Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident Bush bekräftigt Fortdauer der
Militärpräsenz im Irak. Zweiter Prozess gegen Saddam Hussein
hat begonnen
Di.22.08.06 - Trotz wachsender Kritik im eigenen Land lehnt US-Präsident George
W. Bush einen Abzug aus dem Irak weiter ab. «Solange ich
Präsident bin, ziehen wir nicht ab», sagte Bush am Montag
auf einer Pressekonferenz in Washington. Zugleich räumte er ein,
dass der Einsatz im Irak «die Psyche unseres Landes
belastet».
Bush kritisierte, dass viele Demokraten einen Abzug aus dem Irak
befürworteten, «bevor der Job erledigt ist». Es gehe
darum, dem irakischen Volk bei der Erfüllung seines Traums zu
helfen, in einer demokratischen Gesellschaft zu leben.
Drei Monate vor den Kongresswahlen ist die Zustimmung zur
Amtsführung Bushs in den Meinungsumfragen auf den bisher
niedrigsten Stand gefallen. Die Republikanische Partei Bushs ist
besorgt, dass sie wegen der Unzufriedenheit über die Entwicklung
im Irak ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat verlieren
könnte.
Der irakische Expräsident Saddam Hussein steht seit Montag in
einem weiteren Verfahren wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen
vor Gericht. Der frühere Machthaber und sechs seiner Mitarbeiter
sind wegen einer Militärkampagne im Nordirak angeklagt, die in den
80er Jahren rund 100.000 Kurden das Leben kostete. International wurde
die «Operation Anfal» vor allem durch einen Giftgasangriff
auf die Stadt Halabdscha im Jahr 1988 bekannt. Die Staatsanwaltschaft
will die Todesstrafe für die Angeklagten beantragen.
Verantwortlich für den Einsatz von Senfgas und anderen
Nervengiften zeichnete damals Saddam Husseins Cousin Ali Hassan
Madschid, genannt «Chemie-Ali». Sowohl Saddam Hussein als
auch Al Madschid wird Völkermord vorgeworfen. Ihnen und den anderen
fünf Angeklagten werden außerdem Kriegsverbrechen und
Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt.
Zum Auftakt des Prozesses in Bagdad bekräftigte Saddam Hussein
seine Ablehnung des Gerichts. «Dies ist Besatzungsrecht»,
erklärte er. Den Richtern stellte er sich als «Präsident
der Republik und Oberkommandierender der Streitkräfte» vor.
Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Abdullah al Amiri, ob er sich
unschuldig oder schuldig bekenne, sagte Saddam Hussein: «Das
würde Bände beanspruchen.» Al Amiri gab daraufhin
Anweisung, als Bekenntnis ein «nicht schuldig» in die Akten
aufzunehmen.
Die Staatsanwaltschaft warf dem Exmachthaber vor, den Befehl zur
«Operation Anfal» gegeben zu haben. «Das Ziel war klar
- die Menschen in Kurdistan durch Tötungen, erzwungene Migration,
Verfolgung und Entzug der persönlichen Freiheiten ins Visier zu
nehmen», erklärte der Staatsanwalt.
Kurdischen Überlebenden zufolge wurden bei der Militäraktion
1987 und 1988 viele Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, zahllose
junge Männer verschwanden spurlos. Ziel der Aktion war, alle Kurden
aus der nördlichen Region entlang der Grenze zum Iran zu
vertreiben. Saddam Hussein warf den Kurden damals vor, den Iran im Kampf
gegen den Irak zu unterstützen.
Angeklagt sind außerdem Sultan Haschim Ahmad al Tai, der als
damaliger Chef des 1.Heereskorps die Militäraktion
durchführte, Sabir al Duri, der frühere Chef des
militärischen Geheimdienstes, und der damalige Gouverneur von
Mossul, Taher Tawfik al Ani. Bei den beiden anderen Angeklagten handelt
es sich um Hussein Raschid Mohammed, den stellvertretenden Leiter von
Operationen der irakischen Streitkräfte, und Farhan Mutlak Saleh,
den Leiter des östlichen Regionalbüros des
Militärgeheimdienstes.
Die genaue Zahl der Opfer der «Operation Anfal» ist nach
Angaben der irakischen Regierung und von Menschenrechtsorganisationen
schwer zu bestimmen. Schätzungen reichen von 50.000 bis mehr als
100.000 Toten. Mit dem Angriff auf das Dorf Halabdscha befasst sich der
Prozess nicht; er ist Bestandteil getrennter Ermittlungen des Hohen
Tribunals.
Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte mussten sich bereits wegen
eines Massakers in der Stadt Dudschail nördlich von Bagdad vor
Gericht verantworteten, wo 1982 fast 150 Schiiten getötet wurden.
In diesem Prozess wird für den 16. Oktober das Urteil erwartet.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 22.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.22.08.05 - Regierung schlägt neuerlichen Aufschub für Verfassungskonvent
vor. Andernfalls droht Auflösung des Parlaments. Sunniten
fühlen sich von Schiiten und Kurden übervorteilt +++ Cousin des
irakischen UN-Botschafters offenbar von US-Truppen getötet +++
Die Wolfsmeuten der Sieger: Die Willkürherrschaft
der Milizen in Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Britischer Soldat bei Angriff in Afghanistan getötet
Di.22.08.06 - Bei einem Angriff auf eine Patrouille der Internationalen Schutztruppe
für Afghanistan (ISAF) ist ein britischer Soldat getötet
worden. Drei weitere britische ISAF-Soldaten seien bei dem Vorfall in
der Provinz Helmand leicht verletzt worden, teilte das
Verteidigungsministerium in London mit. Seit Beginn der Stationierung
britischer Soldaten in Afghanistan im November 2001 wurden insgesamt 20
von ihnen getötet. In der Provinz Helmand im Südwesten des
Landes sind derzeit rund 4000 Soldaten aus Großbritannien im
Einsatz.
(Quelle: afp)
Afghanistan bekommt den Drogenanbau nicht unter Kontrolle
Di.22.08.06 - Afghanistan bekommt trotz aller Anstrengungen das Problem des
Opiumanbaus nicht in den Griff. Dieses Eingeständnis begleitet den
Besuch von Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der
sich seit Sonntag in dem Land am Hindukusch aufhält. Bei seinen
politischen Gesprächen spielt der Kampf gegen den Mohnanbau jedoch
keine Rolle - das Thema fällt in der internationalen
Arbeitsteilung beim Wiederaufbau des von 22 Jahren Krieg zerstörten
Landes unter britische Regie.
Aber das offizielle Eingeständnis Kabuls ist klar. Unter
Steinmeiers Foto auf der Titelseite der englischsprachigen Zeitung
«Outlook Afghanistan» steht am Montag die Meldung:
«Regierung zerstört mehr als 25.000 Hektar Mohnfelder».
Weiter hinten im Text rückt das Blatt dann mit der bitteren
Wahrheit heraus, dass dies ein Kampf gegen eine Hydra ist. War
Afghanistan schon im vergangenen Jahr mit 4.100 Tonnen der weltweit
größte Lieferant des Rohmaterials für die
Heroinherstellung, gebe es «Befürchtungen, dass die Plage im
laufenden Jahr noch schlimmer wird». Experten sprechen sogar von
einem Wachstumssprung. Mehr Bauern hätten nämlich auf
Mohnanbau umgestellt, offenbar um aus dem hohen Gewinn Altschulden bei
Drogenbaronen abzustottern.
«Das Nachkriegs-Afghanistan kämpft darum, die Mohnproduktion
bis 2008 um 75 Prozent zurückzudrängen,» heißt es
lapidar am Schluss des Berichts. Das wären nur noch zwei Jahre.
Dabei ist die Erfolgsmeldung durchaus eindrucksvoll. Die 25.000 Hektar
seien alleine in den vergangenen fünf Monaten niedergebrannt
worden. Außerdem seien fast 300 Drogenschmuggler festgenommen
worden.
Die Bedingungen für den Kampf gegen den Drogenanbau sind alles
andere als gut. Der Wiederaufbau der Landwirtschaft wird durch die
zerstörten Bewässerungssysteme und durch Landminen behindert.
Bisher gibt es nur einzelne Projekte, in denen der Anbau etwa von Safran
erfolgreich war.
Immerhin erbrachte der starke Regen 2005 nach Expertenangaben eine
Rekordernte. Die Ertragsschwankungen seien aber so stark, dass das Land
auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sei, die mit der Ausfuhr
landeseigener Trockenfrüchte nicht bezahlt werden könnten. Die
Transferleistungen der Staatengemeinschaft kämen derzeit für
das Defizit auf.
Schnelle Änderungen sind nicht zu erwarten. Größere
Betriebe mit solider Finanzstruktur gibt es kaum. Der illegale
Wirtschaftssektor ist dagegen stark ausgeprägt. Allein mit seinem
Opiumanbau erwirtschafte Afghanistan rund 2,7 Milliarden Dollar, was 40
Prozent des legalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Weitere 39
Prozent des BIP kämen von der internationalen Gemeinschaft. Damit
sorge die Auslandshilfe für fast alle investiven und 70 Prozent der
laufenden Staatsausgaben.
Steinmeier sagte gleich zu Beginn seiner Reise, dass Afghanistan unter
dem Eindruck des Nahost-Konflikts nicht vergessen werden dürfe und
dass das deutsche Engagement dauerhaft sei. Das soll auch in einer neuen
Schwerpunktsetzung der Bundesregierung deutlich werden, um die die Ende
September fällige Mandatsverlängerung für die Bundeswehr
vorzubereiten.
Mit bis zu 3.000 Soldaten ist Afghanistan auch das Land mit der
weltweit größten deutschen Militärpräsenz. Nach dem
Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 traf am 8. Januar 2002 die erste
Vorausabteilung der Bundeswehr ein. Seit Juni untersteht der Norden des
Landes mit neun Provinzen deutschem Kommando. Die Sicherheitslage gilt
als vergleichsweise ruhig. Nur fünf Prozent der Anschläge
wird in dieser Region verübt.
Wie lange das in Jahrzehnten ausgeblutete Land am Tropf der
ausländischen Hilfe hängen wird, weiß niemand genau.
Manche Experten sprechen von 20 Jahren.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
USA bringen zweite Libanon-Resolution ins Gespräch.
Stellvertretender Führer der Hisbollah weist internationale
Forderungen nach Entwaffnung zurück. Israels
Ministerpräsident Olmert lehnt Verhandlungen mit Syrien ab. Risse
zwischen politischen Gruppen im Libanon brechen auf
Di.22.08.06 - Die USA haben bei den Vereinten Nationen eine zweite Libanon-Resolution
ins Gespräch gebracht, in der die Entwaffnung der schiitischen
Hisbollah-Miliz gefordert werden soll. Dies sei ein Schlüssel
für einen dauerhaften Frieden zwischen dem Libanon und Israel,
sagte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton in New York.
Zunächst aber gehe es darum, die in der ersten Resolution vom 12.
Juli beschlossene UN-Friedenstruppe so schnell wie möglich zu
stationieren.
Bislang haben die UN-Staaten statt des angestrebten Einsatzes von
15.000 Soldaten allerdings erst die Entsendung von 3.500 Mann zugesagt.
Vor allem die europäischen Staaten verhalten sich abwartend.
Bolton äußerte Verständnis dafür, dass die
Regierungen erst die Bedingungen für die Selbstverteidigung ihrer
Soldaten klären wollten. «Das ist einer der Gründe,
warum wir mit anderen ein sehr robustes Mandat für die Truppe
wollten und warum dies vielleicht noch ausgearbeitet werden muss.»
Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi unterrichtete
UN-Generalsekretär Kofi Annan am Montagabend von der Bereitschaft
seiner Regierung, das Kommando der UNIFIL-Truppe im Libanon zu
übernehmen. Frankreich, das bisher das UNIFIL-Kommando führt,
hat die Entsendung von lediglich 200 zusätzlichen Soldaten
angekündigt.
Der stellvertretende Führer der Hisbollah, Scheich Naim Kassem,
wies die internationalen Forderungen nach einer Entwaffnung
zurück. «Der Widerstand wird fortgesetzt», sagte
Kassem am Montagabend dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira. Die
Hisbollah-Kämpfer seien weiter in Bereitschaft, gegen Israel
vorzugehen. Kassem sagte, dass bei den Kämpfen im Süden
Libanons auch einer seiner Söhne verletzt worden sei.
Die Kosten für den Wiederaufbau des Landes nach 34 Tagen Krieg
beziffert die libanesische Regierung mit 3,5 Milliarden Dollar (2,71
Milliarden Euro). Der Leiter des Rates für Entwicklung und
Wiederaufbau, Fadel al Schalak, sagte dem US-Sender CNN, die Probleme
bei der Wiederherstellung von Wohnhäusern, Straßen und
anderen Einrichtungen der Infrastruktur lägen aber weniger in der
Finanzierung als in der innenpolitischen Situation. Der Regierung
mangle es an politischer Führungskraft, kritisierte Al Schalak.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat Forderungen aus
seinem Kabinett nach einer Wiederaufnahme der diplomatischen
Gespräche mit Syrien zurückgewiesen. Olmert empfahl am Montag,
sich keinen falschen Hoffnungen hinzugeben. Erst wenn Syrien die
Unterstützung für Terrorgruppen einstelle, könne es
Verhandlungen geben. Er bezog sich damit auf die Hisbollah-Miliz, die
nach allgemeiner Einschätzung von Syrien unterstützt wird.
Zuvor hatte Kabinettsminister Avi Dichter neue Gespräche mit
Damaskus verlangt.
«Wenn Syrien die Unterstützung für den Terror stoppt,
wenn es aufhört, Terrororganisationen Raketen zu geben, dann werden
wir gerne mit ihnen verhandeln», sagte Olmert bei einem Besuch in
Nordisrael. Dichter verwies dagegen auf die Abkommen mit Ägypten
und Jordanien, denen Israel eroberte Gebiete zurückgab. Ein
solches Vorgehen sei auch im Fall Syrien legitim, sagte der Minister
für Öffentliche Sicherheit. Dies schließe die
umstrittene Rückgabe der Golanhöhen ein.
Widerspruch kam vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Schimon
Peres, der erklärte, derzeit müsse sich Israel auf den Libanon
und die Verhandlungen mit den Palästinensern konzentrieren.
Außerdem sei auch die israelische Bevölkerung nach dem
Libanon-Krieg nicht bereit, territoriale Zugeständnisse an Syrien
zu machen. Peres erklärte, er halte es für unwahrscheinlich,
dass der syrische Präsident Baschar Assad derzeit an Verhandlungen
mit Israel denke.
Im Libanon sind die Toten des Krieges noch nicht beerdigt, da brechen
schon die tiefen Risse zwischen den politischen und religiösen
Gruppen wieder auf. Im Mittelpunkt des Zwists steht die Hisbollah, die
mit der Entführung von zwei israelischen Soldaten die 34 Tage
dauernden Angriffe auf das Land auslöste. Seit die Waffen
schweigen, melden sich immer mehr Kritiker zu Wort, die eine Entwaffnung
der Hisbollah fordern. Dabei bemühen sie sich jedoch, die
Spannungen nicht weiter anzuheizen.
Die Regierungsspitze zeigte demonstrativ Einigkeit. So besuchte der
sunnitische Ministerpräsident Fuad Siniora gemeinsam mit dem
schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri den Süden der
Hauptstadt Beirut, um die Kriegsschäden zu inspizieren. Die
arabisch-nationalistische Zeitung «As-Safir» warnte vor
einer Explosion der Konflikte im Libanon. «Das Land steht
anscheinend am Rande eines politischen Vulkans», hieß es auf
der Titelseite. Die Spannungen beeinträchtigen auch den
Wiederaufbau. Schiiten beklagten, die Regierung handle zu langsam, um
den Menschen zu helfen. Die Hisbollah begann dagegen bereits damit,
Bargeld an die Betroffenen zu verteilen.
Der antisyrische Drusenführer Walid Dschumblatt, der zu den
wortgewaltigsten Kritikern der Hisbollah gehört, stellt auch nach
dem Krieg die Rolle der schiitischen Miliz im Libanon in Frage.
«Ist dieser Widerstand libanesisch oder ist er nur ein Werkzeug
der syrisch-iranischen Achse auf libanesischem Territorium?»
fragte er. «Wir haben das Recht - und es ist kein Verrat, das zu
sagen - dass wir Libanesen sind, die sich auf eine sichere Zukunft ohne
Kriege anderer in unserem Land freuen.»
Die Schiiten im Libanon unterstützen die Hisbollah weiter, und
auch ihr Ansehen als Verteidiger des Landes bleibt ungeachtet der
Zerstörung durch die israelischen Angriffe unangetastet. Trotzdem
nimmt die Miliz die Kritik ernst. Der Fernsehsender der Hisbollah, Al
Manar, begann eine beispiellose Kampagne gegen die Kritiker und warf
ihnen Hinterhältigkeit vor. «Warum wenden sie sich gegen den
Sieg und das Ende der Aggression? Ist es, weil die Hisbollah, der
Widerstand und der Libanon siegreich geblieben sind?» hieß
es in einem Kommentar. Ein besonders sensibles Thema ist die geforderte
Entwaffnung der Hisbollah, die der Führer der Miliz, Scheich Hassan
Nasrallah, als unmoralisch abgelehnt hat. Beobachter warnen sogar, dass
der Versuch, die Hisbollah zu entwaffnen, zu einem neuen
Bürgerkrieg führen könnte.
Zu den vorsichtigen Kritikern der Hisbollah gehört auch der
sunnitische Mehrheitsführer im libanesischen Parlament, Saad
Hariri. Er griff die Hisbollah nicht direkt an, erklärte jedoch,
das Volk müsse sich hinter die Regierung und hinter die
Streitkräfte stellen. Der christliche Politiker Samir Geagea sagte,
Nasrallah müsse auch die Meinung anderer Libanesen
berücksichtigen, die den Krieg nicht gewollt hätten. «Es
gibt vielfältige Wurzeln, die nicht ihre (die der Hisbollah) sind,
tiefere Wurzeln unter einer vollständig anderen Ansicht»,
sagte Geagea in einem Fernsehinterview. Die Strategie der Hisbollah,
mit ihren Raketen Israel abzuschrecken, sei fehlgeschlagen.
Mit der Weigerung, ihre Waffen abzugeben, ziehe die Hisbollah Syrien
und den Iran in die inneren Angelegenheiten des Libanons hinein,
erklärte der Politiker weiter. Die Streitkräfte sollten
«die einzigen sein, die für die Verteidigung des Libanons
verantwortlich sind». Im Lager der Hisbollah-Anhänger wird
dagegen befürchtet, dass Israel und die USA nun auf politischem Weg
erreichen wollen, was sie militärisch nicht durchsetzen konnten.
Im Gazastreifen griff die israelische Luftwaffe in der Nacht zum
(heutigen) Dienstag zwei Häuser von palästinensischen
Extremisten an, die der Hamas und dem Islamischen Dschihad als
Waffenlager gedient haben sollen. Um zivile Opfer zu vermeiden, seien
die Bewohner vorher aufgefordert worden, die Gebäude zu verlassen,
teilten die israelischen Streitkräfte mit. Zwei Personen wurden
nach Angaben von Sanitätern leicht verletzt.
Die israelischen Streitkräfte führen seit nahezu zwei Monaten
eine Offensive gegen militante Palästinenser im Gazastreifen.
Auslöser war Ende Juni die Entführung eines israelischen
Soldaten, der sich nach wie vor in der Gewalt der Extremisten befindet.
(Quelle: ap)
Unruhen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Kongo
Schwere Gefechte in Kinshasa. EU-Truppe bringt
ausländische Botschafter in Sicherheit
Di.22.08.06 - Die EU-Truppe im Kongo hat am Montagabend zwei Dutzend Botschafter aus
einer umkämpften Zone der Hauptstadt Kinshasa in Sicherheit
gebracht. Die Botschafter hatten nach Angaben von EUFOR- Sprecher Peter
Fuss eine Besprechung im Haus des Vize- Präsidenten und
Spitzenkandidaten Jean-Pierre Bemba, als dort ein heftiges Feuergefecht
ausbrach. Die Kämpfe hatten am Abend begonnen. Nur wenige Stunden
zuvor waren die Ergebnisse der Präsidentenwahl vom 30. Juli
bekannt gegeben worden.
Rivalisierende Gruppen lieferten sich am Montag Feuergefechte bei denen
auch schwere Waffen eingesetzt.
Das bestätigte der Sprecher der UN-Truppen, Kemal Saiki, am
späten Montagnachmittag. «Die Gefechte haben gegen 17.00 Uhr
begonnen. Es sieht so aus, als ob auch Geschütze oder Granatwerfer
eingesetzt werden.» Die UN-Soldaten seien in erhöhter
Alarmbereitschaft. Unklar sei, wer auf wen schieße. Augenzeugen
berichten von einer dunklen Rauchsäule im Westen der Stadt, wo der
amtierende Vizepräsident Jean-Pierre Bemba wohnt.
Der frühere Rebellenchef hatte bei den Wahlen am 30. Juli 20
Prozent der Stimmen errungen und wird daher Ende Oktober in einer
Stichwahl gegen den amtierenden Präsidenten Joseph Kabila antreten
müssen. Die Bekanntgabe der Ergebnisse am frühen Montagmorgen
war um mehrere Stunden verschoben worden, weil es auch am Sonntagabend
im Stadtzentrum zu Gefechten gekommen war. Der Sprecher der in Kinshasa
stationierten EU-Truppe (EUFOR), Oberstleutnant Peter Fuss,
bestätigte ebenfalls die Gefechte. «Ja, es gibt Kämpfe
in der Stadt», erklärte er der Nachrichtenagentur dpa. Die
unter deutscher Leitung stehende EU-Truppe - der auch 780
Bundeswehr-Soldaten angehören - bleibe jedoch im Hauptquartier, um
keine falschen Signale zu setzen.
Die Wahlkommission hatte nach Auszählung der Wahlzettel Kabila in
der Nacht zum Montag knapp 45 Prozent und dem amtierenden
Vizepräsidenten und Ex-Rebellenchef Bemba 20 Prozent der Stimmen
bescheinigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,5 Prozent. Ausgezählt
waren 168 der 169 Wahlkreise in dem Land von der Größe
Westeuropas. Die Ergebnisse müssen noch vom Obersten Gericht
bestätigt werden.
Kabila zeigte sich bei einem kurzen Auftritt im Fernsehen sicher, dass
er im zweiten Wahlgang gewählt werde. «Ich habe keinen
Zweifel, ich bin sicher, dass Sie diesen Sieg festigen werden»,
sagte er seinen Landsleuten. Er bescheinigte den Wählern
politische Reife. Es seien «historische» Wahlen gewesen,
die «frei, demokratisch und transparent» abgelaufen seien.
Auf die Feuergefechten vom Vorabend in der Hauptstadt Kinshasa ging er
nicht ein. Dabei waren nach UN- Angaben sechs Menschen ums Leben
gekommen. Nach ersten Informationen handelte es sich bei den
Kontrahenten um Angehörige der Garde von Präsident Kabila und
dem Sicherheitsdienst Bembas.
Die Wahlen waren die ersten seit vier Jahrzehnten und wurden auch von
17 000 UN-SOldaten sowie einem EU-Truppenkontingent unter deutscher
Führung abgesichert. Ende Juli war auch über die
Zusammensetzung des 500 Sitze umfassenden Parlaments entschieden
worden. Zahlen über das Abschneiden der rund 10 000 Kandidaten
will die Wahlkommission Anfang September veröffentlichen. Der
Wahlgang soll nach einem langjährigen Bürgerkrieg den
Wiederaufbau des rohstoffreichen Krisenstaates ermöglichen und ihm
zu demokratischen Strukturen verhelfen.
Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)
hatte sich erfreut über den weitgehend friedlichen Verlauf der
Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Kongo
geäußert. «Die Menschen im Kongo haben einen wichtigen
Schritt zu Frieden und Demokratie gemacht», sagte sie am Montag
in Berlin. Jetzt komme es darauf an, dass auch die Stichwahl friedlich
verlaufe.
Unterdessen hat die belgische Fluggesellschaft SN Brussels Airlines
(SNBA) wegen der Unsicherheit in der kongolesischen Hauptstadt die
Flüge von Brüssel nach Kinshasa zunächst gestrichen. Ein
Großraumflugzeug vom Typ Airbus 330 kehrte am Montag nach einer
planmäßigen Zwischenlandung in Douala (Kamerun) nach
Brüssel zurück, ohne nach Kinshasa weiter zu fliegen.
«Es ist unmöglich, nach Kinshasa zu fliegen», sagte
ein Sprecher der Fluggesellschaft, die an die Stele der insolventen
Sabena trat. Die Entscheidung, den von 167 Passagieren gebuchten Flug
von Kinshasa nach Brüssel zu streichen, sei «nach
Rücksprache mit unseren Leuten an Ort und Stelle gefallen».
In der Stadt gebe es Feuer aus schweren Geschützen.
(Quelle: dpa)
Annan drängt den Iran zum Einlenken im Atomstreit
Di.22.08.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan drängt den Iran, sich wie
angekündigt bis zum heutigen Dienstag zu den Vorschlägen der
EU und UN für eine umfassende Lösung des Atomstreits zu
äußern. In einer Erklärung vom Sonntagabend (Ortszeit)
aus New York spricht Annan den Iran direkt an.
«Ich bin sehr erfreut, dass Sie eine Antwort (...) bis zum 22.
August angekündigt haben. Ich appelliere an die Regierung in
Teheran, die historische Chance zu nutzen.» Er vertraue darauf,
dass die Antwort positiv ausfalle und die Grundlage für eine
endgültige ausgehandelte Lösung sein werde, hieß es.
«Während der akuten Nahostkrise ist ein Fortschritt in der
Atomfrage ganz besonders wichtig für die Stabilität in Nahost
und das ganze internationale System», heißt es in Annans
Aufruf weiter. Die drei EU-Staaten Deutschland, Frankreich und
Großbritannien hatten dem Iran ein Paket mit wirtschaftlichen und
technischen Anreizen zum Ausgleich für die Aufgabe der
Urananreicherung angeboten. Damit verbunden ist die Zusage der drei
EU-Staaten an den Iran, Nuklearenergie zu ausschließlich
friedlichen Zwecken gewinnen zu können.
Der Iran besteht darauf, dass sein Atomprogramm rechtens ist. Die EU
und USA fürchten jedoch, dass das Land an einer Atomwaffe arbeitet.
«Es ist wichtig, dass der Iran das Vertrauen der Welt in sein
Nuklearprogramm wiederherstellt», meint Annan. Dazu müsse
Teheran seine Urananreicherung einstellen und allen Auflagen der
Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO folgen. Anderenfalls
drohen ihm nach Kapitel VII, Artikel 41 der UN-Charta diplomatische und
ökonomische Strafmaßnahmen. Artikel 41 bezieht sich
ausdrücklich auf nicht-militärische Sanktionen.
(Quelle: dpa)
Laut ARD illegale Rüstungslieferungen aus Deutschland nach Iran
Di.22.08.06 - Iranische Geschäftsleute haben nach einem Bericht des
ARD-Fernsehmagazins «Fakt» Navigationssysteme aus
Deutschland in den Iran geliefert. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk am
Montag in Leipzig mitteilte, waren sie für den Einsatz in Raketen
bestimmt. Der Sender beruft sich auf die Staatsanwaltschaft
Düsseldorf. Demnach gehen die Ermittler davon aus, dass die
Beschuldigten wussten oder zumindest billigend in Kauf nahmen, dass die
GPS-Geräte für den Einsatz im militärischen
Drohnenprogramm des Landes bestimmt waren.
Sieben der speziell gefertigten Navigationssysteme seien bereits in den
Iran geliefert worden, drei weitere hätten von Zollfahndern
beschlagnahmt werden können, hieß es weiter in der
Mitteilung. Laut MDR gelten die Hightech-Geräte als Herzstück
der unbemannten Fluggeräte. Die iranische Drohnen könnten mit
einer Reichweite bis zu über 100 Kilometern sowohl für
Aufklärungsmissionen als auch für Sprengstoffattacken genutzt
werden. Nach Recherchen des Magazins seien Drohnen iranischer Herkunft
bereits mehrfach von der Hisbollah gegen Israel eingesetzt worden.
(Quelle: ap)
Nordkorea bewertet Manöver im Süden als kriegerische Aktion
Di.22.08.06 - Die nordkoreanischen Streitkräfte haben ein gemeinsames
Manöver Südkoreas mit den USA als «kriegerische
Aktion» bezeichnet. Damit werde das Waffenstillstandsabkommen zur
Beendigung des Koreakriegs von 1950 bis 1953 «null und
nichtig», hieß es in einer Erklärung, die die
nordkoreanische Volksarmee am Dienstag in Panmunjom an der
Waffenstillstandslinie zwischen beiden Staaten veröffentlichte.
Das südkoreanisch-amerikanische Manöver begann am Montag.
Die nordkoreanische Armee behalte sich das Recht vor, «einen
Präventivschlag zur Selbstverteidigung» zu führen,
erklärten die Streitkräfte. In der Erklärung, die von
der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde, wird von einer
«kritischen Zeit» gesprochen.
Die politische Führung Nordkoreas ist wiederholt mit drastischen
Erklärungen an die Öffentlichkeit gegangen. Die Bewertung des
Waffenstillstandsabkommens als «null und nichtig» ist aber
offenbar eine neue Entwicklung. Nach den Raketentests im Juli halten es
Beobachter für möglich, dass Nordkorea jetzt einen
Atomwaffenversuch vorbereitet.
(Quelle: ap)
Bei schlimmster Dürre seit 50 Jahren Millionen Chinesen ohne Wasser
Di.22.08.06 - Bei der schwersten Dürre seit 50 Jahren in China leiden 18
Millionen Menschen unter Trinkwassermangel. Das anhaltend heiße
Wetter und die Trockenheit beeinträchtigen auch die Ernte. 15
Provinzen sind betroffen. Besserung durch kühleres Wetter oder
Regenfälle ist nicht in Sicht. Besonders ist der Südwesten
betroffen. In der 30 Millionen Einwohner zählenden
größten chinesischen Stadt Chongqing hat es 70 Tage in Folge
nicht mehr geregnet. Zwei Drittel der Flüsse sind ausgetrocknet.
(Quelle: dpa)
Wahlergebnis in Chiapas vertieft Krise in Mexiko
Di.22.08.06 - Der knappe Ausgang der Gouverneurswahl in Chiapas vertieft die
politische Krise in Mexiko. Der Kandidat der zentristischen Partei PRI,
José Antonio Aguilar Bodegas, kündigte am Montag an, dass
er die Wahl anfechten wolle, falls er nicht zum Sieger erklärt
werde. Eine ähnliche Situation ist bereits nach der
Präsidentschaftswahl vom 2. Juli entstanden.
Nach Auszählung von 94 Prozent der Wahllokale in Chiapas
führte der Kandidat der linksgerichteten Partei PRD, Juan Sabines,
mit 48,39 Prozent der Stimmen vor Aguilar mit 48,17 Prozent. Der
Abstand beträgt lediglich 2.405 Stimmen.
Die Ergebnisse aus den restlichen Wahllokalen sollen nach Angaben der
Behörden bis Mittwoch vorliegen. Der 56-jährige Rechtsanwalt
Aguilar sagte, die Wahl vom Sonntag sei manipuliert worden. Nach
eigenen Zählungen hab er mit einem Vorsprung von 5.000 Stimmen
gewonnen. Der Kandidat der Partei der Institutionellen Revolution (PRI)
wurde bei der Wahl in Chiapas von der rechtsliberalen Nationalen
Aktionspartei (PAN) unterstützt.
In Mexiko-Stadt püfen zurzeit sieben Richter eines Bundesgerichts
die teilweise Nachzählung der umstrittenen Präsidentenwahl
vom 2. Juli. Das Gericht hat bis zum 6. September Zeit, um entweder
einen neu gewählten Präsidenten auszurufen oder die Wahl zu
annullieren. Nach dem bisherigen Ergebnis hat PAN-Kandidat Felipe
Calderón einen Vorsprung von 240.000 Stimmen vor Andrés
Manuel López Obrador von der Partei der Demokratischen
Revolution (PRD). Dessen Anhänger erkennen das Ergebnis jedoch
nicht an und blockieren seit Wochen den zentralen Platz und die
Hauptverkehrsstraße der mexikanischen Hauptstadt.
(Quelle: ap)
UN-Chefanklägerin Del Ponte greift Serbien scharf an
Di.22.08.06 - Zum Auftakt des bislang größten Prozesses wegen des
Massakers von Srebrenica hat UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte
Serbien scharf angegriffen. Nicht die sieben Angeklagten, sondern der
gesuchte bosnisch-serbische Exgeneral Ratko Mladic müsste vor
Gericht stehen, erklärte Del Ponte am Montag. Es sei
unentschuldbar, dass Serbien Mladic noch nicht festgenommen habe. Die
sieben Beschuldigten gehörten jedoch zu denen, die die
größte Verantwortung für das Massaker trügen.
«Es ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, sich den
Horror vorzustellen, den die Einwohner der Enklave Srebrenica erleiden
mussten», erklärte Del Ponte. «Hilflose Männer und
Jungen wurden von Erschießungskommandos exekutiert, in
Massengräbern verscharrt und dann wieder ausgegraben und erneut
begraben in dem Versuch, die Wahrheit vor der Welt zu
verheimlichen.» Vielen Opfer seien die Augen verbunden und die
Hände gefesselt worden, «um es den Mördern leichter zu
machen». Die UN-Chefanklägerin bezeichnete das Massaker als
die Endphase eines umfangreichen kriminellen Plans, die muslimische
Bevölkerung von Srebrenica auszulöschen.
Nach dem Tod des früheren jugoslawischen Staatspräsidenten
Slobodan Milosevic im März ist der Prozess einer der wichtigsten
zur Aufarbeitung der Verbrechen während des Bosnienkriegs. Die
sieben früheren bosnisch-serbischen Offiziere sehen sich dabei
unter anderem mit dem Vorwurf des Völkermords konfrontiert. Sie
sollen an der Ermordung tausender Muslime in Srebrenica vor genau elf
Jahren beteiligt gewesen sein. Auf der Anklagebank sitzen Vujadin
Popovic, Ljubisa Beara, Drago Nikolic, Ljubomir Borovcanin, Radivoje
Miletic, Milan Gvero and Vinko Pandurevic.
Die unter UN-Schutz stehende muslimische Stadt Srebrenica war 1995
während des Bosnienkriegs von bosnisch-serbischen Einheiten erobert
worden. Sie vertrieben die Frauen und Kinder und ermordeten rund 8.000
Männer und Jungen. Der Prozess wirft ein Schlaglicht auf die
Tatsache, dass es dem Tribunal bislang nicht gelungen ist, die beiden
Hauptverantwortlichen vor Gericht zu bringen, den früheren
Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und seinen General
Mladic.
(Quelle: ap)
Deutschland
Weiter deutlich mehr Steuereinnahmen für Bund und Länder
Di.22.08.06 - Bund und Länder können sich weiterhin über steigende
Steuereinnahmen freuen. Grund sind die anziehende Konjunktur und
höhere Unternehmensgewinne. Im Juli kletterte das Aufkommen im
Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,5 Prozent. Das teilt das
Bundesfinanzministerium in seinem aktuellen Monatsbericht in Berlin mit.
Im ersten Halbjahr seien die Steuereinnahmen um 7,5 Prozent auf 207
Milliarden Euro gestiegen. Die Zuwächse liegen weiter über
den Erwartungen des Steuerschätzerkreises aus der Mai-Prognose.
(Quelle: dpa)
BKA rechnet mit schneller Festnahme des zweiten Bombenlegers
Di.22.08.06 - Das Bundeskriminalamt (BKA) rechnet mit einer schnellen weiteren
Festnahme im Fall der geplanten Terroranschläge auf zwei
Nahverkehrszüge Ende Juli. Nach der Festnahme des ersten
Verdächtigen am Samstag sei eine «Fülle von
Spuren» ins In- und Ausland entstanden, sagte BKA-Präsident
Jörg Ziercke am Montagabend im ZDF-»heute journal».
Die Behörden suchen nach dem Komplizen sowie Hintermännern
des am Samstag in Kiel festgenommenen mutmaßlichen Bombenlegers
Youssef Mohamad E.H..
Ziercke sagte, er sei «sehr optimistisch», dass es einen
«schnellen Fahndungserfolg» geben werde. Die Spuren zeigten
nach Deutschland sowie in den Libanon und weitere europäische
Länder. Der BKA-Präsident sagte, solange der zweite
mutmaßliche Täter nicht gefasst sei, bestehe weiter die
Gefahr eines Terroranschlags. Es sei nicht auszuschließen, dass
der Gesuchte weiter versuche, die Anschlagspläne in die Tat
umzusetzen.
Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble äußerte sich
zuversichtlich über einen baldigen Fahndungserfolg. Die Motivlage
der beiden Terrorverdächtigen dagegen liege noch im Dunkeln, sagte
der CDU-Politiker den ARD-»Tagesthemen». Die
Sicherheitslage sei ernst und Sorgen, dass es zu Anschlägen in
Deutschland kommen könne, seien real, sagte Schäuble.
Zur Debatte über die Terrorbekämpfung sagte Schäuble, er
rechne damit, dass sich die Zuständigen im Bund und in den
Ländern im September über die Einzelheiten der geplanten
Anti-Terror-Datei einigen würden. Dann könnten alle
relevanten Informationen allen Behörden zur Verfügung
gestellt werden. Videoüberwachung sei ebenso ein gutes Element der
Terrorbekämpfung, das gezielt ausgebaut werden müsse.
Schäuble bat zudem die muslimische Bevölkerung in
Deutschland, wachsam zu sein. Die Wiedereinführung der
Kronzeugenregelung wäre ein weiteres wichtiges Element der
Anschlagsvereitelung, sagte Schäuble.
Youssef Mohamad E. H. soll wie sein Komplize einen Bombenkoffer in
einem Regionalexpress deponiert haben; aus technischen Gründen
explodierten die Sprengsätze nicht, wie die bisherigen
Ermittlungen ergaben. Ziercke sagte, Youssef Mohamad E. H. wollte am
Samstag fliehen. Deshalb sei er auf dem Bahnhof festgenommen worden.
Wie die Bundesanwaltschaft sowie Schäuble am Montag
bestätigten, kam der entscheidende Hinweis zur Festnahme vom
libanesischen Militärgeheimdienst. Laut ARD hatte der
21-Jährige sein Bild im Fernsehen gesehen und daraufhin mit seiner
Familie im Libanon telefoniert. Das Gespräch sei abgehört
worden.
BKA-Präsident Ziercke forderte mehr Befugnisse für das BKA
bei der Terrorbekämpfung. Bislang raube die Aufgabenteilung mit
den Polizeien der Bundesländer beispielsweise bei Hinweisen aus
dem Ausland wertvolle Zeit.
(Quelle: ap)
Datenschutzbeauftragter gegen Totalüberwachung
Di.22.08.06 - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat sich gegen eine
flächendeckende Ausweitung der Videoüberwachung an
öffentlichen Plätzen ausgesprochen. «Die Grenze ist die
Totalüberwachung. So etwas darf es nicht geben», sagte Schaar
am Montag im Deutschlandfunk.
An besonders gefährdeten Bereichen könne eine verstärkte
Überwachung jedoch sinnvoll sein. Es müsse jedoch
gewährleistet sei, dass die Aufnahmen nicht in falsche Hände
gerieten.
Nur durch mehr Kameras könnten geplante Bombenanschläge in
Zügen und Bahnhöfen nicht verhindert werden, betonte Schaar.
Herrenlose Koffer - wie jüngst in Koblenz und Dortmund gefunden -
würden in Zügen normalerweise nicht über Videokameras
ausfindig gemacht, sondern durch Sicherheitskräfte oder
Bahnpersonal. «In diesem Punkt bleibe ich dabei, dass eine
personale Sicherheit, gerade was die Vorbeugung von solchen
Anschlägen anbelangt, wesentlich effektiver ist als irgendwelche
Videoüberwachungsmaßnahmen», sagte Schaar.
In der Diskussion um die Einführung einer Anti-Terror-Datei lehnt
Schaar den ungefilterten Datenaustausch zwischen Nachrichtendiensten und
Polizei ab. Er plädiert stattdessen für eine
«Index-Datei». Diese solle sich auf Personen mit
terroristischem Hintergrund und auf unmittelbare Kontaktpersonen
beschränken. Wenn sich die jeweilige Polizeibehörde für
eine in der Datei erfassten Person interessiere, solle der
Nachrichtendienst entscheiden, welche Informationen er weiterreichen
könne und welche nicht.
(Quelle: dpa)
In Sachsen leben die meisten Neonazis pro Einwohner
Di.22.08.06 - In Sachsen leben deutschlandweit die meisten Neonazis pro Einwohner.
Auf 100.000 Menschen im Freistaat kommen rund 75 Rechtsextremisten,
während der Bundesschnitt bei 47 liegt, wie die "Leipziger
Volkszeitung" unter Berufung auf eine Studie des sächsischen
Landesamts für Verfassungsschutz berichtet. Insgesamt sei das
rechsextreme Potenzial im Osten deutlich größer. Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern folgen auf Platz zwei und drei hinter Sachsen. In
Berlin kommen 71 Rechtsextremisten auf 100.000 Einwohner, in
Mecklenburg-Vorpommern sind es 70.
Nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg steht den Angaben zufolge
Schleswig-Holstein als erstes westdeutsches Bundesland mit 51 Neonazis
pro 100.000 Einwohner auf Platz sechs. In Thüringen leben mit 50
Rechtsextremen auf 100.000 im Ostvergleich die wenigsten Rechtsextremen.
Die geringste Quote weist demnach Nordrhein-Westfalen mit 27 Neonazis
pro 100.000 Bürgern auf.
In absoluten Zahlen gerechnet gibt es laut Verfassungsschutz in Bayern
mit 5820 Rechtsextremen die meisten Neonazis, gefolgt von
Nordrhein-Westfalen (4910), Baden-Württemberg (3900) und Sachsen
(3239). In Sachsen sitzt die rechtsextreme NPD seit Herbst 2004 im
Landtag.
(Quelle: afp)