Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens 27 schiitische Pilger in Bagdad getötet. Unruhen im
Westen und Norden der Stadt. Auch im Rest des Landes mehrere
Anschläge - Zwölf Tote. Iranische Truppen beschießen
kurdische Dörfer im irakischen Grenzgebiet
Mo.21.08.06 - Bei Anschlägen während eines schiitischen Pilgerfests in der
irakischen Hauptstadt Bagdad sind mindestens 27 Gläubige ums Leben
gekommen.
Rund 300 weitere wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums am
Wochenende verletzt. Die Sicherheitskräfte nahmen zahlreiche
Verdächtige fest. Im vergangenen Jahr waren bei der Pilgerfahrt zum
Schrein des Imams Mussa Kadhim fast tausend Menschen gestorben, als auf
einer Brücke über den Tigris unter den Gläubigen eine
Massenpanik wegen eines angeblichen Anschlags ausbrach. Auch dieses Mal
versammelten sich Hunderttausende von Schiiten zu dem Fest.
Die meisten Angriffe auf die Pilger seien auf dem Weg zum Schrein im
nördlichen Stadtteil Kadhimija verübt worden, sagte ein
Sprecher des Gesundheitsministeriums. Am Sonntag seien mindestens 20
Pilger getötet worden. Am Freitagabend wurden sieben Gläubige
aus einem Auto heraus erschossen, als sie in einem mehrheitlich
sunnitischen Stadtbezirk unterwegs waren. Andere Pilger wurden von
Dächern aus beschossen.
Aus dem Westen und dem Norden der Stadt wurden am Sonntag Unruhen
gemeldet. Ein Bewohner der überwiegend von Sunniten bewohnten
Gegend Wasirija sagte, bewaffnete Männer hätten zunächst
schiitische Pilger angegriffen. Danach habe es stundenlange Kämpfen
gegeben. Nach Angaben aus Kreisen der irakischen Armee wurde die
US-Luftwaffe um Hilfe gebeten, um die Situation unter Kontrolle zu
bringen. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums bestätigte
die Auseinandersetzungen. "Es gibt hier eine Gruppe von Terroristen,
die sich gut versteckt", sagte er. Verteidigungsminister Abdul Kader
Jassim erklärte, 30 mutmaßliche Aufständische seien
gefasst worden. Darunter seien mindestens fünf nicht aus dem Irak
kommende Araber.
Wegen der Wallfahrt galt in der gesamten Hauptstadt ein Fahrverbot. Die
Sicherheitskräfte postierten Heckenschützen auf den
Dächern und sperrten die Gegend um die Moschee ab. Die Pilger
durften weder Taschen noch Mobiltelefone in das abgesperrten Gebiet
hineinnehmen. Das Verteidigungsministerium forderte die Menschen auf,
weder Essen noch Getränke von Unbekannten anzunehmen und keinen
Gerüchten zu trauen, die erneut eine Panik auslösen
könnten. Polizei und Militär errichteten Kontrollpunkte in der
Nähe des Wallfahrtsort. Auch Palmenhaine und Friedhöfe wurden
durchsucht, da sie als mögliche Abschussstellen für Raketen
gelten.
Tausende Pilger strömten zu Fuß durch die engen Gassen
Kadhimijas zur Moschee. Am Wallfahrtsort selbst geißelten sich
manche Pilger mit Ketten. Die Menschen trugen Fahnen und Bilder des
Imams. Helfer sprühten Wasser in die Menschenmenge, um die extreme
Hitze für die Gläubigen erträglicher zu machen. "Ich war
schon letztes Jahr hier aber dieses Mal ist die Betreuung viel besser",
sagte ein 35-jähriger Pilger. "Gott sei Dank gibt es Leute, die uns
mit Essen und Trinken versorgen."
Seit einem Anschlag auf einen schiitischen Schrein im Februar hat sich
die Gewalt zwischen der schiitischen Mehrheit und der sunnitischen
Minderheit im Land verschärft. Die Wallfahrt zum Todestag von Imam
Mussa Kadhim zieht jedes Jahr zehntausende Gläubige an.
Auch im Rest des Landes wurden am Wochenende mehrere Anschläge
verübt. Im nordirakischen Bakuba und nahe gelegenen Ortschaften
töteten nach Angaben aus Sicherheitskreisen bewaffnete Männer
mindestens zwölf Zivilisten. Unter den Toten seien zwei
Universitätsprofessoren und mehrere Studenten. Bei einem gezielten
Anschlag auf den Konvoi eines irakischen Brigadegenerals starben in der
rund 40 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Ortschaft Diwanija
zwei Männer. General Dschamil al-Hadschi, zuständig für
die achte Infanteriedivision, blieb jedoch unverletzt.
Iranische Truppen beschossen unterdessen kurdische Dörfer im
irakischen Grenzgebiet. Die antiiranische Partei des Freien Lebens
für Kurdistan erklärte am Sonntag, die Geschosse hätten
am Freitag zwei Menschen in Kandil das Leben gekostet. Kurdische
Rebellen, die für eine Unabhängigkeit vom Iran und der
Türkei kämpfen, nutzen die Bergregion im Nordosten des Iraks
als Unterschlupf. Die irakisch-kurdische Regionalregierung hat keine
Kontrolle über das Gebiet.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 21.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.21.08.05 - Demonstrationen gegen irakischen Verfassungsprozess: 5.000 bei
Protestkundgebung in Ramadi. Arabische Bevölkerung Kirkuks
fürchtet Föderalismus +++ Kein Ende der gewalttätigen
Auseinandersetzungen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
71 mutmaßliche Taliban-Kämpfer in Südafghanistan
getötet
Mo.21.08.06 - Mit Unterstützung der NATO-Truppen haben afghanische Soldaten im
Süden des Landes 71 mutmaßliche Kämpfer der Taliban
getötet. Die Gefechte nach einem Angriff der Rebellen in der
Provinz Kandahar dauerten bis zum Sonntagmorgen an, wie es in einer
Stellungnahme der NATO hieß. Die NATO-Truppen hätten den
Aufständischen mit Artillerie und aus der Luft schwere Verluste
zugefügt. Die Taliban sprachen dagegen nur von zwölf
getöten Kämpfern. Auch vier Polizisten und ein afghanischer
Soldaten wurden nach Angaben aus Militärkreisen getötet.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Iran dementiert Berichte über Zahlungen an Hisbollah. UN
bemühen sich um Lösung für Entwaffnung von Hisbollah.
Annan wirft Israel Verletzung der Libanon-Waffenruhe vor. Deutsche
Regierung will robustes UN-Mandat für Nahost-Einsatz. Steinmeier
für Nahost-Sicherheitskonferenz nach Vorbild der KSZE. Israelische
Truppen nehmen Hamas-Abgeordneten im Westjordanland fest
Mo.21.08.06 - Der Iran hat Berichte zurückgewiesen, wonach die libanesische
Hisbollah-Miliz Geld aus Teheran als Wiederaufbauhilfe erhalten hat.
«Bislang ist weder über die Quantität noch über die
Qualität der Hilfe entschieden worden», sagte ein Sprecher
des iranischen Außenministeriums am Sonntag. Natürlich wolle
sein Land dem Libanon helfen, «die gegenwärtige Situation zu
überwinden», fügte Außenamtssprecher Hamid Resa
Assefi hinzu. Das Geld, das die Hisbollah Berichten zufolge in den
vergangenen Tagen an die vom Krieg betroffene Bevölkerung verteilt
hat, stammt laut Assefi nicht aus dem Iran. Die Hisbollah habe
«ihre eigenen wirtschaftlichen Ressourcen».
Im Konflikt um die Entwaffung der Hisbollah wollen sich die Vereinten
Nationen um eine diplomatische Lösung bemühen. Zum Abschluss
eines zweitägigen Besuchs im Libanon sagte der UN-Gesandte Terje
Roed-Larsen am Sonntag in Beirut, Ziel sei eine Situation, «in
der alle derartigen Milizen aufgelöst und entwaffnet sind».
Roed-Larsen lobte die zügige Stationierung libanesischer Soldaten
im Süden des Landes. Dies zeige, dass die Regierung in Beirut nun
die Verantwortung für das gesamte Territorium übernehme.
Jetzt komme es darauf an, den seit einer Woche wirksamen
Waffenstillstand auf Dauer zu sichern und zum Ausgangspunkt für
eine dauerhafte Friedensregelung in der Region zu machen.
Nach dem ersten israelischen Luftangriff im Libanon seit dem
offiziellen Ende der Kämpfe hat UN-Generalsekretär Kofi Annan
Israel einen Bruch der Waffenruhe vorgeworfen.
Er sei wegen des Militäreinsatzes gegen eine Hisbollah-Hochburg
sehr besorgt, teilte Annan am Wochenende mit. Ungeachtet der Kritik
flogen israelische Militärmaschinen am Sonntag weitere
Aufklärungsflüge über dem Libanon.
Annan rief Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz auf, sich an die
Bedingungen der Waffenruhe zu halten, die der UN-Sicherheitsrat in einer
Resolution zur Beendigung des Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah
festgelegt hatte. Alle Seiten sollten sich strikt an das Waffenembargo
gegen die Miliz halten, äußerste Zurückhaltung
üben und weitere Provokationen vermeiden. Die Waffenruhe war am
vergangenen Montag nach knapp fünf Wochen Krieg in Kraft getreten.
Die israelische Armee hatte am Samstag in einer Kommandoaktion mit
Unterstützung aus der Luft Ziele der radikal-islamischen Hisbollah
im Ost-Libanon angriffen. Dabei wurden ein israelischer Soldat
getötet und zwei weitere verletzt. Die Hisbollah wies Angaben aus
Sicherheitskreisen zurück, dass auch drei ihrer Kämpfer bei
den Gefechten getötet worden seien.
Israel bestritt, mit der Operation die Waffenruhe gebrochen zu haben.
Der Einsatz habe der Selbstverteidigung gedient, wie es die
UN-Resolution zulasse. Ziel sei es gewesen, Waffenlieferungen an die
Hisbollah aus Syrien und dem Iran zu unterbinden, die gegen die Vorgaben
der Waffenruhe verstießen. Der UN-Sondergesandte Terje
Roed-Larsen sagte, falls die Hisbollah tatsächlich Waffen in den
Libanon geschmuggelt hätte, wäre dies ein Verstoß gegen
die Waffenruhe.
Der libanesische Regierungschef Fuad Siniora warf Israel eine "offene
Verletzung" der Waffenruhe vor. Verteidigungsminister Elias al-Murr
drohte, seine Regierung könne die Stationierung des Militärs
im Süden des Landes stoppen, wenn Israel weitere vergleichbare
Aktionen durchführe. Al-Murr kündigte ein hartes Durchgreifen
gegen Versuche der Hisbollah an, den Waffenstillstand zu brechen. "Jede
vom Libanon aus abfeuerte Rakete würde Israel nützen", sagte
er. Die Armee kontrolliere mittlerweile die ganze Grenze zu Syrien und
werde unnachgiebig gegen den Waffenschmuggel vorgehen.
Annan sprach wegen des Vorfalls vom Samstag mit Siniora und dem
israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Neben dem
Militäreinsatz im Ost-Libanon hätten UN-Friedenssoldaten von
weiteren Verletzungen des Luftraums durch die israelische Luftwaffe
berichtet, erklärte Annan. Diese Verstöße
gefährdeten die Waffenruhe und beschädigten die
Souveränität der libanesischen Regierung. Augenzeugen und
libanesische Sicherheitskreise berichteten am Sonntag, israelische
Kampfflugzeuge seien praktisch über dem ganzen Land in großer
Höhe unterwegs.
Frankreich entsandte mit 50 Militäringenieuren seine erste
Truppenverstärkung seit dem Krieg in den Südlibanon. Die
Regierung in Paris hat sich unter Bedingungen zur Führung der
geplanten erweiterten UN-Mission Unifil bereit erklärt, die
zusammen mit der libanesischen Armee die Kontrolle in dem Gebiet
übernehmen soll.
Unterdessen bat der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert die
italienische Regierung telefonisch darum, die Führung der
UN-Friedenstruppe im Libanon (UNIFIL) zu übernehmen. Zugleich
forderte er, dass sich an der Mission nur Länder beteiligen, die
diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten, wie sein Büro
mitteilte. In Rom hieß es, die von Romano Prodi geführte
Regierungskoalition sei zur Führung der UNIFIL bereit, sollten die
Vereinten Nationen darum bitten.
Deutschland dringt auf ein robustes UN-Mandat für die
Nahost-Friedenstruppe, damit deutsche Soldaten notfalls auch
Waffengewalt anwenden können.
"Ein robustes Mandat bedeutet immer, dass man im Zweifel auch
kampffähig sein muss", sagte der deutsche Verteidigungsminister
Franz Josef Jung am Samstag auf dem Fliegerhorst Rostock-Laage. Der
Vorschlag der Vereinten Nationen (UN), der derzeit noch in der
Endabstimmung sei, ziele auch in diese Richtung. Die deutsche Kanzlerin
Angela Merkel wollte sich nicht festlegen, wie lang der geplante Einsatz
der Bundeswehr dauern könnte. Der deutsche Außenminister
Frank-Walter Steinmeier ließ durchblicken, dass man sich
möglicherweise auf mehrere Jahre einstellen müsse. Der
SPD-Politiker schlug mittelfristig eine ständige
Sicherheitskonferenz für die Nahost-Region nach dem Vorbild der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) vor.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder kündigte an, für die
Entscheidung seiner Abgeordneten über den Nahost-Einsatz den
Fraktionszwang aufzuheben. Von den Grünen kamen Signale für
eine Zustimmung zu der Mission.
Für den geplanten Einsatz müsse genau geklärt werden,
was geschieht, wenn Soldaten in Kämpfe verwickelt würden,
forderte Merkel. "Keine Regierung wird bereit sein, unnötige
Risiken für die eigenen Truppen hinzunehmen", sagte die Kanzlerin
in der "Welt am Sonntag". "Deshalb lege ich so viel Wert auf genaue
Einsatzregeln." Ähnlich äußerten sich auch Steinmeier
und Jung. Deutschland wolle die Marine nicht nur zur Beobachtung an die
libanesische Küste schicken, sondern um Waffenlieferungen zu
stoppen, betonte Jung. Der Erfolg des Marine-Einsatzes könne nicht
abhängig sein von der Zustimmung des Kapitäns oder des Eigners
eines verdächtigen Schiffes. Unklar sei etwa, ob ein deutsches
Kriegsschiff bei einem Raketenangriff nicht nur die Rakete abwehren,
sondern auch die Abschussbasis zerstören dürfe. Zudem
dürfe der Einsatz nicht auf libanesische Hoheitsgewässer
innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone begrenzt werden, weil sonst die
Absicherung der Grenze von der See her unterlaufen werden könnte,
sagte Jung dem Magazin "Focus".
Merkel schloss nicht aus, dass Deutschland um logistische Leistungen,
Lufttransporte, Aufklärung und Hilfsmaßnahmen gebeten werde.
Erneut bekräftigte sie ihre Absage an einen Einsatz deutscher
Bodentruppen und Polizeikräfte. Sie kündigte an, bei anderen
Regierungschefs in Europa dafür zu werben, den europäischen
Beitrag noch aufzustocken. "Wir würden es zum Beispiel
begrüßen, wenn ein Land wie Italien sich substanziell
beteiligt." Nach Angaben aus italienischen Regierungskreisen sollen bis
zu 3000 Italiener entsendet werden, auch die Übernahme des
Vizekommandos der Truppe ist im Gespräch.
Die Einsatzdauer ließ die deutsche Regierung offen. "Ich kann
nicht garantieren, dass die Aufgabe in einem Jahr erfüllt sein
wird", sagte Steinmeier der "Bild am Sonntag". Die Regierung werde aber
alles tun, damit der UN-Einsatz durch Fortschritte bei den politischen
Rahmenbedingungen ein Erfolg werde. Das Verständnis im Parlament
für eine deutsche Beteiligung wachse.
Die ersten beiden Transall-Transportflugzeuge der Luftwaffe landeten am
Wochenende in Jordanien. Die Maschinen stehen dort für
Hilfsflüge bereit. Außerdem hat Deutschland zwei weitere
Transall und zwei Airbus-Maschinen zu Hilfszwecken angeboten. Auch die
Entsendung eines Einsatzgruppenversorgers ist Jung zufolge möglich.
Das Schiff kann mit einem Lazarett ausgestattet werden. Ein
Expertenteam sondierte im Libanon den Hilfsbedarf.
Merkel deutete an, dass der Verteidigungsetat wegen des
Nahost-Einsatzes erhöht werden könnte. "Das wird bei den
Haushaltsberatungen 2007 eine Rolle spielen."
Jung kündigte an, eine Kabinettsentscheidung sei in der
übernächsten Woche denkbar, könne aber auch schon
früher kommen. Unions-Fraktionschef Kauder betonte, eine eigene
Mehrheit der Koalition sei unerlässlich. Es gebe aber Abgeordnete,
die einer deutschen Beteiligung am Nahost-Einsatz wegen des historischen
Hintergrunds nicht zustimmen könnten. "Das habe ich zu
akzeptieren", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Für seine
Parlamentarier werde es deshalb keinen Fraktionszwang geben.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn erneuerte zwar seine Kritik am
Krisenmanagement der Bundesregierung, signalisierte aber die Zustimmung
seiner Abgeordneten zu dem Einsatz. "Wir Deutschen dürfen uns nicht
verweigern, wenn es ein vernünftiges Konzept gibt", sagte er der
"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zurückhaltender zeigte
sich allerdings Co-Fraktionschefin Renate Künast. FDP-Chef Guido
Westerwelle sprach von einem schweren außenpolitischen Fehler
Merkels. Auch die Linkspartei lehnt eine Teilnahme strikt ab.
Israelische Soldaten haben einen weiteren Hamas-Abgeordneten im
Westjordanland festgenommen. Die Truppen umstellten am Sonntag das Haus
von Mahmud al Ramahi, dem Generalsekretär des Parlaments, und
führten ihn ab, wie Behördenvertreter und die Familie des
Abgeordneten berichteten.
Erst in der Nacht zum Samstag wurde der stellvertretende
Ministerpräsident Nasser Schaer von israelischen Soldaten gefangen
genommen. Palästinensische Politiker verurteilten die Aktion
scharf. Seit Beginn ihrer Offensive, die nach der Entführung eines
israelischen Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen Ende Juni
eingeleitet wurde, haben die Streitkräfte mehrere
palästinensische Regierungsmitglieder und Dutzende Abgeordnete in
ihre Gewalt gebracht.
(Quellen: ap, rtr)
Im Kongo kommt es zur Stichwahl zwischen Kabila und Bemba
Mo.21.08.06 - Die erste freie Präsidentenwahl im Kongo seit mehr als 40 Jahren
wird Ende Oktober in einer Stichwahl entschieden. Dabei treffen
Amtsinhaber Joseph Kabila und der ehemalige Rebellenführer
Jean-Pierre Bemba aufeinander. Zur Sicherung der Wahl hat die EU 2.000
Soldaten in das afrikanische Land geschickt, darunter mehr als 700 aus
Deutschland.
Bei der Wahl am 30. Juli erhielt Kabila 45 Prozent der Stimmen,
während Bemba auf 20 Prozent kam. Dieses Endergebnis teilte am
Sonntagabend der Leiter der Wahlkommission, Apollinaire Malu Malu, mit.
Die übrigen Stimmen gingen an 31 weitere Kandidaten.
Nach Angaben der Wahlkommission beteiligten sich 70 Prozent der rund 26
Millionen Wahlberechtigten; insgesamt leben im Kongo 58 Millionen
Menschen.
Kurz vor Bekanntgabe des Endergebnisses kam es vor dem Sitz der
Wahlkommission in der Hauptstadt Kinshasa zu einer mehrstündigen
Schießerei zwischen Anhängern Kabilas und Bembas. Dabei
wurde nach Angaben eines UN-Sprechers mindestens ein Soldat aus dem
Lager Bembas getötet. Die Vereinten Nationen haben eine
Friedenstruppe von 17.500 Mann im Kongo stationiert, die den
politischen Prozess zur Überwindung des Bürgerkriegs von 1996
bis 2002 absichern soll.
UN-Generalsekretär Kofi Annan würdigte die Wahl als
«historischen Meilenstein». Er rief alle Parteien und
Kandidaten auf, das Endergebnis im Geist des Friedens und der
Versöhnung zu akzeptieren und zu respektieren.
Der 35-jährige Kabila erhielt die meisten Stimmen im Osten des
Landes, wo er auch geboren wurde. Bemba, der in der Regierung der
nationalen Einheit die Position des Vizepräsidenten
übernommen hat, fand vor allem in Kinshasa Zulauf. Auf den dritten
Platz kam Antoine Gizenga mit 13 Prozent der Stimmen. Bemba und der
Kandidat Azarias Ruberwa haben erklärt, dass es bei der Wahl zu
Betrug gekommen sei und deswegen angekündigt, dass sie das
Ergebnis anfechten könnten. Die internationalen Beobachter haben
einige Unregelmäßigkeiten festgestellt, bezeichneten die
Stimmabgabe und die Auszählung aber als insgesamt regulär.
Das rohstoffreiche Land von der Größe Westeuropas ist seit
der Unabhängigkeit von Belgien im Jahr 1960 nicht zur Ruhe
gekommen. Der 1961 zum Regierungschef gewählte
Unabhängigkeitskämpfer Patrick Lumumba wurde 1961 ermordet.
(Quelle: ap)
Zwei Aktivisten der Landlosenbewegung in Brasilien erschossen
Mo.21.08.06 - Auf einem besetzten Landgut in Nordostbrasilien sind zwei Aktivisten
der Landlosenbewegung erschossen worden. Josias Sales und Samuel
Barbosa versuchten nach Polizeiangaben, in einem Konflikt zu
vermitteln, als sie am Sonntag in der Nähe von Recife von
unbekannten Tätern getötet wurden. Die Bewegung der Landlosen
(Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra, MST) tritt für die
Besetzung von nicht genutztem Land ein. In Brasilien gehören
schätzungsweise 90 Prozent des Landes dem wohlhabenden
Fünftel der Bevölkerung, während 40 Prozent der
Bevölkerung nur ein Prozent des Landes zur Verfügung haben.
(Quelle: ap)
50 Tote bei Flüchtlingsdrama vor Lampedusa
Mo.21.08.06 - Eine Flüchtlingstragödie vor der süditalienischen Insel
Lampedusa hat vermutlich 50 Menschen in den Tod gerissen. Zehn leblose
Körper konnten geborgen werden, während weitere 40 Einwanderer
in den Fluten versanken - darunter mindestens zehn Minderjährige,
berichteten italienische Medien am Sonntag.
Die Zeitung «La Repubblica» sprach von einem
«Massaker der Kinder». Die Suche nach den Vermissten wurde
am Sonntag mit Schiffen, Hubschraubern und Flugzeugen fortgesetzt.
Weitere 70 Insassen des zehn Meter langen Bootes waren in der Nacht zum
Samstag von einem Schiff der italienischen Marine gerettet worden.
Unterdessen gibt es unterschiedliche Versionen zu den Gründen des
Unglücks. Eventuell habe das Schiff das Boot bei dem
Rettungsversuch gerammt und so zum Sinken gebracht, zitierten Medien
eine Augenzeugin. Die Staatsanwaltschaft von Agrigent leitete
Ermittlungen ein. Ein anderer Flüchtling erzählte hingegen,
die verzweifelten Immigranten, die größtenteils aus
Nordafrika, Somalia und Eritrea stammen, seien beim Anblick des
Militärschiffes alle auf eine Seite des Bootes gerannt und
hätten es zum Kentern gebracht.
Auch auf den Kanarischen Inseln nimmt der Zustrom von afrikanischen
Bootsflüchtlingen weiter zu. Wie die spanischen Behörden am
Sonntag mitteilten, gelangten am Wochenende binnen 48 Stunden über
1000 illegale Zuwanderer von der Küste Westafrikas auf die
Inselgruppe, mehr als im gesamten Monat August des Vorjahres. Seit
Jahresanfang erreichten über 17 000 Afrikaner mit Booten die
Kanarischen Inseln, drei Mal so viele wie im Jahr 2005 insgesamt.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez
Zapatero räumte ein, dass die eingesetzten Mittel im Kampf gegen
die illegale Zuwanderung unzureichend seien. Er forderte die
Europäische Union auf, sich bei der Suche nach einer Lösung
des Problems stärker zu engagieren.
In Griechenland fängt die Küstenwache seit Tagen immer neu
ankommende Flüchtlinge auf. Am Sonntag entdeckte sie 18 illegale
Einwanderer vor der ostägäisinsel Lesbos. Die aus
verschiedenen Staaten des Nahen Ostens stammenden Flüchtlinge waren
auf einem Boot von der gegenüberliegenden türkischen
Küste gestartet. Wie sie griechischen Medien sagten, hätten
sie 500 Euro an Schleuser für die Überfahrt gezahlt. Von den
Schleusern fehlte jedoch jede Spur. Bereits am Samstag hatten weitere 42
Illegale von der Türkei aus auf verschiedene Inseln der
Ägäis übergesetzt.
Nach der Tragödie vor Lampedusa wurden hingegen fünf
mutmaßliche Schlepper festgenommen. Der italienische Innenminister
Giuliano Amato rief zu einem verstärkten Kampf gegen die
Schlepperbanden auf. Seit Wochen stehe er zudem in engem Kontakt zu den
libyschen Behörden, um Lösungen für das
Flüchtlingsproblem zu finden und Patrouillen vor der Küste des
nordafrikanischen Landes einzurichten. Ende August soll auf dem
ebenfalls stark vom Migrationsfluss betroffenen Malta ein Gipfeltreffen
stattfinden, bei dem die Arbeit der europäischen
Grenzschutzbehörde Frontex besser definiert werden soll.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Fahndung nach weiterem Bahn-Bombenleger läuft auf Hochtouren
Mo.21.08.06 - Nach dem spektakulären Fahndungserfolg vom Wochenende suchen die
Ermittler des Bundeskriminalamts fieberhaft nach weiteren
Verantwortlichen der versuchten Kofferbomben-Anschläge von Koblenz
und Dortmund. Gefahndet wird vor allem nach dem jungen Mann, der am 31.
Juli am Kölner Hauptbahnhof einen Koffertrolley mit einer
versteckte Bombe in den Regionalexpress nach Dortmund deponierte. Er
war auf dem Bahnsteig von Überwachungskameras gefilmt worden.
Am Samstag hatten die Fahnder in Kiel einen 21-jährigen Libanesen
festgenommen. Der Student war nach Überzeugung der
Bundesanwaltschaft in Köln mit einem Bombenkoffer in den
Regionalexpress nach Koblenz gestiegen und an einem Halt kurz darauf
ausgestiegen. In einem Waggon hatte er den Trolley mit einem
zeitgezündeten Sprengsatz stehen lassen. Beide Bomben hätten
zeitgleich explodieren sollen, taten es aber auf Grund eines
handwerklichen Fehlers nicht.
Am Sonntag erließ der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof
Haftbefehl gegen den 21-Jährigen unter anderem wegen des Verdachts
der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.
(Quelle: ap)
Ruf nach Video-Überwachung und Anti-Terror-Datei wird lauter
Mo.21.08.06 - Angesichts der gewachsenen terroristischen Bedrohung haben sich
führende Vertreter der großen Koalition am Wochenende
für eine rasche Umsetzung des von Bund und Ländern geplanten
Anti-Terror-Pakets ausgesprochen. Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble forderte insbesondere den Ausbau der
Video-Überwachung und die Einrichtung der geplanten
Anti-Terror-Datei. SPD-Chef Kurt Beck erklärte die
grundsätzliche Bereitschaft seiner Partei, die
Anti-Terror-Maßnahmen zu verschärfen.
Die SPD sei angesichts der Bedrohungslage prinzipiell dafür, die
Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen und auf
Bahnhöfen auszuweiten, sagte Beck der «Frankfurter
Rundschau». Dies müsse aber mit einer «nüchternen
Überprüfung» der bisherigen Praxis und mit
Augenmaß einhergehen. Eine Totalüberwachung dürfe es
nicht geben. Vor allem müssten der Datenschutz beachtet und die
Erlaubnis zum Speichern der Videobilder strikt begrenzt werden. Auch
hinsichtlich des gesamten innenpolitischen Anti-Terror-Pakets hat Beck
nichts gegen Überprüfungen, falls dabei pragmatisch
vorgegangen werde. Bei der geplanten Anti-Terror-Datei müsse es
allerdings beim Gebot der Verhältnismäßigkeit bleiben.
Schäuble wies im ZDF darauf hin, dass offensichtlich auch in
Deutschland eine neue Generation von Terroristen heranwachse. Notwendig
sei vor allem der Ausbau der Video-Überwachung. Sie biete zwar
keinen hundertprozentigen Schutz, habe aber im Kofferbomben-Fall
schnellen Erfolg gebracht und dazu beigetragen, dass einer der
Attentäter «vorläufig keinen Schaden mehr anrichten
kann». Der CDU-Politiker zeigte sich auch zuversichtlich, dass
das Gesetz für die Anti-Terror-Datei nach der Sommerpause
verabschiedet werde. Die unterschiedlichen Auffassungen dazu in der
Union beträfen nur Detailfragen.
Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt regte eine
größere Bundeskompetenz bei der Terrorbekämpfung an.
Man müsse über eine Verlagerung von Zuständigkeiten
reden, sagte der CDU-Politiker der «Frankfurter Rundschau».
Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm forderte
darüber hinaus deutlich verschärfte Flughafen-Kontrollen.
Auch müsse es möglich sein, Maut-Daten für
Fahndungszwecke zu nutzen, erklärte der CDU-Politiker in Potsdam.
Auch der Innenexperte der Grünen, Wolfgang Wieland, erklärte
sich mit einer gezielten Videoüberwachung von Bahnhöfen und
Flughäfen einverstanden. Die Festnahme von Kiel beweise, dass
dieses Sicherheitsinstrument sinnvoll sei. Eine flächendeckende
Überwachung von Straßen und Plätzen würde
allerdings zu weitgehend in die Privatsphäre der Bürger
eingreifen.
Wielands Parteikollege Hans-Christian Ströbele warnte dagegen vor
schärferen Gesetzen. Videoüberwachung führe nur dazu,
dass sich potenzielle Täter vorsichtiger bewegten. Schäubles
Vorschläge seien überflüssig und schädlich, sagte
Ströbele der «tageszeitung».
Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen,
verlangte schnelle Entscheidungen: «Die Politik kann nicht ihren
Urlaub fortsetzen, während die Sicherheitsbehörden mit
Hochdruck nach diesen Tätern fahnden und kostbare Zeit, die
Menschenleben kosten kann, durch die Finger rinnt.»
(Quelle: ap)
Anhaltender Richtungsstreit spaltet CDU-Führung
Mo.21.08.06 - Kurz vor dem CDU-Programmkongress zum künftigen Kurs der Union
spaltet der Richtungsstreit die Parteiführung.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch verlangte am Wochenende eine
klare Abgrenzung zur SPD. Maximale Reichweite und Bindungskraft erreiche
eine große Volkspartei nur durch die Polarisierung gegen den
Gegner. Der stellvertretende Parteichef Christian Wulff
bekräftigte, die Union müsse ihren Reformgeist bewahren und
weiter für niedrigere Steuern und weniger Staat eintreten. Dieser
Kurs sei eher in einer Koalition mit der FDP durchsetzbar. Dagegen
erneuerte der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen
Rüttgers seine Forderung nach einer Stärkung des sozialen
Profils. Die CDU müsse sich sowohl von der Marktgläubigkeit
der FDP als auch von der Staatsgläubigkeit der SPD unterscheiden.
CDU-Chefin Angela Merkel berät am Montagabend mit den
Kreisvorsitzenden als Vertretern der Parteibasis über die
künftige Ausrichtung. Am Dienstag spricht sie auf einem
eintägigen Parteikongress zur Erneuerung des Grundsatzprogramms.
Die CDU will ihr Programm bis Ende nächsten Jahres modernisieren.
Die Parteiführung hatte die Überarbeitung der Grundsätze
aus dem Jahr 1994 nach dem unerwartet schlechten Abschneiden bei der
Bundestagswahl vor einem Jahr forciert. Vor einigen Monaten nahm die
Programm-Kommission unter Leitung von Generalsekretär Ronald
Pofalla ihre interne Arbeit auf. Mitten in der Sommerpause brach dann
aber ein offener Richtungsstreit aus, den Parteivize Jürgen
Rüttgers losgetreten hatte. Rüttgers hatte sich dafür
ausgesprochen, das soziale Profil zu stärken. Die Union müsse
sich von Lebenslügen verabschieden - wie etwa der Annahme, dass
niedrigere Steuern automatisch für mehr Arbeitsplätze und
Investitionen sorgen würden. Rüttgers bekam dafür
Rückendeckung vom Sozialflügel. Der Wirtschaftsflügel und
Ministerpräsidenten wie Wulff aus Niedersachsen und sein
baden-württembergischer Kollege Günther Oettinger übten
allerdings harsche Kritik an Rüttgers Position.
Koch sagte der "Leipziger Volkszeitung", da die Union in der
großen Koalition zusammen mit der SPD regiere und damit nun der
Feind fehle, sei eine deutliche Abgrenzung in der öffentlichen
Auseinandersetzung schwierig. Die Union müsse aber weiter etwa auf
eine Lockerung des Arbeitsrechts dringen. Koch schlug als Motto der
Union im Bundestagswahlkampf 2009 vor: "Die SPD muss aus der Regierung
weg, damit Angela Merkel endlich ungestört regieren kann". Alle in
der CDU seien verpflichtet, sich dem Ziel unterzuordnen, dass die Union
gestärkt aus der Koalition hervorgehen werde. "Ich jedenfalls tue
das", sagte Koch. Der 48-Jährige soll auf einem Parteitag Ende
November in Dresden zum neuen stellvertretenden CDU-Vorsitzenden
aufsteigen und damit enger in die Parteiführung eingebunden werden.
Er gilt als Konkurrent von Parteichefin Merkel.
Koch zeigte sich verwundert über die Frage nach einer
Kanzlerkandidatur. Er selbst würde gern weiter
Ministerpräsident bleiben, betonte er. In Hessen wird im
Frühjahr 2008 ein neuer Landtag gewählt.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder betonte im "Tagesspiegel am
Sonntag", dass die Handschrift von CDU und CSU in der Arbeit der
Koalition deutlich sichtbar sei. Diesen Anspruch machte ihm Vizekanzler
Franz Müntefering jedoch streitig: Die Volksparteien verwirklichten
sozialdemokratische Politik, unterstrich er im "Spiegel". "Ein Teil der
Union geht diesen Weg mit, ein anderer Teil nicht. Diese Debatte findet
in der Union gerade statt."
Der offene Richtungsstreit nährte nach einer Umfrage des
ZDF-Politbarometers Zweifel an Merkels Führungsstärke: 65
Prozent der Befragten haben demnach den Eindruck, dass die CDU in
wichtigen Fragen nicht voll hinter der Parteivorsitzenden steht. CDU und
CSU rutschten in der Wählergunst um einen Punkt auf 36 Prozent ab,
die SPD verlor genausoviel und liegt nun bei 30 Prozent der Stimmen.
(Quelle: rtr)
Neuer Streit über Atomenergie
Mo.21.08.06 - Zwischen Union und SPD gibt es neuen Streit über die Zukunft der
Atomenergie. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte am
Sonntagabend in den ARD-«Tagesschau», es müsse
dafür gesorgt werden, dass in Deutschland zu preiswerten
Bedingungen auch in Zukunft jederzeit genügend Energie zur
Verfügung stehe. «Wenn man sieht, was alle anderen
Lände der Welt zurzeit machen, ist es grob unvernünftig, die
Option der Kernenergie aufzugeben», betonte Koch. Zuvor hatte das
Nachrichtenmagazin «Focus» berichtet, neun
CDU-geführte Bundesländer strebten eine Abkehr vom
Atomausstieg an.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium,
Michael Müller (SPD), lehnte die Vorstöße aus der Union
mit Hinweis auf den Koalitionsvertrag ab, wo der Ausstieg
bestätigt wurde. «Da wird sich die CDU die Zähne
ausbeißen», sagte Müller in der ARD und fügte
hinzu: «Das sind die Schlachten von gestern.» Jetzt komme
es darauf an, Zukunftstechnologien zu entwickeln. «Die haben
nichts mit der Atomkraft zu tun», betonte Müller.
Müller zeigte sich überzeugt, dass Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) hier «koalitionstreu ist». Koch sagte dazu, es
gebe zwar die Verabredung im Koalitionsvertrag. Er verbiete aber nicht
das Denken.
(Quelle: ddp)
Glos startet neuen Vorstoß zur Lockerung des
Kündigungsschutzes
Mo.21.08.06 - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat erneut gefordert, den
Kündigungsschutz stärker zu lockern, als im Koalitionsvertrag
vereinbart. In einem Gastbeitrag für die «Süddeutsche
Zeitung» (Montagausgabe) schrieb der CSU-Politiker, beim
Kündigungsschutz dürften geschaffene Spielräume nicht
wieder zunichte gemacht werden. «Bei unreflektierter
Fixierung» auf den Koalitionsvertrag bestehe die Gefahr,
sinnvolle Chancen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zu vergeuden.
Die Koalitionspartner Union und SPD hatten vereinbart, dass Firmen die
Probezeit bei Neueinstellungen von sechs auf 24 Monate verlängern
dürfen. Im Gegenzug wurde die Möglichkeit beschränkt,
Arbeitsverträge ohne sachliche Begründung auf bis zu 24
Monate zu befristen. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering hat
mehrmals klargestellt, dass eine Lockerung des Kündigungsschutzes
über den Koalitionsvertrag hinaus mit der SPD nicht zu machen sei.
(Quelle: ap)
Müntefering stellt Zuverdienst für Arbeitslose in Frage
Mo.21.08.06 - In der Debatte um Einsparungen bei der Hartz-IV-Reform will
Arbeitsminister Franz Müntefering die Zuverdienstmöglichkeiten
für Langzeitarbeitslose auf den Prüfstand stellen.
Die Grundsicherung von 345 Euro pro Monat und das freie Wohnen
würden nicht angetastet, betonte Müntefering in einem am
Wochenende veröffentlichten "Spiegel"-Interview. Auch bei den
übrigen Geldleistungen sehe er nicht, wo gekürzt werden
könne. "Reden muss man über den Zuverdienst, also die Frage,
wie viel ein Leistungsempfänger neben Arbeitslosengeld II an
Arbeitseinkommen erzielen darf." Im vergangenen Jahr sei die
Zuverdienstgrenze noch großzügig ausgeweitet worden. "Nun
müssen wir überprüfen, ob wir eventuell nicht über
das Ziel hinausgeschossen sind", sagte der SPD-Politiker.
Mittlerweile gebe es rund eine Million Empfänger von
Arbeitslosengeld II, die vollzeit oder teilzeit beschäftigt seien,
erklärte der Vizekanzler. Damit sei eine Form von Kombilohn aus
staatlicher Unterstützung und Arbeitseinkommen entstanden, die so
nicht geplant gewesen sei. "Deshalb werden wir - wenn wir über den
Niedriglohnsektor reden - prüfen, ob man da was verändern
muss." Die Beratungen zwischen Union und SPD über das Thema stehen
im Herbst an.
Nach den bisherigen Regeln werden bei Langzeitarbeitslosen mit einem
zusätzlichen Bruttoeinkommen zwischen 100 und 800 Euro im Monat 20
Prozent nicht aufs Arbeitslosengeld II angerechnet - also maximal 160
Euro monatlich. Von Einkommen über 800 bleiben ihnen noch zehn
Prozent.
Müntefering wies Vorschläge aus der Union zurück,
Sanktionen für Arbeitsverweigerer zu verschärfen und
Langzeitarbeitslose stärker zu gemeinnützigen Arbeiten zu
verpflichten. "Ich wüsste nicht, was man da noch zumutbar
verschärfen kann." Allerdings sei es denkbar, im Bereich der
öffentlichen Beschäftigung einen so genannten dritten
Arbeitsmarkt zu schaffen, auf dem Menschen mit schweren Gesundheits-
oder Drogenproblemen oder besonders schlecht ausgebildete Erwerbslose
unterkommen könnten.
In der Debatte um die Einführung von Mindestlöhnen
bekräftigte Müntefering, dass er eine Lösung auf Basis
der Tarifabschlüsse der verschiedenen Branchen befürwortet. In
der SPD gibt es allerdings Bestrebungen für einen einheitlichen
gesetzlichen Mindestlohn.
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck betonte in einem Beitrag für die
"Welt am Sonntag", sozialer Aufstieg müsse wieder ohne
größere Hürden möglich sein. Deutschland könne
es nicht ohne Schaden aushalten, wenn Arbeitsleistung nicht mehr
Aufstieg und Sicherheit nach sich ziehe und damit ein Kernversprechen
der sozialen Marktwirtschaft immer wieder gebrochen werde. "Aufstieg
durch Leistung anstelle von Privilegien und sozialer Herkunft war von
Anfang an Credo der Arbeiterbewegung und jedes ehrenhaften Demokraten",
schreibt Beck in dem Beitrag mit der Überschrift "Leistung muss
sich wieder lohnen".
(Quelle: rtr)
Mehrbelastung von 300 Euro für Durchschnittsbürger ab 2007
Mo.21.08.06 - Durch höhere Steuern und Abgaben sowie die gleichzeitige
Kürzung von Steuervergünstigungen drohen jedem
Bundesbürger im kommenden Jahr Mehrbelastungen von durchschnittlich
300 Euro. "Allein die Anhebung der Mehrwertsteuer wird die Haushalte um
zusätzliche 19,4 Milliarden Euro belasten", sagte Patrick von
Braunmühl, Wirtschaftsexperte beim Bundesverband der
Verbraucherzentralen, der "Bild am Sonntag". "Rechnet man die drohenden
Belastungen und zu erwartende Einnahmen zusammen, werden die privaten
Haushalte 2007 netto um 24 Milliarden Euro zusätzlich belastet -
das sind pro Kopf etwa 300 Euro."
Hinzu kommen drastisch steigende Kosten für Lebensmittel und vor
allem Energie. Nach der Ankündigung vieler Strom- und
Gasversorgungsunternehmen, die Preise noch in diesem oder Anfang
kommenden Jahres zu erhöhen, laufen Verbraucherschützer und
Energieexperten Sturm gegen die Haltung der Versorger. Aribert Peters
vom Bund der Energieverbraucher sagte "Bild am Sonntag": "Es ist nicht
nachzuvollziehen, warum die vier großen Stromlieferanten E.on,
RWE, Vattenfall und EnBW trotz steigender Gewinne die Strompreise immer
weiter erhöhen." Die Politik sei "dringend gefordert, die
Strompreistreiber zu stoppen".
Peters rät Strom- und Gaskunden, auch selbst gegen
Energiepreiserhöhungen anzugehen: "Die Verbraucher sollten die
Zahlung überhöhter Strom- und Gasrechnungen verweigern. Viele
machen das bereits".
(Quelle: afp)
Deutscher Nobel-Ökonom warnt vor lebensfernen Theorien
Mo.21.08.06 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrücks (SPD) Appell für
weniger Urlaub zu Gunsten von mehr Rente gibt Reinhard Selten kaum eine
Chance. Der einzige deutsche Nobelpreisträger für
Ökonomie glaubt nicht mehr an den Bürger als rein
vernunftgesteuertes Wirtschaftswesen.
Menschen entschieden wirtschaftliche Fragen auch aus Faulheit,
Gewohnheit oder Stolz, sagte Selten in einem Gespräch mit der
Nachrichtenagentur dpa beim Treffen der Nobelpreisträger für
Wirtschaft in Lindau, das endete. Der Homo oeconomicus ist für den
75 Jahre alten Professor aus Bonn ausgestorben: «Die
Wirtschaftswissenschaft muss in dieser Hinsicht umdenken.»
Seine Skepsis bei Appellen wie «Rente statt Urlaub»
erklärt Selten am Beispiel einer amerikanischen Firma. Als diese
ein Rentenmodell anbot, unterschrieb keiner. Als der Rentenabzug
automatisch erfolgte und nur bei Widerspruch unterblieb, machten die
meisten mit. «Solche Dinge muss man beim staatlichen Handeln
berücksichtigen», sagt Selten.
Seine Kollegen warnt er vor lebensfernen Theorien. «Es besteht
die Tendenz, weniger auf die Wirklichkeit zu achten als auf die
vorhandene Literatur», mahnt Selten. Ihm gefiel, dass
Bundespräsident Horst Köhler zum Tagungsauftakt eine am
Menschen orientierte Ökonomie forderte.
Fragwürdig nennt Selten den Trend, alle Bereiche nur unter
wirtschaftlichen Aspekten zu sehen. «Das ist, was man
ökonomischen Imperialismus nennt», sagte Selten. Der Mensch
sei komplexer als die Annahme, er entscheide sich wohl informiert
für seinen größtmöglichen Nutzen. Der 1994 mit dem
Nobelpreis geehrte Forscher wünscht sich darum Zusammenarbeit mit
Psychologen und Hirnforschern.
Selten selbst holt den Menschen an seinem Labor für experimentelle
Wirtschaftsforschung an der Universität Bonn zurück in die
Wissenschaft. Manche Annahme brachten die Versuchspersonen ins Wanken,
etwa die Theorie der Schnäppchenjagd. Nach der reinen Lehre
müssten Kunden um so länger Angebote vergleichen, je
größer die Preisunterschiede sind. Dann lohnt sich der
Aufwand am meisten. Im echten Leben sei es andersherum, erklärt
Selten. Bei großen Unterschieden suchten Menschen nur kurz, weil
ihnen schon der erste Preisunterschied das Gefühl eines
Schnäppchens vermittele. «Wir geben der Breite der
menschlichen Motivation mehr Beachtung», sagte der Top-Ökonom.
Vor ein paar Jahren stieß er mit solchen Ideen auf Widerstand.
Inzwischen öffne sich seine Disziplin, sagte Selten.
Enttäuschen muss er aber die Hoffnung, der Mensch auf der
Straße könne seine Wirtschaftswissenschaft leichter
verstehen. «Es wird bei uns nicht mathematisch einfacher, im
Gegenteil», sagte der Nobelpreisträger.
(Quelle: dpa)
Immobilien-Pläne von Rechten offenbar Masche zum Preistreiben
Mo.21.08.06 - Das wachsende Interesse von Rechtsextremisten an Immobilienkäufen
schätzen Verfassungsschützer laut einem Medienbericht als
Trick zur Geldbeschaffung ein. Der «Spiegel» berichtete am
Wochenende unter Berufung auf Verfassungsschutzkreise, die Kaufabsichten
seien nur vorgetäuscht, um Proteste zu provozieren und die
Kommunen so unter Druck zu setzen, damit diese die Häuser zu
überhöhten Preisen selbst kaufen. Offenbar sei dies ein
Service für Immobilienverkäufer, die im Gegenzug eine
Parteispende leisten müssten.
Der «Spiegel» verweist auf eine Internet-Seite des
NPD-Kreisverbandes Jena, in dem kürzlich dieser
«Service» angeboten worden sei: «Gegen Zahlung einer
Parteispende» werde die Partei öffentlich erklären, die
Immobilie erwerben zu wollen, heißt es demnach auf der
Internet-Seite. Dadurch habe der Besitzer beste Chancen, die Immobilie
«zu Höchstpreisen» an die Stadt zu verkaufen.
Angehörige der rechten Szene sorgen seit einiger Zeit mit
erfolgten oder angekündigten Immobilienkäufen in Gemeinden
für erhebliche Unruhe. Im pfälzischen Kirchheim wollte ein
NPD-Funktionär eine ehemalige Gaststätte kaufen, um dort
Schulungen und Seminare für Parteikader stattfinden zu lassen. Laut
«Spiegel» hat die Kommune die Nutzung ihres Vorkaufsrechts
trotz öffentlichen Drucks abgelehnt und den Rückzug der NPD
bewirkt: Der bereits geschlossene Kaufvertrag zwischen dem NPD-Mann und
dem Besitzer der Gaststätte solle in den nächsten Tagen beim
Notar wieder rückgängig gemacht werden.
Im niedersächsischen Delmenhorst hat ein verschuldeter
Hotelbesitzer angekündigt, sein seit 14 Monaten leer stehendes
Hotel, für das er bisher keinen Käufer fand, an den
Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger zu verkaufen. Die Gemeinde hat das
Gebäude zum Teil des Sanierungsgebietes erklärt und sich so
das Vorkaufsrecht gesichert. Dies wiederum will der Eigentümer
aushebeln, indem er Rieger das Gebäude samt Schulden
überlässt. Zurzeit sammelt eine Bürgerinitiative Geld,
das der Stadt für den Kauf zur Verfügung gestellt werden soll.
Bis Sonntagmorgen waren nach Angaben auf der Internetseite der Stadt
mehr als 808.000 Euro auf dem Treuhandkonto für den Kauf des Hotels
eingegangen. Eine 24-stündige Musikveranstaltung mit verschiedenen
Bands zur Unterstützung der Aktion verlief nach Polizeiangaben bis
zum Sonntagmittag ruhig. Die Aktion sollte am Sonntag um 16.00 Uhr
enden.
Rieger will sich unterdessen laut einem Bericht der
«Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» aus Hameln
zurückziehen, wo er bereits 1999 Jahren einen Gebäudekomplex
gekauft hatte. Über eine Firma biete er das Geschäftshaus mit
Kino und Wohnungen zum Verkauf an. Rieger verlange 2,5 Millionen Euro.
1999 habe der Hamburger Rechtsanwalt den Gebäudekomplex zum Preis
von 4,5 Millionen Mark gekauft. Möglicherweise brauche er das Geld
für seine Delmenhorster Pläne. Zuletzt wollte der wegen
Volksverhetzung verurteilte Rieger demnach in dem Haus ein Zentrum
für rechtsradikale Musik aufbauen.
Rieger hat über seine «Wilhelm-Tietjen-Stiftung für
Fertilisation» bereits mehrere Immobilien gekauft. Laut
niedersächsischem Innenministerium liegen die Immobilien in Hameln
und Dörverden durch konsequentes Handeln der Behörden bislang
weitgehend brach. Dagegen würden etwa in Thüringen von Rieger
gekaufte Immobilien stark von rechten Gruppierungen genutzt.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher fordern Umdenken zur Sicherung von Wasserressourcen
Mo.21.08.06 - Zum Auftakt der Weltwasserwoche haben Wissenschaftler zu einem
grundlegenden Umdenken im Umgang mit den knappen Wasserressourcen der
Erde aufgerufen. Die Praxis der vergangenen 50 Jahre sei kein Modell
zur Lösung der künftigen Versorgungsprobleme, sagte der
Leiter des Internationalen Instituts für Wassermanagement (IWMI),
Frank Rijsberman. Ein Drittel der Weltbevölkerung werde dann nicht
genügend Trinkwasser zur Verfügung haben.
Eine auf fünfjähriger Forschung beruhende Studie des
Instituts mit Beiträgen von mehr als 700 Wissenschaftlern kommt zu
dem Schluss, dass vor allem in den Entwicklungsländern bessere
Wasserrückhaltesysteme und mehr Bewässerungsanlagen für
die Landwirtschaft eingerichtet werden müssten. Empfohlen wird
auch die Entwicklung von dürreresistenten Getreidearten.
«Wir brauchen einen radikalen Wandel in den Institutionen und
Organisationen, die für das Management der Wasserbestände
unserer Erde verantwortlich sind», sagte Rijsberman. Zur
Weltwasserwoche sind in Stockholm mehr als 1.500 Fachleute aus 140
Ländern und UN-Organisationen zusammengekommen.
(Quelle: ap)
Weltwasserwoche:
http://www.worldwaterweek.org/