Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Großbritannien schickt zusätzliche Truppen in den Irak. Neun
Tote bei Bombenanschlägen in Bagdad
Do.07.09.06 - Großbritannien wird laut einem Pressebericht bis zum Jahresende
360 zusätzliche Soldaten im Süden Iraks stationieren. Die
Soldaten sollten irakische Einsatzkräfte ausbilden und bei der
Entschärfung von Sprengkörpern helfen, berichtete die
Tageszeitung "The Guardian" am Mittwoch unter Berufung auf das britische
Verteidigungsministerium. Zudem sollten Marinetruppen auf dem Schatt el
Arab, dem Zusammenfluss von Euphrat und Tigris an der
irakisch-iranischen Grenze zum Einsatz kommen. Ein Sprecher der
britischen Armee im südirakischen Basra sagte der
Nachrichtenagentur AFP, die zusätzlichen Soldaten seien wegen des
Abzugs einer Einheit im Zuge einer geplanten Rotation erforderlich. Sie
sollten den Irak spätestens im Januar wieder verlassen.
Bei der Explosion von zwei Bomben im Abstand von wenigen Minuten sind
am Mittwoch im Norden Bagdads mindestens neun Menschen getötet
worden. Weitere 39 wurden verletzt, wie die Polizei erklärte. Ein
Sprecher sagte, die Attentäter hätten im Berufsverkehr an
einer Kreuzung eine Autobombe und kurz darauf einen am Straßenrand
versteckten Sprengsatz gezündet. Unter den Toten seien zwei
irakische Soldaten. Ziel des Anschlags war den Angaben zufolge offenbar
eine Patrouille der irakischen Streitkräfte.
Im Nordosten Bagdads beschossen Bewaffnete Pilger, die auf dem Weg in
die den Schiiten heilige Stadt Kerbela waren. Dabei wurde nach
Polizeiangaben ein Pilger getötet, zwei wurden verletzt. In der
Stadt 80 Kilometer südlich von Bagdad werden zu einer
religiösen Feier am Samstag zehntausende Menschen erwartet.
In Mukdadija 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt wurden laut
Polizei drei Menschen bei Granatenangriffen getötet, darunter ein
Kleinkind. In Bakuba töteten Angreifer drei Bauarbeiter, die auf
einen Bus warteten. In Tahrir wurde eine Mitarbeiterin der
Sicherheitsbehörden beim Verlassen ihres Hauses erschossen. Der
Besitzer eines Lebensmittelladens in derselben Gegend wurde nach
Polizeiangaben ebenfalls getötet.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 07.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.07.09.05 - Annan: Irak schlimmer als Afghanistan unter Taliban +++ Schwere Gefechte
im irakischen Grenzgebiet zu Syrien +++ US-Armee gibt Kontrolle über
Nadschaf an irakische Armee ab +++ Volcker-Kommission wirft UN-Management
völliges Versagen bei der Umsetzung des Irak-Hilfsprogramms
Öl für Lebensmittel vor +++ Verfassungsentwurf im Irak illegal?
Juristen kritisieren US-Einflußnahme auf Rechtssystem im
Besatzungsgebiet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Drei britische ISAF-Soldaten in Afghanistan getötet
Do.07.09.06 - In Afghanistan sind am Mittwoch insgesamt drei britische Soldaten ums
Leben gekommen. Wie das britische Verteidigungsministerium am Abend in
London mitteilte, wurde ein Soldat durch die Explosion einer Mine im
Süden Afghanistans getötet. Fünf weitere Soldaten wurden
bei dem Vorfall in der Provinz Helmand schwer verletzt. Ein sechster
Soldat erlitt leichte Verletzungen. Bei einem Einsatz gegen
Aufständische in der selben Provinz starb ein zweiter Soldat, ein
weiterer wurde schwer verletzt. Ein dritter Soldat erlag am Mittwoch
seinen schweren Verletzungen, die er am Freitag zuvor erlitten hatte.
Bei allen Soldaten handelte es sich um Angehörige der
Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF).
(Quelle: afp)
US-Präsident Bush räumt erstmals Existenz geheimer
CIA-Gefängnisse ein
Do.07.09.06 - Die US-Regierung hat erstmals die Existenz von geheimen
Gefängnissen der Geheimdienstbehörde CIA eingeräumt und
auch zugegeben, dass diese außerhalb der USA liegen.
Präsident George W. Bush kündigte am Mittwoch in Washington
an, dass 14 mutmaßliche Terroristenführer aus solchen
geheimen Haftanstalten nach Guantanamo verlegt worden seien. In dem
Militärgefängnis des US-Stützpunktes auf Kuba sollen
diese Häftlinge auf ihren künftigen Prozess vorbereitet
werden.
Nach Regierungsangaben befindet sich darunter die frühere
mutmaßliche Nummer drei des Terrornetzwerks Al Kaida, Chalid
Scheik Mohammed. Er wurde 2003 in Pakistan gefasst. Ein weiterer dieser
Häftlinge ist Ramsi Binalschib, der in die Terroranschläge
vom 11. September 2001 verwickelt gewesen sein soll.
Bush erklärte, in den Geheimgefängnissen der CIA sei nur
«eine kleine Anzahl» von Terrorverdächtigen inhaftiert
worden. Diese seien etwa für die Anschläge auf das New Yorker
World Trade Center und das Pentagon in Washington verantwortlich oder
auch für die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und
Tansania 1998 sowie für die Bombardierung des Kriegsschiffes
«USS Cole» vor Jemen im Jahre 2000. Es sei notwendig, diese
Personen in einem Umfeld festzuhalten, wo sie geheim festgehalten und
von Experten verhört werden könnten, um gegebenenfalls
später vor Gericht gestellt zu werden.
«Die wichtigste Informationsquelle darüber, wo Terroristen
sich versteckt halten und was sie planen, sind die Terroristen
selbst», betonte Bush zur Rechtfertigung solcher
Verhörmethoden an geheimen Orten. «Dieses Programm hat uns
geholfen, potenzielle Massenmörder von der Straße zu holen,
bevor sie eine Chance zum Töten hatten. Dies ist von
unschätzbarem Wert für Amerika und seine
Verbündeten.» Der US-Präsident traf zum Zeitpunkt
seiner Ankündigung im Weißen Haus mit Angehörigen der
Terroropfer vom 11. September zusammen.
Die US-Regierung hat bislang nie zugegeben, dass es überhaupt
geheime Gefängnisse der CIA gibt. Ihre vermutete Existenz in
europäischen Ländern hat in den vergangenen Monaten
wiederholt zu Konflikten zwischen den USA und Europa geführt.
(Quelle: ap)
US-Armee verbietet berüchtigte Verhörmethoden
Do.07.09.06 - Eine neue Dienstvorschrift verbietet US-Soldaten Folter oder
entwürdigende Behandlung von Gefangenen. In der Direktive, die
eine Fassung aus dem Jahr 1992 ersetzt, werden verschiedene
Verhörmethoden erstmal explizit untersagt. Demnach dürfen
Gefangene beispielsweise nicht gezwungen werden, sich nackt
auszuziehen. Sexuelle Demütigungen sind ebenso verboten wie das
Vorenthalten von Nahrung oder Scheinhinrichtungen, wie Generalleutnant
John Kimmons am Mittwoch sagte.
Die Anpassung der Vorschriften sei eine Reaktion auf die Lehren, die
man im Kampf gegen den Terrorismus nach den Anschlägen vom 11.
September gezogen habe, hieß es in Militärkreisen. Die
Direktive gilt für alle Bereiche der Streitkräfte, nicht
jedoch für den Geheimdienst CIA.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel will Libanon-Blockade aufheben. Libanon fordert deutsche Marine
an. Israelische Außenministerin Liwni für direkte
Gespräche mit Palästinenserpräsident Abbas
Do.07.09.06 - Israel will am (heutigen) Donnerstag seine See- und Luftblockade gegen
den Libanon aufheben. Ab 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) solle die
UN-Truppe (UNIFIL) die bisher von israelischen Soldaten besetzten
Kommandopositionen am Flughafen Beirut sowie vor den Seehäfen
übernehmen, hieß es in einer Erklärung von
Ministerpräsident Ehud Olmert.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte die Aufhebung der Blockade mit
Nachdruck gefordert. Sie war Voraussetzung für die
Überwachung der Küstengewässer durch internationale
Soldaten, um beispielsweise Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz zu
verhindern. Diese Aufgabe soll unter anderem die deutsche Marine
übernehmen. Aus Regierungskreisen in Beirut verlautete, noch am
Mittwochabend sei eine entsprechende Anforderung an die Vereinten
Nationen in New York geschickt worden.
Deutschlands ußenminister Frank-Walter Steinmeier reist heute
nach Beirut. Er bringe zwei Grenzschutzbeamte und zwei Zollbeamte aus
Deutschland in die libanesische Hauptstadt, sagte Steinmeier am
Mittwoch in Istanbul. Sie sollen zusammen mit sechs weiteren deutschen
Kollegen die örtlichen Behörden bei der Passagier- und
Frachtkontrolle beraten. Ziel sei es, den Waffenschmuggel zu
unterbinden.
Die Regierung in Berlin will auch nach der libanesischen
Truppenanforderung die eigene Entscheidung über die Entsendung der
deutschen Marine nicht überstürzen. Vor einer Sitzung des
Kabinetts werde zunächst die Bewertung durch die Vereinten
Nationen abgewartet, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Berliner
Regierungskreisen am Mittwochabend. Ein Zeitpunkt für die
Entscheidung des Kabinetts stehe noch nicht fest.
Bei den Vereinten Nationen in New York müsse zunächst
geprüft werden, inwieweit die Anforderung mit der dortigen
Operationsplanung übereinstimme, hieß es in Berlin.
Nähere Einzelheiten zum Inhalt des Briefs wurden nicht bekannt.
Zur Prüfung gehöre auch, ob die libanesische Regierung eine
effektive Überwachung des Waffenschmuggels durch die
internationale Marineeinheit vor der libanesischen Küste zulassen
wird. Daran waren in den vergangenen Tagen Zweifel entstanden.
Das Kabinett in Beirut hatte Bedingungen für einen Einsatz der
Marine gestellt. Die Seestreitkräfte sollen demnach Schiffe wegen
möglichen Waffenschmuggels nur außerhalb einer
Sieben-Meilen-Zone (13 Kilometer) vor der libanesischen Küste
kontrollieren dürfen.
Da sich Italien, Frankreich, Großbritannien und Griechenland
bereit erklärt haben, bis zum Eintreffen der Deutschen die
Überwachung der libanesischen Küste zu übernehmen, muss
die deutsche Entscheidung nicht mehr unter extremem Zeitdruck
gefällt werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb im Bundestag um
Verständnis für die Verzögerung des Einsatzes. «Es
ist besser, zwei Tage zu warten und es im Einklang mit allen
Beteiligten zu machen», sagte sie in der Generalaussprache
über den Etat 2007 des Kanzleramts. Mit Blick auf die Diskussion
innerhalb der libanesischen Regierung machte Regierungssprecher Ulrich
Wilhelm allerdings auch deutlich, dass Berlin die deutsche Marine nur
dann entsenden wolle, wenn sie dort zur Friedenssicherung einen
effektiven Beitrag leisten kann.
Neben Steinmeier wurde auch der russische Außenminister Sergej
Lawrow zu politischen Gesprächen an diesem Donnerstag im Libanon
erwartet. Der britische Premierminister Tony Blair will am kommenden
Montag im Rahmen einer Nahost-Reise das Land besuchen.
Die israelische Außenministerin Zipi Liwni sprach sich
unterdessen für direkte Gespräche mit
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas aus. «Ich mag weder
Vermittler noch arabische Medien oder Geheimdiensterkenntnisse»,
sagte Liwni am Mittwochabend. Direkte Gespräche würden es den
Israelis ermöglichen, aus erster Hand zu erfahren, was in den
Palästinensergebieten geschehe, was möglich sei und was
nicht, sagte sie auf einer Pressekonferenz. Die Regierung von
Ministerpräsident Ehud Olmert hat sich seit ihrem Amtsantritt im
März geweigert, mit Abbas direkt zu sprechen.
(Quellen: ap, dpa)
Atomgespräche zwischen EU und Iran verschoben
Do.07.09.06 - Die für gestern geplanten Atomgespräche zwischen der
Europäischen Union und dem Iran sind verschoben worden. Der
iranische Delegierte Ali Aschgar Soltanieh erklärte in Wien, beide
Seiten hätten sich auf eine Verschiebung von mehreren Tagen
geeinigt. Zur Begründung nannte er Verfahrensfragen.
Der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki sagte in Teheran,
derzeit werde noch über Zeit und Ort des Treffens diskutiert.
Ursprünglich war verlautet, die Gespräche sollten gestern in
Wien stattfinden. Die iranische Regierung bestätigte diesen Termin
jedoch nicht offiziell.
Das geplante Treffen zwischen dem iranischen Chefunterhändler Ali
Laridschani und dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana gilt als
letzter Versuch zu klären, ob es eine gemeinsame Basis für die
Aufnahme von Verhandlungen über das iranische Atomprogramm gibt.
Teheran hatte in der vergangenen Woche eine Frist des
UN-Sicherheitsrats zur Einstellung der Urananreicherung verstreichen
lassen. Aus diplomatischen Kreisen verlautete, Solana sei bereit,
kurzfristig zum Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
nach Wien zu fliegen. Allerdings habe Laridschani sein Erscheinen noch
nicht zugesagt.
(Quelle: ap)
UNO meldet mehr Migranten als jemals zuvor
Do.07.09.06 - Die Zahl der Migranten hat weltweit einen neuen Höchststand
erreicht. Inzwischen leben bereits mehr als 191 Millionen Menschen fern
ihrer Heimat, weil sie bewaffneten Konflikten, Armut oder
Hoffnungslosigkeit entrinnen wollen. Hinzu kommen etwa 30 bis 40
Millionen, die illegal in einem anderem Land leben.
Allerdings haben sich die internationalen Wanderungsströme in den
vergangenen Jahren verlangsamt. Das geht aus dem
UN-Weltbevölkerungsbericht 2006 hervor, den Deutschlands
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul am Mittwoch mit
Vertretern der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und des
UN-Bevölkerungsfonds in Berlin vorstellte.
Wurden von 1975 bis 1990 noch 41 Millionen neue Migranten gezählt,
sank diese Zahl zwischen 1990 und 2005 auf 36 Millionen. Ein Grund
dafür sei der Rückgang der Flüchtlingszahlen, heißt
es in dem Bericht. Im Jahr 2005 gab es weltweit 12,7 Millionen
Flüchtlinge.
Die allermeisten Migranten zieht es in die Industrieländer: Jeder
vierte Migrant lebt in Nordamerika, jeder dritte in Europa. Deutschland
ist nach den USA und der Russischen Föderation das wichtigste
Aufnahmeland für Migranten.
Der Bericht mit dem Titel «Der Weg der Hoffnung. Frauen und
internationale Migration» soll nächste Woche auch auf dem
ersten Migrationsgipfel der Vereinten Nationen in New York erörtert
werden. Er setze nicht in erster Linie bei den Problemen, sondern bei
den Leistungen der Auswanderer an, betonte die frühere
Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth.
Der Studie zufolge sind fast die Hälfte aller Migranten Frauen.
Indem sie ihre Familien in der Heimat materiell unterstützten,
leisteten gerade Frauen einen wichtigen Beitrag zur
Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern, heißt es
darin. So hätten Migranten im Jahr 2005 schätzungsweise 232
Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer überwiesen. Davon
seien insgesamt 167 Milliarden US-Dollar in Entwicklungsländer
geflossen. Wahrscheinlich noch einmal so viel Geld sei ohne
Banküberweisung direkt an die Familien gezahlt worden.
Dies seien deutlich mehr als die 106 Milliarden US-Dollar, die 2005
weltweit für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben worden seien,
sagte Bettina Maas vom Bevölkerungsfonds der UN. Frauen schickten
einen weitaus höheren Anteil ihres Einkommens nach Hause als
Männer. Der größte Teil sei für die
Gesundheitsversorgung und die Bildung der Kinder bestimmt.
Die Studie stellt aber auch die Schattenseiten der Migration heraus.
Danach werden jedes Jahr Millionen von Migrantinnen Opfer von
Menschenhandel, Misshandlungen und Ausbeutung am Arbeitsplatz. Dies
gelte insbesondere für Frauen auf der Flucht, erklärten
Experten der DSW. Schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Menschen
würden jedes Jahr über Staatsgrenzen hinweg verschleppt und
verkauft. 80 Prozent von ihnen seien Frauen und Mädchen.
Der Datenreport 2006 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung war
bereits Anfang August in Berlin vorgestellt worden. Aus der Studie geht
hervor, dass die Bevölkerung in Afrika weiter wächst und
verarmt, Europa weiter schrumpft und altert. Insgesamt leben inzwischen
6,6 Milliarden Menschen auf der Erde. Schon in sechs Jahren wird die
Sieben-Milliarden-Marke erreicht sein. Mehr als die Hälfte der
Menschheit lebt in Armut.
(Quelle: ap)
Großbritannien: Mehrere Regierungsvertreter legen wegen Blair
Ämter nieder
Do.07.09.06 - Die Rücktrittsforderungen an den britischen Premierminister Tony
Blair nehmen immer ernstere Züge an:
Verteidigungs-Staatssekretär Tom Watson und fünf
Regierungsberater legten ihre Ämter nieder und forderten Blair
auf, es ihnen gleichzutun. Die Labour-Politiker zählen zu 17
Abgeordneten, die den Regierungschef zuvor in einem Brief zum
Rücktritt aufgefordert hatten. Blair verurteilte Watsons Verhalten
als "illoyal, unhöflich und falsch". Der Premier verwahrte sich
zugleich gegen Forderungen nach einem baldigen Rücktritt. Laut der
Zeitung "Sun" will Blair am 26. Juli als Regierungschef
zurücktreten.
Die Zurückgetretenen gaben nur ihre Posten innerhalb der Regierung
ab, nicht ihre Abgeordnetenmandate. Watson erklärte, es sei "weder
im Interesse der Partei noch des Landes", wenn der Regierungschef
länger im Amt bleibe. Weniger als eine Stunde nach Watson gab der
Parlamentarische Privatsekretär von Innenminister Tony McNulty,
Khalid Mahmood, sein Amt mit derselben Begründung ab. Ihm folgten
vier weitere Parlamentarische Privatsekretäre: Wayne David, Ian
Lucas, Mark Tami und David Wright.
Ein Parlamentarischer Privatsekretär ist ein enger Berater eines
Ministers. Das Amt ist unbezahlt und der niedrigste Rang innerhalb der
Regierung.
Unmittelbar nach der Rücktrittserklärung Watsons ließ
Blair eine Stellungnahme veröffentlichen, in der er das Verhalten
des Staatssekretärs scharf verurteilte. "Wäre er privat zu
mir gekommen und hätte seine Ansicht über die Führung
mitgeteilt, wäre das eine Sache gewesen", hieß es in der
Erklärung. "Aber einen Rundbrief zu unterschreiben, der der Presse
zugespielt wird, ist illoyal, unhöflich und falsch."
Blair nahm Watsons Rücktrittsgesuch an und erklärte weiter,
die Labour-Partei sei im vergangenen Jahr wieder an die Macht
gewählt worden, nachdem sie ihre innere Spaltung überwunden
habe. Eine Erneuerung der Partei und ein weiterer Wahlsieg könnten
nicht dadurch erzielt werden, dass neue Spaltungen geschaffen
würden.
Die Boulevardzeitung "Sun" berichtete, Blair wolle am 26. Juli sein Amt
aufgeben. Am 31. Mai kommenden Jahres wolle er als Chef der
Labour-Partei zurücktreten. Möglicherweise komme der
Rückzug Blairs schon eine Woche früher, sollte seine Partei
bei den Wahlen in Schottland und Wales im Mai herbe Verluste hinnehmen.
Blairs Büro wollte den Bericht nicht kommentieren
(Quelle: afp)
Merkel verschiebt Gesundheitsreform
Do.07.09.06 - Die Gesundheitsreform soll nach dem Willen von Bundeskanzlerin Angela
Merkel wegen der Vielzahl von ungeklärten Fragen nun doch nicht
zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten.
Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Mittwochabend aus
Koalitionskreisen erfuhr, hat die Kanzlerin bei dem Spitzentreffen der
großen Koalition im Kanzleramt erklärt, dass für sie
eine sorgfältige Beratung in den kommenden Wochen absolute
Priorität genieße. Dies sei im Koalitionsausschuss auch von
der SPD geteilt worden, hieß es.
Möglicherweise soll die Reform nun ab dem 1. April starten,
verlautete weiter. An der Einführung des Gesundheitsfonds ab 2008
will Merkel aber strikt festhalten. Dieser Fonds ist nach ihrer
Auffassung das zentrale Wettbewerbselement der Reform, an der nicht
gerüttelt werden dürfe. Nach Auffassung von Merkel dürfe
sich die Regierung handwerkliche Fehler bei der Umsetzung der Reform
und insbesondere bei der Einführung des Fonds nicht leisten.
In den Fonds sollen Beiträge und Steuern fließen und diese
Mittel dann den Kassen pauschal überwiesen werden. Jede Kasse soll
pro Versicherten den gleichen Betrag erhalten. Um allen Kassen die
gleichen Startchancen zu geben, gilt die vollständige Entschuldung
aller Kassen als Voraussetzung für den Start des Fonds.
Die Koalition hatte sich vor der Sommerpause nach langem Streit auf
Eckpunkte für die Reform verständigt. Diese müssen nun
von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in einen Gesetzentwurf
umgesetzt werden. Die Verhandlungen in einer Expertenarbeitsgruppe der
Koalition kamen allerdings in den vergangenen Tagen nicht entscheidend
voran.
Dem Vernehmen nach fehlt beispielsweise noch eine Verständigung
über die Ausgestaltung der privaten Krankenkassen in den kommenden
Jahren. Merkel will den Informationen zufolge vermeiden, dass zum Ende
des Jahres die Reform nur noch im Eiltempo durch Bundestag und
Bundesrat gebracht werden kann. Das Mittel der Fristverkürzung in
beiden Parlamenten habe sie nicht in Anspruch nehmen wollen.
Merkel hatte bereits in der Generalaussprache zum Haushalt 2007
angekündigt, dass die Regierung sich nicht unter Zeitdruck setzen
lassen wolle. Sie werde sich die Zeit nehmen, die zur Beratung der
einzelnen Reformen notwendig sei. Konkreter war sie in ihrer Rede noch
nicht geworden.
Zuvor war deutlich geworden, dass Union und SPD weiter um zentrale
Details der Gesundheitsreform ringen. Mit einem abschließenden
Ergebnis wurde nach Beendigung der Sitzung einer Arbeitsgruppe
frühestens für Donnerstag kommender Woche gerechnet.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte sich dennoch
«sehr zufrieden» gezeigt.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) sagte, er hoffe, dass
nach dem Treffen am Donnerstag kommender Woche ein Referentenentwurf
geschrieben werden könne. Man habe «wieder einige Punkte
abgehakt». Das Gremium von Bundes- und Landespolitikern arbeitet
daran, die Anfang Juli von den Koalitionsspitzen vereinbarten Eckpunkte
zur Gesundheitsreform in einen Gesetzentwurf zu gießen.
Auch Zöller hatte davon gesprochen, es gebe keinen Grund, den
Zeitplan für die Einführung des Gesundheitsfonds im Jahr 2008
zu ändern.
(Quelle: dpa)
Studie: Arbeitsbedingungen an deutschen Unis besser als in USA
Do.07.09.06 - Die Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler sind einer neuen Studie
zufolge an deutschen Universitäten geringfügig besser als in
den USA. Die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete am Mittwoch vorab aus
ihrer neuen Ausgabe über eine Studie der Universität Kassel,
wonach es an Hochschulen in Deutschland durchschnittlich mehr bezahlte
Arbeitsplätze sowie mehr unbefristete Stellen gebe als in den USA.
Nachwuchswissenschaftler würden zudem in Deutschland besser
bezahlt. Der Mythos vom Forscherparadies in den USA gründe sich dem
Leiter der Studie, Ulrich Teichler, zufolge auf wenige amerikanische
Eliteuniversitäten. Diese könnten nicht mit den
Durchschnittshochschulen der Bundesrepublik verglichen werden.
(Quelle: afp)