Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-General wirft Iran Unterstützung von Extremisten im Irak vor.
Britische Truppen im Irak könnten 2007 halbiert werden. US-Armee
will angesichts der andauernden Gewalt im Irak und in Afghanistan
Reservisten aktivieren
Do.24.08.06 - Ein hoher US-General hat der iranischen Regierung vorgeworfen,
schiitische Extremisten im Irak zu unterstützen. Teheran betreibe
eine Politik der Destabilisierung und fördere die Gewalt im
Nachbarland, sagte Brigadegeneral Michael Barbero am Mittwoch in
Washington. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass der Iran für
die Ausbildung, Finanzierung und Ausrüstung extremistischer
Gruppen im schiitischen Lager verantwortlich sei, sagte Barbero.
Bislang hatte es das Pentagon vermieden, der Regierung im Iran eine
Mitschuld an Anschlägen schiitischer Extremisten im Irak zu geben.
Die britischen Streitkräfte im Irak könnten nach Angaben aus
Londoner Armeekreisen bereits im kommenden Jahr um die Hälfte
reduziert werden. Es sei "machbar", den irakischen
Sicherheitskräften in neun bis zwölf Monaten die Verantwortung
in der südlichen Provinz Basra zu übertragen, sagte ein
ranghoher Kommandeur. Somit könnte die Zahl der britischen
Soldaten von derzeit 7000 auf eine Zahl zwischen 3000 und 4000
reduziert werden.
Die Reduzierung der britischen Truppen im Irak hänge von der
allgemeinen Sicherheitslage im Irak und vom Willen der politischen
Führung ab, schränkte der Kommandeur ein. "Wir fürchten,
dass es in der Politik keinen großen Wunsch gibt, 'Mission
erfüllt' auszurufen, solange es im Zentrum des Landes noch viel zu
tun gibt", sagte der Kommandeur mit Blick auf die vielen Anschläge
im Zentralirak.
Den Militärkreisen zufolge wird die Arbeit der britischen Soldaten
dadurch erschwert, dass die irakische Polizei von Aufständischen
unterwandert werde. Ein ranghoher Zivilbeamter des britischen
Verteidigungsministeriums sagte, London sei "beunruhigt" über das
"Auftauchen von Technologien", vor allem von Minen, die denen der
libanesischen Hamas-Miliz ähnelten.
Die US-Armee will angesichts der andauernden Gewalt im Irak und in
Afghanistan 2500 Reservisten aktivieren.
US-Präsident George W. Bush gab grünes Licht für die so
genannte unfreiwillige Einberufung von 2500 Mitgliedern der nicht
aktiven Reserve, um "personelle Bedürfnisse im weltweiten Krieg
gegen den Terror" zu befriedigen, wie die Marineinfanterie mitteilte.
Zum letzten Mal hatte die Armee beim US-Einmarsch im Irak im Jahr 2003
auf Reservisten zurückgegriffen.
Nach Angaben einer Armeesprecherin sollen die einberufenen Reservisten
zwischen zwölf und 18 Monaten in einem der Länder eingesetzt
werden. Mit ihrer Entsendung sei jedoch nicht vor Frühjahr 2007 zu
rechnen. Die Sprecherin betonte zudem, letztlich werde nur eine "relativ
geringe Zahl" von Reservisten für den Einsatz ausgewählt. Im
Irak sind derzeit rund 133.000 US-Soldaten stationiert, in Afghanistan
sind es mehr als 20.000.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.24.08.05 - Sunniten drohen mit Scheitern der Verfassung +++ Bush verteidigt
Irak-Einsatz: 'Zentrale Front' gegen den Terror. Anschlagsserie mit
Autobomben auf US-Truppen im West-Irak +++ Irakische Umweltministerin
entgeht Attentat +++ Saddam Hussein stellt sich als Märtyrer dar...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Mehr als 30 Tote bei Kämpfen und Anschlägen im Süden
Afghanistans
Do.24.08.06 - Bei Kämpfen und NATO-Luftangriffen sind im Süden Afghanistans
mindestens 29 Taliban-Rebellen getötet worden. In der Provinz
Sabul kamen am Mittwoch 18 mutmaßliche Taliban bei
Zusammenstößen mit der Polizei ums Leben, wie der
stellvertretende Polizeikommandant der Provinz, Dschailani Khan,
mitteilte. Extremisten griffen in Sabul zudem einen Militärposten
an, wobei ein Soldat getötet wurde.
Die NATO flog am Dienstagabend in der Provinz Kandahar einen Angriff
gegen 15 mutmaßliche Extremisten, die einen Überfall
vorbereiten wollten. Als die Männer bemerkten, dass sie beobachtet
wurden, versuchten sie nach Angaben von NATO-Sprecher Scott Lundy zu
flüchten. Elf Taliban seien getötet worden.
Nach einem Selbstmordanschlag auf einen kanadischen Militärkonvoi
in Kandahar wenige Stunden zuvor feuerten Soldaten aus Angst vor einem
weiteren Angriff auf zwei Jugendliche. Ein Zehnjähriger wurde
getötet, ein weiterer verletzt, wie die NATO mitteilte. Die beiden
seien auf einem Motorrad in der Nähe des Anschlagsorts unterwegs
gewesen. Ein Selbstmordattentäter hatte bei dem Anschlag am
Dienstag ein Kind mit in den Tod gerissen, ein Afghane sowie vier
Soldaten wurden verwundet. Einer der Soldaten erlag später seinen
Verletzungen.
Bei zwei Bombenanschlägen ebenfalls in Kandahar wurden am Mittwoch
drei Zivilpersonen getötet. Dem Büro des örtlichen
Gouverneurs zufolge explodierten zwei am Straßenrand versteckte
Sprengsätze und trafen einen Lastwagen und ein Motorrad. Eine
vierte Person wurde verletzt. Die NATO übernahm Ende Juli das
Kommando in den südlichen afghanischen Provinzen von den
US-geführten Koalitionsstreitkräften.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
UN planen robustes Mandat für Libanon-Truppe. Amnesty: Israel hat
gezielt Zivilisten angegriffen. Israels Generalstaatsanwalt nennt
Optionen für Untersuchung der Libanon-Offensive. Indonesischer
Außenminister: Libanon-Konflikt und ungelöste
Palästinenser-Frage führt zu Radikalisierung der Muslime
Do.24.08.06 - Die Vereinten Nationen (UN) planen ein robustes Mandat für ihre
Friedenstruppe im Südlibanon. Syrien lehnt eine Stationierung von
UN-Soldaten an der libanesisch-syrischen Grenze ab
Dies geht aus einem Entwurf für den Einsatzbefehl hervor, der der
Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. Demnach sollen die
Soldaten nicht nur zur Selbstverteidigung und zum Schutz von Zivilisten
Waffengewalt einsetzen, sondern auch das Feuer auf bewaffnete Gegner
eröffnen können. Mit dem Entwurf reagieren die UN auf
entsprechende Forderungen auch aus Deutschland.
Die Länder, die Soldaten für die UN-Truppe abstellen wollen,
haben wiederholt ein klares und robustes Mandat gefordert, damit sich
ihre Soldaten angemessen verteidigen können. Die deutsche
Bundesregierung wollte am Mittwoch über ihren Beitrag beraten,
allerdings sollte das Kabinett noch keine Entscheidung fällen. In
Brüssel bereiteten Experten die Sondersitzung der
EU-Außenminister am Freitag vor, bei der die Europäer die
Bereitstellung der Kerntruppe absprechen wollen. Auch
UN-Generalsekretär Kofi Annan nimmt daran teil.
Der Entwurf der Einsatzregeln umfasst 21 Seiten und ist derzeit nur
für den UN-internen Gebrauch bestimmt. UN-Angaben zufolge wurde er
bereits in der vergangenen Woche den wichtigsten Teilnehmerstaaten an
der Truppe zugeleitet.
Dem Entwurf zufolge sollen die Soldaten Waffengewalt auch zur
"präventiven Selbstverteidigung" anwenden dürfen, das
heißt, um einem Angriff zuvorzukommen. Grundsätzlich ist der
Einsatz von Schusswaffen erlaubt, wenn die Unifil an der Erfüllung
ihrer Aufgaben gehindert zu werden droht, um Sicherheit und
Bewegungsfreiheit des UN-Personals und von Mitarbeitern von
Hilfsorganisationen zu gewährleisten sowie Zivilisten vor
unmittelbaren Bedrohungen zu schützen.
Genauso darf die UN-Truppe Gewalt, ausdrücklich auch
"tödliche Schüsse", anwenden, um Einsatzkräfte der
libanesischen Armee zu verteidigen, wenn diese von Bewaffneten bedroht
werden. UN-Angaben zufolge bedeutet dies: Wenn bei einer Konfrontation
Kämpfer ihre Waffen nicht freiwillig niederlegen, dann dürfen
die UN-Soldaten Gewalt einsetzen, um die Entwaffnung durchzusetzen.
Damit könnten die UN-Soldaten ohne größere Auflagen das
Feuer auf Kämpfer der Hisbollah, aber auch auf israelische Soldaten
eröffnen.
Der UN-Sonderbeauftragte für den Libanon, Vijay Nambiar, ging
davon aus, dass die Einsatzregeln schnell beschlossen werden
können. "Wir haben bislang keine größeren
Änderungswünsche erhalten", sagte er in Jerusalem. "Wir
glauben, dass ihre Verabschiedung unmittelbar bevorsteht." Damit
wäre ein großes Hindernis für die Zusammenstellung der
Truppe aus dem Weg geräumt, die sich zu verzögern droht.
Der Südlibanon wurde bislang von der radikal-schiitischen
Hisbollah beherrscht, die zwar eine Zusammenarbeit mit der UN-Truppe und
der libanesischen Armee zugesagt hat. Sie will ihre Kämpfer aber
weder entwaffnen noch aus dem Gebiet zurückziehen.
Die Einsatzregeln knüpfen an die Waffenstillstandsresolution des
UN-Sicherheitsrats vom 11. August an, die offen gelassen hat, wie die
Entwaffnung der Hisbollah zu Stande kommen soll. Sie fordert aber eine
Pufferzone im südlibanesischen Grenzgebiet zu Israel, in der
außer der libanesischen Armee und der UN-Truppe keine Gruppe
Waffen führen darf. Die libanesische Armee soll die Pufferzone mit
15.000 Soldaten durchsetzen, die Unifil sie dabei mit gleichfalls 15.000
Einsatzkräften unterstützen.
Der zweite heikle Punkt des Einsatzes ist die israelische Forderung,
dass die internationalen Truppen sowie die libanesische Armee
Waffenlieferungen an die Hisbollah verhindern, die angeblich aus dem
Iran und Syrien kommen. Im Gegenzug hat Israel ein Ende seiner See- und
Luftraum-Blockade des Libanons in Aussicht gestellt.
Der syrische Präsident Baschar al-Assad lehnt eine Stationierung
von UN-Soldaten an der libanesisch-syrischen Grenze ab. "Dies wäre
ein Rückzug der libanesischen Souveränität und ein
feindlicher Akt", sagte er am Dienstag. Frankreich als Veto-Macht im
Sicherheitsrat wies die Kritik zurück. Die Verhinderung von
Waffenschmuggel gehöre zu den Hauptaufgaben der UN-Truppe, sagte
Außenminister Philippe Douste-Blazy am Mittwoch. Dies werde die
Truppe an allen Grenzen gewährleisten. "Ich wiederhole, an allen
Grenzen", setzte er hinzu.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israel
gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung im Libanon-Krieg
vorgeworfen.
Dabei habe das Land möglicherweise Kriegsverbrechen begangen,
erklärte Amnesty am Mittwoch in London. Die Organisation rief die
Vereinten Nationen (UN) auf, die Verletzung des humanitären
Völkerrechts durch Israel und die Hisbollah-Miliz rasch zu
untersuchen.
Ein UN-Minenexperte warf Israel zudem den gezielten Einsatz von
Streumunition vor, deren Blindgänger noch nach Jahren explodieren
können. Israel hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen
und darauf verwiesen, dass die Hisbollah Raketen aus Wohngebieten
abgeschossen habe.
"Die Fakten weisen stark darauf hin, dass die massive Zerstörung
von öffentlichen Einrichtungen, Kraftwerken, Wohnungen und der
Industrie absichtlich und ein integraler Bestandteil der
Militärstrategie als bloß Kollateralschäden waren",
hieß es in dem Amnesty-Bericht. Viele der in dem Bericht
untersuchten Verstöße seien Kriegsverbrechen, aus denen sich
eine individuelle Verantwortung ergebe. Zudem seien
Lebensmittelläden bewusst beschossen und Hilfskonvois gezielt
behindert worden. Krankenhäuser sowie Kraft- und Wasserwerke seien
mit dem Ziel ausgeschaltet worden, die Bevölkerung zur Flucht zu
zwingen.
Israel habe während des gut vier Wochen dauernden Krieges 7000
Ziele aus der Luft angegriffen, hieß es weiter. Gleichzeitig habe
die israelische Marine weitere 2500 Granaten abgefeuert. Wie viele
Granaten die Artillerie abgeschossenen habe, sei nicht bekannt.
Während des Krieges waren früheren Angaben zufolge mehr als
1100 Libanesen getötet worden, darunter viele Kinder. Auf
israelischer Seite waren mehr als 150 Menschen bei den Kämpfen
gegen die Hisbollah und bei Raketenangriffen zu Tode gekommen.
Der führende UN-Minenexperte Tekimiti Gilbert sprach von 170
bestätigten israelischen Angriffen mit so genannter Streumunition.
Es gebe keine Zweifel, dass Israel beim Einsatz dieser Geschosse etwa
gegen Dorfzentren das Völkerrecht verletzt habe, sagte Gilbert der
Nachrichtenagentur Reuters. Das Völkerrecht verbiete die Verwendung
von Clusterbomben gegen Zivilisten. Es werde mindestens zwölf
Monate dauern, die Blindgänger zu beseitigen. Sie stellten eine
besondere Gefahr für Kinder dar. Seit Beginn des Waffenstillstands
am 14. August seien durch Blindgänger acht Menschen getötet
und mindestens 25 verletzt worden, sagte Gilbert.
Israel hat Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen, im
Libanon-Krieg bewusst Zivilisten getötet zu haben. Die Armee
betont, mit Flugblättern vor Angriffen gewarnt zu haben. Zudem
beschuldigt Israel die Hisbollah, Raketen auf Israel aus der Nähe
von zivilen Einrichtungen im Südlibanon abgefeuert zu haben. Zudem
hat Israel der Hisbollah-Miliz vorgeworfen, Zivilsten als menschliche
Schutzschilde missbraucht zu haben.
Der israelische Generalstaatsanwalt Meni Masus hat
Ministerpräsident Ehud Olmert Vorschläge zur Untersuchung der
Militäroffensive im Libanon unterbreitet. Olmert hatte Masus
gebeten, die möglichen Optionen hierfür aufzulisten. Im
Gespräch ist unter anderem eine unabhängige Kommission, die
die Macht hätte, ranghohe Politiker oder
Militärangehörige zu entlassen. Die Tageszeitung
«Haaretz» berichtete am Mittwoch, Olmert werde sich
wahrscheinlich noch in dieser Woche zu der von ihm bevorzugten Form der
Untersuchung äußern. Die endgültige Entscheidung
fällt im Kabinett.
Olmert steht zunehmend unter Druck, eine unabhängige
Untersuchungskommission einzusetzen. Das israelische
Verteidigungsministerium hat interne Ermittlungen zum Vorgehen der
Streitkräfte im Libanon vorläufig gestoppt, bis die Regierung
über das weitere Vorgehen entschieden hat. Kritiker haben unter
anderem die Unentschlossenheit von Regierung und
Militärführung während der Offensive gegen die Hisbollah
beklagt. Außerdem wurde bemängelt, es habe nicht
genügend Wasser und Lebensmittel gegeben, und die Soldaten seien
schlecht ausgerüstet gewesen.
Das militärische Vorgehen Israels im Libanon und die
ungelöste Palästinenser-Frage haben nach Ansicht des
indonesischen Außenministers Hasan Wiryuda zur Radikalisierung der
Muslime weltweit beigetragen. Dadurch sei auch die Gefahr von
Terroranschlägen größer worden.
Das sagte der Außenminister des bevölkerungsreichsten
muslimischen Landes der Welt, am Mittwoch in Jakarta. «Wenn das
Palästina-Problem gelöst ist, wird dem Terrorismus eine Menge
Wind aus den Segeln genommen», sagte Wiryuda. «Der Krieg in
Palästina und im Libanon intensiviert den Prozess der
Radikalisierung weltweit. Das ist die Gefahr.» Indonesien gilt als
Verbündeter der USA in deren Kampf gegen den Terror,
unterhält aber keine diplomatischen Beziehungen zu Israel.
Indonesien hat angeboten, sich mit bis zu 1000 Soldaten an einer
UN-Friedenstruppe im Libanon zu beteiligen. Verteidigungsminister Juwono
Sudarsono hatte es aber gelehnt, sich an einer Entwaffnung der
Hisbollah-Miliz zu beteiligen, weil dies seiner Meinung nach zu
Vergeltungsmaßnahmen radikalislamischer Gruppen in Indonesien
führen könnte.
(Quellen: rtr, ap, dpa)
USA betrachten Antwort Teherans auf Atom-Angebot als unzureichend
Do.24.08.06 - Die USA betrachten die iranische Antwort auf das internationale
Kompromissangebot im Atomstreit als unzureichend. Der Iran erfülle
damit nicht die vom Weltsicherheitsrat gesetzten Bedingungen,
erklärte das Außenministerium am Mittwoch nach Beratungen
von Präsident George W. Bush mit Außenministerin Condoleezza
Rice. Der amtierende Außenamtssprecher Gonzalo Gallegos verwies
darauf, dass der Iran die Urananreicherung stoppen müsse.
Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte, es seien
«harte Diskussionen» im UN-Sicherheitsrat zu erwarten.
China rückte die Notwendigkeit des Dialogs in den Vordergrund und
forderte den Iran zu «konstruktiven Maßnahmen» auf.
Aber auch die anderen Parteien müssten «ruhig und geduldig
bleiben und Flexibilität zeigen», erklärte das
Außenministerium in Peking. Auf diplomatischem Wege müsse
«eine friedliche Lösung» im Atomstreit gefunden werden.
Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des russischen
Außenministeriums. Russland habe gemeinsam mit «seinen
Partnern im Sextett» begonnen, die iranische Antwort zu studieren,
sagte er. Moskau suche weiter nach einer politischen Lösung und
setze sich dafür ein, die Rolle der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) zu stärken.
Douste-Blazy sagte auf einer Pressekonferenz mit seiner israelischen
Kollegin Zipi Livni in Paris, die Hand sei nach wie vor ausgestreckt.
Allerdings sei eine Rückkehr an den Verhandlungstisch nur
möglich, wenn der Iran seine sensiblen Atomaktivitäten,
insbesondere die Anreicherung von Uran, aussetze.
Teheran hatte Diplomaten am Dienstag seine offizielle Antwort auf das
internationale Kompromissangebot überreicht. Die Regierung sei zu
«ernsthaften Verhandlungen» bereit, lehne eine Aussetzung
der Urananreicherung jedoch ab, sagte Unterhändler Ali Laridschani.
Der Kompromissvorschlag wurde erarbeitet von Deutschland sowie den
fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates -
Frankreich, Großbritannien, USA, Russland und China. Dem Iran
werden wirtschaftliche und politische Anreize in Aussicht gestellt, wenn
er im Gegenzug sein Atomprogramm beendet.
Der UN-Sicherheitsrat hat Teheran aufgefordert, spätestens zum 31.
August die Anreicherung von Uran auszusetzen. Andernfalls drohen
Sanktionen.
(Quelle: ap)
Britische Experten: US-Krieg gegen Terrorismus hat Iran gestärkt
Do.24.08.06 - Der Einfluss des Iran im Nahen Osten ist nach Ansicht britischer
Experten durch Washingtons so genannten Krieg gegen den Terrorismus
gestärkt worden. Mit den Taliban in Afghanistan und dem
Saddam-Hussein-Regime im Irak hätten die USA zwei der wichtigsten
regionalen Rivalen des Iran eliminiert.
So heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des
unabhängigen politischen Forschungszentrums Chatham House in
London. Weder die 2001 vertriebenen Taliban in Afghanistan, noch die
2003 gestürzte Diktatur im Irak seien «durch kohärente
und stabile politische Strukturen» ersetzt worden. Die
Instabilität im Nahen Osten, von der letztlich der Iran profitiere,
sei durch die jüngsten Konflikte zwischen Israel und der Hisbollah
im Libanon sowie zwischen Israel und den Palästinensern im
Gazastreifen nur noch verstärkt worden.
Ungeachtet aller Bemühungen der USA, dem Iran entgegenzutreten,
habe Teheran «erfolgreich seine Beziehungen mit den Nachbarn
kultiviert, sogar mit jenen arabischen und und sunnitischen Staaten, die
seinen Einfluss fürchten». Der Iran sehe sich inzwischen
«in Position beachtlicher Stärke».
Im Irak, den Teheran längst als «seinen eigenen
Vorgarten» ansehe, habe «der Iran inzwischen die USA als
einflussreichste Macht abgelöst, was ihm eine Schlüsselrolle
für die Zukunft des Irak verschafft». Zudem sei Teheran im
Atomstreit mit dem Westen mittlerweile davon überzeugt, dass es
sich durchsetzen werde.
(Quelle: dpa)
Lage in Kinshasa entspannt sich nach dreitägigen Unruhen
Do.24.08.06 - Nach drei Tagen blutiger Unruhen hat sich die Lage im Kongo wieder
entspannt. Anhänger der beiden führenden
Präsidentschaftskandidaten patrouillierten am Mittwoch gemeinsam
mit Soldaten der EUFOR-Truppe in den Straßen der Hauptstadt
Kinshasa. Der Waffenstillstand halte bislang, erklärte ein
Sprecher der Vereinten Nationen. Den Zusammenstößen zwischen
Anhängern von Präsident Joseph Kabila und dessen
Herausforderer Jean-Pierre Bemba fielen seit Sonntag mindestens 31
Menschen zum Opfer.
17 Menschen wurden am Dienstag getötet, 14 weitere bereits am
Sonntag und Montag, wie ein Militärsprecher am Mittwoch mitteilte.
Unter den Toten seien acht Polizisten sowie Soldaten und Zivilpersonen.
Bislang war die Zahl der Opfer auf mindestens 17 beziffert worden.
Wie EUFOR-Sprecher Thierry Fusalba mitteilte, waren im Laufe des
Mittwochs insgesamt fünf oder sechs gemeinsame Patrouillen
geplant. Daran nähmen deutsche, spanische, französische und
polnische Soldaten sowie kongolesische Truppen teil.
Der UN-Gesandte William Lacey Swing bemühte sich um Vermittlung
zwischen den rivalisierenden Parteien. Der Diplomat versuche, Kabila
und Bemba zu Friedensgesprächen an einen Tisch zu bringen, teilte
UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Dienstag in New York mit.
UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die beiden Erstplatzierten
bei der Präsidentenwahl vom 30. Juli auf, so schnell wie
möglich zusammenzutreffen, um die Lage zu beruhigen. Kabila und
Bemba treten Ende Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.
Die Lage begann sich am Dienstag zu normalisieren, als die EU ihre
Truppen verstärkte. Am Dienstag wurden 180 Soldaten aus
Deutschland und Irland von Gabun nach Kinshasa verlegt. Zur Sicherung
der Wahl hat die Europäische Union insgesamt 1.000 Soldaten in den
Kongo geschickt. Die Vereinten Nationen verfügen dort über
insgesamt 17.500 Blauhelme.
Am Mittwoch öffneten in der Hauptstadt Geschäfte und die
Menschen trauten sich wieder auf die Straße. Der Malteser
Hilfsdienst warnte unterdessen vor einer Ausbreitung der Pest im Osten
des Landes. «Wir befürchten eine Epidemie großen
Ausmaßes, falls wir nicht sofort die Kranken behandeln, die
Menschen aufklären und den Überträger, den Rattenfloh,
bekämpfen», erklärte die Organisation in Köln.
Die deutsche Bundesregierung rechnete unterdessen trotz der
vorübergehenden Ausschreitungen nicht mit einer Verlängerung
des Kongo-Mandats für die Bundeswehr. Der stellvertretende
Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Mittwoch in Berlin: «Es
gibt keinen Grund etwas an dem Mandat zu verändern.» Dieses
sei «klar und präzise» auf vier Monate begrenzt. Der
stellvertretende Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bernd
Hellstern, äußerte die Erwartung, dass es nicht zu weiteren
Auseinandersetzungen im Verlaufe der Wahlen komme.
Das EUFOR-Mandat, an dem die Bundeswehr mit 780 Soldaten beteiligt ist,
läuft Ende November aus. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes,
Martin Jäger, sagte, man dürfe angesichts der Ausschreitungen
nicht vorschnell von einem Rückschlag für den
Demokratisierungsprozess sprechen. Allerdings habe sich gezeigt, wie
gefährdet dieser Prozess nach wie vor sei.
(Quelle: ap)
Simbabwe kauft weitere Kampfjets aus China
Do.24.08.06 - Trotz einer enormen Inflationsrate investiert Simbabwe weiter in seine
militärische Ausrüstung. Wie die staatliche Zeitung
«Herald» am Mittwoch berichtete, hat die Regierung bei China
erneut sechs Kampfflugzeuge bestellt. Zu den Kosten für die Jets
vom Typ K-8 wollte sich Verteidigungsminister Trust Maposa nicht
äußern. Er räumte aber ein, dass Simbabwe zurzeit mit
den Zahlungen für sechs im vergangenen Jahr georderte Maschinen im
Rückstand sei. Die Regierung in Harare hat 2005 außerdem drei
Passagierflugzeuge von China gekauft. Seit der Landreform von
Präsident Robert Mugabe im Februar 2000 befindet sich die
Volkswirtschaft Simbabwes im freien Fall. Die Enteignung von 5.000
weißen Farmern hat die Landwirtschaft zum Erliegen gebracht und
eine Hungersnot ausgelöst.
(Quelle: ap)
VW droht Gewerkschaften in Brasilien mit Werksschließung
Do.24.08.06 - Mit der Drohung, ein komplettes Werk in Brasilien zu schließen,
will Volkswagen die Zustimmung der Arbeitnehmer zu geplanten
Stellenstreichungen erreichen. Wenn keine Einigung über den
Restrukturierungsplan gefunden werde, sei es möglich, dass die
Fabrik in São Bernardo do Campo nahe der Millionenmetropole
São Paulo geschlossen werden müsse, sagte ein Sprecher von
Volkswagen do Brasil am Dienstag (Ortszeit). "Dieses Risiko ist echt."
VW hatte im Mai angekündigt, knapp 5800 der insgesamt 22.000
Stellen in den fünf Werken in Brasilien zu streichen. Als Grund
nannte der Autobauer gestiegene Lohnkosten und die Aufwertung der
Landeswährung Real.
Das Werk Anchieta in São Bernardo do Campo war 1959 eingeweiht
worden und ist damit das älteste der fünf VW-Fabriken in
Brasilien. Von den momentan rund 12.400 dort Beschäftigten sollen
dem Umstrukturierungsplan zufolge vom kommenden November an bis 2008
schrittweise insgesamt 3600 entlassen werden.
Der Chef der Metallarbeitergewerkschaft, Eleno Bezerra, nannte die
Androhung der Werksschließung "inakzeptabel". Das Unternehmen habe
eine soziale Verpflichtung und müsse zumindest die
Arbeitsplätze garantieren. Die Arbeitnehmer von Anchieta wollen
sich am Samstag versammeln, um über den Umstrukturierungsplan zu
sprechen. Eine Sprecherin von VW do Brasil sagte, die Gewerkschaften
hätten noch bis Ende der Woche Zeit für ihre Stellungnahme.
Die Schließung des Werkes sei noch nicht beschlossen, betonte sie.
Sollte es keine Einigung auf den Umstrukturierungsplan geben,
würden aber auf jeden Fall neben den bislang geplanten 3600 Stellen
weitere 2500 gestrichen, erklärte VW.
Auch in Mexiko steht Volkswagen in einem Konflikt mit den
Beschäftigten. Dort streiken seit Freitag rund 10.000
Beschäftigte im Werk in Puebla für mehr Lohn. Zugleich
protestieren sie gegen die vom Unternehmen gewünschte
Flexibilisierung der Arbeitszeit. Die Verhandlungen sind nach Angaben
des Betriebsratsvorsitzenden José Luis Rodriguez vorerst
ausgesetzt. VW bot eine Gehaltserhöhung von vier Prozent an, die
Arbeiter fordern 8,5 Prozent.
Volkswagen produziert in Mexiko mehrere Marken, vor allem den "Beetle"
für den US- und den europäischen Markt. In Puebla wurden im
vergangenen Jahr insgesamt 301.000 Fahrzeuge zusammengeschraubt, die
Geschäftsführung will die Zahl in diesem Jahr auf 350.000
steigern. Zuletzt hatten die VW-Mitarbeiter in Puebla 2004 gestreikt;
der Ausstand dauerte drei Tage. Im Jahr 2000 hatten die Mitarbeiter
für einen Monat ihre Arbeit niedergelegt, 2001 für 18 Tage.
(Quelle: afp)
Deutschland
Handelskammern fordern Reform der Freistellung von Betriebsräten
Do.24.08.06 - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat Änderungen
für die Freistellung von Betriebsräten gefordert. Lehrlinge
und Teilzeitkräfte sollten künftig nicht mehr wie
Vollzeitbeschäftigte gezählt werden, zitierte die Chemnitzer
«Freie Presse» DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin
Wansleben am Donnerstag. Denn immer mehr Unternehmen beklagten, zwar
die Grenze von 200 Mitarbeitern für die Freistellung eines
Betriebsratsmitglieds erreicht, aber oft weniger als die Hälfte
der Mitarbeiter in Vollzeit angestellt zu haben.
Dennoch müsse ein Betriebsratsmitglied von der Arbeit freigestellt
werden, was nicht zu rechtfertigende Kosten verursache, kritisierte
Wansleben. Der DIHK-Hauptgeschäftsführer appellierte an die
Bundesregierung, entweder den Schwellenwert wieder wie früher auf
300 Mitarbeiter anzuheben, mindestens aber nur die Beschäftigten
auf Vollzeitbasis zu berechnen. Auf jeden Fall sollten die Lehrlinge
nicht mehr mitgezählt werden, um kein unnötiges
Ausbildungshindernis zu schaffen. Es gebe zunehmend Betriebe, die
deswegen auf die Bereitstellung von Lehrstellen verzichteten.
(Quelle: ap)
Kabinett erweitert Anti-Lohndumping-Regelung
Do.24.08.06 - Im Gebäudereinigerhandwerk muss künftig ein Mindestlohn
gezahlt werden. Im Westen sollen künftig mindestens 7,87 Euro pro
Stunde gezahlt werden, im Osten 6,36 Euro. Das Bundeskabinett beschloss
dafür eine entsprechende Ausweitung des
Arbeitnehmer-Entsendegesetzes auf die 850 000 Gebäudereiniger.
Die Einbeziehung weiterer Branchen in das Gesetz, um so einen
Mindestlohn festzulegen, ist nicht geplant. Vielmehr will
Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) im Herbst ein
Gesamtkonzept für den Niedriglohnsektor vorlegen, das dann auch
das Thema Mindestlohn regeln soll.
Wirtschaftsverbände warnten davor, mit der Ausweitung des
Entsendegesetzes gesetzliche Mindestlöhne durch die Hintertür
einzuführen. Mit dem Kabinettsbeschluss wurde eine Vereinbarung im
Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD umgesetzt. IG BAU-Chef Klaus
Wiesehügel sagte: «Ein wichtiger Schritt ist getan, um die
Gebäudereiniger vor Billigkonkurrenz aus dem Ausland zu
schützen.» Bei Verstoß müssten Unternehmer mit
Geldstrafen nicht unter 25 000 Euro rechnen. Der Bundesinnungsverband
des Gebäudereiniger-Handwerks forderte in der Wochenzeitung
«Die Zeit» einen Mindestlohn für alle Branchen.
Das bisher nur für das Bauhandwerk gültige Entsendegesetz
sieht neben der Anti-Lohndumping-Regelung auch andere soziale
Mindeststandards wie Urlaubsgeld vor und muss von in- wie
ausländischen Arbeitgebern eingehalten werden. Inzwischen meldete
auch die Zeitarbeitsbranche Interesse an der Einführung eines
Mindestlohns über das Entsendegesetz an. Nach Angaben des
stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg wies Müntefering
im Kabinett darauf hin, er sei zwar gesprächsbereit, plane aber
keine Ausweitung.
Bisher werden in 18 der 25 EU-Staaten gesetzliche Mindestlöhne
gezahlt. Im Deutschlandradio Kultur deutete Müntefering an, dass
ein landesweit gültiger Mindestlohn kaum umzusetzen sei. Der
Minister will im Herbst Eckpunkte für den Niedriglohnsektor
vorlegen. Unter Leitung von Münteferings Ressort soll eine
«Arbeitsgruppe Arbeitsmarkt» eingerichtet werden, in der
auch Kanzleramt, Finanz- und Wirtschaftsministerium, die
Koalitions-Fraktionen sowie die Unions- und SPD-Länder vertreten
sind. Im September solle es Anhörungen zu Mindestlohn, Kombilohn,
Zuverdienstmöglichkeiten sowie 3. Arbeitsmarkt geben. Am 20.
Oktober sollen die Ministerpräsidenten über die Planung
informiert werden. Bis Anfang November ist die Verabschiedung der
Eckpunkte im Kabinett geplant. Im Januar oder Februar 2007 soll das
Kabinett dann den Gesetzentwurf beschließen.
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der
Nachrichtenagentur dpa: «Die Mindestlohndebatte führt in
eine gefährliche Sackgasse. Wer neue Mindestlöhne über
das Entsendegesetz einführt, schafft eine populistische
Beruhigungspille.» Allerdings müsse das Problem gelöst
werden, dass fast 40 Prozent der Arbeitslosen ohne abgeschlossene
Berufsausbildung seien. Niedrigere Lohnzusatzkosten sowie ein
Niedriglohnsektor aufgestockt um Mittel des ALG II «würden
wirklich eine Perspektive eröffnen». Der Bundesverband des
Deutschen Groß- und Außenhandels sowie der Bundesverband
mittelständische Wirtschaft warnten vor der Einführung
gesetzlicher Mindestlöhne durch die Hintertür.
Mindestlöhne lösten nicht das Problem des Lohndumpings.
FDP-Fraktions-Vize Rainer Brüderle argumentierte ähnlich wie
die Wirtschaft: «Jeder Mindestlohn ist maximaler Unsinn. Liegen
festgelegte Löhne über dem Marktpreis, vernichten sie
Arbeitsplätze, liegen sie darunter, sind sie wirkungslos.»
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte, mit der Einbeziehung der
Gebäudereiniger in das Entsendegesetz gefährde die
Bundesregierung «absichtlich ihr Ziel, mehr
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu schaffen».
Ziel sei nicht länger der Schutz vor billiger Konkurrenz aus dem
Ausland, sondern die Sicherung von Mindesteinkommen im
Niedriglohnsektor.
(Quelle: dpa)
Bundesagentur rechnet mit bis zu neun Milliarden Überschuss
Do.24.08.06 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet dank der
konjunkturellen Erholung in diesem Jahr nach einem Zeitungsbericht
einen Überschuss von acht bis neun Milliarden Euro. Dies werde
BA-Finanzvorstand Raimund Becker an diesem Donnerstag in Nürnberg
bekannt geben, berichtet das «Handelsblatt».
Damit übertreffe der Überschuss alle bisherigen Erwartungen.
Ende Juli hatte die Bundesagentur für das erste Halbjahr 2006
einen Einnahmeüberschuss von 3,8 Milliarden Euro bekannt gegeben.
Dem Bericht zufolge droht damit eine Verschärfung des Konflikts um
die Verwendung der Mittel in der großen Koalition. Nach
Vorstellungen in der Union soll der Beitrag zur
Arbeitslosenversicherung von bisher 6,5 Prozent Anfang 2007 um mehr als
die bisher vereinbarten zwei Prozentpunkte gesenkt werden. «Das
Geld muss direkt an die Versicherten zurückgegeben werden»,
sagte der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der
Unionsfraktion, Michael Fuchs (CDU), der Zeitung. Er hielt es für
möglich, den Arbeitslosenbeitrag anstatt auf 4,5 Prozent auf 4
oder sogar 3,75 Prozent zu senken. Vor allem Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) will dagegen zusätzliche Mittel für den
Bundeshaushalt mobilisieren.
(Quelle: dpa)
CDU-Arbeitnehmerflügel unterstützt Kürzungen bei Hartz IV
Do.24.08.06 - Der Arbeitnehmerflügel der CDU hat Zustimmung zu den Plänen
von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering signalisiert, die
Zuverdienstmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose zu
beschneiden. Der Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmerschaft, Karl-Josef
Laumann, sagte der «Frankfurter Rundschau» man müsse
untersuchen, ob die Leute einen Anreiz hätten, aus dem
Arbeitslosengeld II herauszukommen, oder ob sie einen Anreiz
hätten, drinzubleiben. Der nordrhein-westfälische
Arbeitsminister sprach sich aber für eine differenzierte
Kürzung aus.
Bei Langzeitarbeitslosen, die nur Teilzeitjobs hätten müsse
man «gegebenenfalls Korrekturen vornehmen», betonte
Laumann. Müntefering sagte derselben Zeitung zufolge, er trage die
Unterscheidung zwischen ganztägig und in Teilzeit arbeitenden
Arbeitslosengeld-II-Empfängern mit. Man müsse nachdenken, ob
die Zuverdienstmöglichkeiten für die 600.000 bis 700.000
Empfänger von Arbeitslosengeld II in Teilzeitbeschäftigung so
sinnvoll sei. Ziel von Hartz IV sei es gerade nicht gewesen,
«dass die Leute zu Hause bleiben und sich in der Arbeitslosigkeit
einrichten.»
(Quelle: ap)
Sozialhilfe künftig einheitlich 345 Euro
Do.24.08.06 - Der Regelsatz für die Sozialhilfe soll ab 2007 im gesamten
Bundesgebiet 345 Euro betragen. Das Bundeskabinett nahm am Mittwoch in
Berlin die Erste Verordnung zur Änderung der Regelsatzverordnung
zustimmend zur Kenntnis, wie das Bundesarbeitsministerium mitteilte. Die
Berechnung basiert auf der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2003,
die erstmals gesamtdeutsch ermittelt wurde. Die Länder dürfen
regionale Unterschiede und Besonderheiten berücksichtigen und
deshalb von der rechnerischen Höhe des Regelsatzes abweichen.
Mit der Verordnung wird den Angaben zufolge auch die unterschiedliche
Behandlung von Beziehern des Arbeitslosengeldes II und der Sozialhilfe
grundsätzlich beseitigt. So wird etwa bei der Sozialhilfe die
Höhe der Regelsätze bei zusammenlebenden Ehepaaren und
Lebenspartnern geändert. Bisher erhält der Haushaltsvorstand
100 Prozent des Eckregelsatzes, der Partner 80 Prozent. Künftig
solle jeder wie beim Arbeitslosengeld 90 Prozent erhalten, teilte das
Ministerium mit.
Beim Arbeitslosengeld II gilt bereits seit Juli der Regelsatz von 345
Euro. Die Bundesregierung hatte sich zuvor darauf verständigt, den
Regelsatz im Osten von bis dahin 331 Euro anzuheben.
(Quelle: ddp)
Mutmaßlicher Bombenattentäter offenbar schon früher
auffällig
Do.24.08.06 - Der mutmaßliche Zugbombenattentäter Youssef Mohamad E. H.
ist offenbar schon früher mit radikalen Ansichten aufgefallen. So
habe er anlässlich einer Diskussion um die Mohammed-Karikaturen im
Januar 2006 Gewalt gegen die Urheber der Zeichnungen als legitim
bezeichnet, wie die Wochenzeitung «Die Zeit» unter Berufung
auf ehemalige Mitschüler aus dessen Studienkolleg berichtet.
«Er war total radikal und aggressiv, auch im Auftreten. Auf die
Frage der Lehrerin, ob jemand meine, man dürfe auf diese
Veröffentlichungen mit Terror reagieren, sagte Youssef ganz klar
ja. Gewalt sei gerechtfertigt, wenn der Prophet beleidigt werde»,
zitiert das Blatt den Zeugen.
Die Diskussion sei schließlich in einem Streitgespräch
zwischen Youssef Mohamad E. H. und seiner Mathematik-Lehrerin geendet.
Die Pädagogin habe darauf gepocht, dass sich auch Muslime bei aller
berechtigten Kritik an die staatlichen Gesetze halten müssten.
«Das wollte er aber nicht akzeptieren. Er verstand einfach nicht,
dass in Deutschland Staat und Religion getrennt sind. Er sagte, nein,
für einen Muslim sei es das schlimmste Vergehen überhaupt,
sich ein Bild von Allah zu machen. Dafür verdiene der Täter
Strafe», wird der Zeuge weiter zitiert.
Am 10. Februar 2006 nahm Youssef Mohamad E. H. in Kiel an einer
Demonstration gegen die Mohammed-Karikaturen teil, wie nach
«Zeit»-Recherchen Fernsehaufnahmen des
«Schleswig-Holstein-Magazins» des NDR belegten. Der 21 Jahre
alte Libanese sei darauf direkt neben dem Wortführer des
Demonstrationszuges zu sehen.
Nach dem Streit an seinem Studienkolleg habe Youssef Mohamad E. H.
immer häufiger im Unterricht gefehlt. Im Frühjahr drohte ihm
die Kolleg-Leitung deshalb mit dem Rauswurf, wie Mitschüler
berichteten. «Im Nachhinein», sagte einer der Lehrer,
«habe ich mich schon gefragt, ob der wirklich hier studieren
wollte, oder ob das nicht Tarnung war.»
Das Kieler Studienkolleg bietet Studienanwärter aus dem Ausland
Kurse an, an deren Ende sie die deutsche Hochschulreife erlangt haben.
Youssef Mohamad E. H. war dort seit dem Sommersemester 2005 an dem
Kolleg eingeschrieben. Der 21-Jährige bestand nach Auskunft des
Kieler Kultusministeriums am 7. Juli 2006 eine Sprachprüfung, die
zum Studium an der Fachhochschule berechtigt.
(Quelle: ap)
Moslems klagen über wachsende Feindseligkeit in Deutschland
Do.24.08.06 - Nach den versuchten Kofferbomben-Anschlägen haben sich Vertreter
von Moslems über eine wachsende Feindseligkeit in Deutschland
beklagt. Das Klima habe sich "sehr verschlechtert" und die Signale aus
Politik und Gesellschaft seien "eher besorgniserregend als
hoffnungsvoll", sagte der Generalsekretär des Zentralsrats der
Muslime, Aiman Mazyek, dem "Tagesspiegel". Man werde schief angesehen,
auch Drohmails gingen ein.
Mazyek sieht auch Gefahren für die Integration: Viele Moslems
seien ohnehin eingeschüchtert. Gerade diejenigen, die beruflich gut
dastünden, politisch arbeiteten und in Verbänden mitmachten,
deprimiere "dieses feindselige Klima."
Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, warnte vor einem
"Generalverdacht" gegen Moslems. "Wir sind froh, dass der
mutmaßliche Täter gefasst ist, nicht aber darüber, dass
erneut Hysterie spürbar wird, ein mehr oder weniger offen
vorgebrachter Generalverdacht gegen Muslime", sagte Kizilkaya dem Blatt.
(Quelle: afp)
Schäuble fordert Hilfe der deutschen Muslime im Anti-Terror-Kampf
Do.24.08.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat die Muslime in
Deutschland zu mehr Hilfe im Kampf gegen den Terror aufgefordert.
«Die große Mehrheit der Muslime muss lauter sagen, was sie
denkt - dass sie den Terror ablehnt. Er bedroht ja schließlich
Muslime genauso wie Nicht-Muslime», sagte Schäuble der
Wochenzeitung «Die Zeit». «Wir brauchen die
Kooperation der Verbände beim Kampf gegen Extremisten in den
eigenen Reihen.»
Auch bei den Grünen gibt es das Bestreben, die Muslime beim
Anti-Terror-Kampf stärker in die Pflicht zu nehmen. «Das
Predigen gegen Gewalt und Demokratiefeindlichkeit ist eine Aufgabe auch
der islamischen Organisationen», sagte der
Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker
Beck, der «Netzeitung».
«Respekt gegenüber Andersgläubigen, Achtung der
Glaubensfreiheit und Akzeptanz unserer Rechtsordnung muss stärker
in den Moscheen vermittelt werden», forderte er. Das sei eine
Aufgabe aller demokratisch orientierten Moscheen und islamischen
Verbände. Gleichwohl warnte der Grünen-Politiker vor einem
Generalverdacht gegen alle Muslime. «Die Öffentlichkeit muss
lernen, besser hinzuschauen und zwischen Muslimen und Islamisten
unterscheiden lernen», verlangte er.
(Quelle: ap)
Mobilfunk: Vodafone darf Prepaid-Guthaben nicht verfallen lassen
Do.24.08.06 - Der Mobilfunkanbieter Vodafone darf einem Gerichtsurteil zufolge
Guthaben seiner rund 15 Millionen Prepaid-Kunden nicht verfallen lassen.
Auch die endgültige Sperrung der Prepaid-Karte nach Ablauf
bestimmter Fristen sei unzulässig, entschied das Landgericht
Düsseldorf. Die entsprechenden Klauseln in den Allgemeinen
Geschäftsbedingungen seien unwirksam, weil sie gegen "wesentliche
Grundgedanken des Bürgerlichen Gesetzbuches" beziehungsweise das
Transparenzgebot verstießen. Die Richter gaben damit einer Klage
des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen statt.
Gegen das Urteil kann Vodafone Berufung beim Düsseldorfer
Oberlandesgericht einlegen. Die Richter befanden unter anderem, der
drohende Verfall des Guthabens führe für den Kunden indirekt
zu einer "Mindestumsatzverpflichtung". Die Werbung des Unternehmens lege
jedoch aus Verbrauchersicht genau das Gegenteil nahe. Ausdrücklich
verwies das Gericht in diesem Zusammenhang auf Werbe-Schlagworte wie
"ohne Vertragsbindung", "kein monatlicher Basispreis", "keine
Mindestlaufzeit" sowie "einfach aufladen und abtelefonieren bei voller
Kostenkontrolle".
Angesichts dieser Werbung müsse dem Verbraucher vor
Vertragsabschluss auch die begrenzte Laufzeit und damit die
endgültige Sperrung der Prepaid-Karte nach bestimmten Fristen
verdeutlicht werden, betonten die Richter. Die entsprechenden
vertraglichen Regelungen bei Vodafone seien aber für den Kunden
"unklar beziehungsweise undurchschaubar", was einen Verstoß gegen
das Transparenzgebot darstelle.
(Quelle: afp)