Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Senat spricht Saddam vom Vorwurf der El-Kaida-Unterstützung
frei. Anschlag auf schiitische Pilger. Al-Kaida-Chef im Irak ruft zu
Tötung von US-Amerikanern auf
Sa.09.09.06 - Der frühere irakische Staatschef Saddam Hussein hatte einem
Bericht des US-Senats zufolge niemals Verbindungen zum Terrornetzwerk
El Kaida. Saddam Hussein habe kein Vertrauen in El Kaida gehabt und
habe die islamistischen Extremisten als Bedrohung für seine
Führung eingeschätzt, hieß es in dem Bericht des
US-Geheimdienstausschusses. Saddam Hussein habe jegliche Anfragen von
El Kaida zur materiellen und logistischen Unterstützung
zurückgewiesen. Die US-Regierung hatte in der Vergangenheit
mehrfach auf entsprechende Verbindungen hingewiesen und den Krieg gegen
Irak unter anderem damit gerechtfertigt.
In dem Bericht des Senats stellen die Senatoren zudem fest, dass die
irakische Führung kein aktives Atomprogramm und auch kein mobiles
Labor zur Herstellung biologischer Waffen gehabt habe. Die Regierung
habe Geheimdienstinformationen nicht so genutzt, wie sie es hätte
tun sollen, nämlich "um Entscheidungsträger zu informieren",
urteilte die Nummer zwei des Ausschusses, der Demokrat John
Rockefeller. Die Verantwortlichen hätten vielmehr Hinweise
"ausgewählt, übertrieben oder verschwiegen", um ihre
Entscheidung zum Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen, die sie ohnehin
schon gefasst gehabt hätten.
Bei einem Angriff mit Mörsergranaten wurden am Freitag in
Mussajjib, 60 Kilometer südlich von Bagdad, drei Pilger auf dem
Weg nach Kerbela getötet. Die Heilige Stadt der Schiiten war seit
der US-Invasion im März 2003 wiederholt Ziel von Anschlägen
sunnitischer Extremisten.
Trotz des Fahrverbots in Bagdad, Kerbela und anderen Städten kam
es am Freitag zu mehreren Terrorakten, denen etwa zehn Menschen zum
Opfer fielen. Bei der Explosion einer Straßenbombe südlich
von Bagdad kam auch ein US-Soldat ums Leben.
Bei einer Serie von Anschlägen auf Polizisten waren am Donnerstag
17 Menschen ums Leben gekommen.
Der neue Al-Kaida-Führer im Irak, Abu Hamsa al Muhadscher, hat
sich offenbar erstmals mit einer Tonband-Botschaft zu Wort gemeldet. Die
Sprecher auf dem Band, das der arabische Sender Al Dschasira am
Donnerstag ausstrahlte, ruft seine Anhänger zum geschlossenen Kampf
auf und äußert sich zuversichtlich über einen Sieg. Der
Sender veröffentlichte einen kurzen Ausschnitt der
Audio-Aufzeichnung, auf der die Worte zu hören waren: «Der
Feind hat sich gegen uns zusammengeschlossen. Ist es nicht an der Zeit,
dass wir uns zusammenschließen?»
Al Muhadscher hat nach dem Tod von Terroristenführer Abu Mussab al
Sarkawi bei einem US-Luftangriff am 7. Juni die Führung der Al
Kaida im Irak übernommen. Knapp eine Woche später wandte sich
der bis dahin unbekannte Extremist, bei dem es sich laut US-Angaben
vermutlich um einen Ägypter handelt, erstmals mit einer
Internet-Erklärung an die Öffentlichkeit. Darin drohte er
Anschläge «in den kommenden Tagen» an. Seither hat er
sich nicht zu Wort gemeldet. Die USA haben ein Kopfgeld in Höhe von
fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) auf ihn ausgesetzt.
Unterdessen untersagte die irakische Regierung der Bagdader Redaktion
des arabischen Fernsehsenders Al Arabija für einen Monat die
Berichterstattung. Die Polizei sei am Donnerstag in den Räumen des
Senders erschienen, um die Anordnung durchzusetzen, erklärte Al
Arabija. «Wir wurden nicht offiziell über das Verbot
informiert, und wir wissen nichts über die Gründe»,
sagte Bürochef Dschawad Hatab. Der Sender hat seinen Hauptsitz in
Dubai.
Der irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki rief die Medien im
Juli auf, zurückhaltend über die Gewalt im Land zu berichten,
um Extremisten nicht in die Hände zu spielen. Al-Maliki
kritisierte, manche Fernsehsender zögen Kapital aus der
Berichterstattung über die Opfer von Anschlägen. Die Regierung
werde gegen alle Sender vorgehen, die gegen entsprechende ethische
Richtlinien verstießen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 09.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.09.09.05 - UNO kritisiert erneut Menschenrechtslage im Irak +++ Früherer
US-Außenminister Powell bedauert seine Irak-Rede vor
UN-Sicherheitsrat +++ Laut Bericht radioaktive Materialen monatelang im
Irak ungesichert +++ 200 Aufständische bei Tal Afar festgenommen +++ 17
Leichen entdeckt +++ Anwalt weist Angaben über Geständnis Saddam
Husseins zurück +++ FBI sieht in Kriegsgegnern Terroristen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509090.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Al-Dschasira zeigt bislang unbekanntes El-Kaida-Video
Sa.09.09.06 - Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira hat am Donnerstagabend ein
bislang unbekanntes Video ausgestrahlt, in dem Osama bin Laden und
andere El-Kaida-Terroristen vor den Terroranschlägen des 11.
Septembers 2001 zu sehen sind.
Auf dem Video ist Bin Laden erstmals mit Ramsi Binalshibh sowie dem im
November 2001 getöteten El-Kaida-Militärchef Mohammed Atef zu
sehen.
Binalshibh ist nach US-Überzeugung einer der Mitverschwörer
der Terroranschläge vom New York und Washington.
Binalshibh gehört zu den 14 mutmaßliche Top-Terroristen, die
nach Auskunft
von US-Präsident George W. Bush inzwischen ins US- Gefangenenlager
Guantánamo Bay auf Kuba gebracht wurden und dort wegen
Kriegsverbrechen vor einer Militärkommission angeklagt werden
sollen. Bush hatte ihrer Verlegung aus Gewahrsam des US-Geheimdienstes
CIA am Mittwoch bekannt gegeben.
Bin Laden und die jungen Männer laufen in dem Video durch die
Berge Afghanistans. Einige der Terroristen wurden gezeigt, während
sie ein Guerillatraining absolvierten. Der Sender strahlte die Bilder in
einer Sendung anlässlich des fünften Jahrestages der
Anschläge von New York und Washington aus.
Wie das auf Terrorismusanalyse spezialisierte private IntelCenter am
Donnerstag in Washington mitteilte, wird auf dem Video das politische
Testament von Bin Laden sowie von Hamsa al-Ghamdi und Wail al-Shihri
festgehalten, die an Bord von zwei entführten Flugzeugen am 11.
September 2001 in die beiden Türme des World Trade Center in New
York flogen. Auch Mohammed Atef sowie Assam al-Amriki, ein seit 2004 vom
Bundeskriminalamt FBI weltweit gesuchtes El-Kaida-Mitglied, haben ihren
«letzten Willen» auf dem Video aufgezeichnet.
Es ist nach Angaben von IntelCenter bereits das dritte Mal, dass El
Kaida unmittelbar vor dem Jahrestag der Anschläge den letzten
Willen von Attentätern ausstrahle. Das erste Video mit dem
«letzten Willen» des ersten Attentäters sei bereits im
April 2002 in Umlauf gebracht worden.
Die von Al-Dschasira ausgestrahlten Ausschnitte stammen nach Angaben
von IntelCenter aus einem mehr als 45 Minuten langen Film, der vom
El-Kaida-Ableger «Al-Sahab for Media Production» hergestellt
worden sei.
(Quelle: dpa)
15 Tote bei Selbstmordanschlag nahe US-Botschaft in Kabul
Sa.09.09.06 - Bei einem der bisher schlimmsten Anschläge in der afghanischen
Hauptstadt Kabul sind nach Angaben der Bundesregierung 15 Menschen
getötet worden. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich am
Freitagmorgen auf einer belebten Straße in der Nähe der
US-Botschaft in dem Moment in die Luft, als ein US-Konvoi vorbeifuhr,
sagte ein Polizist. Im Westen des Landes wurden vier italienische
ISAF-Soldaten bei einem Anschlag verletzt. Der britische
Truppenführer Ed Butler bezeichnete die Kämpfe in Afghanistan
als heftiger als im Irak.
Bei dem Selbstmordanschlag in Kabul wurden zwei Soldaten der US-Armee
getötet und zwei weitere verletzt, wie das Militär mitteilte.
Nach Angaben der afghanischen Polizei kamen zudem elf Zivilisten ums
Leben, 29 weitere wurden demnach verletzt. Zu der Tat bekannten sich die
radikalislamischen Taliban.
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin sagte, es
sei naheliegend, dass es sich um einen Anschlag auf die Internationale
Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) gehandelt habe, da das
Hauptquartier nur 150 Meter entfernt liege. Allerdings liegt auch die
US-Botschaft nur in etwa hundert Metern Entfernung. Es war einer der
blutigsten Anschläge, die jemals in Kabul verübt wurden. Die
Wucht der Explosion schleuderte Fahrzeugteile und Schutt dutzende Meter
weit.
Bei einem Anschlag auf eine ISAF-Patrouille in der westlichen Stadt
Farah wurden vier italienische Soldaten verletzt, einer von ihnen
schwer, wie das italienische Verteidigungsministerium mitteilte.
Der Oberkommandierende der britischen Truppen in Afghanistan, Butler,
forderte eine Verstärkung der ISAF, damit die NATO-Einsätze
beschleunigt werden könnten. "Die Intensität und Gewalt der
Kämpfe ist weitaus stärker als im täglichen Geschehen im
Irak", sagte der Brigadegeneral dem britischen Nachrichtensender ITV
News. Bei ihrer Offensive im Süden des Landes tötete die ISAF
nach eigenen Angaben 21 Aufständische.
Der Afghanistan-Einsatz steht auch im Zentrum des
NATO-Militärausschusses in Warschau. Der NATO-Oberbefehlshaber in
Europa, General James Jones, hatte am Donnerstag "eine bescheidene
Verstärkung" um bis zu 2500 Soldaten gefordert. Zurzeit sind rund
21.000 ISAF-Soldaten in Afghanistan. In diesem Jahr wurden bisher fast
90 ISAF-Soldaten getötet. Die türkische Armee lehnte derweil
die Forderung nach zusätzlichen Truppenentsendungen ab.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Deutschland grundsätzlich zu Vermittlung in Nahost bereit.
Israel will Seeblockade des Libanon bis Sonntag beenden. Olmert
signalisiert Gesprächsbereitschaft zu Tschebaa-Höfen
Sa.09.09.06 - Deutschland ist nach den Worten cdes deutschen Außenministers
Frank-Walter Steinmeier grundsätzlich bereit, bei den
Bemühungen um die Freilassung der beiden verschleppten
israelischen Soldaten zu vermitteln. Derzeit sei es zwar verfrüht,
über Verhandlungen zu reden, sagte Steinmeier am Freitag nach
einem Treffen mit seiner israelischen Kollegin Zipi Livni in Jerusalem.
Wenn Deutschland aber um Hilfe gebeten werde, habe man Interesse. Er
habe das Thema bei Livni angesprochen. BND-Chef Ernst Uhrlau, der
bereits 2004 bei einem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der
Hisbollah vermittelte, hielt sich am vergangenen Wochenende im Libanon
auf. Die Hisbollah-Miliz hatte die beiden israelischen Soldaten am 12.
Juli verschleppt, dies war der Auslöser des 34-tägigen
Krieges.
Nach dem Ende der Luftblockade will Israel bis Sonntag auch die
Häfen des Libanon freigeben, sobald die internationalen
Marineverbände eingetroffen sind. Regierungssprecher Asaf Schariv
erklärte, Ministerpräsident Ehud Olmert habe noch keinen
Termin festgelegt. Doch hätten die Vereinten Nationen zugesagt,
dass die Schiffe binnen 48 Stunden einsatzbereit seien.
Der israelische Militärrundfunk berichtete, die Seeblockade solle
Samstagabend beendet werden. Bis zum Eintreffen deutscher Schiffe sollen
früheren israelischen Angaben zufolge dann Italiener, Franzosen,
Briten und Griechen die Überwachungsaufgaben übernehmen und
Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz unterbinden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan drängt Israel auch zum
vollständigen Rückzug aus dem Südlibanon, wenn dort Mitte
September die Blauhelmtruppe auf 5.000 Mann aufgestockt ist. Derzeit
sind dort 3.250 UNIFIL-Soldaten stationiert. Aus israelischen
Regierungskreisen verlautete am Donnerstag, man hoffe, den Truppenabzug
bis zum jüdischen Neujahrsfest am 22. September abzuschließen.
Spanien wollte nach dem Parlamentsbeschuss vom Vorabend bereits am
Freitag 490 Marineinfanteristen und 76 Soldaten in Richtung Libanon
abkommandieren. Der Rest des insgesamt 1.100 Mann starken Kontingents
folgt im Oktober. In Finnland billigte Präsidentin Tarja Halonen
die Entsendung von 250 Soldaten.
Die israelische Außenministerin Zipi Livni wies am Freitag den
russischen Vorschlag einer Nahost-Friedenskonferenz zurück. Israel
sollte sich zunächst aus den Konflikt mit den Palästinensern
konzentrieren. Alle Probleme in einen Topf zu werfen, würde die
Dinge nur verkomplizieren, sagte Livni nach einem Treffen mit ihrem
russischen Kollegen Sergej Lawrow.
Die Regierung in Jerusalem schließt auch eine Rückgabe des
umstrittenen Gebiets der Tschebaa-Höfe an den Libanon offenbar
nicht aus. Ministerpräsident Olmert signalisierte Bereitschaft dazu
bei einem Treffen mit Lawrow am Donnerstag. Wenn die UN entschieden,
dass das Gebiet libanesisch sei, und wenn der Libanon die UN-Resolution
erfülle, werde Israel über das Thema sprechen. Israel
betrachtet die Tschebaa-Höfe bislang als Teil des 1967 besetzten
syrischen Territoriums.
Nach dem Ende der Luftblockade erklärte der libanesische
Ministerpräsident Fuad Siniora in einer im Fernsehen
übertragenen Rede: «Der Libanon atmet wieder.» In
Beirut wurde das Ende der Blockade mit Feuerwerk gefeiert.
(Quelle: ap)
Partei von Präsident Kabila gewinnt Parlamentswahl im Kongo
Sa.09.09.06 - Aus der Parlamentswahl im Kongo, an deren Schutz sich auch die
Bundeswehr beteiligt hatte, ist das Parteienbündnis von
Präsident Joseph Kabila als Sieger hervorgegangen. Die Allianz
für die Mehrheit des Präsidenten (AMP) kommt auf mehr als 200
der 500 Sitze im Parlament in Kinshasa, wie aus den Endergebnissen der
Wahlkommission hervorgeht.
Ein Sprecher der AMP sagte in Kinshasa, die Allianz sei "zufrieden"
darüber, mit rund 230 Sitzen zur stärksten politischen Kraft
im Land gewählt worden zu sein. Weil die Allianz die absolute
Mehrheit von 251 Sitzen verfehlte, wird sie sich zum Regieren weitere
Partner suchen müssen. An zweiter Stelle liegt der Kommission
zufolge die Koalition von Vizepräsident Jean-Pierre Bemba: Die
Vereinigung der kongolesischen Nationalisten (Renaco) kommt demnach auf
etwa hundert Sitze.
Kabila hatte bei der Präsidentschaftswahl, die am 30. Juli
parallel zur Parlamentswahl stattgefunden hatte, die meisten Stimmen
erhalten und wird bei der für den 29. Oktober geplanten Stichwahl
gegen Bemba antreten. Die Bekanntgabe der Ergebnisse der Parlamentswahl
war wegen Wahlfälschungen auf Donnerstag verschoben worden.
(Quelle: afp)
UN-Kommissar warnt vor 'riesiger Katastrophe' in Darfur
Sa.09.09.06 - Angesichts des geplanten Rückzugs der afrikanischen
Friedensmission hat UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres vor
"einer riesigen Katastrophe" in der westsudanesischen Krisenregion
Darfur gewarnt. "Die Sicherheitslage hat sich so verschlechtert, dass
wir in weiten Teilen in Darfur nicht in der Lage sind, auch nur minimal
Hilfe zu leisten", sagte Guterres. "Die ohnehin schon schlimme
Situation wird jeden Tag noch schlimmer."
Schon jetzt seien "Millionen Menschen" in großer Gefahr, sagte
Guterres: "Hunderte sterben inmitten der anhaltenden Gewalt, tausende
werden noch immer mit Gewalt vertrieben." Die sudanesische Regierung
rief er dazu auf, die Hilfsorganisationen "in Sicherheit ihre Arbeit
machen zu lassen".
Der Sprecher des UN-Flüchtlingskommissariats, Ron Redmond, sagte,
die Lage in Darfur sei derzeit bereits schwierig. Wenn die Afrikanische
Union (AU) jedoch wie geplant zum Monatsende ihre Truppen abziehe,
"wird es vollkommen unmöglich werden". Die sudanesische Regierung
habe sich "großzügig" gegenüber Flüchtlingen aus
Somalia und Äthiopien gezeigt. Guterres rufe sie nun dazu auf,
"ihren eigenen Leuten Schutz zu gewähren, in diesem Fall also den
Flüchtlingen in Darfur", sagte Redmond.
In der westsudanesischen Region Darfur herrscht seit Februar 2003
Bürgerkrieg. Schwarzafrikanische Rebellengruppen und von der
arabisch-islamischen Regierung in Khartum unterstützte
Reitermilizen liefern sich dabei Kämpfe. Nach UN-Schätzungen
starben bislang bis zu 300.000 Menschen in dem Konflikt, weitere 2,4
Millionen wurden in die Flucht getrieben. Die Regierung im Sudan wehrt
sich gegen die Stationierung einer UN-Friedenstruppe von rund 20.000
Mann, welche die Mission der Afrikanischen Union (AU) von 7000 Soldaten
ablösen soll. Das Mandat der schlecht ausgerüsteten AU-Truppe
läuft noch bis zum 30. September.
(Quelle: afp)
31 Tote und 100 Verletzte bei Anschlag auf Muslime in Indien
Sa.09.09.06 - Bei einem Bombenanschlag auf Muslime in Indien sind am Freitag 31
Menschen getötet und etwa 100 verletzt worden. Die Täter
brachten kurz nach dem Freitagsgebet in der Stadt Malegaon zwei
Sprengsätze zur Explosion, die an Fahrrädern befestigt waren.
Aus Sorge vor neuen Religionsunruhen verhängten die Behörden
ein Ausgehverbot über die Stadt. In Malegaon leben etwa 500.000
Menschen, von denen drei Viertel Muslime sind.
Die Anschläge verfolgten nach Ansicht von Polizeichef P.S.
Pasricha offenbar das Ziel, eine Panik und Zusammenstöße
zwischen Muslimen und Hindus auszulösen. Der gesamte Unionsstaat
Maharashtra wurde in Alarmbereitschaft versetzt. «Die Lage ist
unter Kontrolle», sagte Pasricha.
Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh rief zur Ruhe auf.
Er appellierte an «alle Bürger im ganzen Land», den
Frieden zu wahren. Bei schweren Unruhen in Malegaon waren zuletzt vor
fünf Jahren 15 Menschen getötet worden. Die Spannungen
zwischen den religiösen Gruppen in der Stadt reichen bis 1962
zurück.
(Quelle: ap)
Chile: Erstmals Folter-Ermittlungen gegen Pinochet
Sa.09.09.06 - Das Oberste Gericht von Chile hat dem ehemaligen Militärmachthaber
Augusto Pinochet die Immunität in einem Fall entzogen, in dem der
90-Jährige erstmals mit Ermittlungen wegen Folter konfrontiert
wird. In dem Verfahren geht es um 59 Fälle von Folter und
Entführungen in der Villa Grimaldi, einem berüchtigten
Zentrum der chilenischen Geheimpolizei im Anschluss an den
Pinochet-Putsch von 1973.
Das Oberste Gericht habe am Freitag in einer Abstimmung entschieden,
die Immunität Pinochets in seiner Eigenschaft als ehemaliges
Staatsoberhaupt aufzuheben, sagte ein Sprecher des Gerichts.
Eine offizielle Mitteilung soll Anfang nächster Woche folgen. Die
nicht mehr anfechtbare Entscheidung bedeutet, dass der zuständige
Richter Alejandro Madrid Anklage gegen Pinochet erheben kann.
In der Villa Grimaldi wurden den Ermittlungsakten zufolge auch die
amtierende chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und ihre
Mutter gefoltert. Bachelet war damals eine 22-jährige
Medizinstudentin. Beide haben von ihrer Folter berichtet, ihre
Fälle sind aber nicht Teil des anhängigen Verfahrens. Heute
ist die Villa Grimaldi im Südosten von Santiago eine
Gedenkstätte für die Opfer der Militärdiktatur.
Pinochet ist bereits wegen anderer Verstöße gegen die
Menschenrechte sowie wegen Steuerbetrugs angeklagt. Bisher sind aber
alle Versuche, einen Prozess zu Ende zu führen, an
Gesundheitsgründen gescheitert.
(Quelle: ap)
Wieder 450 Flüchtlinge auf Lampedusa gelandet
Sa.09.09.06 - Auf der süditalienischen Insel Lampedusa sind in der vergangenen
Nacht erneut Hunderte Flüchtlinge gelandet. Insgesamt hätten
rund 450 Immigranten auf drei Booten die Insel erreicht, berichtet die
Nachrichtenagentur Ansa. Allein auf einem Boot seien fast 360
Einwanderer unterwegs gewesen, hieß es. Mittlerweile wurde
bekannt, dass vermutlich 17 Flüchtlinge nach einer rund
zweiwöchigen Fahrt vor der libyschen Küste ertrunken sind. Ein
Überlebender erzählte, unter den Opfern seien fünf
Frauen und drei Kinder.
(Quelle: dpa)
Deutsche Exporte bleiben Stütze für Wirtschaftswachstum
Sa.09.09.06 - Die Exporte der deutschen Unternehmen sind im Juli überraschend
kräftig gestiegen und dürften Experten zufolge das
Wirtschaftswachstum auch im Sommer etwas stützen.
Die Waren-Ausfuhren legten saisonbereinigt um 2,3 Prozent zum Juni zu,
wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Mit einem Wert von
73,1 Milliarden Euro lagen die Exporte um 13,4 Prozent über dem
Niveau von Juli 2005. Der Außenhandel bleibe damit das "Zugpferd
der deutschen Volkswirtschaft", betonte der Präsident des
Branchenverbandes BGA, Anton Börner. "Der Start in das dritte
Quartal ist wohl geglückt", sagte auch Andreas Rees von der
HypoVereinsbank. "Die Daten von heute und auch die Zahlen für die
Produktion und Aufträge in der Industrie zeigen, dass es noch immer
eine starke Unterstützung von den Exporten gibt", ergänzte
Jürgen Michels von der Citigroup.
Die Importe legten um 19,9 Prozent zum Vorjahr zu und übertrafen
saisonbereinigt die Einfuhren im Juni um 2,8 Prozent. "Ein Teil des
Anstiegs ist sicherlich preisbedingt", sagte Ralph Solveen von der
Commerzbank mit Blick auf die höheren Preise für Öl und
andere Rohstoffe. BGA-Chef Börner sprach von einem "wahren
Importboom" und verwies auf die dynamischen Ausfuhren insbesondere von
Ländern wie China. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im
Schnitt nur einen Exportanstieg von 0,2 Prozent zum Vormonat erwartet
sowie einen Rückgang der Importe von 0,2 Prozent.
Wegen der erwarteten Abkühlung der weltwirtschaftlichen Nachfrage
und der höheren Importdynamik rechnen Ökonomen für das
dritte Quartal mit einem vergleichsweise geringen Außenbeitrag
für das gesamtwirtschaftliche Wachstum (BIP). "Wenn wir nach vorne
schauen, bleiben wir bei unserer Einschätzung, dass die Exporte
etwas an Fahrt verlieren werden", sagte Rees. Dennoch werde der
Außenhandel das Wachstum anschieben. "Für das BIP-Wachstum
erwarten wir eine Entwicklung in der Nähe des Trendwachstums, also
von 0,3 bis 0,4 Prozent", sagte Michels. Im Frühjahr hatte die
Wirtschaft mit 0,9 Prozent so stark zugelegt wie seit mehr als fünf
Jahren nicht mehr.
"Da auch die Sondereffekte für den Bau auslaufen, erwarten wir ein
deutlich schwächeres Wachstum als im zweiten Quartal", sagte
Solveen, der mit plus 0,3 Prozent rechnet. Wegen des ungewöhnlich
langen und strengen Winters mussten viele Bauaufträge
nachgearbeitet werden und stützten dadurch das Wachstum im
Frühjahr spürbar.
Die deutsche Handelsbilanz schloss im Juli mit einem Überschuss
von 13,1 Milliarden Euro. In der Leistungsbilanz verbuchte Deutschland
ein Plus von 7,3 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten
einen Handelsbilanzüberschuss von 12,4 Milliarden Euro erwartet.
(Quelle: rtr)
Deutsche Wirtschaft fordert Lockerung des Kündigungsschutzes
Sa.09.09.06 - Die deutsche Wirtschaft hat die Koalition zu einer «echten
Flexibilisierung» des Kündigungsschutzes aufgefordert. Ein
alleiniger Austausch von sachgrundlosen Befristungen gegen die
Einführung einer auf zwei Jahre ausgedehnten Probezeit sei
ungeeignet, um dem Arbeitsmarkt neuen Schub zu bringen, heißt es
in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme der
großen Wirtschaftsverbände. Ob die Einführung einer
neuen Wartezeitoption vorteilhaft wäre, hänge unter anderem
davon ab, ob innerhalb der 24 Monate eine vollständige Befreiung
vom Kündigungsschutz einschließlich
Sonderkündigungsschutz gewährleistet wäre.
Die Wirtschaftsverbände warben dafür, das
Kündigungsschutzgesetz erst für Betriebe mit mindestens 20
Mitarbeitern gelten zu lassen. Wenn der Koalition hierfür die
Kraft fehle, sollten zumindest die sachgrundlosen Befristungen
ausgebaut werden, heißt es in der Erklärung der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), des
Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sowie der
Spitzenverbände von Industrie, Handwerk und Handel (BDI, ZDH und
HDE).
Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, dass Arbeitgeber
die Probezeit bei Neueinstellungen von 6 auf 24 Monate verlängern
können. Im Gegenzug sollte die Möglichkeit entfallen,
Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund auf bis zu zwei Jahre zu
befristen. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte die
Arbeit am Gesetzentwurf gestoppt, nachdem die Union weitergehende
Forderungen erhoben hatte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ am Freitag offen, ob die
Koalition die Koalitionsvereinbarung weiter verfolgt. Sie lud in der
«Mittelbayerischen Zeitung» die Tarifpartner zum Dialog
ein. «Wir werden mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften
diskutieren, ob unser Vorschlag uns weiter bringt», sagte Merkel.
(Quelle: ddp)
SPD-Gesundheitsexpertin will Zusatzbeitrag auch von Arbeitgebern
Sa.09.09.06 - Beim geplanten Gesundheitsfonds will die SPD-Gesundheitsexpertin
Marlies Volkmer die Arbeitgeber die vorgesehenen Zusatzbeiträge der
Krankenkassen mitbezahlen lassen. «Die Zusatzbeiträge
sollten auch paritätisch erhoben werden», sagte Volkmer der
«Sächsischen Zeitung» vom Freitag. Dann würden die
«steigenden Kosten im Gesundheitssystem nicht nur den
Versicherten allein aufgehalst werden».
Den Koalitionsplänen zufolge sollen Kassen, die mit den Mittel aus
dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, von ihren Mitgliedern
zusätzliche Beiträge erheben können. Die SPD-Fraktion
soll laut Volkmer auch darauf bestehen, den Gesundheitsfonds und den
krankheitsbedingten Finanzausgleich zwischen den Kassen nur zeitgleich
einzuführen: «Wir lassen uns unter keinen Umständen
darauf ein, dass der Fonds vorher startet.»
(Quelle: ap)
Müntefering schließt Kürzung des ALG II aus
Sa.09.09.06 - Die Wirtschaftsweisen haben am Freitag offiziell ihr umstrittenes
Kombilohn-Gutachten zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit vorgelegt.
Der Hauptvorschlag, eine Kürzung des Arbeitslosengeldes II um 30
Prozent, trifft bei SPD, Oppositionsparteien, Gewerkschaften und
Kommunen auf Ablehnung, während sich Union und Arbeitgeber positiv
äußerten. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD)
schloss Kürzungen beim Arbeitslosengeld II erneut aus.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte dagegen, der Kombilohn
funktioniere nur, wenn es auf einer Seite auch Absenkungen gebe.
Das Gutachten des Sachverständigenrats unter Vorsitz von Bernd
Rürup sieht vor, Hinzuverdienste bis 200 Euro im Monat voll auf
das Arbeitslosengeld II anzurechnen. Außerdem soll das
Höchsteinkommen für Minijobs von 400 auf 200 Euro
gekürzt werden.
Müntefering sagte jedoch: «Ich gehe davon aus, dass es keine
Absenkung an dieser Stelle geben wird.» Das Kabinett habe am 23.
August beschlossen, die Sozialhilfe bei 345 Euro zu belassen.
«Diese Größe ist auch Referenzgröße
für das Arbeitslosengeld II.» Der Minister will seine
Vorstellungen für ein Kombilohn-Modell im Herbst präsentieren.
Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ludwig
Stiegler, kritisierte die Vorschläge als «im Kern
marktradikal, sozial blind und geeignet, den gesellschaftlichen Frieden
zu stören». Die FDP erklärte, wichtiger als solche
Einzelmaßnahmen sei ein flexibler Arbeitsmarkt.
Dagegen erklärte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, der
Sachverständigenrat habe die Kernforderung der Union am
Arbeitsmarkt bestätigt. «Die versammelte Linke hat dagegen
jetzt schwarz auf weiß, dass ein gesetzlicher Mindestlohn
hunderttausende Arbeitsplätze kostet.» Der von der Union
geforderte Kombilohn sei dagegen der richtige Ansatz, um den
Arbeitsmarkt insgesamt zu beleben.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
erklärte, die Vorschläge enthielten wichtige Elemente
für die dringend notwendige Generalrevision von Hartz IV. Der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und
Gemeindebundes, Gerd Landsberg, kritisierte das Gutachten in der
«Neuen Osnabrücker Zeitung». Für die Millionen
überwiegend kaum qualifizierten Arbeitslosen gebe es keine
Stellen, die ihnen angeboten werden könnten.
Das Land Hessen will mit einem Sonderprogramm bis zu 1.000 ältere
Arbeitslose über 50 Jahre zurück ins Erwerbsleben bringen. Es
stellt dafür in den nächsten zwei Jahren bis zu 37,3
Millionen Euro zur Verfügung. Die Bundesagentur für Arbeit
bringt Lohnersatzleistungen in Höhe von höchstens acht
Millionen Euro ein. Ministerpräsident Roland Koch sagte, mit dem
Programm wolle er den Abschied von einer Politik demonstrieren, die das
vorzeitige Ausscheiden älterer Arbeitnehmer befördert habe.
«Wir wollen schon sagen, dass wir einen Fehler korrigieren.»
(Quelle: ap)