Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundersten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Zehn Tote nach Bombenattentat in Bagdad - 17 Verletzte. Regierung in
Bagdad übernimmt Kontrolle über irakische Streitkräfte.
27 wegen Terrorakten verurteilte Iraker gehängt. Büro von Al
Arabija im Irak geschlossen
Fr.08.09.06 - Bei der Explosion einer Autobombe im Osten der irakischen Hauptstadt
Bagdad sind am Donnerstag 10 Menschen getötet und 17 weitere
verletzt worden.
Der Sprengsatz detonierte der Polizei zufolge vor dem Eingang einer
Tankstelle für Polizeifahrzeuge. Unter den Opfern seien neben
Polizisten auch Zivilisten, die nahe des Anschlagsortes in einen
Verkehrsstau geraten wären, hieß es. Augenzeugen zufolge
waren eine Reihe von Krankenwagen und Polizeifahrzeuge vor Ort, um Opfer
in Kliniken zu transportieren. Zudem stiegen große, schwarze
Rauchwolken auf.
Sunnitische Aufständische, die gegen die von Schiiten
geführte Regierung im Irak kämpfen, üben häufiger
größere Bombenattentate aus. Ziel der Anschläge sind
dabei oft die von den US-Truppen ausgebildete irakischen
Sicherheitskräfte.
Die internationalen Truppen im Irak haben am Donnerstag die Kontrolle
über die irakischen Streitkräfte an die Regierung
übergeben. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki und
der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, George Casey,
unterzeichneten im Rahmen einer Zeremonie in Bagdad ein entsprechendes
Dokument. Al-Maliki erhielt damit offiziell die Kontrolle über die
Marine und die Luftwaffe sowie über die 8.Division des Heeres, die
im Süden des Landes stationiert ist. US-Militärsprecher
William Caldwell beschrieb die Zeremonie am Mittwoch als ein bedeutendes
Ereignis. Jetzt müsse der Regierungschef entscheiden, wie schnell
er die Kontrolle über weitere Divisionen übernehmen wolle.
Im Irak sind am Mittwoch 27 wegen Terrorakten verurteilte
Straftäter hingerichtet worden. Die größtenteils aus dem
Irak stammenden "Terroristen" seien gehängt worden, teilte ein
Sprecher des Innenministeriums in Bagdad mit. Sie seien zum Tode
verurteilt worden, weil sie irakische Zivilisten angegriffen
hätten. Die Anordnung für die Exekutionen sei vom irakischen
Vizepräsidenten unterzeichnet worden.
Die irakische Regierung hat der Bagdader Redaktion des arabischen
Fernsehsenders Al Arabija für einen Monat die Berichterstattung
untersagt. Die Polizei sei am Donnerstag in den Räumen des Senders
erschienen, um die Anordnung durchzusetzen, erklärte Al Arabija.
«Wir wurden nicht offiziell über das Verbot informiert, und
wir wissen nichts über die Gründe», sagte Bürochef
Dschawad Hatab. Der Sender hat seinen Hauptsitz in Dubai.
Bereits vor zwei Jahren war das Bagdader Büro des arabischen
Fernsehsenders Al Dschasira geschlossen worden. Der irakische
Ministerpräsident Nuri Al-Maliki rief die Medien im Juli auf,
zurückhaltend über die Gewalt im Land zu berichten, um
Extremisten nicht in die Hände zu spielen. Al-Maliki kritisierte,
manche Fernsehsender zögen Kapital aus der Berichterstattung
über die Opfer von Anschlägen. Die Regierung werde gegen alle
Sender vorgehen, die gegen entsprechende ethische Richtlinien
verstießen.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 08.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.08.09.05 - Mindestens 16 Tote bei Anschlag in Basra +++ Fünf Tote bei
Autobombenexplosion in Bagdad +++ Vier US-Sicherheitskräfte bei
Anschlag im Südirak getötet +++ Bombenanschlag auf britischen
Diplomatenkonvoi...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
NATO-Spitze will weitere Soldaten in den Süden Afghanistans
entsenden
Fr.08.09.06 - Der NATO-Oberbefehlshaber für Europa, General James Jones, hat die
Bündnismitglieder zur Entsendung weiterer Truppen in den Süden
Afghanistans aufgerufen. Die kommenden Wochen könnten für den
Kampf gegen die Taliban entscheidend sein, sagte er in der belgischen
Stadt Casteau. Bei einem Treffen mit den Spitzengenerälen der 26
NATO-Staaten am Freitag und Samstag in Warschau werde er sich um
Zusagen für mehrere hundert weitere Soldaten, Transportflugzeuge
und Hubschrauber bemühen.
Die Schutztruppe ISAF sei nach der Erweiterung ihrer Mission auf den
Süden des Landes im Juli vom Ausmaß der Taliban-Angriffe
überrascht worden, räumte Jones ein. Er sei aber
überzeugt davon, dass die Soldaten den Kampf gewinnen könnten.
Eine Verstärkung der Truppe werde dabei helfen, die Verluste zu
reduzieren und den Einsatz «in kurzer Zeit zu einem erfolgreichen
Abschluss zu bringen». Er wolle die Taliban-Kämpfer jetzt
schlagen, bevor sie sich über den Winter wieder in die Berge
zurückzögen.
Er sei zuversichtlich, dass das NATO-Treffen in Warschau ein Erfolg
werde. Zugleich räumte er ein, dass bei einem Treffen am 25. August
anders als von ihm erhofft keine Zusagen über zusätzliche
Soldaten eingegangen seien.
Der pakistanische Präsident General Pervez Musharraf räumte
am Donnerstag ein, dass Kämpfer der Taliban und Al Kaida die Grenze
von seinem Land nach Afghanistan überschritten, um dort
Anschläge zu begehen. Vorwürfe, dass sie vom pakistanischen
Geheimdienst unterstützt werden, wies er indes zurück.
Musharraf äußerte sich in Kabul an der Seite von
Präsident Hamid Karsai. Am Mittwoch hatten beide eine
Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus
vereinbart.
Die Gewalt im Süden Afghanistans dauerte unterdessen an.
Taliban-Kämpfer übernahmen zum zweiten Mal innerhalb von zwei
Monaten die Kontrolle über eine Polizeiwache in der Stadt Garmser.
Nach Polizeiangaben vom Donnerstag zogen sich die Beamten nach Angriffen
der Taliban zurück. Bei einem Gefecht im Bezirk Surmat in der
Provinz Paktija töteten afghanische Polizisten vier
Taliban-Kämpfer. Drei weitere wurden nach Polizeiangaben
festgenommen.
Am Mittwoch kamen drei britische Soldaten in Afghanistan ums Leben. Ein
Soldat wurde bei einem Mörsergranatenangriff mutmaßlicher
Taliban-Kämpfer in der Provinz Helmand getötet, vier weitere
wurden verletzt, wie die NATO und das britische Verteidigungsministerium
mitteilten. In derselben Provinz geriet eine Gruppe von Soldaten auf
ein nicht markiertes Minenfeld. Die Explosion einer Mine riss einen
Soldaten in den Tod, fünf weitere Briten erlitten schwere
Verletzungen.
Das Verteidigungsministeriums in London bestätigte außerdem,
dass ein Soldat am Mittwoch den Verletzungen erlag, die er bei einem
Anschlag am Freitag erlitten hatte. Seit November 2001 kamen in
Afghanistan 40 Angehörige der britischen Streitkräfte ums
Leben.
(Quelle: ap)
Noch viele offene Fragen bei Ermittlungen zum 11. September
Fr.08.09.06 - Hunderte Festnahmen, aber nur wenige Anklagen und noch weniger
Verurteilungen: Auch fünf Jahre nach dem 11. September 2001 gibt es
noch keine befriedigende Antwort auf die Frage nach den wichtigsten
Hintermännern und deren Rolle bei den Terroranschlägen. Der
Kopf der Al Kaida, Osama bin Laden, ist untergetaucht. Einige
mutmaßliche Handlanger sitzen in Haft, über ihr Schicksal
oder mögliche neue Erkenntnisse erfährt die
Öffentlichkeit jedoch nichts.
Als großen Erfolg feierten die USA die Festnahme von Khalid
Sheikh Mohammed im März 2003 in Pakistan. Mohammed wurde als
Koordinator der Anschläge von New York und Washington beschrieben.
Lange war nicht bekannt, wo und unter welchen Bedingungen er inhaftiert
ist. Erst am Mittwoch erklärte US-Präsident George W. Bush,
Mohammed sei zunächst in ein Geheimgefängnis der CIA
außerhalb der Vereinigten Staaten und dann nach Guantanamo
gebracht worden. Anklage wurde bisher nicht erhoben.
Ähnlich ist die Situation für den einst in Deutschland
lebenden Ramzi Binalshibh, der in Hamburg mit dem mutmaßlichen
Todespiloten Mohammed Atta zusammenwohnte. Binalshibh wurde nach
weltweiter Fahndung Ende 2002 in Pakistan aufgegriffen. Später
wurde der Jemenit an die USA überstellt und nach jüngsten
Angaben Bushs ebenfalls erst in ein CIA-Gefängnis und dann nach
Guantanamo auf Kuba gebracht. Bisher gab es keine Anklage. Noch eine
Hand voll weiterer inhaftierter Terrorverdächtiger, die die
US-Behörden als «Al-Kaida-Gefangene von großem
Wert» beschreiben, warten weiterhin auf einen Prozess.
Auch der bislang erste Prozess um die Terrorakte vom 11. September in
den USA brachte keineswegs den Durchbruch bei der gerichtlichen
Aufarbeitung der Anschläge: Zacarias Moussaoui, der zunächst
als mutmaßlicher 20. Flugzeugentführer Schlagzeilen machte,
verwirrte die Öffentlichkeit mit einem Wechsel aus
Geständnissen und Dementis. Der Franzose marokkanischer Abstammung
war zwei Wochen vor den Anschlägen festgenommen worden und hatte im
Prozess ausgesagt, er sei als Todespilot für ein fünftes
Flugzeug rekrutiert worden. Dieses Geständnis, an dem von
vornherein Zweifel bestanden, widerrief er nach Abschluss des Verfahrens
jedoch wieder. Moussaoui wurde im Mai als Mitverschwörer der
Anschläge zu lebenslanger Haft verurteilt.
Wenige Wochen nach dem Urteil meldete sich Al-Kaida-Chef Bin Laden zu
Wort und wies die Angaben zurück, dass eine Beteiligung Moussaouis
an den Terroranschlägen geplant gewesen sei. Er selbst sei der
Führer der 19 Attentäter gewesen, betonte Bin Laden in einer
Internet-Botschaft, «und ich habe Bruder Zacarias nie beauftragt,
sich ihnen in dieser Mission anzuschließen.» Moussaoui habe
ebenso wie die im US-Gefangenenlager Guantanamo inhaftierten
Terrorverdächtigen «keinerlei Verbindung mit dem 11.
September», erklärte der Terrorführer. Von allen bislang
Festgenommenen seien lediglich «zwei Brüder» in die
Terroranschläge in den USA verwickelt gewesen. Namen nannte er
nicht. Auch Hinweise, ob es sich dabei um Khalid Sheikh Mohammed oder
Ramzi Binalshibh handeln könnte, gab es keine.
Rätselraten herrscht weiterhin um die Frage, ob ein 20.
Attentäter vorgesehen war und wer dafür ausgesucht worden sein
könnte. Nachdem sich die Angaben Moussaouis als offenbar falsch
erwiesen haben, sind zwei weitere Namen im Spiel. Ein Mann namens
Mohamed al-Qahtani gestand, er hätte der 20. Entführer sein
sollen - die Aussage erfolgte aber erst nach massivem Zwang im
Verhör, wie eine Untersuchung der US-Streitkräfte herausfand.
Die Al Kaida hingegen nannte in einem Video Fawaz al-Nashimi als den
von ihr auserwählten 20. Attentäter. Er sei als fünfter
Entführer an Bord des über Pennsylvania abgestürzten
United-Airlines-Flugs vorgesehen gewesen, hieß es. Wegen
zeitlicher Divergenzen sei der Plan dann aber geändert worden. Der
Saudi-Araber Al-Nashimi kam 2004 in einem Schusswechsel mit
Sicherheitskräften ums Leben.
Als mutmaßlicher Helfer der Attentäter von New York und
Washington stand in Deutschland ein Bekannter Binalshibhs vor Gericht.
Der Elektronikstudent Mounir El Motassadeq wurde im Februar 2003
zunächst wegen Beihilfe zu den Anschlagsmorden zu 15 Jahren Haft
verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob den Richterspruch jedoch
auf, ein Urteil vom August 2005 belief sich nur noch auf sieben Jahre
Haft wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Das
Urteil über die Haft ist noch nicht rechtskräftig, Motassadeq
derzeit auf freiem Fuß.
Auch in weiteren Prozessen außerhalb der USA mühten sich die
Staatsanwälte vergeblich, eine direkte Tatbeteiligung nachzuweisen.
In Spanien wurde vor rund einem Jahr der Al-Kaida-Funktionär Imad
Yarkas im Zusammenhang mit den Anschlägen zu zwölf Jahren
Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen wegen Beihilfe
zu mehrtausendfachem Mord symbolische Haftstrafen von 74.000 Jahren
gegen den Syrer Yarkas gefordert - 25 Jahre für jedes Opfer. Dem
Angeklagten habe jedoch lediglich Verschwörung mit dem
Todespiloten Mohamed Atta und der Hamburger Terrorzelle nachgewiesen
werden können, urteilten die Richter.
In den USA wurden nach dem 11. September 2001 bislang zwar hunderte
unter Terrorverdacht festgenommene Menschen schuldig gesprochen, das
Urteil erfolgte in vielen Fällen aber schließlich wegen
anderer Vorwürfe. Nur etwa die Hälfte der rund 1.300
Verurteilten erhielt laut einer Zusammenstellung der US-Universität
Syracuse eine Haftstrafe, 14 Angeklagte wurden zu 20 Jahren
Gefängnis oder mehr verurteilt.
Diese Zahlen sagten kaum etwas über die Entwicklungen im Kampf
gegen den Terror aus, betonte das US-Justizministerium. Die am
Wochenende veröffentlichte Studie könne kein Maßstab
für den Erfolg der Behörden sein, erklärte Sprecher Bryan
Sierra. Urteile und Haftstrafen allein spiegelten schließlich
nicht die Fortschritte wider. «Das Hauptziel ist es,
terroristische Aktivitäten aufzuspüren, zu sprengen und zu
verhindern.» Meredith Fuchs vom Nationalen Sicherheitsarchiv der
George-Washington-Universität in Washington hingegen stellt noch
eine andere Vermutung in den Raum: Die geringen Strafen könnten
auch darauf hindeuten, «dass wir Leute am Rande erwischen, nicht
aus dem Zentrum der Verschwörungen».
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel beginnt mit Aufhebung der Blockade gegen Libanon.
Neue Einschränkungen aus Beirut für deutschen Marineeinsatz.
UN-Hilfswerk beklagt Situation im Gazastreifen
Fr.08.09.06 - Fast zwei Monate nach ihrem Inkrafttreten hat Israel mit der
schrittweisen Aufhebung der Blockade gegen den Libanon begonnen. Das
bestätigte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums.
Damit rückt ein Friedenseinsatz der deutschen Marine in
libanesischen Gewässern näher. Nach Angaben des
Staatsministers im deutschen Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD),
forderte der Libanon inzwischen bei der UNO die deutsche Mission an.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) traf in Beirut ein, um
mit der libanesischen Regierung die Einzelheiten des deutschen
Einsatzes zu klären.
Eine Sprecherin von Regierungschef Ehud Olmert präzisierte, dass
die israelische Luftblockade in Abstimmung mit der UNO beendet worden
sei. Die Seeblockade bleibe in Kraft, bis eine UN-Seestreitmacht in den
libanesischen Gewässern stationiert sei. Der Termin für die
Aufhebung der Seeblockade hänge von der UNO ab, sagte ein
israelischer Regierungsmitarbeiter. "Wir sind bereit, dies
unverzüglich zu tun", versicherte er. Israel hatte die Blockade am
13. Juli einen Tag nach Beginn der Angriffe gegen die libanesische
Hisbollah verhängt, um Waffenlieferungen an die schiitischen
Milizionäre zu unterbinden.
Die schrittweise Aufhebung der Blockade wurde allgemein
begrüßt. Die amtierende EU-Ratspräsidentschaft sprach
von einem "positiven Signal". UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte,
Regierung und Bevölkerung könnten sich nun ganz dem
Wiederaufbau ihres zerstörten Landes widmen. Auch die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hieß die israelische
Ankündigung willkommen.
Israel hatte am Mittwoch seine Entscheidung, die Blockade zu beenden,
auch damit begründet, dass sich Beirut und die Vereinten Nationen
auf den Einsatz der Bundesmarine geeinigt hätten. Über die
Einzelheiten wollte Außenminister Steinmeier in Beirut mit
Regierungschef Fuad Siniora und Parlamentspräsident Nabih Berri
sprechen, wie Erler dem Bundestagsausschuss für Menschenrechte und
humanitäre Hilfe mitteilte.
Erler zeigte sich zuversichtlich, dass der deutsche Beitrag an der
UNIFIL-Mission noch in der kommenden Woche von Regierung und Parlament
beschlossen werde. Bis zum tatsächlichen Einsatz der Marine in zwei
bis drei Wochen sollen italienische, französische und griechische
Kriegsschiffe Hisbollah-Waffenlieferungen vor der libanesischen
Küste abfangen.
Auch nach Aufhebung der Luft- und Seeblockade des Libanon will Israel
Waffenlieferungen an die Hisbollah notfalls mit Gewalt verhindern. Die
israelische Armee habe das Recht, Konvois mit Waffen, die die
syrisch-libanesische Grenze überquerten, anzugreifen, sagte
Regierungssprecherin Miri Eisin am Donnerstag. "Israel hat weiterhin
sein Recht auf Selbstverteidigung und wird die Umsetzung des
(Waffen)-Embargos an der syrisch-libanesischen Grenze überwachen,
versicherte Eisin der Nachrichtenagentur AFP.
Die Deutsche Marine soll bei ihrem Einsatz vor der Küste des
Libanons nach dem Willen der Regierung in Beirut nicht auf eigene Faust
Boote durchsuchen. Das sagte Transportminister Mohammed Safadi der
Nachrichtenagentur dpa in Beirut. Die Deutschen würden nur dann
eingreifen, wenn sie von der libanesische Armee darum ersucht werden.
Nach offiziellen Angaben aus Beirut sind bereits deutsche Experten
eingetroffen, die Vorbereitungen treffen sollen.
Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge
(UNRWA) hat sich für eine internationale Friedensmission im
Gazastreifen ausgesprochen. Als Folge der jüngsten israelischen
Offensive und Blockade sei der Lebensstandard der Menschen im
Gazastreifen «erschreckend niedrig», sagte UNRWA-Leiterin
Karen AbuZayd. Die Belagerung des Küstenstreifens und die
finanziellen Sanktionen gegen die Hamas hätten keine
Kompromissbereitschaft seitens der Regierung gebracht. Stattdessen
hätten sie in der Bevölkerung zu «massenhafter
Verzweiflung, Wut und einem Gefühl von Hoffnungslosigkeit»
geführt. «Eine internationale Präsenz, zivil,
militärisch oder was auch immer, wäre großartig»,
sagte AbuZayd.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Europäer mahnen zur Geschlossenheit im Atomstreit
Fr.08.09.06 - Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben die
internationale Staatengemeinschaft zur Geschlossenheit im Atomstreit mit
dem Iran gemahnt. «Das iranische Ziel ist offenbar die Spaltung
der internationalen Staatengemeinschaft», hieß es in einem
vertraulichen Papier, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Am
Nachmittag wollten Spitzendiplomaten der UN-Sicherheitsratsmitglieder
und Deutschlands in Berlin zu Beratungen über den Atomstreit mit
dem Iran zusammenkommen.
Wann die Verhandlungen zwischen dem iranischen Chefunterhändler
Ali Laridschani und dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana
fortgesetzt werden, blieb unterdessen weiter unklar. Ein Treffen der
beiden war für Mittwoch erwartet worden, wurde aber von iranischer
Seite abgesagt. Solana sagte am Donnerstag bei einem Besuch in
Dänemark dazu, es sei nie ein fester Termin vereinbart worden.
Deswegen könne man auch nicht von einer Absage des Treffens
sprechen. «Ich hoffe, es wird in den nächsten Tagen
stattfinden.»
Laridschani traf am Donnerstag zu Gesprächen mit der spanischen
Regierung in Madrid ein. Nach einem Bericht der amtlichen iranischen
Nachrichtenagentur IRNA wird er anschließend nach Italien und dann
nach Wien weiterreisen.
Der Iran hatte Ende August ein Kompromissangebot der internationalen
Staatengemeinschaft zur Lösung des Atomstreits abgelehnt. Die EU
setzt trotzdem weiter auf die Diplomatie. «Wir werden die Tür
zu Verhandlungen nicht zumachen», bekräftigte Bundeskanzlerin
Angela Merkel am Mittwoch im Bundestag. «Aber wir werden als
internationale Staatengemeinschaft auch nicht tatenlos zusehen
können, wie der Iran einfach Regeln der internationalen
Atomenergiebehörde verletzt.»
Frankreich ist offenbar bereit, dem Iran mehr Zeit zum Stopp der
Urananreicherung zu geben. Die Position der fünf UN-Vetomächte
und Deutschlands war es bislang, erst nach einem Ende des iranischen
Atomprogramms an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Am
Donnerstag sagte der französische Außenminister Philippe
Douste-Blazy nun: «Die Frage im Hinblick auf die Verhandlungen
ist, zu welchem Zeitpunkt die Aussetzung (der Urananreicherung) erfolgen
muss.» Der Punkt sei von entscheidender Bedeutung, was sich in
zwei Wochen zeigen könne.
Der Minister sprach sich vor Journalisten in Paris für einen
«abgestuften Ansatz» gegenüber Teheran aus. Die
Hoffnung auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch sei noch nicht
verloren. Entscheidend sei die einheitliche Position der internationalen
Gemeinschaft. Während die USA auf ein hartes Vorgehen
gegenüber dem Iran dringen, haben sich China und Russland bisher
ablehnend zu Sanktionen geäußert.
Russland forderte vom Iran weitere Informationen über sein
Atomprogramm. Außenminister Sergej Lawrow erklärte nach einem
Bericht russischer Nachrichtenagenturen, der Iran habe bereits eine
umfassende Antwort auf das internationale Kompromissangebot vorgelegt.
Allerdings gebe es in einigen Fragen noch Klärungsbedarf.
Die Veto-Mächte Russland und China unterhalten enge
Handelsbeziehungen zum Iran und haben sich bisher gegen scharfe
Sanktionen gegen Teheran ausgesprochen. Am Mittwoch hatte Lawrow betont,
Sanktionen dürften keinesfalls eine Androhung militärischer
Gewalt enthalten.
(Quelle: ap)
Frankreichs Präsident Chirac würdigt atomare Abschreckung
Fr.08.09.06 - Acht Monate nach seiner Drohung, Terrorstaaten notfalls mit Atomwaffen
anzugreifen, hat Staatspräsident Jacques Chirac abermals das
nukleare Abschreckungspotenzial Frankreichs gewürdigt. Darin liege
der beste Schutz für die Sicherheit und Unabhängigkeit des
Landes, sagte er am Donnerstag in der Militärzentrale der
Atombehörde in Bruyères-le-Châtel. «Angesichts
sich ständig weiterentwickelnder Bedrohungen ist die atomare
Abschreckung der Garant für die vitalen Interessen
Frankreichs.»
Die Ausführungen des Präsidenten hätten keinen Bezug zur
aktuellen Iran-Krise, bekräftigte der Élysée-Palast.
Im Januar hatte Chirac erklärt, wer als Staatsführer den
Einsatz von Massenvernichtungswaffen erwäge, müsse mit einer
entschlossenen Antwort rechnen, die auch nichtkonventioneller Art sein
könne. In Deutschland war dies auf teils heftige Kritik
gestoßen.
Um seine Glaubwürdigkeit zu bewahren, müsse sich die
französische Atomstreitkraft ständig weiterentwickeln,
forderte Chirac am Donnerstag. Ein 5,5 Milliarden schweres
Simulationsprogramm soll dies sicherstellen. Herzstück des
Programms ist der Supercomputer «Tera 10», der im Juni ans
Netz ging und über die Leistung von 20.000 PCs verfügt. Damit
stehe man weltweit an erster Stelle, was die Simulation von
Atomwaffenexplosionen anbelange, erklärte Chirac.
Zugleich warnte der Präsident vor einer Abrüstung der
«Force de Frappe», wie sie nach Ende des Kalten Krieges in
Frankreich immer wieder gefordert wird. «Der Einsatz ist für
die Zukunft unseres Landes entscheidend», sagte Chirac. «Die
Rangfolge der Nationen ist niemals sicher».
(Quelle: ap)
EU-Abgeordnete fordern weitere Offenlegung zu CIA-Gefängnissen
Fr.08.09.06 - Nachdem US-Präsident George W. Bush die Existenz von
Geheimdienst-Gefängnissen im Ausland eingeräumt hat, fordern
Mitglieder des CIA-Untersuchungsausschusses im Europäischen
Parlament nähere Informationen. «Die Standorte dieser
Gefängnisse müssen veröffentlich werden»,
verlangten sozialdemokratische Europa-Abgeordnete am Donnerstag in
Brüssel.
«Präsident Bush hat bestätigt, dass die Untersuchung
des Europäischen Parlaments die Wahrheit enthüllt»,
sagte Wolfgang Kreissl-Dörfler (SPD). «Wir müssen jetzt
dringend mit den Vertretern Polens und Rumäniens - und auch mit
Regierungen anderer EU-Staaten - über die ganze Affäre
sprechen.» Das Parlament müsse erfahren, ob es von
Regierungen der EU-Staaten oder der Beitrittsländer eine
Komplizenschaft bei rechtswidrigen Handlungen gegeben habe.
Kreissl-Dörflers niederländischer Fraktionskollege Jan
Marinus Wiersma kritisierte, dass Bush diese Lager nicht abschaffen
wolle: «Das widerspricht aus unserer Sicht völlig
internationalen Abkommen und Konventionen.» Nach Angaben des
Weißen Hauses waren in den geheimen CIA-Gefängnissen
«weniger als 100» mutmaßliche Terroristen inhaftiert.
Derzeit werde dort niemand mehr festgehalten. Das CIA-Programm werde
aber beibehalten.
(Quelle: dpa)
Berlin will Krise um türkischen EU-Beitritt verhindern
Fr.08.09.06 - Die deutsche Regierung will nach eigenem Bekunden alles daran setzen,
eine schwere Krise zwischen der EU und dem Bewerberland Türkei
während der deutschen Ratspräsidentschaft in der ersten
Hälfte des kommenden Jahres zu verhindern. Deutschland wolle
vermeiden, dass sich der Streit um die geteilte Mittelmeerinsel Zypern
"zu einer Krise auswächst", sagte der deutsche Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach einem Gespräch mit seinem
türkischen Kollegen Abdullah Gül in Istanbul. Beide sprachen
sich für einen "interkulturellen Dialog" zwischen westlicher und
islamischer Welt aus.
Bisher hätten die Schwierigkeiten zwischen der EU und der
Türkei allerdings noch nicht ausgeräumt werden können,
mahnte Steinmeier. "Eine Lösung ist noch nicht auf dem Tisch." Die
EU fordert von der Türkei, sie solle bis zum Ende des Jahres ihre
Häfen für Güter aus der griechischen Republik Zypern
öffnen, die seit 2004 zur EU gehört. Ankara will dies aber
erst tun, wenn gleichzeitig die internationale Isolierung des
türkischen Inselsektors aufgehoben wird; dies wiederum wird von den
griechischen Zyprern abgelehnt. EU-Vertreter warnen, der Streit
könne zu einem Abbruch der Beitrittsverhandlungen zwischen der EU
und Türkei führen.
Der wachsenden Polarisierung zwischen westlicher und islamischer Welt
wollen Deutschland und die Türkei mit einem "interkulturellen
Dialog" entgegenwirken. Steinmeier und Gül stellten eine gemeinsame
Initiative vor, mit der das gegenseitige Verständnis zwischen
Deutschen und Türken gefördert werden soll. Zu dem kurz vor
dem fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001
präsentierten Konzept gehört unter anderem eine engere
Zusammenarbeit im Bildungsbereich und bei den Medien. Zudem gehört
der Ausbau von Schul-Partnerschaften und Lehrer-Austauschprogrammen zu
den Vorschlägen. Angeregt wurde auch die Einrichtung eines
Lehrstuhls für Türkei-Studien an einer deutschen
Universität.
Steinmeier und Gül wollten mit ihrer Initiative allen Versuchen
entgegentreten, "eine Kultur gegen die andere auszuspielen". Die
Initiative trägt den Namen des früheren Berliner
Bürgermeisters Ernst Reuter, der einst von den Nazis verfolgt in
der Türkei Zuflucht gefunden hatte.
(Quelle: afp)
Großbritanniens Premier Blair kündigt Rücktritt binnen
Jahresfrist an
Fr.08.09.06 - Der britische Premierminister Tony Blair hat sich dem Druck seiner
Labour Party gebeugt und seinen Rücktritt binnen Jahresfrist
angekündigt. Ein Datum nannte er am Donnerstag allerdings nicht.
Kritiker in den eigenen Reihen hatten angesichts sinkender Umfragewerte
immer ungeduldiger auf die Bekanntgabe eines Zeitrahmens für den
erwarteten Führungswechsel gedrungen.
Der jährliche Parteitag in diesem Monat werde sein letzter als
Regierungschef sein, erklärte Blair am Donnerstag beim Besuch einer
Londoner Schule. Er hätte die Ankündigung lieber unter
Umständen gemacht, die er selbst für richtig gehalten
hätte, betonte er und forderte: «Der genaue Zeitplan muss mir
überlassen bleiben.» Kommentatoren spekulieren seit Wochen
über ein genaues Datum.
Blairs wahrscheinlicher Nachfolger, Schatzkanzler Gordon Blair,
erklärte noch vor der Ankündigung des Premierministers, er
habe diesem zugesichert, jegliche Entscheidung zu unterstützen.
Britische Zeitungen berichteten jedoch von einem lautstarken Streit der
beiden Politiker am Mittwoch, bei dem es um ein Datum für die
Machtübergabe gegangen sein soll. Seine Partei freue sich auf einen
«belebenden, erfrischenden Wechsel zu Gordon Brown»,
zitierte die Zeitschrift «New Statesman» Umweltminister
David Miliband.
Blair hatte bereits im Oktober 2004 angekündigt, dass er sich
nicht um eine vierte Amtszeit bewerben und rechtzeitig vor der
nächsten Parlamentswahl zurücktreten werde, um seinem
Nachfolger Gelegenheit zur Einarbeitung zu geben. In
Großbritannien muss spätestens im Frühjahr 2010
gewählt werden, als wahrscheinlicher gilt jedoch das Jahr 2009.
In den vergangenen Wochen war der Druck auf den Premierminister stetig
gewachsen. Zuletzt traten aus Protest gegen seine bisherige Weigerung,
einen Termin für den angekündigten Amtsverzicht zu nennen, am
Mittwoch acht Juniormitglieder der Regierung zurück. 15
Labour-Abgeordnete schickten zudem einen Brief an den Regierungschef, in
dem sie ihn eindringlich baten, zum Wohle der Partei den
Führungswechsel einzuleiten. Blair hatte die Londoner Regierung
1997 nach einem Erdrutschsieg gegen die Konservativen übernommen.
(Quelle: ap)
Belgische Fahnder decken Anschlagspläne rechtsextremer
Militärs auf
Fr.08.09.06 - Belgische Fahnder haben Anschlagspläne rechtsextremer
Militärs aufgedeckt. Bei Durchsuchungen in fünf Kasernen und
18 Privatwohnungen in Flandern stellte die Polizei neben
rechtsextremistischer Propaganda auch Waffen und Sprengstoff sowie eine
fertige Bombe sicher.
Das teilte die Staatsanwaltschaft in Dendermonde mit. Sie fand auch ein
Bekennerschreiben. Die Verdächtigen sollen die Absicht gehabt
haben, den Staat zu destabilisieren. Die Polizei nahm 17 Menschen fest.
Die meisten von ihnen gehörten der belgischen Armee an,
erklärte die Staatsanwaltschaft.
Einer der festgenommenen Militärs soll die Rechtsextremen auf
Armeegelände trainiert haben. Der hauptverdächtige
Anführer der Gruppe habe seit 2004 eine Geheimorganisation
aufgebaut, deren Ideologie auf Vorstellungen von Neonazis beruhte. In
seiner Umgebung - vor allem in Kasernen - habe er Gleichgesinnte
angeworben.
Die Untersuchungen haben nach Angaben der Ermittler gezeigt, dass der
Hauptverdächtige seine Terrorpläne in die Praxis umsetzen
wollte. Er habe mit seinen Komplizen einen verdeckten aber intensiven
Handel mit Waffen betrieben, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die
Gruppe habe auch internationale Kontakte geknüpft, unter anderem
mit einer rechtsextremen Gruppierung in den Niederlanden namens
«de Nationale Alliantie» («Die Nationale
Allianz»).
Für die Razzien setzte die Polizei 150 Beamte ein.
Verteidigungsminister André Flahaut lobte die Hilfe des
militärischen Geheimdienstes. «Die Entdeckung einiger
verrotteter Äpfel darf nicht zur Folge haben, dass Schande auf die
gesamte Armee und die hervorragende Arbeit der Militärs im In- und
Ausland geworfen wird», sagte Flahaut.
Flahaut und Justizministerin Laurette Onkelinx betonten, dass ein
gemeinsames Vorgehen von Justiz, Polizei und Streitkräften
«die Aufdeckung einer Neonazi-Gruppierung innerhalb der Armee
ermöglicht» habe. Für Innenminister Patrick Dewael
beweisen die Durchsuchungen, dass die Regierung gegen alle Arten des
Extremismus und nicht allein gegen islamistische Extremisten vorgehen
muss.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Aufschub der Gesundheitsreform ermutigt Kritiker
Fr.08.09.06 - Mit dem überraschenden Aufschub der umstrittenen Gesundheitsreform
ins Frühjahr hat die Koalition eine Welle von
Änderungsforderungen ausgelöst. Opposition und Verbände,
Ärzte und Kassen verlangten am Donnerstag von Union und SPD einen
neuen Anlauf. Auch in der SPD wächst Widerstand gegen den geplanten
Gesundheitsfonds. Regierungspolitiker verteidigten die Verzögerung
zu Gunsten eingehender Beratungen, hielten aber an den Eckpunkten fest.
Die Koalitionsspitzen hatten bei einem Treffen im Kanzleramt am
Mittwochabend beschlossen, angesichts vieler noch offener Fragen die
Reform vom 1. Januar auf den 1. April 2007 zu verschieben. Drei Monate
seien verkraftbar, sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. «Das
ist eine richtige Entscheidung der Koalition.» Damit sei
länger Zeit für Beratungen und Anhörungen. Die
SPD-Politikerin verteidigte auch den für 2008 vorgesehenen
Gesundheitsfonds und versicherte: «Die Reform kommt.»
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer erwartet, dass das Kabinett im
Oktober einen Gesetzentwurf beschließt.
Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) verwies darauf, dass die
Experten derzeit die Eckpunkte zu einem Gesetzentwurf ausarbeiteten und
noch einige Punkte zu klären hätten. «Die Frage war
einfach: Machen wir jetzt hopplahopp und sorgen dafür, dass es noch
vor Weihnachten beschlossen wird (...)? Oder sagen wir: Entspannung an
der Stelle?», sagte er im rbb-Inforadio. Der SPD-Vorsitzende Kurt
Beck sagte, man wolle einfach keine Fehler machen.
«Solidität geht vor Schnelligkeit», erklärte
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla.
Die Opposition verlangte einen Neuanfang und warf der Regierung Pfusch
vor. Die FDP forderte, die bisherigen Pläne einzustampfen. Die
große Koalition kapituliere vor ihrem eigenen Reform-Murks,
erklärten auch die Grünen. Sie warben ebenso wie die
Linksfraktion für eine Bürgerversicherung, wie sie auch die
SPD ursprünglich vertreten hatte.
Die Hauptkritik richtet sich gegen den Gesundheitsfonds, ein
Kernelement der Reform, das alle Mittel und Beiträge bündeln
und als Pauschalen an die Kassen weiterleiten soll. Wie das genau
geschehen soll, ist noch stark umstritten. Voraussetzung ist auch, dass
die Krankenkassen ihre Schulden abgebaut haben.
Auf den Fonds könne man verzichten,meinte die SPD-Linke Andrea
Nahles. Im «Handelsblatt» forderte sie, die gewonnene Zeit
zu nutzen, um ihn gründlich zu überdenken. Auch der
Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rief im «Tagesspiegel»
zum Verzicht auf den Fonds auf. Sozialverbände und
Ärztefunktionäre wandten sich gleichfalls dagegen. Wie die
Krankenkassen setzten sie darauf, jetzt mit ihren
Änderungswünschen mehr Gehör zu finden. Hoffnung auf
Kurskorrekturen bei der Reform äußerte auch DGB-Chef Michael
Sommer.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung drohte mit groß
angelegten Streiks gegen die Reformpläne. «Wir werden eigene
Strategien entwickeln, die hin gehen bis zu flächendeckenden
Praxisschließungen», sagte der KBV-Vorsitzende Andreas
Köhler der «Financial Times Deutschland». Der
Bundesregierung warf er vor, sie sei von zentralen Zusagen
gegenüber den Ärzten abgerückt. Deren Unmut richtet sich
vor allem gegen die Honorarreform.
(Quelle: ap)
Auch Gesetzentwurf zur Unternehmenssteuerreform kommt später
Fr.08.09.06 - Der Gesetzentwurf von Finanzminister Peer Steinbrück zur
Unternehmenssteuerreform kommt später als geplant.
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Olaf Scholz sagte in Berlin, es
reiche aus, wenn die Vorlage bis zur Sommerpause 2007 erfolge. Man stehe
nicht unter Zeitdruck. Die Reform werde wie geplant am 1. Januar 2008 in
Kraft treten. Steinbrück hatte angekündigt, den Entwurf bis
zum Jahresende vorzulegen. Auch die Gesundheitsreform wird drei Monate
später in den Bundestag kommen als zunächst geplant.
(Quelle: dpa)
DGB kündigt für Herbst Proteste gegen Regierungspolitik an
Fr.08.09.06 - Mit Kundgebungen und Protestveranstaltungen wollen die Gewerkschaften
im Herbst ihre Forderung an die Bundesregierung nach einer "sozial
gerechten Politik" untermauern. Dazu sind unter anderem für den 21.
Oktober Demonstrationen in Berlin, Dortmund, Wiesbaden, Stuttgart und
München geplant, kündigte der Vorsitzende des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, an. "Bessere Reformen sind
möglich", betonte Sommer. Die DGB-Kundgebungen zur Politik der
großen Koalition stünden daher unter dem Motto "Das geht
besser. Aber nicht von allein".
Sommer übte erneut Kritik an zentralen Gesetzesinitiativen der
Regierung. "Sie werden aus unserer Sicht keiner sozialen Politik
gerecht." Der DGB-Chef verwies unter anderem auf die bereits
beschlossenen Steuer- und Abgabenerhöhungen für Arbeitnehmer
und Konsumenten in Höhe von rund 30 Milliarden Euro. Vor diesem
Hintergrund sei es "völlig unverständlich, dass die Regierung
Merkel Konzernen fünf Milliarden Euro Steuern schenken will". Auch
die Gesundheitsreform führe zu einer einseitigen Belastung der
Versicherten. Zudem sei die geplante Einführung der Rente mit 67
"faktisch ein Programm zur schleichenden, aber drastischen
Rentenkürzung".
Dem DGB-Vorsitzenden zufolge wollen die Gewerkschaften mit
Veranstaltungen, Kundgebungen und vielfältigen Aktionen im Rahmen
des Gesetzgebungsverfahrens deutlich machen, dass sie die von der Union
geplante "Aushebelung des Kündigungsschutzes" ablehnen. Als weitere
Forderung des Gewerkschaftsbundes nannte Sommer ein Sonderprogramm
für 50.000 außerbetriebliche Ausbildungsplätze. "Wir
wollen helfen, 50.000 Jugendlichen, die seit Jahren auf einen
Ausbildungsplatz hoffen, eine gute Lebensperspektive zu bieten."
(Quelle: afp)
Weiter Streit um AKW-Brunsbüttel
Fr.08.09.06 - Im Streit um die Zukunft des Kernkraftwerks Brunsbüttel pochen die
Grünen weiter die Abschaltung des Atommeilers. Im Bundestag
forderte die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl am Donnerstag
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, er solle die
schleswig-holsteinische Atomaufsicht anweisen, «Brunsbüttel
abzuschalten, bis der Sicherheitsnachweis nachvollziehbar
vorliegt». Der Ressortchef wies diese Forderung zurück und
verteidigte zugleich sein Vorgehen im Fall Brunsbüttel nach dem
Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark.
Er habe den Betreiber Vattenfall aufgefordert, technische Nachweise
für seine Behauptung vorzulegen, es gäbe in Brunsbüttel
keine Wechselrichter-Problematik wie in Forsmark, erläuterte der
Ressortchef. Diesen Nachweis habe der Betreiber bis heute nicht
erbracht, sondern sich dafür entschieden, die gesamte Technik
auszutauschen.
Dies zeige, dass es richtig war, nach dem Forsmark-Störfall der
Darstellung des Betreibers nicht hundertprozentig zu glauben, sondern
sie nachzuprüfen, unterstrich der SPD-Politiker. Daraufhin habe die
Betreiberfirma dann «nachgemeldet», dass es in
Brunsbüttel doch mehr Probleme gebe als ursprünglich gedacht.
Wer jetzt die Abschaltung von Brunsbüttel verlange und dabei
ignoriere, dass es trotz eines denkbaren Ausfalls der Wechselrichter
eine gesicherte Notstromversorgung in Brunsbüttel gebe, fordere
«den Bund zur Willkür» auf, unterstrich Gabriel. Er
versicherte zugleich, dass die Bundesregierung bei der Sicherheit von
Atomkraftwerken «keinen Rabatt» geben werde.
Kotting-Uhl kritisierte dagegen, man habe es mit einem Betreiber zu
tun, «der falsche Aussagen gemacht hat - sich geirrt hat».
Das Parlament müsse sich fragen lassen, ob es sein Vertrauen in die
Zuverlässigkeit eines Betreibers auf der Annahme gründen
wolle, dass dieser «seine Anlagen nicht kennt». Sie
jedenfalls vertraue keinem Betreiber, der «mit falschen Fakten
kommt» und seine Verpflichtungen nicht erfülle.
(Quelle: ddp)
Gabriel will Umweltschutz als Innovationsmotor
Fr.08.09.06 - Umweltminister Sigmar Gabriel hat sich für einen Umweltschutz als
Innovationsmotor ausgesprochen. «Umweltschutz muss stärker
als bisher die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung
bestimmen», verlangte der SPD-Minister am Donnerstag
anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts des
Umweltbundesamtes. Denn nur eine Ressourcen schonende Wirtschaft sei auf
Dauer eine erfolgreiche Wirtschaft. Er betonte, dass ambitionierte
Umweltstandards die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft
erhöhten.
Da immer mehr Menschen am Wohlstand teilhaben wollten, seien
intelligente Produkte, Dienstleistungen und Politikinstrumente
gefordert, sagte Gabriel. Als Beispiele nannte der Minister das
Erneuerbare-Energien-Gesetz und den Emissionshandel.
Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, verwies auf
den engen Zusammenhang von Umweltschutz und Gesundheitsvorsorge. So
beeinträchtigten Feinstäube noch ganz erheblich die Gesundheit
der Menschen. Trotz der ergriffenen Maßnahmen zur
Feinstaubminimierung sei der Erfolg bisher geringer als erhofft. So
könnten in Deutschland wie auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten die
Grenzwerte bislang noch nicht überall eingehalten werden.
(Quelle: ap)
Pro Asyl beklagt Trend zu mehr Abschiebungen
Fr.08.09.06 - Auf die zunehmend problematische Situation Asylsuchender in Deutschland
und Europa hat die Arbeitsgemeinschaft Pro Asyl hingewiesen.
Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens am (heutigen) Freitag
äußerte der Geschäftsführer der Organisation,
Günter Burkhardt, am Donnerstag in Frankfurt am Main den Verdacht,
Ziel der Politik sei die Abschiebung möglichst vieler Menschen.
Burkhardt machte in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Debatte
über das geplante Bleiberecht aufmerksam, über das die
Innenminister von Bund und Ländern im November beraten wollen. So
seien die zur Diskussion stehenden Anforderungen von Asylsuchenden kaum
zu erfüllen.
Pro-Asyl-Chef Jürgen Miksch bestätigte diese Erfahrung auch
für die Europäische Union: «Derzeit versuchen die
europäischen Staaten eine Politik durchzusetzen, die Europa zu
einer flüchtlingsfreien Zone macht.» Zur Begründung
verwies Miksch auf die wachsende Zahl von Hilfesuchenden. Allein im Jahr
2005 habe die Pro Asyl in Deutschland mehr als 3.600 Einzelfälle
betreut.
(Quelle: ap)