Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Stammeschefs schließen 'Ehrenpakt' zur Eindämmung der
Gewalt. Bei Anschlägen kamen am Wochenende mehr als 40 Menschen ums
Leben. Keine Gefangenen mehr in Abu Ghraib
Mo.28.08.06 - Mehrere hundert einflussreiche Stammesführer im Irak haben einen
«Ehrenpakt» geschlossen, um die anhaltende Gewalt
einzudämmen. In dem am Samstag unterzeichneten Dokument geloben
sie, sich für «die Einheit unseres Landes» einzusetzen.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki erklärte, der Einfluss der
Stammesführer könne eine Schlüsselrolle im Kampf gegen
Aufständische spielen. Praktisch täglich kommt es im Irak zu
Anschlägen und Angriffen, die seit dem Amtsantritt von Al-Malikis
Regierung im Mai rund 10.000 Iraker das Leben gekostet haben.
Vor allem bei der ländlichen Bevölkerung, wo Clan-Beziehungen
eine große Rolle spielen, genießen die Stammesführer
ein hohes Ansehen. Ihr Pakt soll Al-Malikis Plan zu einer nationalen
Versöhnung unterstützen. Er sieht unter anderem eine
Entwaffnung der vor allem von schiitischen Kämpfern gestellten
Milizen und eine Amnestie für die mehrheitlich sunnitischen
Aufständischen vor, sofern sie keine Terroranschläge
verübt haben. Außerdem sollen Familien finanziell
entschädigt werden, deren Mitglieder von amerikanischen oder
irakischen Soldaten getötet wurden.
Die Gewalt im Irak kostete am Wochenende erneut mehr als 40 Menschen
das Leben. Bei drei Anschlägen starben am Sonntag mindestens 15
Personen, Dutzende weitere wurden verletzt. Vor dem Palestine-Hotel in
der Innenstadt von Bagdad riss eine in einem Fahrzeug versteckte Bombe
mindestens sechs Menschen in den Tod, wie die Polizei und Augenzeugen
mitteilten. Bei einem Bombenanschlag auf ein Redaktionsgebäude in
der Hauptstadt kamen mindestens drei Menschen ums Leben, 30 weitere
wurden nach Polizeiangaben verletzt. Mindestens 25 Wagen gerieten in
Brand, als der in einem Auto versteckte Sprengsatz explodierte. Auch das
Redaktionsgebäude der regierungsnahen Zeitung «Al
Sabah» in einem schiitischen Stadtteil Bagdads wurde schwer
beschädigt. In Al Chalis nahe Bakuba starben bei der Explosion
einer Bombe mindestens sechs Menschen, wie die Polizei mitteilte.
Am Samstag wurden landesweit mindestens 26 Menschen getötet,
darunter eine Dolmetscherin des britischen Konsulats in Basra.
Während eines Fußballspiels in Bakuba nördlich von
Bagdad wurden vier Menschen bei der Explosion einer Bombe auf dem
Spielfeld getötet, 20 weitere wurden laut Polizei verletzt. Im
Westen von Bagdad erschossen bewaffnete Männer den schiitischen
Inhaber einer Bäckerei sowie einen Polizisten.
Die berüchtigte Haftanstalt Abu Ghraib, die zum Synonym für
die Misshandlung irakischer Gefangener durch die US-Truppen wurde,
steht leer. «Es gibt dort keinen einzigen Gefangenen mehr»,
sagte der stellvertretende irakische Justizminister Buscho Ibrahim am
Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Die Anlage sei den irakischen
Behörden übergeben worden. Seit dem 15. August stehe sie leer.
Die US-Streitkräfte hatten zwar mitgeteilt, dass eine Verlegung
der fast 3.000 Gefangenen geplant war, zum zeitlichen Rahmen machten
sie aber keine Angaben. Durch die Verlegung würden sich die
Bedingungen für die Wachleute und die Gefangenen verbessern,
erklärte Oberstleutnant Keir-Kevin Curry. Ibrahim erklärte,
die USA würden auch eine weitere Haftanstalt, Fort Suse im Norden
von Sulaimanija, räumen und am 22. September den irakischen
Behörden übergeben. Die Anstalt werde dann von den Irakern
als Gefängnis genutzt werden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 28.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.28.08.05 - US-General Myers besorgt über schwindenden Rückhalt für
Irak-Krieg +++ Verhandlungen der Volksgruppen über neue Verfassung
gescheitert +++ Angeblich 20 Tote bei US-Luftangriffen auf irakische Stadt
Kaim +++ Anschlag auf Ölpipeline bei Bagdad +++ US-Armee lässt
tausend Gefangene aus Abu Ghraib frei +++ Kriegsgegner und
Bush-Anhänger demonstrieren nahe der Ranch des US-Präsidenten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Drei Nato-Soldaten bei Anschlägen in Afghanistan getötet
Mo.28.08.06 - In Afghanistan sind am Wochenende erneut drei Nato-Soldaten
getötet worden.
In der östlichen Provinz Laghman wurden zwei französische
Militärs getötet und zwei weitere verletzt. Die Männer
seien auf einer Kontrollfahrt gewesen, als ihr Wagen angegriffen wurde,
erklärte das französische Verteidigungsministerium. Ein
britischer Soldat kam in der südlichen Provinz Helmand bei
Zusammenstößen mit Aufständischen ums Leben.
Extremisten der radikal-islamischen Taliban kämpfen seit Jahren
gegen die Neuordnung Afghanistans, die von der Nato abgesichert wird.
Seit Anfang des Jahres haben die Extremisten ihre Anschläge
deutlich verstärkt und eine neue Welle der Gewalt ausgelöst.
Etwa 2000 Menschen, darunter mehr als 90 ausländische und
zahlreiche afghanische Soldaten, kamen in diesem Jahr ums Leben, vor
allem im Osten und Süden. Die Nato hat ihren Friedenseinsatz
jüngst auch auf den Süden des Landes ausgedehnt, einer
Hochburg der Taliban. Die Bundeswehr hat die Verantwortung für den
Norden übernommen, der bislang als weitgehend sicher gilt.
(Quelle: rtr)
Bundeswehr könnte bald im unruhigen Südafghanistan eingesetzt
werden
Mo.28.08.06 - Die Bundeswehr könnte nach Überlegungen der Internationalen
Schutztruppe ISAF schon demnächst im unruhigen Süden
Afghanistans eingesetzt werden. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa
im Hauptquartier der NATO-geführten ISAF in Kabul.
Bundeswehr-Soldaten könnten dabei auch in die andauernden
Kämpfe mit radikal-islamischen Taliban- Rebellen im Süden
verwickelt werden, hieß es. Möglicherweise werde die
ISAF-Führung über einen Einsatz vor der im Oktober
anstehenden Verlängerung des Afghanistan-Mandats durch den
Bundestag entscheiden.
(Quelle: dpa)
Unruhen nach Tötung von Rebellen-Führer in Pakistan
Mo.28.08.06 - Die Tötung eines der meistgesuchten Rebellenführer in der
pakistanischen Provinz Belutschistan hat Unruhen in der Region
ausgelöst. Nawab Akbar Khan Bugti (82) war am Samstag bei einer
groß angelegten Militäroperation mit zahlreichen seiner
Anhänger getötet worden. Über die Provinzhauptstadt
Quetta wurde anschließend eine Ausgangssperre verhängt.
Sicherheitskräfte selbst in den Großstädten Islamabad
und Karatschi wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
In Quetta wurden 20 Busse in Brand gesetzt und Regierungsgebäude
angegriffen. Demonstranten blockierten die Hauptverbindungsstraße
zwischen Quetta und Karatschi.
Bugti führte eine Separatistenbewegung in der öl- und
gasreichen Provinz Belutschistan, die an Afghanistan und den Iran
grenzt. Bei der Militäroperation hatten Soldaten eine Höhle
angegriffen, in der sich Bugti und seine Kämpfer verschanzt hatten.
Bei den Kämpfen stürzte das Dach der Höhle ein. Bugti
und rund 60 seiner Mitstreiter kamen laut lokalen Medienberichten ums
Leben. Auch 25 Regierungssoldaten sollen getötet worden sein. Die
Behörden bestätigten den Tod von vier Offizieren.
Die Rebellen in der dünn besiedelten Provinz, die reich an
Bodenschätzen ist, kämpfen für mehr Autonomie und einen
größeren Anteil an den Gewinnen aus der Öl- und
Gasförderung. Dabei verüben sie auch immer wieder
Anschläge auf Pipelines und Förderanlagen. Die jüngste
Gewaltwelle war im Januar vergangen Jahres losgebrochen, nachdem eine
Ärztin im Heimatort Bugtis angeblich von Sicherheitskräften
vergewaltigt worden war. Bugti hatte bereits in den 70er Jahren seine
Rebellenorganisation aufgebaut.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Hisbollah will keinen Widerstand gegen UNIFIL leisten. Italienischer
Außenminister D'Alema: UN-Truppe nicht zur Vernichtung der
Hisbollah da. Nasrallah bedauert Entführung israelischer
Soldaten - Ruft Israel zu Gefangenenaustausch auf. Zwei
Palästinenser bei israelischen Angriffen im Gazastreifen
getötet. Israelische Rakete trifft Wagen von
Reuters-Korrespondenten. Im Gazastreifen entführte Fox-Journalisten
wieder frei
Mo.28.08.06 - Vor dem Besuch von UN-Generalsekretär Kofi Annan in Beirut hat
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah den Vereinten Nationen zugesichert,
keinen Widerstand gegen die Stationierung der erweiterten
Friedenstruppe UNIFIL zu leisten. Bedingung sei allerdings, dass die
UN-Soldaten auf eine Entwaffnung der Hisbollah-Milizionäre
verzichten, sagte Nasrallah am Sonntagabend in einem Interview mit dem
libanesischen Fernsehen. "Wir haben kein Problem mit der UNIFIL,
solange ihre Mission nicht die Entwaffnung der Hisbollah ist."
Die neue UN-Truppe für den Südlibanon hat nach den Worten von
Italiens Außenminister Massimo D'Alema nicht die Aufgabe, die
radikale Hisbollah zu vernichten.
Die schiitische Organisation sei "ein wichtiger Teil der libanesischen
Gesellschaft", sagte D'Alema in einem am Samstag veröffentlichten
Interview des Magazins "Time". "Wir hoffen, dass sich die Hisbollah in
eine rechtmäßige politische Bewegung wandelt." Sollte sie
jedoch die Feindseligkeiten wieder aufnehmen, wisse die Gruppe die
internationale Gemeinschaft gegen sich. Aufgabe der UN-Truppe sei die
Stärkung der Demokratie und der Regierung im Libanon, sagte D'Alema.
Die Europäische Union (EU) hat angeboten, mehr als die Hälfte
der geplanten 15.000 Soldaten für den Libanon zu stellen. Italien
ist zur Entsendung von bis zu 3000 Soldaten bereit. Sie sollen die
brüchige Waffenruhe nach dem Ende des Libanon-Krieges zwischen
Israel und der Hisbollah-Miliz sichern. Deutschland hat angeboten, bei
der Seekontrolle eine Rolle zu spielen.
Der Führer der radikalislamischen Hisbollah im Libanon, Hassan
Nasrallah, erklärte, er hätte den Befehl zur Entführung
der beiden israelischen Soldaten im Juli nicht gegeben, wenn er das
Ausmaß des folgenden Kriegs geahnt hätte. Niemand habe damit
gerechnet, dass die Gefangennahme der Soldaten zu einem "Krieg zu
dieser Zeit und in diesem Ausmaß" führen könnte, sagte
Nasrallah am Sonntag dem libanesischen Sender News.
Nasrallah rief Israel zu einem Gefangenenaustausch auf. Um die
Freilassung von zwei entführten israelischen Soldaten zu
ermöglichen, solle Israel libanesische Gefangene freilassen, so
Nasrallah. Ägyptischen Medienberichten zufolge soll mit deutscher
Vermittlung spätestens in drei Wochen der Gefangenenaustausch
zustande kommen.
Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind zwei
Palästinenser getötet worden. Die Hamas erklärte, am
Sonntagmorgen sei eines ihrer Mitglieder ums Leben gekommen. Zuvor war
bereits ein Hamas-Kämpfer bei einem anderen Angriff nach Angaben
eines Krankenhauses getötet worden.
Israelische Flugzeuge schossen am frühen Sonntagmorgen zwei
Raketen auf ein Fahrzeug der Nachrichtenagentur Reuters ab. Dabei
erlitten nach Angaben von palästinensischen Augenzeugen und
Krankenhausmitarbeitern fünf Menschen leichte Verletzungen,
darunter zwei Kameramänner. Die israelischen Streitkräfte
erklärten, sie hätten nicht gewusst, dass Journalisten in dem
Wagen gesessen hätten. Das Fahrzeug habe sich auf verdächtige
Art und Weise in einem Kampfgebiet israelischen Truppen genähert.
Nach zwei Wochen in der Gewalt von Entführern im Gazastreifen sind
zwei entführte Journalisten des US-Fernsehsenders Fox News wieder
frei. Sie wurden am Sonntag kurz nach Mittag von palästinensischen
Sicherheitsbeamten in ein Hotel in der Stadt Gaza gebracht. Bei den
Entführten handelte es sich um den amerikanischen Korrespondenten
Steve Centanni und den neuseeländischen Kameramann Olaf Wiig. Die
beiden Journalisten waren am 14. August in Gaza von Bewaffneten aus
ihrem Übertragungswagen entführt worden.
Ob für ihre Freilassung Geld gezahlt wurde oder Bedingungen
erfüllt wurden, war zunächst nicht bekannt. Der
60-jährige Centanni berichtete Fox News in einem Telefonat, er sei
während seiner Gefangenschaft zum Teil in einer dunklen Garage
festgehalten worden und in schmerzhafter Haltung gefesselt gewesen. Er
und der 36-jährige Wiig seien mit vorgehaltener Waffe gezwungen
worden, Erklärungen abzugeben, unter anderem die, dass sie zum
Islam übergetreten seien.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija sagte,
die Entführer hätten keine Verbindungen zum Terrornetzwerk Al
Kaida oder einer anderen Organisation gehabt. Zu der Tat hatten sich die
bislang unbekannten Heiligen-Dschihad-Brigaden bekannt. Aus
palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete am Sonntag aber, es
habe sich um örtliche Extremisten gehandelt, und den Behörden
sei die Identität der Entführer von Anfang an bekannt
gewesen. Die palästinensische Autonomiebehörde hat dagegen
erklärt, ihr sei die Identität der Entführer nicht
bekannt. Die militante Gruppierung Volkswiderstandskomitees
erklärte am Sonntag, sie habe die Freilassung vermittelt.
(Quelle: ap, afp, dpa, sz)
Deutsche Linksfraktion kritisiert Bundeswehr-Kampfeinsatz in Nahost
Bundeskanzlerin der Lüge bezichtigt
Mo.28.08.06 - In Deutschland hat die Linksfraktion den geplanten Bundeswehr-Einsatz
in Nahost scharf kritisiert und Bundeskanzlerin Angela Merkel der
Lüge bezichtigt. Mit Blick auf die Äußerung von
Verteidigungsminister Franz Josef Jung, man könne von einem
Kampfeinsatz sprechen, erklärte der Abgeordnete der Linksfraktion,
Wolfgang Gehrcke, am Sonntag in Berlin: «Damit überschreitet
die Bundesregierung die rote Linie, die bisher gegolten hat. Nun ist
auch klar, dass die Bundesregierung und namentlich die Bundeskanzlerin
Parlament und Öffentlichkeit belogen haben, als sie in ihren
bisherigen Informationen einen Kampfeinsatz ausgeschlossen
hatten.»
Gehrcke monierte, der Einsatz der deutschen Marine zur seeseitigen
Überwachung der Grenze des Libanon sei weder von Libanon
angefordert noch mit der libanesischen Regierung abgestimmt. «Man
handelt also über den Kopf des betroffenen Landes hinweg, dessen
volle Souveränität, so sagt es die UN-Resolution 1701, gerade
gestärkt werden soll.» Mit dem geplanten Kampfeinsatz setze
Deutschland praktisch alle politischen Möglichkeiten aufs Spiel,
sich für eine Friedenslösung im Nahen Osten einzusetzen.
Seine Fraktion werde im Bundestag darum kämpfen, «dass
dieser Einsatz keine Mehrheit erhält», erklärte er.
Stattdessen schlug er vor, deutsche Initiativen für eine
politische Lösung des Nahostkonfliktes zu ergreifen,
beispielsweise eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im
Nahen Osten, die in Berlin stattfinden könnte.
(Quelle: ap)
Mindestens 22 Tote bei neuem Flüchtlingsdrama im Atlantik
Mo.28.08.06 - Bei dem Untergang zweier Flüchtlingsboote vor der
westafrikanischen Küste sind mindestens 22 Menschen ertrunken. Die
Opfer hatten versucht, von Mauretanien und Senegal aus die Kanarischen
Inseln zu erreichen, meldet der spanische Rundfunk unter Berufung auf
örtliche Behörden. Es sei zu befürchten, dass die Zahl
der Toten weitaus höher sei, da diese Boote oftmals bis zu 100
Menschen an Bord hätten. Hilfsorganisationen zufolge sind dieses
Jahr bereits mehrere Hundert Menschen bei der Überfahrt gestorben.
(Quelle: dpa)
Ein Drittel Chinas leidet unter saurem Regen
Mo.28.08.06 - Ein Drittel der Fläche Chinas ist nach einem offiziellen Bericht
von saurem Regen betroffen. Die Fabriken des Landes stießen im
vergangenen Jahr 25,5 Millionen Tonnen Schwefeldioxid aus, erklärte
Sheng Huaren, der stellvertretende Vorsitzende eines
Parlamentsausschusses, nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur
Xinhua vom Sonntag. Das sei ein Anstieg von 27 Prozent gegenüber
dem Jahr 2000 und stelle eine ernste Bedrohung für die Böden
und die Lebensmittelsicherheit dar, hieß es.
Im Nordwesten des Landes verunreinigten erneut Chemikalien das
Trinkwasser für eine Großstadt. Ein Tankwagen mit 25 Tonnen
Natronlauge stürzte in einen Fluss oberhalb eines Wasserreservoirs
für die Stadt Hancheng. Rettungskräfte errichteten einen Damm,
um die Natronlauge zurückzuhalten und versuchten, sie mit zehn
Tonnen einer anderen Chemikalie zu binden.
Ein Sprecher der Stadtverwaltung teilte am Sonntag mit, die
Wasserqualität habe sich nach dem Unfall am Freitag wieder
normalisiert. Die Einschränkungen für rund 100.000 Einwohner
der Stadt seien aufgehoben worden. In China gelangen immer wieder
Chemikalien in Flüsse, Kanäle und Seen. Im vergangenen
November war nach einem Chemieunfall am Fluss Songhua die
Wasserversorgung von mehreren Millionen Menschen in China und Russland
gefährdet.
(Quelle: ap)
Mexiko: Linksgerichteter Kandidat gewinnt Wahl in Chiapas
Mo.28.08.06 - Die Gouverneurswahl im mexikanischen Bundesland Chiapas hat der
Kandidat der linksgerichteten Partei der Demokratischen Revolution
(PRD) gewonnen. Juan Sabines hatte am Ende 6.300 Stimmen mehr als der
zentristische PRI-Politiker José Antonio Aguilar, wie die
Wahlkommission am Sonntag mitteilte. Die Partei der
Institutionalisierten Revolution (PRI), die in Mexiko von 1929 bis 2000
den Präsidenten gestellt hatte, kündigte danach an, das
Ergebnis anfechten zu wollen.
Aguilar wurde auch von der rechtsliberalen Partei der Nationalen Aktion
(PAN) von Staatspräsident Vicente Fox unterstützt, die sich
in Mexiko-Stadt im Machtkampf mit der PRD befindet. Dort prüfen
zurzeit sieben Richter eines Bundesgerichts die teilweise
Nachzählung der umstrittenen Präsidentenwahl vom 2. Juli. Das
Gericht hat bis zum 6. September Zeit, um entweder einen neu
gewählten Präsidenten auszurufen oder die Wahl zu
annullieren. Nach dem bisherigen Ergebnis hat PAN-Kandidat Felipe
Calderón einen Vorsprung von 240.000 Stimmen vor Andrés
Manuel López Obrador von der PRD.
(Quelle: ap)
21 Verletzte bei Bombeneanschlag in türkischem Urlaubsort
Mo.28.08.06 - Bei einer Explosion in einem Minibus im türkischen Badeort
Marmaris sind in der Nacht zum Montag laut Polizei 21 Menschen verletzt
worden. Dabei handele es sich um zehn britische Urlauber und elf
Türken. Die Bombe war unter einem Sitz versteckt, wie die
Nachrichtenagentur Dogan unter Berufung auf den zuständigen
Gouverneur Cemalettin Özdemir meldete. Zeitgleich gab es zwei
weitere Explosionen an der Hauptvergnügungsstraße des
Mittelmeerortes, an der sich zahlreiche Bars, Clubs, Cafés und
Restaurants befinden. Dabei gab es aber offenbar keine Verletzten.
Die Polizei verschärfte sofort die Sicherheitsvorkehrung in der
Region. Außerhalb der Stadt wurden mehrere
Straßenkontrollstellen errichtet.
Ein Verletzter habe schwere Wunden davongetragen, aber keine der
Verletzungen sei lebensgefährlich, meldete die amtliche
Nachrichtenagentur Anatolia unter Berufung auf die Behörden. Neun
Verletzte hätten nach einer kurzen Behandlung wieder aus dem
Krankenhaus entlassen werden können.
Zunächst bekannte sich niemand zu den Explosionen. In der
Vergangenheit richteten sich immer wieder Anschläge kurdischer
Extremisten gegen Ziele in türkischen Urlaubsorten. Im vergangenen
Jahr jagten die Extremisten einen Minibus im Touristenzentrum Kusadasi
in die Luft und töteten dabei fünf Menschen; 13 weitere
wurden verletzt.
Wenige Stunden vor dem Anschlag in Marmaris waren bei einem
Bombenanschlag mutmaßlicher kurdischer Extremisten in Istanbul
sechs Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz explodierte in der
Nähe des Gouverneursbüros im Bezirk Bagcilar, wie die
türkische Polizei mitteilte. Einer der Verletzten befand sich in
kritischem Zustand.
(Quelle: ap)
Deutschland
CDU-Richtungsstreit hält an
Mo.28.08.06 - Der Streit um den Kurs der CDU dauert an. Parteivize Jürgen
Rüttgers bekräftigte am Wochenende seine Kritik an der
Ausrichtung der Christdemokraten. Es gehe darum, dass die CDU «nah
bei den Menschen bleibt und ist und dass sie auch die Wirklichkeit zur
Grundlage ihrer Politik macht». Mehrere christdemokratische
Ministerpräsidenten griffen Rüttgers wegen seiner Forderung
nach einer sozialeren Ausrichtung scharf an. Die CSU will sich derweil
mit ihrem neuen Grundsatzprogramm verstärkt von der
Schwesterpartei abgrenzen.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger
(CDU) warf Rüttgers vor, er stoße sich «an den eigenen
Parteibeschlüssen» des Leipziger Parteitages von 2003, wo die
CDU die Gesundheitsprämie und ein radikales Steuermodell
beschlossen hatte. Die CDU habe in der Vergangenheit «zu stark
Werte wie Gerechtigkeit und Solidarität betont».
«Rüttgers ist nicht das soziale Gewissen der CDU»,
kritisierte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU). Und
Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) forderte seinen
nordrhein-westfälischen Amtskollegen auf, die Kritik klarer zu
fassen. Rüttgers habe zwar tatsächliche Probleme beschrieben,
er müsse aber auch Lösungen aufzeigen.
Derweil schrieb CSU-Generalsekretär Markus Söder laut
«Spiegel» an die Grundsatzkommission seiner Partei:
«Eine stärkere Ausrichtung nach links vor allem in der
Gesellschaftspolitik kommt für die CSU nicht in Frage.» Eine
«Sozialdemokratisierung unserer Politik» werde es nicht
geben. Die CSU fürchtet dem Bericht zufolge, dass durch den
liberalen Kurs von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, der von
CDU-Chefin Angela Merkel unterstützt wird, bürgerliche
Wähler verschreckt werden könnten, ohne dass neue Wähler
aus dem SPD-Lager dazukommen. «40 Prozent und mehr holt man nicht
durch imaginäre neue Wählergruppen», wird Söder
zitiert.
Altbundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) riet Merkel
unterdessen, mehr Distanz zu den Ministerpräsidenten zu halten.
Diese hätten sie darin unterstützt, Bundeskanzlerin zu werden.
«Aber daraus darf keine Abhängigkeit werden», mahnte
er. Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) versicherte
derweil, die CDU-Ministerpräsidenten stünden
»loyal« zu Merkel. Er nahm Merkel gegen den Vorwurf
mangelnder Führungsstärke in Schutz. «Die Bürger
wollen Führung, mutiges Voranschreiten, aber für einen
weiteren ´Basta´-Kanzler besteht kein Bedarf.»
Die Kanzlerin erhielt von ihm auch Rückendeckung für ihr
Festhalten am Parteivorsitz. Wulff sagte: «Ich erlebe sie in
beiden Ämtern stets als belastbar und als ansprechbar.
Rüttgers bezeichnete einen Verzicht Merkels auf den Parteivorsitz
als «abwegig». Die Geschichte zeige, dass jeder Kanzler gut
beraten sei, gleichzeitig auch Parteichef zu sein.
(Quelle: ddp)
SPD geschlossen gegen weitere Senkung des Arbeitslosenbeitrags
Mo.28.08.06 - Spitzenpolitiker der SPD haben sich trotz des unerwartet hohen
Überschusses der Bundesagentur für Arbeit (BA) gegen weitere
Beitragssenkungen, wie die Union sie fordert ausgesprochen.
An den Koalitionspartner CDU gerichtet warnte SPD-Chef Kurt Beck am
Sonntag im ZDF davor, Geld auszugeben, das noch gar nicht vorhanden sei.
Es gebe nur eine Prognose über die Einnahmen der BA. Wie viel
tatsächlich zur Verfügung stehe, wisse die Politik derzeit
noch nicht. Ebenso wie Arbeitsminister Franz Müntefering verwies
Beck auf die vielen Einmaleffekte, die die Bilanz der Bundesagentur im
laufenden Jahr prägen. So wies er darauf hin, dass durch die
Umstellung im Zahlungsmodus 13 statt zwölf Beiträge von den
Arbeitgebern überwiesen sei. "Das wird nicht wiederkommen", sagte
Beck.
Auch Müntefering mahnte erneut zur Vorsicht. In der ARD sagte er,
keiner wisse derzeit, ob sich die Einnahmesituation der BA auch 2007 so
gut darstellen werde. Beitragssenkungen müssten aber nachhaltig
finanziert sein. Ähnlich äußerte sich Finanzminister
Peer Steinbrück. "Wollen wir nachhaltigen Ausgabenwünschen
nachgeben, dann müsste auf der Einnahmenseite ein entsprechender
Nachhaltigkeitsüberschuss vorhanden sein", sagte der Finanzminister
der "Welt am Sonntag". Dies sei bei der BA aber im Augenblick nicht
erkennbar, da deren Überschuss im Wesentlichen durch Einmaleffekte
verursacht werde.
Sowohl Beck als auch Müntefering zeigten sich offen für eine
Senkung des Beitrags, falls sich die gute Einnahmesituation der BA als
dauerhaft erweisen sollte.
Die BA rechnet für 2006 mit einem Überschuss von bis zu 9,6
Milliarden Euro. Die große Koalition will den Beitrag zur
Arbeitslosenversicherung um zwei Punkte auf 4,5 Prozent senken. Dazu
werden rund 6,5 Milliarden Euro aus der Mehrwertsteuererhöhung
verwendet. Den Rest der zur Absenkungen notwendigen 14,5 Milliarden Euro
muss die BA erbringen.
(Quelle: rtr)
Ver.di verlangt gesetzlichen Mindestlohn
Mo.28.08.06 - Die Gewerkschaft ver.di fordert von der Regierung die Einführung
eines gesetzlichen Mindestlohns. «Notorische Neinsager haben nicht
die Unterstützung ihrer Wähler», sagte
Gewerkschaftschef Frank Bsirske am Sonntag. Er verwies auf Umfragen,
wonach 60 Prozent der Bürger einen gesetzlichen Mindestlohn
befürworten. Die SPD will indes das Entsendegesetz ausweiten und so
tarifliche Mindestlöhne auch in anderen Branchen durchsetzen,
ähnlich wie am Bau und im zuletzt Gebäudereiniger-Handwerk.
Ver.di schlägt seit längerem 7,50 Euro Stundenlohn als
allgemeine Lohn-Untergrenze vor. Bsirkse erklärte: «Die
Bevölkerung will, dass die Lohnspirale nach unten gestoppt wird.
Daran hängen auch unsere Renten und Sozialsysteme.» Ein
Mindestlohn sei notwendig, «damit man überhaupt noch von
einer sozialen Marktwirtschaft in unserem Land sprechen kann»,
meinte er.
Die vom Bundeskabinett beschlossene Ausweitung des Entsendegesetzes auf
die Gebäudereinigung sei «gut, aber nur ein erster
Schritt», erklärte Bsirske. Es müsse «Schluss sein
mit Löhnen, von denen keiner leben und erst recht keine Familie
ernähren kann».
Der SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische
Ministerpräsident Kurt Beck skizzierte hingegen einen anderen Weg:
«Wir werden im Herbst mit unserem Koalitionspartner darüber
beraten, weitere Branchen in die so genannte Entsenderichtlinie
einzubeziehen, um eine Absicherung der Löhne nach unten
hinzubekommen», sagt er Zeitschrift «Super Illu».
Dabei müssten die Mindestlöhne höher sein als staatliche
Unterstützungsleistungen. «Der Grundsatz muss lauten: Wer
Vollzeit arbeitet, muss davon auch leben können», betonte
Beck.
«Parallel dazu sollten wir überlegen, in bestimmten
Bereichen mittels staatlicher Unterstützung Beschäftigung zu
fördern, die sonst nicht möglich wäre», sagt der
SPD-Vorsitzende weiter. «Ich denke da an die Landwirtschaft oder
die nicht-fachliche Pflege und Betreuung von alten, kranken und
behinderten Menschen in privaten Haushalten.» Dabei müsse
jedoch vermieden werden, «Tätigkeiten, die jetzt schon
regulär auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden, auf Kosten der
Steuerzahler zu subventionieren», meinte Beck.
Spekulationen, wonach die große Koalition im Herbst eine
«Generalrevision» des so genannten Hartz-IV-Gesetzes plant,
wies Beck in dem Interview zurück. «Es wird keine
Generalrevision geben. Ich glaube, dass die Ausgangsleistungen beim
Arbeitslosengeld II nicht weiter abgesenkt werden können, weil wir
da schon an den Grenzen dessen sind, was für ein
menschenwürdiges Leben nötig ist», meinte Beck. Es gehe
im Herbst nicht darum, den Menschen Geld wegzunehmen oder das Leben
schwerer zu machen, sondern darum, die bürokratischen Strukturen zu
verbessern, damit die Vermittlung in Arbeit noch stärker in den
Mittelpunkt rücken könne.
Zur Verhütung von Lohndumping und unfairem Wettbewerb hatte die
Bundesregierung am Mittwoch das am Bau geltende
Arbeitnehmer-Entsendegesetz auf das Gebäudereiniger-Handwerk
ausgedehnt. Damit kann die Branche ihren aktuellen Tarif-Mindestlohn von
6,36 Euro in Ostdeutschland und 7,87 Euro im Westen auch
ausländischen Firmen vorschreiben. Der Bundesinnungsverband der
rund 850.000 Gebäudereiniger in Deutschland hatte den Beschluss
begrüßt und zugleich mittelfristig die Einführung eines
gesetzlichen Mindestlohnes für alle Branchen verlangt.
(Quelle: ap)
Verkehrsminister Tiefensee: Hartz-IV-Empfänger als Patrouille im
Nahverkehr
Mo.28.08.06 - Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat dafür
plädiert, Hartz-IV-Empfänger als unbewaffnete Patrouillen im
öffentlichen Nahverkehr einzusetzen. Bei Verkehrsexperten und
Oppositionspolitikern erntete der Minister Kritik und Spott für
seine als «Denkanstoß» bezeichnete Idee.
«Wir suchen immer nach Möglichkeiten für
gemeinnützige Arbeiten, die Empfänger staatlicher
Unterstützung leisten können. Warum soll es nicht Leute
geben, die in Bussen oder Straßenbahnen nach dem Rechten
sehen», sagte Tiefensee dem Magazin «Focus» und
fügte hinzu: «Das würde kaum zusätzliche
Anzeige
Kosten verursachen, aber die Sicherheit und den Service
erhöhen.»
Eine Ministeriumssprecherin ergänzte am Sonntag: «In der
aktuellen Sicherheitsdiskussion werden viele Detailmaßnahmen
geprüft werden. Eines von einer Vielzahl von Elementen könnte
die Präsenz von Begleitpersonen in Bussen und Straßenbahnen
sein.» Nun müsse «untersucht werden, ob diese
Möglichkeit tauglich sein könnte».
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kritisiert den Tiefensee-Vorschlag
als «populistischen Quatsch». Er sagte der Berliner
Tageszeitung «B.Z.» (Montag): «Die Leute sind
dafür nicht ausgebildet und werden sich und andere dabei eher
selbst gefährden. Ich kann mir da nur Ausnahmefälle
vorstellen, wenn Hartz-IV-Empfänger eine Qualifikation dazu aus
ihrem Beruf schon mitbringen.»
Die stellvertretende Linkspartei-Fraktionsvorsitzende Petra Pau nannte
die Idee in der «Mitteldeutschen Zeitung» (Montag) absurd.
Sie sagte ironisch: «Jetzt habe ich endlich den Vorstoß von
CSU- Generalsekretär Markus Söder verstanden, dass
Hartz-IV-Empfänger keinen Urlaub mehr machen dürfen. Da
schließt sich jetzt der Kreis. Wenn Herr Tiefensee die
Hartz-IV-Empfänger mit den Zügen auf Reisen schicken will,
dann sollen sie sich so die Welt ansehen.»
«Das macht wenig Sinn», sagte Friedhelm Bihn, Sprecher des
Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der
«tageszeitung» (Montag). «Personelle Präsenz
erhöht das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste. Aber wenn
Service- und Sicherheitskräfte patrouillieren, müssen sie
entsprechend ausgebildet sein.» Auch der Sprecher des
Fahrgastverbandes Pro Bahn, Hartmut Buyken, sagte der
«taz»: «Man kann nicht irgendeinen
Hartz-IV-Empfänger nehmen, der nicht trainiert ist. Das
müssen vollwertige Zugbegleiter sein.»
(Quelle: dpa)
Lauterbach: Privatversicherungen sind Gewinner der Gesundheitsreform
Mo.28.08.06 - Der SPD-Politiker Karl Lauterbach sieht die Privatversicherungen als
Gewinner der Gesundheitsreform. Sie würden mit dem Vorhaben enorm
gestärkt, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Berliner
«Tagesspiegel» laut Vorabmeldung. Die Verlierer seien die
Krankenkassen. Ihren Mitgliedern drohten Beitragserhöhungen und
Zusatzpauschalen.
Lauterbach erwartet nach eigenen Worten eine Massenabwanderung
freiwillig versicherter Kassenmitglieder, wenn man privat Versicherten
den Versicherungswechsel oder die Rückkehr ins gesetzliche System
erleichtere. So sei damit zu rechnen, dass sich jeder dritte
Bürger privat versichere. Bisher ist es nur jeder Zehnte. Ein
weiteres Drittel könne sich private Zusatzversicherungen leisten,
das letzte Drittel müsse mit dem Basistarif klar kommen.
«Das alles wird die Zwei-Klassen-Medizin verschärfen»,
wurde Lauterbach zitiert.
(Quelle:ap)
Ortskassen befürchten starken Beitragsanstieg
Mo.28.08.06 - Die Ortskrankenkassen fürchten, dass ein schneller Abbau ihrer
Schulden die Beitragssätze deutlich ansteigen lassen würde.
Nach ersten Schätzungen der AOKen müssten die Beiträge
im Schnitt um 0,4 Punkte steigen, wenn die Ortskrankenkassen wie von
der Regierung vorgesehen ihre Schulden über eine Umlage aller
AOK-Landesverbände bis Ende 2007 komplett abbauen müssten.
Der Plan der großen Koalition «würde zu deutlichen
Beitragserhöhungen führen», sagte der Chef der
Süd-West-AOK, Rolf Hoburg, dem «Handelsblatt»
(Montagsausgabe). Ursprünglich war der Schuldenabbau bis Ende 2008
geplant.
Die Ortskrankenkassen haben verglichen mit den anderen Kassenarten das
größte Schuldenproblem mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro.
Die Bundesregierung will die AOKen dazu zwingen, sich bis Ende 2007 zu
entschulden, damit der geplante Gesundheitsfonds starten kann. Bei den
Kassenfunktionären stößt das auf erbitterten
Widerstand. Hoberg kündigte an, die 16 Ortskrankenkassen wollten
nun über die Landesregierungen auf Änderungen des Gesetzes
dringen.
(Quelle: ddp)
Pharmaindustrie soll Kalkulationen offenlegen
Mo.28.08.06 - Die Preisgestaltung der Pharmaindustrie soll künftig stärker
kontrolliert werden. So sollen die Unternehmen ihre Kalkulationen
offenlegen, wie nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» (Montagausgabe) aus dem Arbeitsentwurf des
Gesundheitsministeriums zur Gesundheitsreform hervorgeht. Über
Kosten-Nutzen-Prüfungen sollen außerdem Höchstpreise
für neue Arzneien festgelegt werden, die die Kassen noch erstatten
dürfen. Liegt der Preis darüber, «hat der Versicherte
die Mehrkosten zu tragen», heißt es im Papier.
Dem Arbeitsentwurf zufolge dürfen Pharmaunternehmen in den Preis
für ein international vertriebenes Medikament nicht länger
sämtliche Entwicklungskosten einrechnen, sondern nur
«denjenigen anteiligen Betrag, der dem Versorgungsanteil in
Deutschland entspricht». Dies setze voraus, dass
Preiskalkulationen und Vertriebsdaten offengelegt würden. Der
Erstattungsbetrag könne aber «auch im Einvernehmen mit dem
Hersteller festgelegt» werden.
Die Pharmaindustrie nahm die Pläne mit Besorgnis auf. Die
vorgeschlagenen Erstattungshöchstbeträge für
Arzneimittel bedeuteten «das faktische Ende einer freien
Preisbildung für innovative Medikamente», kritisierte die
Hauptgeschäftsführerin des Verbands der Forschenden
Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer, in der Zeitung.
«Staatlich sanktionierte Preisdiktate sind der Anfang,
Staatsmedizin das Ende der Entwicklung.»
(Quelle: ddp)
Umweltminister Gabriel für frühere Abschaltung von AKW
Brunsbüttel
Mo.28.08.06 - Im Streit über das Atomkraftwerk Brunsbüttel hat
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eine vorgezogene Stilllegung des
Meilers ins Gespräch gebracht. «Es ist sinnvoll, solche
Altanlagen früher vom Netz zu nehmen. Das Atomgesetz
ermöglicht, die Reststrommenge auf jüngere Anlagen zu
übertragen», sagte der SPD-Politiker der Berliner
«tageszeitung» (Montagausgabe) einer Vorabmeldung zufolge.
Brunsbüttel sei ein Kraftwerk, das nicht so sicher sei wie neuere
Anlagen.
Nach der Vereinbarung zum Atomausstieg soll das AKW an der
Elbmündung im Jahr 2009 abgeschaltet werden. Die Behörden
waren auf Brunsbüttel nach einem Störfall im schwedischen
Kraftwerk Forsmark aufmerksam geworden. Nach Gabriels Einschätzung
könnte in dem deutschen Meiler ein ähnliches Problem
auftreten. Der Minister hatte dem Betreiber Vattenfall eine Frist bis
zum (morgigen) Montag gesetzt, um Nachweise zur Notstromversorgung zu
bringen.
Mit Verweis auf Forsmark kritisierte Gabriel in dem Interview die
deutsche Atomindustrie: «Die Betreiber erklären
ständig, das kann bei uns gar nicht passieren - und dann passiert
eben doch etwas. Ich finde das angesichts des Schadensrisikos, das wir
bei der Atomenergie haben, auf Dauer nicht vertretbar», wurde der
Minister zitiert.
Vattenfall dagegen sieht das AKW zu Unrecht in der Kritik. Es
dränge sich der Eindruck auf, dass Bundesumweltminister Sigmar
Gabriel den Streit über die Sicherheit nutze, «um
Brunsbüttel sicherheitstechnisch zu diskreditieren, um auf diesem
Umweg eine Laufzeitverlängerung zu erschweren», sagte Bruno
Thomauske, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear
Energy, dem «Handelsblatt» (Montagausgabe) laut
Vorabmeldung. Nach seiner Darstellung hat Brunsbüttel «eine
gesicherte Notstromversorgung für alle Eventualfälle».
Entsprechende Dokumente werde man dem Ministerium vorlegen.
(Quelle: ap)