Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundvierten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Außenministerin Rice weiter von Al-Kaida-Connection zum Irak
überzeugt. Irak wirbt bei internationalen Gebern um Investitionen.
Gewalt hielt auch am Wochenende an
Mo.11.09.06 - Trotz eines gegenteiligen Berichts des US-Senats zeigt sich die
amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice weiter
überzeugt von einer Verbindung zwischen dem gestürzten
irakischen Regime von Saddam Hussein und dem Terrornetz der Al Kaida. Es
habe Kontakte zwischen beiden gegeben, sagte Rice am Sonntag dem
US-Fernsehsender Fox.
Am Freitag hatte der Geheimdienstausschuss des Senats erklärt,
dass die CIA im Oktober 2005 zu dem Schluss gekommen sei, dass das
Regime Saddam Husseins die Al Kaida weder beherbergt noch Beziehungen zu
ihr unterhalten habe. Sie könne sich nicht daran erinnern, diesen
Bericht gesehen zu haben, sagte Rice. Zudem habe man neue Erkenntnisse
gesammelt, seit es einen direkten Zugang zu inhaftierten Mitarbeitern
des irakischen Geheimdienstes gebe.
Bei einer Konferenz in Abu Dhabi haben irakische Regierungsvertreter am
Sonntag um wirtschaftliche und politische Hilfe für ihr Land
geworben. Der stellvertretende Ministerpräsident Barham Saleh
sagte, internationale Unterstützung sei entscheidend für eine
Versöhnung unter verfeindeten Gruppen im Irak. An der
eintägigen Konferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten nahmen
offizielle Vertreter aus Europa, den USA, UN, Weltbank, Internationalem
Währungsfonds, Japan, Korea und arabischen Nachbarstaaten teil.
Der stellvertretende UN-Generalsekretär Mark Malloch-Brown sagte,
die Anstrengungen zur Schaffung demokratischer Institutionen hätten
bislang wenig Wirkung gezeigt. Nach der Annahme einer Verfassung,
Wahlen und der Bildung einer demokratischen Regierung sei die Gewalt
immer noch auf dem Vormarsch. Normale Iraker hätten kein Vertrauen
in ihre Zukunft. Die internationale Gemeinschaft müsse die
irakische Regierung dabei unterstützen, radikale Reformen
durchzuführen, forderte Malloch-Brown.
Wegen eines Boykotts zweier großer sunnitischer Blöcke wurde
eine Sitzung des irakischen Parlaments am Sonntag gleich zu Beginn
abgebrochen. Hintergrund war ein Streit über einen Gesetzentwurf,
der ein föderales System mit einer autonomen Region im schiitischen
Süden des Iraks vorsieht. Sunnitische Gruppen sehen darin einen
Versuch, den Staat zu zerschlagen.
Zum Geburtstag eines schiitischen Religionsführers aus dem neunten
Jahrhundert versammelten sich am Samstag in der Stadt Kerbela rund vier
Millionen Menschen. Die Streitkräfte und die Polizei waren mit
einem massiven Aufgebot vor Ort, um Selbstmordanschlägen
vorzubeugen. Die Gläubigen zündeten zum Fest des Imams Al
Mahdi al Muntadhar unzählige Kerzen an, die die für Schiiten
heilige Stadt schon in der Nacht erleuchteten. Kerbela war seit der
US-Invasion im März 2003 wiederholt Ziel von Anschlägen
sunnitischer Extremisten im Irak. Auf dem Weg in die rund 80 Kilometer
südlich von Bagdad gelegene Stadt wurden schiitische Pilger in den
vergangenen Tagen wiederholt überfallen.
Die Gewalt hielt auch am Wochenende an. Bei einer Bombenexplosion in
einem belebten Geschäftsviertel von Bagdad wurden am Sonntag nach
Polizeiangaben fünf Menschen getötet und 17 verletzt. Wenig
später kam bei der Explosion einer Autobombe ein Polizist ums
Leben, fünf Polizisten und zwei Zivilpersonen wurden verletzt.
Südlich von Bagdad wurden sechs gefesselte Leichen entdeckt.
Im Bagdader Stadtteil Dora wurden am späten Freitagabend
Mörser auf Wohnhäuser von Schiiten abgeschossen. Dabei wurden
nach Polizeiangaben fünf Menschen getötet und neun verwundet.
Bei der Explosion einer Autobombe nahe eines amerikanischen
Militärkonvois in Bagdad kamen mindestens zwei Passanten ums Leben.
Im Zentrum der Hauptstadt erschossen Bewaffnete einen technischen
Mitarbeiter der Regierungszeitung «Al Sabah». Bei weiteren
Anschlägen in Bagdad gab es mindestens zwei Tote und mehrere
Verletzte.
In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden vier Menschen von zwei
detonierenden Bomben am Straßenrand in den Tod gerissen, 16
weitere wurden verletzt. Der irakische Vizepräsident Tarik al
Haschimi rief die Aufständischen dazu auf, die Waffen niederzulegen
und sich am politischen Prozess zu beteiligen. Al Haschimi vertritt die
Sunniten in der von Schiiten dominierten Staatsführung.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 11.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.11.09.05 - Mehr als 140 Tote bei Offensive gegen Rebellenhochburg Tel Afar +++
Südlich von Bagdad 18 Leichen entdeckt +++ Bei Bombenexplosion in
Bagdad fünf Menschen getötet +++ Jordaniens
Ministerpräsident besucht Irak +++ Ex-US-Außenminister Powell
sieht keinen Zusammenhang zwischen 9/11-Anschlägen und Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509110.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Bush zum 11. September - USA müssen weiter wachsam sein
Mo.11.09.06 - US-Präsident George W. Bush sieht sein Land auch fünf Jahre
nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur Wachsamkeit
aufgerufen.
"Amerika hat es unverändert mit entschlossenen Feinden zu tun",
sagte Bush in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am Wochenende.
Der "Krieg gegen den Terror" sei lang und schwierig. Am Vorabend des
fünften Jahrestags wollte Bush am Sonntag in New York an einem
Gedenkgottesdienst für die Opfer der Anschläge auf das World
Trade Center teilnehmen und am heutigen Montag mit Feuerwehrleuten
sprechen. Geplant waren auch weitere Besuche an Absturzstellen der 2001
entführter Flugzeuge im Pentagon bei Washington und in Pennsylvania.
Der Präsident wird sich zudem Montagabend zur besten Sendezeit im
Fernsehen an seine Landsleute wenden. In der Rede will Bush nach Angaben
des Präsidialamts darlegen, welche Bedeutung die Attentate vom 11.
September für das Leben der Menschen in den USA hatten.
Attentäter hatten die entführten Maschinen vor fünf
Jahren in die Zwillingstürme des World Trade Center in New York und
das Verteidigungsministerium bei Washington gesteuert. Eine vierte
Maschine war auf ein Feld bei Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania
gestürzt. Dessen Passagiere hatten vor dem Absturz offenbar
versucht, die Entführer zu überwältigen. Zu den
Anschlägen, bei denen etwa 3000 Menschen getötet worden waren,
hat sich die islamische Extremistenorganisation Al-Kaida bekannt. Nach
den Anschlägen führten die USA Krieg gegen Afghanistan, dessen
damalige Taliban-Regierung der Al-Kaida Unterschlupf gewährt hatte.
Bush sagte in seiner Radioansprache am Samstag, der Kampf gegen den
Extremismus verlange mehr als eine Stärkung der inneren Sicherheit
und Militäraktionen im Ausland. "Wir müssen auch eine
hoffnungsfrohe Alternative zur Hass-Ideologie der Terroristen anbieten",
forderte er. Bush verteidigte in diesem Zusammenhang die weltweit
umstrittenen Geheimgefängnisse der CIA. Sie seien ein wichtiger
Beitrag zur Terrorismusbekämpfung und hätten dazu beigetragen,
wichtige Hintermänner der Anschläge von 2001 zu fassen. "Ohne
dieses Programm hätten Al-Kaida und ihre Verbündeten nach
Überzeugung unserer Geheimdienste einen weiteren Anschlag auf das
Territorium der USA ausführen können."
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
War Zone Amerika: Verheerender Terrorangriff auf die USA
Di.11.09.01 - Ein beispielloser Terroranschlag auf das World Trade Center
in New York und das Pentagon in Washington, hat in aller Welt Entsetzen und
die Angst vor einem globalen Krieg ausgelöst.... Berichte und Hintergrund- Informationen unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0109120.htm#0109120
11. September 2001: Das Völkerrecht und der Krieg gegen
den Terror»
Nach den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon
begann unter Juristen eine neue Debatte. Dürfen "Schurkenstaaten",
die Terroristen schützen, angegriffen werden? Verhindert das
Völkerrecht den Kampf gegen den Terror? Hierbei wurde viel
juristische Fantasie freigesetzt... Mehr in einem Beitrag von Michael Bothe in der
"tageszeitung" vom 11.09.03:
http://www.taz.de/pt/2003/09/11/a0148.nf/text
Bothe ist Professor für öffentliches Recht an der Johann
Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Leiter der
Forschungsgruppe Internationale Organisationen bei der Hessischen
Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung.
'Die reinste Terrorshow'
Mathias Bröckers erklärt, warum er den 11. September
für eine Inszenierung der US-Regierung hält und was die
'9/11-Skeptiker' wollen... Mehr in der taz vom 09.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/09/a0172.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/09/a0168.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/09/a0167.1/text
Der Abbau der Menscherechte seit den Anschlägen des 11.September
Artikel, Hintergrundberichte und Statements - zusammengestellt
von 'Human Rights Watch'.
http://www.hrw.org/campaigns/september11
Noch viele offene Fragen bei Ermittlungen zum 11. September
Hunderte Festnahmen, aber nur wenige Anklagen und noch weniger Verurteilungen:
Auch fünf Jahre nach dem 11. September 2001 gibt es noch keine befriedigende
Antwort auf die Frage nach den wichtigsten Hintermännern und deren Rolle bei
den Terroranschlägen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0609080.htm#06090802
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Keine Spur von Osama bin Laden
Mo.11.09.06 - Zehntausende Soldaten durchkämmen seit Jahren die Berge im
afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf der Suche nach Osama Bin
Laden. Am nächsten waren sie dem Al-Kaida-Führer im Jahr 2001.
Seitdem aber fehlt von dem Mann, der als Drahtzieher der Anschläge
vom 11. September gilt, jede noch so schwache Spur.
In den USA gibt es nur noch wenig Hoffnung, Bin Laden zu fassen. Der
US-Geheimdienst CIA hat eine interne Abteilung geschlossen, die für
die Fahndung nach dem Al-Kaida-Chef zuständig war. Und die
US-Streitkräfte in Afghanistan suchen nicht mehr vorrangig nach dem
Al-Kaida-Führer, sondern kämpfen in erster Linie gegen die
wieder erstarkten Taliban.
«Das ist hier, wie wenn man Geistern hinterherjagt», sagt
US-Unteroffizier George Williams. Mehr als 100.000 Soldaten aus den USA,
Afghanistan und Pakistan sind im Grenzgebiet im Einsatz, dazu gibt es
technisch hochausgestattete Horchposten, Satellitenbilder und unbemannte
Spionageflugzeuge. Und natürlich das Kopfgeld von jeweils 25
Millionen Dollar, das die US-Regierung auf Bin Laden und seinen
Stellvertreter Ajman al Sawahri ausgesetzt hat.
Dennoch melden sich beide immer wieder unbehelligt zu Wort und rufen in
Erklärungen auf islamistischen Web-Sites zu weiteren Angriffen
gegen den Westen auf. Bin Laden hat seit Jahresbeginn fünf
Audiobotschaften veröffentlicht, auf einem Video war er zuletzt
2004 zu sehen. Der pakistanische Geheimdienst ist der Ansicht, dass der
im August vereitelte Plan von Bombenanschlägen auf
Transatlantikflüge möglicherweise auf Al Sawahri
zurückgeht.
Pakistan hat einen Großteil von Bin Ladens Stab gefasst, darunter
den Koordinator der Anschläge vom 11. September 2001, Chalid
Scheich Mohammed, und hat nach eigenen Angaben der Kommandoebene von Al
Kaida einen schweren Schlag versetzt. Ihre Unterstützung der
Taliban stellte die Regierung in Islamabad offiziell ein. Afghanistan
wirft dem Nachbarland dennoch vor, nicht nur ranghohen Taliban Zuflucht
zu bieten und den Nachwuchs aus radikalen Islamschulen zu dulden,
sondern möglicherweise auch Bin Laden zu schützen. Der
Terrorführer werde möglicherweise als Druckmittel bei
Verhandlungen mit den USA benutzt, sagt ein afghanischer
Regierungsmitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will.
Latfullah Maschal, ein ehemaliger Sprecher des Innenministeriums in
Kabul, geht sogar davon aus, dass sich Bin Laden in einem Tal in der
pakistanischen Provinz Nord-Waziristan versteckt hält. Islamabad
weist solche Vermutungen empört zurück. Bei der Fahndung nach
Bin Laden habe wohl kein anderes Land eine wichtigere Rolle gespielt als
Pakistan, betont Innenminister Aftab Khan Sherpao. Die Regierung hat mit
rund 80.000 Soldaten den Großteil der Truppen an der Grenze zu
Afghanistan stationiert.
Die USA haben angesichts der Situation im Irak lediglich 20.000
Soldaten in Afghanistan, die Hälfte davon im unzugänglichen
Grenzgebiet mit zerklüfteten, im Winter unpassierbaren Bergen,
reißenden Flüssen und hunderten von Höhlen. Bin Laden
könne dort auf ein seit rund 20 Jahren aufgebautes Netzwerk von
Kontakten zurückgreifen, sagt Michael Scheuer, Leiter der
ehemaligen CIA-Abteilung für die Jagd auf den Al-Kaida-Chef.
Außerdem kenne er sich in der Region bestens aus, und sein Status
«als Held in der islamischen Welt ist ein weiterer Faktor, warum
er noch nicht gefasst ist».
Am nächsten waren die Truppen dem Terrorführer nach
Einschätzung von westlichen, afghanischen und pakistanischen
Behörden im November 2001 in den Bergen von Tora Bora. Versuche,
Bin Laden und Al Sawahri zu fassen, gab es seitdem viele, aber sie
beruhten ausschließlich auf «Rätselraten», wie
der ehemalige Generalleutnant Ali Mohammed Jan Aurakzai einräumt,
der die pakistanischen Truppen in der Grenzregion nach 9/11 leitete:
«Niemand hat uns je eine genaue Information gegeben, dass Bin
Laden oder Al Sawahri in dieser oder jener Gegend sind. Nicht einmal
einen groben Hinweis.»
Heftiger Kritik setzten sich die USA aus, als sie im Januar ein
pakistanisches Dorf nahe der afghanischen Grenze beschossen. Nach
Angaben aus Geheimdienstkreisen sollte Al Sawahri dort am Tag des
Angriffs an einem Abendessen teilnehmen. Er blieb dem Essen jedoch fern,
statt seiner wurden mindestens 13 Zivilpersonen getötet. Berichte,
wonach auch mehrere ranghohe Al-Kaida-Mitglieder ums Leben kamen, wurden
nicht bestätigt.
Geheimdienstinformationen zufolge nutzen Bin Laden und Al Sawahri ein
komplexes Netz von Kurieren und haben nur einen kleinen Kreis Vertrauter
um sich. Solide Informationen über die Gesuchten zu bekommen ist
dagegen ein gefährliches Unterfangen: Seit Ende 2004 seien etwa 70
Stammesmitglieder getötet worden, weil sie mit der Regierung
zusammenarbeiteten, sagt Aurakzai. Auf einer Notiz, die an einer
enthaupteten Leiche in einem Dorf in Nord-Waziristan befestigt war,
hieß es im August: «Jeder, der uns ausspioniert, wird das
gleiche Ende nehmen.»
(Quelle: ap)
Britischer Offizier tritt wegen Afghanistan-Kampagne zurück
Mo.11.09.06 - Ein britischer Offizier ist aus Protest gegen die "grotesk
ungeschickte" NATO-Kampagne gegen die radikalislamischen Taliban in
Afghanistan aus der Armee ausgetreten. Das Auftreten der Armee in der
afghanischen Provinz Helmand sei "wie eine Schulbuchlektion, wie man
eine Aufstandsbekämpfung vermasselt", zitierte die "Sunday Times"
den Hauptmann Leo Docherty, der in Afghanistan Flügeladjutant des
Oberst Charlie Knaggs war. "Wir haben vorher gesagt, wir würden uns
anders verhalten als die Amerikaner, die Dörfer beschossen und
zerbombt haben, und dann haben wir genau das gleiche gemacht." Das sei
"grotesk ungeschickt" gewesen. "All diese Menschen, deren Häuser
wir zerstört und deren Söhne wir getötet haben, werden
sich jetzt gegen die Briten wenden."
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
UN-Vermittler soll Freilassung zweier Israelis erreichen
Mo.11.09.06 - Die Vereinten Nationen (UN) haben einen Vermittler beauftragt, der die
Freilassung der zwei von der libanesischen Hisbollah-Miliz verschleppten
israelischen Soldaten erreichen soll.
Der stellvertretende UN-Generalsekretär Mark Malloch Brown sagte
der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag in Abu Dhabi, der Beauftragte
der Weltorganisation arbeite mit beiden Konfliktparteien zusammen.
Einzelheiten wie etwa den Namen des Moderators nannte Brown nicht. Die
Entführung der beiden Soldaten Mitte Juli war Auslöser des
34-tägigen Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte vorige Woche mitgeteilt,
Israel und die radikale Schiiten-Miliz hätten der Berufung des
Vermittlers zugestimmt. Nach libanesischen Angaben sollen die beiden
Männer erst freikommen, wenn Israel zur Diskussion über einen
Gefangenenaustausch bereit ist. Die Forderung nach bedingungsloser
Freilassung der beiden Soldaten ist Bestandteil der
UN-Waffenstillstandsresolution.
Israel lehnt Verhandlungen mit der Hisbollah über die Freilassung
der Soldaten ab. In politischen Kreisen wurde jedoch darauf verwiesen,
dass der jüdische Staat zu Gesprächen bereit sei, wenn sie
über die libanesische Regierung geführt würden.
(Quelle: rtr)
EU und Iran erzielen Fortschritte im Atomstreit
Mo.11.09.06 - Die EU und der Iran haben bei der Suche nach einem Kompromiss im
Atomstreit Fortschritte erzielt.
In der kommenden Woche sollten die Gespräche fortgesetzt werden,
sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Sonntag nach einem
zweitägigen Treffen mit Irans Unterhändler Ali Laridschani.
Dieser sagte in Wien, es sei gelungen, einige Missverständnisse
auszuräumen. Aus Teheran kamen allerdings auch Signale für
eine unverändert harte Haltung.
In EU-Diplomatenkreisen war schon die Tatsache, dass nach dem ersten
Zusammentreffen am Samstag ein zweites Treffen stattfand, als Zeichen
für die Erfolgsaussicht der Bemühungen gewertet worden. Wenn
beide Seiten zu dem Ergebnis kämen, dass sich weitere Verhandlungen
lohnten, sei das ein ausreichendes Ergebnis, sagte ein Diplomat.
Bei den Gesprächen wollte Solana sondieren, ob der Iran auf dem
Verhandlungsweg zur Aussetzung seiner umstrittenen Urananreicherung
bereit ist. Hauptstreitpunkt ist die Forderung des UN-Sicherheitsrats,
die Anreicherung als Vorbedingung für Verhandlungen zu stoppen. Ein
entsprechendes Ultimatum hatte der Iran am 31. August verstreichen
lassen. Die USA fordern deshalb Beratungen über Sanktionen schon in
der kommenden Woche.
Ein EU-Diplomat sagte, Solana und Laridschani hätten in Wien auch
über die Reihenfolge eines Anreicherungsstopps und des Beginn von
Verhandlungen über ein internationales Anreizpaket gesprochen.
Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy hatte am
Donnerstag Flexibilität in dieser Frage signalisiert. Der Sprecher
des iranischen Außenministeriums, Hamid Resa Assefi, lehnte in
Teheran einen Anreicherungsstopp als Vorleistung erneut ab.
Verhandlungen könne es nur ohne Vorbedingungen geben, sagte er.
Die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland
hatten dem Iran im Juni ein Paket mit Angeboten zu wirtschaftlicher und
technischer Zusammenarbeit einschließlich der Lieferung von
Nukleartechnologie im Gegenzug für einen Stopp der Urananreicherung
unterbreitet. Westliche Regierungen verdächtigen die Machthaber in
Teheran, unter dem Deckmantel eines Nuklearprogramms zur
Energiegewinnung Atomwaffen zu entwickeln. Der Iran bestreitet dies.
Nach dem Ablauf der Frist zum Anreicherungsstopp drohen der Islamischen
Republik gemäß einer Resolution des Sicherheitsrats
politische und wirtschaftliche Sanktionen. Allerdings haben sich die
Vetomächte China und Russland, die enge Wirtschaftsbeziehungen mit
dem Iran unterhalten, bislang zurückhaltend zu dieser
Möglichkeit geäußert.
Europäische Regierungen hegen Bedenken wegen der möglichen
Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, falls der Iran als
viertgrößter Erdöl-Exporteur der Welt mit
Liefereinschränkungen auf Sanktionen reagiert. Das Treffen Solanas
mit Laridschani war ursprünglich bereits für Mittwoch
angesetzt, dann aber in letzter Minute abgesagt worden. Beobachter
werteten das diplomatische Hickhack als Anzeichen für den
Nervenkrieg zwischen beiden Seiten.
(Quelle: rtr)
EU und Asien wollen Kampf gegen Terror und Armut verstärken
Mo.11.09.06 - Bei ihrem Gipfeltreffen in Helsinki haben die Spitzenvertreter von 38
europäischen und asiatischen Staaten die Bekämpfung von
Terror und Armut als wichtigste Ziele ihrer Partnerschaft
identifiziert. Erreicht werden könnten diese nur durch eine
«effektive multilaterale Diplomatie», betonte der
amtierende EU-Ratspräsident und finnische Regierungschef Matti
Vanhanen am Sonntagabend auf einer Pressekonferenz. Auch für den
Streit über das nordkoreanische Atomprogramm strebten die
ASEM-Staaten eine friedliche Lösung an.
Eine nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel sei
«essenziell für Frieden und Stabilität in
Nordostasien», erklärte Vanhanen. «Wir rufen Nordkorea
dringend auf, von Handlungen abzusehen, die die Situation weiter
verschlimmern könnten», sagte der Gastgeber des
Asien-Europa-Treffens (ASEM) mit Blick auf die jüngsten
Raketentests der Regierung in Pjöngjang. Zudem müsse
Nordkorea seinen Bürgern mehr Rechte geben.
Die EU übte bei dem Treffen auch deutliche Kritik an der
Menschenrechtslage in Birma. Vanhanen erklärte, er habe in seiner
Funktion als Ratspräsident die Freilassung aller politischen
Gefangenen in dem südosteuropäischen Land gefordert, darunter
die der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Das
Militärregime in Rangun müsse einen «klaren Zeitplan
für einen Übergang zur Demokratie» vorlegen. Eine vom
birmanischen Außenminister U Nyan Win abgegebene Stellungnahme
wertete Vanhanen als unzureichend.
Die internationale Zusammenarbeit gegen den Terrorismus müsse mit
Bemühungen um eine stärkere Verständigung zwischen den
Kulturen einhergehen, erklärte der finnische
Ministerpräsident weiter. Einigkeit habe auch darüber
bestanden, dass man gemeinsam gegen die Ausbreitung von Aids und
anderen Pandemien vorgehen müsse.
Heute wollen die Vertreter der 38 Teilnehmerstaaten und der
EU-Kommission eine gemeinsame Erklärung zum Klimawandel
verabschieden. Zudem soll die Aufnahme Pakistans, Indiens und der
Mongolei sowie des Sekretariats des Verbands Südostasiatischer
Staaten (ASEAN) in die ASEM-Gemeinschaft beschlossen werden. Vanhanen
erklärte, dies werde «die Position der Partnerschaft
zwischen der EU und Asien stärken». Nach dem EU-Beitritt
Bulgariens und Rumäniens, der für 2007 erwartet wird, sollen
auch diese beiden Staaten ASEM-Mitglieder werden.
Am Rande des Gipfeltreffens führte Deutschlands Bundeskanzlerin
Angela Merkel Gespräche mit dem polnischen
Ministerpräsidenten Jaroslaw Kaczynski sowie den Präsidenten
Südkoreas und Indonesiens, Roh Moo Hyun und Bambang Susilo
Yudhoyono. Kaczynski kündigte für den 30. Oktober seinen
Antrittsbesuch in Deutschland an.
Bei ihrem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Roh
brachte Merkel ihre Sorge über das nordkoreanische Atomprogramm
zum Ausdruck, wie aus Regierungskreisen verlautete. Die Kanzlerin habe
die Hoffnung geäußert, dass die Sechsparteiengespräche
zur Lösung der nordkoreanischen Nuklearkrise wieder aufgenommen
würden. Der indonesische Präsident Yudhoyono habe Deutschland
noch einmal für die Hilfe nach dem verheerenden Tsunami Ende 2004
bedankt, hieß es weiter. Ein weiteres Thema sei die Entwicklung
in der Krisenprovinz Aceh gewesen. Merkel habe gewürdigt, dass
Yudhoyono weiter nach einer friedlichen Lösung der Probleme in der
Region suche, verlautete aus Regierungskreisen.
(Quelle: ap)
China verschärft Zensur 'gefährlicher' Nachrichten aus Ausland
Mo.11.09.06 - China hat am Sonntag die Bestimmungen für die Arbeit der
internationalen Nachrichtenmedien weiter verschärft. Die neue
Verordnung verbietet die Verbreitung von Informationen, die die
wirtschaftliche und soziale Ordnung Chinas stören oder die soziale
Stabilität untergraben könnten. Ebenso untersagt sind
Nachrichten, die die «nationale Sicherheit, die Reputation und
Interessen» des Landes gefährden.
Internationale Nachrichtenagenturen wie AP, Reuters und AFP werden
außerdem daran gehindert, chinesische Medien direkt mit ihren
Dienstleistungen zu beliefern. Statt dessen können Meldungen und
Fotos nur über die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua
oder von ihr autorisierte Stellen verbreitet werden. Die Verbreitung
von Nachrichten müsse auf «einwandfreie und ordentliche
Art» erfolgen, hieß es in der von Xinhua verbreiteten
Verordnung. Xinhua habe das Recht, die von ausländischen
Nachrichtenagenturen veröffentlichten Informationen
auszuwählen und nicht zulässige Meldungen zu entfernen.
Bislang war es den internationalen Agenturen möglich, bestimmte
Meldungen wie Finanzinformationen selbst an Kunden in China zu bringen.
Die neuen Bestimmungen zerstören die Hoffnungen der
Nachrichtenagenturen auf einen verbesserten Zugang zum wachsenden
chinesischen Markt.
Die neuen Regeln traten mit ihrer Veröffentlichung in Kraft. Bei
Verstößen drohen unter anderem der Entzug der
Betriebserlaubnis und Disziplinarstrafen. Die verschärfte
Regulierung der internationalen Nachrichtenmedien soll nach Angaben des
finnischen Außenministeriums auch auf dem gegenwärtig in
Helsinki stattfindenden ASEM-Gipfel der EU mit asiatischen Staaten
angesprochen werden.
(Quelle: ap)
28 Soldaten bei Kämpfen in Sri Lanka getötet
Mo.11.09.06 - Bei neuen heftigen Kämpfen im Norden Sri Lankas sind 28 Soldaten
getötet worden. Rund 120 wurden verwundet, wie die
Militärbehörden am Sonntag mitteilten. Die Befreiungstiger von
Tamil Eelam (LTTE) seien seit Donnerstag auf der nördlichen Insel
Jaffna mit Artilleriefeuer gegen die Regierungstruppen vorgegangen. Die
Soldaten hätten daraufhin zurückgeschossen. Den Angaben
zufolge gelang es den Streitkräften nur sehr langsam, von den
Rebellen gehaltenes Land zurückzuerobern. Seit Donnerstag sei man
lediglich 600 Meter vorangekommen, hieß es.
(Quelle: ap)
Deutschland
Merkel kritisiert US-Regierung wegen CIA-Gefängnissen
Mo.11.09.06 - Deutliche Kritik hat Bundeskanzlerin Angela Merkel an den
amerikanischen Geheimdienst-Gefängnissen für
Terrorverdächtige geäußert. Deren Einsatz sei nicht
vereinbar mit ihrem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit,
erklärte Merkel am Wochenende in Berlin. Ähnlich
argumentierte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auch
hinsichtlich des Gefangenenlagers Guantánamo. Der Botschafter
der USA in Deutschland, William R. Timken, wies die Kritik zurück.
US-Präsident George W. Bush hatte am Mittwoch erstmals die
Existenz der Gefängnisse eingeräumt, die die
US-Geheimdienstbehörde CIA im Ausland unterhält. Nach Ansicht
Merkels und Schäubles sind die USA zu weit gegangen. Die Kanzlerin
betonte, auch beim Kampf gegen den Terrorismus, der die freien
Gesellschaften in nicht gekannter Weise herausfordere, dürfe der
Zweck nicht die Mittel heiligen. «Wir müssen hier
angemessene Antworten finden, wie wir den Terroristen begegnen, ohne
unsere fundamentalen Prinzipien und Grundwerte in Frage zu
stellen.»
Schäuble sagte, er habe nie einen Grund dafür gesehen,
«dass man Terrorverdächtige wie in Guantánamo
außerhalb der Rechtsprechung amerikanischer Gerichte
inhaftiert». Dies sei sehr fragwürdig, sagte der
Innenminister der «Passauer Neuen Presse». «Es gibt
in Sachen Folterverbot kein Augenzwinkern», erklärte der
CDU-Politiker. «Hier haben die Amerikaner Fehler gemacht.»
Die Stärke der US-Demokratie liege aber darin, dass Fehler erkannt
und abgestellt würden. In Deutschland gebe es nach seiner Kenntnis
keine geheimen CIA-Gefängnisse.
SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz schloss sich der Kritik an.
«Ich begrüße die Stellungnahmen gegenüber der
US-Administration. Deutschland reagiert auf den islamistischen
Terrorismus mit den Mitteln des Strafrechts, die Vereinigten Staaten
aber militärisch. Deutschlands Position ist die
klügere», sagte Wiefelspütz der Tageszeitung «Die
Welt» (Montagausgabe).
Auch der Grünen-Politiker Volker Beck begrüßte Merkels
Erklärung, kritisierte aber, dass weiterhin keine Konsequenzen
gezogen würden. «Ich erwarte von der Bundesregierung, dass
sie bei den CIA-Flügen im deutschen Luftraum entweder von den
Amerikanern nachprüfbare Passagierlisten verlangt oder alle
amerikanischen Maschinen im deutschen Luftraum entsprechend
überprüft.»
Der Terror-Sonderermittler des Europarats, Dick Marty, bezeichnete Bush
wegen seines Eingeständnisses als Manipulator. Bushs
Äußerungen seien ein Schachzug, der mit den bevorstehenden
Kongresswahlen in den USA zu tun habe, sagte er in einem Interview der
Schweizer Zeitung «SonntagsBlick». Bushs Behauptungen,
wonach die Gefängnisse einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen
den Terrorismus geleistet hätten, seien überhaupt nicht
erhärtet.
US-Botschafter Timken sagte der «Leipziger Volkszeitung»
(Montagausgabe), Kritik an Guantánamo sei angesichts der weiter
bestehenden Terrorgefahr unverhältnismäßig.
«Guantánamo wird so lange notwendig sein, wie Terroristen
uns und unsere Nachbarn bedrohen. Durch die Inhaftierungen verhindern
wir weitere Attentate.» Timken betonte: «Terroristen geben
nicht auf. Wir werden weiterkämpfen, bis sie lernen, dass die Welt
ihre Hegemoniebestrebungen nicht akzeptieren wird.» Die
Einschränkung von Bürgerrechten sei in diesem Zusammenhang
notwendig.
(Quelle: ap)
Unions-Fraktionschef Kauder: Kongo-Einsatz kann länger dauern als
Weihnachten
Mo.11.09.06 - Der Bundeswehreinsatz im Kongo kann nach Einschätzung von
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) länger dauern als die
vorgesehenen vier Monate. «Ich hoffe, dass unsere Soldaten bis
Weihnachten wieder zurückkommen. Ich würde mich aber nicht
darauf festlegen», sagte Kauder der Zeitung «Bild am
Sonntag» laut Vorabbericht. Die Bundeswehr solle die Wahlen
absichern. Es komme aber noch ein zweiter Wahlgang. «Danach muss
man sich die Situation in dem Land anschauen», sagte Kauder.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte versprochen, dass die
deutsche Truppe zu Weihnachten wieder zu Hause sei.
Kauder sprach sich gegen höhere Verteidigungsausgaben aus.
«Eine Aufstockung des Verteidigungsetats über das vorgesehene
Maß hinaus halte ich aus heutiger Sicht nicht für
erforderlich», sagte er. Die Bundeswehr sei für die laufenden
Auslandseinsätze gerüstet. Das Geld reiche zur Erfüllung
der absehbaren Aufgaben. «Wir haben bereits eine Aufstockung der
Mittel vorgesehen - bis 2010 soll die Bundeswehr eine Milliarde Euro
mehr bekommen. Sollten weitere Auslandseinsätze auf uns zukommen,
müsste notfalls noch etwas getan werden», sagte Kauder.
Kauder sicherte Jung, aber auch den in die Kritik geratenen Ministern
für Wirtschaft und Gesundheit, Michael Glos (CSU) und Ulla Schmidt
(SPD), die Unterstützung der Unions-Fraktion zu. Die drei Minister
hätten «schwierigste Aufträge». Glos und Jung
machten eine ausgezeichnete Arbeit und hätten die volle
Unterstützung der Fraktion. «Auch Frau Schmidt kann sich auf
die Unions-Fraktion verlassen - sofern sie die Gesundheitsreform wie
vereinbart umsetzt», versicherte Kauder.
(Quelle: ddp)
Gesundheitsreform: Struck warnt vor Aus für Koalition
Mo.11.09.06 - In der großen Koalition spitzt sich der Streit um die
Gesundheitsreform zu. Ein Scheitern würde das Ende des
Regierungsbündnisses bedeuten, warnte SPD-Fraktionschef Peter
Struck am Wochenende. Mehrere SPD-Landeschefs stellten sich mit der
Forderung, das Kompromisspaket noch einmal aufzuschnüren, gegen
ihren Parteichef Kurt Beck. Auch in der CSU wird Widerstand gegen den
geplanten Gesundheitsfonds laut.
Die Reform sei für Schwarz-Rot der «Lackmustest»,
sagte Struck und fügte hinzu: «Sie muss gelingen, damit die
Koalition bis 2009 hält.» Struck warnte, eine nochmalige
Verschiebung könne und dürfe sich die Regierung nicht
leisten. FDP-Chef Guido Westerwelle wertete Strucks
Äußerungen als Beleg für den «fortschreitenden
Verfallsprozess der Koalition» und verlangte Neuwahlen.
Die Koalitionsspitzen hatten am Mittwoch beschlossen, dass die Reform
erst zum 1. April 2007 kommen soll, drei Monate später als
vorgesehen. Hintergrund sind Differenzen zwischen Union und SPD bei der
Umsetzung der im Juli beschlossenen Eckpunkte. Die Arbeit am
Gesetzentwurf dauert daher länger als geplant.
CSU-Landesgruppenvize Max Straubinger sagte, man solle lieber «im
bewährten System weiterfahren». Mit dem Gesundheitsfonds
würden «Elemente verbunden, die nicht zu verbinden
sind», nämlich die von der SPD favorisierte
Bürgerversicherung und das Unions-Modell einer
Gesundheitsprämie. Straubinger fügte hinzu: «Dann
lassen wir es so, wie es ist.» Eine Sprecherin der
CSU-Landesgruppe sagte, es handele sich um eine
«Einzelmeinung». Es gebe «eine klare Beschlusslage in
Form der Eckpunkte».
Auch Beck stellte klar: «Die vereinbarten Eckpunkte der
Gesundheitsreform gelten.» Es gehe nun darum, solide Arbeit bei
der Gesetzgebung zu leisten. Saarlands SPD-Chef Heiko Maas widersprach.
Mit der Verschiebung gebe es nun die große Chance, aus
«Stückwerk» eine richtige Reform zu machen. «Das
Paket muss grundsätzlich aufgeschnürt werden», forderte
Maas. So mache der Gesundheitsfonds «keinen Sinn».
Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie kritisierte: «Mit dem
Gesundheitskompromiss können weder Union noch SPD leben.»
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte erneut vor einem
deutlichen Beitragsanstieg von heute im Schnitt 14,2 Prozent auf bis zu
15,7 Prozent in 2009.
Nach einer am Wochenende bekannt gewordenen Berechnung des
Schätzerkreises von Krankenkassen und Bundesversicherungsamt
müssen die Versicherten 2007 mit einer Beitragserhöhung um
0,7 Punkte rechnen. Das Gesundheitsministerium weist dies jedoch
zurück und erwartet weiter einen Anstieg um höchstens 0,5
Punkte. Die vorläufige Schätzung berücksichtige nicht
die Einsparungen im Zuge der Gesundheitsreform betonte eine Sprecherin.
Der Schätzerkreis äußerte nach Informationen der
Zeitung «Die Welt» jedoch bereits Zweifel an den Sparzielen.
(Quelle: ddp)
CDU-Politiker wollen Druck auf Langzeitarbeitslose erhöhen
Mo.11.09.06 - Mit Leistungskürzungen wollen führende CDU-Politiker mehr
Langzeitarbeitslose zur Annahme von Jobs bringen. Der thüringische
Ministerpräsident Dieter Althaus und der
baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus
unterstützten am Wochenende den Vorschlag der Wirtschaftsweisen,
das Arbeitslosengeld II um 30 Prozent zu kappen und dafür einen
höheren Hinzuverdienst zu ermöglichen. Die SPD lehnt die
geforderte Absenkung dagegen weiter ab.
Althaus sagte laut «Bild am Sonntag», die Vorschläge
der Sachverständigen müssten bei der Gesamtdiskussion um die
Reform des Arbeitslosengeldes II und den beabsichtigten Kombilohn
einbezogen werden. «Dazu zählt auch die
Überprüfung der Höhe des Regelsatzes in Kombination mit
einer Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten», sagte
der CDU-Politiker. Auch Stratthaus sagte demnach, der Anreiz, für
den eigenen Lebensunterhalt zu arbeiten, sei für manche
Arbeitslose noch nicht stark genug.
Dagegen sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, mit seiner Partei
sei ein so deutlicher Einschnitt nicht zu machen. «Wer glaubt,
dass man Arbeit nur dadurch schafft, indem man den Druck auf
Arbeitslose ständig erhöht, der liegt schief», sagte
Heil dem Deutschlandradio Kultur. Ohne Wachstum und eine zielgerichtete
Investitions- und Wirtschaftspolitik sei keine deutliche
Beschäftigungszunahme erreichbar. Auch die
Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer erklärte, eine
Kürzung des Arbeitslosengeldes II wäre eine politische
Unverschämtheit, weil sie unterstelle, dass alle
Langzeitarbeitslosen Nichtsnutze seien. Tatsächlich fehle es nicht
an Motivation bei den Betroffenen, sondern an Arbeitsplätzen.
Allerdings gibt es auch in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verschiedene
Meinungen über den Vorschlag des Sachverständigenrats. Der
haushaltspolitische Sprecher der Fraktion, Steffen Kampeter, sagte der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», wenn die
staatliche Unterstützung zu hoch sei, «dann fehlen die
Anreize zur Anstrengung, Arbeit im ersten Arbeitsmarkt zu
finden». Sein für Arbeitsmarktpolitik zuständiger
Kollege Ralf Brauksiepe erklärte dagegen, die Kürzung der
Regelsätze sei für die Fraktion kein Thema. Schon heute sei
es möglich, einzelnen Arbeitslosen die Hilfe zu kürzen, wenn
sie Jobs ablehnen, auch wenn das selten praktiziert werde.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger lehnte die Initiative seiner
Kollegen aus dem Sachverständigenrat erneut ab. Er habe Zweifel,
ob es überhaupt möglich sei, für die derzeit 2,8
Millionen Langzeitarbeitslosen eine Beschäftigung zu finden, sagte
Bofinger der Chemnitzer «Freien Presse». Bofinger schlug
stattdessen vor, mit einer gezielten Absenkung der Sozialabgaben im
Niedriglohnbereich Beschäftigung in den unteren Einkommensstufen
attraktiver zu machen.
Unterdessen könnte der Überschuss der Bundesagentur für
Arbeit (BA) dieses Jahr sogar über die Grenze von zehn Milliarden
Euro steigen. Das hänge vor allem davon ab, wie viel
beitragspflichtiges Weihnachtsgeld die Unternehmen im November zahlen,
sagte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise dem
«Handelsblatt». Den Spielraum für zusätzliche
Beitragssenkungen bewertete Weise aber weiterhin zurückhaltend.
«Wer jetzt den Beitragssatz stärker als zwei Punkte senken
will, muss wissen, dass damit die Haushaltsrisiken in den Jahren ab
2008 wachsen», sagte Weise mit Blick auf entsprechende
Forderungen aus der Union.
(Quelle: ap)
Papst-Besuch in Bayern - Benedikt XVI. beklagt Glaubensverlust im Westen
Mo.11.09.06 - Zum Auftakt seines umjubelten Bayern-Besuchs hat Papst Benedikt XVI.
den Glaubensverlust im Westen angeprangert und eine Rückbesinnung
auf die christlichen Werte gefordert: «Es gibt eine
Schwerhörigkeit Gott gegenüber, an der wir gerade in dieser
Zeit leiden.»
Das sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag in München vor 250 000
Menschen bei einem Gottesdienst unter freiem Himmel. Die Messe war ein
erster Höhepunkt des sechstägigen Besuches in seiner Heimat.
Am Samstag hatte der Papst nach seiner Ankunft die Deutschen zur
besseren Integration muslimischer Mitbürger ermahnt und
überraschend ein Zeichen für die Ökumene gesetzt. Rund
150.000 Menschen, so die Schätzung der Polizei, empfingen den
einstigen Münchner Erzbischof mit «Benedetto»-Rufen
und Fähnchen in den Vatikan-Farben Weiß und Gelb. Die
Organisatoren sprachen von etwa 250 000 Pilgern.
Bundespräsident Horst Köhler äußerte sowohl in
seiner Begrüßungsansprache als auch bei einem Treffen mit
dem Papst den Wunsch nach einer Annäherung der evangelischen und
katholischen Kirche. Gerade in Deutschland als dem Land der Reformation
wünschten viele Christen einen ökumenischen Fortschritt.
«Uns verbindet doch so viel mehr als uns trennt», sagte der
evangelische Köhler.
In seiner Erwiderung sagte der Papst, vom Manuskript abweichend:
«Sie sprechen mir aus dem Herzen. Auch wenn man 500 Jahre nicht
einfach bürokratisch oder durch gescheite Gespräche beiseite
schieben kann - wir werden uns mit Herz und Verstand darum mühen,
dass wir zueinander kommen.» Die Kirchenvolksbewegung «Wir
sind Kirche» appellierte an den Papst, den Ankündigungen
Taten folgen zu lassen.
Indirekt kritisierte Benedikt XVI. in seiner Predigt am Sonntag die
katholische Kirche in Deutschland, die sich in Afrika und Asien mehr
für soziale als für missionarische Projekte einsetze.
«Das Soziale und das Evangelium sind einfach nicht zu
trennen», mahnte er. Die Menschen müssten die Ehrfurcht vor
Gott wieder lernen: «Die Welt braucht Gott. Wir brauchen
Gott.»
Mehr als 100 Kardinäle und Bischöfe feierten mit dem Papst
bei strahlendem Sonnenschein den festlichen Gottesdienst. Schon bei
seinem Eintreffen auf dem Münchner Messegelände und der
anschließenden Fahrt im Papamobil durch die Reihen der
Gläubigen gab es Beifall, Jubel und «Benedetto»-Rufe.
Die ersten Besucher hatten sich dort bereits um Mitternacht eingefunden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach einem Treffen mit dem
Papst am Vorabend, sie habe dem Kirchenoberhaupt versprochen, sich bei
der anstehenden deutschen EU-Präsidentschaft für gemeinsame
christliche Wertvorstellungen in Europa einzusetzen.
Zu seinem Heimat-Besuch war Benedikt auf dem Münchner Flughafen
als Oberhaupt des Vatikanstaates von Köhler mit militärischen
Ehren empfangen worden. Auch Bundeskanzlerin Merkel und Bayerns
Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sowie der Münchner
Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter und der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, waren gekommen. Die
Tegernseer Gebirgsschützen, bei denen der Papst Ehrenmitglied ist,
schossen Salut.
Nach seiner Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt hielt Benedikt XVI.
vor der Mariensäule am Marienplatz eine Andacht. Sichtlich
gerührt sang er das «Ave Maria» und die Bayernhymne
mit. Der Papst nannte es bewegend, an der Säule zu stehen. Dort
hatte er vor 30 Jahren gebetet, als er Münchner Erzbischof wurde,
und später noch einmal, als ihn Johannes Paul II. zum
Präfekten der Glaubenskongregation nach Rom berief.
Das befürchtete Verkehrschaos blieb aus. «Wenn alle Besucher
von Großveranstaltungen sich so diszipliniert verhalten
würden, wäre das für die Polizei ein Traum», sagte
Polizeisprecher Andreas Ruch.
Heute setzt Benedikt XVI. seine Visite mit einem Besuch des
größten deutschen Marien-Wallfahrtsorts Altötting und
seines Geburtsorts Marktl fort. Unbekannte hatten in der Nacht zum
Sonntag zwei Farbbeutel auf die Fassade von Ratzingers Geburtshaus
geworfen. Ein Maler entfernte die Flecken jedoch rasch wieder.
Am Dienstag werden zu einer Messe bei Regensburg 350 000 Menschen
erwartet; in der Universitätsstadt hatte Ratzinger früher
Theologie gelehrt. Der Mittwoch ist dem privaten Teil des Besuches
vorbehalten. Nach einem Besuch des Freisinger Doms, wo Benedikt XVI.
vor 55 Jahren zum Priester geweiht wurde, fliegt der Papst am
Donnerstag wieder nach Rom zurück.
(Quelle: dpa)
Gehirn will gewaschen sein
Der Papst weilt zurzeit in seiner irdischen Heimat Bayern und macht so
dies und das. Beispielsweise spricht er vor der Öffentlichkeit.
Und die Medien hören gut zu. Aber was geht uns das eigentlich
an?... Mehr in der taz vom 12.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/12/a0135.1/text