Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertzweiundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Acht Tote bei Gewalt gegen Schiiten in Bagdad
So.20.08.06 - Zwei Tage vor einem für die schiitische Bevölkerungsmehrheit
im Irak wichtigen religiösen Fest in Bagdad sind sieben Pilger in
der irakischen Hauptstadt am Samstag ermordet worden. Die Schiiten seien
zu Fuß durch das mehrheitlich von Sunniten bewohnte Viertel El
Adil gelaufen und von bewaffneten Männern erschossen worden,
teilte das Innenministerium mit. Kurz zuvor wurden bei einem
Selbstmordanschlag vor einer schiitischen Moschee in Bagdad im Viertel
Dura ein Zivilist getötet und vier verletzt. Das hauptsächlich
von Sunniten bewohnte Quartier hatte vor acht Tagen international
für Schlagzeilen gesorgt, weil die irakischen Truppen wegen der
anhaltenden Gewalt eine Mauer um das Viertel gebaut hatten.
Von US-Militärberatern unterstützte irakische Soldaten nahmen
in Bagdad drei Männer fest, denen die Ermordung von 42 Menschen in
einem sunnitischen Stadtviertel der Hauptstadt zur Last gelegt wird. Wie
die US-Armee mitteilte, handelt es sich bei den Festgenommenen um die
"Anführer einer Todesschwadron". Einer der drei Männer werde
als Drahtzieher des Massakers von 9. Juli verdächtigt, den beiden
anderen werde vorgeworfen, an der Bluttat beteiligt gewesen zu sein.
Die Todesschwadron errichtete den Angaben zufolge im westlichen
Stadtteil Dschihad eine Straßensperre, an der sie Autofahrer zum
Aussteigen zwang, sich die Papiere zeigen ließ und Sunniten dann
kaltblütig erschoss. Die Festnahmen erfolgten im Zuge des von der
US-Armee mit der irakischen Regierung koordinierten Sicherheitsplans
für Bagdad. Dafür wurden 30.000 irakische und US-Soldaten
eingesetzt.
Am Sonntag werden hunderttausende schiitische Pilger vor dem Mausoleum
des Imams Mussa el Kasim in Kasimijah im Westen von Bagdad erwartet. Bei
der Zeremonie waren im vorigen Jahr 965 Pilger auf einer Brücke zu
Tode getrampelt worden, erstickt oder ertrunken, als sie in den
darunter gelegenen Fluss fielen. Es war der mörderischste
Zwischenfall seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein. Die irakische
Polizei hat in den letzten Tagen ihre Sicherheitsvorkehrungen in Bagdad
noch einmal verschärft. Für die Innenstadt wurde ein
Fahrverbot verhängt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 20.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Fünf Soldaten in Afghanistan getötet
So.20.08.06 - Bei einem Überfall und Kämpfen in Afghanistan sind am Samstag
mindestens fünf Soldaten getötet worden. In der Provinz
Urusgan griffen Bewaffnete einen Konvoi von afghanischen und
NATO-Truppen an, wie ein Militärsprecher mitteilte. Dabei seien
ein einheimischer und ein NATO-Soldat ums Leben gekommen. In Kunar im
Osten des Landes starben bei einem Einsatz drei Soldaten der
US-geführten Koalitionsstreitkräfte. Mehrere weitere seien
bei den Kämpfen verletzt worden, sagte ein Sprecher.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel bricht Waffenruhe im Südlibanon. UN-Generalsekretär
Annan 'tief betroffen'. Beirut droht mit Stopp von Truppenstationierung
im Süden. Erste französische Soldaten zur Verstärkung im
Libanon. Weit über 1000 Libanesen im jüngsten Nahost-Konflikt
getötet. Israelische Soldaten nehmen stellvertretenden
palästinensischen Regierungschef fest
So.20.08.06 - Die Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen
Hisbollah-Miliz im Libanon erweist sich als brüchig: Knapp eine
Woche nach Inkrafttreten der Vereinbarung unternahmen israelische
Soldaten am Samstag tief im Innern des Libanons eine Kommandoaktion und
lieferten sich ein heftiges Gefecht mit Hisbollah-Milizionären.
Dabei wurden drei Hisbollah-Kämpfer und ein israelischer Offizier
getötet.
Unter dem Schutz von vorgetäuschten Luftangriffen hatten
israelische Hubschrauber in der Nacht zwei gepanzerte
Geländefahrzeuge etwa 100 Kilometer von der israelischen Grenze
entfernt im Ostlibanon abgesetzt, berichtete die libanesische Polizei.
Israelische Soldaten seien dann ins rund 30 Kilometer von der Stadt
Baalbek entfernte Dorf Budai gefahren, wo sie sich ein Gefecht mit
Hisbollah-Kämpfern geliefert hätten.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich «tief
betroffen» über die israelische Verletzung der Waffenruhe im
Libanon gezeigt. In einer Mitteilung in New York hieß es weiter,
die UN- Friedenstruppe habe neben der gestrigen israelischen
Kommandoaktion im Osten des Libanon mehrere Verstöße durch
israelische Militärflugzeuge gegen die Resolution festgestellt.
Dies gefährde die «brüchige Ruhe», die nur durch
lange Verhandlungen erreicht worden sei. Auch würde die
Autorität der libanesischen Regierung beschädigt.
Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora bezeichnete die
Aktion als «Verletzung» der Waffenruhe. Ein israelischer
Militärsprecher in Tel Aviv erklärte, die Operation habe dazu
gedient, den Schmuggel von Waffen aus Syrien oder dem Iran zu
unterbinden. Dies sei auch gelungen.
Das libanesische Verteidigungsministerium drohte mit einem Stopp der
Truppenstationierung im Süden des Landes gedroht. Sollten die
Vereinten Nationen wegen der Kommandoaktion in der Nacht nicht
intervenieren, werde er dem Kabinett möglicherweise eine
Beendigung der Entsendung von Soldaten vorschlagen, sagte
Verteidigungsminister Elias Murr am Samstag.
Die libanesische Armee richtete am Samstag erstmals eine dauerhafte
Stellung unmittelbar an der israelischen Grenze ein. Libanesische
Soldaten rückten im Morgengrauen zum so genannten Fatima-Tor vor,
das die südlibanesische Ortschaft Kfar Kila und die
nordisraelische Stadt Metulla voneinander trennt.
Rund 15 000 Regierungssoldaten und tausende UN-Blauhelme sollen in den
kommenden Tagen und Wochen die Kontrolle über den Südlibanon
übernehmen, aus dem sich das israelische Militär seit Beginn
der Waffenruhe zurückzieht. Bislang war der Südlibanon von
der Hisbollah- Miliz kontrolliert worden.
Die Hisbollah weitete am Samstag die Verteilung von Geld an
libanesische Obdachlose aus. «Wir haben in Beiruts südlichen
Stadtteilen begonnen und gehen jetzt in den Süden des
Libanons», sagte ein Hisbollah-Mitglied. Familien, die ihr Hab
und Gut verloren haben, bekämen jeweils rund 12 000 US-Dollar
(9300 Euro). Das Geld stamme auch aus dem Iran.
Unterdessen landeten am Samstagmorgen die ersten von zunächst 200
französischen Soldaten im südlibanesischen Hafen Nakura, die
die UN- Friedenstruppe UNIFIL im Libanon verstärken sollen. Die
rund 50 Mann umfassende Vorhut bringe schweres Gerät an Land,
bestätigte ein UNIFIL-Sprecher. Den Plänen zufolge soll die
derzeit 2000 Mann starke UNIFIL-Truppe in den nächsten zehn Tagen
um 3500 zusätzliche Blauhelm-Soldaten aufgestockt werden.
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) forderte die
UN im «Focus» auf, bald Klarheit über die
Einsatzregeln für die internationalen Truppe zu schaffen. Nach
seinen Worten sollte die Bundeswehr bei einem Einsatz vor der
libanesischen Küste den Waffenschmuggel für die
Hisbollah-Miliz auch mit Waffengewalt verhindern können.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier rechnet mit
einer längeren Dauer einer Friedensmission im Libanon. Er sagte
der «Bild am Sonntag»: «Ich kann nicht garantieren,
dass die Aufgabe in einem Jahr erfüllt sein wird. Aber wir werden
uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass durch Fortschritte bei
den politischen Rahmenbedingungen diese UN-Mission ein Erfolg
wird.» Dazu zählten die nachhaltige Stärkung der
libanesischen Zentralregierung und die Einbeziehung der Nachbarn des
Libanons in den Stabilisierungsprozess. «Dazu ist - mehr politisch
als militärisch - unser Beitrag nötig.»
Derweil lief die humanitäre Hilfe der Bundeswehr für den
Libanon an. Zwei Transportflugzeuge landeten nach Angaben der Luftwaffe
in der Nacht zum Samstag in der jordanischen Hauptstadt Amman. Die
Maschinen vom Typ Transall C-160 sollten vom Nachmittag an für
Hilfsflüge einsatzbereit sein. Zwei weitere Transall C-160 in
Wunstorf (Niedersachsen) und Landsberg (Bayern) stehen auf Abruf bereit.
Nach Angaben des Menschenrechtsbeauftragten der deutschen Regierung,
Günther Nooke (CDU), hat Deutschland seit Beginn der
Auseinandersetzungen bereits 4,5 Millionen Euro für den Libanon
ausgegeben. Deutschland werde sich mit 21 Prozent an der Finanzierung
der Hilfsmaßnahmen durch die EU beteiligen, die 60 Millionen Euro
umfasse, sagte er am Samstag im Deutschlandradio Kultur.
Der Golfstaat Katar kündigte massive Wiederaufbauhilfe für
die wochenlang schwer umkämpfte südlibanesische Stadt Bint
Dschbeil an. Weite Teile des Ortes, in dem rund 30.000 Menschen lebten,
sind verwüstet, die meisten Einwohner sind obdachlos.
Selbst wenn die Häuser noch stehen, ist die Rückkehr für
viele Flüchtlinge gefährlich. Wie die Polizei berichtete,
starb am Samstag nahe der Hafenstadt Tyrus ein Libanese in seinem
Garten, als ein israelischer Sprengsatz detonierte. Dabei habe es sich
um eine Streubombe gehandelt. Bei ähnlichen Zwischenfällen
seien in den vergangenen Tagen bereits sechs Menschen getötet
worden.
Bei der israelischen Militäroffensive sind im Libanon nach
offiziellen Angaben fast 1300 Menschen getötet worden, darunter
mehr als 1100 Zivilisten. Fast jedes dritte zivile Opfer sei ein Kind
unter zwölf Jahren gewesen, hieß es in einer
vorläufigen Opferbilanz. Nicht enthalten seien die Vermissten, die
noch unter den Schutthaufen vermutet werden. Der Konflikt war am 12.
Juli nach der Entführung von zwei israelischen Soldaten durch die
Hisbollah entbrannt.
Israelische Soldaten nahmen Freitagnacht den stellvertretenden
palästinensischen Regierungschef Nasseredin el Schaer von der
radikalislamischen Hamas fest. Schaers Frau Huda sagte, die Soldaten
seien in ihr Haus in Ramallah eingedrungen und hätten ihren Mann
mitgenommen. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitsvertreter
waren an der Aktion 30 Geländefahrzeuge der Armee beteiligt.
Israel macht die Hamas-Regierung für die Entführung des
israelischen Soldaten Gilad Schalit am 25. Juni an der Grenze zum
Gazastreifen verantwortlich. Im Gegenzug brachte die israelische Armee
Ende Juni 64 Hamas-Mitglieder, unter ihnen acht Minister und 26
Abgeordnete, in ihre Gewalt. Nur einige wenige wurden seitdem wieder
freigelassen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
'Das war der 11. September des Libanon'
Der Krieg Israels im Libanon hat auch die moderaten, säkularen
Kräfte in den arabischen Gesellschaften radikalisiert. Und die
Islamisten gestärkt. Frieden mit Israel war noch nie so fern, meint
der jordanische Politologe Oraib Rantawi... Mehr in der taz vom
19.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/19/a0156.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/08/19/a0154.1/text
Erste Ergebnisse deuten auf Stichwahl im Kongo hin
So.20.08.06 - Nach der Präsidentenwahl im Kongo zeichnet sich ersten Ergebnissen
zufolge eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Joseph Kabila und seinem
Stellvertreter Jean-Pierre Bemba ab. Wie die Regierung in Kinshasa
mitteilte, kommt Kabila nach Auszählung von 11,7 Millionen der 20
Millionen abgegebenen Stimmen zwar auf etwa 48 Prozent. Sollte jedoch
kein Kandidat die absolute Mehrheit auf sich vereinen, wird in einer
Stichwahl entschieden. Bemba liegt demnach mit rund 18 Prozent auf dem
zweiten Platz.
In Kinshasa entfielen auf den Vizepräsidenten 56 Prozent der dort
ausgezählten 1,1 Millionen Stimmen, für Kabila votierten 16
Prozent, wie es weiter hieß. Ein gutes Abschneiden Bembas in der
Hauptstadt war erwartet worden. Nach Angaben der Vereinten Nationen lag
die Wahlbeteiligung bei der Abstimmung am 30. Juli bei 80 Prozent.
(Quelle: ap)
Aids-Konferenz endet mit scharfer Kritik an G-8-Staaten
So.20.08.06 - Mit scharfer Kritik an den G-8-Staaten ist im kanadischen Toronto die
16. Internationale Aids-Konferenz zu Ende gegangen. Die G8 hätten
ihre vor einem Jahr auf dem Gipfel im schottischen Gleneagles gemachten
Versprechen nicht eingehalten und die Länder des Südens
"verraten", sagte der UN-Beauftragte für Aids in Afrika, Stephen
Lewis, unter dem Beifall tausender Delegierter. Lewis kritisierte auch
die Haltung der südafrikanischen Regierung gegenüber der
Krankheit.
Der Kampf gegen Aids sei durch die Haltung der G8 in Gefahr, sagte
Lewis. "Niemand verlangt mehr als das Versprochene." Die sieben
wichtigsten Industriestaaten und Russland hatten im Juli vergangenen
Jahres unter anderem zugesagt, allen afrikanischen Aids-Kranken bis 2010
Zugang zu Aids-Medikamenten zu verschaffen und den internationalen
Fonds für Aids, Malaria und Tuberkolose aufzufüllen. Doch laut
Lewis fehlen dem Fonds noch 500 Millionen Dollar für dieses Jahr
und mehr als eine Milliarde Dollar für kommendes Jahr.
Insgesamt seien im vergangenen Jahr beachtliche 8,3 Milliarden Dollar
für Aids-Programme ausgegeben worden, sagte Lewis. "Aber wir
brauchen noch 15 Milliarden in diesem Jahr, 18 Milliarden im
nächsten Jahr und 22 Milliarden für 2008." Regierungen, die
ihre Präventions- und Behandlungsprogramme ausbauen wollten,
würden von den hohen Fehlbeträgen "abgeschreckt".
Der UN-Beauftragte sagte, Südafrika sei unter den afrikanischen
Ländern, die er in fünf Jahren besucht habe, das einzige Land,
das "noch immer begriffstutzig, zögernd und nachlässig" mit
der Behandlung von Aids umgehe. "Zwischen sechs- und achthundert
Menschen sterben in Südafrika täglich an Aids", mahnte er.
Lewis kritisierte auch die Festnahme von 44 Aids-Aktivisten am Freitag
in Kapstadt, die gegen die umstrittene Gesundheitsministerin Manto
Tshabalala-Msimang demonstriert hatten. Die Ministerin hatte unter
anderem den Einsatz von Knoblauch, Olivenöl und Roter Beete als
"alternatives Aids-Mittel" gepriesen. Ein Sprecher des
südafrikanischen Gesundheitsminsteriums wies Lewis' Kritik an
seiner Regierung als "inakzeptabel" zurück.
Derzeit leben 40 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus, 95
Prozent von ihnen in armen Ländern. In Toronto hatten sich sechs
Tage lang 21.000 Wissenschaftler, Mediziner, Gesundheitsexperten und
Aktivisten mit Möglichkeiten im Kampf gegen Aids befasst.
(Quelle: afp)
Mehr als 800 Flüchtlinge erreichen die Kanarischen Inseln
So.20.08.06 - Mehr als 800 Flüchtlinge aus Afrika haben binnen weniger als 48
Stunden mit Booten die Kanarischen Inseln erreicht, wie das Spanische
Rote Kreuz mitteilte. Zwei Fischerboote mit insgesamt 184 Menschen
landeten nach Angaben einer Sprecherin am Samstag an der Küste von
Teneriffa, ein weiteres Boot mit 126 Insassen erreichte die Insel El
Hierro. Bereits am Freitag schafften 512 afrikanische Flüchtlinge
mit sechs Booten den Weg nach Teneriffa und Gomera. Mindestens ein
weiteres Boot befand sich nach einem Bericht des spanischen Fernsehens
am Samstag auf dem Weg nach El Hierro.
Seit Jahresbeginn trafen bereits mehr als 17.000 Afrikaner auf den
Kanaren ein und damit bereits mehr als drei Mal so viele wie 2005
insgesamt. Mehr als 1.000 Flüchtlinge kamen Berichten zufolge seit
Ende vergangenen Jahres auf der gefährlichen Überfahrt ums
Leben.
Zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms aus Afrika sind seit
dieser Woche Luft- und Seepatrouillen der EU um die Kanarischen Inseln
herum und entlang der westafrikanischen Küste im Einsatz.
(Quelle: ap)
Deutschland
Fahnder fassen einen der mutmaßlichen Kofferbomben-Leger
So.20.08.06 - Bei der Suche nach den Bombenlegern von Dortmund und Koblenz gibt es
einen ersten spektakulären Fahndungserfolg: Am frühen
Samstagmorgen nahmen Ermittler des Bundeskriminalamtes auf dem Kieler
Hauptbahnhof einen 21-jährigen Libanesen fest. Für
Generalbundesanwältin Monika Harms steht auf Grund von DNA-Spuren
fest, dass es sich um einen der beiden Männer handelt, die Ende
Juli am Hauptbahnhof Köln zwei Bombenkoffer in Regionalzügen
deponierten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erleichtert und bezeichnete
die Festnahme als großen Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus.
Der Student gehört nach Erkenntnissen der Ermittler einer
terroristischen Vereinigung in Deutschland an.
Die Festnahme erfolgte nur Stunden, nachdem Bundeskriminalamt (BKA) und
Bundesanwaltschaft Aufnahmen von Überwachungskameras des
Kölner Bahnhofes veröffentlicht und eine öffentliche
Fahndung nach den Bombenlegern gestartet hatten. BKA-Präsident
Jörg Ziercke sagte in Kiel, der schnelle Fahndungserfolg gehe auf
die Veröffentlichung der Videos zurück. Dadurch sei ein
enormer Fahndungsdruck auf die Verdächtigten ausgeübt worden.
Der Zugriff sei kurz vor Abfahrt einer Regionalbahn nach Hamburg
erfolgt, mit der sich der Festgenommene habe absetzen wollen.
Nach dem zweiten Tatverdächtigen wird nach Angaben der
Bundesanwaltschaft auf Hochtouren gefahndet. Ob er ebenfalls aus Kiel
stamme, könne man aus der Identität der beiden Kofferbomben
«nicht unmittelbar schließen», sagte Ziercke. Der
BKA-Chef warnte, dass die Gefahr eines Anschlags weiter bestehe. Es sei
offen, ob die handwerklichen Fehler beim Bombenbau inzwischen
korrigiert worden seien «und womöglich eine neue Bombe im
Bau ist». Zudem sei unklar, ob der Festgenommene Teil eines
Netzwerkes sei und ob es einen Zusammenhang zu den Anschlägen in
London und Madrid gebe.
Die Kofferbomben waren am 31. Juli in Regionalzügen aus Köln
entdeckt und in Dortmund und Koblenz abgegeben worden. Nur ein
technischer Fehler hatte eine Explosion mit möglicherweise
verheerenden Folgen verhindert. Die Ermittler gehen davon aus, dass die
Sprengsätze gleichzeitig explodieren sollten. Da dafür eine
gute logistische Vorbereitung nötig sei, geht
Generalbundesanwältin Harms davon aus, dass sich weitere Personen
zu einer terroristischen Vereinigung zusammengeschlossen haben. Die
Anschläge seien wohl in Deutschland koordiniert worden.
Am (heutigen) Sonntag sollte Haftbefehl gegen den 21-Jährigen beim
Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs wegen Mitgliedschaft in einer
terroristischen Vereinigung beantragt werden.
Laut Bundesanwaltschaft reiste der 21-jährige Libanese 2004 nach
Deutschland ein und studierte seit Februar 2005 in Kiel Mechatronik. Er
besitze eine gültige Aufenthaltserlaubnis. Seinen Vornamen gab die
Behörde mit Youssef Mohamad an, wobei nicht sicher sei, ob die
Namen stimmten. Bei dem Studenten handelte es sich demnach um den Mann,
der auf den Videoaufnahmen mit einem Fußballtrikot mit der Nummer
13 zu sehen ist. Die Bundesanwaltschaft bestätigte auch, dass ein
Studentenwohnheim in Kiel durchsucht wurde, dort sei eine Art Werkstatt
gefunden worden. Die Auswertung der Ergebnisse liege noch nicht vor.
(Quelle: ap)
Müntefering schließt höhere Steuern wegen
Gesundheitsreform nicht aus
So.20.08.06 - Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) schließt im
Zuge der geplanten Gesundheitsreform weiterhin Steuererhöhungen
nicht aus. Das Thema sei «nicht vom Tisch», sagte
Müntefering dem Hamburger Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel». «Wir werden spätestens im Jahr 2009 zeigen
müssen, wo wir 11, 12 oder 14 Milliarden Euro in den Folgejahren
hernehmen», betonte er. Dies sei bisher «völlig
unklar».
Die große Koalition hatte im Juli eine teilweise
Steuerfinanzierung der Gesundheitsausgaben beschlossen, aber offen
gelassen, ob das Geld dafür durch Einsparungen im Bundeshaushalt
oder durch Steuererhöhungen hereingeholt werden soll.
Müntefering sagte, dies sei nicht klug gewesen. «Das holt uns
wieder ein in dieser Legislaturperiode», fügte der
Vizekanzler hinzu.
Für die geplante Arbeitsmarktreform im Herbst kündigte
Müntefering an, die Organisation der Arbeitsvermittlungen zu
überprüfen und die Kompetenzen des Bundes zu stärken. Es
müsse «klar sein, dass die zehn Milliarden Euro, die wir
für die Verwaltung und Vermittlung der
´Hartz-IV´-Empfänger ausgeben werden, vom Bund
kommen», betonte er. Daher sei es eine «pure
Selbstverständlichkeit, dass der Bund und die Bundesagentur
darüber bestimmen, wie dieses Geld eingesetzt wird». Es
könne nicht sein, dass einzelne Bundesländer eigene Programme
auflegten und «Bundesgeld verteilen», wie das in
Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen passiert sei.
(Quelle: ddp)
Wehretat 2007 wird angeblich um 400 Millionen Euro aufgestockt
So.20.08.06 - Der Verteidigungsetat 2007 soll nach Informationen des Berliner
«Tagesspiegels am Sonntag» überplanmäßig um
400 Millionen Euro aufgestockt werden. Darauf hätten sich
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) nach Teilnehmerangaben am
Donnerstag bei einer Besprechung im Kanzleramt verständigt,
berichtete das Blatt am Samstag vorab.
Dies wäre weit mehr als an zusätzlichen Kosten für die
Bundeswehr durch neue Auslandseinsätze zu erwarten sei, heißt
es in dem Bericht weiter. Im übrigen solle der Haushalt des
Verteidigungsministeriums bis 2009 um insgesamt eine Milliarde Euro
wachsen.
(Quelle: ddp)
Unionsregierte Länder machen Front gegen Atomausstieg
So.20.08.06 - Neun unionsregierte Bundesländer verlangen einen Ausstieg aus dem
Atomausstieg. In einem internen Papier begründen sie diese
Forderung laut «Focus» damit, dass sich die
energiepolitischen Rahmenbedingungen seit der Vereinbarung im Jahr 2000
verändert hätten. So gebe es verschärften Wettbewerb um
Öl und Erdgas. Zudem habe sich die Strategie von Rot-Grün in
Bezug auf Windparks auf dem Meer als zu optimistisch erwiesen. Das
Strategiepapier wurde von Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin
Christa Thoben erarbeitet.
(Quelle: dpa)
Bisky hält Scheitern der Links-Fusion für möglich
So.20.08.06 - Linkspartei-Chef Lothar Bisky hält den geplanten Zusammenschluss
mit der WASG noch nicht für sicher. «Die Fusion kann
scheitern», sagte Bisky im ARD-»Bericht aus Berlin»,
der am Sonntag ausgestrahlt wird. Er räumte ein, dass das Projekt
erkennbar an Schwung verloren hat. «Die Euphorie der Anfangszeit
ist nicht mehr da», sagte er. «Allerdings gibt es noch
genügend Schwungmasse, und wir sind den Wählerinnen und
Wählern in der Pflicht.»
Es gelte, die verbleibende Zeit mit harter Arbeit zu nutzen. Er sei
überzeugt, dass bei der vorgesehenen Urabstimmung die Mehrheit
für die Vereinigung entscheiden werde. «Ich gehe davon aus,
im nächsten Jahr um diese Zeit sind wir eine Partei oder wir
werden es nicht mehr.»
Die Linkspartei.PDS will sich bis nächsten Sommer mit der
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG)
zusammenschließen, die aus der Protestbewegung gegen die
Hartz-Gesetze entstanden ist. Ziel ist eine neue Linke mit Wahlchancen
in Ost und West. Geplant sind für das Frühjahr Parteitage und
Urabstimmungen sowie ein Vereinigungsparteitag Ende Mai, Anfang Juni
2007. Gegen den Fusionskurs gibt es allerdings Widerstand. So treten
bei den bevorstehenden Landeswahlen in Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern die WASG-Landesverbände in Konkurrenz zur
Linkspartei an, der sie vorwerfen, als Koalitionspartner der SPD die
«neoliberale» Politik der rot-roten Landesregierungen
mitzutragen.
(Quelle: ap)