Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertdreiundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
73 Tote bei Anschlägen und Zusammenstößen.
US-Präsident Bush: Truppenabzug würde Irak zum Terrorstaat
machen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warnt vor Bedrohung
durch den Terrorismus als 'einer neuen Form des Faschismus'
Do.31.08.06 - Bei einer Serie von Bombenanschlägen und gewalttätigen
Auseinandersetzungen sind im Irak mindestens 73 Menschen getötet
worden. Der folgenschwerste Anschlag ereignete sich auf einem Markt in
Bagdad, wo eine Bombe mindestens 24 Menschen in den Tod riss. In und um
Baakuba wurden 20 Menschen getötet. In Hilla südlich von
Bagdad explodierte eine Bombe vor einem Rekrutierungszentrum der Armee.
Dabei starben mindestens zwölf Menschen.
Bei dem Anschlag in Bagdad wurden 35 Menschen verletzt. Er eignete sich
am Vormittag auf dem Schordscha-Markt im Zentrum der Stadt. "Die Bombe
war in einer Tasche versteckt", sagte ein Polizist, der zur Zeit des
Anschlags anwesend war.
Südlich von Baakuba starben sieben Zivilisten in einem Minibus,
als eine am Straßenrand deponierte Bombe explodierte. Die Familie
war auf dem Weg zu einer Hochzeit. Drei Zivilisten starben bei einem
ähnlichen Anschlag nordöstlich der Stadt.
Ebenfalls durch eine am Straßenrand deponierte Bombe starben vier
Polizisten. Die Patrouille war südöstlich von Baakuba
unterwegs. Im Osten Baakubas wurden zwei Soldaten getötet, als
neben ihnen eine Bombe gezündet wurde. Vier Zivilisten, darunter
eine Frau und ein zwölfjähriges Kind, wurden bei
verschiedenen Vorfällen in der Stadt erschossen. Die Gegend um
Baakuba, der Provinzhauptstadt von Dijala, ist eine der
gefährlichsten im Irak; Tag für Tag werden dort dutzende
Menschen umgebracht.
In Hilla sei die Bombe sei in einem Motorrad versteckt gewesen,
hieß es. Sie sei explodiert, als sich Kandidaten für den
Beitritt zur Armee am Rekrutoerungszentrum versammelt hätten.
Neben den zwölf Toten habe es 38 Verletzte gegeben, teilte die
Polizei mit.
Bei weiteren Anschlägen und gewalttätigen
Auseinandersetzungen wurden nach Polizeiangaben 16 Menschen
getötet. In Samawa kam es nach Angaben von Rettungskräften
während einer Demonstration zu Ausschreitungen, bei denen ein
Mensch getötet und zehn verletzt wurden.
Ein vorschneller Abzug der US-Truppen aus dem Irak würde das Land
nach den Worten von US-Präsident George W. Bush in einen
terroristischen Staat verwandeln, der gefährlicher als Afghanistan
unter der Herrschaft der Taliban wäre. Bush, der am Donnerstag mit
einer Serie von Reden das Engagement der USA im Irak und den Krieg
gegen Terror verteidigen wollte, äußerte sich am Mittwoch
auf einer Wahlkampfveranstaltung in Nashville im US-Staat Tennessee.
Ein Abzug der USA würde einen Feind ermutigen, der den Amerikanern
schaden und die internationale Glaubwürdigkeit der USA
beschädigen wolle, erklärte Bush. Ein terroristischer Staat
Irak wäre viel gefährlicher als Afghanistan, weil er seine
Aktivitäten mit seinen Ölreserven bezahlen könnte.
«Es steht viel auf dem Spiel», sagte Bush, «die
Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika, die Möglichkeit
unserer Kinder in einer friedlichen Welt aufzuwachsen, hängt zum
großen Teil von unserer Bereitschaft ab, dieser jungen irakischen
Demokratie zum Erfolg zu verhelfen.»
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warnte vor der Bedrohung durch
den Terrorismus als "einer neuen Form des Faschismus".
US-Verteidigungsminister Rumsfeld sagte bei einer
Wahlkampfveranstaltung in Salt Lake City, die USA seien mit "einer
neuen Form von Faschismus" konfrontiert. Rumsfeld verglich den Kampf
gegen den Nationalsozialismus mit der heutigen Bekämpfung des
Terrorismus.
Südkorea teilte unterdessen mit, bis Mitte September 650 Soldaten
aus dem Irak abzuziehen. Insgesamt sollen bis Ende des Jahres 1.000 der
3.200 Südkoreaner nach Hause zurückkehren. Der Abzug begann
bereits im Mai.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.08.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.31.08.05 - Bush verteidigt erneut Irak-Kurs gegen Kritik +++ Mindestens 56 Tote bei
US-Luftangriffen im Irak +++ Sunniten wollen Bündnis mit Schiiten
gegen Verfassung +++ UN-Agenturen sollen Gelder an den Irak
zurückzahlen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0508310.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Libanon erteilt Friedensvereinbarung mit Israel Absage. Israel lehnt
schnelle Aufhebung der Libanon-Blockade ab - Schließt neue
Militärschläge im Libanon nicht aus. Militärischer
Führer des Islamischen Dschihad tot. Acht Palästinenser
sterben durch israelische Kugeln im Gazastreifen
Do.31.08.06 - Eine umfassende Friedensvereinbarung mit Israel steht für die
libanesische Regierung trotz aller internationaler Bemühungen
weiterhin nicht auf der Tagesordnung. Der Libanon werde «das
letzte arabische Land» sein, das einen Friedensvertrag mit Israel
unterzeichne, sagte Ministerpräsident Fuad Siniora am Mittwoch.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und
UN-Generalsekretär Kofi Annan hatten zuvor erklärt, sie
hofften nach der Waffenruhe auf eine Normalisierung der Beziehungen
beider Staaten.
Jeden direkten Kontakt mit der Regierung in Jerusalem lehne er ab,
betonte dagegen Siniora. Mit Israel werde kein Abkommen zu Stande
kommen, solange es nicht auch einen Frieden auf der Grundlage der
«arabischen Initiative» aus dem Jahre 2002 gebe. Diese
sieht eine Rückgabe aller 1967 von Israel besetzten Gebiete und
die Errichtung eines palästinensischen Staates vor.
Olmert hatte zuvor erklärt, die Waffenruhe nach 34 Tagen Krieg
könnte «der Grundstein dafür sein, eine neue
Realität zwischen Israel und dem Libanon zu erbauen». Annan
und die israelische Außenministerin Zipi Livni bekundeten ihre
Hoffnung auf eine umfassende Friedensvereinbarung. Der Waffenstillstand
biete eine Grundlage, «die Differenzen zwischen Israel und dem
Libanon ein für alle Mal beizulegen», sagte Annan bei seinem
Besuch in Jerusalem.
Ein libanesischer Hisbollah-Minister erklärte unterdessen, die
beiden entführten israelischen Soldaten würden nur im Rahmen
eines Gefangenenaustauschs freigelassen. Es werde keine bedingungslose
Freilassung geben, sagte Minister Mohammed Fneisch.
Israel hat die Forderung der Vereinten Nationen nach einer schnellen
Aufhebung der Luft- und Seeblockade gegen den Libanon
zurückgewiesen.
Ein Ende der Blockade sei erst mit der Umsetzung der gesamten
UN-Resolution für einen Waffenstillstand im Nahen Osten
möglich, sagte Ministerpräsident Ehud Olmert am Mittwoch nach
einem Treffen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in Jerusalem.
Die Aufhebung der seit sechs Wochen andauernden Sperre ist ein
vordringliches Ziel der derzeitigen Vermittlungsbemühungen Annans
im Nahen Osten. Dabei gehe es nicht nur um die wirtschaftlichen Folgen,
sondern auch um eine Stärkung der libanesischen Regierung, sagte
Annan.
Eine Absage erteilte Olmert auch Annans Wunsch nach einem
vollständigen Abzug des israelischen Militärs innerhalb
weniger Wochen oder sogar binnen Tagen. "Israel wird sich aus dem
Libanon zurückziehen, wenn die Resolution umgesetzt ist", sagte der
Regierungschef. Annan hatte eine rasche Verdopplung der
UN-Truppenstärke im Libanon auf 5000 in Aussicht gestellt. Er
hoffe, dass Israel seinen Abzug parallel dazu fortsetze und ihn
abgeschlossen haben werde, wenn in Kürze die vorläufige
Zielgröße von 5000 Blauhelmen erreicht sei, sagte der UN-Chef.
Israels Verteidigungsminister Amir Perez hatte am Dienstag den Abzug in
Aussicht gestellt, wenn eine "vernünftige" Zahl von UN-Soldaten
eingetroffen sei. Eine Zahl nannte er aber nicht. Die
UN-Waffenstillstandsvereinbarung sieht die Stationierung von bis zu
15.000 ausländischen Soldaten im Libanon vor. Ihre volle
Stärke soll die Truppe aber erst bis zum 4. November erreicht haben.
Olmert bekräftigte seine Forderung, die UN-Soldaten sollten nicht
nur im Südlibanon eingesetzt werden, sondern auch entlang der
Grenze zu Syrien Waffenlieferungen an die Hisbollah unterbinden. Dies
ist gemäß der UN-Resolution aber nur auf Wunsch der
libanesischen Regierung möglich.
Die israelische Außenministerin Zipi Liwni schließt
neuerliche Militärschläge im Libanon nicht aus. Ihr Land wolle
mithelfen, den Libanon in einen normalen, unabhängigen Staat zu
verwandeln, sagte Liwni der Wochenzeitung «Die Zeit» laut
Vorabmeldung. Zugleich warnte sie aber: «Wenn sich nichts
ändert, werden wir erneut eingreifen." Die Hisbollah kenne den
Preis, den ein weiterer Angriff auf Israel hätte, fügte sie
hinzu. Sie glaube aus diesem Grund nicht, dass die Hisbollah, die die
Waffenrufe derzeit einhalte, «so schnell eine Wiederholung
plant».
Israels Zustimmung zur Stationierung einer internationalen
Friedenstrupe im Libanon bezeichnete die Außenministerin als
»kalkuliertes Risiko«. »Wir brauchen diese Truppe
nicht, um Israel zu verteidigen«, stellte Liwni klar. Israel wolle
aber mit ihr kooperieren, um der libanesischen Regierung zu helfen,
ihre Soldaten im Süden zu stationieren und das Waffenembargo
einzuhalten. Zur geplanten deutschen Beteiligung sagte Liwni:
«Wenn sich Deutschland beteiligt, wäre das eine
unabhängige deutsche Entscheidung.»
Liwni rechtfertigte erneut die israelische Militärstrategie.
Israel habe sich gegen eine unprovozierte Aggression gewehrt und sei
dabei von der Völkergemeinschaft unterstützt worden. Die Welt
müsse verstehen, dass es zivile Opfer geben könne, «wenn
sich Terroristen unter Zivilisten verstecken».
Die Europäische Union kündigte unterdessen weitere
Finanzhilfen in Höhe von 42 Millionen Euro für den Libanon an
Die EU-Kommission erklärte, die neuerliche Finanzhilfe werde auf
der Libanon-Konferenz am (morgigen) Donnerstag in Stockholm zugesagt.
Die EU hat bereits 50 Millionen Euro für das Land bereitgestellt.
Eine bislang unbekannte Gruppe in den Golanhöhen drohte mit der
Entführung israelischer Soldaten, die gegen syrische
Häftlinge in Israel eingetauscht werden könnten. In einer an
Nachrichtenagenturen in Damaskus gefaxten Erklärung der so
genannten Männer des Nationalen Syrischen Widerstandes hieß
es, es würden «die notwendigen Maßnahmen»
ergriffen, um 16 Syrer freizubekommen.
Nach einem gezielten Angriff der israelischen Armee ist der Chef des
militärischen Arms des Islamischen Dschihad im Westjordanland,
Hossam Dscharadat, gestorben. Er sei in einem Krankenhaus in Nablus
seinen Verletzungen erlegen, hieß es aus Sicherheitskreisen und
seitens der radikalen Gruppe. Bei einer Militäraktion im Osten von
Gaza töteten israelische Soldaten acht Palästinenser. Laut
Krankenhaus war die Mehrzahl von ihnen Zivilisten.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und
UN-Generalsekretär Kofi Annan forderten nach einem Treffen in
Ramallah die Schaffung eines eigenständigen
Palästinenserstaates.
Der 40-jährige Dscharadat war vor einer Woche bei einem gezielten
Versuch der israelischen Armee, ihn im Flüchtlingslager von
Dschenin im Norden des Westjordanlandes zu töten, verletzt worden.
Er war dabei von mehreren Kugeln getroffen worden, unter anderem am
Kopf. Israel hatte Dscharadat für zahlreiche Anschläge
verantwortlich gemacht.
Im Osten von Gaza im Stadtteil Tschudschaja starben sieben
Palästinenser durch israelische Kugeln. Augenzeugen zufolge wurden
ein 27-Jähriger und ein 25-Jähriger tödlich getroffen,
als sie aus einem von israelischen Panzern umstellten Haus zu entkommen
suchten. Zwei 23-Jährige, die die beiden Opfer aus der Schusslinie
holen wollten, fanden ebenfalls den Tod. Bei anderen ähnlichen
Vorfällen starben drei weitere junge Palästinenser. Eine
israelische Armeesprecherin sagte, die Soldaten seien von Bewaffneten
angegriffen worden und hätten zurückgefeuert. In Beit Lahija
im Norden des Gazastreifens wurde nach palästinensischen Angaben
ein geistig Behinderter erschossen, weil er sich der Grenze zu Israel
genähert hatte.
UN-Generalsekretär Annan traf bei seiner Nahost-Reise mit
Palästinenserpräsident Abbas in Ramallah zusammen. Beide
Politiker forderten anschließend das Ende der israelischen
Offensive im Gazastreifen, bei der seit zwei Monaten mehr als 200
Palästinenser getötet wurden. "Das Ende der Besetzung und die
Schaffung eines palästinensischen Staates" seien der
Schlüssel für eine Lösung der Probleme in der Region,
sagte Annan.
Annan und Abbas riefen die radikalen Palästinenser auf, ihre
Raketenangriffe auf Israel einzustellen. Die Raketenangriffe vom
Gazastreifen aus auf Israel "schaden den Interessen unseres Volkes und
bringen uns Tod und Zerstörung", sagte der
Palästinenserpräsident.
(Quellen: rtr, ap, ddp, afp)
Kalifornien beschränkt als erster US-Staat Ausstoß an
Klimagasen
Do.31.08.06 - Kalifornien will als erster US-Staat den Ausstoß an so genannten
Klimagasen gesetzlich beschränken. Eine entsprechende Vereinbarung
wurde am Mittwoch von Gouverneur Arnold Schwarzenegger und den
Demokraten in Kalifornien erreicht. Ziel ist demnach die Senkung des
Ausstoßes an Kohlendioxid und anderen klimaschädlichen Gasen
um 25 Prozent bis 2020. Erreicht werden soll dies über die
Möglichkeit des Kaufs, Verkaufs und Handels mit Emissionsrechten.
Mit diesem Schritt verabschiedet sich Kalifornien von der Politik von
US-Präsident George W. Bush, der gesetzliche Beschränkungen
ablehnt. Schwarzenegger aber kann einen wichtigen Erfolg in der
Umweltpolitik verbuchen, der seine Chancen auf eine Wiederwahl im
Herbst verbessert. Das Gesetz muss noch vom Parlament gebilligt werden.
Es wurde von Umweltschützern begrüßt. Die Republikaner
kritisierten, derartige Fragen der Umweltpolitik müssten auf
nationaler Ebene und nicht in einem einzelnen Staat geregelt werden.
Kalifornien ist der bevölkerungsreichste Staat der USA und der
zwölftgrößte Emittent an Klimagasen auf der Welt.
(Quelle: ap)
Schanghai: Klage wegen Berichts über Arbeitsbedingungen abgemildert
Do.31.08.06 - Eine chinesische Firma, die den populären iPod für Apple
fertigt, hat ihre Schadenersatzforderung gegen zwei Journalisten auf
den symbolischen Wert von einem Yuan (zehn Cent) reduziert. Die
Journalisten hatten berichtet, dass in dem Werk von Hongfujin Precision
Industry gesetzliche Bestimmungen zu den Arbeitsbedingungen nicht
eingehalten würden. Apple hatte danach eine eigene Untersuchung
angestrengt. Dabei wurden zwar einige Verstöße gegen
Grundsätze von Apple, aber keine groben Vergehen festgestellt.
Hongfujin Precision Industry hatte die beiden Journalisten danach auf
30 Million Yuan (drei Millionen Euro) Schadenersatz verklagt und auch
verlangt, dass die Bankkonten der beiden eingefroren werden. Diese
Forderungen wurden jetzt aber nach einem Proteststurm
zurückgezogen, offenbar um weitere Negativberichte zu verhindern.
Zuletzt hatte die Organisation Reporter ohne Grenzen gefordert,
Apple-Chef Steve Jobs solle sich zu Gunsten der Journalisten
einschalten.
(Quelle: ap)
Unbefristeter Streik im größten VW-Werk in Brasilien
angedroht
Do.31.08.06 - Wegen der angekündigten Stellenentlassungen im größten
VW-Werk in Brasilien drohen die rund 12.000 Beschäftigten mit einem
unbefristeten Streik. Das teilte ein Gewerkschaftssprecher am Dienstag
(Ortszeit) mit. VW hatte zuvor angekündigt, in dem Werk Anchieta
bei São Paulo im November die ersten 1800 Mitarbeiter zu
entlassen. Der Konzern reagierte damit auf das Scheitern der
Verhandlungen über seinen Sanierungsplan, bei dem in dem Werk
über drei Jahre hinweg insgesamt 3600 Stellen wegfallen sollten.
(Quelle: afp)
Deutschland
Schavan erwartet von High-Tech-Strategie bis zu 1,5 Millionen Jobs
Do.31.08.06 - Von ihrer neuen High-Tech-Strategie erhofft sich die Bundesregierung
bis zu 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Dies erklärte
Forschungsministerin Annette Schavan am Mittwoch in Berlin. Dazu werde
der Bund bis 2009 insgesamt 14,6 Milliarden Euro in
Hochtechnologie-Entwicklung stecken. Teil davon sei ein
zusätzliches Sechs-Milliarden-Programm.
Mit der am Dienstag vom Kabinett beschlossenen Strategie habe man
«ein klares Signal für die Priorität von Forschung und
Entwicklung gesetzt», meinte Schavan. Sie forderte die Länder
und die Wirtschaft dazu auf, auch ihren Teil dazu beizutragen, bis 2010
die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf drei Prozent des
Bruttoinlandsprodukts zu steigern.
Als «elementaren Bestandteil» der neuen Strategie, nannte
die CDU-Politikerin den «systematischen Brückenschlag von der
Wissenschaft zur Wirtschaft». Ziele seien neben der engen
Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft die Steigerung des
privaten Innovationsengagements, die gezielte Verbreitung von
Spitzentechnologie, Internationalisierung der Forschung sowie
Talentförderung. Als konkretes Beispiel nannte Schavan geplante
Forschungsprämien für kleine Firmen, die Forschungsauftrage an
Hochschulen oder andere Wissenschaftler vergeben.
Außerdem seien 17 «Innovationsfelder» bestimmt
worden, darunter Umwelttechnologien, Kommunikation oder Raumfahrt.
Schavan betonte, dass solche Forschung auch die
«Lebensqualität» steigern könne, zum Beispiel in
den Feldern Sicherheit und Gesundheit. Die Ministerin kündigte ein
«übergreifendes Sicherheitsforschungsprogramm» an, das
dem Schutz der Menschen und ihrer Freiheit dienen solle. Dabei geht es
um Dinge wie Biometrie oder Überwachungstechnik, die auch in der
Terrorbekämpfung zum Einsatz kommen. Im Gesundheitssystem
könnten neue Diagnose- und Behandlungsmethoden Kosten senken.
Damit die High-Tech-Strategie aufgeht, sei ein Ausbildungs- und
Qualifikationsniveau nötig, das höchsten Anforderungen
entspreche, mahnte die CDU-Politikerin. So werde es vor allem in den
kommenden zehn bis 20 Jahren einen deutlich größeren Bedarf
an Fachkräften geben. Es sei eine Chance, dass die Zahl der
Studierenden in den kommenden Jahren von zwei auf 2,5 Millionen steigen
werde.
Bei der Wirtschaft trifft die Strategie auf positive Resonanz. Nach dem
DIHK lobte sie auch der Bundesverband der Deutschen Industrie. Leise
Kritik übte BDI-Chef Jürgen Thumann daran, dass von den
zusätzlichen sechs Milliarden Euro der Löwenanteil in Bildung
und Wissenschaft und nicht so sehr in die Umsetzung fließen solle.
Auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI)
forderte besonderes Augenmerk auf die Umsetzung technischer
Möglichkeiten, statt nur die Forschungspipeline zu füllen.
Die SPD lobte die Strategie als Startschuss, Deutschland in den
wichtigsten technologischen Zukunftsfeldern an die Weltspitze zu
führen. Die Strategie sei aber nur eine Blaupause. Die konkrete
Arbeit auf Programmebene und die Mittelverteilung stehe noch bevor,
erklärten die Fraktionsfachleute René Röspel und
Jörg Tauss.
Auch die Linksfraktion begrüßte den Ansatz der Regierung,
bedauerte allerdings den «diskontinuierlichen»
gesellschaftlichen Dialog über sensible Hochtechnologien.
(Quelle: ap)
Merkel für Modernisierung des Mitbestimmungsrechts
Do.31.08.06 - 30 Jahre nach Inkrafttreten des Mitbestimmungsgesetzes hat sich
Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine Modernisierung und
Flexibilisierung der Regelung ausgesprochen. Während einer
Jubiläumsveranstaltung der gewerkschaftsnahen Hans Böckler
Stiftung sagte die CDU-Parteichefin am Mittwoch in Berlin, die
Herausforderungen seien die Anpassung des deutschen Modells an das
EU-Recht und an die Bedingungen der Globalisierung. Standortnachteile
für Deutschland dürften nicht entstehen.
In der mehrfach vom Beifall der rund 800 Gäste unterbrochenen Rede
legte die Kanzlerin ein grundlegendes Bekenntnis zur Mitbestimmung ab:
«Ich gehöre zu denen, die Mitbestimmung für eine
große Errungenschaft halten», sagte sie. Mitbestimmung sei
«ein wesentliches Element der sozialen Marktwirtschaft». Es
sei auch einer der wichtigsten Beiträge dazu, dass es in
Deutschland die wenigsten Streiktage gebe.
Gleichzeitig stellte sie fest, dass das Mitbestimmungsmodell «vor
erheblichen Herausforderungen» stehe. Sie drückte die
Erwartung aus, die Kommission zur Weiterentwicklung des
Mitbestimmungsgesetzes unter Leitung des ehemaligen sächsischen
Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf erfolgreich sei und dass
«Gräben, die es natürlich gibt, überwunden
werden». Sie fügte hinzu: «Ein Scheitern wäre kein
guter Beitrag.»
Schon die Anpassung an den europäischen Binnenmarkt werfe
«eine große Zahl von Problemen auf». Sie erwähnte
unter anderem die Aufrechterhaltung der sozialen Sicherungssysteme oder
die Folgen der Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU. Jedes siebte
ausländische Unternehmen, das sich in Deutschland ansiedle, wende
nicht die deutsche Mitbestimmung an, sondern weiche auf britisches
Gesellschaftsrecht aus.
Sie verwies auch darauf, dass von den alten EU-Ländern nur die
Hälfte Mitbestimmungsmodelle anwende, die sich vom deutschen Modell
jedoch teils fundamental unterschieden. Kein Land habe das deutsche
Modell übernommen.
Sie empfahl auch die Öffnung der Aufsichtsräte für
nichtdeutsche Arbeitnehmer. Im Konzern Siemens beispielsweise seien nur
noch ein Drittel der Belegschaft Deutsche. Im Aufsichtsrat
säßen auf der Arbeitnehmerbank aber nur Deutsche.
Merkel räumte ein, es sei eine «dramatische, fast schon
Herkulesaufgabe, dies alles zusammenzuführen». Dennoch
appellierte sie an alle Beteiligten, zu einer Einigung zu kommen.
«Nichthandeln kann uns später teuer zu stehen kommen,»
sagte sie. Die größte Gefahr liege darin, dass die Menschen
den Eindruck bekämen, sie könnten die Wirtschaft nicht mehr
mitgestalten.
Unter den Gästen waren unter anderen die Vorsitzenden von DGB und
der IG Metall, Michael Sommer und Jürgen Peters, sowie Biedenkopf.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer fordert Verbesserungen des Mitbestimmungsrechtes
Do.31.08.06 - Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer spricht sich für Verbesserungen
des 30 Jahre alten Mitbestimmungsrechtes aus. Der Schwellenwert für
die Mitbestimmung in Betrieben solle von 2000 Beschäftigten
deutlich gesenkt werden, sagte Sommer am Donnerstag in Berlin. Der Wert
sei nicht mehr zeitgemäß, da die Unternehmen tendenziell
weniger Beschäftigte hätten als früher. Auch das
«antiquierte Doppelstimmrecht des
Aufsichtsratsvorsitzenden» sollte nach Ansicht Sommers fallen.
Ebenso sollten ausländische Arbeitnehmer Vertreter in den
Aufsichtsrat entsenden können.
Im RBB-Inforadio sagte Sommer, er erwarte noch in diesem Jahr
Ergebnisse der Kommission zur Reform der Mitbestimmung. Allerdings
schloss er auch ein Scheitern der vom ehemaligen sächsischen
Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) geleiteten Kommission
nicht aus: «Die Angelegenheit ist schwierig, ich kann keine
Prognose abgeben, wie weit wir kommen.»
(Quelle: ddp)
Mitbestimmung in Deutschland
Die paritätische Mitbestimmung räumt den Arbeitnehmern in
Deutschland mehr Rechte ein als jedes andere Mitbestimmungsmodell in
Europa. Nach dem entsprechenden Gesetz von 1976 fällt die
Hälfte der Aufsichtsratposten in Betrieben mit mehr als 2.000
Beschäftigten Arbeitnehmervertretern zu.
Von solchen Betrieben gibt es in Deutschland laut einer Mitteilung des
Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (iw) derzeit 746. Der
Aufsichtsratsvorsitzende hat in der dritten Pattabstimmung zwei Stimmen
und kann damit einen Streit entscheiden.
Kapitalgesellschaften mit 500 bis 2.000 Mitarbeitern müssen ein
Drittel der Aufsichtsratsitze Arbeitnehmern reservieren
(Drittelbeteiligungsgesetz). Das gilt für etwa 3.500 Firmen.
Bereits 1951 wurde mit dem Montanmitbestimmungsgesetz die
paritätische Mitbestimmung eingeführt. Allerdings hat der
Aufsichtsratsvorsitzende hier in Pattsituationen nicht zwei Stimmen;
sondern ein neutrales Mitglied muss entscheiden. Dieses Gesetz gilt
für 50 Unternehmen.
Quelle: ap, 30.08.06
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CDU und Gewerkschaften streiten um gesetzlichen Mindestlohn
Do.31.08.06 - Zwischen Union und Gewerkschaften ist der Streit um die
flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen in
Deutschland neu entbrannt: Während der Deutsche Gewerkschaftsbund
(DGB) seine Forderung nach einem bundesweiten, gesetzlichen Minimallohn
von 7,50 Euro pro Stunde bekräftigte, lehnte die CDU dies
rundheraus ab. "Für meine Partei sage ich klar und deutlich: Einen
flächendeckenden Mindestlohn wird es mit der CDU nicht geben",
erklärte Generalsekretär Ronald Pofalla. Auf Distanz zu einem
gesetzlichen Mindestlohn ging auch SPD-Chef Kurt Beck.
Pofalla argumentierte, ein gesetzlicher Mindestlohn würde keinen
einzigen Arbeitsplatz schaffen. Das Gegenteil sei der Fall: Wenn die
Gewerkschaftsforderung durchgesetzt würde, "käme auf die
Unternehmen eine milliardenschwere Kostenlawine zu. Das würde
hunderttausende Arbeitsplätze kosten". Pofalla forderte die
Gewerkschaften, aber auch die SPD auf, "diesen Spuk um den Mindestlohn"
zu beenden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am
Dienstagabend gesagt, einheitliche Mindestlöhne seien ihrer
Meinung nach nicht die Antwort für Deutschland.
DGB-Chef Michael Sommer bekräftigte dagegen die Forderung: "7,50
Euro gesetzlicher Mindestlohn für alle als Untergrenze ist im
europäischen Maßstab eine gute Lösung", sagte er dem
Sender N24. Er verwies darauf, dass er darüber in einer "sehr
intensiven Diskussion auch mit dem Vizekanzler" Franz Müntefering
(SPD) sei. "Und ich erwarte eine entsprechende Gesetzgebung zum Herbst.
Wie die dann aussehen wird, kann ich noch nicht sagen", sagte Sommer
weiter. Müntefering hatte sich erst vor wenigen Tagen ungeachtet
der ablehnenden Haltung der CDU/CSU dafür ausgesprochen, das
Entsendegesetz, das die Einführung von tariflichen
Mindestlöhnen ermöglicht, auf alle Branchen auszuweiten.
Diesen Weg bevorzugt offensichtlich auch Beck. "Wir haben
Mindestlöhne im Bausektor, jetzt auch für die
Gebäudereiniger, wir brauchen sie auch in anderen Branchen", sagte
Beck dem Magazin "stern". "Aber einen allgemeinen Mindestlohn
gesetzlich festzulegen, das ist nicht umsetzbar", fügte Beck hinzu.
Links-Parteichef Gregor Gysi warf der SPD vor, sie falle den
Gewerkschaften in den Rücken. Gysi nannte die Absage Becks an
einen gesetzlichen Mindestlohn eine "politische
Bankrotterklärung". Damit lasse die SPD "die Millionen in
Deutschland, die von ihrer Arbeit nicht leben können, im Regen
stehen".
(Quelle: afp)
Mehr als drei Viertel der Bürger lehnen die Gesundheitsreform ab
Do.31.08.06 - Mehr als drei Viertel der Bundesbürger sind einer Umfrage zufolge
für den Stopp der Gesundheitsreform. Wie der «Stern»
am Mittwoch meldete, sprachen sich 78 Prozent von 1.008 Teilnehmern der
Forsa-Studie dafür aus, die Grundzüge der Reform neu
auszuhandeln. Die Koalition zeigt sich indes unbeirrt.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Vizekanzler Franz Müntefering,
Agrarminister Horst Seehofer und Unions-Fraktionschef Volker Kauder
verteidigten die Reform.
Kauder machte die Medien für die Ablehnung der Reform mit
verantwortlich. Die Menschen würden «auch immer wieder durch
Presseveröffentlichungen irritiert», sagte Kauder dem Sender
n-tv. «Wir setzen ja jetzt gerade die Eckpunkte um und werden
dann immer wieder neu erklären müssen», sagte Kauder.
Aber immerhin diskutierten die Menschen die Politik der Koalition.
Ministerin Schmidt wies Schätzungen des SPD-Experten Karl
Lauterbach zurück, wonach die monatlichen Kosten der gesetzlichen
Krankenversicherung für Gutverdiener mit der Reform auf 700 Euro
steigen könnten. «Das ist erkennbarer Unfug», sagte
die SPD-Politikerin der «Zeit». Sie bekräftigte, dass
sie die Eckpunkte der Koalition eins zu eins umsetzen und für
breite Zustimmung im Parlament werben werde.
Seehofer, einer der Amtsvorgänger Schmidts, sicherte der
Ministerin seine volle Unterstützung zu. In den vergangenen 25
Jahren habe keine Reform so viel Rücksicht auf die Belange der
Kranken genommen, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk. Es
gebe keine Leistungsausgrenzungen und keine Erhöhung der
Selbstbeteiligung. Besonders wichtig sei ihm das Oberziel, eine
erstklassige Versorgung zu sichern.
Auch Müntefering betonte, die geplante Reform sei «ganz im
Sinne der Versicherten», wiewohl möglicherweise nicht im
Sinne der Krankenkassen oder anderer Beteiligter.
Lauterbach hingegen bekräftigte im Sender n-tv seine Bedenken
gegen den für 2008 geplanten Gesundheitsfonds und seine Warnung
vor enormen Kostensteigerungen für Gutverdiener. Diese
begründet er damit, dass der normale Beitragssatz auf über 15
Prozent steigen müsse und dann bei einigen Kassen noch ein
Zusatzbeitrag erhoben werde. Im Vergleich dazu wären private
Krankenversicherungen wesentlich billiger, argumentiert Lauterbach.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn nannte die Reform
«Murks». Vor allem der Gesundheitsfonds sei «ein
Missgriff, der nicht funktionieren kann», kritisierte Kuhn im
ZDF-Morgenmagazin. «Ich sage voraus, dass die Beiträge
steigen werden mit dem, was die große Koalition vorhat.»
Die Linksfraktion erklärte: «Dieses stümperhafte
Machwerk ist eine Gefahr für das deutsche Gesundheitswesen.»
Die Regierung solle die Reform auf der Stelle fallen lassen.
Die Beratungen über die Reform sollen kommende Woche richtig
losgehen. Dann sollen sich die Gesundheitsexperten mit einem
überarbeiteten Vorentwurf für das Gesetz befassen.
(Quelle: ap)
Beck will Mittelschicht für SPD gewinnen
Do.31.08.06 - Die SPD will sich nach den Worten ihres Vorsitzenden Kurt Beck auch
wieder stärker den Leistungsträgern in der Mittelschicht
zuwenden. «Ich fürchte, wir haben diesen Teil der Menschen
zu wenig beachtet», sagte Beck dem Magazin «Stern»
(Donnerstag).
Dies seien die «40 bis 50 Prozent in der Mitte der
Gesellschaft», erfolgreiche Facharbeiter, Angestellte,
Selbstständige und Ingenieure. Er wolle diesen Menschen wieder das
Gefühl geben, dass man ihnen nicht ständig nur nehme, sondern
auch etwas gebe. Beck: «Jede Gesellschaft braucht
Antriebsfaktoren.»
Dass die Hilfsbedürftigen dabei nicht zur Seite geschoben
würden, sei für die SPD
«selbstverständlich», sagte der SPD-Chef weiter. Er
möchte mit seiner Politik deutlich machen, «dass eine
Leistungsgesellschaft und eine gerechte Gesellschaft keine
Widersprüche sind.» Beck: «Die SPD soll wieder
Hoffnungsträger für viele Menschen werden - nicht für
für diejenigen, die Unterstützung brauchen, sondern für
alle, die an einer gerechten, forschungsorientierten und
technologiefreundlichen Gesellschaft interessiert sind.»
Beck sprach sich in dem Interview vorbehaltlos für betriebliche
Gewinn- und Kapitalbeteiligungen der Arbeitnehmer aus. «Das muss
ein Projekt der SPD werden. Die Idee ist richtig und wird immer
wichtiger.» Höhere Löhne seien im globalen Wettbewerb
«immer schwieriger durchzusetzen», während Kapital,
insbesondere zur Alterssicherung, «ein ganz anderes Thema»
sei.
Als Ziel seiner Partei bei der nächsten Bundestagswahl nannte der
SPD-Vorsitzende «35 plus ein dickes X». Wenn die SPD
stärkste Partei werde, kämen «die Bräute dann von
selbst». Eine Koalition mit der Linkspartei auf Bundesebene
schloss Beck aus. «Solange ich die SPD führe, wird es auf
Bundesebene keine Koalition mit der PDS geben.»
Beck sprach sich für eine gemeinnützige Leistungspflicht der
Hartz IV-Empfänger aus. «Ich halte das generell für
zumutbar.» Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde habe er
früher arbeitsfähige Sozialhilfe-Empfänger
«Geländer streichen oder Treppen kehren lassen».
(Quelle: dpa)
Regulierer kürzt Netzgebühren bei Gas- und Stromnetzen
Do.31.08.06 - Mehrere Betreiber von Gas- und Stromnetzen müssen die geplanten
Gebühren für die Nutzung ihrer Gasnetze deutlich reduzieren.
Das könnte den Anstieg der Energiepreise in Deutschland zumindest
bremsen.
Die Bundesnetzagentur genehmigte erstmals die Entgeltforderungen zweier
Gasnetzbetreiber, kürzte sie aber beträchtlich: die von E.ON
Thüringen um 9,5 Prozent und die von E.ON Mitte um elf Prozent.
"Sinkende Netzentgelte wirken sich unmittelbar auf den Gaspreis aus,"
sagte Netzagentur-Präsident Matthias Kurth am Mittwoch in Bonn.
Kurth. Immerhin machten sie rund 20 Prozent des Endpreis aus.
Die nun genehmigten Tarife sind sofort wirksam und gelten bis zum 31.
März 2008. Die Regulierungsbehörde hatte die Kalkulation der
Gasnetzbetreiber insbesondere im Bereich des Sachanlage- und
Umlaufvermögens sowie bei der Eigenkapitalverzinsung nicht
vollständig anerkannt.
Im Stromnetzbereich kürzte die Bundesnetzagentur die von der E.ON
Netz GmbH beantragten Netzgebühren um rund 16 Prozent, bei der RWE
Westfalen-Weser-Ems Verteilnetz GmbH um rund zehn Prozent. Die Tarife
gelten vom 1. September an und laufen bis Ende 2007. In den kommenden
vier Wochen werde die Behörde Netzentgeltbescheide für weitere
20 Stromnetzbetreiber aussprechen, womit dann rund 80 Prozent des
regulierten Marktvolumens entschieden sei, sagte Kurth.
(Quelle: rtr)
Umweltschützer warnen vor weiteren Genmais-Versuchen
Do.31.08.06 - Umweltschützer warnen vor einer weiteren Verbreitung der
Gentechnik-Versuche in Sachsen. Sollte im Freistaat in kommenden Jahr
tatsächlich erstmals ein Sortenversuch mit genverändertem Mais
realisiert werden, bedeute dies einen erneuten Schritt zur weiteren
industriellen Vermarktung genveränderter Pflanzen, sagte die
Sprecherin des Aktionsbündnisses für ein gentechnikfreies
Sachsen, Milana Müller, am Mittwoch in Tharandt der
Nachrichtenagentur ddp. Konventionell und ökologisch arbeitende
Landwirte würden Schritt für Schritt weiter vom Markt
verdrängt.
Bei einem Sortenversuch wird ein bereits gentechnisch geprüfter
Organismus auf seine Saatzucht-Kriterien hin überprüft. Ein
solcher Versuch stehe weite am Ende der Prüfungskette für neue
Agrarpflanzen, erklärte ein Sprecher des Bundessortenamtes am
Mittwoch in Hannover auf ddp-Anfrage. Es werde vor allem geprüft,
wie und unter welchen Umständen sich das Saatgut in großem
Stil vermehren lasse.
Das Landwirtschaftsministerium in Dresden stellte am Mittwoch klar,
dass über den Sortenversuch noch nicht abschließend
entschieden sei. Es gebe noch rechtliche Unwägbarkeiten, die noch
abgewartet werden müssten, sagte ein Sprecher.
Gentechnikgegnerin Müller sieht die Gefahr des Sortenversuchs vor
allem darin, dass damit das Thema «Genmais» aus technischer
Sicht zu Ende gebracht und sich die Industrie anschließend anderen
Pflanzen zuwenden werde. «Nach dem Mais kommt der Raps und dann
der Weizen», sagt sie. Der Unterschied bestehe darin, dass sich
Mais als kulturfremde Pflanze in der Natur kaum auskreuzen könne.
«Bei Raps und Weizen als heimische Pflanze sieht das aber ganz
anders aus», warnte sie.
In Sachsen ist in diesem Jahr für insgesamt 250 Hektar der Anbau
von genverändertem, aber bereits zugelassenem Mais beantragt worden.
(Quelle: ddp)
Attac widerspricht Bericht über Krise
Do.31.08.06 - Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verliert offenbar an
Attraktivität: Die Zahl der Austritte stieg in den vergangenen
Jahren, die Zahl der Beitritte ging etwas zurück, wie
Attac-Sprecherin Frauke Diestelrath der Nachrichtenagentur AP am
Mittwoch sagte. «Im Gegensatz zu anderen politischen Gruppierungen
können wir aber immer noch einen Zuwachs bei den Mitgliederzahlen
verzeichnen», sagte sie. Die Zahl der Neueintritte
übertreffe noch immer die Zahl der Austritte. Attac hat nach ihren
Angaben 16.800 Mitglieder.
Diestelrath wies einen Bericht des Magazins «stern»
zurück, wonach Attac in einer Krise stecke. Der «stern»
schrieb, 2003 hätten 269 Mitglieder die Organisation verlassen,
2004 dann 650 und im vergangenen Jahr schon 850. «Die Zahlen als
solche sind korrekt, aber von einer Krise zu sprechen, das stimmt
einfach nicht», sagte Diestelrath. Vielmehr sei nach einer
anfänglichen Hochphase jetzt eine Sättigung bei den
Mitgliederzahlen eingetreten. 2003 traten nach ihren Angaben 4.826
Mitglieder Attac bei, 2004 waren es 3.100 und im vergangenen Jahr 1.600.
Der «stern» berichtete außerdem, dass viele der
ehemals 251 Attac-Ortsgruppen aufgelöst worden und derzeit nur noch
100 Gruppen öffentlichkeitswirksam aktiv seien. Dazu sagte
Diestelrath, Attac sei auch eine Bildungseinrichtung. Viele Gruppen
träfen sich auch zu Diskussionsveranstaltungen.
«Natürlich sind diese Mitglieder dann nicht in der
Öffentlichkeit präsent und als Attac-Mitglieder zu
identifizieren», erklärte sie.
(Quelle: ap)
Neuer Virus: 'Haxdoor' soll Windows zerstören können
Do.31.08.06 - Ein neuer Computer-Virus, der sich derzeit in Umlauf befindet, soll
angeblich Windows zerstören können. Wie das
Sicherheitsunternehmen F-Secure mitteilt, kann "Haxdoor.Kl" im PC solche
Schäden anrichten, dass das Betriebssystem nach seiner Infizierung
nicht mal mehr in der Lage sei zu booten . Eine Reparatur des Systems
sei danach so gut wie unmöglich.
"Haxdoor" kommt offenbar aus Schweden, wird nach Angaben der
Sicherheitsexperten via E-Mail verbreitet und steckt dabei als
ausführende Datei in einem Zip-Archiv im Anhang der Spam. Beim
Öffnen des schadhaften Programms werden manipulierte System- und
Log-Dateien in Unterverzeichnisse von Windows und von dort aus in den
Arbeitsspeicher kopiert, die daraufhin jeden weiteren PC-Start
unterbinden. Zuvor setzen sie die Sicherheitsprozesse außer Kraft,
damit PC und Windows gleichermaßen die Infektion weder verhindern
noch beheben können.
Die mit "Haxdoor" verseuchten Dateianhänge heißen
"rechnung.zip" und "rechnung.exe" - beziehungsweise "rakningen.zip" und
"rankningen.exe", die schwedische Übersetzung davon. Im Betreff der
E-Mail sowie im Mailtext wird mehr nicht verraten; der Anwender soll
nach dem Willen der Betrüger den Anhang öffnen, um scheinbar
mehr zu erfahren. Dann ist es jedoch schon zu spät und der PC ist
infiziert. Die Experten raten daher dringend, der Neugier nicht zu
erliegen und E-Mails mit unbekannter Herkunft ungeöffnet zu
löschen.
(Quelle: yahoo)
Wissenschaft
Jahreszeitenbeginn hat sich laut Studie verschoben
Do.31.08.06 - Der Beginn der Jahreszeiten in Europa hat sich wegen der
Klimaerwärmung in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu eine Woche
verschoben. Eine unter Federführung der TU München von 31
Forschern erarbeitete Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das
Frühjahr heute sechs bis acht Tage früher in Europa kommt als
noch vor 30 Jahren, wie die Universität am Montag mitteilte. Die
Wissenschaftler untersuchten bei der den Angaben zufolge bislang
weltweit größten Studie das Wachstum von 550 wilden und
kultivierten Pflanzen in 17 europäischen Ländern.
«Sie fanden dabei deutliche Beweise, dass die Klimaänderung
die Jahreszeiten bereits verschoben hat», erklärte die
Münchner Universität. Die Forscher fanden bei ihren
Auswertungen unter anderem von Blütezeit, Fruchtreife und
Blattverfärbung der Pflanzen heraus, dass das Eintreffen von
Frühjahrs- und Sommerphasen sehr stark von der Temperatur
vorangehender Monate bestimmt wird. Diese Phasen verfrühten sich um
ein bis fünf Tage pro Grad Celsius Temperaturerhöhung.
Der zumindest derzeit in Deutschland herrschende Eindruck, dass auch
der Herbst Wochen zu früh einbricht, täuscht jedoch laut den
Ergebnissen der Forscher: Zumindest gemessen an der natürlichen
Blattverfärbung hat sich der Herbstbeginn in den den vergangenen 30
Jahren um drei Tage nach hinten verschoben. Pro Grad
Klimaerwärmung verzögere sich der Herbst um bis zu zwei Tage.
(Quelle: ap)
Klimawandel erreicht die Nordsee
Do.31.08.06 - Der Klimawandel erreicht die Nordsee: Mit 1,7 Grad über den
Durchschnittswerten sei die Nordsee rekordverdächtig aufgeheizt,
erklärte Gerd Becker vom Bundesamt für Seeschifffahrt und
Hydrographie nach Rückkehr von einer Forschungsfahrt am Mittwoch in
Hamburg. Der Beginn des Klimawandels sei nicht mehr von der Hand zu
weisen. Entlang der Küsten in der Deutschen Bucht lägen die
Temperaturen derzeit sogar drei Grad über dem für diese
für Jahreszeit üblichen Durchschnittswerten von 17 Grad.
Laut Becker haben die Forscher erwartet, dass die seit 1988 anhaltende
Warmphase der Nordsee längst von einer Kaltphase abgelöst
würde. Das würde dem normalen Wechsel zwischen Warm- und
Kaltzeiten alle acht bis zwölf Jahre entsprechen. Die
Temperaturmessungen hätten aber das Gegenteil ergeben, nämlich
den drittwärmsten Juli seit 1968. Das warme Wasser wird laut
Becker auch Auswirkungen auf Fische und Pflanzen haben. So würden
sich etwa Makrelen über die Wärme freuen, Kabeljau wird
dagegen vertreiben.
Erfreulich für die Urlauber: Während der Forschungsfahrt
wurden keine Planktonteppiche bemerkt, die an den Stränden für
ekelige Schaumberge sorgen können. Auch Ansammlungen von Quallen
fehlten.
(Quelle: ap)