Aktuelle Nachrichten
Irak am siebenhundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Erneut Dutzende Tote im Irak. US-Demokraten kritisieren Irak-Rhetorik
des Weißen Hauses
Di.05.09.06 - Der Gewalt im Irak sind wieder Dutzende Menschen zum Opfer gefallen. In
Bagdad und in der Stadt Kut wurden am Montag die Leichen von 35
Männern entdeckt. Die Körper wiesen Schusswunden und
Folterspuren auf. Nördlich von Basra wurden zwei britische
Soldaten getötet. Zwei US-Soldaten kamen in der Provinz Anbar ums
Leben. Ein populärer irakischer Fußballspieler wurde am
Sonntagabend in Bagdad verschleppt.
Die 33 in Bagdad getöteten Männer waren laut Polizei an
Händen und Füßen gefesselt und trugen Augenbinden. Zwei
weitere Leichen entdeckte die Polizei auf einer Schnellstraße in
Kut, rund 160 Kilometer südöstlich der Hauptstadt. Den Opfern
sei in Brust und Kopf geschossen worden, sagte ein Sprecher des
örtlichen Krankenhauses.
Die britischen Soldaten waren auf Patrouille, als eine am
Straßenrand gelegte Bombe explodierte, wie ein
Militärsprecher mitteilte. Zwei Soldaten kamen ums Leben, ein
dritter wurde verletzt. Die beiden getöteten
US-Marineinfanteristen waren nach Angaben der Streitkräfte am
Sonntag in Kampfhandlungen verwickelt. In Bakuba, 60 Kilometer
nordöstlich von Bagdad, eröffnete ein unbekannter Mann das
Feuer auf eine Gruppe und erschoss zwei Menschen, fünf weitere
wurden verletzt.
Der 22-jährige Fußballspieler Ghanim Ghudajer wurde in
Bagdad von unbekannten Männern überfallen und entführt.
Einige der Geiselnehmer hätten Militäruniformen getragen,
sagte ein Polizeisprecher am Montag. Ghudajer gilt als einer der besten
Spieler seines Vereins Air Force Club. Der Vereinsvorsitzende Samir
Chadim sagte, der Spieler habe gerade zum Training gehen wollen, als er
von den Männern in zwei Autos gestoppt worden sei. Ghudajer habe
kürzlich einen Ein-Jahres-Vertrag mit einem Club in Syrien
unterzeichnet und habe den Irak in den kommenden Tagen verlassen wollen.
Irakische Sportler und Funktionäre waren in der Vergangenheit
immer wieder Drohungen und Entführungen ausgesetzt. Im Juli gab
der irakische Fußballnationaltrainer sein Amt auf, nachdem er und
seine Familie Todesdrohungen erhalten hatten.
Die Opposition in den USA hat die vom Weißen Haus gezogenen
historischen Parallelen zwischen dem Krieg im Irak und dem Zweiten
Weltkrieg scharf kritisiert. Derartige historische Vergleich gingen "zu
weit", sagte der demokratische Senator Joseph Biden am Sonntag im Sender
ABC. Die einzige Ähnlichkeit zwischen dem Krieg gegen den Terror
im Irak und dem Zweiten Weltkrieg sei, "dass dieser Krieg bald so lange
dauert wie der Zweite Weltkrieg". Das Weiße Haus benutze eine
vereinfachende Sprache, die der Lage nicht gerecht werde, kritisierte
der Senator.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 05.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.05.09.05 - Prozess gegen Saddam Hussein soll am 19. Oktober beginnen +++ Zahlreiche
Sicherheitskräfte bei Anschlagsserie getötet +++ Amerikanische
und und irakische Soldaten liefern sich Tal Afar den dritten Tag in
Folge Gefechte mit Aufständischen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509050.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Kanadischer Soldat bei Angriff von US-Flugzeugen getötet -
Britischer Soldat und vier Afghanen kommen bei Anschlag in Kabul ums
Leben
Di.05.09.06 - Zwei US-Kampfflugzeuge haben am Montag im Süden Afghanistans
versehentlich eine kanadische Einheit angegriffen und dabei einen
Soldaten getötet sowie fünf weitere zum Teil schwer verletzt.
NATO-Kommandeur David Richards sprach von einer bedauerlichen
Tragödie. In Kabul kamen bei einem Anschlag ein britischer Soldat
und vier afghanische Zivilpersonen ums Leben.
Die kanadischen Soldaten nahmen in der südlichen Provinz Kandahar
an einem Einsatz der Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) gegen
Taliban-Kämpfer teil. «Es ist besonders bedauerlich für
uns alle, wenn trotz der Sorgfalt und Vorsicht, die wir immer walten
lassen, eine Tragödie wie diese passiert», sagte
Generalleutnant Richards. Wie es hieß, hatten die Bodentruppen
der NATO Luftunterstützung angefordert. Zwei ISAF-Flugzeuge seien
dann gekommen und hätten mit ihren Bordkanonen angegriffen. Dabei
hätten sie aber auch die eigenen Leute getroffen, erklärte
die NATO. Die Flugzeuge wurden als zwei amerikanische A-10 Thunderbolt
identifiziert.
Der Zwischenfall ereignete sich im Rahmen der «Operation
Medusa», bei der laut NATO seit Samstag mehr als 200
Taliban-Kämpfer getötet wurden. Taliban-Führer Mullah
Dadullah dementierte dies. Es seien «nicht einmal zehn
Taliban» getötet worden, sagte er der Nachrichtenagentur AP
in einem Telefoninterview. Zugleich drohte Dadullah Journalisten: Wer
«falsche Informationen der Koalitionsstreitkräfte oder der
NATO» verbreite, werde künftig selbst zum Ziel.
Der Selbstmordanschlag in Kabul ereignete sich im Osten der Stadt, auf
der Straße nach Dschalalabad. Ein Sprecher des britischen
Verteidigungsministeriums erklärte, ein Geländewagen sei in
den Militärkonvoi gefahren. Der Attentäter riss fünf
Menschen mit in den Tod, darunter einen britischen Soldaten der ISAF.
Zwei weitere britische Soldaten wurden verwundet. Auch sieben
afghanische Zivilpersonen wurden verletzt.
Mutmaßliche Taliban-Kämpfer griffen in der Nacht zum Montag
ein regionales Verwaltungszentrum in der südafghanischen Provinz
Helmand an. Bei den anschließenden Gefechten wurden mindestens 16
Aufständische und drei Polizisten getötet, wie ein
Polizeisprecher mitteilte. Der Überfall in der Stadt Garmser habe
etwa eine Stunde nach Mitternacht begonnen. Die Rebellen hätten
sich dann erst nach vier Stunden wieder zurückgezogen und
zahlreiche Waffen zurückgelassen. In der Provinz Parwan erschossen
Aufständische nach offiziellen Angaben zwei Polizisten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Annan ist zu Vermittlung zwischen Israel und Hisbollah bereit.
Libanesen streiten über deutschen Militäreinsatz. Katar sagt
als erstes arabisches Land Soldaten für Libanon-Truppe zu. Israels
Ministerpräsident: Krieg gegen Syrien würde härter
geführt. Deutscher Außenminister Steinmeier betont Bedeutung
Syriens für Lösung in Nahost. Olmert für Wiederaufnahme
der Gespräche mit den Palästinensern
Di.05.09.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan will einen Vermittler für
Verhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah ernennen. Die beiden
Seiten hätten sich auf indirekte Gespräche geeinigt, die zur
Freilassung von zwei entführten israelischen Soldaten führen
sollen, sagte Annan am Montag in Dschidda. Ob es dabei um einen
Gefangenenaustausch geht, ließ Annan offen.
Die Einigung auf Verhandlungen über einen Mittelsmann galt als
großer Fortschritt für Annans Bemühungen um die
Umsetzung der Libanon-Resolution des UN-Sicherheitsrates. Die
Entschließung fordert die bedingungslose Freilassung der beiden
am 12. Juli verschleppten Soldaten. Israel hatte auf die
Entführung mit einer Militäroffensive im Libanon reagiert.
Der Krieg dauerte 34 Tage, seit Mitte August ist eine Waffenruhe in
Kraft.
Annan sagte, er werde einen Vermittler ernennen, der «diskret und
still» mit beiden Seiten an einer Lösung arbeite. Er habe
darauf bestanden, dass keine weiteren Mittelsmänner tätig
würden. «Es muss einen einzigen Vermittler und einen
einzigen wirkungsvollen Kommunikationskanal geben», sagte der
UN-Generalsekretär.
Israel bekräftigte am Montag seine Forderung nach einer
bedingungslosen Freilassung der entführten Soldaten. Von Seiten
der Hisbollah gab es zunächst keine Stellungnahme. Die Miliz hat
keine konkreten Forderungen für einen möglichen
Gefangenenaustausch gestellt. Nach israelischer Darstellung wurden
während der Kämpfe im Libanon mehrere Dutzend
Hisbollah-Mitglieder gefangen genommen.
Die politische Führung des Libanons ist weiter uneins über
die genaue Ausgestaltung eines deutschen Militäreinsatzes zur
Sicherung des Friedens in der Region. Wie ein hochrangiger Politiker am
Montag Nachrichtenagentur dpa sagte, liefen die Verhandlungen weiter.
Uneinigkeit bestehe darin, ob deutsche Marineeinheiten die Grenzen zu
den internationalen Gewässern überwachen sollten oder ob sie
lediglich in einer Entfernung von fünf bis zu sieben Seemeilen von
der libanesischen Küste eingesetzt werden.
Nach den Worten der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird
die Regierung nicht voreilig über den Einsatz deutscher Soldaten im
Libanon entscheiden. «Wir werden nichts überstürzen,
wenn die Voraussetzungen nicht da sind», sagte Merkel am Montag
vor einer CDU- Präsidiumssitzung.
Merkel hatte am Wochenende die Entscheidung über einen Einsatz
deutscher Soldaten im Libanon im Rahmen einer UN-Mission verschoben.
Eine für gestern geplante Kabinetts-Sondersitzung wurde abgesagt.
Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora hatte zuvor Kanzlerin
Merkel darüber informiert, dass die notwendige Anfrage an die
Vereinten Nationen noch nicht erfolgen könne. Grund seien
innerlibanesische Diskussionen.
UNIFIL-Kommandeur Alain Pellegrini traf sich am Montag mit israelischen
und libanesischen Offizieren an einem Grenzübergang, um den
Rückzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon zu
koordinieren. Man sei «auf dem richtigen Weg», sagte
Pellegrini.
Die Mitte August verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats sieht
eine erhebliche Aufstockung der UNIFIL und die Stationierung von 15.000
libanesischen Soldaten im Süden des Landes vor. Sie sollen eine
Art Pufferzone zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz sichern.
«Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, den
vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Libanon
sicherzustellen und schließlich zu gewährleisten, dass die
libanesische Armee die Kontrolle über die gesamte Grenzregion im
Süden übernimmt», erklärte Pellegrini am Montag.
Einen Zeitplan nannte er nicht.
Über das Mandat der auf 15.000 Mann aufzustockenden UN-Truppe wird
noch diskutiert. Offen ist beispielsweise, ob die Soldaten auch die
Grenze zu Syrien kontrollieren sollen, um Waffenlieferungen an die
Hisbollah zu unterbinden. Syrien lehnt derartige Patrouillen strikt ab.
Sie seien «inakzeptabel und unvernünftig», sagte der
syrische Informationsminister Mohsen Bilal. «Die Aufgabe der UN
in der Region ist, den Libanon vor israelischer Aggression zu
schützen.»
In einem Krieg gegen Syrien würde Israel nach den Worten von
Ministerpräsident Ehud Olmert deutlich härter zuschlagen als
gegen den Libanon. Olmert sagte am Montag im israelischen Radio, Syrien
wisse, dass Israel sich im Libanon zurückgehalten habe und dass man
diese Zurückhaltung gegen Damaskus fallen lassen würde. Dies
gelte, falls Israel zu einem Krieg gegen Syrien gezwungen werde.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat indes
erneut die Bedeutung Syriens für eine politische Lösung im
Nahen Osten hervorgehoben. Eine Stabilisierung an der Nordgrenze Israels
reiche nicht aus, um den Konflikt zu lösen, bekräftigte der
SPD-Politiker am Montag in Berlin.
Eine Rückkehr zum internationalen Friedensplan, der «road
map», sei ohne Beteiligung der «schwierigen Partner»
wie Syrien nicht möglich. Dabei müsse man sich weiter
bemühen, Syrien konkrete Beiträge zur Einhaltung
internationaler Verpflichtungen abzuverlangen.
Steinmeier hatte Mitte August eine geplante Reise nach Syrien in
letzter Minute abgesagt, nachdem der syrische Präsident Baschar el
Assad die arabische Welt in einer Rede zum Widerstand gegen Israel
aufgerufen hatte.
Vergangene Woche hatte bereits der finnische Außenminister und
amtierende EU-Ratspräsident Erkki Tuomioja erklärt, es sei an
Damaskus «zu entscheiden, welche Rolle es spielen will». Er
hob hervor, dass Syrien bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär
Kofi Annan eine Unterbindung von Waffenlieferungen an die libanesische
Hisbollah-Miliz zugesagt habe.
Vor dem Parlamentsausschuss für Verteidigung und äußere
Angelegenheiten bekräftigte Olmert, Israel werde keine
Verhandlungen mit Syrien aufnehmen. Wie aus Teilnehmerkreisen
verlautete, sagte Olmert den Abgeordneten, Israel habe schon
während des Libanon-Krieges eine entsprechende Botschaft an
Damaskus gesandt. Diese Position habe weiterhin Gültigkeit.
«Dies ist nicht die Zeit, um mit den Syrern zu sprechen»,
erklärte Olmert den Angaben zufolge. Der Regierungschef hat in der
Vergangenheit gesagt, Syrien müsse vor Verhandlungen seine
Unterstützung für die libanesischen und palästinensischen
Extremisten einstellen.
Dagegen sprach sich Olmert aber für eine Wiederaufnahme der
Gespräche mit den Palästinensern aus. «Wir haben kein
dringenderes Problem als das der Palästinenser», sagte der
vor dem Ausschuss. In den vergangenen Monaten gab es keine offiziellen
Kontakte zwischen beiden Seiten. Auf die Frage nach dem geplanten
israelischen Rückzug aus dem Westjordanland sagte Olmert lediglich:
«Was ich vor einigen Monaten befürwortet habe, hat sich
geändert.» Der Regierungschef dementierte Berichte
arabischer Zeitungen über einen bevorstehenden Gefangenenaustausch
mit den Palästinenser, um die Freilassung des im Gazastreifen
entführten israelischen Soldaten zu erreichen. Von so einem Handel
wisse er nichts, sagte Olmert.
Die israelische Regierung kündigte am Montag den geplanten Bau von
700 Wohneinheiten im Westjordanland an. Das Bauministerium
veröffentlichte Anzeigen in israelischen Zeitungen, in denen um
Vorschläge für die Neubauten in den Siedlungen Maaleh Adumim
und Betar Illit gebeten wurde. Ministeriumssprecher Kobi Bleich
bestätigte, es handele sich um das größte
Siedlungsprojekt der Regierung seit ihrem Amtsantritt im Mai. Ein
Vertrauter des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas,
Sajeb Erakat, verurteilte die Pläne, da sie die Bemühungen um
eine Wiederbelebung des Friedensprozesses störten.
Israelische Kampfhubschrauber zerstörten am Montagmorgen ein Haus
in einem palästinensischen Flüchtlingslager bei Gaza mit
Raketen. Palästinensischen Sicherheitskräften zufolge wurden
dabei fünf Nachbarn verletzt. Das Haus habe einem Aktivisten der
Fatah-Bewegung gehört. Die israelischen Streitkräfte
bestätigten den Angriff. Ziel sei das Haus eines Terroristen
gewesen, der darin Waffen gelagert habe. Der Mann sei vorher gewarnt
worden.
Das Emirat Katar kündigte als erstes arabisches Land seine
Beteiligung an der UN-Truppe für den Libanon ab. Man werde 200 bis
300 Soldaten zur Verfügung stellen, sagte Außenminister
Scheich Hamad bin Dschassim al Thani nach einem Treffen mit
UN-Generalsekretär Kofi Annan in Doha. Man wolle so Präsenz
zeigen und Israel wissen lassen, dass man zur Umsetzung der
UN-Resolution beitragen wolle. Annan dankte Katar für seinen
Beitrag.
(Quellen: ap, dpa)
Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Kongo verschoben
Di.05.09.06 - Die Bekanntgabe der Ergebnisse der Parlamentswahl im Kongo sind wegen
Wahlfälschungen auf Donnerstag verschoben worden. Zehn Wahlhelfer
seien wegen "der Verfälschung von Wahlergebnissen" in einem der
vier Wahlzentren in der Hauptstadt Kinshasa festgenommen worden, teilte
ein Mitarbeiter der unabhängigen Wahlkommission in Kinshasa mit.
Die Parteienkoalition von Staatspräsident Joseph Kabila liegt
Teilergebnissen zufolge in Führung. Zur Unterstützung des
Wahlprozesses im Kongo stellt die Europäische Union weitere 16
Millionen Euro zur Verfügung.
Die zehn Männer würden den Justizbehörden
übergeben, hieß es. Nach Auszählung von 68 Prozent der
Stimmen kommt die Allianz für die Mehrheit des Präsidenten
(AMP) auf 169 der 341 Parlamentssitze, deren Stimmen bislang
ausgezählt wurden, wie die unabhängige Wahlkommission
mitteilte. Insgesamt zählt das Parlament 500 Sitze.
Zweitstärkste Kraft wurde die Koalition von Vizepräsident
Jean-Pierre Bemba: Die Vereinigung der kongolesischen Nationalisten
(Renaco) kam bislang auf 48 Sitze. Kabila hatte bei der
Präsidentschaftswahl, die am 30. Juli parallel zur Parlamentswahl
stattfand, die meisten Stimmen erhalten und wird bei der Stichwahl am
29. Oktober gegen Bemba antreten.
Die EU-Kommission in Brüssel kündigte an, auf Bitte von
UN-Generalsekretär Kofi Annan weitere 16 Millionen Euro zur
Unterstützung des Wahlprozesses im Kongo bereit zu stellen. Damit
belaufe sich die Hilfe auf insgesamt 165 Millionen Euro, womit die EU
der wichtigste Geldgeber für den Wahlprozess sei. Nach Angaben aus
EU-Kreisen fehlen trotz des EU-Zuschusses immer noch etwa 36 Millionen
Euro, um den weiteren Ablauf der Wahlen und insbesondere die geplante
zweite Runde der Präsidentschaftswahl abzusichern.
(Quelle: afp)
Sudan verlangt Abzug der AU-Truppen aus Darfur bis Ende September
Di.05.09.06 - Der Sudan hat der Afrikanischen Union (AU) eine Frist bis zum 30.
September für den Abzug ihrer Truppen aus der Krisenregion Darfur
gesetzt. Die AU habe außerdem nicht das Recht, ihre
Friedensmission eigenmächtig den Vereinten Nationen zu
übertragen, erklärte Außenamtssprecher Dschamal Ibrahim
am Montag. Der UN-Sicherheitsrat hat in der vergangenen Woche in einer
Resolution beschlossen, die Kontrolle über die Friedenstruppe von
der AU zu übernehmen und die Mission von 7.000 auf 20.000 Mann zu
verstärken.
Die AU habe bereits signalisiert, dass sie ihre Präsenz in Darfur
nicht über den 30. September hinaus verlängern könne,
erklärte Ibrahim. Wenn sie dazu nicht in der Lage sei, müsse
sie ihre Truppen eben vor diesem Termin abziehen. Jedenfalls habe sie
kein Recht, die Aufgabe den UN oder einer anderen Körperschaft zu
übertragen. «Dieses Recht liegt ausschließlich bei der
Regierung des Sudans.» Die sudanesische Regierung hat die
Resolution des Sicherheitsrats allerdings abgelehnt und eine neue
Militäroffensive im Norden Darfurs gestartet. Daran sind Berichten
zufolge tausende Soldaten und Kämpfer der arabischen
Dschandschawid-Milizen beteiligt.
Die seit mehr als drei Jahren andauernden Kämpfe in Darfur haben
schon mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet und mehr als zwei
Millionen aus ihren Dörfern vertrieben. Ein Friedensabkommen
zwischen der Regierung und einer der beiden großen Rebellengruppen
vom Mai zeigt wenig Wirkung. Nach UN-Angaben hat die Gewalt in den
vergangenen Monaten sogar noch zugenommen. Der Sudan werde selbst
für die Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität
sorgen, erklärte Außenamtssprecher Ibrahim am Montag.
(Quelle: ap)
Somalische Regierung und islamische Miliz wollen Militär aufbauen
Di.05.09.06 - Die somalische Regierung und die große Teile des Südens
kontrollierende Miliz haben sich auf die Schaffung nationaler
Streitkräfte verständigt. Das berichteten Unterhändler
am Montag von den Friedensgesprächen der praktisch machtlosen
Regierung mit dem Islamischen Gerichtsrat in Khartum. Es wurde nicht
mitgeteilt, wann das Abkommen in Kraft tritt. Die Gespräche sollen
am 30. Oktober in in der sudanesischen Hauptstadt fortgesetzt werden.
Beide Seiten zeigten sich mit der zweitägigen Gesprächsrunde
zufrieden. «Der Islamische Gerichtsrat hat die Erwartungen
unseres Volkes erfüllt», sagte der stellvertretende
Ministerpräsident Abdullahi Sheik Ismail. Ibrahim Hassan Adow, der
für die Miliz das Abkommen unterzeichnete, zeigte sich erfreut,
dass es innerhalb der beiden Tage erreicht wurde. Seine Organisation
erklärte sich darin auch bereit, bis zum 30. Oktober keine
weiteren Gebiete mehr zu besetzen.
(Quelle: ap)
Betreiber von Goldmine in Peru baut Wasseraufbereitungsanlage
Di.05.09.06 - Der Betreiber der größten lateinamerikanischen Goldmine in
Peru, der US-Konzern Newmont, hat nach mehrtägigen Protesten der
Bevölkerung gegen mögliche Umweltgefahren eine Reihe von
Zugeständnissen gemacht. Newmont werde eine
Wasseraufbereitungsanlage in der Gemeinde Combayo im Norden des Landes
bauen sowie die Wasserqualität in der Gegend von der Regierung
überprüfen lassen, teilte der peruanische Kabinettschef Jorge
del Castillo am Sonntagabend (Ortszeit) mit. Ferner werde das
Unternehmen die Familie eines Mannes entschädigen, der während
gewaltsamer Konfrontationen zwischen Dorfbewohnern und
Sicherheitskräften der Mine getötet worden war.
(Quelle: afp)
Bush will Wachstum durch alternative Energien sichern
Di.05.09.06 - US-Präsident George W. Bush will die globale
Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft durch eine
Förderung alternativer Energien sichern. «Die
Abhängigkeit von ausländischem Öl gefährdet unsere
Fähigkeit zu wachsen», sagte er am Montag in einer Botschaft
zum Tag der Arbeit in Piney Point im US-Staat Maryland. «Das
Problem besteht darin, dass wir Öl aus einigen Teilen der Welt
beziehen, wo man uns einfach nicht mag», erklärte Bush
weiter. «»Je abhängiger wir von diesem Energietyp
sind, desto weniger wettbewerbsfähig werden wir wahrscheinlich
sein.» Auch gut bezahlte Arbeitsplätze würden so
gefährdet. Bush bekräftigte erneut seine Absicht,
Technologien zu fördern, die Benzin und Diesel als Treibstoff
für Autos ablösen können. Er wiederholte auch seine
Unterstützung für die Atomenergie.
(Quelle: ap)
Deutschland
SPD und Union bei Gesundheitsreform uneins
Di.05.09.06 - SPD und Union sind bei zahlreichen Punkten der Gesundheitsreform weiter
uneins. Dies wurde am Montag nach der ersten offiziellen
Koalitions-Verhandlungsrunde in Berlin deutlich. Doch wies die SPD
Vermutungen zurück, der für 2008 geplante Gesundheitsfonds
könnte sich verzögern. Allerdings ist unklar, ob der Fonds
zum Start schon alle geplanten Neuerungen bringt.
Eine kleine Arbeitsgruppe mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt,
Fraktionsexperten und Ländervertretern von Union und SPD, die bis
Ende September den Gesetzentwurf ausarbeiten soll, hatte sich am
Montagnachmittag zum ersten Mal getroffen. Es geht um wichtige Details
unter anderem bei der Ausgestaltung des Fonds und beim Umbau der
privaten Krankenversicherung. Das Ergebnis ist ausschlaggebend
dafür, wie teuer private und gesetzliche Krankenversicherung
künftig werden.
Nach der Gesprächsrunde sagte die stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner der Nachrichtenagentur AP, sie
rechne nicht mit einem ersten Gesetzentwurf schon diesen Mittwoch.
Zunächst seien drei von 15 Punkten behandelt worden: der
Finanzausgleich der Kassen, der künftig die Krankheiten der
Versicherten mit berücksichtigen soll; die Entschuldung der
Krankenkassen, die die Beitragssätze nicht zu stark in die
Höhe treiben solle; und die Belastungsgrenze bei den
künftigen Zusatzprämien, die die Union gerne erhöhen
will, wie Ferner sagte. Dies habe die SPD abgelehnt. Zur Entschuldung
und dem Finanzausgleich werden Expertenvorschläge erwartet.
SPD-Chef Kurt Beck bekräftigte, dass die Verhandlungen in der
Fachgruppe trotz allem bis Ende September abgeschlossen sein
könnten. Die Eckpunkte seien politisch festgelegt und würden
umgesetzt. «Man muss nur wollen», sagte Beck im
«Tagesspiegel».
SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann widersprach Berichten, dass die
SPD den Gesundheitsfonds hinauszögern wolle. «Wir haben kein
Interesse, das zu verschleppen», sagte sie der AP. Der Fonds
könne nicht erst im Wahljahr 2009 gestartet werden. Umso wichtiger
sei es, dass die Entschuldung der Kassen und der Finanzausgleich rasch
geregelt würden. Die «Rheinische Post» hatte gemeldet,
dass der Fonds verschoben werden solle. Sie zitierte aus einem Papier
aus Koalitionskreisen.
Ferner bekräftigte allerdings ihre Auffassung, dass die mit dem
Gesundheitsfonds geplante Umstellung des Beitragseinzugs nicht
«zwingend zum Start des Fonds» stattfinden müsse.
«Ich halte das kaum für machbar», betonte die
SPD-Politikerin. Entscheidend sei, dass der Beitragseinzug - den die
Krankenkassen derzeit auch für die anderen Sozialversicherungen
miterledigen - zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sei.
Der Fonds gilt als Herzstück der Reform. Er ist gedacht als
Geldsammelstelle für alle Krankenkassen. Diese sollen daraus
für jeden Versicherten eine Pauschale bekommen, mit
Zuschlägen für Alte und Kranke. Ein Streitpunkt ist, wie viel
Geld am Anfang im Fonds sein soll. Davon hängt ab, wie hoch der
reguläre Beitragssatz sein wird und ob Kassen einen Zusatzbeitrag
verlangen müssen.
Dicker Brocken in den Verhandlungen ist auch die Umgestaltung der
privaten Krankenversicherung. Das Gesundheitsministerium plädiert
für einen Umbau der Versicherung, damit Altersrückstellungen
künftig bei einem Wechsel von einem Unternehmen zum anderen
mitgenommen werden können. Der Plan, dies auch für bestehende
Versicherungen gelten zu lassen, stoße aber in der Union
zunehmend auf Ablehnung, meldete das «Handelsblatt»
(Dienstagausagabe). «Die Einführung portabler
Altersrückstellungen muss verfassungsrechtlich sauber
erfolgen», sagte die bayerische Gesundheitsministerin Christa
Stewens. «Sie kommt damit wohl nur für Neuverträge in
Betracht.»
(Quelle: ap)
Innenminister einigen sich auf Anti-Terror-Datei
Di.05.09.06 - Nach jahrelangem Streit haben die Innenminister von Bund und
Ländern am Montag endgültig den Weg für eine gemeinsame
Anti-Terror-Datei für Polizei und Geheimdienste frei gemacht.
Zudem soll die Videoüberwachung ausgeweitet und das
Ausländerrecht überprüft werden.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will noch im September
einen Gesetzentwurf im Kabinett vorlegen. Wie der Vorsitzende der
Innenministerkonferenz (IMK), Günther Beckstein (CSU), nach einer
Sondersitzung in Berlin erläuterte, soll es zwei
Datenbestände mit unterschiedlicher Geheimhaltungsstufe und
abgestuftem Zugriffsrecht geben.
Zunächst solle es einen engeren Datenbestand geben, der die
Identität der betreffenden Person festhält, sagte der
bayerische Ressortchef. Diese Grunddaten sollen den
zugriffsberechtigten Behörden offen angezeigt werden. Es gibt also
kein Ermessen der speichernden Behörde mehr, ob sie die Daten
herausgibt.
Ein weiterer Datenbestand solle verdeckt gehalten werden. Dort sollten
die Zugehörigkeit zu terroristischen Vereinigungen,
Religionszugehörigkeit, Auslandsreisen, Waffenbesitz oder
Bankverbindungen und Schließfächer aufgenommen werden. Diese
Daten werden nur auf Anfrage herausgegeben und sollen «eine
zuverlässige Gefährdungseinschätzung durch die
Sicherheitsbehörden ermöglichen», heißt es im
IMK-Beschluss.
In Eilfällen - «zur Abwehr von gegenwärtigen Gefahren
für Leben, Gesundheit, Freiheit und Sachen von erheblichem
Wert» - solle den beteiligten Behörden auch ein direkter
Zugriff auf die vorhandenen Daten ermöglicht werden. Dies
müsse allerdings gesondert dokumentiert werden.
Zugriffsberechtigt sollen neben den einschlägigen Bundes- und
Landesbehörden wie Kriminalämter und Verfassungsschutz auch
der Bundesnachrichtendienst (BND) und der Militärische
Abschirmdienst (MAD) werden. In begründeten Fällen sollten
weitere von den Ländern bestimmte Dienststellen der Polizei
Zugriff auf die Datei bekommen. Beckstein betonte, dass zum
berechtigten Personenkreis Amtsleiter oder besonders beauftragte
Personen gehören.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die Einigung der
Innenminister. Dies sei ein «zentraler Bestandteil einer
wirksamen Terrorbekämpfung». Grünen-Fraktionschef Fritz
Kuhn zeigte sich «sehr skeptisch, ob dies die richtige
Lösung ist» und den Bedenken gegen die Volltextdatei
Rechnung trage. Die innenpolitische Sprecherin der Links-Fraktion, Ulla
Jelpke, sagte: «Religiöse Überzeugungen gehören
nicht in staatliche Datensammlungen.» Die FDP-Fraktion nannte den
Beschluss «tragbar».
Grundsätzlich ist sich die IMK einig, die Videoüberwachung an
Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen, Flughäfen oder
Seehäfen auszuweiten. Allerdings gehen hier die Überlegungen
bei den unionsgeführten Ländern weiter als bei den
SPD-geführten. Das Ausländerrecht solle dahingehend
überprüft werden, inwieweit es stärker zu Gefahrenabwehr
genutzt werden kann.
In diesem Zusammenhang besteht laut Beckstein ein Prüfauftrag, wie
mit der Frage der Einladung und der Bürgen umgegangen werde.
Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) sagte dazu, man müsse
«intensiver hinschauen, wer ins Land kommt». Daher gelte es
auch, Bürgen für Einreisende oder Einladende genauer ins
Visier zu nehmen. Der Beschluss wurde einmütig gefasst mit
geringfügig abweichenden Protokollnotizen von Rheinland-Pfalz und
Nordrhein-Westfalen.
Schäuble zeigte sich «sehr zufrieden» über die
Einigung. Er gehe davon aus, dass das Bundeskabinett eine entsprechende
Gesetzesvorlage noch im September verabschieden werde. Die Zeit der
parlamentarischen Beratungen solle genutzt werden, um die
Anti-Terror-Datei soweit vorzubereiten, dass sie nach In-Kraft-Treten
sofort eingesetzt werden kann. Die Innenminister waren sich einig, dass
die Datei ein weiterer wichtiger Baustein für die Gefahrenabwehr
durch Terrorismus sei. Schäuble fügte jedoch hinzu: «Es
wird auch in Zukunft nicht hundertprozentige Sicherheit vor
Anschlägen geben.» Aber das
«Menschenmögliche» werde getan.
(Quelle: dpa)
Opposition kritisiert geplante Antiterror-Datei
Di.05.09.06 - Die Opposition hat die Einigung der Innenminister über die
Antiterror-Datei kritisiert. Der FDP-Innenpolitiker Max Stadler
unterstützte zwar den Ansatz, die Datei zu teilen. «Aber bei
Details bleiben verfassungsrechtliche Bedenken», sagte Stadler
der «Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe). So sei unklar,
welche Informationen der Geheimdienste, die auch Unverdächtige
überprüfen, an die Polizei weiter gegeben würden.
«Dafür ist ein Filter nötig», forderte Stadler.
Er verlangte zudem einen Erfahrungsbericht.
Auch von den Grünen kam Kritik. «Die Speicherung der
Religionszugehörigkeit ist verfassungswidrig», sagte der
Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Volker Beck,
der Zeitung. Außerdem sei die Religionszugehörigkeit
für die Frage unerheblich, ob jemand Terrorist sei. «Nur die
Nähe und Mitgliedschaft in einer islamistischen Organisation ist
dafür relevant», sagte Beck. Er monierte, dass die
Zugehörigkeit zum Islam als Verdachtsmoment gelte. «Das ist
die falsche Botschaft», sagte Beck.
Der Zentralrat der Muslime lobt die Einigung der Innenminister
über die Antiterror-Datei. «Alles was zur Sicherheit
für Bürger und Muslime beiträgt, unterstützen
wir», sagte der Sprecher Mounir Azzaoui der Zeitung». Er
bezweifelte allerdings, dass die Speicherung der
Religionszugehörigkeit für die Terrorbekämpfung effektiv
sei: «Auch die Rasterfahndung hat nichts gebracht.» Zudem
müsse sich zeigen, wie groß der Kreis der Gespeicherten
werde.
(Quelle: ddp)
Hintergrund: Anti-Terror-Datei für Polizei und Geheimdienste
Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich am Montag auf
eine gemeinsame Anti-Terror-Datei für Polizei und Geheimdienste
verständigt. Zentrale Aussage: Angesichts der gestiegenen
Bedrohungslage ist für Polizei und Nachrichtendienste «eine
schnelle Verfügbarkeit von Daten über verdächtige
Personen dringend erforderlich».
In der Datei sollen Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden «zu
relevanten Personen und Objekten gespeichert werden. Dabei sollen neben
den Grunddaten, die zur Identifizierung einer Person erforderlich sind,
auch solche weitere Daten erfasst werden, die
Anzeige
eine zuverlässige Gefährdungseinschätzung durch die
Sicherheitsbehörden ermöglichen. Hierzu gehören
insbesondere - Zugehörigkeit zu terroristischen Vereinigungen -
Waffenbesitz - Telekommunikations- und Internetdaten - Bankverbindungen
und Schließfächer - Schul- und Berufsausbildung -
Arbeitsstelle - Familienstand Religionszugehörigkeit -
Verlust von Ausweispapieren - Reisebewegungen und bekannte Aufenthalte
an Orten mit terroristischem Hintergrund (etwa Ausbildungslagern)
Den zugriffsberechtigten Behörden sollen die Grunddaten offen
angezeigt werden. Die erweiterten Daten sowie die Einschätzungen
und Bewertungen sind zunächst verdeckt im System hinterlegt, dabei
wird offen angezeigt, welche Behörde über Erkenntnisse
verfügt.
Die abfragende Stelle fordert dort die Freigabe der weiteren Daten an,
die umgehend erteilt wird. In Eilfällen zur Abwehr von
gegenwärtigen Gefahren für Leben, Gesundheit, Freiheit und
Sachen von erheblichem Wert sollen die beteiligten Behörden
direkt auf die vorhandenen Daten zugreifen können.
Zugriffsberechtigt sind: Bundeskriminalamt, Bundespolizei,
Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz,
Militärischer Abschirmdienst, die Landeskriminalämter, die
Landesämter für Verfassungsschutz und
Staatsschutzdienststellen der Länderpolizeien. Grundsätzlich
sind Amtsleiter oder besonders ermächtigte Personen
zugriffsberechtigt.
Quelle: dpa, 04.09.06
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Zweite Verfassungsbeschwerde wegen 'Cicero'-Durchsuchung
Di.05.09.06 - Dem Bundesverfassungsgericht liegt eine zweite Verfassungsbeschwerde im
Fall der Durchsuchung des Politmagazins «Cicero» vor. Das
sagte ein Gerichtssprecher am Montag in Karlsruhe auf Anfrage der
Nachrichtenagentur ddp. Er bestätigte einen Bericht der
«Süddeutschen Zeitung», wonach sich die Klage gegen die
Beschlagnahme der Datenkopie einer Festplatte richtet. Die zweite
Beschwerde betreffe «einen Ausschnitt aus dem
Gesamtverfahren». Möglicherweise würden beiden
Beschwerden zusammengefasst. Der Erste Senat verhandelt am 22. November
über den Fall «Cicero».
Die Anwälte des «Cicero»-Chefredakteurs Wolfram Weimer
machen in der Verfassungsbeschwerde geltend, die Ermittler hätten
bereits vor der Beschlagnahme und vor Ort die Kopie sichten müssen,
um nur jene Daten mitzunehmen, die für ihr Verfahren notwendig
waren. Die Beschlagnahme aller auf dem Redaktionsrechner gespeicherten
Daten sei «unverhältnismäßig» gewesen und
gefährde die Pressefreiheit.
Die Berliner Anwälte Weimers, Alexander Ignor und Alexander
Sättele, hatten bereits vor einigen Monaten eine erste
Verfassungsbeschwerde eingereicht. Sie richtet sich generell gegen die
Entscheidungen des Amtsgerichts und des Landgerichts Potsdam zur
Zulässigkeit der Durchsuchung der
«Cicero»-Büroräume sowie der Beschlagnahmung von
Redaktionsmaterial.
Im September 2005 waren die Redaktion des Politmagazins und das
Wohnhaus von Autor Bruno Schirra auf Antrag der Potsdamer
Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Hintergrund war ein Artikel
Schirras im April 2005 im «Cicero», in dem er aus einem
internen Papier des Bundeskriminalamtes über den Terroristen Abu
Mussab al-Sarkawi zitierte.
(Quelle: ddp)