Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens 36 Tote bei Explosion von Pipeline. Irakische Polizei findet
in Bagdad Leichen von 24 Menschen
Mi.30.08.06 - Bei der Explosion einer Ölpipeline im Süden Iraks sind am
Dienstag mindestens 36 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 45 Menschen
wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt. Nach der Detonation
in einem Industriegebiet zehn Kilometer südlich der Stadt Diwanija
brach ein Großbrand aus, der die Rettungsarbeiten behinderte.
Mehrere Menschen hätten die Pipeline angezapft, um Treibstoff
abzuzweigen, erklärte die Polizei.
Irakische und Koalitionssoldaten riegelten das Gebiet ab. Die
Explosionsursache war zunächst unklar. Ursprünglich
transportierte die Pipeline Gas vom Ölfeld Schuaiba in Basra zum
Kraftwerk Mussajjib. 2003 ließ der damalige Machthaber Saddam
Hussein die Pipeline zum Benzinlager für das Heer umwandeln, wie
ein Polizeisprecher erklärte. Nach dem Sturz Saddam Husseins
hätten Anwohner die Leitung angebohrt, um Benzin abzuzweigen.
In Bagdad entdeckte die irakische Polizei die Leichen von insgesamt 24
Menschen. Die Opfer seien offenbar gefoltert und dann erschossen
worden, erklärte die Polizei. Elf Leichen lagen im
überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtviertel Maalif in der
Nähe einer Schule. Sie waren an Händen und Füßen
gefesselt. Weitere 13 Leichen wurden hinter einer schiitischen Moschee
im Viertel Turath gefunden. Sie trugen nach Polizeiangaben Handschellen
und wiesen Spuren von Folter und Kopfschüsse auf.
Im Irak kamen auch wieder vier US-Soldaten ums Leben. Zwei von ihnen
erlagen nach Militärangaben vom Dienstag Verletzungen, die sie bei
Gefechten erlitten hatten. Ein weiterer wurde bei einem Autounfall
getötet. Am Sonntag waren in der Umgebung von Bagdad acht
amerikanische Soldaten ums Leben gekommen.
In Diwanija im Süden des Landes kehrte unterdessen nach den
heftigen Gefechten zwischen schiitischen Milizionären und
irakischen Sicherheitskräften wieder Ruhe ein. Das Leben verlaufe
wieder normal, sagte Polizeisprecher Raid Dschabir. Die Geschäfte
seien wieder geöffnet, Polizisten und Soldaten seien überall
in der Stadt stationiert. Die Kämpfe kosteten nach Angaben der
Regierung vom Dienstag mehr als 70 Menschen das Leben. Zunächst
war die Zahl der Toten vom Montag mit 40 angegeben worden.
Der amerikanische Justizminister Alberto Gonzales reiste am Dienstag zu
einem eintägigen Besuch nach Bagdad. Zum Auftakt seines
eintägigen Besuchs traf er den stellvertretenden irakischen
Ministerpräsidenten Barham Saleh. Später besuchte er das
Tribunal, vor dem derzeit gegen Saddam Hussein verhandelt wird.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 30.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Armee neben Irak und Afghanistan zu drittem Krieg bereit
Mi.30.08.06 - Neben dem umfangreichen Engagement im Irak und in Afghanistan
könnten die US-Streitkräfte nach Einschätzung von
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auch einen Einsatz gegen den Iran
verkraften. "Wir sind in der Lage, notfalls auch mit anderen Problemen
fertig zu werden", entgegnete Rumsfeld am Montag (Ortszeit) bei einem
Truppenbesuch im US-Bundesstaat Nevada auf die Frage nach einem
möglichen Einsatz gegen den Iran. "Es wäre unglücklich,
wenn andere Länder davon ausgingen, dass wir unser Land nicht
verteidigen können, nur weil wir 136.000 Soldaten im Irak stehen
haben."
(Quelle: afp)
Iran und USA drohen einander im Atomstreit
Mi.30.08.06 - Drei Tage vor Ablauf des UN-Ultimatums hat der iranische Präsident
Mahmud Ahmadinedschad die vom Weltsicherheitsrat geforderte Einstellung
der umstrittenen Urananreicherung abgelehnt. Die USA reagierten mit
Sanktionsdrohungen.
«Wir werden uns Drohungen und Ultimaten nicht beugen»,
sagte Ahmadinedschad am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Teheran.
Die US-Regierung rief die iranische Führung auf, ihre Entscheidung
noch einmal zu überdenken. «Noch gibt es Zeit
dafür», sagte der Sprecher des Außenministeriums, Tom
Casey.
Zu den von den Vereinten Nationen angedrohten Sanktionen, sollte
Teheran seine Urananreicherung nicht bis zum 31. August einstellen,
erklärte Ahmadinedschad: «Ein Land, das in der Lage ist,
seinen eigenen atomarer Brennstoff herzustellen, kann auch Sanktionen
bewältigen.» Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton
bekräftigte derweil die Forderung seiner Regierung nach
Strafmaßnahmen. Der Weltsicherheitsrat habe keinen Zweifel daran
gelassen, dass bei einer Weigerung «Sanktionen folgen
würden», sagte Bolton in New York.
Der Staatsminister im deutschen Außenministerium, Gernot Erler,
hält dagegen baldige Sanktionen gegen Teheran für
unwahrscheinlich. «Ich glaube nicht, dass man die Zustimmung
Russlands und Chinas zu schnellen Sanktionen bekommen wird»,
sagte er der «Financial Times Deutschland» (Mittwoch).
«Die USA werden das Thema Sanktionen im UN-Sicherheitsrat
vorantreiben. Aber wir wissen, dass es große Zurückhaltung
bei Russland und China gibt.» Erler plädierte für den
weiteren Versuch, mit dem Iran einen «substanziellen
Dialog» zu führen.
Ahmadinedschad warf den USA und Großbritannien vor, die Vereinten
Nationen zu instrumentalisieren, um der Welt ihren Willen aufzuzwingen.
«Wir werden es einigen wenigen Ländern nicht erlauben, sich
als Repräsentanten der Welt aufzuspielen, und uns unseres
legitimen Rechtes zu berauben», fuhr der Präsident fort.
Falls es aber zu Sanktionen seitens der UN kommen sollte, «dann
wird der Iran dementsprechend handeln», erklärte
Ahmadinedschad.
Das höchste UN-Gremium hat die Regierung in Teheran ultimativ
aufgerufen, bis zum Monatsende die Urananreicherung auszusetzen. Im
Gegenzug hatten die fünf ständigen Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats und Deutschland dem Iran wirtschaftliche und
technische Anreize der westlichen Staatengemeinschaft angeboten. Im
Falle einer Ablehnung hatte der Sicherheitsrat in seiner Resolution
1696 vom 31. Juli mit wirtschaftlichen und politischen Sanktionen
gedroht.
Zu Beginn seiner Rede hatte Ahmadinedschad US-Präsident George W.
Bush zu einem Fernsehduell aufgefordert. «Ich lade Mr. Bush zu
einer Fernsehdebatte ein, um über die Entwicklungen in der Welt zu
reden. Voraussetzung ist, dass es keine Zensur gibt», sagte
Ahmadinedschad.
Das US-Außenministerium wies Ahmadinedschads Vorschlag als
«Ablenkungsmanöver» zurück. «Es ist schon
sonderbar, dass der Präsident eines Landes, das jede offene
Debatte in seiner Gesellschaft unterdrückt, nun über einen
offenen und freien Gedankenaustausch (mit Bush) spricht», sagte
Ministeriumssprecher Casey.
(Quelle: dpa)
37 Millionen Menschen in den USA sind arm
Mi.30.08.06 - Die Zahl der Armen in den Vereinigten Staaten hat sich nach vier Jahren
der Steigerung im Jahr 2005 bei 37 Millionen stabilisiert. Wie die
Behörde für Bevölkerungsstatistik bekannt gab, hatten im
vergangenen Jahr 12,6 Prozent der US-Bevölkerung nicht genug Geld
zum Leben. Das heißt, ihre Einkommen lagen im Fall von
Single-Haushalten unter 9973 Dollar (7810 Euro), bei
Vier-Personen-Haushalten unter 19.971 Dollar (15.640 Euro). Das
jährliche Durchschnittseinkommen pro Haushalt betrug rund 46.300
Dollar (36.100 Euro), gut ein Prozent mehr als im Vorjahr.
Am meisten von der Armut betroffen ist nach wie vor die schwarze
Bevölkerung (knapp 25 Prozent), gefolgt von der hispanischen (rund
22 Prozent). Die Armutsrate der Menschen asiatischen Ursprungs stieg
geringfügig an auf etwa 11 Prozent. Ebenso wuchs die Zahl der
US-Bürger ohne medizinische Absicherung von 45,3 auf 46,6
Millionen. Insgesamt stieg jedoch auch die Zahl der Krankenversicherten
auf 247,3 Millionen im Vergleich zu 245,9 im Vorjahr. Proportional
leben vor allem US-Bürger hispanischen Ursprungs ohne
Krankenversicherung. Etwa ein Drittel oder 14,1 Millionen von ihnen
sind im Krankheitsfall nicht ausreichend abgesichert.
Die Behörde ermittelt jährlich Einkommen, Armutsrate und den
Krankenversicherungsstand der US-Bevölkerung.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Annan rechnet mit Verdoppelung der UN-Truppe im Libanon bis Freitag. Im
Libanon werden die Vorräte knapp - Israel blockiert weiterhin die
Luft- und Seewege. Hunderte Israelis erwägen nach Libanon-Krieg
Auswanderung. Israelische Armee tötet zwei palästinensische
Extremisten
Mi.30.08.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich zuversichtlich gezeigt, bis
Freitag 5.000 Blauhelme im Südlibanon zu stationieren. Die
Vereinten Nationen hofften, bis dahin die derzeit 2.500 Mann starke
Truppe zu verdoppeln, sagte Annan am Dienstag in Jerusalem. Bei einem
Treffen mit dem israelischen Verteidigungsminister Amir Perez
bekräftigte er seine Forderung auf eine Aufhebung der Luft- und
Seeblockade des Libanons. Perez erklärte, Israel hoffe, die
Blockade bald beenden zu können.
Vor seinem Besuch in Jerusalem machte sich Annan im Südlibanon ein
Bild von den Zerstörungen nach den vierwöchigen Kämpfen.
In der Stadt Nakura, vier Kilometer nördlich der israelischen
Grenze, traf er mit Soldaten der Blauhelmtruppe UNIFIL zusammen, die
dort ihr Hauptquartier hat. An einem Mahnmal für die UN-Soldaten,
die seit Beginn des UNIFIL-Einsatzes 1978 ums Leben kamen, legte er
einen Kranz nieder. Zuletzt wurden am 25. Juli vier Blauhelme bei einem
israelischen Luftangriff getötet.
In Beirut hatte Annan zuvor ein von israelischen Bomben zerstörtes
südliches Stadtviertel besucht, eine Hisbollah-Hochburg. Dort
wurde er von hunderten Menschen ausgebuht.
Die italienische Marine zog am Dienstag bei Brindisi Schiffe zusammen,
die Soldaten und Flugzeuge in den Libanon bringen sollen. Das Kabinett
in Rom hatte am Montag die Entsendung von 2.500 Mann beschlossen. Das
Parlament muss dem zwar noch zustimmen, doch werden eine Reihe von
Schiffen bereits in Marsch gesetzt.
Letztlich sollen 15.000 UN-Soldaten, darunter bis zu 6.900
Europäer, die libanesischen Streitkräfte unterstützen,
die zur Sicherung des Waffenstillstands zwischen Israel und der
Hisbollah 15.000 Mann ins Grenzgebiet verlegen wollen. Eine spanische
Marineeinheit wurde am Dienstag ebenfalls auf einen baldigen Einsatz im
Libanon vorbereitet. Frankreich will seinen derzeitigen Beitrag von 400
Soldaten an der UNIFIL auf insgesamt 2.000 Mann aufstocken.
Die Entscheidung über einen deutschen Militäreinsatz im
Libanon fällt voraussichtlich in der kommenden Woche.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Dienstag in Berlin, wenn in
dieser Woche Klarheit bei den Vereinten Nationen über die Aufgaben
der geplanten internationalen Friedenstruppe geschaffen werde,
könnte das Kabinett am kommenden Montag und der Bundestag in den
Tagen danach entsprechende Beschlüsse fassen.
Die schwedische Regierung äußerte unterdessen die Hoffnung,
dass bei der für Donnerstag in Stockholm geplanten Geberkonferenz
für den Libanon rund 500 Millionen Dollar (390 Millionen Euro)
zusammenkommen würden. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten
Nationen (UNHCR) erklärte, tausende Libanesen könnten auch
nach Beendigung der Kämpfe noch nicht in ihren Häusern leben,
da diese zu stark zerstört seien. Die meisten der rund eine
Million Flüchtlinge seien jedoch wieder nach Hause
zurückgekehrt.
Die Waffenruhe zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz
hält weitgehend - doch die Menschen im Libanon bekommen den
Konflikt noch immer täglich zu spüren. Israel blockiert
weiterhin die Luft- und Seewege in den Libanon. Lediglich
Hilfslieferungen der Vereinten Nationen erreichen die Häfen und
Flughäfen des Landes. Krankenhäuser müssen daher auf ihre
Notvorräte zurückgreifen, die Schlangen an den Tankstellen
wachsen, und die Kunden beklagen das knappe Angebot in den
Supermärkten.
«Es gab ein italienisches Schiff und ein französisches
Schiff, aber sonst nur Schiffe des Welternährungsprogramms und
einen von der libanesischen Regierung gecharterten Tanker», sagt
der Sprecher des WFP, David Orr. «Wir haben ihre Passage mit den
Israelis ausgehandelt, aber darüber hinaus wird die Seeblockade
aufrechterhalten.» Im Hafen von Beirut haben sich die Kräne
seit Beginn des Krieges am 12. Juli nicht bewegt. Jeden Tag gingen auf
diese Weise eine Million Dollar Einnahmen durch den Schiffsverkehr
verloren, sagt ein Vertrauter von Verkehrsminister Mohammed Safadi,
Antoine Constantine.
Vor dem Krieg trafen in den vier libanesischen Handelshäfen in
Beirut, Tripoli, Sidon und Tyrus jeden Monat 350 Frachtschiffe ein.
«Jetzt ist alles gestoppt, und wir haben keinen Plan B»,
sagt Tarek Rida Said Bascha, der mit seiner Firma Autos verschifft.
«Ich verliere jeden Tag 5.000 Dollar (3.900 Euro).» Vier
seiner Schiffsladungen mit Autos und Autoteilen an Bord mussten
ausfallen.
Israel erlaubt, dass täglich drei Maschinen mit Hilfsgütern
in Beirut eintreffen. Außerdem dürfen sieben
Passagierflugzeuge landen, die allerdings erst in der jordanischen
Hauptstadt Amman Station machen müssen. Kommerzielle
Frachtflugzeuge erhalten keine Landeerlaubnis, wie aus Flughafenkreisen
in Beirut verlautete. Israel will die Blockade erst lockern, wenn
UN-Blauhelme und libanesische Truppen entlang der syrischen Grenze
stationiert sind, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden.
Die Krankenhäuser haben seit In-Kraft-Treten des Waffenstillstands
wieder geöffnet. Die Einrichtungen, die auch während des
Krieges offen blieben, haben ihre Vorräte fast aufgebraucht.
«Wir können nicht alle medizinischen Güter importieren,
die wir brauchen, weil es keine kommerziellen Lieferungen gibt»,
sagt George Tomey, stellvertretender Direktor des Krankenhauses der
Amerikanischen Universität von Beirut. Das Krankenhaus blieb auch
während der 34 Tage dauernden Gefechte geöffnet, nach sechs
Wochen Blockade gehen jedoch einige Medikamente zur Neige. «Wir
können nur noch etwa einen Monat so weitermachen»,
erklärt Tomey.
Auch die immer noch nicht wiederhergestellte Stromversorgung in den
südlichen Vororten von Beirut stellt die Ärzte vor Probleme.
So verfügt das Sahel-Krankenhaus zwar über Generatoren, der
Treibstoff dafür ist jedoch nur schwer zu bekommen. «Manchmal
kaufen wir Treibstoff auf dem Schwarzmarkt», sagt ein Mitarbeiter
aus der Verwaltung. Außerdem sei wegen der schweren Schäden
durch die israelischen Angriffe nur die Hälfte des Gebäudes
nutzbar.
Betroffen von der Blockade sind auch Supermärkte und Restaurants.
«Das beeinträchtigt mein Geschäft», sagt der
Supermarktbesitzer Siad Abiaad in Beirut. «Alle meine Lieferanten
wollen jetzt bar bezahlt werden.» Er müsse auf seine Reserven
zurückgreifen, um die Regale füllen zu können. Einige
Produkte seien gar nicht mehr zu bekommen.
Viele Menschen im Libanon haben während des 15 Jahre andauernden
Bürgerkrieges harte Zeiten erlebt. Aber Tomey beschrieb die
israelische Blockade als weitaus schlimmer. «Damals hatten wir
Möglichkeiten, wir konnten Dinge über den Land- oder Seeweg
bekommen, aber dieses Mal ist das sehr schwierig. Das ist eine
vollständige Blockade. Eine der härtesten Zeiten, die ich je
erlebt habe.»
Nach dem Krieg gegen den Libanon steigt die Zahl der Israelis, die
ihrem Land den Rücken kehren wollen. Die Anfragen zur Auswanderung
nach Kanada hätten sich seit den Kämpfen verfünffacht,
sagte eine Sprecherin der kanadischen Botschaft in Tel Aviv am Dienstag
der Nachrichtenagentur AFP. Die meisten Anfragen kämen aus
Nordisrael, wo während der Kämpfe fast täglich Raketen
der Hisbollah aus dem benachbarten Libanon eingeschlagen waren. Nach
Angaben der Sprecherin meldeten sich derzeit täglich etwa 50
Interessenten, zuvor lag der Schnitt bei zehn.
Israelische Soldaten haben am Dienstag zwei palästinensische
Extremisten im Norden des Westjordanlandes getötet. Die beiden
25-jährigen Mitglieder der El-Aksa-Brigaden seien bei einem
Schusswechsel mit der Armee im Flüchtlingslager Balata in Nablus
getötet worden, verlautete aus palästinensischen
Sicherheitskreisen. Drei weitere Menschen wurden demnach verletzt. Die
El-Aksa-Brigaden sind der bewaffnete Arm der Fatah-Organisation von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Die israelische Armee
bestätigte den Vorfall. Zwei Bewaffnete hätten vom Dach eines
Hauses aus das Feuer auf eine Sondereinheit eröffnet und dabei zwei
Sicherheitskräfte leicht verletzt, sagte eine Sprecherin.
(Quellen: ap, afp)
'Wir hätten sie gar nicht erst gefangen'
Hisbollah-Chef Nasrallah gesteht, Israels Reaktion auf Gefangennahme
der Soldaten unterschätzt zu haben. Offensichtliche Differenzen in
der Partei Gottes über weitere Strategie. Libanons Gesellschaft
über Entwaffnung der Schiiten-Miliz gespalten... Mehr in der taz
vom 29.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/29/a0097.1/text
Sudanischer Präsident wehrt sich gegen UN-Truppen in Darfur
Mi.30.08.06 - Nach dem Besuch der US-Sondergesandten Jendayi Frazer hat der
sudanesische Präsident Omar el Baschir die Stationierung einer
UN-Friedenstruppe in der Krisenregion Darfur erneut abgelehnt. Frazer
habe einen entsprechenden Brief an US-Präsident George W. Bush mit
auf den Weg bekommen, sagte ein Sprecher Beschirs am Montag in Khartum.
Zu einem direkten Treffen kam es nicht: Aufgrund seines "vollen
Terminplans" habe der Präsident die Sondergesandte aus Washington
nicht treffen können. Frazer war am Samstag in Khartum
eingetroffen, um für die Stationierung von Blauhelmsoldaten zu
werben. Sie wollte am Montag wieder abreisen.
(Quelle: afp)
336.000 Aids-Tote in Südafrika in vergangenem Jahr
Mi.30.08.06 - Der grassierenden Aids-Seuche in Südafrika sind in den vergangenen
zwölf Monaten nach Expertenangaben etwa 336.000 Menschen zum Opfer
gefallen. Insgesamt sind in dem Land 5,54 Millionen Menschen mit dem
HI-Virus infiziert, wie der Medizinische Forschungsrat am Dienstag
einem Parlamentsausschuss in Kapstadt mitteilte. Dies entspricht einem
Bevölkerungsanteil von 11,6 Prozent.
Besonders alarmierend ist dem Gremium zufolge die Infektion unter
jungen Frauen. Rund 25 Prozent aller 20- bis 24-Jährigen seien
HIV-positiv. Bei Männern dieser Altersgruppe liege der Anteil nur
bei zehn Prozent, erklärte Anthony Mbewu, der Präsident des
Medizinischen Forschungsrates, laut einem Bericht der
südafrikanischen Nachrichtenagentur SAPA. Die Aids-Seuche drohe
viele der seit dem Ende der Apartheid 1994 erzielten Fortschritte
wieder rückgängig zu machen.
(Quelle: ap)
Gefechte im Nordosten Sri Lankas halten an - Tote und Verletzte
Mi.30.08.06 - Im Nordosten von Sri Lanka haben sich Regierungstruppen und Rebellen am
Dienstag weiter schwere Kämpfe geliefert.
Die Armee erklärte, sie gehe von mehr als 90 getöteten
Anhängern der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) aus. Auf der
eigenen Seite habe es mittlerweile 13 Tote und 71 Verletzte gegeben. Die
Rebellen hatten am Vortag von mindestens 20 getöteten Zivilisten
gesprochen, die Armee von acht toten Soldaten.
Die Regierung begründete das harte Vorgehen gegen die
LTTE-Kämpfer damit, dass sie zehntausenden zuletzt vertriebenen
Menschen ermöglichen wolle, in das Rebellengebiet
zurückzukehren - etwa in die Stadt Mutur. Die Tamilen kämpfen
dagegen für eine größere Autonomie im Norden und Osten
des südasiatischen Inselstaates.
Die Gewalt in dem Land ist in diesem Jahr wieder deutlich aufgeflammt.
Allein im August sind hunderte Menschen bei Gefechten ums Leben gekommen
- die größte Zahl seit Vereinbarung einer Waffenruhe 2002,
die inzwischen faktisch als gebrochen gilt. Insgesamt wurden seit dem
Ausbruch des Bürgerkrieges vor zwei Jahrzehnten mehr als 65.000
Menschen getötet.
(Quelle: rtr)
Investitionen für erneuerbare Energien weltweit gestiegen
Mi.30.08.06 - Die Investitionen für erneuerbare Energien sind innerhalb eines
Jahres weltweit um fast ein Drittel angestiegen. Das geht aus dem
Globalen Statusbericht 2006 des Politiknetzwerks REN21 hervor. Danach
wurden 2005 weltweit 38 Milliarden Dollar für erneuerbare Energien
ausgegeben. Im Jahr zuvor waren es nur 30 Milliarden.
Laut Bericht bleibt Deutschland mit Investitionen in Höhe von
sieben Milliarden Dollar Weltmeister bei der Nutzung erneuerbarer
Energien. Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich
von der Entwicklung erfreut. Der Vormarsch erneuerbarer Energien schaffe
allein in Deutschland 170 000 «sichere Arbeitsplätze»,
sagte Gabriel am Dienstag in Berlin.
(Quelle: ddp)
Brüssel droht Autobauern wegen CO2-Emissionen
Mi.30.08.06 - Die EU-Kommission will die Automobilbranche notfalls dazu zwingen, die
Kohlendioxid-Emissionen von Neuwagen stärker zu verringern. Nach am
Dienstag von der Behörde vorgelegten Zahlen ist der
CO2-Ausstoß der 2004 in der EU verkauften Pkw zwar weiter
gesunken, das angepeilte Emissionsziel sei aber nur durch
zusätzliche Anstrengungen zu erreichen, sagte ein Sprecher von
Industriekommissar Günter Verheugen in Brüssel. Komme die
Industrie den freiwilligen Verpflichtungen nicht nach, müsse die
Behörde auch Maßnahmen "rechtlicher Natur" erwägen,
damit der CO2-Ausstoß weiter sinke. Technisch sei eine
stärkere Verringerung der Emissionen möglich.
(Quelle: afp)
Frankreich findet Funktionsweise der EU 'Besorgnis erregend'
Mi.30.08.06 - Die französische Regierung hat die Funktionsweise der
Europäischen Union (EU) scharf kritisiert und schnelle Reformen der
Entscheidungsprozesse gefordert. "Das Funktionieren und im weiteren
Sinne der Zustand der Union erscheinen mir Besorgnis erregend", sagte
die für Europaangelegenheiten zuständige Ministerin Catherine
Colonna am Dienstag bei der jährlichen Botschafterkonferenz in
Paris. Europa leide unter "einer Art Krankheit der Lustlosigkeit, an
allgemeiner Müdigkeit". Dies verheiße "nichts Gutes für
seine künftige Kapazität, auf die Erwartungen der Völker
zu regagieren", sagte Colonna. Die EU brauche schnell einen neuen
Impuls, wenn sie nicht das Risiko einer "langsamen und unerbittlichen
Auflösung" eingehen wolle.
(Quelle: afp)
Deutschland beteiligt sich an EU-weiter Volkszählung 2010/2011
Mi.30.08.06 - Deutschland beteiligt sich an der EU-weiten Volkszählung 2010/2011
in Form eines «registergestützten Zensus». Das
bedeutet, dass dafür die Daten aus Melderegistern und der
Bundesagentur für Arbeit ausgewertet werden. Ergänzt werden
soll die Auswertung durch eine postalische Befragung der Haus- und
Wohnungseigentümer sowie eine Stichprobenerhebung in Form von
Interviews. Einen entsprechenden Beschluss fasste das Bundeskabinett am
Dienstag in Berlin.
Der Rückgriff auf die Register sei kostengünstiger und
für die Bürger weniger belastend als eine traditionelle
Volkszählung, erklärte Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble. Der registergestützte Zensus kostet laut
Innenministerium rund 450 Millionen Euro, eine traditionelle
Volkszählung käme auf 1,4 Milliarden.
Die letzte Volkszählung im alten Bundesgebiet stammt aus dem Jahre
1987. Die Grunddaten zur Bevölkerung sowie zu Gebäuden und
Wohnungen seien im Laufe der fast zwanzig vergangenen Jahre immer
unzuverlässiger geworden, hieß es. Für Planungen und
Entscheidungen der öffentlichen Verwaltung seien genauere Zahlen
erforderlich.
Bis zum Ende des ersten Quartals 2007 soll ein Gesetzentwurf vorliegen,
der die Grundlage für die organisatorische Vorbereitung des Zensus
schafft. Das eigentliche Zensusgesetz soll Ende 2008 vorliegen. Zur
nächsten europaweiten Zensusrunde seien alle EU-Mitgliedstaaten
verpflichtet, hieß es.
(Quelle: ap)
Ostdeutsches Pro-Kopf-Einkommen erst in Jahrzehnten auf Westniveau
Mi.30.08.06 - Das Pro-Kopf-Einkommen der ostdeutschen Bundesländer wird nach
einer Prognose des ifo-Instituts erst in 55 Jahren rund 90 Prozent des
Westniveaus erreichen. Wie die Studie im Auftrag des MDR ergab, liegt
Ostdeutschland derzeit bei 69 Prozent des im Westen erreichten Wertes.
«Der westdeutsche Durchschnitt ist ein Mittelwert aus
stärkeren und schwächeren Bundesländern»,
erklärte Institutsleiter Marcel Thum im MDR-Magazin
«Umschau». «Daher werden in gut 50 Jahren viele starke
Regionen im Osten beim Pro-Kopf-Einkommen das Niveau der
schwächeren westdeutschen Länder erreicht haben»,
fügte er hinzu.
Das Pro-Kopf-Einkommen wird auch als Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
bezeichnet. Es ist die Summe aller Einkommen in einer Volkswirtschaft je
Einwohner. Zu den Einkommen zählen Löhne und Gehälter
der Arbeitnehmer, Unternehmensgewinne sowie Erträge aus
Vermögen.
Für die Prognose wurde eine jährliche Verringerung der
innerdeutschen Einkommensdifferenz pro Kopf um zwei Prozent angenommen.
Grundlage dieser Annahme sind demnach Erfahrungswerte bei ähnlichen
Angleichungsprozessen - etwa die wirtschaftliche Entwicklung der
US-Südstaaten im Vergleich zum Rest der USA. So lag im Jahr 1930
das Pro-Kopf-Einkommen in den Südstaaten bei 60 Prozent des Wertes
der übrigen US-Staaten. 75 Jahre später war der Wert auf fast
90 Prozent gestiegen.
(Quelle: ap)
Merkel lehnt einheitliche Mindestlöhne ab
Mi.30.08.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich gegen einheitliche
Mindestlöhne in Deutschland ausgesprochen. Sie glaube nicht, dass
Mindestlöhne «die Antwort» auf die
Arbeitsmarktprobleme seien, sagte Merkel am Dienstagabend im
ZDF-«heute-journal». Die Kanzlerin kündigte zugleich
eine «sehr intensive Diskussion» über Kombilöhne
und den Niedriglohnbereich an.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) habe hierfür
eine Arbeitsgruppe einberufen. Dazu seien Anhörungen von Experten
vorgesehen. «Wir werden uns auch den Sachverstand von denen, die
betroffenen sind, zu Rate ziehen», kündigte Merkel an. Sie
fügte hinzu: «Wir wollen durch solche Maßnahmen mehr
Arbeitsplätze schaffen und nicht etwa Arbeitsplätze in Gefahr
bringen». Dies müsse die Leitlinie der Bundesregierung sein.
(Quelle: ddp)
Wachsende Kinderarmut - Kinderschutzbund schlägt Alarm
Mi.30.08.06 - Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen in Armut auf. Nach neuesten
Berechnungen leben rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf
Sozialhilfeniveau, teilte der Deutsche Kinderschutzbund am Dienstag in
Berlin mit. Damit steige die Armut unter Kindern deutlich schneller als
in der übrigen Bevölkerung. Besonders betroffen seien Kinder
allein erziehender Eltern und aus Zuwandererfamilien. Fast 40 Prozent
der Alleinerziehenden und deren Kinder lebten in Armut.
Unicef, der Deutsche Kinderschutzbund und das Bündnis für
Kinder forderten die Bundesregierung auf, einen Aktionsplan zur
Reduzierung der Kinderarmut vorzulegen. «Kinder ohne Chancen sind
die Arbeitslosen von morgen. Die Überwindung von Kinderarmut ist
eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben», sagte
Altbundespräsident Roman Herzog, Vorsitzender des Bündnisses
für Kinder. «Kein Land kann es sich leisten, so vielen
Kindern einen guten Start ins Leben vorzuenthalten», ergänzte
Heide Simonis, Vorsitzende von Unicef Deutschland.
(Quelle: ddp)
Was Angela Merkel über Kinderarmut zu sagen hat
2,5 Millionen Kinder leben in Deutschland in Armut. Ein Skandal, den
Unicef und andere endlich öffentlich diskutieren wollen. Zur
Unterstützung haben sie einen prominenten Gast eingeladen: Angela
Merkel. Dass die Armut auch mit ihrer Politik zu tun hat, will sie
jedoch nicht wissen... Mehr in der taz vom 30.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/31/a0145.1/text
Grünes Licht für Atomzwischenlager
Mi.30.08.06 - Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat grünes Licht für
die drei bayerischen Zwischenlager an den Atomkraftwerken
Gundremmingen, Ohu und Grafenrheinfeld gegeben. Wie das Gericht am
Dienstag mitteilte, wurden die Beschwerden mehrerer Anwohner, der
nordschwäbischen Gemeinde Aislingen und eines Wasserzweckverbandes
gegen die Nichtzulassung einer Revision zurückgewiesen. Damit
stehe rechtskräftig fest, dass die Kläger durch den Betrieb
der Standortzwischenlager nicht in ihren Rechten verletzt werden.
Die auf 40 Jahre befristete atomrechtliche Genehmigung erlaubt den
Betreibern der Kernkraftwerke Gundremmingen II, Grafenrheinfeld sowie
Isar 1 und Isar 2 bestrahlte Brennelemente in Castorbehältern
aufzubewahren und diese zwischenzulagern, bis sie an ein Endlager
für radioaktive Abfälle abgeliefert werden.
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte Klagen gegen die Atomlager
zum Jahreswechsel abgewiesen und gegen die Entscheidung keine Revision
zugelassen. Mehrere Kläger beantragten allerdings beim
Bundesverwaltungsgericht, diese Nichtzulassung aufzuheben. Dabei
machten sie den Angaben zufolge geltend, dass beim Betrieb der
Zwischenlager weder ein Schutz vor möglichen Schäden durch
die Aufbewahrung der radioaktiven Brennelemente noch eine ausreichende
Absicherung gegen Störfälle oder einen terroristischen
Angriff sichergestellt sei.
Der Verwaltungsgerichtshof dagegen sah keine Ermittlungs- und
Bewertungsfehler bei der Beurteilung des Bundesamts für
Strahlenschutz. Dieses war zu der Einschätzung gekommen, dass die
nach dem Stand von Wissenschaft und Technik gebotene Schadensvorsorge
getroffen und der Schutz vor terroristischen Einwirkungen auf die
Zwischenlager gewährleistet sei. Zudem verwiesen die Richter
darauf, dass die Betreiber zum Betrieb der Zwischenlager bis zur
Endlagerung der bestrahlten Brennelemente gesetzlich verpflichtet seien.
Die Atomgegner fürchten allerdings, dass die Zwischenlager
angesichts einer ungeklärten Endlagerung zu verdeckten
Langzeitatommüll-Parkplätzen werden könnten.
Kläger-Sprecher Raimund Kamm kündigte in einer ersten
Stellungnahme an, dass er der Mitgliederversammlung des Forums gegen
die Atomzwischenlager vorschlagen werde, vor das
Bundesverfassungsgericht zu ziehen. «Wir sehen durch diese
hochgefährlichen Zwischenlager unsere Grundrechte, vor allem auf
körperliche Unversehrtheit, verletzt», betonte er.
Im Atomzwischenlager in Gundremmingen, wo bis zu 192
Castorbehälter eingelagert werden sollen, sind am Wochenende nach
Angaben eines Sprechers schon die ersten drei Atombehälter in die
104 Meter lange und 38 Meter breite Lagerhalle gebracht worden. Derzeit
seien Fachleute im Atomkraftwerk dabei, einen weiteren
Atombehälter mit abgebrannten Brennelementen zu befüllen,
sagte Kraftwerkssprecher Jan Kiver. Kontrolliert werde dieser Vorgang
ständig durch Kameras und einen Beobachter der Internationalen
Atomenergie Organisation sowie durch TÜV-Experten. Das sind laut
Kiver international gültige Standardmaßnahmen. Der Sprecher
begrüßte die Gerichtsentscheidung: «Wir sehen uns in
unserer Rechtsauffassung in allen Punkten bestätigt.» (Az:
BVerwG 7 B 38.06)
(Quelle: ddp)
Weitere Fragen zur Sicherheit von Brunsbüttel
Mi.30.08.06 - Die Untersuchungen zur Sicherheit im Kernkraftwerk Brunsbüttel an
der Unterelbe gehen weiter. Eine erste Sichtung der am Montag vom
Betreiber Vattenfall vorgelegten Unterlagen zur Notstromversorgung des
Kernkraftwerks habe noch diverse Nachfragen der Aufsichtsbehörde,
der Sachverständigen und des Bundesumweltministeriums ergeben,
erklärte am Dienstag das schleswig-holsteinische Sozialministerium.
Im Rahmen des Aufsichtsgespräches wurden Vattenfall weitere
detaillierte Nachweise, Schaltpläne und Berechnungen abgefordert,
sagte ein Sprecher. Das Ministerium lege größten Wert auf
die vollständige Übersendung belastbarer und abgesicherter
Informationen. Vattenfall hatte am Montag schon erklärt,
Brunsbüttel sei sicher. Ein Störfall der Notstromversorgung
wie in einem schwedischen Kraftwerk sei ausgeschlossen.
(Quelle: ap)
Schwedische Verhältnisse in Brunsbüttel
Nach dem Beinahe-GAU im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark ist noch
immer die Frage offen: Kann auch in einem deutschen Atomreaktor das
Notstromsystem derart versagen, dass eine Kernschmelze droht? Das AKW
Brunsbüttel ist alt, von gleicher Bauart und hatte ähnliche
Störfälle... Mehr in der taz vom 30.08.06:
http://www.taz.de/pt/2006/08/31/a0136.1/text
Immer noch Streit um Anti-Terror-Datei
Mi.30.08.06 - Bei den Bemühungen um die seit fünf Jahren geplante
Anti-Terror-Datei für Polizei und Geheimdienste besteht innerhalb
der Bundesregierung immer noch Uneinigkeit. Bei einem Gespräch
zwischen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) seien am Montagabend nicht alle
Streitpunkte ausgeräumt worden, berichtete die Tageszeitung
«Die Welt» (Dienstagausgabe) unter Berufung auf
Regierungskreise.
Verfassungsrechtliche Bedenken hat Zypries nach dieser Darstellung hat
vor allem gegen die Erfassung der Religionszugehörigkeit. Dies
fordern jedoch Schäuble und Länderinnenminister wie
Günther Beckstein (CSU) aus Bayern sowie Uwe Schünemann (CDU)
aus Niedersachsen.
(Quelle: ap)
Knobloch: Deutsche Politiker unterstützen 'Anti-Stimmung gegen
Juden'
Mi.30.08.06 - Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Charlotte Knobloch, hat einigen Politikern vorgeworfen, eine durch den
Nahost-Konflikt verursachte «Anti-Stimmung gegen Juden in
Deutschland» zu unterstützen. Als Beispiel nannte sie am
Dienstag im Gespräch mit «Spiegel Online» die
Linksfraktion und deren Vorsitzenden Oskar Lafontaine, aber auch
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Dies seien
Politiker, «die sich mit wohl bedachten Worten dieser
Anti-Stimmung anschließen.» Sie habe das in der
Bundesrepublik noch nie erlebt.
Die «Anti-Stimmung gegen Juden und Israel» sei in alle
Kreise und Schichten eingedrungen und jetzt stärker in der
Öffentlichkeit wahrnehmbar als früher, sagte Knobloch. Sie
hoffe deshalb auf die demokratischen Kräfte in Deutschland. Sonst
würden alle positiven Gedanken, die sie in Bezug auf Deutschland
habe, in Frage gestellt. «Ich habe meine Koffer hier ausgepackt.
Und ich möchte sie nicht wieder einpacken», sagte die
Zentralratspräsidentin.
Außerdem warnte Knobloch vor einer Politik der Beschwichtigung
gegenüber dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.
«Insgesamt erinnert mich die heutige Situation an die
gescheiterte Appeasement-Politik gegenüber Hitler», sagte
sie. Zwar hoffe sie auf die Teheran-Mission des
UN-Generalsekretärs Kofi Annan; die Diplomatie sei momentan aber
am Ende. «Die Geschichte wiederholt sich doch immer wieder. Und
daraus sollte man lernen.»
(Quelle: ap)
Rassismus-Beschwerde vor UNO gegen Bundesrepublik
Mi.30.08.06 - Die Bundesrepublik ist erstmals wegen Rassismus vor dem
zuständigen UN-Ausschuss verklagt worden. Der Zentralrat Deutscher
Sinti und Roma legte vor dem Genfer Gremium Beschwerde ein, weil ein
rassistischer Leserbrief eines Kriminalbeamten trotz einer Strafanzeige
ohne juristische Folgen geblieben war. Stimmungsmache gegen Sinti und
Roma dürfe von Juristen nicht als «kritische und pointierte
Auseinandersetzung» gewertet werden, sagte der
Zentralratsvorsitzende Romani Rose am Dienstag in Potsdam.
Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hatte Ermittlungen wegen
Volksverhetzung gegen einen bayerischen Kriminalpolizisten eingestellt,
der in einem Leserbrief in der Zeitschrift des Bundes Deutscher
Kriminalbeamter (BDK) Sinti und Roma als Trickdiebe, Betrüger und
Sozialschmarotzer dargestellt hatte. Die Entscheidung war nach
Beschwerden des Zentralrates auch von der Brandenburger
Generalstaatsanwaltschaft und dem Oberlandesgericht Brandenburg
bestätigt worden.
Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck
verurteilte die «beschämenden Äußerungen»
des Polizisten. «Solche Entgleisungen gehören von
Gesellschaft und Politik scharf verurteilt. Sie sind und bleiben
verabscheuungswürdig», sagte der SPD-Politiker nach einem
Treffen mit Rose. Er kündigte an, sich erneut für die
Verschärfung der Gesetze bei Gewaltstraftaten mit rassistischem
Hintergrund einzusetzen.
Der Zentralrat will mit seiner Beschwerde vor dem UN-Komitee zur
Beseitigung von Rassismus in Genf unter anderem erreichen, dass solche
Straftaten künftig eher als Verbrechen eingestuft und rassistisch
motivierte Gewalttäter härter bestraft werden als andere. Als
Vorbild nannte Rose das US-amerikanische «Hate
Crime»-Gesetz. Eine entsprechende Bundesratsinitiative
Brandenburgs war allerdings 2000 am Widerstand anderer Bundesländer
gescheitert.
Zudem forderte der Zentralrat eine Verordnung auf Bundesebene, um
Behörden die Veröffentlichung des ethnischen, religiösen
oder sexuellen Hintergrundes eines Beschuldigten zu verbieten. Ausnahmen
dürfe es nur geben, wenn dieser Sachverhalt zum Verständnis
der Tat nötig sei, sagte Rose.
Im August 2005 war in der im brandenburgischen Neuruppin erscheinenden
Zeitschrift «Der Kriminalist» ein Leserbrief des damaligen
stellvertretenden bayerischen BDK-Vorsitzenden Peter Lehrieder
erschienen. Darin hatte der Kriminalist aus Fürth geschrieben, ihm
sei von Sinti erklärt worden, «dass man sich als 'Made im
Speck' der bundesrepublikanischen Wohlfahrtsgesellschaft
fühle». Die Legitimation für Diebstahl, Betrug und
Sozialschmarotzerei nehme man sich aus der Opferrolle unter der
NS-Herrschaft, fuhr er fort.
Der Zentralrat der Sinti und Roma hatte daraufhin Strafanzeige wegen
Volksverhetzung gestellt. Die Einstellung des Verfahrens war vom
Brandenburger Oberlandesgericht unter anderem mit der nur 20.000
Exemplare umfassenden Auflage der Fachzeitschrift gerechtfertigt worden.
Mit seinen Äußerungen habe der Kriminalist nicht nachweisbar
zum Hass aufstacheln wollen», hieß es im Gerichtsentscheid.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Lebewesen kamen schon 20 Millionen Jahre früher ans Land
Mi.30.08.06 - Der Schritt vom Wasser ans Land hat sich offenbar schon 20 Millionen
Jahre früher vollzogen als bisher vermutet: Forscher fanden im
südaustralischen Bundesstaat Victoria Fossilien eines
Lungenfisches, der 20 Millionen Jahre älter ist als bisherige
Funde. Das teilte Zarena Johanson, Wissenschaftlerin an der Macquarie
University, mit. Der neu entdeckte Fisch, von den Wissenschaftlern
Eoactinistia foreyi getauft, ist fast 410 Millionen Jahre alt.
Die Wissenschaftler beschreiben den sensationellen Fund in der neuen
Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift "Biology Letters".
Ursprünglich wurde angenommen, dass der Lungenfisch vor 65
Millionen Jahren von der Erde verschwand. Er wurde jedoch 1938 im
Indischen Ozean wiederentdeckt. Die Lungenfische stellen eine Ordnung
der Knochenfische dar. Ihre nächsten Verwandten sind die
Quastenflosser und die Landwirbeltiere. Sie verfügen, wie schon der
Name sagt, über eine Lunge statt über Kiemen.
Australische Wissenschaftler hatten bereits eine ganze Reihe von
prähistorischen Tieren untersucht, wie ein Känguru mit
säbelartigen Zähnen. Die Forschungen sind für die
Vergangenheit Australiens äußerst bedeutend. Deswegen
ermuntern die Wissenschaftler Bauern, wegen möglicher
Fossilienfunde Steine und Felsen genau zu untersuchen und Entdeckungen
zu melden.
(Quelle: afp)