Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Erneut zwei US-Soldaten im Irak bei Anschlag getötet. Seit
Kriegsbeginn kamen mehr als 2.600 US-Militärangehörige in Irak
ums Leben. Vize-Chef von El Kaida im Irak festgenommen. Schaffung von
irakischem Generalstab wegen Differenzen mit der US-Armee
verzögert. Regierungschef Maliki ordnet Beflaggung mit
Nationalfahne in ganz Irak an
Mo.04.09.06 - Erneut sind am Sonntag zwei US-Soldaten bei einem Anschlag im Irak ums
Leben gekommen. Ihr Fahrzeug wurde im Osten der Hauptstadt Bagdad von
einer am Straßenrand versteckten Bombe getroffen, wie die
amerikanischen Streitkräfte mitteilten. Seit Beginn des Irak-Kriegs
im März 2003 sind nach einer Zählung der Nachrichtenagentur
AP mehr als 2.600 US-Militärangehörige getötet worden.
Der stellvertretende Führer des Terrornetzes El Kaida im Irak ist
festgenommen worden. Hamed Dschumaa Farid al-Said, der Stellvertreter
des neuen El-Kaida-Führers im Irak, Al-Masri, soll vor einigen
Tagen in einem Privathaus gestellt worden sein. Er soll für den
Anschlag auf die schiitische Moschee von Samarra im Februar
verantwortlich sein.
Die für Samstag vorgesehene Schaffung eines neuen irakischen
Generalstabs für die einheimischen Streitkräfte ist wegen
Differenzen mit der US-Armee gescheitert. Oberstleutnant Barry Johnson
sagte der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag, die Zeremonie im
Verteidigungsministerium in Bagdad in Anwesenheit hoher irakischer und
US-Offiziere sei im letzten Augenblick verschoben worden. Es
müssten erst noch einzelne Formulierungen über das
Verhältnis zwischen dem bisherigen US-Generalstab und dem neuen
irakischen Kommando in dem Dokument geklärt werden.
Der irakische Regierungschef Nuri el Maliki hat am Sonntag angeordnet,
die irakische Fahne "auf jedem Zentimeter irakischer Erde" zu hissen.
Solange das Parlament in dieser Angelegenheit keine Entscheidung
getroffen habe, müsse dies gemäß der Verfassung so
gehandhabt werden, erklärte der Regierungschef am Sonntag. Er
reagierte damit auf die Entscheidung der kurdischen Regionalregierung im
Nordirak vom vergangenen Montag, an öffentlichen Gebäuden in
der autonomen Region nur noch kurdische Fahnen zu hissen. Bislang waren
dort bisweilen beide Fahnen - kurdische und irakische - nebeneinander
zu sehen gewesen.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 04.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertdreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Blutiges Wochenende im Süden Afghanistans - Fast 200 Tote bei
Kämpfen
Mo.04.09.06 - Bei den schwersten Kämpfen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001
sind in Südafghanistan nach NATO-Angaben mehr als 200
radikal-islamische Rebellen getötet worden. Die NATO-geführte
Internationale Schutztruppe ISAF teilte am Sonntag mit, auch vier
ISAF-Soldaten seien bei der Operation «Medusa» ums Leben
gekommen. Nach afghanischen Angaben handelte es sich um kanadische
ISAF- Soldaten. Beim Absturz eines Aufklärungsflugzeugs im
Kampfgebiet wurden 14 britische Soldaten getötet.
Ein ISAF-Sprecher sagte, die NATO-geführte ISAF habe schwere
Artillerie eingesetzt und Luftangriffe geflogen. Mehr als 80 Rebellen
seien gefangen genommen worden. Meldungen über zivile Opfer
lägen nicht vor. Die Operation dauere an. Zu den schweren
Kämpfen kam es am Wochenende im Distrikt Panjwayi und im
Nachbardistrikt Zharai in Kandahar. Mit der Operation
«Medusa» - der schwersten Offensive der NATO seit der
Übernahme des Kommandos durch die ISAF in Südafghanistan Ende
Juli - sollen Taliban-Kämpfer aus der Region vertrieben werden. In
Panjwayi kommt es seit Mai zu heftigen Kämpfen, nachdem dort
hunderte Taliban-Kämpfer eingesickert waren. Tausende Zivilisten
sind vor den Gefechten geflohen.
Am Samstag starben alle 14 britischen Insassen eines
Aufklärungsflugzeugs. Es ist der schwerste Verlust, den die
britische Armee an einem einzelnen Tag seit Beginn des
Afghanistan-Einsatzes Ende 2001 erlitten hat. Die ISAF und die
britische Regierung betonten am Sonntag, es habe sich um einen Unfall
gehandelt. Sie wiesen Angaben der Taliban zurück, wonach die
Rebellen das Flugzeug am Samstag abgeschossen hätten. Vor dem
Absturz waren 22 britische Soldaten beim Einsatz in Afghanistan
getötet worden, 7 davon seit Beginn der ISAF-Operationen in
Südafghanistan Ende Juli.
Wegen der verschlechterten Sicherheitslage in Nordafghanistan
rüstet die Bundeswehr ihre Einheiten laut einem Zeitungsbericht
mit gepanzerten Kräften auf. Den Einsatz von
«Tornado»-Kampfflugzeugen habe Generalinspekteur Wolfgang
Schneiderhan jedoch abgelehnt, berichtet die «Welt»
(Samstag). Die Zeitung zitiert aus einem Bericht des
Führungsstabes V des Verteidigungsministeriums, wonach es
Mängel bei Ausstattung und Ausrüstung der deutschen
Einsatzkräfte gegeben habe. Ein Sprecher des Ministeriums wollte
die Existenz des Berichts weder bestätigen noch dementieren.
Afghanistan hat in diesem Jahr so viel Rohopium wie nie zuvor
produziert und ist inzwischen für fast die gesamte weltweite
Produktion des Grundstoffes für Heroin verantwortlich. Die
Anbaufläche von Schlafmohn habe im Vergleich zum vergangenen Jahr
um 59 Prozent auf 165 000 Hektar zugenommen, teilte das UN-Büro
für Drogen und Kriminalität (UNODC) am Samstag in der
afghanischen Hauptstadt Kabul mit. Daraus würden
«erschütternde» 6100 Tonnen Rohopium gewonnen - 92
Prozent der weltweiten Produktion. «Das sind sehr alarmierende
Zahlen», sagte UNODC-Direktor Antonio Maria Costa.
Allein in Helmand, wo Taliban-Kämpfer ihre Angriffe verstärkt
haben, habe der Anbau um 162 Prozent auf knapp 70 000 Hektar
zugenommen, sagte Costa. Nur noch in 6 der 34 afghanischen Provinzen
werde kein Opium produziert. An der «Opiumfront» herrsche
in manchen Provinzen der Ausnahmezustand. Mit den afghanischen
Drogengeldern würden Aufständische und internationale
Drogenkartelle finanziert. Die Drogen aus Afghanistan seien
außerdem für jährlich 100 000 Todesfälle durch
Überdosierung verantwortlich.
Fünf Jahre nach Beginn des Kampfes gegen den Terrorismus warf die
afghanische Regierung der Internationalen Gemeinschaft
Versäumnisse vor. Sie habe sich «viel zu sehr auf die
militärische Komponente des Anti-Terror-Kampfes
konzentriert», sagte Außenminister Rangin Dadfar Spanta in
einem dpa-Gespräch in Kabul. «Der Anti-Terror-Kampf ist
nicht allein eine militärische, sondern gleichzeitig eine
entwicklungspolitische, eine soziale Aufgabe.»
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israel schließt Friedensverhandlungen mit Syrien aus. Pläne
für kompletten Abzug Israels aus dem Südlibanon werden
konkreter. Deutsche Regierung verschiebt Beschluss zum Libanon-Einsatz
Mo.04.09.06 - Israel schließt zum gegenwärtigen Zeitpunkt
Friedensverhandlungen mit Syrien aus. Zuerst müsse die Regierung
in Damaskus ihre Unterstützung für libanesische und
palästinensische Extremisten beenden, sagte Außenministerin
Zipi Livni am Sonntagabend im israelischen Fernsehen.
Hingegen bekräftigte der israelische Ministerpräsident Ehud
Olmert am Sonntag seinen Wunsch nach einem Friedensabkommen mit dem
Libanon. «Wie natürlich, wie verständlich wäre es
für den Ministerpräsidenten des Libanons, auf einen meiner
vielen Anrufe bei ihm zu reagieren und zu sagen: 'Lassen Sie uns
zusammensetzen, die Hände schütteln, Frieden schließen
und ein für alle Mal die Feindseligkeit, den Neid, den Hass
beenden'», sagte Olmert bei der Besichtigung einer Schule im
Norden Israels. Auch UN-Generalsekretär Annan hat wiederholt die
Hoffnung auf einen Friedensschluss bekundet. Der Libanon hat bislang
aber kein Interesse an einem solchen Abkommen mit Israel gezeigt.
Der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri rief die
arabischen Nachbarländer auf, die israelische Luft- und
Seeblockade zu durchbrechen. Der schiitische Politiker verurteilte die
Blockade am Samstag auf einer Sondersitzung des Parlaments in Beirut
als militärische Aggression und als Verstoß gegen die
UN-Resolution 1701.
Das Parlament fordert von den Regierungen der arabischen Staaten, die
Blockade zu ignorieren und Flugzeuge oder Schiffe in den Libanon zu
schicken. Die Regierung in Jerusalem will die Blockade erst dann
aufheben, wenn UN-Truppen alle libanesischen Grenzen überwachen
und Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz stoppen.
Die iranische Regierung sicherte den Vereinten Nationen am Sonntag ihre
Unterstützung für die Libanon-Resolution zu, die eine
Entwaffnung der Hisbollah-Miliz vorsieht. Präsident Mahmud
Ahmadinedschad habe ihm persönlich erklärt, dass der Iran
hinter der Resolution stehe, sagte UN-Generalsekretär Annan am
Sonntag in Teheran. Die Entschließung der UN verlangt auch die
Einstellung von Waffenlieferungen an die vom Iran unterstützte
Miliz.
Die konkrete Umsetzung der Resolution machte am Wochenende weitere
Fortschritte: Die ersten italienischen Soldaten für die
gestärkte Blauhelmtruppe trafen im Südlibanon ein. Bis
Sonntagabend wurden insgesamt 1.000 Italiener erwartet. Mit ihrer
Ankunft erreicht die UN-Truppe im Libanon (UNIFIL) damit eine
Stärke von 3.250 Mann - geplant sind 15.000. Italien stellt das
größte Kontingent und übernimmt im kommenden Jahr das
UNIFIL-Kommando von Frankreich. Die UN-Truppen sollen gemeinsam mit
libanesischen Soldaten den Waffenstillstand sichern, der im August 34
Tage Krieg zwischen Israel und der Hisbollah beendet hat.
Russland stellte am Sonntag ein technisches Kontingent in Aussicht.
Dabei handle es sich um Pioniere, die beim Wiederaufbau helfen sollten,
zitierte die Nachrichtenagentur ITAR-TASS Verteidigungsminister Sergej
Iwanow.
Unterdessen werden die Pläne für einen kompletten Abzug
Israels aus dem Südlibanon konkreter: Die Truppen sollen nach
einem Zeitungsbericht binnen zwei Wochen abziehen. Die israelische
Zeitung «Haaretz» meldet unter Berufung auf
Sicherheitskreise, die Soldaten könnten in zehn bis 14 Tagen
gehen. Voraussetzung sei, dass die Aufstellung einer internationalen
Truppe schnell voran gehe. Israel will die Blockade Libanons
aufrechterhalten, bis die UN-Truppen Waffenlieferungen an die Hisbollah
verhindern.
Die deutsche Regierung hat ihre Entscheidung über einen Einsatz
der Bundeswehr im Libanon verschoben. Die ursprünglich für den
(heutigen) Montag geplante Sondersitzung des Kabinetts werde nicht
stattfinden, teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Sonntag in
Berlin mit. Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora habe
Bundeskanzlerin Angela Merkel informiert, dass er auf Grund der
innerlibanesischen Diskussion noch nicht die notwendigen Anforderungen
an die UN richten konnte.
Wilhelm erklärte, es sei klar, dass ohne eine solche Anforderung
des Libanon bei den Vereinten Nationen ein Einsatz der Bundeswehr im
Rahmen der UN-Mission im Nahen Osten nicht in Betracht komme. «Die
Bundesregierung schickt deutsche Soldaten nur unter geordneten
Bedingungen und bei erklärter Bereitschaft des Libanon
gegenüber UN-Generalsekretär Annan in einen Einsatz.»
Auch die anderen Staaten wie Dänemark, Norwegen, Schweden und die
Niederlande, die bereit seien, sich an der seeseitigen Grenzsicherung
des Libanon zu beteiligen, hätten das in gleicher Weise klar
gemacht.
Der Regierungssprecher betonte, die wesentlichen Voraussetzungen
für ein deutsches Engagement in Nahost blieben die Zustimmung der
Konfliktparteien, ein robustes Mandat, das es ermögliche, die
Aufgaben zu erfüllen und die Zustimmung des Bundestages. Die
Bundesregierung stehe mit allen Beteiligten in der Region und den
Vereinten Nationen in Kontakt.
(Quellen: dpa, ap)
Atomstreit: Iran fordert Verhandlungen ohne Vorbedingungen
Mo.04.09.06 - Nach dem Votum von EU und Vereinten Nationen für eine
Verhandlungslösung im Atomstreit hat sich der Iran für die
Aufnahme von Gesprächen ohne alle Vorbedingungen ausgesprochen.
«Wir sind bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren
und alle Zweifel an unseren nuklearen Aktivitäten
auszuräumen», sagte der iranische Vertreter bei der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Ali Asghar Soltanieh,
am Sonntagabend dem US-Sender CNN. Zugleich wandte er sich gegen
«Drohungen und Einschüchterungen» in dem Konflikt.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte nach einem Treffen mit dem
iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad am Sonntag in
Teheran, dieser sei weiter zu Gesprächen bereit, wolle die
umstrittene Urananreicherung aber vorerst nicht aussetzen. Auch die EU
bemühte sich weiter um ein Einlenken der iranischen Regierung.
Diese ließ am Donnerstag die vom Weltsicherheitsrat gesetzte
Frist zum Stopp der Urananreicherung verstreichen.
Ahmadinedschad wolle das Programm nicht vor dem Beginn von
Gesprächen stoppen, sagte Annan auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit dem iranischen Außenminister Manutschehr
Mottaki. Der iranische Präsident nahm daran nicht teil. Das
staatliche Fernsehen zitierte ihn jedoch mit den Worten, der Westen
müsse sich nun um eine Verbesserung der Beziehungen zu Teheran
bemühen.
«Das Vertrauen des Irans ist während der vergangenen drei
Jahre erschüttert worden», sagte Ahmadinedschad. «Sie
(die westlichen Staaten) sollten versuchen, unser Vertrauen zu
gewinnen, um die Angelegenheit zu lösen.» Am Samstag, dem
ersten Tag von Annans Besuch, hatte Ahmadinedschad bei einer Kundgebung
bekräftigt, dass der Iran an seinem Atomprogramm festhalten werde.
Mottaki kritisierte, der Weltsicherheitsrat habe die Iran-Resolution
unter dem Druck der USA und Großbritanniens verabschiedet. Er
bezeichnete die Entschließung als Fehler.
Die Außenminister der 25 EU-Staaten erteilten EU-Chefdiplomat
Javier Solana am Samstag ein Mandat für weitere Gespräche mit
der Teheran, um noch einmal Chancen für eine
Verhandlungslösung auszuloten. Möglicherweise soll das
Treffen mit dem iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani am
Dienstag stattfinden, wie aus UN-Kreisen verlautete. Eine Frist
für eine Einigung wurde nicht gesetzt. Es wird jedoch erwartet,
dass die Mitglieder des Weltsicherheitsrats Mitte September Beratungen
über mögliche Sanktionen gegen den Iran aufnehmen.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier betonte bei
dem Treffen der EU-Ressortchefs in Finnland, die Union habe keinerlei
Interesse an einer Eskalation. «Aber es geht nicht ohne
Mitwirkung der iranischen Seite», mahnte Steinmeier. Er forderte
«ein Signal des Entgegenkommens aus dem Iran». Konkret
müsse der Iran wie vom Weltsicherheitsrat gefordert die
Urananreicherung aussetzen. Die dafür vom Sicherheitsrat gesetzte
Frist hatte Teheran am Donnerstag verstreichen lassen.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich dafür aus,
diplomatischen Druck aufzubauen. «Eine militärische Option
gibt es hier nicht», sagte sie der ARD. «Natürlich
bleibt die Tür zu Verhandlungen offen, wenn der Iran sich
besinnt.»
(Quelle: ap)
Australien prüft Uran-Exporte nach China
Mo.04.09.06 - Die australische Behörde zur Einhaltung des
Atomwaffensperrvertrags hat keine Bedenken gegen die Aufnahme
umfangreicher Uran-Lieferungen an China. Der Direktor der Behörde,
John Carlson, sagte am Montag vor dem für Uran-Exporte
zuständigen Parlamentsausschuss in Canberra, es gebe zwar noch
keine konkreten Verträge. «Im Prinzip könnten wir Uran
ab der ersten Hälfte des kommenden Jahres an China liefern»,
sagte er.
Carlson sagte, nach seiner Einschätzung wird China versuchen, Uran
für seine Atomkraftwerke von mehreren Lieferanten zu bekommen, um
nicht von einem Land abhängig zu werden.
Da Australien aber über 40 Prozent der bekannten Uranreserven der
Welt verfüge, solle es wohl einen großen Teil des
chinesischen Bedarfs decken. Carlson zufolge könnte Peking bis
2020 ein Drittel der für Atomkraftwerke benötigten 8.000
Tonnen Uran in Australien kaufen. Bei den derzeitigen Preisen
würde das Australien jährlich 250 Millionen australische
Dollar (150 Millionen Euro) Einnahmen bringen. Carlson sagte, er sei
zuversichtlich, dass die australischen Bedingungen für eine
ausschließlich zivilen Nutzung des Urans erfüllt würden.
(Quelle: ap)
Sri Lanka friert Konten tamilischer Hilfsorganisation ein
Mo.04.09.06 - Die srilankische Zentralbank hat die Konten einer tamilischen
Hilfsorganisation eingefroren, die nach eigenen Angaben Kriegs- und
Tsunami-Opfern um Norden und Osten des Landes unterstützt. Die
Regierung warf der Tamilischen Rehabilitations-Organisation dagegen
vor, Rebellen finanziell zu unterstützen. Sowohl die Regierung als
auch die Hilfsorganisation teilten mit, die Guthaben seien am Sonntag
eingefroren worden. Der Gruppe zufolge geht es im rund 1,5 Millionen
Euro.
(Quelle: ap)
López Obrador für 'radikalen Umbau' von Mexiko
Mo.04.09.06 - Im Kampf um die Regierungsmacht in Mexiko hat sich der Führer des
linken Lagers für eine neue Verfassung und einen «radikalen
Umbau» des Landes ausgesprochen. «Wir wollen keine
kosmetischen Veränderungen», sagte der
Präsidentschaftskandidat Manuel Andrés Lopez Obrador am
Sonntag vor mehreren tausend Anhängern auf dem Zocalo, dem
zentralen Platz von Mexiko-Stadt. Dort übernachtet der Politiker
seit fünf Wochen in einem Zelt, um so gegen den Auszählung
der Wahl vom 2. Juli zu protestieren.
López Obrador bekräftigte, dass er einen Sieg seines
Gegenkandidaten Felipe Calderón niemals anerkennen werde. In
dieser Woche will das Bundeswahlgericht den Sieger der Wahl offiziell
bekanntgeben. Es wird erwartet, dass dies Calderón von der
Nationalen Aktionspartei (PAN) sein wird. Nach dem bisherigen
Auszählungsstand hat der rechtsliberale Politiker 240.000 Stimmen
mehr erhalten als Lòpez Obrador von der Partei der
Demokratischen Revolution (PRD).
Die Linke hat für den 16. September zu einer Massenkundgebung auf
dem Zocalo aufgerufen - am gleichen Tag findet eine große
Militärparade zum Unabhängigkeitstag statt. Am Freitag
hinderten linksgerichtete Abgeordnete den scheidenden Präsidenten
Vicente Fox von der PAN daran, seine Rede zur Lage der Nation im
Parlament zu halten. Der PRD-Wahlkampfmanager Jesus Ortega
erklärte am Samstag, dass die Abgeordneten der Linken entschlossen
seien, auch eine Vereidigung von Calderón am 1. Dezember zu
verhindern.
(Quelle: ap)
Mehr als 670 Flüchtlinge vor den Kanaren aufgegriffen
Mo.04.09.06 - Die spanische Polizei hat am Samstag mehr als 670 afrikanische
Flüchtlinge vor den Kanaren abgefangen, eine Rekordzahl für
einen einzelnen Tag. 674 Menschen in mindestens acht Booten seien
aufgegriffen worden, erklärte die Guardia Civil am Sonntag. Allein
im August versuchten mehr Afrikaner auf die Kanaren zu gelangen als im
gesamten Vorjahr. Die Behörden auf den Kanarischen Inseln haben die
Situation als internationale Notlage bezeichnet und die EU, die UN und
die internationale Gemeinschaft zur Intervention aufgefordert.
(Quelle: ap)
Frankreich: Innenminister Sarkozy will als Präsident Umweltpolitik
in Mittelpunkt rücken
Mo.04.09.06 - Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy will die Umwelt zu
einem Schwerpunkt seiner Politik machen, sollte er im Frühjahr 2007
zum Staatspräsidenten gewählt werden. Alle Entscheidungen
müssten auf das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung ausgerichtet
werden, erklärte Sarkozy zum Abschluss der Sommeruniversität
der UMP am Sonntag in Marseille. Neben einer Umstellung von Produktion
und Verkehr müsse die Erforschung und Nutzung erneuerbarer
Energien massiv ausgebaut werden.
«Um eine Gesellschaft der Entbehrung zu verhindern, müssen
wir heute eine Gesellschaft der Vermittlung organisieren»,
erklärte der Parteivorsitzende und wahrscheinliche
Präsidentschaftskandidat der UMP. Er schlug vor, das Gesetz des
freien Marktes um internationale Rechte auf Umweltschutz, Arbeit,
Kultur, Bildung und Gesundheit zu erweitern. «Diese müssten
die gleiche faktische Geltung haben, und Frankreich muss dabei als
Beispiel vorangehen.» Sarkozy will aber an der Atomkraft
festhalten, da diese kein Treibhausgas produziere. 80 Prozent der
Energie werden in Frankreich in Atomkraftwerken gewonnen. Die Nutzung
erneuerbarer Energien ist dagegen weit weniger fortgeschritten als etwa
in Deutschland.
(Quelle: ap)
DaimlerChrysler soll Millionen an Steuern hinterzogen haben
Mo.04.09.06 - Der Autokonzern DaimlerChrysler soll nach einem Magazinbericht
jahrelang Schmiergelder in etlichen Ländern gezahlt,
Millionensummen in schwarzen Kassen versteckt und Steuern im
großen Stil hinterzogen haben. Das gehe aus Ermittlungsunterlagen
der US-Kanzlei Skadden hervor, die seit zwei Jahren den Autobauer
durchleuchtet und ihre Untersuchungen weitgehend abgeschlossen habe,
berichtete das Nachrichtenmagazin «Focus» am Wochenende
vorab. Anlass der Nachforschungen sei ein von der US-Börsenaufsicht
eingeleitetes Verfahren gegen DaimlerChrysler gewesen. Der Autobauer
habe sich wegen der Affäre inzwischen von mindestens acht Managern
getrennt.
Das Unternehmen habe dank eines illegalen Steuermodells jahrelang
Millionen bei Gehältern gespart, schrieb das Blatt. Ins Ausland
entsandte Mitarbeiter hätten nur einen Teil ihres Gehaltes in dem
Land erhalten, in dem sie arbeiteten. Den Rest habe der Konzern auf ein
deutsches Konto des Angestellten überwiesen, das dieser als
Brutto-wie-netto-Zahlung komplett einbehalten und nicht in seinem
ausländischen Einsatzland ordnungsgemäß versteuert habe.
Die Steuererklärungen seiner Auslandsmitarbeiter habe fast immer
DaimlerChrysler erstellt und dabei den in Deutschland gezahlten Lohn
unterschlagen. Teilweise seien auch Beträge aus schwarzen
Konzernkassen für die verdeckten Gehaltszahlungen verwendet worden.
Die Steuer-Tricksereien seien mindestens seit 1994 praktiziert worden.
Mittlerweile habe DaimlerChrysler angesichts der Ermittlungen von
Skadden im Ausland Steuern in Millionenhöhe nachgezahlt, schrieb
das Blatt weiter. Mit etlichen Ländern solle der Konzern bereits
Vereinbarungen über die Begleichung der Steuerschulden getroffen
haben, so etwa mit Nigeria, der Elfenbeinküste, Polen und einigen
Staaten in Südamerika. Das Unternehmen habe inzwischen auch
Selbstanzeige bei einem deutschen Finanzamt erstattet und ebenfalls
Steuern nachgezahlt. Diese Steuerhinterziehung stehe im Zusammenhang mit
schwarzen Kassen.
Die Skadden-Anwälte hätten in der Schweiz geheime Konten
entdeckt, die nicht in den Bilanzen aufgetaucht seien, berichtete das
Magazin weiter. Bei dortigen Banken sollen demnach Tochterunternehmen
aus Argentinien, Brasilien und der Türkei Millionenbeträge
versteckt haben. Auch in Deutschland seien die Skadden-Fahnder auf
zahlreiche schwarze Kassen gestoßen, auf denen sich durch
verdeckte Rabattzahlungen des Konzerns häufig Millionensummen
angesammelt hätten. Insbesondere das Konto von Star Auto, einer
Konzerntochter in der Elfenbeinküste, bei der Untertürkheimer
Volksbank habe offenbar jahrelang als geheime Drehscheibe für
dubiose Zahlungen gedient, schrieb das Blatt. So vermuteten die
Skadden-Anwälte Bestechungsfälle hinter Transaktionen nach
Serbien, Rumänien, Guatemala und in den Iran.
Der bisherige finanzielle Schaden durch die Affäre ergibt sich dem
Magazin zufolge aus dem aktuellen Geschäftsbericht. Demnach musste
der Konzern sein Eigenkapital bereits um 306 Millionen Euro reduzieren
und weitere 125 Millionen Euro zurückstellen. Ein
DaimlerChrysler-Sprecher habe die illegalen Praktiken bestätigt,
ohne allerdings Details zu nennen, schrieb «Focus».
«Wir möchten betonen, dass wir diese Dinge sehr ernst nehmen
und fest entschlossen sind, unsere Geschäfte unter Zugrundelegung
hoher ethischer Standards zu führen», sagte er dem Blatt.
(Quelle: ddp)
Umweltminister Gabriel rechnet nicht mit sinkenden Energiepreisen
Mo.04.09.06 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) rechnet auf absehbare Zeit
nicht mit sinkenden Energiepreisen. Weil es bislang nicht gelungen sei,
mehr Wettbewerb zu schaffen, würden die großen Konzerne
weiterhin ihre Preise durchsetzen, sagte Gabriel der "Welt am Sonntag".
"Wir erhoffen uns natürlich eine Senkung der Strompreise. Das
wäre jedenfalls die normale Folge, wenn der Markt funktionieren
würde - was er noch nicht tut."
Gabriel sagte: "Solange der Markt monopolisiert ist, sind die
Verbraucher wehrlos." Damit die Energiekonzerne künftig mehr
Wettbewerb zulassen, drohte ihnen der Umweltminister erstmals mit der
Trennung von Leitungsnetz und Energieerzeugung. "Der Regulierer muss
dafür sorgen, dass neue Kraftwerke leichter an die Netze
angeschlossen werden können. Wenn das nicht gelingt, stellt sich
die Frage, ob wir das Leitungsnetz von der Energieerzeugung trennen",
sagte Gabriel. So wie bisher könne es nicht weitergehen. "Da
dürfen wir auch keine Auseinandersetzung mit den großen
Energieunternehmen fürchten", fügte er hinzu.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) habe es bislang
versäumt, "wirtschaftliche Anreize für eine intelligente
Netzgestaltung" zu schaffen, kritisierte Gabriel seinen
Kabinettskollegen. Die effizientesten Netzbetreiber, was oft Stadtwerke
mit eigenen Netzen seien, müssten einen wirtschaftlichen Vorteil
haben. "Ich würde mir wünschen, dass das
Wirtschaftsministerium sehr schnell die entsprechende Verordnung zur
Anreizregulierung auf den Weg bringt", sagte der SPD-Politiker.
Darüber hinaus müssten die Netze insgesamt ausgebaut werden.
"Letztlich aber brauchen wir einen stärker europäisierten
Strommarkt, bei dem die Europäische Union eine starke
Regulierungsfunktion haben muss", sagte Gabriel. Am Ende dürfe es
nur noch eine Strombörse in Europa geben.
Der Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, übte
scharfe Kritik an der Preispolitik der Energiekonzerne. Deren
Argumentation, dass die Gebühren wegen steigender Weltmarktpreise
anzögen, sei nicht nachvollziehbar. In Deutschland erfolge die
Stromerzeugung hauptsächlich mit heimischen Energieträgern,
betonte er im NDR. Böge betonte, 90 Prozent der
Stromerzeugungskapazitäten lägen in der Hand von vier
großen Anbietern.
Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) nannte die
steigenden Strompreise "unerträglich". Müller attackierte die
großen deutschen Energiekonzerne. Eon, RWE, Vattenfall und EnBW
"nutzen monopolartig ihre Marktmacht, um hohe Gewinne durchzusetzen",
erklärte er in Berlin. Er forderte das Bundeskartellamt auf, es
solle "noch stärker einschreiten, wo der Markt missbraucht wird".
(Quelle: afp)
Verfassungsrechtler sieht Probleme bei Gesundheitsreform
Mo.04.09.06 - Der Präsident des Berliner Verfassungsgerichtshofs, Helge Sodan,
hält mehrere Regelungen der anstehenden Gesundheitsreform -
insbesondere zur Privaten Krankenversicherung (PKV) - für
"verfassungsrechtlich äußerst bedenklich". Als Beispiele
nannte Sodan im Gespräch mit der "Thüringer Allgemeinen" die
vorgesehene Möglichkeit für PKV-Versicherte,
Altersrückstellungen von einer Kasse auf eine andere zu
übertragen.
"Die Altersrückstellungen gehören rechtlich der
Versichertengemeinschaft. Das sind keine individuell angesparten Summen,
die sich einfach mitnehmen lassen", erklärte der
Verfassungsrechtler und Gesundheitsexperte. Gesetzliche Eingriffe in die
bestehenden Verträge der Privatversicherten seien "überhaupt
nicht zu rechtfertigen und wären verfassungswidrig".
Auch der Ausschluss der Kinder Privatversicherter aus der
steuerfinanzierten beitragsfreien Kinderversicherung ist laut Sodan
"absurd". Gegen den Ausschluss könnten Privatversicherte mit
Kindern unter Hinweis auf einen Verstoß gegen den allgemeinen
Gleichheitssatz klagen. Die Bundesregierung plant ab 2008 die
schrittweise Finanzierung der Gesundheitskosten für Kinder durch
Steuergelder. Privatversicherte sollen allerdings ihren Nachwuchs weiter
selbst versichern müssen.
Sodan hält es zudem für "überaus problematisch, wenn die
Ärztehonorare für Leistungen in der privaten und gesetzlichen
Krankenversicherung aneinander angeglichen werden", wie es die
Bundesregierung vorsieht. Das Bundesverfassungsgericht habe 2004 klar
bestätigt, dass in beiden Versicherungssystemen nicht dieselbe
Interessenlage bestehe. Auf eine entsprechende Frage räumte der
Professor von der Freien Universität Berlin ein, dass das
Bundesverfassungsgericht damit die Zwei-Klassen-Medizin
gewissermaßen juristisch bestätigt habe.
Union und SPD haben sich bereits auf ein Eckpunktepapier für die
Gesundheitsreform verständigt und wollen ab Montag darüber
beraten.
(Quelle: afp)
Bundesdatenschützer warnt vor Überreaktionen im
Anti-Terror-Kampf
Mo.04.09.06 - Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, hat vor
Überreaktionen im Kampf gegen den Terror gewarnt. «Das
ziellose Erheben und Auswerten von Daten halte ich nicht nur für
einen wenig effizienten, sondern auch für einen
verfassungsrechtlich höchst problematischen Weg», wird
Schaar in der «Netzeitung» zitiert. Er kritisierte, dass
die Diskussion über das Problem der Überwachung
«vielfach verkürzt geführt» werde.
«Bisweilen wird ausgeblendet, was die jeweilige Maßnahme
bewirken kann und ob es Alternativen gibt, die angestrebten Ziele,
insbesondere mehr Sicherheit im öffentlichen Raum, zu
erreichen», sagte Schaar. «Das sehe ich
außerordentlich kritisch, zumal die Überwachung ganz
überwiegend Unverdächtige betrifft.»
«Es kann nicht sein, dass nach jedem geglückten oder
vereitelten Anschlag an der Gesetzesschraube gedreht wird»,
erklärte der Datenschützer. «Die Politik sollte immer
eine genaue Vorstellung davon entwickeln, was effektive Maßnahmen
sind und wie die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger
gewahrt werden können.»
(Quelle: ap)