Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsechsundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Pilger aus Pakistan und Indien im Irak erschossen. Angreifer töten
sechs Lastwagenfahrer. Großayatollah Ali Sistani: Irakische
Regierung soll für Sicherheit sorgen
So.03.09.06 - Im Irak sind 14 Pilger aus Pakistan und Indien ermordet worden. Die
Pilger seien in einem Kleinbus auf dem Weg in die den Schiiten heilige
Stadt Kerbela gewesen, teilte die Polizei am Samstag mit. Bei den Opfern
handle es sich um elf Pakistaner und drei Inder. Sie wurden laut Polizei
am Freitag überfallen und erschossen.
In der Nähe der irakischen Stadt Samarra haben Unbekannte sechs
Lastwagenfahrer ermordet. Bewaffnete Männer töteten am Samstag
vier Lastwagenfahrer, die Munition für die US-Armee
transportierten, wie die Polizei in Samarra mitteilte. Die Angreifer
hätten die Fahrer etwa zwanzig Kilometer südlich der Stadt
überfallen und die Lastwagen in Brand gesteckt. Nördlich von
Samarra wurden demnach zwei Lastwagenfahrer aus Pakistan umgebracht.
Ihre Fahrzeuge hätten ein kuwaitisches Nummernschild gehabt.
Samarra liegt rund 110 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad.
Nach der jüngsten Serie von Gewalttaten gegen Schiiten im Irak hat
Großayatollah Ali Sistani die Regierung aufgefordert, für
Sicherheit im Land zu sorgen. Wenn dies nicht gelinge, würden
"andere Gruppen" die Kontrolle übernehmen, warnte der oberste
schiitische Geistliche nach einem Treffen mit Regierungschef Nuri el
Maliki am Samstag in Nadschaf. Mit seiner Äußerung spielte
Sistani möglicherweise auf Schiitenmilizen wie die Mehdi-Armee des
radikalen Schiitenführers Moktada Sadr an.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 03.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.03.09.05 - Neue Beratungen über irakische Verfassung +++ Bulgarien will seine
Truppen aus dem Irak abziehen +++ Gewalt im Irak dauert an +++ Deutschland: Bundesrichter
kritisieren deutsche Unterstützung des Irak-Kriegs...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Drogenanbau in Afghanistan laut UN 'außer Kontrolle'
So.03.09.06 - In Afghanistan wird nach UN-Angaben immer mehr Opium angebaut. In
diesem Herbst werden dort 6.100 Tonnen geerntet, 59 Prozent mehr als
Vorjahr und so viel nie zuvor, wie der Direktor der
UN-Drogenbehörde, Antonio Maria Costa, am Samstag mitteilte.
«Das übersteigt den weltweiten Verbrauch um 30
Prozent.» Der Opiumanbau in Afghanistan sei «außer
Kontrolle» geraten.
Die Ergebnisse seines Berichts seien alarmierend, sagte Costa nach
einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Aus
Afghanistan stammen demnach 92 Prozent der weltweiten Produktion von
Opium, des Grundstoffs für die Herstellung von Heroin. Der
Beauftragte der Vereinten Nationen rief die Regierung zu einem
härteren Durchgreifen gegen den Drogenanbau und korrupte Beamte
auf.
Der größte Anstieg - 162 Prozent - wurde in der
südafghanischen Provinz Helmand registriert. Dort kommt es immer
wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Taliban-Rebellen und
NATO-Soldaten. Auch am Samstag wurde ein neuer Zwischenfall bekannt.
Mutmaßliche Taliban-Kämpfer töteten bei einem Anschlag
auf einen Kontrollpunkt fünf Polizisten und verletzten sieben
weitere, wie die Polizei mitteilte. Bei dem Gefecht seien auch drei
Taliban getötet worden. Vier Polizisten wurden von den Rebellen
verschleppt. Bei weiteren Gefechten in den südlichen Provinz
Nimros und Sabul kamen den Angaben zufolge sieben Aufständische
und vier Polizisten ums Leben.
Bei Kandahar stürzte am Samstag ein Flugzeug der NATO ab.
Zunächst war unklar, ob es Opfer gab. Es lägen keine Hinweise
auf Fremdeinwirkung vor, teilte ein Sprecher des
Militärbündnisses mit. Ein Mann, der sich als Sprecher der
Taliban ausgab, erklärte, das Flugzeug sei abgeschossen worden.
(Quelle: ap)
Annan setzt im Atomstreit weiter auf Verhandlungen
So.03.09.06 - Auch nach Ablauf des Ultimatums im Atomstreit mit dem Iran setzt
UN-Generalsekretär Kofi Annan weiter auf eine
Verhandlungslösung. Vor einem Gespräch am heutigen Sonntag
mit Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad erörterte Annan mit
dem iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani die diplomatische
Situation nach Ablauf der Frist des Weltsicherheitsrates zur
Einstellung der Uran-Anreicherung.
Annans Sprecher Ahmad Fawzi sagte anschließend am Samstagabend,
der UN-Generalsekretär trete für eine Lösung auf dem
Verhandlungsweg ein. Bereits vor seiner Ankunft in Teheran sagte Annan
in einem Zeitungsinterview, er glaube nicht, dass Sanktionen alle
Probleme lösen könnten. Statt dessen müsse man jetzt
Geduld haben. Laridschani sprach von einer konstruktiven Unterredung.
Annans Haltung zur Lösung des Konflikts sei positiv zu bewerten.
«Beide Seiten stimmten darin überein, dass die Probleme
durch Verhandlungen überwunden werden sollten.»
Die Außenminister der 25 EU-Staaten erteilten EU-Chefdiplomat
Javier Solana am Samstag ein Mandat für weitere Gespräche mit
der iranischen Regierung, um noch einmal Chancen für eine
Verhandlungslösung auszuloten. Eine Frist für eine Einigung
wurde nicht gesetzt. Es wird jedoch erwartet, dass die Mitglieder des
Weltsicherheitsrats Mitte September Beratungen über mögliche
Sanktionen gegen den Iran aufnehmen.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier betonte bei
dem Treffen der EU-Ressortchefs in Finnland, die Union habe keinerlei
Interesse an einer Eskalation. «Aber es geht nicht ohne
Mitwirkung der iranischen Seite», mahnte Steinmeier. Er forderte
«ein Signal des Entgegenkommens aus dem Iran». Konkret
müsse der Iran wie vom Weltsicherheitsrat gefordert die
Urananreicherung aussetzen. Die dafür vom Sicherheitsrat gesetzte
Frist hatte Teheran am Donnerstag verstreichen lassen.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich dafür aus,
diplomatischen Druck auf den Iran aufzubauen. «Eine
militärische Option gibt es hier nicht», sagte die
Regierungschefin der ARD. «Natürlich bleibt die Tür zu
Verhandlungen offen, wenn der Iran sich besinnt.»
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Teheran unterstützt Libanon-Resolution der UN.
Palästinenserpräsident Abbas nach Gesprächen mit Hamas
zuversichtlich über Regierungsbildung. Israel tötet drei
Palästinenser im Gazastreifen. Zehntausende Palästinenser im
Streik wegen ausstehender Gehälter
So.03.09.06 - Die iranische Regierung hat den Vereinten Nationen ihre volle
Unterstützung für die Libanon-Resolution zugesagt. Die
Entschließung verlangt auch die Einstellung aller
Waffenlieferungen an die vom Iran unterstützte schiitische
Hisbollah-Miliz.
Der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki habe
UN-Generalsekretär Kofi Annan die volle Zusammenarbeit seiner
Regierung bei der Umsetzung der Libanon-Resolution zugesichert, sagte
Annans Sprecher Ahmad Fawzi am Samstagabend der Nachrichtenagentur AP
in Teheran. Dies schließe auch Paragraph 15 der Resolution ein,
in dem es um das Waffenembargo gehe.
Unterdessen rief der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri
die arabischen Nachbarländer auf, die israelische Luft- und
Seeblockade zu durchbrechen. Der schiitische Politiker verurteilte die
israelische Blockade am Samstag auf einer Sondersitzung des Parlaments
in Beirut als militärische Aggression und als Verstoß gegen
die UN-Resolution 1701. Das Parlament fordert von den Regierungen der
arabischen Staaten, die Blockade zu ignorieren und Flugzeuge oder
Schiffe in den Libanon zu schicken. Auch UN-Generalsekretär Kofi
Annan sprach sich für die Aufhebung der Blockade aus, stieß
damit bei seinen Gesprächen in Israel aber auf Ablehnung. Die
Regierung in Jerusalem will die Blockade erst dann aufheben, wenn
UN-Truppen alle libanesischen Grenzen überwachen und
Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz stoppen.
Unterdessen trafen im Südlibanon die ersten 400 italienischen
Soldaten für die UN-Truppe ein. Sie wurden zum Teil mit
UN-Hubschraubern in die Hafenstadt Tyrus geflogen. Dort sicherten sie
zwei Strände, an denen weitere Truppen landen sollen. Mit der
Ankunft der italienischen Soldaten erreicht die UN-Truppe im Libanon
(UNIFIL) damit eine Stärke von 3.250 Mann - geplant sind 15.000.
Italien stellt das größte Kontingent und übernimmt im
kommenden Jahr das UNIFIL-Kommando von Frankreich. Die UN-Truppen
sollen gemeinsam mit libanesischen Soldaten den Waffenstillstand
sichern, der im August 34 Tage Krieg zwischen Israel und der Hisbollah
beendet hat.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat sich nach
dreitägigen Gesprächen mit der radikalislamischen Hamas
zuversichtlich über die Bildung einer Regierung der nationalen
Einheit gezeigt. Ein Berater von Abbas, Nabil Abu Rdeneh, erklärte
am Samstag: «Wir rechnen damit, dass diese Regierung binnen zehn
Tagen gebildet werden kann.» Ein Sprecher der bislang allein
regierenden Hamas, Ghasi Hamad, sagte, seine Organisation hoffe, dass
dies «in naher Zukunft» geschehe. Ministerpräsident
Ismail Hanija habe ernsthafte Verhandlungen mit Abbas geführt. Der
neuen Regierung sollen auch Vertreter von Abbas'
gemäßigterer Fatah angehören. Dies könnte den
internationalen Druck auf die palästinensische Regierung mildern,
mit dem die Hamas zur Anerkennung Israels und zur Wiederaufnahme von
Friedensgesprächen gebracht werden soll.
Die israelischen Streitkräfte haben am Samstag nach
palästinensischen Angaben im Gazastreifen erneut drei Menschen
getötet. Sicherheitskräfte teilten mit, Soldaten seien von
Panzern und Hubschraubern unterstützt in Beit Hanun im
nördlichen Gazastreifen eingedrungen und hätten zwei
Hamas-Aktivisten erschossen. Ein dritter Palästinenser wurde
erschossen, als er sich Grenzanlagen näherte, wie die israelischen
Streitkräfte mitteilten.
Nach palästinensischer Darstellung umstellten Soldaten das Haus
des 55-Jährigen und seines 27 Jahre alten Sohnes in Beit Hanun. Bei
dem Feuergefecht wurden demnach auch zwei weibliche Familienmitglieder
verletzt. Ein Panzergeschoss traf ein benachbartes Haus und verletzte
fünf weitere Menschen. Nach der Entführung eines Soldaten am
25. Juni haben die israelischen Streitkräfte wiederholt Ziele im
Gazastreifen angegriffen. Seitdem wurden mehr als 200 Palästinenser
getötet.
Nach ägyptischen Angaben laufen derzeit Verhandlungen über
die Freilassung des Soldaten. Israel warte darauf, dass die
Palästinenser ihre Bedingungen für einen Gefangenenaustausch
nennen, sagte Staatspräsident Husni Mubarak. Nichtregierungsgruppen
beider Seiten nähmen an den Gesprächen teil, zitierte die
Zeitung «Al Ahram» den Präsidenten.
Am ersten Schultag in den palästinensischen Autonomiegebieten
traten 37.000 Lehrer aus Protest gegen ausbleibende Gehaltszahlungen in
einen unbefristeten Streik. Der sowohl im Gazastreifen als auch im
Westjordanland weitgehend befolgte Ausstand galt als weitere
Bewährungsprobe für die umstrittene Hamas-Regierung. In den
Schulen des Gazastreifens versuchten bewaffnete Hamas-Aktivisten
vergeblich, Schüler und Lehrer zum Bleiben zu bewegen. Die mit der
Hamas rivalisierende Fatah-Bewegung sorgte im Westjordanland dafür,
dass niemand zur Schule kam.
Der Streik, an dem später auch andere Beschäftigte des
öffentlichen Dienstes teilnehmen sollten, wird als taktisches
Mittel der Fatah gesehen, den Druck auf die Hamas zu erhöhen, damit
sie der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zustimmt. Diese
soll nach dem Willen von Präsident Mahmud Abbas Israel anerkennen
und die Friedensgespräche wieder aufnehmen.
(Quelle: ap)
Im Gaza-Streifen herrscht Anarchie
Versorgung der Menschen wird immer schwieriger. UN warnen vor einer
"sozialen Explosion". Hamas-Sprecher beklagt unbeschreibliches Chaos.
Zahlreiche militärische Gruppen sorgen inmitten der israelischen
Angriffe für große Unsicherheit... Mehr in der taz vom
01.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/01/a0098.1/text
Regierung und Islamisten in Somalia beginnen zweite Gesprächsrunde
So.03.09.06 - Unter arabischer Vermittlung haben Vertreter der somalischen
Übergangsregierung und der Islamisten am Samstag die zweite Runde
ihrer Friedensgespräche begonnen. Er hoffe, dass beide Seiten
"ehrlich verhandeln" würden, um ihre Differenzen zu
überwinden, sagte der sudanesische Außenminister Ali Karta
zur Eröffnung der Gespräche in einem Hotel in der
sudanesischen Hauptstadt Khartum. Der Sudan werde dabei helfen. Der
Delegationsleiter der Arabischen Liga, Samir Hussni, rief die Parteien
auf, Frieden zu schließen. Bereits am Vortag hatten sich beide
Seiten getrennt mit Diplomaten der Arabischen Liga und des Sudan
getroffen.
(Quelle: afp)
Berichte über neue Militäroffensive in Darfur
So.03.09.06 - Die sudanesische Regierung hat nach Berichten internationaler
Organisationen eine neue Militäroffensive in der Krisenregion
Darfur gestartet. Dabei hätten Kampfjets in den vergangenen Tagen
auch mindestens ein Dorf angegriffen, berichtete ein Sprecher von Human
Rights Watch am Freitag in New York. Ein Vertreter der Afrikanischen
Union (AU) erklärte in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, mehr
als 20 Zivilpersonen seien der jüngsten Gewaltwelle bereits zum
Opfer gefallen, rund 1.000 Menschen geflohen.
Die seit mehr als drei Jahren andauernden Kämpfe in Darfur haben
bislang mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet und mehr als zwei
Millionen aus ihren Dörfern vertrieben. Ein Friedensabkommen
zwischen der Regierung und einer der beiden großen Rebellengruppen
vom Mai zeigt wenig Wirkung.
Auch nach einer Resolution des Weltsicherheitsrats, die Kontrolle
über die Friedenstruppe in Darfur von der AU zu übernehmen und
die Mission zu verstärken, erwartet die Deutsche Welthungerhilfe
(DWHH) keine Entschärfung der Situation. «Die Lage wird immer
bedrohlicher», erklärte DWHH-Mitarbeiter Jörg Heinrich
am Freitag. Die Zeichen stünden «auf Krieg»,
berichtete er. «In der Provinzhauptstadt von Nord-Darfur, El
Fasher, sind Panzer aufgezogen, und man sieht viel mehr Soldaten.»
Seit mehr als drei Monaten könne die Welthungerhilfe nur noch
einen Teil der Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln versorgen, weil
große Gebiete wegen der schlechten Sicherheitslage nicht mehr
zugänglich seien.
(Quelle: ap)
Kurdische Extremisten töten fünf türkische Soldaten
So.03.09.06 - Kurdische Extremisten haben im Südosten der Türkei zwei
Militärposten angegriffen und fünf Soldaten getötet. Zwei
weitere Soldaten wurden bei den Anschlägen in Guclukonak und
Cukurca in der Nähe der Grenze zum Irak verletzt, wie die
örtlichen Behörden am Samstag mitteilten. Vor knapp einer
Woche waren bei einer Serie von Anschlägen mutmaßlicher
kurdischer Rebellen in den Touristenzentren Antalya und Marmaris sowie
in Istanbul drei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Zu
den Taten bekannten sich die kurdischen Freiheitsfalken, eine aus der
verbotenen Organisation PKK hervorgegangene extremistische Gruppe.
(Quelle: ap)
Acht Tote bei Flüchtlingstragödie vor Sizilien
So.03.09.06 - Bei einer neuen Flüchtlingstragödie in Süditalien sind
vermutlich acht Immigranten ums Leben gekommen. Insgesamt 19
Einwanderer aus Eritrea seien von der Küstenwache 60 Seemeilen vor
der sizilianischen Küste gerettet und an Land gebracht worden.
Vier von ihnen seien schwer verletzt, berichtete die Nachrichtenagentur
Ansa. Die Männer erzählten, acht Mitreisende seien
während der Überfahrt gestorben. Vor zwei Wochen waren bei
zwei Flüchtlingsdramen vor der Insel Lampedusa bis zu 70
Einwanderer ums Leben gekommen.
(Quelle: dpa)
14 Festnahmen in London bei Anti-Terror-Razzia
So.03.09.06 - In London hat die Polizei bei einer Anti-Terror-Razzia 14
verdächtige Männer festgenommen.
Der Einsatz fand am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag in
Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst statt, wie die Polizei am Samstag
mitteilte. Die Männer seien auf Grundlage der geltenden
Anti-Terror-Gesetze festgenommen worden. Die Aktion stehe aber nicht im
Zusammenhang mit jüngst vereitelten Anschlägen auf
Transatlantikflüge von London in die USA. Wegen der
Anschlagspläne hatte die Polizei zuvor 20 Verdächtige
festgenommen.
(Quelle: rtr)
Weitere Festnahme im Libanon wegen Kofferbomben in Deutschland
So.03.09.06 - Im Libanon ist im Zusammenhang mit fehlgeschlagenen
Bombenanschlägen auf deutsche Regionalzüge ein weiterer
Verdächtiger festgenommen genommen worden.
Dies verlautete am Samstag aus Justizkreisen in Beirut. Damit hat der
Libanon den Angaben nach bisher vier Personen inhaftiert. Ein Libanese
und ein Syrer befinden sich zudem in deutscher Haft. Gegen die sechs
Verdächtigen erhoben die Behörden vorläufig Anklage, wie
aus den Kreisen weiter verlautete.
Die in Deutschland gefassten jungen Männer syrischer und
libanesischer Nationalität sind die Hauptverdächtigen der
geplanten Anschläge. Die beiden Kofferbomben, die nur wegen
Baufehlern nicht explodiert waren, waren Ende Juli in Zügen in
Dortmund und Koblenz entdeckt worden.
Den libanesischen Justizkreisen zufolge könnten die Ermittlungen
weitere Verdächtige ergeben.
(Quelle: rtr)
Motive über geplante Bombenattentate klarer
So.03.09.06 - Gut fünf Wochen nach den gescheiterten Kofferbombenattentaten auf
Regionalzüge in Dortmund und Koblenz gibt es erste Erkenntnisse
über die Hintergründe. Die fehlgeschlagenen Anschläge
seien durch die Veröffentlichung der umstrittenen
Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen motiviert gewesen, sagte der
Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. «Der in
Kiel gefasste Youssef Mohamad E. H. interpretierte dies als Angriff der
westlichen Welt auf den Islam», erläuterte Ziercke am
Samstag. Dies sei die Initialzündung für die Kofferbomber
gewesen.
Die Gepäckstücke mit dem Sprengstoff waren am 31. Juli in den
Bahnhöfen in Dortmund und Koblenz sichergestellt worden. Angeblich
sollten die Kofferbombenanschläge bereits während der
Fußball-Weltmeisterschaft verübt werden. Dass der Plan
schließlich verschoben worden sei, hätten die Täter
damit begründet, dass ihnen Bedenken über die Risiken und
Auswirkungen gekommen seien, heißt es in einem Zeitungsbericht
unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Als weiteres Motiv nannte Ziercke den Tod des Terroristen Musab
al-Sarkawi am 7. Juni im Irak. «Die beiden Hauptverdächtigen
glaubten, dass der internationale Terrorismus einen seiner wichtigsten
Köpfe verloren hatte», sagte der BKA-Präsident. Er bezog
sich dabei auf Aussagen des im Libanon inhaftierten mutmaßlichen
Mittäters Jihad Hamad.
Zwar hätten die Beschuldigten über eine «gewisse
Grundideologie» verfügt, sagte Ziercke. Die Radikalisierung
habe jedoch erst in Deutschland stattgefunden, und zwar durch Propaganda
von Al-Qaida über das Internet. Auf diesem Weg hätten die
beiden auch Pläne für den Bau der Sprengsätze bezogen.
Die Ermittler hätten eine Anleitung gefunden, die zu 90 Prozent der
gebauten Bombe entsprochen habe. «Nur in einem Punkt weicht sie
von dem Plan ab - hier lag der handwerkliche Fehler», sagte
Ziercke.
Der BKA-Chef widersprach der Einschätzung, dass es sich bei den
mutmaßlichen Tätern um Dilettanten handelt. Die beiden
hätten fest damit gerechnet, dass ihr Plan aufgeht. «Dann
wären entscheidende Spuren vernichtet worden», sagte Ziercke.
Die Beschuldigten hätten nicht spontan gehandelt. So hätten
sie wochenlang, wenn nicht sogar seit Beginn des Streits um die
Mohammed-Karikaturen, Fahrpläne der Deutschen Bahn studiert.
«Die Täter wollten auf jeden Fall, dass diese Bomben
hochgehen», betonte Ziercke. Eine Explosion hätte mit
Sicherheit dazu geführt, dass Verletzte oder gar Tote zu beklagen
gewesen wären.
Bilder der Videoüberwachung zeigten, dass die beiden
zusammengewirkt hätten, sagte der BKA-Chef. Sie hätten sich
konspirativ verhalten und sich ab einem bestimmten Zeitpunkt getrennt,
um keinen Verdacht auf sich zu ziehen. Das BKA prüfe derzeit, ob
die Männer noch weitere Anschläge planten.
(Quelle: ddp)
Stoiber kritisiert muslimische Gemeinden
So.03.09.06 - Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat den
muslimischen Gemeinden eine dubiose Einstellung gegenüber
islamistischem Terror vorgeworfen. «Sie müssen endlich
Schluss damit machen, dass in Moscheen unsere westlichen Werte
verächtlich gemacht und junge Muslime radikalisiert werden»,
sagte der CSU-Vorsitzende am Samstag auf einem Parteikongress in
München. Die Gemeinden müssten Extremisten in ihren eigenen
Reihen der Polizei melden, wenn ihre verbale Verurteilung von Terror und
Gewalt glaubwürdig sein solle.
Zugleich forderte Stoiber den raschen Aufbau «einer wirksamen
Anti-Terror-Datei» für die Sicherheitsdienste in Deutschland.
Terroristen «wollen auch hier gegen Menschen zuschlagen»,
warnte er. Schon jahrelang werde über die Anti-Terror-Datei
für die Sicherheitsdienste diskutiert: «Wir brauchen jetzt
Ergebnisse», rief Stoiber aus.
(Quelle: ap)
Verfassungsschutz: Verstärkung für die Fachabteilung
Islamismus
So.03.09.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will einem
Medienbericht zufolge dem Bundesamt für Verfassungsschutz
zusätzlich 50 Millionen Euro zur Bekämpfung des
islamistischen Terrors zur Verfügung stellen. Die Millionensumme
sei in erster Linie für die Fachabteilung Islamismus vorgesehen,
die somit um rund 100 Agentenführer, Linguisten, Islam- und
Internet-Experten verstärkt werden könnte, berichtete das
Nachrichtenmagazin «Focus» vorab unter Berufung auf
Berliner Sicherheitskreise. In dem Fachressort seien bislang rund 250
Beamte tätig.
Die Konzentration auf islamistische Täter werde bei dem
Inlandsgeheimdienst zu Neuorganisationen führen, berichtete das
Magazin weiter. Die beiden bisher eigenständigen Abteilungen zur
Beobachtung des Rechts- und Linksextremismus würden
zusammengelegt, obwohl sich die Leitung des Verfassungsschutzes dagegen
ausgesprochen habe. Die klassische Spionageabwehr, bislang eine der
personalstärksten Abteilungen, verliere im Ministerium zunehmend
an Bedeutung.
Ein Sprecher des Verfassungsschutzes sagte der Nachrichtenagentur ddp,
die Zusammenlegung der Abteilungen zur Beobachtung des Links- und
Rechtsextremismus sei «einvernehmlich» zwischen Ministerium
und Leitung des Verfassungsschutzes gefallen. Die Darstellung des
Magazins, dass sich die Leitung dagegen ausgesprochen habe, treffe
nicht zu, betonte der Sprecher. «Die Zusammenlegung dieser beiden
Abteilungen war eine von mehreren Optionen, die auf Synergieeffekte zur
Stärkung der Aufklärung des islamistischen Terrorismus
geprüft wurden», erläuterte der Sprecher weiter.
(Quelle: ddp)
Merkel erwartet langfristig höheren Verteidigungsetat
So.03.09.06 - Kanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass der Verteidigungsetat
langfristig aufgestockt werden muss. Die Bundeswehr befinde sich in
einem Umstrukturierungszustand, sagte Merkel in der ARD. Auf einen
Zehnjahreszeitraum betrachtet rechne sie damit, dass man sicherlich
mehr tun müsse. Dabei verwies Merkel auch auf den geplanten
Libanon-Einsatz. Sie glaube, dass man hier von einem robusten,
angemessenen Mandat sprechen könne, sagte sie. Die offizielle
Anfrage aus dem Libanon für den Einsatz steht noch aus.
(Quelle: dpa)
Streit in der großen Koalition um Nahost-Einsatz der Bundeswehr
So.03.09.06 - Der geplante Einsatz deutscher Soldaten im Libanon sorgt für
Streit in der großen Koalition. In der CSU gibt es massive
Vorbehalte gegen ein militärisches Engagement der Bundeswehr im
Nahen Osten. Die SPD kritisierte am Samstag das Verhalten von
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). FDP-Chef Guido
Westerwelle warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Jung schwere
Fehler vor.
Das Bundeskabinett wird vermutlich am Montag über den Einsatz
entscheiden. Am Freitag könnte dann der Bundestag über die
geplante Mission der Bundesmarine vor der libanesischen Küste
abstimmen. Vorraussetzung ist allerdings der Eingang einer formellen
Anforderung der Regierung in Beirut. Diese ließ nach Angaben des
Bundespresseamtes am Samstag noch auf sich warten.
CSU-Außenexperte Peter Gauweiler betonte, es spreche einiges
gegen den Einsatz. Er habe wie andere Kollegen Bedenken. Auch der
CSU-Abgeordnete Stephan Mayer äußerte «sehr
große Skepsis». Die Zustimmung der Mehrheit der
CSU-Landesgruppe sei nicht sicher. Um die Parlamentarier doch noch von
dem Einsatz zu überzeugen, bedürfe es einer gewaltigen
Überzeugungsarbeit.
Die SPD kritisierte unterdessen, Verteidigungsminister Jung schade mit
seinen vorschnellen Erklärungen und nicht abgestimmten
Vorstößen der Motivation der Truppe und dem Koalitionsklima.
Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold warf dem Minister vor,
täglich neue Irritationen auszulösen bis hin zu der neuen
These, dass er im Herbst die Verfassung für die
Auslandseinsätze der Bundeswehr ändern wolle.
FDP-Chef Westerwelle bemängelte, Jung habe schon Anfang Juli
öffentlich über bewaffnete deutsche Soldaten im Nahen Osten
gesprochen, «als ob er noch im hessischen Landtag säße
und nicht durch seine Worte internationale Reaktionen
auslöst». Dagegen hätte Merkel ein klares Wort sprechen
müssen. «Die Bundeskanzlerin hat einen schweren Fehler
gemacht, dass sie die Diskussion nicht sofort beendet hat», sagte
Westerwelle. Es habe noch keinen deutschen Bundeskanzler gegeben,
«der sein Kabinett und seine Koalition wochenlang über den
Einsatz deutscher Soldaten spekulieren ließ».
CSU-Chef Edmund Stoiber mahnte «Zurückhaltung in der Sprache
und in der Sache» an. Wenn sich Deutschland im Mittelmeer zur
Küstensicherung engagiere, «sollte man in Berlin nicht jeden
Tag über eine noch größere Truppenstärke
diskutieren». Da seien auch andere Länder gefordert. Der
bayerische Ministerpräsident stellte außerdem erneut klar:
«Es gibt von uns keine Zustimmung zu deutschen Kampftruppen im
Südlibanon.»
Die Marine wird nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp für
den Einsatz vor der libanesischen Küste auf Zypern eine
Logistikbasis mit mehreren Hundert Soldaten einrichten. Wie am
Freitagabend aus Marinekreisen zu erfahren war, steigt dadurch die Zahl
der Marinesoldaten für den Gesamteinsatz zur Überwachung der
225 Kilometer lange Küste «wahrscheinlich auf rund
2500». Bisher war immer die Rede von 1200 bis 1500 Soldaten.
(Quelle: ddp)
Grüne fordern Bundeswehr-Beteiligung bei UN-Einsatz in Darfur
So.03.09.06 - Die Bundeswehr muss sich nach Auffassung der Grünen an einer
UN-Friedenstruppe in der sudanesischen Krisenregion Darfur beteiligen.
Deutschland dürfe sich nicht verweigern», sagte die
Außenpolitikerin Kerstin Müller dem «Tagesspiegel am
Sonntag». Sie glaube aber nicht, dass die Vereinten Nationen
Berlin um größere Truppenkontingente ersuchen werden. Der
Weltsicherheitsrat hat die Stationierung von mehr als 20 000
Blauhelm-Soldaten und Polizisten in Darfur beschlossen. Die Regierung
in Khartum lehnt das bislang ab.
(Quelle: dpa)
CSU will wertkonservativ punkten
So.03.09.06 - Die CSU will sich künftig wieder stärker als
«christlich-soziale Volkspartei der Mitte» profilieren und
so ihre absolute Mehrheit in Bayern 2008 verteidigen. Der
CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sagte bei einem Kongress über das
neue Parteiprogramm am Samstag in München: «Wir in der CSU
bleiben unseren Werten treu.» Im Gegensatz zu Teilen der CDU
hält die CSU auch am traditionellen Ehe- und Familienbild fest.
Scharf grenzte Stoiber die CSU von der «Staatsgläubigkeit
und Umverteilungsideologie» des Koalitionspartners SPD ab.
«Unser wertkonservatives Bild vom Menschen, von Staat und
Gesellschaft ist modern und zukunftsweisend», sagte Stoiber. Die
Ehe sei die Grundlage jeder Gesellschaft und somit «ein Wert an
sich». Eine Abschaffung des Ehegattensplittings - wie von
CDU-Generalsekretär Roland Profalla gefordert - sei mit der CSU
nicht zu machen. «Wir wollen Ehe und Familie stärken»,
sagte Stoiber. Wegen der veränderten Gesellschaft baue die CSU
heute aber auch die Kinderbetreuung außerhalb der Familie aus:
«Wir sind grundsatztreu, nicht dogmatisch.»
Pofalla sagte der «Neuen Presse» Hannover, die CDU als
Volkspartei für ganz Deutschland müsse sehen, dass «in
den neuen Ländern jedes zweite und in den alten Ländern jedes
dritte Kind unehelich geboren wird. Wir dürfen denen nicht das
Gefühl geben, dass wir uns um sie einfach nicht
kümmern». Zugleich verbat er sich Warnungen von Stoiber und
CSU-Generalsekretär Markus Söders vor einem Linksruck der
CDU. «Für das Grundsatzprogramm der CDU ist
ausschließlich die CDU zuständig», sagte er der
«Süddeutschen Zeitung».
Als Grundlage für das neue CSU-Programm nannte Stoiber das
christliche Menschenbild, die soziale Marktwirtschaft und den
Zusammenhalt in Heimat und Nation. Der Sozialstaat dürfe
«nicht länger nur auf die materielle Umverteilung
reduziert» werden. Bildung bedeute Chancengerechtigkeit,
Schuldenabbau Generationengerechtigkeit. Dass heute 41 Prozent in
Deutschland auf Staatskosten lebten, sei «eine unsoziale
Ausbeutung der leistungsbereiten Arbeitnehmer».
Wenn SPD-Chef Kurt Beck jetzt sage, «Leistung muss sich
lohnen». habe er das nur bei CDU und CSU abgekupfert. «Die
Worte hören wir wohl, allein uns fehlt der Glaube», sagte
Stoiber. Die SPD habe in den letzten Jahren ihren Kurs oft
geändert. Die CSU grenze sich mit ihrem Leitbild einer
«solidarischen Leistungsgesellschaft» aber auch vom
«unbegrenzten Marktliberalismus» der FDP ab, sagte Stoiber.
Im Unterschied zum «multikulturellen Nirwana» der
Grünen zeige die CSU Flagge für die
«christlich-europäische Leitkultur».
Das neue CSU-Programm soll im Frühjahr auf Regionalkonferenzen
diskutiert und auf dem Parteitag im Herbst 2007 verabschiedet werden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft:
Kosmisches Nachbarschaftsporträt enthüllt hunderttausende
Sterne
So.03.09.06 - Ein einzigartiges Porträt einer Nachbargalaxie der
Milchstraße enthüllt hunderttausende bislang unbekannte
Sterne. Das Mosaik aus 300 000 Einzelbildern des
«Spitzer»-Weltraumteleskops zeigt die Wärmestrahlung
junger und alter Sonnen.
Sie verbergen sich im sichtbaren Licht hinter dichten Staubschwaden der
Großen Magellanschen Wolke. «Wir sehen Gruppen alter Sterne
sowie Sonnen, die gerade entstehen», erläuterte Karl Gordon
von der Universität von Arizona in Tucson. Das Falschfarben-Mosaik,
auf dem ein zentrales blaues Sternen-«Meer» von rauen
Staub-«Wellen» umgeben ist, zeigt etwa ein Drittel der
Großen Magellanschen Wolke, wie das California Institute of
Technology am Donnerstag (Ortszeit) in Pasadena (USA) mitteilte.
Anhand des Galaxienporträts können die Astronomen den
Kreislauf studieren, in dem Sterne aus kosmischem Staub entstehen und
wieder zu Staub zerfallen. «Wir können den kompletten
Lebenszyklus galaktischer Materie in einem einzigen Schnappschuss
verfolgen», erläuterte Margaret Meixner vom Space Telescope
Science Institute in Baltimore (US-Staat Maryland). «Die
"Spitzer"-Beobachtungen der Großen Magellanschen Wolke liefern uns
den bislang detaillierteste Blick daraus, wie dieser Feedback-Prozess in
einer gesamten Galaxie funktioniert. Wir können messen, wie viel
Staub von den Sternen aufgebraucht wird, und wie viel sie
auswerfen.» Meixners Gruppe wird ihre Analysen in der
Novemberausgabe des Fachblatts «Astronomical Journal»
veröffentlichen.
Die Große Magellansche Wolke ist 160 000 Lichtjahre entfernt und
gehört zu einer Handvoll Zwerggalaxien, die um die
Milchstraße kreisen. Sie ist am Himmel der Südhalbkugel zu
sehen und benannt nach dem portugiesischen Seefahrer und Entdecker
Ferdinand Magellan (1480- 1521), der den Lichtflecken auf seiner
Weltumsegelung beobachtete.
(Quelle: dpa)
«Spitzer»-Homepage:
http://www.spitzer.caltech.edu
Internet
Browser hinterlässt keine Surfspuren - Freeware-Projekt als
Antwort auf die AOL-Datenmisere
So.03.09.06 - Mit einem kuriosen Minibrowser hat sich der Begründer des
ehemaligen britischen Internet-Service-Providers Freeserve Ajaz Ahmed
zurückgemeldet. Die von ihm entwickelte Applikation mit dem Namen
Browzar [http://www.browzar.com]
ermöglicht Nutzern im Internet zu surfen, ohne dass besuchte
Seiten, Cookies oder andere persönliche Formulardaten auf dem
verwendeten Computer aufgezeichnet werden. Der gerade einmal 264
Kilobyte kleine Gratisbrowser kommt ohne Cache oder History-Funktionen
aus und ist als Zusatzbrowser zu verwendeten Surfprogrammen gedacht,
wenn Anwender ihre Privatsphäre wahren wollen.
"Nicht zuletzt durch den kürzlich aufgeflogenen AOL-Vorfall ist
Anwendern die Wichtigkeit ihrer Privatsphäre wieder bewusst
geworden", erklärt Ajaz Ahmed auf Anfrage von pressetext (pte).
Internet-User würden sich zunehmend mit der Frage
auseinandersetzen, was mit ihrer persönlichen Information nach
Online-Besuchen geschehe. Zur Wahrung der eigenen Privatsphäre
stelle Browzer auch für technisch weniger Versierte, die mit dem
Löschen von Cache-Ordnern, History-Einträgen oder
Formulardaten bisweilen überfordert seien, eine denkbar einfache
Option dar, so Ahmed.
Neben dem Einsatz zuhause bietet sich der Minibrowser auch für die
Verwendung auf öffentlich genutzten Geräten oder von
USB-Sticks aus an. Als zusätzliches Feature soll sich der Browser
aufgrund seiner geringen Größe auch ohne Installation als
Webapplikation starten lassen. Voraussetzung dafür ist das
Vorhandensein einer Internet-Explorer-Version auf dem entsprechenden
Computer. Derzeit werden ausschließlich die Windows-Plattformen
unterstützt, entsprechende Mac- und Linux-Versionen sind aber
bereits in Planung.
(Quelle: pte)