Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Zahl der amerikanischen Irak-Kriegsgegner auf Rekordhöhe.
Britische Truppen fassen Terrorverdächtige. Zeuge sagt im
Saddam-Prozess zu Giftgasangriffen auf Kurden aus
Mi.23.08.06 - Nur noch 35 Prozent der Amerikaner unterstützen laut jüngsten
Umfragen den Irakkrieg. Mit 61 Prozent habe die Zahl der Gegner der
Irakpolitik von Bush einen neuen Höhepunkt erreicht, berichtete der
Nachrichtensender CNN unter Berufung auf die jüngste Umfrage im
Auftrag des Senders.
Obwohl der Irakkrieg von den meisten US-Bürgern abgelehnt wird,
sieht laut CNN noch immer eine Mehrheit von 51 Prozent in Bush einen
«starken Führer». 54 Prozent sprechen ihm demnach
allerdings ab, ehrlich zu sein. Nur noch 42 Prozent unterstützen
seine Politik insgesamt. Das sei jedoch mehr als noch vor zwei Monaten,
als Bush nur noch 37 Prozent Zustimmung erhalten habe, hieß es bei
CNN. 57 Prozent lehnten in der Umfrage, die am vergangenen Wochenende
erhoben wurde, die Politik des Republikaners ab.
In der repräsentativen Umfrage wurden CNN zufolge 1033 Amerikaner
befragt.
Bei einem umstrittenen Einsatz in der südirakischen Stadt Amara
haben britische Truppen sechs Terrorverdächtige festgenommen. Bei
einem von ihnen handle es sich um einen "Terroristen von nationaler
Bedeutung", erklärte ein Militärsprecher. Die britischen
Truppen seien mit Raketen angegriffen worden, als sie Amara verlassen
wollten; sie hätten das Feuer erwidert. Laut der irakischen
Polizei wurden bei Gefechten der Briten mit Milizionären der
schiitischen Mehdi-Armee zwei Zivilisten getötet.
Der Gouverneur der betroffenen Provinz Missan, Adel el Maliki,
verurteilte den britischen Einsatz. Die Soldaten hätten
vorsätzlich Unruhen schüren wollen, um die Übergabe der
Sicherheit an die irakischen Behörden zu sabotieren, sagte er. Er
habe den britischen Kommandeur kontaktiert und ihm mitgeteilt, dass die
Festgenommenen irakische Beamte seien, einer von ihnen sei Polizist. Im
Süden des Irak sind rund 7000 britische Soldaten stationiert. Die
lange Zeit relativ ruhige Region ist seit mehreren Monaten Schauplatz
von zunehmenden Unruhen. Dabei kämpfen schiitische Milizen mit den
regierenden Parteien um die Macht.
Bei Angriffen und Anschlägen im gesamten Land kamen indes
mindestens vier Menschen ums Leben. Bei einem Bombenanschlag auf einen
Markt im Zentrum der Hauptstadt Bagdad wurden zwei Menschen
getötet und neun weitere verletzt. Nahe des nördlich von
Bagdad gelegenen Baakuba wurde ein Mann von Unbekannten erschossen. In
der nördlich von Baakuba gelegenen Ortschaft Mokdadijah wurde ein
Mann beim Angriff auf sein Haus getötet, seine Frau wurde
verletzt. In dem Ort wurden außerdem durch eine Granate 15
Menschen verletzt. In Mokdadijah sowie in Bagdad wurde jeweils die
Leiche eines getöteten Irakers gefunden.
Beim zweiten Prozess gegen den irakischen Ex-Präsidenten Saddam
Hussein hat am Dienstag ein Zeuge der Giftgasangriffe auf die kurdische
Minderheit des Landes ausgesagt.
Nach dem Abwurf der Chemiebomben vor fast 20 Jahren hätten die
Menschen sich übergeben müssen und seien erblindet, sagte Ali
Mustafa Hama am zweiten Tag des Prozesses in Bagdad.
Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein steht erstmals
wegen des Vorwurfs des Völkermords vor Gericht. Ihm droht die
Todesstrafe. Der Anklage zufolge tötete die irakische Armee
während ihrer siebenmonatigen Offensive im Jahr 1988 bis zu 182.000
Menschen im Norden des Landes. Sie setzte Senf- und Nervengas ein und
zerstörte tausende Dörfer.
Mit Saddam stehen sechs weitere Angeklagte aus der früheren
Armeeführung vor dem Gericht.
Gegen Saddam läuft bereits ein Prozess wegen des Vorwurfs des
Massakers an Schiiten aus dem Jahr 1982. Ein Urteil in dem Verfahren
wird für Mitte Oktober erwartet. Saddam könnte bereits in dem
Verfahren zum Tode verurteilt werden.
(Quellen: ap, rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 23.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhunderteinundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Tote und Verletzte bei Kämpfen in Südafghanistan
Mi.23.08.06 - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine NATO-Patrouille im Süden
Afghanistans sind am Dienstag vier Soldaten und ein afghanischer
Zivilist verletzt worden, ein Kind wurde getötet. Wie ein
Militärsprecher mitteilte, war der Selbstmordattentäter mit
einem Fahrzeug in einen Konvoi gefahren. Der Anschlag ereignete sich in
Kandahar, einer Hochburg der militanten Islamisten. Die Taliban
bekannten sich über ihren Sprecher Kari Jussuf Ahmadi zu dem
Anschlag.
In der Nähe der Grenze zu Pakistan wurden am Dienstag fünf
afghanische Polizisten in einem Hinterhalt getötet. Der Angriff
ereignete sich in der südostafghanischen Provinz Paktika.
Britische Soldaten erschossen bei Kämpfen neun mutmaßliche
Taliban-Kämpfer. Am Montagabend waren bei einem Angriff auf einen
kanadischen Konvoi zwei Soldaten verletzt worden.
Im Süden Afghanistans liefern sich Soldaten seit Wochen heftige
Gefechte mit Untergrundkämpfern. Es sind die schwersten
Kämpfe seit dem Sturz der Taliban. Ende Juli übernahm die
NATO das Kommando in den südlichen Provinzen von den
US-geführten Koalitionsstreitkräften.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Italien zur Führung der Libanon-Friedenstruppe bereit. UN-Truppe
soll angeblich Hisbollah laut Planungen nicht entwaffnen. Israel dringt
in Gazastreifen vor - Tote und Verletzte
Mi.23.08.06 - Italien hat sich grundsätzlich zur Führung der UN-Truppen im
Libanon bereit erklärt, fordert aber genaueste Vorgaben für
den Einsatz. «Wir brauchen mehr Klarheit, ein präzises
Mandat, präzise Inhalte und eine sehr deutliche Definition der
Allianzen», sagte Ministerpräsident Romano Prodi.
Er schloss sich der Forderung von US-Präsident George W. Bush nach
einer weiteren UN-Resolution an. Zugleich verlangte Außenminister
Massimo D'Alema am Dienstag eine EU- Außenminister-Konferenz zum
Libanon-Einsatz. Er ging davon aus, dass bis zu 9000 europäische
Soldaten an der Mission teilnehmen.
Prodi beriet sich am Montagabend bei einem Telefongespräch mit UN-
Generalsekretär Kofi Annan. Italien sei bereit, bei der Mission das
Kommando zu übernehmen, sagte er. «Jedoch bin ich sehr
besorgt, weil ich mir der Verantwortung dieser Mission bewusst
bin.» Es müsse im Rahmen der weltweiten Gesamtstrategie
abgewogen werden, welche spezielle Rolle Italien einnehmen kann,
fügte er hinzu. Annan will voraussichtlich am Wochenende über
das Kommando der Truppen entscheiden.
Das italienische Kontingent werde zwischen 2000 und 3000 Mann stark
sein, erklärte D'Alema: «Ein Drittel der insgesamt aus Europa
geschickten Soldaten», sagte er der Zeitung «La
Repubblica». Der frühere Außenminister Gianfranco Fini
betonte, dass alle 25 EU- Mitgliedstaaten eine politische und
militärische Verantwortung übernehmen müssen:
«Sonst wird auch Italien gezwungen sein, seine Position zu
überdenken.»
Auch Oppositionschef Silvio Berlusconi zeigte sich grundsätzlich
mit der Mission einverstanden, gab jedoch zu verstehen, dass ein
Kontingent von 1200 Mann aus Italien völlig ausreichend sei.
«Aber 3000 Soldaten, das ist absoluter Wahnsinn.»
Über das von D'Alema geforderte Treffen der EU-Außenminister
muss nun die finnische EU-Ratspräsidentschaft entscheiden. Bei der
Konferenz, die bereits am kommenden Freitag stattfinden könnte,
sollten die Modalitäten und das Mandat der europäischen
Mission im Libanon definiert werden, hieß es in Rom. Schon am
Mittwoch wollen EU-Diplomaten in Brüssel über einen
möglichen Beitrag ihrer Länder zur UNIFIL-Friedenstruppe im
Nahen Osten beraten.
Die UN-Truppe im Libanon (UNIFIL) soll laut einem französischen
Pressebericht nicht den Auftrag erhalten, aktiv nach Waffen der
Hisbollah zu suchen. Ein 21-seitiges UN-Dokument zum Mandat der Truppe
verlange, dass der Handlungsauftrag "hauptsächlich defensiver
Natur" sei, berichtete die Zeitung "Le Monde" (Mittwochsausgabe). Eine
Suche nach Waffen der schiitischen Miliz sei damit ausgeschlossen. Wenn
nötig, solle der Truppe aber "der Einsatz von angemessener und
glaubwürdiger Gewalt" erlaubt sein, hieß es. Dies gelte
für die Selbstverteidigung, den Schutz von Zivilisten und für
den Auftrag zu verhindern, dass die Pufferzone zwischen der so genannten
blauen Linie und dem Fluss Litani "für feindliche Aktivitäten
genutzt" werde.
Bei Gefechten im Gazastreifen hat die israelische Armee am Dienstag
drei Mitglieder der radikalen Palästinensergruppe Islamischer
Dschihad getötet.
Bei den Kämpfen in verschiedenen Teilen des Küstenstreifens
wurden nach Angaben von Sanitätern zudem mehrere Palästinenser
verletzt, darunter auch ein 14-jähriger Junge. Mit der
Militäroffensive will Israel unter anderem die Freilassung eines
verschleppten Soldaten durch palästinensische Extremisten
erreichen.
Die getöteten Mitglieder des Dschihads hätten sich nahe der
südlichen Stadt Chan Junis mit großen Taschen in einer
"verdächtigen Weise" dem Grenzzaun zu Israel genährt, sagte
ein Sprecher der israelischen Armee. Das Militär sei zudem mit
Panzern in den östlichen Gazastreifen eingedrungen und habe nach
Zusammenstößen fünf Extremisten in einem Haus
festgenommen. Bei den Kämpfen in der Nähe des
Grenzübergangs Karni seien drei palästinensische Kämpfer
verletzt worden. Die Panzer wurden bei ihrem Vorstoß von
Militärdrohnen aus der Luft unterstützt.
In der Nacht zum Dienstag hatte Israel aus der Luft Häuser in
Gaza-Stadt und Rafah angegriffen. Augenzeugen zufolge hatte die Armee
die Bewohner vorher gewarnt und dazu aufgefordert, die Gebäude zu
verlassen. Ziel der Angriffe waren offenbar Häuser von Mitgliedern
der radikalen Palästinenser-Gruppen Hamas und des Dschihads.
Nach der Entführung eines Soldaten durch radikale
Palästinenser Ende Juni hat die israelische Armee eine Offensive im
Gazastreifen gestartet und ist wiederholt vorübergehend in den
Küstenstreifen eingedrungen. Die Offensive dient nach israelischen
Angaben neben der Befreiung des verschleppten Soldaten auch dazu,
Raketenangriffe palästinensischer Extremisten zu unterbinden.
(Quellen: dpa, afp, rtr)
Iran erklärt sich zu 'ernsthaften Verhandlungen' im Atomstreit
bereit
Mi.23.08.06 - Der Iran hat sich am Dienstag zu «ernsthaften
Verhandlungen» im Atomstreit bereit erklärt, eine Aussetzung
seiner Urananreicherung jedoch abgelehnt. Die Gespräche
könnten bereits am (heutigen) Mittwoch beginnen, sagte der
Unterhändler Ali Laridschani in Teheran. Laridschani übergab
zuvor westlichen Diplomaten die offizielle iranische Antwort auf das
internationale Kompromissangebot. Zum Inhalt des Dokuments wurden
zunächst keine Angaben gemacht.
Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars meldete jedoch, darin werde
die die Forderung nach einem Stopp des iranischen Programms zur
Urananreicherung abgelehnt. Stattdessen biete Teheran eine «neue
Formel zur Lösung der Angelegenheit durch Dialog» an. Das
staatliche iranische Fernsehen berichtete, das Dokument sei in Teheran
den Botschaftern Großbritanniens, Chinas, Russlands, Frankreichs,
Deutschlands und der Schweiz überreicht worden.
Zuvor hatte der stellvertretende Leiter der iranischen
Atomenergieorganisation, Mohammed Saidi, von einer
außergewöhnlichen Möglichkeit gesprochen, an den
Verhandlungstisch zurückzukehren. «Die iranische Antwort auf
das Paket ist eine umfassende Antwort, die den Weg freimachen kann
für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein
endgültiges Abkommen», sagte Saidi.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana erklärte, das
Schreiben müsse zunächst gründlich geprüft werden.
Er werde mit Laridschani in Kontakt bleiben. Auch der amerikanische
UN-Botschafter John Bolton kündigte eine eingehende Prüfung
der iranischen Antwort an. Falls diese jedoch nicht den positiv
ausfalle, sei der UN-Sicherheitsrat zu Wirtschaftssanktionen gegen
Teheran entschlossen, sagte Bolton in New York. Das Weiße Haus
wollte zunächst nicht zu dem Dokument Stellung nehmen.
Der Kompromissvorschlag der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat
und Deutschlands stellt dem Iran wirtschaftliche und politische Anreize
in Aussicht, wenn im Gegenzug das Atomprogramm beendet wird. Die USA,
die seit der Erstürmung der amerikanischen Botschaft in Teheran
1979 keinerlei diplomatische Beziehungen mehr zum Iran unterhalten,
werden in Teheran von der Schweiz vertreten.
Laut Saidi enthält der internationale Vorschlag aber auch
«ernste Zweideutigkeiten». So werde der Teil des
Atomwaffensperrvertrags nicht erwähnt, in dem das Recht der
Unterzeichner auf Nukleartechnologie für friedliche Zwecke
bestätigt werde.
Der oberste geistliche Führer im Iran, Ayatollah Ali Chamenei,
hatte bereits am Montag das Festhalten seines Landes an der
Atomtechnologie bekräftigt. Die Islamische Republik habe eine
eigene Entscheidung getroffen und werde in der Atomfrage ihren Weg
fortsetzen, zitierte das staatliche Fernsehen Chamenei. Er warf den USA
und anderen Staaten vor, Druck auf das Land auszuüben. Der
UN-Sicherheitsrat hat den Iran aufgefordert, spätestens zum 31.
August die Anreicherung von Uran auszusetzen. Andernfalls drohen
wirtschaftliche und diplomatische Sanktionen.
(Quelle: ap)
Kongo: Kabila und Bemba ziehen ihre Truppen aus Kinshasa zurück
Mi.23.08.06 - Nach zweitägigen heftigen Kämpfen ihrer Anhänger in
Kinshasa haben der kongolesische Staatspräsident Joseph Kabila und
der ehemalige Rebellenführer Jean-Pierre Bemba dem Rückzug
ihrer bewaffneten Truppen aus der Hauptstadt zugestimmt. Eine
entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Vertreter der um das Amt des
Präsidenten konkurrierenden Politiker am Abend gemeinsam mit der
MONUC, der europäischen EUFOR-Truppe und der kongolesischen Armee,
wie aus UN-Kreisen verlautete.
Demnach zählt zu den darin geforderten "Sofortmaßnahmen" vor
allem der Rückzug der bewaffneten Truppen beider Lager auf ihre
"ursprünglichen Positionen". Angesichts der gespannten Lage in
Kinshasa berief der UN-Sicherheitsrat in New York eine Sondersitzung
ein. Die Unruhen waren nach Verkündung der vorläufigen
Ergebnisse der Präsidentschaftswahl aufgeflammt, die EUFOR
kündigte zur Sicherung der Lage die Verlegung von etwa 200
Bundeswehrsoldaten von Gabun nach Kinshasa an.
Bei Kämpfen zwischen bewaffneten Anhängern Kabilas und Bembas
wurden erneut mehrere Menschen getötet. Nach Angaben eines
Reporters der Nachrichtenagentur AFP wurden die Leichen von drei
Angehörigen der Präsidentengarde auf einer Hauptstraße
in Kinshasa gefunden. Augenzeugenberichten zufolge wurden in der
Nähe einer Kirche die Leichen "mehrerer Zivilisten" entdeckt. Am
Nachmittag beruhigte sich die Lage wieder, die Straßen der
Hauptstadt waren verlassen.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte
sich beunruhigt über die Gewalteskalation im Kongo gezeigt. Der
weitgehend friedliche Verlauf der Wahlen sowie die hohe Wahlbeteiligung
am 30. Juli hätten gezeigt, dass die Menschen im Kongo die Chancen
der Demokratie ergreifen wollten. Die Bundesregierung appelliere daher
nachdrücklich an alle Parteien, der jüngsten Gewaltwelle
sofort ein Ende zu setzen.
EUFOR-Sprecher Thierry Fusalba teilte mit, dass rund 200 deutsche
Soldaten aus Gabun nach Kinshasa verlegt würden. Bereits in der
Nacht seien zwei Kampfhubschrauber, ein Transporthubschrauber und rund
50 französische, portugiesische und schwedische Soldaten von Gabun
nach Kinshasa gekommen. In Gabun hat die EUFOR rund eintausend Soldaten
stationiert, die bei Bedarf im Kongo eingesetzt werden können.
Insgesamt umfasst das EUFOR-Kontingent rund 2000 Soldaten, unter ihnen
knapp 800 Soldaten der Bundeswehr.
(Quelle: afp)
Brüssel will Verbraucher vor Genreis aus den USA schützen
Mi.23.08.06 - Die Europäische Union will ihre Verbraucher vor dem gentechnisch
veränderten Reis schützen, der kürzlich in den USA
aufgetaucht ist. Die EU-Kommission bereite entsprechende Maßnahmen
vor, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Brüssel. Eine
Entscheidung werde wahrscheinlich am Mittwoch fallen. Die Kommission
will den Angaben zufolge zudem herausfinden, ob von dem Genreis
irgendwelche Mengen auf den EU-Markt gelangt sein könnten.
Die EU-Kommission hatte die US-Behörden bereits am Montag um
zusätzliche Informationen über den Reis gebeten.
Das Landwirtschaftsministerium in Washington hatte vergangene Woche
mitgeteilt, Spuren von nicht zugelassenem Genreis der Firma Bayer seien
auf dem US-Markt entdeckt worden. Der Langkornreis ist resistent gegen
das von Bayer hergestellte Unkrautvernichtungsmittel Liberty Link. Das
US-Landwirtschaftsministerium und Bayer hatten jedoch versichert, der
Reis berge keine Gefahr für Mensch und Umwelt. Im vergangenen Jahr
exportierten die EU-Länder laut Kommission insgesamt 198.000 Tonnen
Langkornreis aus den USA.
(Quelle: afp)
Deutschland
Finanzmarktexperten senken Erwartungen an Konjunktur
Mi.23.08.06 - Finanzmarktexperten sehen die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland
in den kommenden sechs Monaten zusehends pessimistisch. Der monatlich
vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
erhobene Konjunkturindex, der die Erwartungen von Analysten und
institutionellen Anlegern abbildet, sank im August überraschend
stark um 20,7 Punkte und steht nun bei minus 5,6 Punkten, wie das ZEW
mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren.
Die Entwicklung des Indikators signalisiere eine deutliche
Abkühlung der konjunkturellen Entwicklung auf Sicht von sechs
Monaten, erklärte das ZEW. Mit minus 5,6 Punkten liege der Index
weit unter seinem historischen Mittelwert von 35 Punkten. Im Juli lag
der Wert noch bei plus 15,1 Punkten. Für August war eigentlich ein
Wert von plus 12,2 Punkten erwartet worden.
Gründe für die starke Ernüchterung der
Finanzmarktexperten sind die anhaltend hohen Energiepreise sowie die zum
Jahreswechsel geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer. Von beiden
Entwicklungen werden dämpfende Auswirkungen auf die Binnennachfrage
erwartet. Auch dürfte nach Einschätzung der Fachleute der
Export als bisheriger Motor der deutschen Konjunktur sowohl wegen der
nachlassenden Nachfrage aus den USA als auch durch den starken Euro in
Mitleidenschaft gezogen werden. Zudem trügen die Pläne der
Bundesregierung zur Besteuerung von Zinszahlungen im Rahmen der
Unternehmensteuerreform dazu bei, Investitionen zu verteuern.
Die momentane Lage dagegen bewerten die Finanzmarktexperten besser.
Nach einem voraussichtlich starken Wachstum des Bruttoinlandproduktes
von April bis Juni dieses Jahr stieg der Indikator für die aktuelle
konjunkturelle Lage laut ZEW von 23,3 Punkten im Juli auf 33,6 Punkte
im August. Für das laufende Jahr möge die unter anderem von
der Bundesregierung verbreitete Einschätzung einer "sonnigen
konjunkturellen Großwetterlage" noch durchaus gerechtfertigt
sein, erklärte dazu ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Doch
"für 2007 ziehen dunkle Wolken am Horizont herauf". Er mahnte
deshalb eine "kluge und beherzte Reformpolitik" an.
(Quelle: afp)
CDU-Grundsatzkongress: Merkel schwört ihre Partei auf
Reformkurs ein
Mi.23.08.06 - CDU-Chefin Angela Merkel hat die Union auf einen grundlegenden
Reformkurs eingeschworen.
Die Beschlüsse vom Leipziger Parteitag 2003 mit tief greifenden
Reformen im Steuer- und im Gesundheitssystem seien wichtige
Weichenstellungen, die Bestand hätten, sagte Merkel auf einem
Parteikongress zur Erneuerung des CDU-Grundsatzprogramms am Dienstag in
Berlin. "Solche Beschlüsse geben Orientierung." Merkel wies
Parteivize Jürgen Rüttgers zurecht, der die
Reformbeschlüsse in Frage gestellt und die Union davor gewarnt
hatte, Lebenslügen nachzuhängen und eine kapitalistische
Partei zu werden. Manche hätten Mitte des vorigen Jahrhunderts auch
die Wiedervereinigung als Lebenslüge bezeichnet, sagte Merkel.
"Und sie ist gekommen, die deutsche Einheit." Merkel warb dafür,
in der Reformkraft nicht nachzulassen. "Veränderung ist die
notwendige Antwort auf eine sich verändernde Welt." Das Schlimmste
sei, wenn Politik nur Besitzstände wahren wolle.
"Die CDU bleibt die Partei der sozialen Marktwirtschaft und wird das
auch in Zukunft bleiben." Deshalb sei die Diskussion, ob die CDU diesem
Kurs treu bleibe, eine Phantomdebatte, sagte Merkel. Ähnlich
harsche Kritik an Rüttgers war bereits von mehreren
Ministerpräsidenten und vom Wirtschaftsflügel der Partei
gekommen. Rückendeckung hat der nordrhein-westfälische
Regierungschef aber vom CDU-Sozialflügel erhalten.
Für die CDU seien die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und
Solidarität gleichwertig, betonte Merkel unter dem Applaus der
Zuhörer. "Aber kann man mehr Freiheit wagen um der Gerechtigkeit
und der Solidarität willen? Da gibt es auch Widerspruch bei uns."
Darüber müsse die Partei in ihrer Programmdebatte
ausführlich diskutieren. Die Reform des Gesundheitswesens sei aus
ihrer Sicht das Politikfeld, auf dem Gerechtigkeit und Solidarität
am stärksten auf dem Prüfstand stünden. "Das christliche
Menschenbild gerät ins Schlingern, wenn wir das nicht schaffen",
warnte Merkel. "Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns über die
Grundsätze einig sind."
Die Bundeskanzlerin ermahnte die Wirtschaft, Solidarität zu zeigen
und mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. "Da erwarten wir auch ein
Stück langfristiges Denken."
Nach der Rede Merkels sollte in verschiedenen Arbeitsgruppen über
die Leitfragen für das neue Grundsatzprogramm debattiert werden.
Dabei soll es etwa um die Außenpolitik, den Umweltschutz und die
Folgen der demographischen Entwicklung gehen. Ende nächsten Jahres
soll das überarbeitete Programm stehen, dass die Grundsätze
von 1994 ablösen soll.
(Quelle: rtr)
Rüttgers besteht auf Neuausrichtung der CDU
Mi.23.08.06 - Trotz deutlicher parteiinterner Kritik besteht der
nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers auf seiner Forderung nach einer sozialeren Ausrichtung
der CDU. Rüttgers sagte am Dienstagabend im ZDF-»heute
journal», wenn die CDU bei bundesweiten Wahlen künftig
über 40 Prozent der Wählerstimmen bekommen wolle,
müssten die beiden Prinzipien der wirtschaftlichen Vernunft und
sozialen Gerechtigkeit gleichberechtigt berücksichtigt werden.
«Wenn Sie von Menschen, die von ihrer Hände Arbeit leben
Veränderungen wollen, müssen Sie denen auch das notwendige
Maß an Sicherheit geben, und das heißt im Klartext: Es muss
gerecht zugehen», sagte der stellvertretende Parteivorsitzende.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die von Rüttgers
angestoßene Diskussion am Dienstag als
«Phantomdebatte» bezeichnet. Die CDU sei die Partei der
sozialen Marktwirtschaft, und werde dies auch bleiben, sagte die
CDU-Vorsitzende.
(Quelle: ap)
SPD-Politiker Wend für Kürzung der Witwenrente
Mi.23.08.06 - Mit teils herben sozialen Einschnitten will der SPD-Politiker Rainer
Wend die Erwerbsquote von Frauen anheben. Wie der wirtschaftspolitische
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion der «Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung (WAZ)» sagte, müsse beispielsweise die
Witwenrente für junge Jahrgänge gekürzt werden.
Außerdem will Wend dem Bericht zufolge die beitragsfreie
Mitversicherung von Ehefrauen in der gesetzlichen Krankenversicherung
abschaffen und das Ehegattensplitting kürzen
Die Witwenrente und die beitragsfreie Mitversicherung führten
indirekt eine niedrige Frauenerwerbsquote herbei, wird der
SPD-Politiker zitiert. Zur Begründung verwies Wend auf
skandinavische Länder, die diesen Schritt bereits vollzogen
hätten und eine rund zwölf Prozent höhere
Frauenerwerbsquote als Deutschland aufwiesen.
Die Abschaffung der Sozialleistungen müsse allerdings eng mit
einer besseren Kinderbetreuung verknüpft sein, zu der eine
steuerliche Anerkennung des Haushaltes als Arbeitgeber gehöre.
Angegangen werden könnten seine Vorschläge allerdings erst im
Jahr 2009, da sie zunächst innerhalb der SPD diskutiert werden
müssten, räumte Wend ein.
(Quelle: ap)
Bundesregierung will unentgeltliche Rechtsberatung ermöglichen
Mi.23.08.06 - Die Bundesregierung will künftig kostenlose Rechtsberatung
ermöglichen. Dies sieht ein neues Rechtsdienstleistungsgesetz vor,
das Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) am Dienstag in Berlin
vorstellte. Es erlaubt - anders als bisher - die unentgeltliche
Rechtsberatung in der Familie und im Freundeskreis sowie für
karitative Zwecke oder zum Wohle anderer.
Daneben will die Regierung Rechtsdienstleistungen erlauben, die
lediglich Nebenleistungen im Geschäftsbetrieb darstellen. Als
Beispiel nannte Zypries Architekten, die ihre Auftraggeber über
Fragen des Baurechts aufklären, oder die Beratung der Banken zur
Unternehmensnachfolge.
Zypries betonte, der Kern der rechtlichen Beratung und Vertretung -
insbesondere vor Gericht - bleibe auch künftig allein
Rechtsanwälten überlassen. Das Gesetz soll Mitte 2007 in Kraft
treten und bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrats. Es löst das
von den Nationalsozialisten im Jahr 1935 in Kraft gesetzte
Rechtsberatungsgesetz ab.
Zypries betonte, auch bei der kostenlosen Rechtsberatung zum Wohle
anderer müssten Mindeststandards erhalten bleiben. Deshalb
müssen künftig alle Personen und Organisationen, die
außerhalb des Familien- und Freundeskreises Rechtsrat anbieten,
entweder selbst Volljuristen sein oder eine qualifizierte juristische
Anleitung der Mitarbeiter sicherstellen. Beispiele sind soziale
Einrichtungen.
Während bisher nur berufsständische oder ähnliche
Vereinigungen wie Gewerkschaften, Arbeitgeber oder Mietervereine ihre
Mitglieder rechtlich beraten dürfen, soll dies künftig jeder
Vereinigung erlaubt sein, also etwa auch Automobilclubs wie dem ADAC.
Sie dürfen aber auch künftig nicht Hauptzweck der Vereinigung
sein, erklärte Zypries.
Wer umfassend rechtlich beraten will, muss dem Gesetzentwurf zufolge
nach wie vor Volljurist sein, das heißt beide juristischen
Staatsexamen besitzen und als Anwalt zugelassen sein. Damit wird es auch
in Zukunft keine umfassende Beratungsbefugnis für
Fachhochschulabsolventen oder Absolventen des ersten Staatsexamens geben.
Das neue Rechtsdienstleistungsgesetz gilt nur für Beratung
außerhalb von Gerichtsverfahren. Der neue Begriff
Rechtsdienstleistung wird dabei definiert als «jede Tätigkeit
in konkreten fremden Angelegenheiten, sobald sie eine besondere
rechtliche Prüfung des Einzelfalls erfordert». Keine
Dienstleistungen im Sinne des Gesetzes sind laut der Pressemitteilung
Tätigkeiten, «die sich im Auffinden der Lektüre, der
Wiedergabe und der bloßen schematischen Anwendung von
Rechtsnormen erschöpfen». Beispiele sind Rundschreiben von
Mietervereinen oder die Geltendmachung einfacher Ansprüche - etwa
wenn eine Autowerkstatt eine Schadenspauschale von einer Versicherung
einfordert.
(Quelle: ap)
Identität des zweiten Bombenlegers angeblich geklärt
BKA-Chef: 'Die Gefahr dauert noch an' - Mutmaßlicher Kofferbomber
wohnte laut Ermittlern zuletzt in Köln. Innenminister
Schäuble will Internet-Kontrollen verstärken
Mi.23.08.06 - Der Komplize des 21-jährigen mutmaßlichen Bahn- Bombenlegers
ist nach Medienberichten identifiziert. Der Mann lebte zuletzt in
Köln und ist 20 Jahre alt.
Die Fahndung nach dem zweiten Haupttäter des versuchten
Terroranschlags auf den Nahverkehr der Bahn dauert unvermindert an.
BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte am Dienstagabend dem
Fernsehsender N24, es sei unklar, wo sich der inzwischen identifizierte
Verdächtige aufhalte.
«Die Gefahr dauert noch an, weil wir nicht wissen, wo er sich
aufhält», sagte Ziercke. Es sei denkbar, dass er «ein
Signal setzen» wolle. Der Mann sei 21 oder 22 Jahre alt und nur
kurze Zeit in Deutschland gewesen. Der BKA-Chef bestätigte
außerdem, dass eine weitere Person festgenommen worden sei.
Der mutmaßliche Komplize des zuletzt in Köln lebenden
Verdächtigen, ebenfalls ein Libanese, war am Samstag in Kiel
festgenommen worden. Beamte des Bundeskriminalamts durchsuchten am
Dienstag die Wohnung des Flüchtigen in Köln, auf der Suche
nach Hintermännern wurden weitere Wohnungen in Nordrhein-Westfalen
und Kiel durchsucht. Die beiden mutmaßlichen Täter sollen am
31. Juli in Köln explosionsfähige Kofferbomben in Zügen
nach Dortmund und Koblenz deponiert haben.
Laut Medienberichten hatten sich die beiden Terrorverdächtigen
nach dem fehlgeschlagenen Anschlag ins Ausland abgesetzt; der am
Samstag Festgenommene war dann aber aus bislang unbekannten
Gründen zurückgekommen. Beide Männer sollen laut
«Tagesspiegel» und «Süddeutscher Zeitung»
Kontakt zu der vom Bundesinnenministerium verbotenen, islamistischen
«Hisb ut-Tahrir al Islami», der «Partei der
islamischen Befreiung», gehabt haben, die ihre Zentrale im
Libanon hat und gegen Israel kämpft. Die Partei will alle
Muslime in einem Gottesstaat vereinigen.
Mehrere Mitglieder des Clans des 21-jährigen mutmaßlichen
«Kofferbombers» seien «problematisch»,
hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Experten halten es demnach
für denkbar, dass Youssef Mohamad von Hizb ut-Tahrir oder von
Sympathisanten der Partei in seiner Familie den Anstoß zur
Radikalisierung bekam, die zu den fehlgeschlagenen Bahn-Anschlägen
zweier Täter führten. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
hatte erst Ende Januar das Verbot der islamistischen Partei
bestätigt.
Laut Bundesanwaltschaft wird derzeit das persönliche Umfeld der
Beschuldigten aufgeklärt. Dabei nahmen Fahnder in Oberhausen
offenbar einen weiteren Terror-Verdächtigen fest.
Augenzeugenberichten zufolge wurde in einem Mehrfamilienhaus im
Stadtteil Holten ein Mann abgeführt; es soll sich um einen
32-jährigen Libanesen handeln.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble will angesichts der
Terrorgefahr in Deutschland die Internet-Kontrollen verstärken.
Dafür seien Experten mit entsprechenden Sprachkenntnissen
nötig, sagte der CDU-Politiker der Wochenzeitung
«Zeit» laut einer Vorabmeldung vom Dienstag. Zudem
müssten an sinnvollen Stellen zusätzliche Videokameras
eingesetzt werden sowie die Kontrollen bei der Bahn und an
Flughäfen ausgeweitet werden, sagte der Minister.
Schäuble setzte sich zudem für die stärkere Beobachtung
verdächtiger Gruppen durch den Verfassungsschutz ein. Die Mittel
der präventiven Beobachtung müssten verfeinert und
verstärkt werden. Die Verhaftung eines der mutmaßlichen
Täter der gescheiterten Kofferbomben-Attentate vergangenen Samstag
nannte der Minister keinen Grund zur Entwarnung: «Aus diesem
Fahndungserfolg abzuleiten, wir bräuchten nicht mehr zu tun,
wäre unverantwortlich», wird der CDU-Politiker zitiert.
(Quellen: ap, dpa)