Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertunddritten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Millionen Schiiten bei Pilgerfest in Kerbela. Erneut zahlreiche Tote
bei Anschlägen im Irak
So.10.09.06 - Rund vier Millionen Menschen haben sich am Samstag zum Geburtstag eines
schiitischen Religionsführers aus dem neunten Jahrhundert in der
irakischen Stadt Kerbela versammelt. Die Streitkräfte und die
Polizei waren mit einem massiven Aufgebot vor Ort, um
Selbstmordanschlägen vorzubeugen. Die Gläubigen zündeten
zum Fest des Imams Al Mahdi al Muntadhar unzählige Kerzen an, die
die für Schiiten heilige Stadt schon in der Nacht erleuchteten.
Nach amtlichen Angaben waren rund 7.000 Polizisten, 2.000 Soldaten und
1.800 Spezialkräfte des irakischen Innenministeriums in den
Straßen von Kerbela im Einsatz. Weitere Sonderkommandos bewachten
die Zufahrtswege. «Unsere Einheiten haben die Situation am Boden
unter Kontrolle», erklärte Generalmajor Samir Abdullah.
«Sorge bereiten uns jetzt nur noch Raketen, die aus
größerer Entfernung abgefeuert werden könnten.»
Die US-Streitkräfte unterstützten die
Sicherheitsmaßnahmen aus der Luft.
Kerbela war seit der US-Invasion im März 2003 wiederholt Ziel von
Anschlägen sunnitischer Extremisten im Irak. Auf dem Weg in die
rund 80 Kilometer südlich von Bagdad gelegene Stadt wurden
schiitische Pilger in den vergangenen Tagen wiederholt überfallen.
Am Freitag kamen drei Menschen bei einem Angriff mit
Mörsergranaten ums Leben. Zwei mutmaßliche Terroristen
wurden festgenommen, die nach Behördenangaben weitere
Anschlagspläne gestanden.
Im Bagdader Stadtteil Dora wurden am späten Freitagabend
Mörser auf Wohnhäuser von Schiiten abgeschossen. Dabei wurden
nach Polizeiangaben fünf Menschen getötet und neun verwundet.
Bei der Explosion einer Autobombe nahe eines amerikanischen
Militärkonvois in Bagdad kamen mindestens zwei Passanten ums
Leben. Im Zentrum der Hauptstadt erschossen Bewaffnete einen
technischen Mitarbeiter der Regierungszeitung «Al Sabah».
Bei weiteren Anschlägen in Bagdad gab es mindestens zwei Tote und
mehrere Verletzte.
In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden vier Menschen von zwei
detonierenden Bomben am Straßenrand in den Tod gerissen, 16
weitere wurden verletzt. Der irakische Vizepräsident Tarik al
Haschimi rief die Aufständischen dazu auf, die Waffen
niederzulegen und sich am politischen Prozess zu beteiligen. Al
Haschimi vertritt die Sunniten in der von Schiiten dominierten
Staatsführung.
Unterdessen wurde in Bagdad bekannt, dass Ministerpräsident Nuri
al-Maliki am Montag zu einem zweitägigen Besuch in den Iran reisen
wird. Dabei soll es vor allem um Sicherheitsfragen und die bilateralen
Beziehungen gehen. Die neue schiitische Führung des Iraks
bemüht sich um bessere Beziehungen zum Nachbarland. 1980 bis 1988
führten der Irak und der Iran einen Krieg, bei dem auf beiden
Seiten mehr als eine Million Menschen ums Leben kamen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 10.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertneununddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.10.09.05 - Mindestens 16 Tote bei Anschlägen +++ Irakische Streitkräfte
übernehmen Bagdader Flughafen +++ Niederländer vor US-Gericht
wegen Terrorverdachts im Irak angeklagt +++ US-Soldat wegen
Gefangenenmisshandlung im Irak verurteilt +++ Freispruch für Aktivisten
der Friedensbewegung, die vor der Rhein-Main-Airbase an Aktionen der
Kampagne 'resist the war' gegen den Irak-Krieg teilgenommen hatten +++
Bundesverwaltungsgericht verurteilt Unterstützung des
Irak-Krieges durch deutsche Regierung als rechtswidrig...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509100.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Dutzende Taliban und ein NATO-Soldat in Afghanistan getötet
So.10.09.06 - Bei neuen Gefechten im Zuge der «Operation Medusa» im
Süden Afghanistans sind nach NATO-Angaben mehr als 40
mutmaßliche Taliban-Kämpfer getötet worden. Auch ein
NATO-Soldat kam ums Leben. Seine Nationalität wurde zunächst
nicht mitgeteilt. Die Militäraktion in der Region wird von
kanadischen Truppen geleitet.
Soldaten des Bündnisses sowie der afghanischen Streitkräfte
setzten am Samstag in der Provinz Kandahar Luftwaffe und Artillerie
gegen die Aufständischen ein, wie NATO-Sprecher Scott Lundy
mitteilte. Die Zahl der getöteten Gegner in den Kämpfen der
vergangenen Woche habe sich damit auf mindestens 320 erhöht. Drei
Stützpunkte der Taliban, eine Fabrik zum Bombenbau und ein
Waffenlager seien im Bezirk Pandschwaji zerstört worden, der als
Hochburg der Taliban gilt.
Im Süden Afghanistans sind zurzeit rund 20.000 Soldaten der von
der NATO geführten Schutztruppe ISAF gegen die Aufständischen
im Einsatz. Sie werden von fast ebenso vielen US-Soldaten
unterstützt, die dort in einem eigenen Truppenkontingent
stationiert sind. Kampfschauplätze sind insbesondere die Provinzen
Kandahar und Helmand, wo auch der Opiumhandel blüht.
Bei einer Zeremonie zum fünften Todestag von Ahmad Schah Massud
bezeichnete Präsident Hamid Karsai den Taliban-Gegner als
großen Märtyrer. Massud kämpfte in den 80er Jahren
gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und führte später
den Widerstand gegen die Taliban an. Er kam am 9. September 2001 bei
einem Selbstmordanschlag der Al Kaida um, zwei Tage vor den
Terroranschlägen in New York und Washington. Danach starteten die
USA eine Militäroffensive in Afghanistan, die zum Sturz der
islamistischen Taliban führte. Diese hatten das Terrornetzwerk Al
Kaida von Osama bin Laden unterstützt.
«Wir sind immer noch nicht frei, und die Kinder unserer Nation
werden immer noch geopfert, wie gestern in Kabul», sagte Karsai.
Bei dem tödlichsten Anschlag seit dem Sturz der Taliban kamen am
Freitag mindestens 16 Menschen ums Leben.
Die deutsche Regierung schließt einen Einsatz deutscher Soldaten
im unruhigen Süden Afghanistans unterdessen nach wie vor aus.
«Wir sehen gegenwärtig keine Veranlassung, von dieser
Position abzugehen, wir haben genügend im Norden zu tun»,
sagte der parlamentarische Staatssekretär im
Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, am Samstag im
Deutschlandfunk. Er begrüßte die Äußerung von
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, dass sich die Frage
einer Stationierung deutscher Soldaten jetzt nicht stelle.
Im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan wurde ein 70-Jähriger
getötet, der nach Behördenangaben als Spitzel für die
US-Truppen im Nachbarland galt. Er sei von mutmaßlichen
Taliban-Anhängern mit Kugeln durchsiebt worden, teilte ein
Geheimdienstbeamter der Region Nordwaziristan am Samstag mit. Bei der
Leiche sei ein Brief gefunden worden, in dem anderen Informanten
dasselbe Schicksal angedroht werde.
(Quelle: ap)
Ex-Antiterror-Koordinator: USA mitschuldig an islamistischem Terror
So.10.09.06 - Die US-Regierung trägt nach Angaben des ehemaligen
Antiterror-Koordinators von Präsident George W. Bush, Richard
Clarke, eine Mitschuld am islamistischen Terrorismus. Der "Frankfurter
Rundschau" (Samstagsausgabe) sagte Clarke kurz vor dem fünften
Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001: "Demokratie kann
nur gedeihen, wenn sie eine interne Entwicklung ist. Nicht, wenn sie mit
dem Bajonett importiert wird." Der Irak sei heute ein großartiges
Trainingsfeld für Terroristen. "Wir haben ihn dazu gemacht." Seit
2001 sei nach Ansicht aller Experten die Terrorgefahr gewachsen.
(Quelle: afp)
George W. Bushs 'War on Terror' ist gescheitert
Er hat den Aufstieg Chinas und den Abstieg der USA beschleunigt - und
die globalen Krisen verschärft... Mehr in der taz vom 09.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/09/a0175.1/text
Gespräche über iranisches Atomprogramm gehen heute weiter
So.10.09.06 - EU-Chefdiplomat Javier Solana und der iranische Unterhändler Ali
Laridschani wollen heute ihre Gespräche über das
umstrittene Atomprogramm Teherans fortsetzen. Beide sprachen am Samstag
nach einem Treffen in Wien von einer «positiven»
Unterredung, die fortgesetzt werden solle. Das Treffen fand im
österreichischen Kanzleramt statt. Es galt als möglicherweise
letzte Chance für eine diplomatische Lösung des Konflikts.
Bei dem Treffen sollte Beobachtern zufolge ausgelotet werden, inwieweit
das Angebot der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands an
Teheran noch Grundlage für weitere Verhandlungen sein könnte.
Dieses Dokument sieht politische und wirtschaftlich Anreize vor, wenn
der Iran auf die eigene Anreicherung von Uran verzichtet. Die Antwort
der iranischen Regierung vom 22. August wurde bislang vertraulich
behandelt, doch die USA und ihre Verbündeten haben sie als
unbefriedigend bezeichnet. Am 31. August lief ein Ultimatum des
Weltsicherheitsrats an Teheran ab, die Urananreicherung zu stoppen.
Die EU und China riefen Iran am Samstag in einer gemeinsamen
Erklärung dazu auf, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu befolgen. Der
chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao ließ bei dem
Treffen mit EU-Vertretern in Helsinki allerdings durchblicken, dass
China Sanktionen gegen den Iran nicht zustimmen würde. «Den
Druck zu erhöhen oder Sanktionen zu verhängen, wird eine
friedliche Lösung nicht unbedingt befördern», sagte Wen.
Zugleich betonte er, die Autorität der IAEA müsse gewahrt
bleiben. «Iran sollte konstruktive Schritte ergreifen» und
auf die internationale Gemeinschaft zugehen. Der EU dankte Wen
ausdrücklich für ihre Bemühungen um eine Lösung des
Atomstreits.
Besonders die USA dringen aber darauf, dass schon bald eine
UN-Resolution zur Frage von Sanktionen beschlossen wird, wenn der Iran
in dem Streit nicht bald einlenkt und seine Urananreicherung stoppt.
Über das Ausmaß möglicher Strafmaßnahmen
müsse noch gesprochen werden, sagte der US-Unterhändler im
Atomstreit, Nicholas Burns, am Freitag in Berlin.
Wie in Wien verlautete, gibt es aber bei einigen Staaten auch die
Überlegung, Verhandlungen mit dem Iran aufzunehmen, wenn die
Regierung in Teheran zusagt, im Laufe der Verhandlungen die
Urananreicherung auszusetzen.
Die Diplomaten der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und
Deutschlands wollen ihre am Donnerstag in Berlin geführten
Gespräche am kommenden Montag telefonisch fortsetzen, wie Burns
mitteilte. Er hoffe, dass den Außenministern der sechs Staaten
unmittelbar danach eine gemeinsame Position in der Frage der Sanktionen
präsentiert werden könne.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Streit in Deutschland um Libanonmandat. Laut UN will Syrien Soldaten
gegen Waffenschmuggel stationieren. Olmert will palästinensischen
Präsidenten Abbas treffen
So.10.09.06 - In Deutschland bahnt sich zwischen Union und SPD ein Streit um den
Zeitpunkt der Bundestags-Entscheidung zum Nahost-Einsatz der Bundeswehr
an. Die «Frankfurter Rundschau» (Samstagausgabe)
berichtete, die Union wolle ein Bundestagsvotum erst in der
übernächsten Woche, während Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf Zustimmung bereits für kommenden
Freitag rechne.
Die Union wolle die Entscheidung über den Einsatz der Marine erst
am 21. September beschließen lassen, berichtet die Zeitung unter
Berufung auf Bundestagskreise. Weil der Libanon darauf bestehe, dass
die Schiffe nicht näher als sechs Seemeilen an die Küste
herankommen, müsse der Bundestag den Einsatz sorgfältig
prüfen, argumentiere die CDU. Steinmeier hoffe dagegen, mit dem
Bundestagsmandat im Rücken am 18. September zur
UN-Generalversammlung in New York reisen zu können.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte, es sei in der Tat nicht
sehr wahrscheinlich, dass es in der nächsten Woche eine
Entscheidung gebe. Er rechne mit weiteren Verzögerungen. Kauder
wandte sich gegen die von der libanesischen Regierung gestellten
Bedingungen. »Es darf nicht sein, dass die Hisbollah für den
Kampf gegen Israel aufgerüstet wird und die Bundesmarine zum
Zuschauen verurteilt ist«, betonte er. Nötig sei ein klares
Mandat, das der Marine die Möglichkeit gebe, die Seeküste zu
kontrollieren und Waffenschmuggel zu verhindern. Dabei müsse es
auch möglich sein, »dass wir ein verdächtiges Schiff
stoppen und betreten können«.
SPD-Chef Kurt Beck zeigte sich überzeugt, dass die Koalition in
der Frage einer deutschen Beteiligung an der UN-Schutztruppe
zusammenstehen werde. Es sei wichtig für die Soldaten, eine breite
gesellschaftliche Legitimation zu spüren.
Der Grünen-Sicherheitspolitiker Winfried Nachtwei drohte mit einem
Nein seiner Fraktion, wenn der Einsatz auf eine rein symbolische
Bedeutung reduziert werde. Zugleich kritisierte er die
Informationspolitik von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU):
«Es gibt keine Informationen darüber, in welchem Umfang und
mit welchen Booten überhaupt Waffen an die Hisbollah geschmuggelt
werden».
Jung wies derweil Kritik an seiner Person zurück. «Als
Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt bin ich nicht dafür
zuständig, Illusionen zu verbreiten», sagte er. Der Minister
war dafür kritisiert worden, dass er von einem
«Kampfeinsatz» der Bundeswehr im Nahen Osten gesprochen
hatte.
Syrien hat nach Angaben der Vereinten Nationen die Stationierung von
Soldaten an seiner Grenze zum Libanon zugesagt, um den Schmuggel von
Waffen an die radikal-islamische Hisbollah zu verhindern.
Der syrische Präsident Baschar al-Assad habe ihm telefonisch
versprochen, ein Bataillon zur Sicherung der Grenze bereitzustellen,
sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag. Ein Bataillon sind
übelicherweise zwischen 600 und 800 Soldaten.
Assad habe zudem ein Angebot der internationalen Gemeinschaft für
Training, Ausrüstung und "internationales Know-how" der Soldaten
angenommen. Er habe Deutschland gebeten, das entsprechende Fachwissen
zur Verfügung zu stellen, sagte Annan weiter. Dies könne mit
einem entsprechenden deutschen Engagement im Libanon einhergehen.
Deutsche Grenzschutz- und Zollexperten sind am Flughafen von Beirut im
Einsatz. Sie sollen dort die Kontrolle von Passagieren und Fracht
unterstützen, damit Waffenschmuggel an die Hisbollah unterbunden
wird. Die Unterbrechung dieses Nachschubs für die schiitische Miliz
war eine Bedingung Israels zur Aufhebung seiner See- und Luftblockade
gegen den Libanon. Syrien und der Iran werden weithin verdächtigt,
die Hisbollah mit Waffen und Geld zu unterstützen.
Israel und die Hisbollah im Südlibanon hatten gut einen Monat lang
Krieg gegeneinander geführt. Eine Friedenstruppe der Vereinten
Nationen soll gemäß einer UN-Resolution die Einhaltung eines
Waffenstillstands zwischen den Konfliktparteien überwachen.
(Quellen: ddp, rtr)
Chinesen gedenken des 30. Todestages von Mao Tse-tung
So.10.09.06 - In China haben die Menschen am Samstag des 30. Todestages von Mao
Tse-tung gedacht. Während die chinesische Regierung den Todestag
des Begründers der Volksrepublik stillschweigend überging,
fanden sich tausende Menschen an Maos Mausoleum in der Hauptstadt
Peking ein. In seiner Heimatstadt Shaoshan im Süden besuchten
zwischen 6000 und 8000 Menschen das ihm gewidmete Museum, fast doppelt
so viele wie an einem gewöhnlichen Wochenende.
Beobachter schätzen, dass die Führung in Peking zu Maos
Todestag schwieg, um möglichst wenig Erinnerungen an den grausamen
Tod von Millionen Menschen unter seiner Herrschaft zu wecken. "Wenn man
von Mao spricht, kommt man nicht umhin, die Kulturrevolution zu
erwähnen", sagte einer der bekanntesten Journalisten Chinas, Li
Datong. "Man kommt nicht um die Tatsache umhin, dass zig Millionen
Menschen an Hunger gestorben sind." Touristen legten am sechs Meter
hohen Mao-Denkmal vor dem Museum in Shaoshan trotzdem Blumen nieder,
wie ein Kurator sagte.
Mao Tse-tung starb am 9. September 1976. Er hatte die Volksrepublik
1949 gegründet und ihre Geschicke als "Großer Führer"
über Jahrzehnte bestimmt. Infolge der Kulturrevolution, die der
Vorsitzende der Kommunistischen Partei 1966 einleitete, starben bis zu
zwei Millionen Menschen. In den Jahren zuvor hatte Mao ein Programm
unter dem Namen "Der große Sprung nach vorn" aufgelegt, um China
zu einer Wirtschaftsmacht zu machen; an der dadurch ausgelösten
Hungersnot starben etwa 30 Millionen Menschen.
(Quelle: afp)
EU-Parlament: Waffenembargo gegen China aufrechterhalten
So.10.09.06 - Vor dem EU-Asien-Gipfel an diesem Wochenende hat das EU-Parlament vor
einer Aufhebung des Waffenembargos gegen China gewarnt. 351 Abgeordnete
stimmten am Donnerstag für eine entsprechende Erklärung, 48
votierten dagegen. 160 Abgeordnete enthielten sich, darunter die
Fraktion der Sozialisten, die mit einem Passus zu Taiwan nicht
einverstanden war.
In der Erklärung wird bedauert, dass die verstärkten
Wirtschafts- und Handelsbeziehungen der EU zu China zu «keinen
wesentlichen Fortschritten hinsichtlich Demokratie, Menschenrechte und
Rechtsstaatlichkeit» geführt hätten. Kritisiert wird
weiterhin das hohe Ausmaß an Produktpiraterie durch chinesische
Unternehmen. Das EU-Parlament forderte zudem, China müsse eine
«angemessene Antidumping-Politik» verfolgen. Die
EU-Kommission hatte im April Strafzölle auf Schuhe aus China und
Vietnam verhängt und China des unlauteren Wettbewerbs beschuldigt.
(Quelle: ap)
Asien-Europa-Gipfel in Helsinki
So.10.09.06 - Zehn Jahre nach dem ersten Asien-Europa-Gipfel in Bangkok kommen die
Staats- und Regierungschefs der EU und ihre Kollegen aus 13 asiatischen
Staaten am Sonntag in Helsinki zusammen. Auf dem Programm des
sechsten Asien-Europa-Treffens (Asia-Europe Meeting, ASEM) steht der
weltweite Klimawandel an erster Stelle. Geplant ist eine
Erklärung, in der die 38 ASEM-Staaten das gemeinsame Ziel einer
Reduzierung der Treibhausgase bekräftigen.
Zudem wollen die Staats- und Regierungschefs nach dem Scheitern der
Welthandelsgespräche über das weitere Vorgehen beraten. Die
38 Teilnehmerstaaten des Gipfels repräsentieren 40 Prozent der
Weltbevölkerung, 50 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und
60 Prozent des weltweiten Handelsaufkommens.
(Quelle: ap)
Tausend Demonstranten verlangten vor ASEM-Gipfel mehr Gerechtigkeit
So.10.09.06 - Einen Tag vor dem europäisch-asiatischen ASEM- Gipfel haben rund
tausend Demonstranten in Helsinki mehr soziale Gerechtigkeit auf beiden
Kontinenten verlangt. Laut der finnischen Nachrichtenagentur STT/FNB
verlief die von Gewerkschaften und linken Gruppierungen organisierte
Protestaktion friedlich. Die Demonstranten forderten neben dem Erhalt
von Arbeitsplätzen in den europäischen Ländern vor allem
bessere Arbeits- und Entlohnungsbedingungen für Arbeiter in
asiatischen Niedriglohnländern.
(Quelle: dpa)
Argentinien nähert sich wieder der Bewegung der Blockfreien an
So.10.09.06 - Argentinien nähert sich nach 15 Jahren Pause wieder den
Blockfreien Staaten an. Das Land hat seine Teilnahme als Beobachter am
XIV. Gipfeltreffen der Bewegung am 15. und 16. September in der
kubanischen Hauptstadt Havanna angekündigt. Es gehe darum, einen
«anormalen Zustand» zu korrigieren, zitierte die staatliche
Nachrichtenagentur Telam den argentinischen Botschafter in Kuba,
Darío Alessandro. Die Bewegung der Blockfreien Staaten war 1961
während des Kalten Krieges in Belgrad gegründet worden.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Beck gegen höhere Entlastung bei Unternehmenssteuerreform
So.10.09.06 - Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat Forderungen nach höheren
Nachlässen für die Unternehmen bei der geplanten Steuerreform
zurückgewiesen.
"Unser Bestreben ist es, möglichst unter fünf Milliarden Euro
zu bleiben und im Laufe weniger Jahre wieder auf die Null-Linie zu
gehen", sagte er der "Berliner Zeitung" vom Samstag. Wenn
Wirtschaftsminister Michael Glos und Wirtschaftslobbyisten mehr
Entlastung forderten, sei das "nicht mehr als eine Duftmarke eines
Wirtschaftsministers".
Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte in der
abgelaufenen Woche die Forderung seines Kabinettskollegen Glos
zurückgewiesen. Es bleibe bei den im Kabinett vereinbarten
fünf Milliarden Euro, sagte sein Sprecher. Wirtschaftsminister Glos
hatte für zwei Milliarden Euro mehr plädiert. Der
CSU-Politiker verwies dabei auf die im Reformkonzept enthaltene
Abgeltungssteuer, die dem Fiskus Kosten in dieser Höhe verursache
und nur dem Privatanleger zu Gute komme.
(Quelle: rtr)
SPD-Landeschefs wollen Gesundheitskompromiss aufschnüren
So.10.09.06 - Nach der Verschiebung der Gesundheitsreform wächst in der SPD der
Wunsch, den Koalitionskompromiss noch einmal grundsätzlich
aufzuschnüren. Trotz einer Absage des Parteivorsitzenden Kurt Beck
plädierten auch die SPD-Landeschefs von Thüringen und dem
Saarland, Christoph Matschie und Heiko Maas, für einen Neuanfang.
Maas sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag», der von den
Koalitionsspitzen vor der Sommerpause beschlossene Kompromiss habe
«von Anfang an auf allen Seiten große Bedenken
ausgelöst».
Die Verschiebung des Gesetzgebungsprozesses unterstreiche dies nur
noch. «Wir haben jetzt die große Chance, aus Stückwerk
eine richtige Reform zu machen», sagte Maas und forderte:
«Das Paket muss grundsätzlich aufgeschnürt
werden.» Der saarländische SPD-Vorsitzende unterstützte
dabei Gegner des Gesundheitsfonds, der «keinen Sinne macht»
und forderte, den Einstieg in eine Steuerfinanzierung des
Krankenversicherungssystems klar zu regeln.
Auch sein thüringischer Kollege Matschie forderte, die
Steuerfinanzierung grundsätzlich zu überdenken. «Mit
dem Gesundheitskompromiss können weder Union noch SPD
leben», sagte er dem «Tagesspiegel am Sonntag». Es
sei daher «höchste Zeit, ernsthaft über eine
stärkere Steuerfinanzierung zu reden».
Die CSU-Landesgruppe im Bundestag ging auf Distanz zur Forderung ihres
stellvertretenden Vorsitzenden Max Straubinger, der für eine
Abkehr vom Gesundheitsfonds plädierte. Es handele sich um eine
Einzelmeinung, sagte eine Sprecherin der Landesgruppe am Samstag der
AP. Es gebe in der Fraktion und in der Koalition eine klare
Beschlusslage in Form der Eckpunkte.
(Quelle: ap)
Streit in der Koalition um Standortsuche für Atom-Endlager
So.10.09.06 - Die Suche nach einem Standort für das Atom-Endlager sorgt für
neuen Streit in der Koalition. CSU-Chef Edmund Stoiber sprach sich nach
einem «Spiegel»-Bericht gegen das von Umweltminister Sigmar
Gabriel angekündigte Endlagersuchgesetz aus. «Ich
plädiere dafür, die Verfahren und Untersuchungen zur
Endlagerung in Schacht Konrad und Gorleben zum Abschluss zu bringen und
dann in der Koalition eine Entscheidung zu treffen», sagte
Stoiber, wie das Hamburger Magazin am Samstag vorab meldete.
Ein Endlagersuchgesetz sei in der Koalition nicht durchsetzbar, denn es
würde zu Mehrkosten und Verzögerungen führen. «Dies
stünde im Widerspruch zur Koalitionsvereinbarung, wonach die
Lösung der Endlagerfrage zügig und ergebnisorientiert
anzugehen ist», wird Stoiber zitiert. In den Standort Gorleben
und in den für schwach radioaktive Abfälle vorgesehenen
Schacht Konrad wurden bisher rund 2,1 Milliarden Euro investiert.
Dagegen sagte Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) dem Blatt
zufolge: «Die Standortfrage für das Endlager für hoch
radioaktive Abfälle ist ungeklärt.» Es sei sinnvoll,
einen Findungsprozess verbindlich zu vereinbaren.
Gabriel arbeitet seit Monaten an einem Endlagerkonzept, das er
eigentlich im Herbst vorlegen wollte. Doch laut «Spiegel»
lief eine erste Beratung des Themas zwischen den Spitzen der
großen Koalition am Mittwoch ergebnislos. Gabriels Ziel sei es,
den «bestgeeigneten» Standort zu finden. In der Union werde
befürchtet, dass der Umweltminister in Unions-regierten
Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg Probebohrungen
starten könnte.
(Quelle: ap)