Spekulationen. Zur Unterstützung der humanitären Hilfe
starteten am Freitag zwei Transall-Transportmaschinen der deutschen
Luftwaffe nach Amman.
Großbritannien stellte nach Angaben seines Botschafters Emyr
Jones Parry sechs Jaguar-Flugzeuge, zwei
AWACS-Aufklärungsflugzeuge und eine Fregatte in Aussicht.
Dänemark sagte zwei Schiffe zu. Die USA wollen Hilfe bei Planung
und Logistik leisten.
Unterdessen erreichte die libanesische Armee erstmals die Grenze zu
Israel. Die Dorfbewohner empfingen die Soldaten mit Reis und Hochrufen
auf die Hisbollah. Die Ortschaften in der Region sind zum großen
Teil zerstört.
Die Hisbollah-Miliz hat am Freitag in Beirut mit der Entschädigung
von Opfern des Kriegs mit Israel begonnen. Wer während der 34 Tage
dauernden Kämpfe im Libanon seine Wohnung verloren hat, soll
demnach umgerechnet rund 9.500 Euro Bargeld für eine neue
Unterkunft und Möbel erhalten. Hisbollah-Führer Scheich
Hassan Nasrallah hatte Anfang der Woche im Fernsehen angekündigt,
die Miliz werde beim Wiederaufbau des Landes mithelfen und den
betroffenen Zivilpersonen finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.
Nach libanesischen Behördenangaben wurden während der
israelischen Offensive rund 15.000 Wohnungen zerstört. Der
Hisbollah-Abgeordnete Hussein Hadsch Hassan sagte dem arabischen
Fernsehsender Al Arabija, das Geld für die Entschädigungen
hätten unter anderem «Nichtregierungs-Institutionen im
Iran» zur Verfügung gestellt. Außerdem erhalte die
Hisbollah Unterstützung aus verschiedenen arabischen Staaten,
sagte Hassan.
Nach dem Krieg im Libanon will die israelische Regierung ihren Plan
eines Abzugs aus dem Westjordanland vorerst auf Eis legen. Ein Berater
von Ministerpräsident Ehud Olmert bestätigte am Freitag einen
entsprechenden Bericht der Tageszeitung «Haaretz». Der Plan
sei nach den Kämpfen mit der Hisbollah nicht mehr auf der
Tagesordnung, aber noch nicht völlig aufgegeben worden, sagte Asaf
Schariv.
Israelische Soldaten erschossen am Freitag im Westjordanland zwei
bewaffnete Palästinenser. Die beiden Mitglieder der
Untergrundorganisation Islamischer Dschihad seien in einem Dorf bei
Bethlehem gestellt worden und hätten versucht zu fliehen, teilten
die Streitkräfte mit. In der Nähe der ebenfalls im
Westjordanland gelegenen Stadt Dschenin kamen drei Mitglieder der
Hamas-Bewegung bei der Explosion von Sprengstoff ums Leben. Einer von
ihnen hatte nach Angaben der palästinensischen Polizei einen
Sprengstoffgürtel angelegt.
Bei einem israelischen Luftangriff auf eine Metallwerkstatt in der
Stadt Gaza wurden am Freitag ein militanter Palästinenser und ein
Passant verletzt. Die israelischen Streitkräfte erklärten, in
dem getroffenen Gebäude seien Waffen und Raketen hergestellt worden.
(Quelle: ap)
Opposition verlangt Aufklärung über Bundeswehreinsatz in
Nahost
Sa.19.08.06 - Nach der generellen Zusage für eine deutsche Beteiligung an einer
Nahost-Friedensmission verlangt die Opposition detaillierte
Aufklärung über Art und Umfang eines Bundeswehreinsatzes. Der
FDP-Außenexperte Wolfgang Gerhardt monierte am Freitag, das Mandat
sei noch zu unklar. Die Koalition betonte, dass es noch zu früh
sei, über konkrete Einsatzzahlen zu sprechen. Deutschland hatte
seine Bereitschaft erklärt, die Marine vor der libanesischen
Küste und die Luftwaffe für Aufklärungsflüge und
Transporte einzusetzen.
Gleichzeitig hatte jedoch Bundeskanzlerin Angela Merkel versichert,
dass es zu einem Kampfeinsatz von Bodentruppen im Südlibanon nicht
kommen werde. Derzeit berät in New York die Truppenstellerkonferenz
über eine UN-Friedensmission. In Berlin informierten
Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsminister
Franz Josef Jung die Abgeordneten über eine mögliche
Beteiligung der Bundeswehr. Am Mittwoch will das Kabinett entscheiden.
Ein Einsatz der Bundeswehr ist an eine Zustimmung des Parlaments
gebunden.
Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von
Klaeden, warf der Opposition Unglaubwürdigkeit vor, wenn sie erst
einen Waffenstillstand fordere, dann aber nichts für dessen
Dauerhaftigkeit unternehme. Derzeit werde über einen begrenzten
Einsatz der Bundeswehr diskutiert. Das gelte auch für die Marine.
«Alles andere muss abgewartet werden», sagte von Klaeden.
«Es geht darum, den politischen Prozess des fragilen
Waffenstillstands zu stabilisieren.»
Der FDP-Außenexperte Gerhardt sagte zu den Vorstellungen der
Bundesregierung: «Das reicht alles nicht aus, politisch und
konzeptionell.» Auf dieser Grundlage könne er der Regierung
nicht empfehlen, einen Bundestagsbeschluss zu suchen.
Der außenpolitische Sprecher der FDP, Werner Hoyer, sagte, in der
FDP sei die Skepsis mit Blick auf eine militärische Beteiligung
gewachsen. Es sei keine Frage, dass Deutschland sich bei der
Friedenssicherung im Nahen Osten engagieren solle. Es müsse aber
ausgeschlossen werden, dass es zu einer Konfrontation mit israelischen
Soldaten komme.
Auch die Grünen forderten Klarheit über den Umfang eines
Mandates für den Einsatz der Bundeswehr. «Wir sollten bei
bewaffneten Einsätzen zurückhaltend sein», sagte die
Außenexpertin Kerstin Müller. Alles Weitere hänge von
dem Mandat und einem Gesamtkonzept ab. Bis jetzt sei nur über einen
humanitären Einsatz gesprochen worden. Auch sie betonte, dass
ausgeschlossen werden müsse, dass deutsche Soldaten zwischen die
Fronten von Israelis und der Hisbollah gerieten.
Der SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen brachte den Einsatz
eines Lazarettschiffes ins Gespräch. Es gehe jetzt vor allem um
humanitäre Hilfe, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Aber es könne
mehr werden als humanitär. Dies sei etwa dann der Fall, wenn
Waffenlieferungen gestoppt werden sollten. «Was uns fehlt, sind
die Einsatzregeln», gab Weisskirchen zu. Diese müssten von
den UN jetzt endlich beschlossen werden.
Am Donnerstagabend hatte Bundeskanzlerin Merkel die Vorsitzenden und
Fachleute der Fraktionen über die Pläne der Bundesregierung
informiert. In New York fand anschließend eine
UN-Truppenstellerkonferenz statt.
(Quelle: ap)
Gysi: 'Das endet in einer Katastrophe'
Die Linkspartei begründet ihre Ablehnung deutscher Truppen vor
allem mit der deutschen Vergangenheit... Mehr in der taz vom 18.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/18/a0056.1/text
Waffenruhe im Nahen Osten: Zerstörtes Land, intakte Legenden
Die Waffen schweigen. Zeit, um die Toten zu begraben, Zeit für
Legenden. Hassan Nasrallah ist der Held der Stunde. "Großer Mann,
guter Mann!", rufen Männer und zeigen auf ihre Söhne, die
weiterkämpfen sollen. Die libanesische Armee rückt nach 38
Jahren in den Süden des Landes ein... Mehr in der taz vom 18.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/18/a0130.1/text
Ex-Generäle fordern von Bush Kurswechsel in Nahost-Politik
Sa.19.08.06 - Eine Gruppe von früheren US-Diplomaten und Generälen hat
US-Präsident George W. Bush in einem Offenen Brief zu einem
Kurswechsel in seiner Nahost-Politik aufgefordert. "Als ehemalige
führende Militärs und Mitarbeiter der Außenpolitik rufen
wir die Bush-Regierung auf, unverzüglich und ohne Vorbedingungen
direkte Gespräche mit der Regierung des Irans aufzunehmen, um die
derzeitige Krise im Nahen Osten zu überwinden", hieß es in
dem Brief, den 21 frühere Führungskräfte wie US-General
a.D. Joseph Hoar unterschrieben.
Von einem militärischen Einsatz gegen den Iran rieten die
Unterzeichner dringend ab: "Die derzeitigen Krisen müssen
diplomatisch gelöst werden, nicht durch einen Militäreinsatz."
Die Regierung der Vereinigten Staaten verhindere Gespräche
über den Nahen Osten, "indem sie jeden beschuldigt, der von ihrer
Meinung abweicht, unloyal zu sein oder irgendwie den Terroristen zu
helfen", sagte ein früherer Ministerialdirektor aus dem
US-Außenamt, Morton Halperin, der den offenen Brief ebenfalls
unterschrieben hatte. Indem die US-Regierung Gespräche mit Syrien,
mit dem Iran und mit Nordkorea ablehne, bringe sie die Sicherheit des
Landes in Gefahr, sagte Halperin.
Derzeit mehrt sich die Kritik von Demokraten und Republikanern an Bushs
Nahost-Politik. Der frühere US-Botschafter bei den Vereinten
Nationen, Richard Holbrooke, hatte vergangene Woche in einem Kommentar
in der "Washington Post" vor einer "Kettenreaktion" gewarnt. Angesichts
der Krisen im Libanon und im Irak sei eine Reaktion zu befürchten,
"die sich fast überall zwischen Kairo und Bombay" ausbreiten
könne. "Aus diesem Chaos ziehen nur der Iran, die Hisbollah, El
Kaida und der irakische Schiitenführer Moktada Sadr Nutzen",
schrieb Holbrooke.
(Quelle: afp)
Blairs Vize soll Bushs Politik 'beschissen' genannt haben
Sa.19.08.06 - Der britische Vize-Premierminister John Prescott soll in einem
Wutausbruch die Nahost-Politik der Regierung in Washington als
"beschissen" bezeichnet haben. Ein entsprechender Bericht der Londoner
Tageszeitung "The Independent" wurde zwar von Prescott dementiert,
zugleich aber von dem Labour-Abgeordneten Harry Cohen gegenüber der
Tageszeitung "The Guardian" nochmals ausgeschmückt. Verschiedene
andere Parteifreunde rechtfertigten den Bericht ausdrücklich.
US-Präsidentensprecher Tony Snow versuchte die Angelegenheit
herunterzuspielen und sagte, Präsident George W. Bush habe sich
schon "weit Schlimmeres" anhören müssen, das gehöre zur
"Last seines Amtes". Im übrigen betrachte er Premierminister Tony
Blair als seinen Ansprechpartner in London.
"Bush ist Scheiße, sagt Prescott", hatte der "Independent" am
Donnerstag getitelt. Der Ausspruch sei am Dienstag bei einem privaten
Treffen im Zusammenhang mit einem Gespräch über die
Nahost-Politik gefallen, in der sich die Regierung in London von Bush im
Stich gelassen fühle, berichtete das Blatt unter Berufung auf den
Abgeordneten Cohen. Bush sei nichts anderes als "ein Cowboy mit einem
Cowboy-Hut drauf", fügte Prescott demnach hinzu.
Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone sagte dem
"Independent", die derzeitige US-Regierung sei "ein Desaster für
das amerikanische Volk" und habe "nicht nur den internationalen
Beziehungen, sondern auch der Umwelt unbeschreiblichen Schaden
zugefügt". Neun Labour-Abgeordnete stellten sich ebenfalls auf die
Seite Prescotts, die Abgeordnete Ann Cryer sagte, sie sei mit den
Prescott zugeschriebenen Äußerungen "einverstanden".
(Quelle: afp)
Vorschlag für UN-Friedensmission für Darfur
Sa.19.08.06 - Großbritannien und die USA haben eine UN-Friedensmission für
die Bürgerkriegsprovinz Darfur im Sudan vorgeschlagen. In einem
Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat wird ein
Truppenkontingent von 17.000 Blauhelm-Soldaten ins Gespräch
gebracht. Die UN-Truppe soll demnach eine schlecht ausgerüstete und
unterfinanzierte Truppe der Afrikanischen Union ablösen.
Die Lage vor Ort werde "gewalttätiger", die Versorgung der
Zivilbevölkerung "schlechter", erklärte US-Vize-Botschafter
Jackie Sanders. "Wir müssen also wirklich vorankommen." Der
Vorschlag der USA und Großbritanniens trifft auf den Widerstand
der Regierung in Khartum. "Wir bekräftigen unsere Ablehnung
internationaler Einheiten, die nach Darfur kommen", hatte Präsident
Omar el Beschir noch Anfang der Woche erklärt.
In Darfur herrscht seit Februar 2003 ein Bürgerkrieg.
Schwarzafrikanische Rebellengruppen und von der arabisch-islamischen
Regierung in Khartum unterstützte arabische Reitermilizen liefern
sich dabei Kämpfe. Nach UN-Schätzungen starben bislang bis zu
300.000 Menschen in dem Konflikt; weitere 2,6 Millionen wurden in die
Flucht getrieben.
(Quelle: afp)
Raul Castro gibt erstes Interview seit Machtübergabe auf Kuba
Sa.19.08.06 - Erstmals seit der Machtübergabe auf Kuba hat sich Fidel Castros
Bruder Raul in der Öffentlichkeit geäußert.
Dem erkrankten Präsidenten gehe es allmählich besser, sagte
das amtierende Staatsoberhaupt in einem am Freitag veröffentlichten
Interview der Parteizeitung "Granma".
Raul verteidigte, dass er sich erst rund zwei Wochen nach seiner
Machtübernahme in der Öffentlichkeit gezeigt hatte. "Ich bin
nicht gewöhnt, außer wenn es nötig ist, häufig
öffentliche Auftritte zu machen", erklärte der
75-Jährige. "Ich bin immer diskret gewesen, das ist meine Art." Er
schere sich nicht um diejenigen im Ausland, die "darüber
spekulieren, wann ich im Fernsehen oder in den Zeitungen erscheine oder
nicht." Seine lange Abwesenheit hatte Vermutungen über einen
Machtkampf hinter den Kulissen des kommunistischen Karibikstaates
ausgelöst.
Nach Fidels Erkrankung habe Kuba seine Sicherheitskräfte
mobilisiert. Man habe nicht ausschließen können, dass
innerhalb der US-Regierung "jemand ausrastet". Aus Parteikreisen war am
Mittwoch verlautet, dass die zivilen Milizen inzwischen demobilisiert
worden seien. Castro sprach nun von "absoluter Ruhe", die im Land
herrsche.
Der mittlerweile 80 Jahre alte Fidel Castro hatte sich Ende Juli einer
schweren Darmoperation unterziehen müssen. Deshalb gab der Staats-
und Parteichef seine Ämter nach offiziellen Angaben
"vorübergehend" an Verteidigungsminister Raul Castro ab. Dies
löste Spekulationen über ein Ende von Fidels 47-jähriger
Regierungszeit aus. Er ist der am längsten regierende Staatschef
der Welt.
(Quelle: rtr)
Serbien bittet EU um finanzielle Unterstützung
Sa.19.08.06 - Die serbische Regierung hat die Europäische Union am Donnerstag um
finanzielle Unterstützung und eine Lockerung der Visabestimmungen
für ihre Bürger gebeten. Bei ihrem Besuch in Brüssel
betonten die serbische Vizeministerpräsidentin Ivana Dulic-Markovic
und Finanzminister Mladjan Dinkic, die Regierung bemühe sich um
eine Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic.
So ermittle die Staatsanwaltschaft gegen einen Bauunternehmer, der
verdächtigt werde, Mladic im Untergrund zu finanzieren.
Die EU hatte im Frühjahr ihre Gespräche über ein
Assoziierungs- und Stabilisierungsabkommen mit Serbien mit der
Begründung ausgesetzt, Belgrad kooperiere nicht vollständig
mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal. Damals seien auch von der EU
bereits zugesagte Fördermittel für Infrastrukturprojekte
eingefroren worden, sagte Dinkic am Donnerstag. Ein Assoziierungs- und
Stabilisierungsabkommen gilt als erster Schritt hin zur Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen
(Quelle: ap)
Flüchtlingsstrom auf die Kanaren hält an
Sa.19.08.06 - Angesichts des anhaltenden Zustroms von Bootsflüchtlingen aus
Afrika haben die Kanarischen Inseln von der Zentralregierung in Madrid
die Einrichtung eines Krisenstabs verlangt: «Wir befinden uns in
einer Situation des Notstands».
Das sagte der Ministerpräsident der autonomen spanischen Region
der Kanaren, Adán Martín, nach Presseberichten vom
Freitag. Am Donnerstag hatten 344 Afrikaner die Inselgruppe erreicht. In
einem der insgesamt sechs Boote waren zwei Flüchtlinge auf der
Überfahrt von der westafrikanischen Küste auf die Kanaren
gestorben.
Der Regierungschef betonte, bei der Aufnahme der illegalen Zuwanderer
seien die Inseln überfordert. «Jeden Tag erleben wir es, dass
die Rekordzahl der Ankömmlinge vom Vortag übertroffen wurde.
So kann es nicht weitergehen.»
Seit Jahresbeginn gelangten 16.600 illegale Zuwanderer auf die Kanaren,
drei Mal so viele wie im gesamten Jahr 2005. Seit Anfang August waren es
3300.
(Quelle: dpa)
ETA: Friedensprozess in einer 'offensichtlichen Krise'
Sa.19.08.06 - Die baskische Untergrundorganisation ETA hat den politischen Parteien
"engstirniges" Verhalten vorgeworfen und erklärt, der
Friedensprozess im Baskenland sei dadurch in eine "offensichtliche
Krise" geraten. Die Sozialistische Partei (PSOE) von
Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und
die im Baskenland regierende Nationalistische Partei PNV seien dabei,
den Friedensprozess "seines Inhalts zu berauben", heißt es in
einer ETA-Erklärung, die in der Tageszeitung "Gara"
veröffentlicht wurde.
PSOE und PNV versuchten jeweils, das weitere politische Vorgehen nur in
ihrem jeweiligen Interesse zu gestalten. So seien sie beim Umgang mit
dem am 22. März von der ETA verkündeten Waffenruhe ihrer
Verantwortung "nicht gerecht geworden".
Zapatero hatte Ende Juni die Aufnahme von Gesprächen mit der ETA
angekündigt, in denen ein dauerhafter Friede erreicht werden solle.
Im Mai hatte das Parlament - mit Ausnahme der Abgeordneten der
konservativen Volkspartei (PP) - dem Dialog zugestimmt. Mit der
Bekanntgabe einer "dauerhaften" Waffenruhe im März hatte die ETA
ein Ende ihres seit 1968 andauernden gewaltsamen Kampfes für ein
unabhängiges Baskenland in Nordspanien und im Südwesten
Frankreichs in Aussicht gestellt. Der Untergrundorganisation wurden bis
Mai 2003 mehr als 800 Morde angelastet.
(Quelle: afp)
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit für Europäer
dringlichste Aufgabe
Deutsche laut Studie mit Abstand am meisten über Jobsituation
besorgt
Sa.19.08.06 - Der anhaltende Jobmangel bereitet den Menschen in Europa die meisten
Sorgen. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie
des Nürnberger Marktforschers GfK hervor. Demnach bezeichnet mehr
als ein Drittel der Europäer die Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit als wichtige Herausforderung für Politik und
Wirtschaft.
Mit Abstand am häufigsten äußerten sich dabei die
Deutschen besorgt über die Situation am Arbeitsmarkt: Hier nannten
80 Prozent der Befragten die Arbeitslosigkeit als dringendste Aufgabe.
In Polen und Frankreich waren es jeweils zwei Drittel. In Russland,
Holland und Großbritannien spielt der Jobmangel laut GfK indes
kaum eine Rolle.
Für die jährlich erscheinende Studie «Challenges of
Europe» haben die GfK-Forscher von April bis Juni dieses Jahres
insgesamt 12.000 Menschen in Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen,
Spanien, Russland und erstmals Belgien befragt. Sie sollten angeben,
welche Probleme ihrer Meinung nach in ihrem Land am dringendsten zu
lösen seien.
Demnach steht der Mangel an Arbeitsplätzen in sieben der zehn
befragten Länder seit Jahren ganz oben auf der Liste. Weiteren
Handlungsbedarf sehen die Europäer außerdem in den Bereichen
Preisentwicklung, Gesundheitswesen, Wohnungsmarkt und Kriminalität.
Dabei sind die Prioritäten von Nation zu Nation unterschiedlich:
Während die Menschen in Russland in der Bekämpfung der
Inflation den größten Handlungsbedarf sehen, rangiert diese
Sorge in Deutschland lediglich auf Platz fünf, noch nach der
Integration von Ausländern. Die geringste Rolle spielt die
Entwicklung von Preisen und Kaufkraft in Spanien, Großbritannien
und Österreich.
Ärztestreiks und Gesundheitsreform haben in Deutschland den Wunsch
nach Veränderungen im Gesundheitswesen stärker werden lassen:
Während hier im Vorjahr nur sieben Prozent dringenden
Handlungsbedarf sahen, sind es 2006 mit 15 Prozent mehr als doppelt so
viel.
Im europäischen Vergleich wird das Gesundheitswesen nirgends so
schlecht beurteilt wie in Großbritannien: 33 Prozent der Befragten
gaben an, ihr Gesundheitssystem sei reformbedürftig und setzten
diesen Bereich damit ganz nach oben auf der Liste der dringlichsten
Aufgaben. Am wenigsten Handlungsbedarf im Gesundheitswesen sehen indes
die Belgier und Spanier.
Nach der Arbeitslosigkeit ist die Altersvorsorge für die Deutschen
das größte Problem: 18 Prozent der Befragten nannten die
Rentenfrage als das für sie vordringlichste Thema. Im Vorjahr waren
es noch 12 Prozent.
Was die Angst vor Terroranschlägen und Kriminalität angeht,
zeigten sich nach wie vor beträchtliche nationale Unterschiede:
Während jeder vierte Brite Kriminalität als wichtigste
nationale Herausforderung thematisiert und in Frankreich die Angst vor
Anschlägen sogar von 16 Prozent im Vorjahr auf jetzt 22 Prozent
gestiegen ist, rangiert diese Sorge in Polen, Russland, Österreich
und Deutschland auf den hinteren Plätzen.
(Quelle: ap)
Wirbel um Steinbrück-Vorschlag zu Urlaubsverzicht
Sa.19.08.06 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat mit seinem
Vorschlag, zugunsten der Altersvorsorge auf Urlaubsreisen zu verzichten,
heftige Proteste ausgelöst. Claus Matecki, Vorstandsmitglied des
Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), warf Steinbrück ein
"merkwürdiges Politikverständnis" vor. Kritik kam auch von
Politikern der Grünen und der FDP sowie von Tourismusexperten. Aus
der CSU und der Wirtschaft kamen hingegen noch weiter gehende
Forderungen.
Schon jetzt verzichteten Millionen Deutsche unfreiwillig auf Urlaub,
weil ihnen dazu das Geld fehle, erklärte Matecki in der "Neuen
Osnabrücker Zeitung". Die Bundesregierung greife den Bürgern
durch höhere Mehrwertsteuer und steigende Beiträge für
Rente und Gesundheit tief in die Taschen. Unabhängig davon
würde es der Binnenkonjunktur schaden, wenn noch mehr Bürger
auf Urlaub verzichten müssten.
Der sozialpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Heinrich
Kolb, erklärte, die Äußerungen des Ministers seien ein
Beleg dafür, "wie weit sich die große Koalition von den
Realitäten und den Menschen in diesem Land entfernt hat".
FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle forderte Steinbrück auf, auf
die Mehrwertsteuererhöhung zu verzichten. Dann laufe die
Wirtschaft besser, und die Menschen hätten auch Geld für die
private Vorsorge, sagte er der "Kölnischen/Bonner Rundschau".
Grünen-Fraktionsvize Thea Dückert kritisierte in dem Blatt,
Steinbrück male ein "Schreckgespenst" an die Wand. Die
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast erklärte, es sei
"besonders frech", solch eine Forderung zum Ende des eigenen Urlaubs zu
stellen.
"Ohne Zweifel hat die soziale Sicherung Vorrang, aber alles mit
Maß und Ziel", erklärte der Beauftragte der Bundesregierung
für Tourismus, Ernst Hinsken (CSU). Der
Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes,
Dirk Dunkelberg, sagte der Berliner "B.Z.", der Tourismus bringe
Steuereinnahmen, von denen auch das Finanzministerium profitiere.
Deshalb sei Steinbrücks Vorschlag "nicht nachvollziehbar".
Der CSU-Wirtschaftsexperte Hans Michelbach sprach sich in der
"Bild"-Zeitung dafür aus, einen oder zwei Urlaubstage ganz zu
streichen statt auf Urlaubsreisen zu verzichten. Auch der Chef des
Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, regte eine
Kürzung des tariflichen Urlaubsanspruchs an.
(Quelle: afp)
Verbraucher müssen sich wegen Dürre auf höhere Preise
einstellen
Sa.19.08.06 - Die Deutschen müssen sich wegen der Hitzewelle im Juli auf
höhere Lebensmittelpreise einstellen.
Die sieben Wochen anhaltende Hitzeperiode und die wegen der
Fußball-WM und der Grillsaison stark gestiegene Nachfrage der
Verbraucher hätten zu Engpässen und enormen Preissteigerungen
für landwirtschaftliche Rohwaren geführt, erklärte am
Freitag die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie: "Die
Verbraucher werden sich darauf einstellen müssen, dass die Preise
für Lebensmittel in den nächsten Wochen deutlich anziehen
werden". Wegen der Dürreperiode mussten die Landwirte bereits eine
um zwölf Prozent geringere Getreideernte in diesem Jahr hinnehmen.
Vor allem Rohwaren wie Schweinefleisch, Obst, Gemüse und
Kartoffeln hätten sich stark verteuert, erklärte der Verband.
So kosteten Schlachtschweine bereits 20 Prozent mehr, einzelne
Obstsorten sogar 90 Prozent. Auch für die Kartoffelernte
bestünden keine guten Aussichten. Ernteausfälle von bis zu 30
Prozent und nicht ausreichende Qualitäten würden auch diesen
Rohstoff zum Beispiel für Pommes-Frites knapp und teuer machen.
Die Ernährungsindustrie könne ihre enorm gestiegenen
Einkaufskosten nicht an anderer Stelle ausgleichen, beklagte der
Verband. So mache der Preis für Rohwaren in vielen Branchen der
Lebensmittelverarbeitung den größten Anteil an den
Produktionskosten aus. In einzelnen Branchen liege der Anteil sogar bei
60 bis 80 Prozent. Insgesamt sei das Preisniveau bei Lebensmitteln in
Deutschland aber das niedrigste in Europa.
(Quelle: rtr)
Deutsche Top-Konzerne über Aufsichtsräte stark verflochten
Sa.19.08.06 - Deutschlands Top-Konzerne sind über ihre Aufsichtsräte immer
noch stark verflochten. Die mächtigsten Aufsichtsräte des
Landes sitzen gemeinsam in zahlreichen Kontrollgremien von
Dax-Unternehmen, wie aus einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung
für Wertpapierbesitz (DSW) hervorgeht. Die meisten Mandate
hält dabei Ex-Bayer-Chef Manfred Schneider, der den
Aufsichtsräten von sieben Dax-Unternehmen angehört. Der
frühere ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme und der ehemalige Eon-Chef
Ulrich Hartmann folgen mit je fünf Mandaten, darunter je ein
Chefposten.
Zugleich betonte die DSW, es seien aber kaum noch aktive Vorstände
als Aufsichtsräte tätig und es gebe weniger
Interessenkonflikte. Die DSW wertete für ihre Rangliste neben den
Aufsichtsratsmandaten auch die Zahl der Mandate in den für die
Unternehmenskontrolle wichtigen Ausschüssen aus. In den
Aufsichtsräten von acht Dax-Unternehmen sitzen mindestens drei der
Kontrolleure aus den Top-Ten dieser Rangliste zusammen. Unter den ersten
Zehn befinde sich kein aktiver Vorstand. Allerdings gebe es zahlreiche
Fälle, in denen ein Vorstandsvorsitzender direkt an die Spitze des
Aufsichtsrats wechsle.
Die Vergütungen der Aufsichtsräte bewegen sich laut DSW
zwischen einem Jahresgehalt von 58.000 Euro beim Halbleiter-Hersteller
Infineon und den 352.000 Euro, die der Aufsichtsratsvorsitzende des
Pharmaunternehmens Schering, Giuseppe Vita, für seine Arbeit
erhält.
(Quelle: afp)
Knapp zwei Drittel der Bürger für Atomausstieg
Sa.19.08.06 - Knapp zwei Drittel der Bundesbürger befürworten einer Umfrage
zufolge den Atomausstieg. Wie eine Erhebung des Instituts Forsa im
Auftrag des Bundesumweltministeriums drei Wochen nach dem Störfall
im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark ergab, wollen 62 Prozent der
Bundesbürger das Tempo des Atomausstiegs beibehalten oder sogar
noch beschleunigen. Nur 33 Prozent finden den Atomausstieg falsch oder
wollen ihn zumindest verlangsamen.
Die Zustimmung zum Atomausstieg zieht sich demnach durch alle
Altersgruppen. Nur bei den Befragten über 60 Jahre ist die
Zustimmung mit 55 Prozent ein wenig niedriger. Bis auf die Anhänger
der FDP sind die Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien
mehrheitlich dieser Auffassung. Sogar 53 Prozent der Unions-Wähler
halten den Atomausstieg wie geplant oder sogar noch schneller für
richtig. Bei der SPD sind es 70 Prozent, bei den Grünen 88
Prozent, bei der Linkspartei 71 Prozent, bei der FDP 40 Prozent.
Die meisten Deutschen gehen laut der Umfrage zwar davon aus, dass sich
die Sicherheit der Atomkraftwerke seit der Reaktorkatastrophe von
Tschernobyl vor zwanzig Jahren verbessert hat. Dennoch ist 53 Prozent
der Befragten das Unfallrisiko nach wie vor zu hoch. 18 Prozent sind
sogar der Meinung, dass ein Vorfall wie in Tschernobyl heute noch
genauso wahrscheinlich ist wie damals. 26 Prozent schätzen das
Risiko eines Unfalls dagegen als so gering ein, dass sie bereit sind, es
in Kauf zu nehmen. Zwei Prozent der Befragten halten Atomkraftwerke
für absolut sicher.
Mit 51 Prozent sieht eine knappe Mehrheit der Befragten in der
Atomkraft eine große oder sogar sehr große Gefahr für
sich selbst oder die eigene Familie. Dies betrifft die Atomkraftwerke
selbst, aber auch mögliche Anschläge auf die Meiler, die
Atomtransporte oder den radioaktiven Müll. 40 Prozent der
Bürger sieht dagegen nur eine geringe Gefahr, acht Prozent gar
keine.
Forsa befragte 1.002 Personen. Die statistische Fehlertoleranz
beträgt plus/minus 3 Prozentpunkte.
(Quelle: ap)
Fehlersuche in Schweden geht weiter
Auch nach zwei Wochen ist die Ursache der Panne im AKW Forsmark noch
immer unbekannt. 80 Millionen Euro Verlust... Mehr in der taz vom
18.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/18/a0103.1/text
BKA hält terroristischen Hintergrund bei Kofferbomben für
möglich
Sa.19.08.06 - Das Bundeskriminalamt (BKA ) hält einen terroristischen
Hintergrund bei den beiden Kofferbomben in Nahverkehrszügen
für möglich. Bei den beiden Gepäckstücken seien
arabische Schriftzeichen und Telefonnummern aus dem Libanon entdeckt
worden, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Freitag in
Wiesbaden. Die beiden Sprengsätze hätten etwa zehn Minuten vor
Eintreffen der beiden Züge explodieren sollen.
Die Bundesanwaltschaft geht von einer inländischen terroristischen
Vereinigung aus, wie Bundesanwalt Rainer Griesbaum erklärte. Der
Bundesgerichtshof habe am Freitagmorgen eine öffentliche
Personenfahndung gestartet.
Die beiden Kofferbomben waren am 31. Juli in Regionalzügen in
Koblenz und Dortmund abgelegt worden. Die Ermittler zeigten auf einer
Pressekonferenz in Wiesbaden unter anderem Bilder von
Überwachungskameras des Kölner Hauptbahnhofs, auf denen zwei
Personen zu sehen waren, die offenbar die Kofferbomben transportierten.
(Quelle: ap)
Aids-Hilfe soll sich mehr auf Frauen konzentrieren
Sa.19.08.06 - Deutschland will seine Aids-Hilfe verstärkt auf junge Mädchen
und Frauen konzentrieren. Das kündigte Entwicklungsministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Freitag im Nachrichtenradio MDR Info
an.
Die Ministerin sagte zum Abschluss der Weltaidskonferenz in Toronto:
«Eine Erkenntnis der Konferenz ist, dass die Aids-Pandemie
zunehmend ein weibliches Gesicht hat.» Während vor zehn
Jahren 12 Prozent der HIV-Infizierten Frauen waren, so seien es heute
fast 50 Prozent.
Daraus werde auch ihr Ministerium Schlussfolgerungen ziehen und neue
Schwerpunkte setzen. So plane sie gemeinsam mit
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) im März eine
Aidskonferenz, bei der es besonders um die Situation junger Mädchen
und Frauen gehen werde.
(Quelle: dpa)
Mehrheit hat Verständnis für spätes Geständnis von
Grass
Sa.19.08.06 - Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (54 Prozent) hat
Verständnis dafür, dass der Schriftsteller Günter Grass
erst jetzt seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS zugegeben hat. Das ist
das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des
Instituts polis/USUMA im Auftrag des Nachrichtenmagazins
«Focus». 38 Prozent der 1.007 Befragten können demnach
die späte Offenbarung nicht verstehen.
Männer zeigten der Erhebung zufolge mit 60 Prozent mehr
Verständnis als Frauen (48 Prozent). Auch zeigten Ältere
weniger Zustimmung als Jüngere: Bei den über 55-Jährigen
stieß die Erklärung bei 49 Prozent auf Zustimmung, bei den
bis 34-Jährigen waren es 58 Prozent.
Eine am Vortag veröffentlichte Forsa-Umfrage hatte ergeben, dass
eine knappe Mehrheit von 51 Prozent Grass geraten hätte, seine
Mitgliedschaft als 17-Jähriger in den SS-Kampfverbänden schon
früher zuzugeben. Nur 29 Prozent hatten erklärt, Grass habe
den richtigen Zeitpunkt für sein Geständnis gewählt.
(Quelle: ap)