Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fast 60 Tote bei Anschlägen und Gefechten
Di.29.08.06 - Die anhaltende Gewalt im Irak hat am Montag erneut fast 60 Menschen das
Leben gekostet. In Diwanija südlich von Bagdad lieferten sich
Kämpfer der Mahdi-Miliz des radikalen schiitischen Geistlichen
Muktada al Sadr heftige Gefechte mit Sicherheitskräften, dabei
wurden nach Angaben eines Krankenhausarztes 40 Menschen getötet.
Vor dem Innenministerium in der Hauptstadt riss ein
Selbstmordattentäter 16 Menschen mit in den Tod, darunter
zahlreiche Polizisten.
Auslöser der Gefechte in Diwanija waren Razzien der irakischen
Streitkräfte, die am Sonntagabend Häuser in drei Stadtteilen
durchsuchten und Waffen beschlagnahmten. Militärsprecher Fatik
Ajed erklärte, die Kämpfe dauerten bis zum Montag an. Der
Arzt Mohammed Abdul Muhsen sprach im örtlichen Krankenhaus von 40
Toten, darunter 25 Soldaten. Rund 75 Menschen seien verletzt worden.
Nach Angaben eines irakischen Militärsprechers wurden mindestens
zehn Kämpfer festgenommen.
Der Attentäter in Bagdad rammte mit seinem Auto einen
Kontrollpunkt vor dem Gebäude des Innenministeriums, wie die
Polizei erklärte. Unter den Todesopfern waren zehn Polizisten.
Weitere 47 Menschen wurden verletzt.
Im mehrheitlich sunnitisch bewohnten Bagdader Stadtteil Dschihad
detonierte eine weitere Bombe und traf ein Auto mit fünf Insassen.
Ein Mann wurde getötet, die vier anderen erlitten schwere
Verletzungen.
Bereits am Sonntag waren fünf US-Soldaten bei Detonationen
mehrerer Sprengsätze in und um Bagdad getötet worden.
Insgesamt hatten am Sonntag im Irak rund 60 Menschen ihr Leben gelassen.
Tausende Soldaten der USA und des Irak versuchen derzeit in Bagdad mit
der gemeinsamen Operation "Together Forward", Aufständische zu
bekämpfen und die Gewalt zwischen den Anhängern verschiedener
moslemischer Glaubensrichtungen einzudämmen.
In dem Golfstaat verüben Aufständische immer wieder
Anschläge auf die Zivilbevölkerung sowie die einheimischen und
ausländischen Sicherheitskräfte. Sie versuchen damit, die vom
Westen gestützte Regierung zu schwächen.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki versicherte jedoch
in einem CNN-Interview, das Land befinde sich nicht im
Bürgerkrieg. US-Militärsprecher William Caldwell sagte, es
sei gelungen, die Gewalt zu reduzieren. Die irakischen
Sicherheitskräfte machten Fortschritte.
Der britische Verteidigungsminister Des Browne traf am Montag zu
Gesprächen über die Sicherheitslage in Bagdad ein. Browne kam
zunächst mit seinem irakischen Kollegen Abdul Kader Mohammed
Dschassim al Mifardschi zusammen. Später war auch ein
Gespräch mit Al-Maliki geplant, wie ein Sprecher der britischen
Botschaft erklärte. Es wurde erwartet, dass es bei den
Gesprächen um die Übergabe der Kontrolle in die
südlichen Provinzen an die irakischen Streitkräfte geht. Die
irakischen Truppen übernahmen bereits im Juli die Kontrolle
über die Provinz Muthanna. Maisan und Dhi Kar, wo ebenfalls
britische Streitkräfte stationiert sind, sollen in den kommenden
Monaten übergeben werden. In der vergangenen Woche erklärte
das britische Verteidigungsministerium, man wolle die Zahl seiner
Soldaten im Irak von derzeit 7.000 bis Mitte 2007 auf 3.000 bis 4.000
reduzieren.
(Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 29.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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17 Tote bei Selbstmordanschlag im Süden Afghanistans
Di.29.08.06 - Bei einem Selbstmordanschlag im Süden Afghanistans sind am Montag
17 Menschen getötet und 47 verletzt worden. Das teilten die
Behörden in der Provinz Helmand mit. Den Angaben zufolge sprengte
sich der Attentäter auf einem belebten Markt vor einer Polizeiwache
der Stadt Laschkar Gah in die Luft. Sechs Menschen seien
lebensgefährlich verletzt worden. Unter den Toten sei auch der
Marktbesitzer, ein ehemaliger Polizeichef, sowie dessen Sohn und Neffe.
Afghanistan, insbesondere der Süden, erlebt zur Zeit die blutigste
Phase seit Vertreibung der Taliban durch eine US-geführte Invasion
Ende 2001. In Helmands Nachbarprovinz Kandahar wurden Anfang des Monats
21 Zivilpersonen getötet und 13 verletzt, als ein
Selbstmordattentäter kanadische Soldaten anzugreifen versuchte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Annan fordert Freilassung von Soldaten und Ende der Blockade. Chirac
fordert schnelles Treffen des Nahostquartetts. Israel: Waffenembargo
'mit allen Mitteln' durchsetzen. Deutsche Vermittlung bei
Gefangenenaustausch dementiert. Israels Ministerpräsident Olmert
räumt erstmals 'Fehlschläge' im Libanon-Konflikt ein. Vier
Palästinenser bei israelischem Angriff im Gazastreifen getötet
Di.29.08.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat an die Hisbollah und Israel
appelliert, ihre Verpflichtungen gemäß der UN-Resolution
1701 zu erfüllen. Die Hisbollah müssen die beiden
entführten israelischen Soldaten freilassen und Israel seine See-
und Luftblockade des Libanons beenden, forderte Annan am Montag zum
Auftakt seiner elftägigen Nahostreise in Beirut. Italien beschloss
unterdessen die Entsendung von 2.500 Soldaten in den Libanon. Auch die
Türkei erklärte sich zur Beteiligung an der UN-Friedenstruppe
(UNIFIL) bereit.
Annan rief alle Konfliktparteien auf, die Chance für einen
dauerhaften Waffenstillstand im Libanon zu nutzen. Nach einem Empfang
durch den libanesischen Außenminister Fausi Salluch sprach Annan
in Beirut von einer «sehr kritischen Zeit» für das
Land. Mit seinem Besuch wolle er die internationale Solidarität
unterstreichen und die Umsetzung der Libanon-Resolution
unterstützen. Die libanesische Regierung habe ihm versichert, sie
werde die UN-Resolution gewissenhaft umsetzen, sagte Annan weiter.
Der UN-Generalsekretär kam auch mit einem Minister der Hisbollah
in der libanesischen Regierung zusammen. Einzelheiten des Treffen mit
Mohammed Fneisch wurden aber zunächst nicht mitgeteilt. Annan rief
die Hisbollah auf, die entführten Soldaten der libanesischen
Regierung «oder einer dritten Seite» unter Aufsicht des
Roten Kreuzes zu übergeben. Die Vereinten Nationen böten
hierbei ihre Dienste an, erklärte Annan, der noch nach Israel,
Syrien und in den Iran reisen will.
Angesichts der gespannten Lage im Libanon und in den
Palästinensergebieten hat Frankreichs Staatspräsident Jacques
Chirac ein "schnelles Treffen" des Nahostquartetts gefordert. "Wenn wir
uns mit dem Status quo zufrieden geben, riskieren wir, dass die Gewalt
um sich greift und sich jeder Kontrolle entzieht", sagte Chirac am
Montag vor Botschaftern in Paris. Deshalb müsse der diplomatische
Prozess zu einer umfassenden Lösung der Probleme im Nahen Osten
"sofort wieder belebt werden". Chirac und die deutsche Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) hatten am Freitag eine Wiederbelebung des
Nahostquartetts aus den USA, der UNO, der EU und Russland vorgeschlagen.
International gingen die Beratungen über die Zusammensetzung der
UN-Truppe für den Libanon weiter. Die italienische Regierung
beschloss, sich mit 2.500 Mann an der UNIFIL zu beteiligen.
Marineverbände zum Truppentransport wurden zusammengezogen. Zudem
stellte Rom 30 Millionen Euro für die Hilfe im Libanon bereit.
Annan hat Italien gebeten, nach den Franzosen ab Februar 2007 das
Kommando im Libanon zu übernehmen.
Die türkische Regierung, die gute Beziehungen zu Israel
unterhält, kündigte an, sie werde das Parlament um die
Erlaubnis zur Entsendung von Truppen in den Libanon bitten. Die Debatte
könnte in dieser oder der kommenden Woche stattfinden. Auch in
Rumänien wurde am Montag über ein solches Engagement beraten.
Der spanische Verteidigungsminister Jose Antonio Alonso wird in der
kommenden Woche ein mögliches Engagement des Landes im Libanon vor
dem Parlament erörtern. Erwogen wird die Beteiligung von 700 bis
1.000 spanischen Soldaten an der Blauhelm-Truppe.
Die EU konzentriert ihre humanitäre Hilfe im Libanon darauf, den
Binnenflüchtlingen eine rasche Heimkehr zu ermöglichen.
Vorrangig seien «die Wiederherstellung der Infrastruktur, von
Wasserversorgung, Krankenhäusern, Schulen und
Unterkünften», erklärte Entwicklungshilfekommissar
Louis Michel am Montag in Brüssel.
Die israelische Außenministerin Zippi Livni hat die
internationale Gemeinschaft dazu aufgefordert, das Waffenembargo gegen
die Hisbollah-Miliz "mit allen Mitteln" durchzusetzen. Sollte dies nicht
gelingen, könne die Region wieder in eine ähnliche Krise
geraten wie während des jüngsten Libanon-Konflikts, sagte sie
bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin.
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah sicherte der UNO zu, keinen Widerstand
gegen die UNIFIL zu leisten.
"Das Waffenembargo ist das Wichtigste überhaupt", betonte Livni.
Darüberhinaus erwarte Israel die Freilassung der beiden
israelischen Soldaten, die Mitte Juli von der Hisbollah-Miliz
entführt worden waren. Steinmeier zeigte sich zuversichtlich, dass
die Rahmenbedingungen der Libanon-Mission in dieser Woche geklärt
werden könnten. Zum Umfang der deutschen Beteiligung wollte er sich
nicht äußern. Für Deutschland habe zur Zeit Vorrang,
dass ein "klarer Operationsplan" und "klare Einsatzregeln" aufgestellt
würden.
Die Anzahl der Bundeswehrsoldaten für den UN-Libanoneinsatz und
ihr genauer Auftrag stehen nach den Worten von
Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) noch nicht
fest. "Die Größenordnungen lassen sich noch nicht genau
festlegen", sagte Schmidt im ZDF-Morgenmagazin. Der CSU-Politiker
erwartet eine "dominante Rolle" der deutschen Marine bei der Kontrolle
von Waffenschmuggel vor der libanesischen Küste.
Bedingung dafür, dass die Hisbollah keinen Widerstand leiste sei,
dass die UN-Soldaten auf eine Entwaffnung der Hisbollah-Milizionäre
verzichten, sagte Nasrallah im libanesischen Fernsehen. "Wir haben kein
Problem mit der UNIFIL, solange ihre Mission nicht die Entwaffnung der
Hisbollah ist." Zugleich sprach Nasrallah der libanesischen Armee das
Recht zur Entwaffnung von Kämpfern zu.
Der deutsche Außenminister Steinmeier hat Berichte über eine
deutsche Vermittlung zugunsten eines Gefangenenaustauschs zwischen
Israel und der Hisbollah-Miliz dementiert. Für die Meldung der
ägyptischen Zeitung "El Ahram" gebe es "keine Basis", sagte
Steinmeier in Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der
israelischen Außenministerin Zippi Livni. "In dieser Situation
sind wir gegenwärtig nicht." Für eine deutsche Beteiligung an
den Vermittlungen gebe es weder von israelischer noch von libanesischer
Seite Anfragen.
Die ägyptische Regierungszeitung "El Ahram" hatte am Sonntag
berichtet, die beiden israelischen Soldaten, die im Juli von der
Hisbollah-Miliz entführt worden waren, sollten spätestens in
zwei bis drei Wochen gegen libanesische Häftlinge in Israel
ausgetauscht werden. Deutsche Vermittler versuchten derzeit, die
"Modalitäten des Austausches" festzulegen. In einem möglichen
Szenario könne der Austausch zeitgleich stattfinden. Möglich
sei auch, dass die Hisbollah die Soldaten zuerst freilasse. Die
radikalislamische Miliz solle dafür eine von den deutschen
Vermittlern garantierte Zusage erhalten, dass die libanesischen
Häftlinge am Folgetag freikommen.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert will den Verlauf des
Militäreinsatzes im Libanon untersuchen lassen, lehnt jedoch eine
staatliche Kommission dafür ab. Die Untersuchung werde vom
ehemaligen Mossad-Chef Nahum Admoni geleitet, sagte Olmert. Olmert
räumte erstmals "Fehlschläge" bei der Bodenoffensive ein.
"Wir waren nicht vorbereitet, wie wir es hätten sein müssen.
Wir haben nicht immer die erhofften Resultate erzielt." Es habe
"Versäumnisse, ja Fehlschläge" gegeben. Selbst wenn die
gesamte Bilanz positiv sei, dürfe nicht über diese Fehler
hinweggetäuscht werden.
Die Untersuchung werde das Verhalten der Regierung "und alle anderen
notwendigen Aspekte" untersuchen, sagte Olmert. Eine staatliche
Kommision lehnte er ab. Diese würde die politische und
militärische Führung für eine lange Zeit "lähmen".
Mitglieder einer solchen staatlichen Kommission werden vom Obersten
Gerichtshof gewählt, können Augenzeugen vorladen und
Untersuchungen der Polizei beauftragen.
In der vergangenen Woche hatte der israelische Generalstabschef Dan
Halutz erstmals von Fehlern bei der Libanon-Offensive gesprochen.
"Parallel zu unseren Erfolgen gab es in bestimmten Bereichen Fehler,
vor allem auf logistischem und operationellem Niveau sowie auf der
Kommandoebene", hatte Halutz in einem Schreiben an die Armee
erklärt. Erfolge und Fehler müssten nun untersucht werden.
Die Armee müsse Lehren daraus ziehen, da sie vor weiteren
Herausforderungen stehe.
Olmert, Halutz und Verteidigungsminister Amir Perez stehen unter
starkem innenpolitischen Druck, weil es ihnen während des
mehrwöchigen Libanon-Kriegs nicht gelang, die libanesiche
Schiiten-Miliz in die Knie zu zwingen.
Bei einem israelischen Luftangriff auf die Stadt Gaza sind am
frühen Montagmorgen vier Palästinenser getötet worden,
wie palästinensische Ärzte berichteten. Die Männer seien
auf der Straße von einer Rakete getroffen worden. Die israelische
Armee erklärte, Soldaten, die in der Gegend operierten, hätten
drei bewaffnete Palästinenser bei einem Feuergefecht getötet.
Von einem vierten Toten sei nichts bekannt.
Kämpfer der radikalislamischen Hamas erschossen am Montag an einer
Straßensperre einen palästinensischen Autofahrer, der dort
nicht anhielt, wie Augenzeugen berichteten. Die Hamas erklärte
dagegen, zunächst sei aus dem Auto geschossen worden. Der
Zwischenfall ereignete sich im südlichen Gazastreifen nahe der
Stadt Chan Junis.
(Quellen: ap, afp)
Teilweise Nachzählung von Stimmen ändert Wahlergebnis in
Mexiko nicht
Di.29.08.06 - Das Ergebnis der Präsidentenwahl in Mexiko hat sich auch durch die
teilweise Nachzählung von Wahlzetteln nicht geändert. Wie das
Bundeswahlgericht am Montag mitteilte, reduzierte sich der Vorsprung
des konservativen Felipe Calderón gegenüber seinem linken
Herausforderer Andrés Manuel López Obrador nach der
Annullierung von mehreren tausend Stimmen zwar, der Kandidat der
regierenden Partei der Nationalen Aktion (PAN) liegt aber weiter
deutlich in Führung.
Die Richter erklärten Calderón allerdings nicht
ausdrücklich zum Sieger der Wahl vom 2. Juli. Das Gericht hat bis
zum 6. September Zeit, um entweder einen neu gewählten
Präsidenten auszurufen oder die Abstimmung zu annullieren.
Der unterlegene Lopez Obrador reagierte wütend auf den
Richterspruch. Vor tausenden Anhängern in Mexiko-Stadt rief er
dazu auf, Calderon nicht als Präsident anzuerkennen. Seine
Anhänger sollten nun entscheiden, ob er eine Parallelregierung
bilden oder eine nationale Protestkampagne anführen sollte,
erklärte Lopez Obrador.
(Quelle: ap)
Bauernproteste legen größte Goldmine Lateinamerikas lahm
Di.29.08.06 - Protestierende peruanische Bauern haben die Produktion in der
größten Goldmine Lateinamerikas vollständig zum
Erliegen gekommen. Der Betreiber der Mine, das US-Unternehmen Newmont
Mining Corp., teilte am Montag mit, die Schließung sei angeordnet
worden, nachdem Gespräche mit den Bauern gescheitert seien. Die
Bauern hätten zunächst Arbeit verlangt und sich danach
beklagt, dass ein neues Erweiterungsprojekt die Wasservorkommen der
Region verschmutze. Die Umweltargumente seien aber nur vorgeschoben,
erklärte das in Denver ansässige Unternehmen, das die
Mehrheit der Yanacocha Mine im Norden Perus besitzt.
Nach Angaben der Minenfirma blockierten rund 90 Bauern am Montag die
Straßen, die zu der Mine führten. Perus Energieminister Juan
Valdivia erklärte, die Polizei werde die Straße nicht mit
Gewalt frei räumen, weil man eine gewaltsame Konfrontation mit den
Demonstranten zu vermeiden trachte. Dagegen verlangte die US-Firma die
Öffnung der Straße. «Wir bieten 10.000 Menschen
Arbeitsplätze, weitere 40.000 hängen von diesen Jobs
ab», erklärte der Vizepräsident von Newmont Mining,
Carlos Santa Cruz, in Denver.
(Quelle: ap)
Serie von Bombenanschlägen in der Türkei - Drei Tote bei
Explosion in Antalya
Di.29.08.06 - Bei einer Serie von Bombenanschlägen sind in zwei türkischen
Urlaubsorten und in Istanbul innerhalb von 24 Stunden mindestens drei
Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Die folgenschwerste
Explosion ereignete sich am Montag in dem auch bei Deutschen beliebten
Badeort Antalya, wo es drei Todesopfer gab. Unter den mehr als 20
Verletzten waren nach Angaben türkischer Behörden auch drei
deutsche Touristen sowie mehrere Urlauber aus Israel und Russland. Zu
vorangegangenen Anschlägen in Marmaris und in Istanbul bekannte
ich eine kurdische Extremistengruppe, die der verbotenen PKK nahe steht.
Zu der Explosion in Antalya lag zunächst noch kein Bekenntnis vor.
Die Behörden deuteten aber an, dass sie auch hier von einem
Anschlag ausgehen. Sie erklärten, es werde nach zwei
Verdächtigen gesucht. Die Explosion ereignete sich vor einem
Geschäftszentrum in der Innenstadt.
Das Londoner Außenministerium warnte vor einer erhöhten
Terrorgefahr in der Türkei. «Weitere Angriffe, auch in
Touristengebieten, könnten folgen», hieß es in einer
am Montag veröffentlichten Erklärung.
Zu den Anschlägen in Istanbul und Marmaris bekannten sich die
Freiheitsfalken Kurdistans. «Die Türkei ist kein sicheres
Land, Touristen sollten nicht in die Türkei kommen»,
hieß es auf der Web-Site der Gruppe. In der Vergangenheit haben
kurdische Extremisten immer wieder Anschläge gegen Ziele in
türkischen Urlaubsorten verübt. Im vergangenen Jahr sprengten
sie Extremisten einen Minibus im Touristenzentrum Kusadasi in die Luft
und töteten dabei fünf Menschen; 13 weitere wurden verletzt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Koalition streitet weiter heftig über Gesundheitsreform
Di.29.08.06 - Die Gesundheitsreform sorgt weiter für Zündstoff in der
großen Koalition. CDU-Gesundheitspolitikerin Annette Widmann-Mauz
schloss sich am Montag der Kritik an Ministerin Ulla Schmidt an. Dagegen
betonte SPD-Experte Karl Lauterbach, die Klage über die ersten
Gesetzesformulierungen aus Schmidts Haus sei unberechtigt. Der Entwurf
setze nur die Abmachungen der Koalition um. Allerdings gibt es auch bei
der SPD weiter grundsätzliche Vorbehalte gegen die Reform.
Am Wochenende hatten mehrere führende Unionspolitiker Ministerin
Schmidt hart attackiert und ihr sogar den Rücktritt nahe gelegt.
CDU-Politikerin Widmann-Mauz meinte im «Tagesspiegel», sie
habe «schon Verständnis, wenn bei manchem die Wut
hochkocht». Es entstehe keine Freude, «wenn man im Stadium
von Rohentwürfen Politik zu machen versucht», sagte sie an
die Adresse der Ministerin.
Inhaltlich kritisierte Widmann-Mauz, dass das Ministerium zum Start des
Gesundheitsfonds 2008 sämtliche Ausgaben wie bisher aus
Beitragseinnahmen decken und Zusatzprämien - die vom Kassenmitglied
allein bezahlt werden müssten - vermeiden will. Widmann-Mauz
betonte, der Fonds solle die Kassen dazu bringen, «ihre
Hausaufgaben zu machen». Sie wandte sich auch gegen eine
Begrenzung der Zusatzprämie auf ein Prozent des
Versicherteneinkommens.
Lauterbach verteidigte in mehreren Interviews den Vorentwurf Schmidts
Haus. «Natürlich ist der erste Entwurf nicht das letzte
Wort», sagte er im ZDF. Aber «es ist falsch zu sagen, dass
dieser Entwurf von dem abweicht, was beschlossen wurde». Die Union
beklage sich nun über das, «was man selbst beschlossen
hat». Die Zusammenarbeit seitens der Union funktioniere nicht,
sagte der SPD-Politiker.
Lauterbach selbst hatte die Beschlüsse der Koalition vor der
Sommerpause heftig kritisiert. Nun meinte er: «Es ist nicht
möglich, die beschlossene Reform zurückzunehmen. Das ist ohne
gigantischen Schaden insbesondere für die Bundeskanzlerin nicht
machbar. Somit muss man das, was beschlossen wurde, einigermaßen
fair umsetzen.»
Doch gibt es auch auf SPD-Seite Widerstand. Die schleswig-holsteinische
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD), die vor der Sommerpause an den
Eckpunkten mit verhandelt hatte, sagte der «Financial Times
Deutschland»: «Ich sehe nicht, wie der Fonds bis Anfang oder
Mitte 2008 funktionieren könnte.» Sie kritisierte, dass
private Krankenversicherer nicht in den Fonds einzahlen müssen und
der Bund auch keine höheren Steuerzuschüsse gewähre.
«Jetzt ist der Fonds eigentlich nur noch ein Torso.»
Trauernicht sagte weiteren Streit zwischen Bund und Ländern und
auch unter den Ländern voraus.
Die Union kritisiert unter anderem den geplanten Umbau der privaten
Krankenversicherung, der diese erheblich teurer machen würde.
Lauterbach wies auch dies zurück. Die Privatversicherungen
würden die Gewinner der Reform, sagte er dem
«Tagesspiegel». Zu erwarten sei eine Massenabwanderung
freiwillig versicherter Kassenmitglieder zur PKV.
Der vergangene Woche bekannt gewordene Vorentwurf hatte sofort einen
Proteststurm auch bei den Verbänden ausgelöst. Die
Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der
Paritätische Wohlfahrtsverband bekräftigten am Montag ihren
Widerstand. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen erneuerten ihre Warnung
vor «deutlichen Beitragserhöhungen» zum Start des
Gesundheitsfonds.
(Quelle: ap)
Widerstand in der SPD gegen Unternehmenssteuerreform
Di.29.08.06 - In der SPD formiert sich Widerstand gegen die vorgesehene
Milliardenentlastung für Kapitalgesellschaften im Zuge der für
2008 geplanten Unternehmenssteuerreform. Die Kritiker beklagen vor
allem, dass gleichzeitig die Bürger mit der
Mehrwertsteuererhöhung und der Streichung von Steuervorteilen
belastet werden. «Hier wird den einen das Geld genommen und den
anderen gegeben», sagte Saarlands SPD-Chef Heiko Maas der
«Berliner Zeitung» vom Montag. Auch die IG Metall sprach
sich gegen eine Entlastung der Unternehmen aus; dafür habe der
Staat kein Geld.
IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte im Deutschlandradio Kultur,
schon einmal habe eine Steuerreform Riesensummen in die Kassen der
Unternehmer gespült, doch entgegen den Versprechungen sei dadurch
kein einziger Arbeitsplatz geschaffen worden.
Maas betonte, die SPD dürfe nicht den Eindruck erwecken, an einen
Teil der Gesellschaft Geschenke zu verteilen, aber gleichzeitig den
Bürgern Pendlerpauschalen und Freibeträge zu streichen und
eine höhere Mehrwertsteuer zuzumuten. Der Parteitagsbeschluss, der
eine weitgehend aufkommensneutrale Unternehmenssteuerreform einfordere,
müsse gelten, meinte Maas. «Diejenigen, die dies auf den
Punkt einfordern, werden immer mehr.»
Die Bundesregierung hat beschlossen, die Firmen jährlich um
fünf Milliarden Euro zu entlasten. Zu Beginn der Reform im Jahr
2008 sind nach den Plänen von Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) sogar bis zu acht Milliarden Euro eingeplant.
Maas betonte, die Firmensteuerreform sei das Thema, das die
Sozialdemokraten am meisten emotionalisiere. Der Sprecher der
Parlamentarischen Linken, Ernst Dieter Rossmann, kündigte in der
«Berliner Zeitung» an, den Kampf gegen die Erhöhung der
Mehrwertsteuer wieder aufzunehmen. Es könne nicht sein, dass durch
die Mehrbelastung aller die Steuersenkung der Körperschaften
finanziert werde, sagte er. Ohne Steinbrück namentlich zu nennen,
sagte der SPD-Politiker: «Da haben sich welche von der SPD-Linie
und vom Koalitionsvertrag entfernt.»
Ärger droht Steinbrück auch aus seinem Heimatverband
Nordrhein-Westfalen. Dort sprachen sich sowohl die Landtagsfraktion als
auch das Parteipräsidium gegen die vorgesehene Entlastung der
Konzerne aus. «Das ist in Nordrhein-Westfalen nicht vermittelbar.
Dem Konzept fehlt die soziale Balance», hieß es in der
Düsseldorfer SPD.
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hatte am Wochenende zwar die geplante
Senkung der Steuersätze für Unternehmen verteidigt, aber
zugleich verlangt, bei der Unternehmenssteuerreform Schlupflöcher
und Spielräume konsequent zu schließen. Die
tatsächlichen Steuereinnahmen müssten möglichst stabil
bleiben. Die mit der Union vereinbarte Entlastung von jährlich
fünf Milliarden Euro für Kapitalgesellschaften sei nur
für eine Übergangszeit akzeptabel, sagte Beck. Es müsse
eine klare Perspektive da sein, «dass sich dies auf die Nullgrenze
zubewegt».
Laut den vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkten soll die
Steuerlast für Kapitalgesellschaften von gut 38,6 Prozent auf 29,2
Prozent sinken. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) verfolgt das
Ziel, hiesige Firmen im internationalen Steuerwettbewerb zu entlasten
und zu Investitionen zu animieren. Zudem soll erreicht werden, dass sie
Gewinne stärker als bisher in Deutschland versteuern und nicht im
Ausland.
(Quelle: ap)
Streit um AKW-Brunsbüttel geht weiter
Di.29.08.06 - Der Sicherheitsstandard des schleswig-holsteinischen Kernkraftwerks
Brunsbüttel bleibt ein Streitfall. Betreiber Vattenfall gab am
Montag die geforderte Stellungnahme zur Sicherheit des Reaktors ab und
wies erneut Bedenken zurück. Das Kieler Sozialministerium als
Aufsichtsbehörde kündigte für Dienstag ein
Aufsichtsgespräch mit dem Betreiber an. Unterdessen dringen die
Deutsche Umwelthilfe und die Grünen auf eine unverzügliche
Stilllegung des Atommeilers an der Unterelbe.
Nach Ansicht von Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE) verfügt
der Reaktor über eine gesicherte Notstromversorgung für alle
denkbaren Störfälle. Brunsbüttel sei «besonders
gut auf mögliche Störungen in der Stromversorgung
vorbereitet», sagte VENE-Geschäftsführer Bruno
Thomauske. Diese sei bei einem Ereignis wie im schwedischen Forsmark
und bei weiter gehenden Szenarien gesichert. «Ein gleichzeitiger
Ausfall der Wechselrichter ist in Brunsbüttel, anders als in
Forsmark, aber ausgeschlossen", fügte Thomauske hinzu.
Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) wollte
sich zum Inhalt der Stellungnahme zunächst nicht
äußern. Sie kritisierte jedoch das Verhalten des Betreibers.
Dessen Informationen zur Sicherheit seien «zu glatt». Das
Ministerium gehe möglichen Schwachstellen im Kernkraftwerk nach.
Gegenstand der Untersuchungen seien die Wechselrichter in der
Notstromversorgung.
Trauernicht warf Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) eine
«Rolle rückwärts» vor. Dieser hatte in einem
Zeitungsinterview angeregt, Brunsbüttel früher als bislang
geplant stillzulegen. Sein Sprecher machte am Montag jedoch deutlich,
dass Brunsbüttel bis 2009 weiter laufen könne, sofern der
sichere Betrieb des Atommeilers nachgewiesen werde. Gabriel habe nicht
die Absicht, dieses oder ein anderes Kernkraftwerk stillzulegen,
solange eine gültige Betriebsgenehmigung vorliege.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast und ihre
Stellvertreterin Bärbel Höhn warfen dem Betreiber vor,
«wochenlang schwerwiegende Sicherheitsmängel
verheimlicht» zu haben. Gabriel müsse nun umgehend
prüfen, «ob dem Konzern die Betriebserlaubnis für
Atomreaktoren generell zu entziehen ist».
Der Meiler an der Unterelbe war in die Kritik geraten, nachdem die
Deutsche Umwelthilfe dort noch größere Mängel als beim
Kraftwerk in Forsmark ausgemacht hatte. Das Kernkraftwerk soll laut
Atomkonsens Anfang 2009 vom Netz gehen.
(Quelle: ddp)
Fünfte Festnahme wegen Kofferbomben im Libanon
Di.29.08.06 - Die libanesischen Behörden haben am Montag im Zusammenhang mit den
gescheiterten Anschlägen auf Regionalzüge in Deutschland
einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Wie am Montag aus
Gerichtskreisen in Beirut verlautete, wurde der Mann, dessen Initialen
mit A.H. angegeben wurden, in seinem Dorf im Norden des Landes
festgenommen.
Im Libanon sind schon zwei Verdächtige in Gewahrsam, die derzeit
von libanesischen und deutschen Staatsanwälten vernommen werden.
Dabei handelt es sich um die beiden Libanesen Jihad Hamad und Khaled
Deeb. Deutschland dringt auf die Auslieferung von Dschihad Hamad, der
an der Ausführung des geplanten Anschlags beteiligt gewesen sei
soll.
In Deutschland wurden zudem in Kiel der Libanese Youssef Mohamad E.H.
und der Syrer Fadi A.S. festgenommen, gegen den der Bundesgerichtshof
in Karlsruhe am Wochenende Haftbefehl erließ. Ihm werden
Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord
und versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion zur Last
gelegt.
(Quelle: ap)
Hartz-IV-Empfänger werden Busbegleiter
Di.29.08.06 - Der Einsatz von Hartz-IV-Empfängern als Begleitpersonal im
öffentlichen Nahverkehr soll schon bald in Leipzig erprobt werden.
Das teilte der Sprecher des Bundesverkehrs- und
Aufbau-Ost-Ministeriums, Dirk Inger, am Montag mit.
Das Projekt soll am Donnerstag in Leipzig vorgestellt werden. Der
Vorschlag von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Arbeitslose in
Bussen und Straßenbahnen auch für die innere Sicherheit
einzusetzen, war auf heftige Kritik und beißenden Spott in
Politik und Verbänden gestoßen.
Tiefensee - früher Oberbürgermeister von Leipzig - wies
Berichte als «Unsinn» zurück, er wolle mit
Hartz-IV-Empfängern «den Terrorismus und El Kaida
bekämpfen». Vielmehr gehe es um den Fahrservice im
Nahverkehr. Das bedeute, «dass Langzeitarbeitslose in Bussen und
Straßenbahnen einer Großstadt zum Beispiel den Menschen,
die dort ein- und aussteigen, behilflich sind, und Auskünfte zu
Fahrplänen geben». Auch sollte ihre Anwesenheit - wie
früher die der Schaffner - dazu beitragen, dass es weniger
Vandalismus und Graffiti gebe. Inger ergänzte, an dieser Stelle
gehe es auch um die Sicherheit für Fahrgäste: zum Beispiel in
Randzeiten am frühen Morgen oder späten Abend. Im
Konfliktfall sollten die Kräfte nicht selbst eingreifen, sondern
die Polizei benachrichtigen.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil empfahl, Tiefensees Vorschlag
genau zu lesen. «Er hat nicht an die Wand gemalt, dass
irgendwelche Menschen, die langzeitarbeitslos sind, nun als
Terrorismusjäger in der Bahn rumspringen sollen.» Es gehe
darum, zu diskutieren, welche Möglichkeiten es gibt im Bereich der
gemeinnützigen Arbeit, zum Beispiel im Nahverkehr.
In Leipzig sorgten die Aussagen zunächst für Verwirrung. Der
Stadt war ein derartiges Projekt nicht bekannt. Nach Angaben der
Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) soll ein entsprechendes Projekt jedoch
bei der Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen an diesem Donnerstag von der
Arbeitsgemeinschaft ARGE vorgestellt werden. «Wir wollen
Langzeitarbeitslosen die Chance zur Integration in den Arbeitsmarkt mit
sinnvollen Beschäftigungsfeldern geben», sagte LVB-Sprecher
Reinhard Bohse der dpa.
Überlegungen dazu gebe es seit einigen Monaten auch bei der LVB.
Angaben zur Anzahl der eingebundenen Menschen oder auf welcher Basis
sie beschäftigt werden sollen, konnte Bohse nicht machen. Es
sollte Vandalismus verhindert oder älteren Menschen geholfen
werden. «Bei dem Projekt geht es in keinster Weise um
Terrorismusbekämpfung oder die Verbesserung der Sicherheit»,
sagte er.
(Quelle: ddp)
Kritik an Vize-Kulturbeauftragtem wegen Buchenwald-Rede
Di.29.08.06 - Der stellvertretende Bundesbeauftragte für Kultur und Medien,
Hermann Schäfer, ist mit einer Vertriebenen-Rede (REDE3.SA -
Nachrichten) vor Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald
beim Kunstfest Weimar in die Kritik geraten. Die Grünen forderten
die Bundesregierung auf darzulegen, ob sie die von Schäfer
vertretene Position teile und Konsequenzen aus dem Vorfall plane. Auch
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) zeigte sich im
Deutschlandradio Kultur empört über die Rede, die eine
"erstaunliche Fehlleistung" darstelle.
Die kulturpolitische Sprecherin und Thüringer Landesvorsitzende
der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, warf Schäfer vor, bei
der Rede am vergangenen Freitag ausschließlich über Flucht
und Vertreibung der Deutschen gesprochen zu haben und nicht auf die
Opfer des KZ Buchenwald eingegangen zu sein. "Diese von vielen zu Recht
als Provokation empfundene Schwerpunktsetzung wird der Problematik und
der Dimension Buchenwalds in keiner Weise gerecht", betonte
Göring-Eckardt. Die Bundesregierung müsse schnell Position
beziehen, um weiteren Schaden im Inland und Ausland zu vermeiden.
Thierse sagte, wenn der Vertreter des Kulturstaatsministers bei einer
Gedenkveranstaltung des KZ Buchenwald ausschließlich über
deutsche Opfer spreche, "dann ist das neben mangelnder
Sensibilität für den Anlass und die Adressaten natürlich
auch eine Akzentverschiebung in den Gewichten unserer
Erinnerungskultur". Er halte nun eine eindeutige Positionierung von
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) für angemessen.
Die Linkspartei warf der Bundesregierung vor, der Zementierung eines
falschen Geschichtsbildes Vorschub zu leisten. Die innenpolitische
Sprecherin Ulla Jelpke erklärte mit Blick auf Schäfer, es
müsse bezweifelt werden, ob jemand, der vor Überlebenden des
deutschen Faschismus nur über deutsche Opfer spreche, am richtigen
Platz sei.
(Quelle: afp)